Ausgabe 
12.6.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

PHOTO- ARTIKEL

M

erfand na«

Erstes Blatt

165. Jahrgang

Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten

Vorkehrungen traf, den Grobwesir <wt schilpen.

nnir ihr

a wurde fo drohen b, das; der

ab berufen, der Abberufiing-

Nachrichten vor:

UetallbeM l

den Großw efir Attentat verübt nach 10 Minuten

Slmtlir

Plattfi

Film' licht- empfiti Papkt stets frisch.

Mahmud SchefketPascha wurde ein Schefket wurde schwer verwundet und ist den Verletz un gen erlegen.

Ueber das Attentat liegen folgende

//IV ________

Grohwesir Mahmrid Schefket Pascha ermordet.

-,-ha wegen i^ehorsamsverweigcr.ing Hehl aber -urüägezegea ncr.rn muhte.

Itr. 135

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, miüer Sonntags. - Beilagen: ») lermal ivöclwntljch SiebmerZamilienblättcri -ivennal ivödicnll.KtciS: bwtrsürdettAreisGtehcn (Dienstag und Freitag)-, zweiinai monnt!. £nnb= wirtschaftliche Zeitfragen Fernfprech - Anschlüsse: für die Nedatlion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

wurde, schrie er vor Schmerzen auf. Schon vor drei Tagen wurde von einem hiesigen Blatte angefragt, ob cs sich be­stätige, das; Enver Bey und ein noch höherer Offizier er­mordet worden feieit.

Einer der M ö r d c r ist bereits verhaftet. Der Ver- haftcte, T o p a l M adri, gehört seit längerer Zeit dem mit der Militärliga sympathisierenden BundeOtto m a n i - schc Patrioten" an.

Unbegreiflich ist es, dass die türkische Regierung keine besseren

seit einigen Tagen bekannt, das; die Feinde be-5 Kabi­netts einen Streich planten. Wiederholt erhielt der G roh,' wcfir Drohbriefe. Es kam zu regierungsfeind­lichen htundgct ungen in der T s ch a t a l d f ch a-A r m c c, und die

emi-D*

'I Emil Karn, Schuh-

luchhandlmg

Es ist wieder innerer Hader, der Kampf der Parteien gc- hxicn, der das Verbrechen hcrvorgerufcu hat. Seit Wochen hatten sich die Anzeichen dafür getnehrt, das, hinter den Kulissen sich ein neuer Zusammenstoss vorbercite. Tic Strömung im Heer gegen das jnngtürtische Kabinett ist nie beseitigt worden, immer wieder mussten Offiziere verhaftet werden, die gegen die Jnngtürkcn gearbeitet hatten, und das..Ministerium hatte allerlei Cichcr- heitsmastregeln getroffen, um sich vor der Wiederkehr eines Put» sches zu sichern. Man hörte davon, baß der kommandierende General, Abuk Pascha, den vielgenannten Enver Bi, als er zu politischer Wühlerei in seinem Befehlsbereich erschien, einfach verhaften lieh, ohne dem Wunsch des Großwesirs auf Frei­lassung Folge zu leisten. Tie F-reunde des seinerzeit ermor­deten Kriegsministers Rasim Pascha hatten stets verlangt, daß die Täter vor Gericht gestellt würden, und rüsteten sich, nach dem FricdenSschtust ihr Begehren n.i der Spitze ihrer Truppen zu wiederholen. Ter dem fungtürlischen .Komitee feindliche Mi- litärbunb hatte seine Tätigkeit seit dem Ende des Krieges wieder begonnen. Kurz, alles drängte auf eine neue innere, schwere Krise hin. Es gehört zu den Kennzeichen der neuen Zeit in der Türkei, daß sie keine Achtung vor Menschenleben hat, alle Parteien find bereit, politische Gegner, di? ihnen unbegucm sind, mit Revolver und Dolch zu beseitigen. Und die Blutschuld for­dert dann wieder die Rache heraus. <st> lange man von diesem

Ms W*

ürstenberg Bier Ausschank- Ajjter artneväiaofübr- Kanne;

ic ^.shweise.

Gießen, 12. Juni.

