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11.2.1913 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

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165. Jahrgang

Wner Anzeiger

Die beutiqe Nummer umfafot 10 Seiten.

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Der konzertgebende Verein sang außer diesem schwierigen Chor mit gewohnter Sicherheit, vortrefflicher Schulung und Aus­sprache noch einige a oapella-Chörc, darunter erfreulicherweise auch Volksweisen, sowie 2 Chöre mit Klavierbegleitung von Ä. Krug, von denen besonders die Barearole durch Originalität an­spricht. Es ist sehr zu wünschen, bafr der mancherorts noch herrschen­den Vorliebe der Mannerchöre für weichlich sentimentale Texte und Weisen durch Pflege männlich gesunder Musik, besonders auch kraftvollen Volksgesangs entgegengewirkc wird: leider liegt gerade in dieser Hinsicht die Literatur des Männergesangs noch ziemlich im1 Argen.

Dem musikalischen Leiter des Abends, Herrn Professor Trautmann, gebührt lebhafte Anerkennung für die meisterhafte Direktion und Begleitung. Das Gedränge am Schluß eines so gut besuchten Abends, wie der heutige, zeigt jedem, der sehen will, die Unzulänglichkeit, ja Gefährlichkeit des Gesellschaftsvereins­

und der Individualismus. Beide aber reichen dem fortgeschrit­tenen religiösen Bildungsbedürfnis nicht mehr aus. Tie Wiege der Despotie, im staatlichen und religiösen Leben, liegt im Orient: Judentum, Christentum, Mohammedanismus sind Mächte, die das autonome Denken dem Drang nach gemeinsamem

Nr. 55

Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, au&er Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich

rasch in ihren Bewegungen, anmutig, stets von natürlichem sicheln. Wen sie im Gespräche mit Augen anblickt, dem geht bei so viel Jugend und Herz auf.

Als kleines Mädchen wurde die Prinzessin von

die bayerische Armee eintrat. Im September stellte sich der junge Offizier in München dem Kaiser vor, der ihn tiiit Herzlichkeit begrüßte. Dann verstummten die Ver- fföhnungsgerüchte wieder, bis im vergangenen Frühjahr der ältere Sohn des Herzogs, Prinz Georg Wilhelm, bei einer Autofahrt in der Nähe von Friesack den Tod fand. ?ür den Ausdruck der herzlichen Anteilnahme des Kaisers im diesem Unglück stattete damals Prinz Ernst August dem Kaiser persönlich den Dank seines Vaters ab und zwar in Begleitung seines Schwagers, des Prinzen Max. Seitdem gewannen die Gerüchte von der geplanten Verlobung, die sich jetzt allem Anschein nach verwirklichen werden, neuen Boden.

Welche staatsrechtlichen Folgen hat dieses mit Freude fcu begrüßende Ereignis? Als am 18. Oktober 1884 Herzog Wilhelm von Braunschweig kinderlos starb, wäre die Thron­folge an beit Sohn des letzten Königs von Hannover, den Herzog von Cumberland, übergegangen, wenn dieser nicht den ausdrücklichen Verzicht auf Hannover verweigert hätte.

Wir erhalten folgende Meldungen:

Karlsruhe, 10. Febr. Das Kaisers) aar mit dem Prinzen Oskar und der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen ist um 10 Uhr 10 Mm. mittels Sonderzuges hier eingetroffen. Zum Empfange auf dem Bahnhof hatten sich eingefunden der Großherzog und die Großherzogin von Baden, sowie Prinz und Prinzessin Max von Baden; außerdem waren u. a. anwesend der kommandierende Gene­ral des 14. Armeekorps und der preußische Gesandte von Eisendecher. Nach herzlicher Begrüßung fuhren die Herr­schaften in geschlossenen Wagen zum Residenzschloß, an dessen Portal sie von der Großherzogin Luise von Baden begrüßt wurden. Im ersten Wagen saß der Kaiser mit dem Großherzog, im zweiten die Kaiserin mit der Großherzogin Hilda von'Baden, im dritten Prinzessin Max von Baden mit der Prinzessin Viktoria Luise, im folgenden Prinz Max von Baden mit dem Prinzen Oskar von Preußen.

