Nr. 134
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
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Der
»Ter Altbuchhont' Hark-Sprudel Star tnellvlJod-EisenMnp lodimlifluellc) Hal mit i !inem alten
sind. Der amerikanische Präsident, eine Reihe anderer Staaten lvoUten Borschläge machen für die Verständigung über friedliche Beziehungen, von der deutsckien Regierilng hört man nichts. Hat Ne nicht Die Neigung oder Fähigkeit, so sollte der Reichstag, und zwar alle Parteien von ihr Erklärungen verlangen, und antwortet Ne nicht, die Beratung über diese Vorlage abzubrechen bis zu dem Tage, wo bessere Beziehungen zwischen den europäischen Kultur- nationcn erzielt sind. Der Reichstag müßte diese Vorlage rund ablehncn, damit der deutsche Friede dann gewahrt ist; dann wird Frankreich nicht mehr zur dreijährigen Dienstzeit gedrängt. Hätten ule bürgerlichen Parteien des Reichstags diese Einsicht, könnte ich jept schließen, aber so mutz ich über die Einzelheiten sprechen, die ivir in der Kommission verhandelt haben. Namens eines Drittels des Deutschen Reiches erheben mir alle diese unsere programmatischen Forderungen. Wir wollen keine militärische Rüstung, behaupten unsere Gegner.
Demgegenüber verweise ich einfach auf unser Programm, in dem es deutlich heitzt: Erziehung des Volkes zur Wchr- haftigkeit. In dieser Forderung gehen wir viel weiter alö die Regierung und die bürgerlichen Parteien, die sich fortgesetzt aufs schlimmä an der Wehrhaftigkeit des Volkes versündigen durch ihre Untätigkeit und Rückständigkeit auf sozialpolitischem Gebiet. Der beste Beweis dafür ist die Tatsache, das; auch nach Erhöhung unserer Wehrmacht mit der U n - tauglichkelt von 41 Prozent der jungen Leute gerechnet werden w^tz. Diese skandalöse Tatsache ist zurückzuführen auf die mij rablcn WohnungSverhältnisse, den Widerstand
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Tie „Siebener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreilblatt für den Kreil Gießen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
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den aktiven Dienst, durch rechtskräftige'Verurteilung zu Gefängnis wegen Hochverrats usw. und autzerdem mit der Beförderung zum aktiven Offizier. (Heiterkeit!) Niemand hat bisher vermutet, datz das nun alles auf eine Stufe gestellt wird. Ich muß daher die Beschuldigung des A b g. N o s k c z u r n ck w e i s c n. ~ .
Abg. Noske hat dann am Schlutz noch ein Loblied auf die Erfolge der sozialdemokratischen Partei gegen- über dem Heere gesungen. Auch dieses ist unberechtigt. Ganz zweifellos ist die Armee niemals offensiv gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen borge« gange n. (Gelächter b. d. Soz.) Von vornherein befand sich das Heer im Abwehrzustand. Sie haben aber die Armee mit
gegen einen vermehrten Wöchnerinnenschutz, die ungenügende Volksernährung infolge der Verteuerung der Lebensmittel, die Schikanierung der Arbeiter-Jugendvereine usw. Wir fordern an Stelle deS stehenden Heeres ein Volkshecr, das allerdings lediglich zum Zwecke der Landesverteidigung dienen soll. Wir trauen nicht der Versicheruna, datz die vermehrte Zahl von Rekruten aufzubringen ist ohne ein weiteres Herabgehen in den Anforderungen an d i e körperliche Tüchtigkeit. Bedauerlich ist es, daß den Nationalliberalen selbst dec geringe Abstrich an Mannschaften, den bu Kommission borgenommen hat, nicht paßt. Dabei hat selbst der „Tag" zugegeben, daß die Verstärkung der Wehrmacht, wie sie die Kommission beschlossen hat, auf lange Zeit hinaus genügt. Den Nationalliberalen aber ist bie-’e lange Zeit noch nicht lange genug. Bei einem Vergleich mit Rußland darf man nicht lediglich die Mannschaftszahlen zugrunde legen; ma mutz auch die Verkehrsmöglichkeiten und ähnliche Dinge in Betracht ziehen: Zudem herrscht in Rußland immer noch eine große Korruption. Also mit der russischen Gefahr ist cj nichts Unsere Forderung bleibt nach wie vor ein M i l i z h e c r.
