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13.1.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. 10 Erstes Blatt

163. Jahrgang

Montag, 15. Januar <915

Der Slehener Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntags. - Beilagen: vierinal ivöcbentlicb Eteßener^amilienblätter, zwennal ivöchentl.Nrels-- blatl für den Ureis Siegen (Dienstag und Freitag); zweimal nronatl. Land­wirtschaftliche Seitsragen Fernlprech - Anschlüsse: für die Redaktion *112, Verlag 11. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnunnner bis vormittags 9 Uhr.

Geneml-Mzeiger für Gberheßen

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Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Univ.-Such- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße |6a.

BeznaSvrei s-, monatlich 75 Bf., viertel» jährlich Mk. 2.20; dnrch Abbole- il Ziveigstellen monatlich 65 'BL; durch die Post 'JJlf.2. viertel- jährt, ausjchl. BeileUg. ZeilenpreiS: lokal 15PL, auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantivortlich für den politischen Teil: August Goetz; fürfteiiille- ton",Verinischtes" und Gerichtssaal": K. 9leit- rath; fürStatu und Land": E.Heß; für der: Anzergenterl: L>. Beck.

Die heutige Nummer umscchl IO Seiten

Die M litarvorlage.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Mit der neuen Militärvorlage zarter besaitete Ge­müter bezeichnen sie mit dem milderen Ausdruck Nach- tra g s etat wird zurzeit die Methode beli.bt, die jener gutmütige Mann seinem Mops gegenüber anwandte, in­dem er ihm den Schwanz stückweise abschnitt, damit er es weniger merken solle. Zuerst war lediglich von einem Nachtragsetat zwecks Ergänzung unserer Luftflotte die Rede, die, wie allgemein anerkannt wird, angesichts der Überlegenheit der französischen Luftflotte einer solchen Ver­stärkung dringend bedarf. Im Anschluß daran sickerte durch, daß bei dieser Gelegenheit auch einige sonstige militärischen Lücken ausgefüllt 'werden sollen. Und solche Lücken gibt es immer, es gibt sie auch jetzt. So herrscht Einftirnmig- keit darüber, daß die Bespannung unserer Ar­tillerie einer Verstärkung bedarf, und cs ist ent als be­rechtigt anzuerkennender Wunsch unserer militärischen Kreise, daß die zum 1. Oktober d. I. zu bildenden M a - schinenge wehrkompagnien früher und zwar so bald als möglich formiert werden sollen. Man war a so darauf gefaßt, daß der angeküirdigte Naclffragsetat sich nicht mil den Mehrforderungen für 'die Lu.tflo te begnügen, sondern noch einige weitere in bescheidenein Rahmen gehaltene Mehr­ausgaben für das Heer bringen werde. In den letzten Wochen sickerten nunimmer mehr Nachrichten durch, die auf eine steigende Erweiterung diesesbescheidenen Rah­mens^ . hinauskamen, bis dann jetzt diePost" mit meinem ganzen Arsenal von Mehrforderungen aufwartete. Ter zu einer umfassenden Militärvorlage angeschwollene Nach- tragsetat sollte danach die Mittel 'anfordern zu einer be­deutenden Verstärkung der Kompagnien im Frieden, zur Ergänzung der noch fehlenden dritten Bataillone, zu einer Ausstellung der Kavalleriedivisioncn, zur Bildung eines neuen Armeekorps aus den bei einigen Armeekorps vorhan­denen, die normale Zahl Merschreitenden Brigaden und Regimentern und zu einer umfassenden Ausbildung der Ersatzreserve mit der Waffe.

Ter Meldung derPost" sind alsbald mehrere De­mentis, darunter auch ein solches aus dein Kriegsmini­sterium, gefolgt, und in der Tat liegt es auf. der Hand, daß Jene Ankündigung _ formell den ..Tatsachen nicht ent­sprechen kann, weit über den Nachtragsetat noch kein end­gültiger Beschluß gefaßt worden ist und die Verhandlungen zwischen dem Kriegsministerium, das immer mehr zu ver­langen pflegt, als ihm bewilligt wird, und den: Reichs- schatzamt, das den Daumen auf den Beutel hält, nock) hin und hergehen.