Heute mittag fand F a m i l i e n f r ü h st ü ck s t a f e l bei der Großherzogin Luise im Großherzoglichen Schloß statt.

wie das Wohl in allen Ständen so ist, etwas sehr verzogen. Ge­wann der Kaiser beim Offizicr-Preisschießen einen Taler, so steckte er ihn mit der Bemerkung in die Tasche:Tas ist etwas für die Jungens zu Hause"; aber er nahm auch sofort einige Schokoladenbonbons Dorn' Büfettfür Prinzeß Viktoria, die ein kleines Naschmäulchen ist und solche Dinge furchtbar gern hat", lieber ihre Brüder führte Prinzeß Viktoria in der .Kinderstiche ein strenges Regiment. Der leiseste Wunsch der einzigen Schwester

wurde von den heftigen Knaben beachtet und befolgt; sie komman­dierte und organisierte mit einer drolligen Hoheit und wußte lief) stets in Respekt zu sehen. Den Kindereien und Verwöhniurgen durch den Papa und die Brüderschar machte aber bald die Kaiserin ein Ende. Wie sich die hohe 5rau trotz, der vielen repräsentativen Pflichten nm die Erziehung ihrer Kinder kümmerte, darüber folgendes Beispiel: Als der Kaiser auf einem Besuche bei dem italienischen Königspaar in Rom weilte, empfahl man ihm eine vornehme Damenschneiderei zur Auswahl eines Kleides für die Kaiserin. Eine faltbare, spitzenbedeckte Robe lehnte der Kaiser mit den Worten ab:Das ist wohl nicht das geeignete. Tie Kaiserin hat immer so viele Kinder um sich herum, daß die Spitzen nur sehr kurze Zeit so schön bleiben würden!" Oft, wenn der Kaiser vormittags vom Vortrage des Reick)skanzlers oder einer anderen Gelegenheit ins Schloß zurückkehrte, fand er seine Gattin nur im Kinderzimmer, wo sie nach dem schönen Vorbild in Schillers Glocke den Knaben roeljrte und die Mädchen lehrte, d. h. der kleinen Prinzessin Viktoria Luise beim Ankleiden ihrer Puppen half. ' .....

Die Kaiserin hat ihre Tochter tatsächlich im bürgerlichsten Sinne des Wortes erzogen. Sie bestimmte selbst alles, was zur Bildung, zum Unterricht und zur Erholung dm Prinzessin dienen sollte. Wöchentlich mußte ein Bericht über die Leistungen der Prinzessin vorgelegt werden, und die Kaiserin erschien sehr häufig im Schnlzimmer, um dem Unterricht beizuwohnen. Die .Häuslichkeit und der Familiensinn der Kaiserin ist bekannt. Sie hat stets aber auch mit Eifer dahin gewirkt, daß diese Tugenden bei der Prinzessin ausgebildet werden Dch Haushaltungslehre nahni einen besonders großen Raum i dieser Ausbildung ein. Und diese Sorgfalt bat sich gelohnt. Einer der liebenswürdigen Charakterzüge im Wesen der Prinzessin ist echte Weiblichkeit. Ihre größte Freude ist es, in ruhigen Tagen und Wochen das Hausmütterchen zu spielen, morgens am Frühstückstisch des Vaters zu erscheinen, die Zubereitung des Käfiees zu überwachen und ihm höchsteigenhändig und gut bürgerlich die Brötchen zu streichen, ehe er ausreitet, zu einer Zeit, in der die guten Potsdamer zum größten Teil noch in den Betten liegen. Wer es verlangt, famr von der Prinzessin ein selbstgekockstes schmackhaftes Mittagessen! erhalten, wobei sie den Bewns nicht schuldig bleibt, daß sie am Küchenherd die sog.leichte Hand" besitzt. Da Haushalten vor allem Rechnen heißt, bat man die Prinzessin auch bie bei ihrer hohen Stellung ziemlich schwierige Kunst der Sparsamkeit ge­lehrt Trotz der eigenen Revenuen, über die Prinzeß Viktoria Luise in den letzten Jahren verfügt, ist sie doch gewohnt, bei der Auswahl der Toiletten den ökonomisck)en Rat ihrer Mutter ein­zuholen. Sie spricht vier Sprachen geläufig und besonders eng­lisch mit einem Akzent, der die Deutsche nickst mehr verrät. Sie hat manche Anlage ihres Vaters geerbt, besonders die Be­gabung für Musik und die schönen Künste.

