Ausgabe 
11.2.1913 Erstes Blatt
 
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Den Tee nahmen die Herrschaften bei dem Prinzen Max von Baden ein, zur Abendtafel werden sie im Großherzog­lichen Palais erscheinen.

Braunschweig, 10. Febr. Das Regentenpaar von Braunschweig tritt Morgen abend eine acht­tägige Reise nach Süddeutschland an. Es fährt zunächst nach Colmar i. Elsaß. Dort begrüßt der Regent am Mitt­woch sein Jäger-Regiment. Am Donnerstag wird die Reise nach Karlsruhe fortgesetzt, wo die Hoheiten den Groß­herzoglichen Hof besuchen. Daran schließt sich am Sonn­abend ein dreitägiger Besuch des Hofes in Darmstadt. Am 18. Februar kehren die Herrschaften nach Braunschweig zurück.

Blätterstimmen zur Verlobung der Kaisertochter.

DerBerliner Lokalanzeiger" schreibt:

Es ist gewiß, daß unsere Prinzessin sich ihren künftigen Ehegemahl nach der Neigung ihres Herzens wählte, mögen auch Interessen anderer Natur mitgesviclt haben. Ist doch das Kamr- wort bekannt geworden:Tie Kleine soll glücklich werden, sic soll nicht der Politik geopfert werden!" Wo und bei welcher Gelegenheit die i ungen Herren sich gefunden haben mögen, das ist ihr eigenes Geheimnis. Unser großes Volk fühlt sich glück­licherweise immer noch als eine allgewaltige Familie, so und die Wünsche der ganzen Nation darauf gerichtet, daß dem jungen Brautpaare ein Lebensweg blühe, reich an stillem Glück und steter Zufriedenheit.

DasBerliner Tageblatt":

Ter alte Cumberland hat der Verlobung seines Sohnes zugestimmt: er selbst aber bleibt fern. Interessant ist es, da« die W e l f e n v a r t e i durch die Verlobung in eine nicht ge­rade freudige Erregung versetzt zu sein scheint. Ihre Situation ist nach diesem Ereignis in der Tat nicht ganz leicht.

TieVossische Zeitung" meldet aus Berlin: Der Führer der Deutsch-Hannoveraner im Reichstage, Frei­herr v. Scheele, ist telegraphisch von dem Herzog von Cumberland nach Karlsr'uhe bestellt worden, wo er gestern bereits eintraf.

DieVossische Zeitung" meldet aus Braunschweig: Auch inwelfischenKreisen wird man die Aussöhnung freudig begrüßen, denn, von wenigen extremen Führern abgesehen, weisen die braunschweigischen Welfen jede Ge­meinschaft mit den hannoveranischen Welfen zurück und würden auch 'gar nichts gegen einen Verzicht des Hauses Cumberland auf Hannover einzuwenden haben.

Der Balkankrieg.

Seit Samstag nacht sind in Konstantinopel keine amt­lichen Mitteilungen über die kriegerischen Ereignisse er­schienen. Die Blättermeldungen stellen übereinstimmend fest, daß die Lage für die türkischen Truppen überall gut sei. Nach der Beschießung der bulgarischen Stellungen bei Silivri zogen sich die Bulgaren in das Innere der Stadt zurück. Tiefe wird jetzt durch die Panzertorvette Fdjlalije" beschossen. Reisende, die aus den Dardanellen in Konstantinopel angekommen sind, berichten, daß die vorgestrigen Kämpfe bei Maltepe auf der Halbinsel Galli­poli sehr erbittert gewesen sind. Die Bulgaren haben Hunderte von Toten und Verwundeten. Tie Türken machten rund 30 Gefangene, sie hatten nur 2 Tote und etwa 30 Verwundete. Ein Teil der Verwundeten ist schon fortgeschafft worden.

Bei Tschataldscha sollen 12 Bulgaren gefangen genom­men worden sein, die nach Konstantinopel übergeführt wurden.