Haltung der Offizier Lia Oberlommandant Abuk Pascht

Wir erhielten gestern nachmittag folgendes Telegramm: Konstantinopel, 11. Juni. Auf

noch so viel einzuwenden haben, man mag auch mit seiner neuen Zusammensetzung durchaus unzufrieden sein, cs läßt sich nicht leugnen, daß mit diesem nun einmal vorhandenen Landtage, so lange er durch eine Wahlreform nicht modernst sicrr ist, parlamentarische Erfolge erzielt werden können und müssen. Ein großer Teil der wirtschaftlichen und sozialen Fragen, die Fragen der auswärtigen Politik und damit int Zusammenhang die des Heeres und der Flotte, der Kolonien usw. werden zwar fast alle im Reichstag er' lcdigt, aber fo manche Entscheidung wird durch die Haltung des preußischen Abgeordnetenhauses beeinflußt, zumal auch Toppelmandate genug vorhanden sind. Wahrend im Reichs­tage die Kultursragen, die Frageit deS geistigen Lebens des deutschen Volkes zurücktreten vor den politischen und wirtschaftlichen, gehören sic im preußischen Abgeordnctcn- hanse zu den wichtigsten und heiß, umstrittensten Dingen. Man denke an den Kampf um die Schule. Aber auch wirt­schaftliche und soziale Fragen gibt es immer noch genug, die in hervorragendem Grade das Abgeordnetenhaus bc- schäftigen. Man braucht bloß aus die'preußischen Eisen­bahnen hinzuweisen. Sie besclräftigen 354 441 Beamte, Hilfsbcdicnstete und Arbeiter, 76 528 Werkstättencirbciter, 90500 Bahnunterhaltungsarbeiter, im ganzen weit über eine halbe Million Personinr. Tic Rechte und Pflichten dieser gewaltigen Masse von Angestellten der Eisenbahn müssen bei Beratung des jährlichen Etats im Abgeorbneten- hause festgestcllt und cs muß. für ihr Wohl gesorgt werden.

Richt geringer ist die Fürsorge des preußischen Parla­ments für die Bergarbeiter und für die Landwirtschaft. Zn den sozialpolitischen Aufgaben gehören weiter das Wvh- nungswesen, das Fürsorgeweßen, die direkte Besteuerung, die tommunal, kreis- uni) sozialpolitischen Fragen, die Mittelstanhspolitik, die innere Kolonisation, die Ostmarken­politik, die Kultivierung der Moore und Oedländer, die Schaffung kleiner Bauerngüter, die Stärkung und Forde­rung des Deutschtums in den dänischen Gebieten, die Fleisch- teucrung, die allgemeinen Beamtenschmcrzen und endlich die Reform der preußischen Verwaltung. Alle diese Fragen warten auf eine Beantwortung auf das neue Preußen­parlament.

Heber .Merhchische Dialektforschung und Oos geplante yessLN-rrassauische Wörterbuch" sprach kürzlich Herr Prof. Tr. W rede aus Marburg vor der Kreis-Lehrerkonferenz des Kreises Gießen. Ta wir annehmen, daß auch zahlreich andere, dein Lehrerstand nicht anqeh.>rigc Leser unseres Blattes Interesse für den Gegenstano haben, möge hier kurz einiges ans J)cni von den Zuhörern mit lcbhastesteui Beifall aufgenonnnencn Bortrage folgen.

Tialektforschung ist heutzutage nicht mehr bloß eine Lieb Haberei. des zünftigen Sprach,iclehrten, sie ist ein Zweig der Heimakforsching gemorbcit. Forscher um) Dilettant sind auf diesem Gebiete wie kaum auf einem anderen aufeiitandcr angewiesen. Fällt jenem die Aufgabe zu, Ziele zu sctzxn und die Direktion, zu übernehmen, so liefert dieser das nötige Material. Uno ein frischet- Zug geht heute durch diesen Zweig der Forschung, gcrad ouch in unserem Sprachgebiet. Und das ist mit Freuden zu begrüßen. Einmal um der Wissenschaft iviüen, der hierdurch in reichem Maße gedient wirb, dann aber können auch durch gesunde Heimatforschung soziale Gegensätze ausgeglichen oder wciiigße.'ts gemildcrt werden, gehört bod> dieselbe Heimat allen Sprad^genossc.t, dem Reichen wie dem Armen.