Als sicher kann, wie gesagt, gelten, daß der Nachtrags- etat außer den Forderungen für die Luftflotte eine Ver­stärkung der Artilleriebespannung und eine frühere For­mierung der Maschinengewehrkompagnien bringen wird. Weiter geht ein sehr lebhafter Wunsch dec Militärverwal­tung nach einer Erhöhung der Friedensstärke der Kom­pagnien, wobei man sich auf die jüngsten Mobil.sierungen (offiziell spricht man bekanntlich nur von Vorbereitungen) in Rußland und Oesterreich beruft. Während diese im Zarenreiche, wo die Kompagnien eine größere Friedens­stärke aufweisen, glatt und geräuschlos vor sich gingen, bereiteten sie in der Donaumonarchie infolge der geringeren Friedensstärke erhebliche Schwierigkeiten. Es kann des­halb wohl mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß auch eine hieraus bezügliche Forderung noch in den Nachtrags­etat gesteckt werden wird. Zwar ist es möglich, ja sogar wahrscheinlich,, daß früher oder später die Bildung eines neuen Armeekorps im Anschluß an die Auffüllung der kleinen Regimenter verlangt werden muß, aber daß diese sowie andere Forderungen noch in diesem Fahre dem Reichs­tage unterbreitet werden sollen, ist doch fraglich.

Die verbündeten Negierungen werden sich der Erkennt­nis nicht verschließen tonnen, daß neben den mehr oder minder umstrittenem militärischen Lücken auch die finan­ziellen Lücken in Betracht kommen. Daß die viel­erörterte Besitz steuer, die ja bisher noch in der Luft schwebt und deren Schicksal noch ganz ungewiß ist, für so umfassende Forderungen nicht ausreichen würde, um "so mehr da ja hiervon auch die Ausfälle infolge der spätestens am 1. Oktober 1916 in Kraft tretenden Ermäßigung der Zuckersteuer gedeckt werden müssen, liegt auf der .Hand. Daß aber die Neichsregierung Neigung hätte, der zweiten Reichsfinanzreform von 1909 eine dritte, nahezu ebenso umfassende von 1913 folgen zu lassen, wird man kaum als wahrscheinlich ansehen, schon deshalb, weil die Mehr­heitsverhältnisse im Reichstag und die zurzeit wenig be­willigungsfreudige Stimmung im Zentrum eine derartige Politik als einen Versuch mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt erscheinen lassen. Es ist also wohl daraus zu rechnen, daß bei dem zur Militärvorlage avan­cierten Nachtragsetat die militärischen Wünsche e.n Kom­promiß mit der Politik schließen werden, die bekanntlich die Kunst des Möglichen ist.

Dar Ein greisen der Mächte.

Nach einer Erklärung derNordd. Allgem. Ztg." gibt es keinen Zweifel mehr: die Großmächte werden in Kon­stantinopel einen Druck ausüben, um die türkische Regie­rung zum Nachgeben zu zwingen. Das deutsche Regie­rungsblatt gibt zwar zu, daß über einige Punkte noch nicht volle Uebereinstimmung h rrsche, stellt aber dann doch die gewichtige Tatsache fest, daß der Entwurf einer Note an die Türkei als Ganzes bereits seststehe. In Konstan­tinopel scheint die Stimmung wieder gespalten zu sein. Die leitenden Kreise tragen sich, wie es heißt, mit der

...................................................................................... Absicht, zur Entscheidung über Krieg und Frieden ein. 'Nationalversammlung einzuberufcn. Ob di.se den drohenden inneren Wirren vorbeugen wird, kann nur die Zukunft lehren. Von Rumänien kommt der Türkei fürs erste keine Hilfe; der rumänische Ackerbauminister hält sich zurzeit zwar in Konstantinopel auf, aber aus Bukarest wird versichert, er halte sich nur zuprivaten Zwecken" dort auf. Ein. Zweifel darüber bleibt in diesen kritischen Zeiten berechtigt. Der Minister ist vielleicht zurIn­formation" ausgeschickt worden.