Dann kann mit all dem vielen Krempel, den wir heute noch haben, aufgeräumt werden; die Soldaten sollen nicht das Spielzeug eines Allerhöchsten Kriegsherrn sein. Keinen Augenblick länger, als unbedingt nötig, sollen unsere intelligenten Arbeiter in den Kasernen gehalten werden. Namentlich die Vermehrung der Kavallerie ist ganz überflüssig. Wenn es an Grenzschutz fehlt, so soll man die Kavallerieregimenter der Garde an die Grenze legen. Tie Verwendung von Flugzeugen und Lenk- ballons für Kriegszwecke ist noch sehr zweifelhaft. Selbst der Kri-egsminister hat das zugeben müssen. Das Wettrüsten in der Luft mit der wahnsinnigen Steigerung aller Forderungen hätte durch Verhandlungen zwischen den Staaten vermieden wer- den müssen. Die Heeresverwaltung hat den Befähigungsnachweis nicht erbracht, daß sie mit den ihr überwiesenen Mitteln etwas Ersprießliches leisten wird.
Die Privatunternehmer, die den Bau von Luftschiffen in die Hand genommen haben, suchen nur ihren eigenen Profit, ganz nach dem Exempel von Krupp. Tie neu g e - gründeten A t l a s w e r k c , die große Bestellungen und reichen Gewinn schon in der Tasche haben, haben in ihrem Aufsichtsrat außer anderen hohen Herren den Reichstagsabgeordneten von Boehlendorff-Kölpm, den freikonservativen LcmdtagSabgeord- neten Octavio Frhr. v. Zedlitz und das Mitglied dieses Hauses Graf Posadowsky. (Hört! hört! b. b. Soz.) Haben sie etiva verbindliche ober unverbindliche Abmachungen gclroffen, die jene Bestellungen sichern? Ich frage das, um einem Mißbrauch des politischen Amtes vorzubeugen. (Zuruf b. b. Soz.: Korruption! Vizepräsibent Tove: Der Zuruf enthält bereits ein Urteil. Ich muß bas als unzulässig ganz entschieden zurückweisen!)
Viel notwendiger als eine Vermehrung der Mannschaften ist eine Reform des Jntenbauturwefens. Der Hauptgrund für die Schaffung so vieler hochbezahlter Offizier ft eilen ist eine Verbesserung des AvancementöwesenS. Damit steigt wieder der Pensionsfonds, der heute schon 4’2 Millionen beträgt. (Hört! hört.' b. d. Soz.) Bevor man 15 000 neue Unteroffizier- stellen schafft, sollte man erst einmal das Schreibwerk bei den Unteroffizieren vereinfachen. Und bann sollte man
tüchtigen Unteroffizieren das Auf st eigen zum Offizier ermöglichen. Für die liberale Idee der Schaffung von Feldwebelleutnants können wir uns nicht begeistern. Die spätere Versorgung der Unteroffiziere wird bei ihrer wachsenden Zahl immer schwieriger. Die militärischen Verrufs- crHärnngen und Boykotts nehmen kein Ende. Als in Straßburg einmal eine Zeitung solche Maßnahmen des Generals Deimling kritisierte, wurde dieses Blatt einfach im Heere verboten. Mehr Ueberhebung und Anmaßung ist eigentlich nicht gut möglich, («ehr richtig! bei den Soz.)
Ein großer Mangel herrscht an Aerzten im Heere. Dafür wird nicht gesorgt. Was das für Folgen hat, hat uns erst der Balkankrieg gezeigt. Ganz erheblicki sind aber die Summen, die für Waffen gefordert werden. Darüber werden sich die Interessenten freuen. Sie sollen schon jetzt, ehe wir einen Pfennig bewilligt haben, mit Hochdruck an der Herstellung dieser Dinge arbeiten. Tas ist eine Verletzung des Budgetrechts. Ganz unbegreiflich ist es, daß jahrelang die zur Abnahme von Kriegsmaterial kommandierten Offiziere von der Firma Krupp einen Zuschuß von 11500 Mart erhalten haben. (Hört! hört! bei den Soz.)