Zweck der ForsclMitg ist es, das Charakteristische der Heimat und des heimatlichen Wesens hervorzuhcben und herauszuarbeiteit. Anthropologie und 'Ausgrabungen genügen hier nicht: man muß auf das ursprünglichste und eigenste Ausbrustsmittel für Geist und Seele zurü-ckgreisen, unb das ist bie Spraare. Aber nicht die gelernte Säml- und Sd.riflsvrachc, sondern das heimatliche Idiom. In it^urhessen loar es vornehmlich Vilmar, in Overhelfen Weigand und Haimbach, die beachtenswerte Anfangsleistungcn förbertea, nachdem auf breitere wissenschaftliche Grundlageit Schmetter die Forschung in seinem mundartlichen Bayrischen Wörterbuch gestellt hatte. Bei diesen Männern tritt vor allem das wissenschaftliche Interesse in den Vordergrund, und weitere Kreise blieben daher von ihren Arbeiten unberührt. Ein frischerer Zug wehr beute in der Bewegung durch heimatkundlichen Einschlag. Mit in erster Linie haben zur Belebung der oberhessischen Mundartforschung beigetragen die Auregnngeit, die von der Universität Gießen unb von ber hessischen Vereinigung für Völkerkunde ausgingen. Muster­gültige Sammlungen von Flurnamen, oberhcssisdicu Verbal formen, wertvolle Dissertationen über einzelne Dialektgcbiete find schätzens­werte Fruchte dieser Bestrebungen: und durch solche Arbeiten wurde das s2taigc des Forschers und des Dilettanten geweitet. Glichen die lexikalischen Sammlungen des vorigen Jahrhunderts iit allgemeinen mehr Raritäteitkammern von Liebhabern, so geht mit jetzt einen Schritt weiter, unb es sind nicht mehr vorwiegend -vissenschastliche Spekulationsfragen, die den Forscher leiten, son­dern die völkerkundlichen Grundfragen:Was ist hessisch" usw.

n e t i k c r, sondern auchHiffo-riker im engeren Sinne sein muß.

Die angeführten Arbeiten sind, so wertvoll sic an sich er­scheinen, bis jetzt dost) nur Anfänge, unb viel bleibt noch zu tun; und dazu ist vor allem nötig Geld und Organisation. Es gilt, alle die zu gemeinsamer Älrbeit zusammenzurufen, oie ber Sachte nützen Irinnen. In ber Sd.weiz, in Schwaben, im Elsaß, in Siebenbürgen hat man große muiibarilid.'C Wörterbuch, r an- gefangen. Der ganze Süden ist also fleißig am Werk, und auch in )tcrbbcut!d/anb regt siä 's. Die preußische Akademie der Wissenschaften bereitet ein großes Wert vor, und an den Vor­tragenden tit die Aufforderung ergangen, für Hessen-Nassau die Forschung und Zusammenstellung zu übernehmen unb ein mund­artliches Wörterbuch heraus ugeben. Das Arbeitsgebiet wird naturgemäß auch beit Kreis Wetzlar unb die Provinz Ob er Hessen umfassen müssen: und gerade daraus ergeben sich mand ? Schwierig - feitcu. Mit besonderer Freude muß daher das Entgegenkommen anerlaiim werden, das dem Unternehmen in so reichem Maß? gerade in Gießen entgegengebracht wird. Und so steht der Forsdxr auch vor der Lehrerschaft des Kreises als Mahnender mit der Bitte: Helfen Sie reiten, waS n o ck zu retten ist; sammeln a uch Sic für das heimatliche Wörter­buch für Hessen unb Nassau! Aber man wird fragen: Was soll denn gesammelt werden? Tie Antwort auf diese Frage ist leicht -n geben; sie lautet eben: Alles! Auch bad scheinbar Geringe unb Nebensächlid ? gewinnt im Zusammenhang des Ganzen oft eine nicht geahnte Bedeutung. Tas geplante Werk soll leine Raritätenjammer werden, n ie man sie früher angelegt htt, sondern ein ^piegelbilb ber hämischen Munoarl; darum soll nichts über» ichen werden, und alles ist freudig willkommen.