Konstantinopel, 10. Febr. Eine amtlicheVcr- öffentlichung besagt: Unsere Truppen, die sich bei DerkoS befinden, besetzten, ohne Widerstand zu finden, die verschanzten Stellungen des Feindes. Ter linke Flügel, der vorrücktc, um den ^eind auf den Höhen von Omarti anzugreifen, zwang zwei feindliche Regimenter, sich zurürk- zuzichen. Ter FctnH griff Misere Stellungen am großen See an und besetzte unsere Deckungen, aber unsere Trup­pen erwiderten lebhaft das Feuer und nahmen sie wieder ein. Die bei Scharkoej ausgeschifften Truppen kamen in einen Kampf mit deni Feinde und fügten ihm einen Ver­lust von 200 Toten zu. Ein bulgarischer Offizier wurde

gefangen. Das Bombcrrbement von Adrianopcl dauert fort, aber nur sehr schwach.

Die Kämpfe bei Bulair.

Sofia, 10. Febr. Zu den vorgestrigen Kämpfen bei Bulair meldet dieAgence Bulgari ergän^nd: Ter Kamps am sonn abend war sehr erbittert. Nach einem stürmnchen Antritt der Bulgaren rourben die Türken, die in beträchtlicher 'Starte am Kampfe teilnahmen, zur Flucht in ber Richtung aut Bulair gezwungen. Tie Wirkung der bulgarischen Artillerie und ^des Sturms der Infanterie auf die Feinde war vernichtend, xie Feinde erlitten außerordentlich schwere Verluste und netzen auf dem Schlachtfeld eine Fahne, Geschütze, Maschinengewehre, gaffen und viele Munition zurück. Zahlreiche Tote und Verwundete bedeckten das SÄachrield. Unter den Toten befanden nch -U türkische Offiziere. Auf bulgarischer ©eite tour Den 41- Soldaten und 5 Offiziere verwundet, 2 sssizier? sind tot. Tie Zahl der getöteten Soldaten konnte noch nicht festgestellt werden, doch scheint sie unbedeutend zu sein.

Ter Rückzug der Vulgaren.

K o n st a n t i n o p e l, 9. Febr. Die vorrückenden tür­kischen Truppen stellten fest, daß die Bulgaren Jerteidi- gungserdarbeiten errichtet und einen Teil des Dorfes Jenidsche niedergebrannt haben. Tie Meldungen, daß der Ort Tschataldscha nicdergebrannt worden sei, ist nicht be­stätigt worden.

Der türkische Versuch, Truppen zu landen.

Sofia, 10. Februar, lieber den Versuch der Türken, bei Podima Truppen z u l a n d e n, werden folgende Einzelheiten bekannt: Gestern ftküjhf 7 Uhr erschienen zwei Kreuzer, zwei Torpedoboote und sechs Boote, von Karaburun kommend, vor deut Dorfe Podima und schifften 200 Mann aus. -as 10. Bataillon der bulgarischen Msten- wache griff trotz des Feuers der Kreuzer die Türken an, die unter Zurücklassung voit 25 Toten und 16 Gefangenen in Unordnung wieder auf die Schiffe flohen. Auf Serken der Bulgaren wurden 3 Mann getötet, 18 verwundet. Gegen 1 Uhr nachmittags stachen die türkischen Schiffe wieder in See. Alle Versuche der Türken, bei Tschataldscha die Offensive zu era r e i f e n, sind gescheitert. Sie wurden mit großen Verlusten zurückgc- worfen. Das Bombardement von Adrianopel wird erfolgreich fortgesetzt.

Der tapfere Schükri Pascha.

TieBerliner Morgenpost meldet aus Konstan­tinopel: Nach Meldungen an das Kriegsministerinm hat Schükri Pascha drei von den Bulgaren besetzte Forts bei Adrianopel wieder eingenommen. 1000 darin befindliche Bulgaren wurden sämtlich niedergemacht.

DieDeutsche Tageszeitung" meldet aus Pera: Vor Gallipoli sollen die Bulgaren, von denen 1200 Mann gefangen genommen wurden, nach erbittertem Kampfe geschlagen worden sein.

Die Verteilung der türkisck»en Schulden.

Paris, 10. Febr. Einer offiziösen Meldung zufolge wurde auf Grund der letzten Beratung der Londoner Bot­schafter-Reunion beschlossen, in Paris einen internationalen aus dem französischen Minister des Acußern und den hier beglaubigten Botschaftern bestehenden Ausschuß einzusetzcn, der die Frage der Verteilung der türkischen Schulden unter die Türkei und die Balkanstaaten sowie verschiedene andere mit dem Balkankrieg zusammenhängende Fragen zu prüfen haben wird.