_ Es ist unglaublich, daß deutsche Offiziere sich solche Schmiergelder haben gefallen lasten. An der nötigen Geschäftstüchtigkeit läßt es die Militärverwaltung sehr erheblich fehlen. Ich erinnere nur daran, daß sie für den Zossener Exerzierplatz drei Millionen an Spekulanten zu viel gezahlt hat. (Hört! börH bei den Soz.) Am unbegreiflichsten ist der Widerstand, den die Heeresverwaltung in der Kommission allen unseren Anträgen, dieser Geldverschleuderung ein Ende zu machen, entgegengesetzt bat. Das gilt namentlich auch von der Ausnahmestellung der Garde. Als wir hieran rütteln wollten, erklärte der Kriegsminister sofort, das würde die ganze Vorlage unannehmbar machen (Hört! hört! bei den Soz.) Ter Redner spricht dann über die Bovlotti..!'ng von Lokalen, m denen Sozialdemokraten verkehren, durch die Militärbehörde.
1. thron. BlascnkMn £ vertuolle Tienilc . die schmerzen uni) völlig genommen 11:' ra wunderbare Srnfiigra * leidenden Teile beitirfi.! hätte einen solchen^- ' für möglich gehM kx mich nie so wohl uiirc-' gesuhlt, wie jetztM'- init Obrer dieselbe mirti r ■ f ilän,;cnd aut b •• ’ jer Nieren, re«; 1 .mb die Laste i MarksvrudelchAu . mich völlig MM u-r. I
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Mb. Deutscher Reichstag.
158. Sitzung, Dienstag, den 10. Juni- SJcI^bT ü Bundesrats: von $e er in gen,
Präsident Dr. Kaeinpf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr,
Kurze Anfragen.
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) fragt an:
Ist dem Reichskanzler bekannt, daß vor einigen Tagen der xJ c r g m a n n Ignatz Jakubik aus Mic.lowitz, ein deutscher Staatsangehöriger, in dem russischen Grenzort Nifka von den r u 1 f 11 et) c n Behörden verhaftet und tvegcn der von ihm für den oberfchlcsischen Bergarbcitcrstrcik gc- tricbcncn .Agitation tm abminislrativen Wege — angeblich zu lebenslänglicher Zwan^arbeit — verurteilt worden ist? Was bat der Reichskanzler bisher zum Schutze dieses deutschen Staatsangehörigen dagegen getan ?
Geheimrat Lcntze: DaS Austvärtigc Amt hat von der Verhaftung deS Bergmanns Jakubik Kenntnis bekommen, als die Anfrage des Abg. Liebknecht erfolgte. Daraufhin sind durch den preußischen Grenzkomnnssar und den kaiserlichen Generalkonsul in Warschau nähere Erkundigungen cingezogcn worden. Nach den inzwischen cingcgangcnen telegraphischen Berichten hat der Bergarbeiter Jakubik gegen eine russische Verordnung verst 0 ß e n , indem rr russische Gelder für Streikzwecke ge- fanrmclt hat. Er ist infolgedesteii in dem russischen Grenzort Nifka verhaftet worden und cs ist ein Verfahren gegen ihn Cin£LCrlrirltrC; lPorbcn' das voraussichtlich in den nächsten Tagen 4um Abschluß kommt. Es wird keine andere Folge haben als die Ausweisung. Für möglichste Beschleunigung des Verfahrens i]t Sorge getragen worden.
Abg. Dr. Haegy (Elsässer) fragt an:
-oft dem Reichskanzler bekannt, daß unter dem Namen »Malz wein in jüngster Zeit ein Produkt in den Verkehr gebracht worden ist, welches sich als eine täuschende Nachahmung bon Wem darstellt? Was gedenkt der Reichskanzler gegen diese Irreführung der Konsumenten und schwere Gefährdung des Weinbaues und des reellen Weiuhandels zu tun?