Und wie soll gesammelt werden? Auch das ist leidet zu beantworten: Wie es eben dem Einzelnen am geeignetsten und am bequemsten erscheint. Nur vermeide man die Wiev-rgabe des Mnnbarttidwn durch Transßlriptionen, da gerade dadurch nicht leiten Schwierigkeiten entstehen. Man wende also ruhig bi? ge= wohnte Schreibweise an: ber ordnende Forscher wird sich an der vand des Wenkerichen Sipvachatlass.s wohl zit orientieren wissen.

ist es einerlei, ob man etwa nach Begriffsgruppen ober

->vvrterbud ern rammelt. Tem einen mag es vielleicht zweck - mavig ericheinen, alles zufammettzustetten, was mit Kleidung, 410^150^1, Ernährung usw. zusammeiihängt; ein anderer nehme ruhig eines unserer Wörterbücher, sei cs das von Weigand od<r Erecclrus ober auch nur ben kleinen Duden. Tie Hauptfach? ist, dap man lid) stets fragt,:H a be ist diefesWori tu m einer Mundart; w i e ist's nrit seiner Bedeutung, und was ist falls es fehlt - sein Ersatz? Zn der nachsteti Zeit werden noch Fragebogen hinausgehen, die noch manches erläutern werden; aber man ivartc nicht so lange mit

Das neue Preußenparlameut.

Man schreibt uns aus parlamentarischen Kreisen:

An diesem Donnerstag tritt der Landtag zu einer kurzen geschäftlichen Sitzung zusammen. Tas neue Ab aeordnctenhauS, der Nachfolger des durch kgl. Verordnung v-om 7. Mai aufgelösten Hauses, konstituiert sich vorläufig durd) Namensaufruf. Das Herrenhaus, das lediglich v-?r- tagt war, erledigt alle Geschäfte in einer einzigen Sitzung Am Freitag prüfen die Abteilungen 'des Abgeordneten Hansis die Wahlen, am Tage darauf findet die Präsidentenwahl und ein Festessen anläßlich deS RegierungSjubiläums stait Die Landtagssession wird am 18. Juni ihr Ende erreichen Damit ist aber noch nicht gesagt, daß für das neue Preußen Parlament in diesem Sommer alle Arbeit entfällt. Es gilt, für die nächsten Verhandlungen das gesetzgeberische Material zusammenzustellen. Das vom Herrenhaus ab geänderte Aus grab ungs gesetz ist durch die Aus­losung des alten Abgeordnetenhauses unter den Disch ee- fallen, ebenso die Novelle zum Einkommensteuer-, gesetz mit der vou der Regierung gewünschten Verewigung der provisorischen Stcuerzuschläae und der Verschärfung! des Vcranlagungsverfahrcns. Mit beiden Gegenständen imrd sich der neue Landtag bald wieder befassen müssen Ein dritter Gegenstand betrifft die Rechte der Land tagspräfidenten. Das alte AbgeordnetetihauS fetzte im März 1912 einen Ausschuß vou 14 Mitgliedern ein, um die Fragen zu prüfen, ob und wie das Recht der Präsi deuten beider Häuser des Landtags zur Vertretung des Fiskus und wie die Rechtsverhältnisse der Beamten des Herrenlmuses und des Hauses der Abgeordneten neu zu regeln seien. Unmittelbar vor Schluß ber Legislaturperiode ist dieser Ausschuß mir feiner Arbeit zu Ende gekommen Er verneint die Notwendigkeit der gesetzlichen Neuregelung deS Rechtes der Präsidenten beider Häuser des Landtag-' zur Vertretung des Fisk'uS in Rechtsstrcitigleiten über An­gelegenheiten der Häuser, sic ersucht aber die Regierung um die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, durch den bas Recht der Präsidenten beider Häuser des Landtags geregelt wird, den Fiskus bei den Rechtsgeschäften zu vertreten, die durch den Geschäftsbetrieb beider Häuser erforderlich werden. Ferner wurde folgender Gesetzentwurf for­muliert: Die La n d ta g s b e am t en sind unmittelbare Staatsbeamten. Die für letztere geltenden Vorschriften finden auf die Landtagsbeamten mit folgenden Maßgaben Anwendung: 1. Die Anstellung als Landt-agsbeamter oder die Versetzung eines unmittelbaren Staatsbeamten in eine Dienststelle beim Landtage erfolgt unter Zustimmung des Präsidenten des betreffenden Hauses. 2. Während der Tauer der Session haben die Präsidenten das Recht zur Verhängung von Ordnungsstrafen nad) §§ 15, 18, 19 oes Gesetzes betr. die Tienftvergchen der nichtrichterlichen Be­amten vom 21. Juli 1852 mit der Maßgabe, daß eine Be. ichwerde nicht stattfiudc. 3. Auf Antrag des Präsidenten des betreffenden Hauses sind die Landtagsbeamten im Wege ber Versetzung, der Pensionierung oder des Tisziplinar- verfahrens ihres Dienstes beim Landtage zu entheben.