Weitere Friedensverhandluugeu?

DerBerliner Lokalanzriger" meldet aus London: Nach offizieller Information kommt Hakki Pascha tatsäch­lich nach London. Man glaubt, um die Friedens Ver­handlungen wieder aufzunolunen. Nach einer Mel­dung aus Konstantinopel soll auch Reschid Pascha dem­nächst über Wien, Berlin nach London abreisen, um sich mit den Botschaftern der Mächte ins Einvernehmen zu setzen.

Aus London wird,demTemps" bestätigt, daß der türkische Botschafter Sir Greh gebeten habe, eine Ini tiative der Mächte zu Gun st en des Friedens herbeizuführen. Auf die Erklärung Greys, daß er dazu bereit sei, falls die Türkei ein amtliches Ansuchen stelle, antwortete der türkische Botschafter, er sei nicht angewiesen, ein formelles Ansuchen ausznsprechen, sondern lediglich eine Initiative bei den Mächten anzuregen, deren Sache es sein würde, diese Initiative zu ergeifen oder nicht.

Grey bemerkte, daß unter diesen Umständen ein genau verfaßtes türkisches Ansuchen notwendig sei.

Eine muhamedanischc Frauenverfammlung.

K o n st a n t i n o p e l, 9. Febr. Gegen4000m ns el- manische Frauen hielten gestern in der Ilniversttät eine Versammlung ab, in welcher zahlreiche patriotisch Ansprachen gehalten wurden. Unter den Rednerinnen be­fanden sich auch die Gemahlin des Generals Mahknud Mulhtar Paschas und Prinzessin Miimet. Die Bersamm lung beschloß, im Namen der ottomanischen Frauen andre Armee ein Telegramm zu richten, in welchem diese auf aeforbert wird, i m Kampfe zu verhar­re n und die A b s ch e u der Frauen der gesamten islamitischen Welt über die von den Der bün- deten in Rumelien begangenen Greueltaten. aus drück en, sowie an die (Gemahlinnen der Staatsober-/ Häupter von Europa ein ausführliches Telegramm zu richten, in welchem gegen die von den Truppen der Balkanstaaien " begangenen Grausamkeiten protestiert und in rührenden Worten an den Edelsinn und die Menschlichkeit der Ge­mahlinnen der Staatsoberhäupter appelliert wird, damit den Greueln ein Ende gesetzt werde.

Verhaftungen der Griechen.

Konstantinopel, 10. Febr. Die Zahl der aus Gründen der Staatssicherheit verhafteten verdächtigen griechischen Untertanen überschreitet 200, bon" denen die meisten ausgewicsen werden sollen. Einige sind bereits aus der Haft entlassen worden, um morgen abreisen zu lönncn. Es heißt, daß aus dem gleichen Grunde verhaftete Griechen und Bulgaren, die türkische Untertanen sino, nach Sinope und anderen Städten Ana- tollens verbannt wurden.

Große Verluste auf dem montenegrinischen Kriegsschauplatz.

C e t in j e, 10. Febr. (Aus amtlicher montenegrinischer Quelle.) Nach dreitägigen erbitterten Kämpfen, die nm die Einnahme von Bardaniolt geführt wurden, be­laufen sich die Verluste der Montenegriner auf etwa 2500 Tote und Verwundete. Auf feiten der Tür- k e n sind etwa 4 000 gefallen, die auf dem Schlacht selbe liegen. Auf dem Berge Tarabosch bei Brditza wütet der Kampf seit drei Tagen. Obwohl die Truppen gegen Be­festigungen zu kämpfen haben, die mit starken Trahb- zäuuen umgeben sind, rücken sie doch schrittweise und mit Erfolg vor. Mehrere Verschanzungen wurden genommen. Tie beiderseitigen Verluste sind empfindlich. Doch sind die genauen Berlustziffern mit Rücksicht darauf, daß die erbitterten Kämpfe noch fortbauern, noch nicht festgestellt.

Die Rcoolvfon in Mexiko.