Ministerialdirektor von Joncquiöres: Die Herstellung der, artiger Getränke ist nach dem Weingefeh unzulässig. Es ist in letzter Zeit bekannt geworden, daß mit derartigen Getränken Miß brauch getrieben wird. Besondere Maßn a h m en zu m Schutze des Weinbaues und der Konsumenten sind gc t r 0 f f c 11 worden. ' 1
Sie Meile Lesung der Wehrseriage.
(Erster Tag.)
D
iSien
Der Kriegsmimster hat dabei in der Kommission bce Lokalen : gesprochen, in denen Dirnen, Zuhälter und 'sozial. : bemofraten verkehren. ((Großer tobender Lärm 1 der Soz., lebhafte P f u i - R u f c.) Das wagt ein Kriegs- : Minister der größten Partei des Reiches zu sagen. (Erneute leb- hafte Pfm-Ruse, Ruse: DaS ist ein Skandal! TaS ist eine II n r ' Verschämtheit des Kriegsministers 1 — Vizepräsident Dr. ' Paasche ruft den Abg. Antrick (Soz.) zur O r f n u ;i g.) DaS 1 werden wir dem Kriegsminister nicht vergessen. (Erneute Pfuft Rufe der Soz.)
Vizepräsident Dr. Paasche:
Ich bitte, diese Pfuirufe zu unterlassen. (Gelächter der Soz. und erneute Pfuirufe.)
Abg. Noske (Soz.):
Mit dem ärgsten Gesindel vergleicht uns der Krieg»- Minister. (Bei den Sozialdemokraten bricht ein neuer Entrüstungssturm los.) In tausenden von Versammlungen werden wir ein Echo entfachen, das ihm noch böse in den Ohren klingen wird. (Lärmender Beifall der Soz.)
Vertrauliche Sachen kaiin ich aus der Kommission nicht inittcilcn, nur eine kurze Episode ivill ich erzählen. Tvr Kriegsminister erklärte, daß bei einem Kriege jedermann in Deutschland mit höchster Begeisterung in den Kampf ziehen würde. Als die Sozialdemokratie an den Kriegsminister die Frage richtete, was er an innere n Reformen in Preußen zu tun gedenke, insbesondere beim Wahlrecht lLachen rechts), da lehnte er die Frage ab. Er erklärte, diese Militärvorlage ist eine I u b 1 l ä 11 m s g a b e für den König. Nun die Gegengabe ist ein Königstvort, das nicht c i n g e I ö ft worden i ft. (Stürmische Unruhe, Pfui-Ruse. — Abg. Kreth ruft: Ein Königswort, das nicht eingelöst ist! Erneuter Sturm von Pfuirufen und Rufe: Skandal! Vizepräsident Dr. Paasche schwingt andauernd die Glocke.) Wo sind die G e g c n I c i ft u 11 g c 11 ? Eine Fülle von Resolutionen, damit ist dein Volke sehr locnig gedient. Das ist für den Papierkorb des Bundesrats.
Wir Sozialdemokraten setzen auf die bürgerlichen Parteien keine Hoffnung. Die Liberalen werden an einem schönen Tage ihre jüdischen Reservelentnants Haven, ihre Konzessions-Schulzen im Garde- corps registrieren. Wir werden unseren Kampf mit Erfolg führen. Ter Kriegsminister mag ein starker Mann sein, gegen die Machtmittel der Sozialdemokratie kommt er nicht durch. Vierzig Jahre haben Sie den Kampf gegen die Sozialdemokratie geführt, und ein ganzes Drittel des Volkes steht h i u t c r u 11 s. Ter Chef der .Heeresverwaltung spielt sich als den starken Mann auf. Sie haben ja längst aufhören müssen, angriffsweise gegen uns vorzugehen. Schritt auf Schritt haben wir Sie aus Ihren Positionen geworfen. Vor dem Willen des Volkes wird die Reaktion Zusammenstürzen. Wir geben Ihnen die Versicherung, w i r machen ans d e m K l a s s e n b c c r ganz bcjttnimt ein V 0 lksheer. (Lebh. Beifall der Soz., anbaucrjibes 3ijd$nt besonders auf der rechten Seite.)