Ties sind nur einige Beispiele der Restarbeit, die das neue Mgeordnetenhaus zu erledigen hat. Damit sind aber die Aufgaben des neuen Prcußenparkaments noch nicht er '.cbigt. Man mag gegen das preußische Abgeordnetenhaus

Tic Ermorbung des Großwcsirs beute auf ocu Beginn eiucr terro­ristischen, vou ber Offiziers-Liga seit Wochen angekundigtcn Aktion an.

Wien, 11. Ium. Auch nach berSüdslawischen Kvrrc- sponben?," gilt bie Ermordung des GroßwesirS als bas Werk b er O s si z i c r s l i g a, bic oem Äroßwcsir w'ieberholt sagen lief:, er werbe cs büßen müssen, lvcnn er bic Mürber Nasim Pasdxis nicht bcftrafc. Bor vier Wochen brad> eine iKruppc von 40 Personen, bar unter Offiziere, die wegen Politischer Betäti­gung aus ber Armee entlassen worben waren, in bas Haus des abwesenden Großwesirs ein und hinterließ einen Zettel:Be­strafen Sie bic Mörber!"

Konstantinopel, 11. Juni. Eine hervorragende P e r s o n erklärte, mit ber Hinwcgräunrung Mahmub Scheftct Pafd-as sei bran Komiteeunwesen bas Rückgrat ge­brochen. Tie Ernrorbung bcs Großwesirs sei nur eine Auf­lehnung gegen bic Liga, bie als unccranlmortlid/? macht- unb beutelüfterne Geno'senschafl hinter ihm gcftanbcn habe.

Konstantinopel, 11. Juni. Ein kaiserlichcs Re­skript besagt: Mein erlauchter Wesir Mehmcb Saib Pascha, ber Märtyrcrtod bes Großwesirs unb Kricgsministers 9N a h - nuib Schefket Pascha hat uns tief gerührt unb betrübt. Tie Leitung bes Großwesiratcs ist Ihnen übertragen. Sie sind zum Range des Großwcsirs befördert. Zn -Gemäßheit bcfscn erwarten wir, baß Tie im Einvernehmen mit unseren jetzigen Ministern mit Eifer unb Patriotismus die Staatsgeschäs-c leiten. Möge Gott Ihnen Erfolg verleihen. Mehmcb R c s d) a b.

Jinre>ner leint, w'nden J" vki-

abends denM - rccr!| »ckepg f'iü1 C(CI

nal-Seifc

eme (50 n 7, !*" ®«ta4 sn

Eisschräs speifens^il: Speisens" EisinaAml cmpttilt 586

I.B. Häuser

^xikon

*> Seen, ''Dötfer, Bäder Mmt« usw,

Donnerstag, 12. Juni 1913

'S c ; u <v> j r e

mouatlicb7öPf.,vicrlel- r jährlid) bttk. 2.20; durch

Ab hole- u. Zweigstellen monntli b 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jrtbvl. nuöidil. Beitcllg. Zoilenprels: lokal 15Pf.» auswärts 20 Pfennig, (f (icirebnfteur: 9( Goetz. yeraiitivüTtlid) für den politischen Teil: Sluauft

«njci«er SicSen. V i 115^ «. S|H u!,b

Annahme von Anzeigen V ,65encbtsfanl": <L9len-

h'ir bie Taqcsninmner «oranonsorutf .itto Verlag oer sruh! schen Univ.-Buch- und zieindruckerei R. Lange. NedaMon. drpedition und Druckerei: Zchulttrast- 7. rnlh; ,l'v und b'5 6esch-fkst-lle Büdingen. B-chnhMratze 16a. "

Koustantinopel, 11. Juni. Als ber Groß- wcsir in Begleitting seines Adjutanten Ekreff Bey nnd des Marineoffiziers Ibrahim Bey bas .Micgs- ministerium vcrlaffen hatte unb auf dem Wege zur Pfo'rtc war, begegnete fein Automobil auf dem Platz Bayazid zwei Personen, die vor einem anderen Automobil standen und ihre Revolver auf den Gro ß lv e s i r ab schoss en. Mahmud Schefket wurde tödlich getroffen und starb nad) 10 Minuten. Ibrahim und ein Diener wurden vcrivunbet.