Einzelwesens. Aber es zeigte sich, daß feine dieser beiden Geistesrichtungen dauernd die Menschen glücklich machen konnten. Tie Despotie führt zur Barbarei und Unkultur; auch das Mittel- alter übte schließlich einen unerträglichen Druck aus. _ Auf der anderen Seite artet der Individualismus gleichfalls in schranken­lose Willkür und gefahrvolle Entwicklmig ans. Bei den Griechen folgte der individualistischen Periode darum die Willkür und Despotie. Das Zeitalter der Renaissance suchte nach einer Eini­gung , es wollte den finsteren, erstarrten Geist des Mittelalters mit dem individualistischen Leben der Alten wieder beleben und erhellen. Aber auf dem Boden einer Erkenntniskirche, wie sie der heutige Protestantismus noch darstellt, kommen wir schwerlich weiter. Die Orthodoxen wehren sich mit Recht. Innerhalb der Bekenntniskirche ist kein Raum für freien Individualismus. Vielleicht gelingt es den liberalen Geistlichen, mit ihrer Rich­tung durchzudringen, aber dann werden die Orthodoxen aus der Kirch, die dann keine Bekenntnislirche mehr ist, austreten.

Wie aber kommt die vom menschlichen Geiste ersehnte Ver­einigung individualistischer Bewegungsfreiheit mit dem floaten,- und kulturbildenden Drang nach Gemeinsamkeit zustande? Durch Maßhalten! Und hier führte der Redner schöne und beherzigens­werte, freilich durchaus nicht etwa neue Gedanken ans. Die höchste Blüte des menschlichen Geistes liegt nicht im Zergliedern, im Analysieren, sondern im Anfbauen und in der selbstschöpfe­rischen Tat. Ein unentbehrlicher, glücklicher Trieb im Menschen stellt ihm an die Seite des alltäglichen Lebens in der Wirklichkeit das Spiel seines freien, geistigen Vermögens, und die Form adelt den Inhalt. Ter Mensch sucht, wie der Krieger mit wahrer Begeisterung erst seiner Fahne folgt, Symbole. Es galt nun, die geistig und sittlich Strebenden, unter welch individueller Glaubens- und Wissensgemeinschaft sie auch stehen, unter einem solchen Symbol zusammenzuführen. Der Bund der Freimaurer, der nicht ans dem Nichts, sondern ans historisch Gewordenem schöpfte, brachte dies zustande. Jeder einzelne fühlt sich als Baustein und als Baumeister eines durch gemeinsame Tat zu errichtenden hohen Tempels.

Der letzte Vorhang wurde nicht hinweggezogen. Die Erfahrung kann uns durch eine bloße Mitteilung nicht ersetzt werden. Leise Zweifel an dem besceligenden Zweck des Bundes bleiben bestehen. Wem ersetzt ein einfaches Symbol die üppig blühende Formenwelt der Kunst? Als Faust den Entwicklungsgang vom

ivicfelten den Individualismus, das

Die VetzohnuiMverlobung.