Mexiko, 10. Febr. Felix Tiaz, der am Sonntag noch ein zum Tode verurteilter politischer Gefangener: war, ist jc(u tatsächlich der Herrscher in Mexiko. Er besetzte drei bis vier Wasfenarsenale und Pulverfabriken. Madera ivurdc am Sonntag bis 10 Uhr abends im Nationalpalast belagert, den er um diese Zeit mit den Ministern verließ. Seine Familie iloh aus die japanische Gesandtschaft. Schon früher tonrbc in divlo matischen Kreisen als offene Tatsache erzählt, daß Madero nidu imstande sei, die Ausländer mit den ihm zur Verfügung stehenden Kräften zu schützen. Es verlautet, daß Diaz dem Präsidenten Madero ein Ultimatum gestellt habe in der Form, bnp n ihn wissen ließ, wenn er sich nicht ergebe, wurde er den Palast in die Luft sprengen. Die Stadt ist ruhig, jedoch sollen sonnrai Nacht 250 Personen getötet und mehrere hundert vepoimdc worden sein. Nach späteren Meldungen ist Madero mit icMce Familie aus die Nachricht, daß General Blananet, der- mit ein« Streitmacht angekommen war, sich weigere, gegen Tiaz zu kämpfen, westwärts an die Küste geflohen. Die Brücken zwiscltCL Mexiko und Toluka sind verbrannt. Der Sohn dec- General Repe, Rudolfo Rehe, hat aus Schmerz über den Tod seines Vater; Selbstmord begangen.

lieber die gestrigen Kämpfe wird weiter gemeldet: Es fanden während des Tages vier Gefechte statt, von dem das blu­tigste sich vor dem Palais abspieltc und mit ber .Ucbcrpabc der Truppen endete. Die meuternden Truppen, an deren spitze Schüler der Kriegsschule von T l a l p a m marschierten, sogar dann zum Gefängnis, wo sie Felix Diaz befreiten. Maderoer­klärte den fremden diplomatischen Vertretern aus eine Anfrage» er könne für die Sicherheit der Ausländer keine Ga­rantie übernehmen, da cs ihm unmöglid) fei, zu ihrem Schutze Mannschaften von Polizei und Artillerietruppen, von denen er übtt 2000 bis 3000 verfüge, abzuzweigen.__

An- Stadt nn- Cand.

Gießen, 11. Februar 1913.

** Tageskalender für Dienstag, 11. Febr.: Stadt- theater: ,Emilia Kalotti." Anfang 8 Ilhr.

Freie Studentenschaft. 3. Vortrag: Prof. Dr. Rolot' über Gneifenan. Abends 8*/2 Uhr in CteinS Garten.

*

** Prüfungsordnung für Tierärzte. I? Ergänzung des §'9 der Prüfungsordnung für Tierärzte vorn 24. Dezember 1912 hat das Königlich Preußische .Krieg-- Ministerium angeordnet, daß alljährlich eine begrenzte An­zahl von Studierenden der Tierheilkunde ber Universität Gießen bas erste Diensthalbjahr mit ber Waffe beim In­fanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. lb in Gießen ab leisten bürfen.

** Der Prinz-Heinrich-Flug geht übe: Gießen? Der P rinz-Hein ri ch Flug wirb am P fingst Sonntag, 11. Mai, beginnen. Tie erste Etappe führ: von Wiesbaden nach Kassel mit Zw i s chen l a n d unc in Gießen Am 12. Mai wird der Flug nach Koblew fortgesetzt. Der nächste Tag ist ein Ruhetag. Am 14. Mcr soll die Strecke KoblenzKarlsruhe durchflogen werden Der 15. Mai ist wieder Ruhetag. Am 16. Mai finbet zwi" scheu Karlsruhe und Stuttgart eine Aufklärungsübung statt, nach deren Beendigung in Straßburg gelandet wird. Die Entfernung WiesbadenGießen beträgt 65 Kilometc' und die von Gießen nach Kassel 100 Kilometer Tic Tauc:' des Aufenthaltes hier wird beim Start in Wiesbaden durä« die Oberleitung festgesetzt.