Wir hatten am Samstag die Notwendigkeit betont, daß von der deutschen Regierung den entsetzlichen Gräueln der Balkankrieger gegen die mohammedanische Bevölkerung auf der Londoner' Konferenz cntgcgcngeircLen würde. Die Nordd. Alla. Ztg." hat nun inzwischen zu der Angelegen­heit die Erklärung abgegeben, daß die deutsche Regierung bei den bete. Valtansraaten Vorstellungen erhoben habe. Bei der Decrntwor.ung der Anfrage des Abg. Erzberger im Reichstag, die wir heute an anderer Stelle veröffentlichen, wird der Reichskanzler wahrseh inlich dieselbe Antwort er­teilen. Wir sind aber der Ansicht, daß dies doch nicht völlig genügt. Solche skandalöse Vorkommni.se müssen auch auf den Gang der Verhandlungen in London ihre berech­tigte Einwirluna haben. Der Kanzler kann nicht bestreiten, daß die Ausschreitungen vorgekommen sind, aber der Aus­gang der Londoner Konferenz, wie er heute sicher steht, könnte für die-Balkanstaaten nicht günstiger sein.

Wir erhalten folgende Meldungen:

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Wochenrundschau:

Tie Ko l l e kt i v n 0 t c der Großmächte, durch welche dem Wiederausbruch der Feindseligkeiten cntgegengcroirti werden soll, war am Freitag abend ihrem vollen Wortlaut nach im Entwurf festgestellt, auf dessen einstimmige A n n a h m e durch die Kabinette gerechnet wird. Tie Einmütigkeit der Großmächte über Form und Inh-alt dieses gemeinsamen Schrittes möge eine gute Vorbedeutung sein, daß auch in den noch offen stehenden Fragen sich eine europäische U e b e r e i n st i m m u n g wird erzielen lassen. Die Hinweise einzelner Blätter auf noch nicht behobene Meinungsverschiedenheiten erscheinen unangebracht in einem Augenblick, wo sich der Friedenswille Europas für ein einheitliches Vorgehen in der Hauptfrage bewährt. Tie der Pforte zu überreichende Note bedeutet einen freundschaftlichen, wenn auch ernsten Rat, der nichts enthält, was gegen die wohl enoogen-en Interessen der Türkei selbst verstößt, die doch für ihr künftiges Erstarien auf die willige Mithilfe der Großmächte rechnet. Auch den Balkcknstaät en gegenübet 'setzte die m^ftleickende mildernde Tätigkeit der Mächte niemals aus. Sie macht sich gegenwärtig u. a. in den zwischen Rumänien und Bul­garien enfftandenen Schwierigkeiten geltend, von denen wir hoffen, daß sie auf dem Wege diplomatischer UnterhaMungen ihre Lösung finden.

Bezugnehmend auf die im englischen Unter- Hause gestellte Anfrage über die im Balkan- kriege vorgekommencU Grausamkeiten schreibt das Blatt':

Zahllose Mitteilungen liegen darüber vor, wie von Irregu­lären und Banden gehaust worden ist. Bis zu welchem Grade die Beschuldigungen im einzelnen Falle auf Wahrheit beruhen, läßt sich von, hier aus vorläufig uicht nachprüfen. Die deutsche Regierung brachte alle Fälle, die ihr zu Ohren kamen, zur Kenntnis der zur Abhilfe berufenen Regierungen und suchte auch sonst darauf h i n z u w i r f e n , daß dem Treibe n^E i n h a l t geschah. Ter Armeebefehl des Generals Sawow vom 17. De­zember traf auch sehr eingehende, kräftige Anordnungen zum Schutze von Eigentum, Leben und Ehre der mohammedanischen Be­völkerung. Taß trotz aller Strenge der Behörden die Untaten der Banden nicht haben unterdrückt werden können, bleibt auss tiefste zu beklagen.

Die Einberufung einer türkischen Natioual- versammluug.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: Der Ministerrat beschloß am Sonntag, die Entscheidung über Krieg und Frieden einer Nationalversammlung zu ü b e r l a s s c u , zu der die Ulemas, die religiösen Chefs der Nichtmohammedaner, Vertreter der Wissenschaft und des Handels, Beamte außer Dienst und sonstige erfahrene Personen berufen werden sollen. Die Nationalversamm­lung wird an einem vom Sultan zu bestimmenden Tage im Palais zusammentreten. Kia mil Pascha wird die Lage darstellen und der Versammlung die Frage vvrlegen, ob die Türkei nachgeben oder weiterkämpfen soll.