Berlin, 10. Frbr. DerNeich?auzeiger" gibt in einer Extraausgabe die am Montag in Karlsruhe vollzogene Ver­lobung der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen mit dem Prinzen Ernst August, Herzog zu Braun­schweig und Lüneburg, bekannt.

Man munkelte schon lange, daß der Plan bestehe, durch eine solche Verbindung der Häuser Hohenzoltern und Cumberland den alten Streit zu begraben und Raum für die Lösung der braunschweigischen Thronfolgefrage zu schaffen. Daß mau den Schauplatz der Verlobung gerade nach Karlsruhe verlegte, war ja weiter nicht verwunder­lich, da es der mit der älteren Schwester des Prinzen Ernst August verheiratete Prinz Max von Baden gewesen .ist, der diese AuSföhnungsaktion in erster Reihe betrieben -hat. Prinz Max weilt in Karlsruhe und ferner wird der gegenwärtige Regent von Braunschweig, 'Herzog Johann Albrecht am Donnerstag dort ein- treffen.

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Bezugsprei s: monatlich75Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Alk. 2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Ps., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; fürFeuille* ton",Vermischtes" und Gerichtssaal": ft. Neu-

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Es ist nicht das erste Mal, daß man auf einem solchen Wege sonst nicht zu überwindende politische Schwierig­leiten ^alus der Welt zu schaffen sucht. Das Verlobunas-- paar paßt ja auch sonst zueinander. Der am 11. November 1887 in Penzing bei Schönbrunn geborene Prinz Ernst August, der Königs, bayerischer Oberleutnant im ersten Schweren Reiterregiment ist, steht im 26. Lebensjahre; die | Prinzessin Viktoria Luise ist am 13. September 1892 ge­boren, steht also im 21. Lebensjahre. Schon früher ist I einmal der Plan einer Ehestistung zwischen den Häusern Hohenzollern und Cumberland erwogen worden, und zwar I sprach inan damals von einer Verlomsrm zwischen dem I deutschen Kronprinzen und der Prinzessin Äck^andra; doch I scheiterten, alle Versuche einer Aussöhnung zwischen den | beiden Häusern an der Hartnäckigkeit des Herzogs von Cumberland, der die von ihm geltend gemachten An­sprüche auf Hannover nicht aufgeben wollte. Die heutige Nachricht beweist, daß der Herzog seine Ansclstiuungen einer Revision unterzogen hat. An Versuchen, diese Aussöhnung herbeizuführen, hat cs seit Jahren nicht gefehlt, und man glaubte schon an ihre Verwirklichung, als Prinz Ernst August im Juni 1908 unter Zustimmung des Kaisers in

Prinzeß Viktoria Luise.

Von einer Persönlichkeit, die berufliche und gesellschaftlich: Beziehungen zum deutschen Kaiserhofe hat, erhalten wir zur Ver- -lorung der Prinzessin Viktoria Luise voit Preußen folgenden Beitrag:

Meine Tochter werde ich nicht der Politik opfern; sie soll glücklich werden." Diesen Ausspruch hat der Kaiser in den letzten Jahren immer wieder getan, wenn Verlobungspläne für feine einzige Tochter auftauchten. Nun hat ein gütiges Geschick es ermöglicht, daß die wirkliche H e r z e n s n e i g u it g , der die Prin­zessin folgt, zugleich eine hochpolitische Verbindung wird, bei der sich die junge Braut durchaus nicht alsOpfer" fühlt Prinz August von Braunschweig-Lüneburg ist ein diarmanter Kavalier, der das Interesse des Kaisers schon 1908 in München, erregte und schon damals auffallend freundlich empfangen wurde. Auch der Empfang im März vorigen Jahres in Potsdam nach dem Tobe seines unglücklichen Bruders Georg Wilhelm bei Friesack war trotz des traurigen Anlasses besonders herzlich und intim. Ter Prinz lernte die Prinzessin Viktoria Luise bei der Gelegenheit feinten und hat seitdem in wiederholten Besuchen im Kaiserhause ihr Herz durch seine fröhliche süddeutsche Art im' Sturm erobert. Er macht in jeder Beziehung eine glänzende Partie. Die Kaisertochter ist mit ihren 20 'Jahren die verkörperte Jugend, sttahlend und lebhaft.