* Vom Akademischen Wartburgbund toir» uns geschrieben: Am nächsten Freitag, wie aus dem An­zeigenteil zu ersehen ist, spricht im Akademischen Wariburc- bund der durch seine Tätigkeit im evangelischen BunX bekannte Generalleutnant z. T. Exzellenz v. Hennin? über das ThemaRom und die Öterntancn". Tie grünt* liche Geschichtskenntnis des Redners läßt enoarten, bar der völkische und religiöse Gegenrsatz, der in der Gegen­überstellung des Themas liegt, in sachlicher, aber en> schiedener Weise dargestellt wird. In einer Zeit, wo bi?? Jesuit en frage alle Gemüter bewegt, erscheint eine Würdigung der Unterschiede zwischen deutschem und römischem Wcicr besonders angebracht. Zu dem Vortrag wird jedermann, besonders die .Herren Studenten, herzlich eingelader.. ^Näheres siehe Anzeige.)

* Das Gießener Säuglingsheim arbeitet se? Jahren mit einem Fehlbetrag, der sich jetzt auf 5000

Naturalisten zum ästhetischen Menschen durchmachte, da sagte er:Erhabener Geist, du gabst mir alles, worum ich bat". Und vom Sturm im Walde in die sichere Höhle zurückgeführt, öffnen ihm sich seiner eigenen Brustgeheime, tiefe Wunder". Gewiß, wir müffen an das geheimnisvolle Wunderbare glauben, dürfen nicht alles rechnen und sezieren wollen. Die Wissenschaft gibt uns Fortschritt und .Hilfsmittel, aber die Kunst gibt uns wahre Erkenntnisse und Kultur wenn wir ihre Symbole ver­ehren und Form von Inhalt zu trennen wissen. Die Freimaurer aber wollen auch die ethischen Kräfte an das Symbol heften. Und wenn dem Bunde hohe und glänzende Geister unserer Ver­gangenheit angehört haben, so muß es wohl zutreffend sein, daß er manches Gute verwirklicht. Ein Zauberreich des Vollendeten zu schaffen, in dem die vielgeartete Menschheit Platz hat, ist frei­lich schwer. d5.

Die Scottsche Südpolexpedition umgdommen!

Aus London, 10. Febr., wird gemeldet: Nach einer De­pesche desGlobe" aus Neuseeland erreichte Kapitän Scott den Südpol am 18. Januar 1912. Aus der Rückkehr zur Basis wurde die Expedition durch einen Schneesturm verschüttet. Kapitän Scott und feine Begleiter fernen um.

Zu dem Untergänge der Seottschen Expedition wird derBoss. Ztg." nock aus London gemeldet: Das ExpeditionsschiffTerra­nova" kam gestern mit der Hiobspost, einen Monat früher als geplant war, in Omaru in Neuseeland an. Scott hatte die Ab­sicht mit 15 Gefährten das .Hauptlager zum letzten Vorstoß nach dem Pol zu Verlegern Von diesem sollten drei Gruppen zu je vier Atann in bestimmten Mständcn vor Erreichung des Pols zurüclkehrcn. Wenic dieses Progranmr eingehalten wurde, wären vier Menscheilleben verloren. Frau Scott befindet sich auf hoher See zwischen San Francisco und Wellington auf dem Woge nach Neuseeland, wo sie ihren Gatten treffen wollte. DemBerl. Lokalanz." wird über London aus New ^orf gemeldet: Man fand an Kapitän Scotts Leiche Mfzeichnungen, wonach er am 18. Januar 1912 Kapitän Amundsens norwegische Flagge auf dem Südpol fand.

Aus eine Mitteilung der Königlich-Geographischen Gesellschaft in London in der dem König der Tod des Kapitän Scott und fünf feiner Begleiter bekannt gegeben wurde, sandte bet König folgende Antwort: Ich bin tief betrübt über die schlinnnc Naäiricl t, die Sie mir von dem Verlust des Kapitäns Scott nnb fünf feiner Begleiter gegeben haben. Gerade als mir hofften, sie binnen kurzem nach ihrer Rückkehr von ihrer großen und schwierigen Unternehmung in der Heimat willkommen heißen zu fönnen. Ich drücke der Königlich-Geographischen Okidlfdnit mein herzlichstes Beileid aus über den Verlust, der die Wissenschaft und die Forschung durch den Tod dieser tapferen Forscher be­troffen hat. Scnbcti Sie nfir bitte weitere Einzelheiten. Georg.