'Gleichzeitig wird aber auch folgende Meldung ver­breitet :

Da die Unterredung des Großwesirs mit König Ferdi­nand vor Tschataldscha erfolglos verlief nud auch die gleich­zeitig augekuüpsten Verhandlungen mit Griechenland wenig Erfolg versprechen, ist d e r M i u i st r m e h r d e n u j e f ü r die Fortsetzung des Krieges entschlossen. Auch der Großwesir scheint dafür zu sein. Die alte liberale Militärliga, die von der Mehrheit des Generalstabes unterstützt wird, hat sich wieder konstituiert und in einer geheimen Sitzung den Kriegsminister als einen zu den Iuugtürken übergegangcnen Verräter zum Tode verurteilt.

Die Forderungen Rumäniens.

Bukarest, 13. Ian. Offiziös wird erklärt, Bul­garien sei bereit, einen Streifen Land bis an das Schwarze Meer, Silistria eingeschlossen, abzutreten, falls es Adrianopel erhält, sei abex gegen jede Grenz - b e r i ch t i g u n g. Nach Wiener Meldungen u n t e r stützt Oesterreich-Ungarn die rumänischen Forde­rungen.

DieNeue Freie Presse" erklärt, es bestände ein voll­gültiges Kriegsbüudiiis zwischen Oester­reich-Ungarn und N u in änie 11. An unterrichteter Stelle wird aber versichert, die Auslassungen derNeuen Freien Presse" beruhten nicht auf amtlichen Informationen. Vielleicht sind sie aber doch wahr?

DieVossische Zeitung" berichtet aus Bukarest: Die rumänisch-billg.irischcn Verhandlungen werden gleich­zeitig in London, Bukarest und Sofia geführt. Der ru­mänische Ministerpräsident äußerte sich 0 p t i m i st i s ch über die Verhandlungcm

Serbische Eifersucht auf Bulgarieu<

Belgrad, 11. Ian. Ter Minister des Innern pole­misiert im RegierungsorganSamuprava" gegen die Behauptung eines auswärtigen Blattes, daß die Bul­garen zweifellos die Hauptaufgaben im Bal­ta n kriege verrichtet haben. Der Minister verweist darauf, daß Bulgarien keine Erfolge hätie erringen fönnen, wenn die serbische Armee, deren Stärke 320 000 Mann betrage, nicht bei Kumanowo und Monastir gesiegt hätte. Serbien habe seiner Bundespflichi in der gew s euhaf.esten Weise genügt, und dadurch zum Erfolg des Balkanbundes in hohem Maße beigetragen.

«griffe der Türken bei Skntari.

Eetinje, 11. Ian. (Amtliche Meldung.) Die Tür­ken auf de In Tarabosch griffen gestern die Vorposten der Südarmee an, wurden jedoch zurück geschlagen. Tas Gewehrfcucr und die Kanonade dauerte drei Stunden ohne Schaden für die Montenegriner. Die Lage von Sku- tari ist verzweifelt. Täglich kommen Flüchtlinge bei uns an und erzählen, daß der Zustand der Stadt besonders für die Einwohner unerträglich sei.

Man muß immer bedenken, daß die Meldung aus montenegrinischer Quelle stammt.

Von der türkischen Flotte.

Konstantinopel, 12. Ian. Der Kommandant del Tardanellenflotte Kochi'än Rem i ist zu rück getreten, weil er, wie verlautet, die Verautwortung über ein weiteres Vorgehen gegen die griechische Flotte nicht übernehmen will. Zu seinem Nachfolger ist Kontreadmircrl Halil P a) cf) a in Aussicht genommen. Es verlautet, die türkische Flotte sei gestern aus den Dardanellen ausgelaufen. Nach­richten über einen Kampf liegen nicht vor.

2lu$ Hessen.