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Die religiöse Krifts und die zrennaurerei.

Gießen, 11. Februar.

Ter Kaiser meinte bei der Feier in der Berliner Universität, dem heutigen Geschlecht fehle die Neigung für das Transzenden­tale. Was es nicht mit Händen greifen könne, das habe für es wenig Bedeutung. Wie groß aber das religiöse Bedürfnis auch der heutigen Menschheit geblieben ist, geht aus gar vielen An­zeichen hervor, und besonders die Pfadsucher, die einer neuen Zeit Odem erwecken und die Zunge lösen wollen, begegnen dem lebhaftesten Interesse. So war gestern abend die große Unioersi- tätsaula, in der Tr. Horneffer über Freimaurerei und reli­giöse Krisis sprach, bis auf den letzten Platz besetzt. Das geheim­nisvolle Dunkel, das über bem' Wesen und Wirken des Frei­maurerbundes liegt, hatte nicht wenige angezogen. Aber die er­wartete Einweihung in interessante Mysterien blieb aus, und wer nicht den Drang nach religiöser und philosophischer Wahrheit mitbrachte, kam schlecht auf seine Rechnung. Alle anderen aber horchten auf, denn was der Redner in einem fesselnden, sprachlich fein durchgearbeiteten Vortrag bot, führte in die Tiefen ethischer und ästhetischer Gedankenwelten. Gerade weil man sich nicht in weitläufige Systeme verlor, weil man aber auf flüchtiger Reise, die hohen Gipfel menschlichen Glaubens und Strebens deutlich erkannte, und wohl fühlte, daß da kein Magister über Landschön­heiten redete, die er nie gesehen, war die Wirkung nachhaltig. Dabei war es durchaus keine abgeschlossene Prüfung schöpst>- rischer geistiger und seelischer Gewalten, sondern der Redner folgte in der Hauptsache einem Abschnitt des religiösen Problems, dem Organisationsdrang. Mit einer geschichtlichen Einleitung führte er vor, wie auf den Höhen der Entwicklung immer zwei Geistes­richtungen abwechselnd die Welt beherrscht haben: die Despotie

®kfjtner$amllienblätter;

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blatt für ben Kreis ©iefoen k > z kW

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Wohltätigkeitskouzert des Kroiibau:rid)cii (guartetivereinr.

!Gi eßen, 9. Febr.

Tas diesjährige Konzert des Kranbauer'scheu Quart ettv er eins bot eine stattliche Reihe musikalischer Genüsse und erreichte ein künstlerisches Niveau, das die Anwendung des bei Wohltätigkeits- beranitaltungen manchmal üblichen Nachsichts-Maßstabes durchaus überflüssig machte. Wesentlich trug hierzu bei die Mitwirkung gl zweier hervorragender Solisten, die obgleich hier Neulinge R durch die Gediegenheit unö den Schwung ihrer Leistungen sofort l Miss lebhafteste für sich einnahmen. Herr Konzertmeister Wassermann aus Berlin (Sohn des Frankfurter Künstler- I; Paares) reiht sich würdig den jugendlichen Violinkünstlern an, die || nir neuerdings hier hören durften; er verfügt über sehr voran- geschrittene Technik, schönen Ton und geschmackvolle künstlerische h Auffassung und tonnte diese Eigenschaften in einem glücklich ge M häblten Programm wirkungsvoll betätigen. Tie zuerst gespielten H 4 Solostüle älterer Meister (in neuerer Bearbeitung) konnten bei | Lirrer stilistischen und Stimimings-Verwandtschaft als eine vier- « fähige Sonate gelten und erfreuten durch ihre Frische und Leicht- 1 verMndlichkeit, darunter besonders das mit zrerlichfler Anmut gespielte Menuett von Boccherini. In der Nolrnme von Chopm 1 Sonnte der Künstler seinen jeelenDollen Ton und in der Fanst- 1 Phantasie von Winiawsky feine Virtuosenkünste glänzend zur o Oelttmg bringen. _ , .