Hei nri ch M nun a 1 s Dramatiker Heinrich Mann ist ein episches Talent, und wie rin erstes BulmemvertDie SäMtspieleriu", so ist auch fein neuestes SchauspielT i e große Liebe", das, wie bereits gestern inügeteüt, am Lessing

Theater in Berlin seine Uraufführung erlebte, teilt Trarna, ondern eine Kette von Dialogen nnd Episoden, in denen inanckies chone und Verlebte Gefühl au)leuchtet, manche geistvolle Pointe auf­blitzt, aber jede Nare Linienführung, jede starke Kontrastierung von Licht und Schatten fehlt, ohne die cs nun einmal kein Drama gibt. Die große Liebe ist die zwischen dem berühmten Kompo­nisten und der bedeutenden, alle Männer besiegenden und fesselnden unverstandenen Frau. Wer die große Liebe zerscktellt an der großen Welt. Tie Frau, die am Ende des ersten Aktes ihr Alles dem endlich gefundenen Einzigen hingeben will, findet nur den Mut zu einem Frühlittgsausflug mit ihm, zu seligen kurzen Wochen, die ihr der allzu gute Gatte frei gibt. Weder den Ehemann, noch den Geschäftsfreund des Ehemannes, der allein sie und die Ihren vor dem flhtin retten kann- noch die Gesellschaft, geschtveige denn ihr Kind verläßt sie, um des Geliebten willen, der das von ihr erfleht, sondern sie trennt sich am Ende des dritten und letzten Wtes von dem Helden ihrer großen Liebe, die unter all dem' Flirt und der demimondänen Anrüchigkeit eines eleganten Modelwtels begraben und bernicfytet ist. Wohl mag ein reines und tiefes Gefühl in diesen beiden Gestalten sich aussprechen, wie cs Mann schon hinreißender und leidenschaftlicher in manchem Roman ge­dichtet. Aber es bleibt davon auf der Bühne nur ein blasser per schwebender lyrischer Duft übrig, der nach Töneir verlangt. Episch ist die ganze schwerfällige Exposition, die in einzelnen, sich ab lösenden Dialogen die Situation in aufdringlich absichtlicl)cr Weise erklärt und die Peffonen schematisch einführt: episch der letzte Akt mit feiner breiten Schilderung der pervers-abenteuerlichen Hotelsphäre. In diesen Episoden gibt Mann sein Bestes, und am stärksten lebte unter all diesen Personen, die die große Liebe im Ädnnde führen, eine unbedeutende Nebensigrir, ein uralter Duca, von Oscar Sauer meisterhaft verkörpert. Ter Wert der übrigen Üluffübrung lag in der vorzüglichen Leistung der Frau Durierix, die die so groß liebende und so klein handelnde Heldin wenigsterls glaubhaft machte. Tas Publikum blieb kalt. Wenn am Schluß der Autor mit einer gewissen Wärme gerufen wurde, so galt diese Huldigung dem Dichter vielgelesener Romane, nicht dem Drama­tiker derGroßen Liebe". Dr. P. L.

Mainzer Stabttbeater. Aus Mainz wird gc= schrieben: Kapellmeister A. Gort er hat es verstanden, aus Michael Beers beEanntem DramaDer Pari a" einen bühnei,- mirHamen Text für eine einaktige Oper zu schaffen. Gorters Musik, reich an melodiösen lyrischen und packenden dramatischen Akzenten bot den Tarstellern Frl. Meiuers <Maja, den Herren Bog! (Q/obbi und Breuer 'Denascew) reiche Gelegenheit zu dank­baren Aufgaben. Tas Werk, das früher schon in andern rhei­nischen Städten zur Aufführung gelangt war, brachte bet seiner Erstaufführung im Mainzer Stadttheater am Samstag dem KomponiNen zahlreiche Hervorrufe.

Kurze Nachrtchten aus Kunst und Wissen- l ch a f t. In Prag ist der ehemalige langjährige Rcich^rats und Landtagsabgeordnete Professor ber darstellenden Geometrie an der bortigcn böhmischen Technischen Hochschule, Franz T 11 scher, im 88. Scbensjabrc gestorben. Er war ursprünglich Gänicoffizier..

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