Tic Mörder des Großwcsirs sind Tscherkessen Als der Großwesir in den Nacken und in bas Ohr getroffen

_crs7^xi>z. - < <

Hnttc ist Isinzugekommefi, was früher fehlte, bic Sprache unb Tialcktgeographic, unb bic hossisd/.-u Laiwc, bie früher uachgc- l'intt iuaren, haben hier in ber Stille eine neue Grunblagc vor­bereitet in bem deutschen Sprad.atlas von Georg Wenlcr in Marburg. Dem Rheinland entstammend, aeer ein Menschenalter im Hessenland tätig, htt Wenlcr 40 Sätze an die bett!sche Lchrcc- Idmft hinausgcgeben mit ber Bitte, sie in bic h.imatlid.e Mund­art zu übertragen. Nick t weniger als 44 090 Orte haben öiciem Wunsche culsprochm, unb so hat bic bcatsd. Lehrerschaft ber Milnbartforsdmng ein .äußerst rl>crtnottcs Material geliefert, für das ihr nicht genug gebaiiir werben kann. Wurden doch aus diese Weise burd) sie bie Grundlagen für beit deutsd)en Spradiatlas gewonnen, titbcm sich erst auf Grund des zusammengctragenen, Materials bie genaueren Wort- und Lautgreirzen fcststcllen lteßc.t. Tas Wort Pscrb z. B. fehlt in vielen Gegenben auch in hiesiger vollständig, unb an seine Stelle tritt berGaul" ober das

Roß", ebenso ist es mitschreien" unbkreischen" u. v. a. Mit Hilfe ber 40 in bic Mundarten übersetzten Sätze war es mm möglich, genau fcstzustcllen, wie weit basPferd" läuft, bis cs vomGaul" oberRoß" ab gelöst wirb,wie weit man schreit", bis basGekrisch" anfängt, wo manFleisch",Flasch" oberFläsch" ißt usw. usw. Die Wort- unb Lautgeigraphie hatte hierdurch einen bedeutenden Schritt vorwärts gemacht. Bis jetzt umfaßt ber deutsche Sprachatlas, der auf diese Weise ent­stand, bereits über 1200 Kartenblätter, und etwa 350 werden noch folgen. x Mundartlich« am besten und genauesten erforscht find bic Rheinlande, die Heimat Wenkers: aber auch Hessen Im bereits rüstig gearbeitet. Wir hoben auch in Hessen ein? Reib: von wertvollen Lokalgrammatitcn, Mundartwörterbüa>ern usw. Weigand, Schöner und vor allem Erecelius haben in ihren Wet- t er au er unb Vogelsberger Wörterbüchern und Idiotiken i ostbare Sdstitzc für ben Forscher nnHergelegt, bic nid-t nur für ben Sprach­forscher, sondern and, für bic Biologen äußerst wertvoll sind, ba sic interessante Schlüsse auf bas Geistesleben bes Volkes er- möglichen. So zeigen sie z. B., wie wenig basVolk" geneigt ist, ben Boben ber Wirklichkeit zu verlassen unb sich auf ben ber Spekulation zu begeben. Tas Eschonröber Zbiotikon von Sdiöncr führt als Wortsd'atz von Efdienrob unb Umgegend etwa 5000 Wörter an, darunter 3300 Hauptwörter; unb von wiesen 3300 Hauptwörtern sind nicht weniger als 3000 Eoncreta unb nur etwa 300 Abttrakia. Unb in cmberen Gegenden, z. B. im Kreis Esch- wege, hat sich bie inrerefiantc Tatsache ergeben, baß bic Tialekt- grcn-cn sich nicht mit ben Gau- unb Stammesgrcnzcn oeckcw, sondern baß sie mit den Amtseinteilnngcn frülxwcr Zeiten zu- sammenfatten, ein Beweis bafür, wie sehr die amtlichen Be- zichunecn bas Geistesleben bes Volkes zu beeinflussen vermögen; unb biese Feftstelttmgeu ergeben als weitere Folge unb Forberung^ daß der Dialektforscher nicht mehr bloß Pho-

r. ME

ehll dM . 601

"rRränzeTScETl lllt'A.Salomon^y