Frau Hofopernsängerin H o f fm a nn - O n e g i n aus Stutt­gart bewährte sich als eine Altistin ersten Ranges mit umfäng­licher, ausdrucksvoller und prachtvoll ausgebildeter Stimme; in i ter temperamentvollen Art ihres Vortrags und der Wucht ihrer , Dittel die geborene Bühnenkünstlerin verratend, war sie auch als Konzertsängerin ganz in ihrem Elemente und entzückte die Hörer !|| rieten einigen belanntcn Liedern von Brahms durch 3 Lieder ihres I Latten. Herr Onegin ider auch die Begleitung der Lieder vor- I Siglid) durchführtei zeigte sich in diesen Kompositionen als begabter | Anhänger der neuesten Richtung, der gewählt und charakterpttlch i nirtiam (vor allem auch für das begleitende Klavier) zu schreiben 1 versteht; am1 ciiidrucksvollsten fanden wir dasLied der Ghawaze". Weniger glücklich ist dieSuite: Rote Pantoffeln", die doch dem A prätendiertenalten Stil" allzuferne steht. Beide Solisten | Dm ft en durch Zugaben für den stürmischen Beifall des sehr zahl- oid) erschienenen Publikums. Die Sängerin wirkte auch in dem ? Mannerchor mit KlavierbegleitungHarfenklang" von ft. Bleyle | nit, wo sie ihre sieghafte (Stimme mit besonderem Glanz entfalten I Emnte. Der Komponist dieser beackstenswerten Novität stammt Ms bem1 Schwabenland und ist mit seinen Chor- unb Orchester- Nerken neuerdings zu allgemeinerer, wenn auch nicht unbestrittener ; Geltung gelangt.

So wurde eine Regentschaft eingesetzt, mit der der Prinzregent Albrecht betraut wurde. Als durch dessen Ableben im Jahre 1906 die Thronfolgefrage wieder aktuell wurde, suchte der Herzog von Cumberland die Schwierig­keiten in der Weise zu lösen, daß er zwar selbst feinen hannoverschen AnhängernTreue um Treue" halten, aber seinem zweiten Sohn, eben den Prinzen Ernst August, für den branuschweigischen Thron präsentieren wollte. Diesem halben Zugeständnis gegenüber betonte der Bundesrats- beschluß vom 29. Februar 1907, daß, solange der Herzog von Cumberland oder ein Mitglied feines Hauses sich in entern, dem reichsverfassungsmäßig gewährleisteten Frie­den unter Bundesgliedern widerstreitenden Verhältnisse zu dem Bundesstaat Preußeir befindet und Ansprüche auf Gebietsteile dieses Bundesstaates erhebt, auch die Regie­rung eines anderen Mitgliedes des herzoglichen Hauses Braunschweig mit den Grundprinzipien der Bündnisver­träge und der Reichsverfassung nicht vereinbar fei. Wenn nun die Verlobung und die Aussöhnung z-wischen den Häusern Hohenzollern und Cumberland stattgefunden hat, so müßte das, um dem Prinzen Ernst August die Thronfolge in Braunschweig zu ermöglichen, zur Voraussetzung haben, daß der Herzog von Cumber­land trotz des Versprechens, das er ang-eblich seinem Vater am Totenbette gegeben haben soll, in irgend einer Form und zwar nicht bloß für seinen Sohn, sondern auch für sich, auf seine hannoverschen Ansprüche ver­zichtet nnd den durch den Prager Frieden geschaffenen Zustand sowie den rechtlichen Bestand des Deutschen Reiches vorbehaltlos anerkennt.