Kriegsmimster b. Hceringcr':
Sie werden von mir nicht erwarten, daß ich bei dieser bör< geschrittenen Zeit auf die viereinhalbstündige Rede des Vorred- ncrs ausführlich antworte. Ich möchte nur einen Punkt heraus» streichen. Das ist die Beschuldigung, daß ich in der Budgetkommission die sozialdemokratische Partei mit Zuhäl- t^c r n auf eine Stufe g c ft c 111 hätte. Das ist nicht wahr. Ich bin in der Kommission nach den Gesichtspunkten gefragt worden, unter denen Militärverbote gegen Wirtschaften ausgesprochen würden. Darauf habe ich in gedrängter Kürze hingewiesen, daß einerseits diejenigen Wirtschaften, in denen nachweisbar sozialdemokratische oder deutschfeindliche Einwirkungen festgestellt worden wären, verboten werden und andererseits auch diejenigen, wo Verhältnisse existieren, die die Soldaten zu einem liederlichen Lebenswandel verleiten. Es ist eine krankhafte Empfindlichkeit, daraus folgern zu wollen, als ob ich beides auf eine Stufe gestellt und in einen Topf geworfen hätte. Es hat selbst ein Mitglied Ihrer Partei unmittelbar darauf anerkannt, daß das nicht der Fall gewesen ist.
Derariige ganz verschiedenartige Momente, die beiden Zielen zustreben, finden sich in unserer Gesetzgebung sehr oft. Ich darf als Beispiel nur Hinweisen auf die Ergänzung zu § 33 des Mannschaftsversorgungsgesetzes von 1906. Wenn diese Ergänzung angenommen wird, so wird sie in Zukunft die Bestimmung enthalten, daß das Recht auf Versorgung erlischt mit dem Wiedereintritt in
ihrem ganz speziellen Laß belegt (Lachen b. d. Soz.), weil Sie in der Armee das Haupthindernis sehen, um ihre Bestrebungen durchzufetzen. Die Armee ist sich der Ausgabe, diesen Bestrebungen entgegenzutreten, voll und ganz bewußt und sie wird an ihrem Standpunkt unentwegt festhalten, treue, für Kaiser und Reich beftimmte Truppen zu erziehen. (Beifall rechts.)
Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück:
Der Abg. Noske hat, wenn ich richtig unterrichtet bin, Tm Zusammenhang mit seinen Ausführungen über die Heeresvermehrung bemerkt: Während man auf der einen Seite dem Volke unerhörte Belastungen auferlege, flehe auf der anderen Seite e in unciu. gelöstes Königs wort. (Lebhaftes Sehr richtig! links.) Ich fetze voraus, daß der Abg. Noske mit Rücksichtnahme auf die preußische Wahlrechtsfrage dies behauptet hat. (Sehr richtig! bei b'en Soz.) Die Form ist sehr geschickt gewählt. In der Sache kommen allerdings diese Ausführungen darauf hinaus, daß dem König von PreußenderVorwurfge macht wird, daß er ein dem Volke gegebenes Wort nicht cingelöft habe. (Sehr wahr! bei den Soz.) Mit diesen Ausführungen hat der Abg. Noske ein Gebiet betreten, was sich d e r Zuständigkeit des Reichstags entzieht. (Gelächter bei den Soz. und Zuruf» Gewöhnliche Ausrede!) Müt Rücksicht auf diese preußische Angele, genbeit möchte ich, gestutzt auf Artikel 9 der Reichsverfassung, be- merken:
Es ist tatsächlich wwrrchtig, daß hier ein un» c i n g c I öjt es. ^ftö.n.i g s.worck vor IAi e v retx
Auf Vorschlag des Präsidenten wird mit der Aussprache über den § 1 die Besprechung der Resolutionen der Budgetkommission verbunden.
. AP- v Putlitz (Kons.) berichtet kurz über die Verhandlungen der Budgetkommission.