Vom Abgeordneten "Grünewald erhalten wir fol­gende Zuschrift:

Tie von Sbcrrn Abgeordneten Winkler aufge ft eilten unb von Ihnen veröffentlichten Behauptungen sind sämtlich unwahr:' ihr Gegenteil ist wahr. Ich lehne es aber ab, über meine Privatangelegenheiten und ins^ besondere über Ehrensachen Erörterungen imGießener An­zeiger" zu pflegen und ersuche Sie, solche zu vermeiden, dies um so mehr, als von solchen Auseinandersetzungen auch dritte Personen berührt werden müßten. .

Tie Urkunden, welche den w a h r e n^T a t b e st a n d ergeben, liegen bei mir zur Einsicht offen für Sie und für jedermann, der Interesse an dieser Angelegenheit nimmt. Eine Grundlage für eingerichtliches Nachspiel" ist bis jetzt nicht vorhanden, da eine Forderung nicht gestellt ist. Mein Bevollmächtigter, Herr Geh. Rrgierungsrat Dr. Wallau in Groß-Gerau, ist instruiert, die Forderung, wenn sie gestellt wird, anzunehmen und 6c3 der Bildung des Ehrengerichts mitzuwirken. Ich ersuche Sie, diese Zuschrift auszunehmen.

Hochachtungsvoll!

Justizrat Grünewald, Rechtsanwalt.

Wir haben dazu zu bemerken, daß andere Blätter die Er­klärung des Abg. Winkler ihrem ganzen Wortlaut nach aufge- nontmen haben und unter allen Umständen ein Nachspiel zu erwarten war. Wir sind .auch der Ansicht des Herrn Abg. Grünewald, daß 'P r i v ack a n g e l e g e n h e i t e n nicht in der Presse breitgetreten werden sollten. Allein, wenn es sich um Angelegenheiten eines Abgeordneten handelt und um Kou- seguenzen eines in öffentlicher Sitzung ausgebrochenen Konfliktes, kann unsere Zeitung die Erwähnung solcher Dinge nicht unter­lassen. Wir können Herrn Grünewald nicht versprechen, daß über die Angelegenheit in unserem Blatte nichts mehr erscheint. Selbstverständlich beschränken wir nns /mf das Notwendigste aber unsere Entschließungen werden sich nach der weiteren Ent­wicklung der Angelegenheit zu richten haben.

Deutscbes Reich.

Das K r ö n u n g s f e st wurde am gestrigen Sonntag im Berliner Königlichen Schloß gefeiert. Um 9 Uhr begann die Anfahrt der neu zu dekorierenden Herren und Damen, der geladenen Gene­rale, Minister, Diplomaten und Fürstlichkeiten. Es wurden u. a. folgende Auszeichnungen verliehen: Es erhielten den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub u. a. Staats­sekretär Lis c 0; den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichen­laub Regierungspräsident von Wiesbaden v. M e i st e r, Präsident der Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. Reu­te aux, der (Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika Seitz; den Noten Adlerorden 2. Klasse u. a.: Bischof Bertram- Hildesheim, Professor W i l a mv w i tz-M 0 e lle u d 0 r f f; den Kroncnorden 1. Klasse: Präsident Wackerzapp int Neichseisenbahnamt; den Stern zum Kronenorden 2. Klasse u. n.: Universitätsprofessor Adolf Wagne r-Berlin. Nachstehenden Parlamentariern wurden Or^ensaus- zeichuungeu verliehen: den RoKn Adlerorden 3. Klasse mit Schleife dem Reichstagsabg. Dr. van Calker, Universitäts- Professor in Straßburg; dem nationalliberalen Mg. von Schmedding, Landgericl)tsra-Dortmund (NaliouallibO und Geheimen Regierungsrat Münster (Zeutr.); den Noten Ädlerorden 4. Klasse dem bisherigen Reichstagsabg. Kam­merherrn Goetz von Olenhusen-Hannover (Welfe); den Kronenorden 3. Klasse dem Landtagsabg. Gehümeu Iustiz- rat Cassel-Berlin (Forisehr. Bpt.), dem Herrenhausmitglied Oberbürgermeister Cronow-Stralsnnd, dem früheren Reichs­tagsabg. Geheimen Negieruugsrat Dr. Lucas, vortragender Rat im Ncichsjustizamt (Natlib.); den Kronenorden 4. Klasse