Abg. Noske (Soz.):
Das Vorsniel von gestern abend war für die ärmeren Volkoklassen sehr lehrreich. Die herrschenden Klassen scheinen sich wieder der Pflicht entziehen zu wollen, Lasten, die sie dem Volke aufbürben, selbst vi tragen. Wir Sozialdemokraten sind der Meinung, daß eine Gefahr, wie man sie uns vorgemacht hat, nicht besteht und nicht bestanden hat. Wir lasten uns nicht graulich machen, wir halten die große Rüstungsaktion nicht für nötig, wir halten Deutschland durchaus nicht irgendwie bedroht. Bei rauschenden Festen, die mit geradezu verschwenderischer Pracht gefeiert werden, während Millionen Volksgenossen nicht satt Brot zu e f f - n haben , (Sehr wahr! bei den Sog.) vergeudet man das Geld. Wir haben keinen Anlaß, von unserem Kanzler viel Rühmens zu machen, aber die deutsch-englischen Gegensätze haben sich in letzter Zeit sehr gemildert. Die siawische Gefahr, die der Kanzler in der ersten Lesung dieser Vorlage als Hauptgrund der Wehrvorlage hingestellt hat, ist voll- konrmen zusammengebrochen. Die Kriegsgefahr ist vorbei
Es ist eine vollständige Frontänderung eingetreten. Der Kaiser und der Zar haben in Berlin sich in den Armen gelegen. Das deutsche Heer, die deutsche Garde ist nicht gegen die russische Armee gezogen, sondern in die Berliner Straßen, um den Zaren vor dem Ausbruch der wahren Gefühle der Russen zu schützen. Nun ist die neue Frontveränderung, da es nicht anders ging, nach Westen gelegt. Ist denn die deutsche Regierung so naiv, daß sie von der deutschen ungeheuerlichsten Rüstungsaktion keine Wirkung auf andere Länder erwartet? Schauergeschichten werden von der Stimmung in Frankreich verbreitet; und in Wirklichkeit? Abwehrmaßregeln gegen deutsche Angriffsabsicht. Kein französischer Minister hätte es wagen dürfen, die dreijährige Dienstzeit zu fordern ohne die deutschen Rüstungs- Pläne. Der französische Chauvinismus wird eine gewaltige Hebung erfahren durch die deutsche Rüstung und die Einführung der dreijährigen Dienstzeit. Mit bewundernswerter Energie kämpft die französische Sozialdemokratie gegen die Zurückbehaltung für das dritte Jahr. Die nationalliberale Presse verweist noch in der allerletzten Zeit auf den finanziellen Zusammenbruch in Frankreich mit den Milliardengeldern in Rußland, und doch wollen die Nationalliberalen die Vorlage der Negierung noch übertrumpfen. Von der deutsch-englischen Zusammenkunft bat man die reichsten Früchte für die Zukunft erwartet, aber die bürgerlichen Parteien haben dann gleich einen rückständigen Standpunkt eingenommen.
WaS hat der siebziger Krieg dem deutschen Volke gebracht? Blutopfer, die schwersten persönlichen Lasten, Hunger und Arbeitslosigkeit. Und hernach, nach dem Kriege? Die Generäle hohe Dotationen, und viele Jahre sind verflossen, viele Reden sind gehalten, bis ein Teil der Helden von 70 und 71 120 Mark Not- groschen erhalten haben. Bo»' dem wirtschaftlichen Aufschwung, von dem Segen, den die vier Milliarden ins Land brachten, bat die deutsche Arbeiterklasse vergebens versucht, etwas für sich herauszuholen, statt dessen hat man sie 12 Jahre unter das skandalöse Ausnahmegesetz gestellt. Der Kapitalistenklasse blieb der Segen ungeschmälert; die Lebenshaltung der Arbeiterschaft blieb wie bisher unzulänglich. Noch nie haben wir einen so niederdrückenden Eindruck gehabt wie in der Kommission, als auf unsere wiederholte Anfrage, warum die deutsche Diplomatie nichts zur Herbeiführung friedlicher Beziehungen unter den Staaten tue, keine Antwort erhielten, als die erbarmungswürdige Erklärung des Staatssekretärs des Innern. 1
Es ist traurig, was für den Verwaltungsdienst und die Diplomatie in Deutschland für Personal ausgewählt wird; waö von : einer solchen Negierung zu erwarkn ist, die so für den auswärtigen i Dienst sorgt, für den nur die Tüchtigsten unseres Landes befähigt :
^9 A 16b. Jahrgang Mittwoch, 11. Jnni 1913
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General-Anzeiger für Vderhefsen


