Ausgabe 
10.7.1913 Erstes Blatt
 
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'zu nehmen. Der Bei Mageren werden Gewichts- omen usch erzielt. Hebt körper- ingsfähigkeit. Dosen zu Mk. 1- um Drogerien.

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delsregister Abt. A wurde heulr ia L. « Nachs. zu Gießen Geschäft ist mit Wirkung vm )en Kaufmann Eginhard Somg me Minen und Passiven, uber- unter der Firma ,Eginhard ein Nachf." weitersuhrt.

.Juli 1913. Bii

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bUtt fürben Kreis Sichen (TtenStngunbftrcihuO; zweimal moirntl. Land- wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: litt die Redaktion 112, gering u. Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Nr. (59

Ter Eietzener Anzeiger .erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen: viermal ivödicutlicb SichenerKamilienblätter, zweiniairvöchentl.Kreis-

Blatt 165. Zahrgang Donnerstag, 10. Juli 19|3

vqplO. EMUel Berantivorltich für Den

General-Anzeiger für Gberheüen

bis obormtoäns"z" Rolafi0tlSilrud unö $,ctl°9 der vrühlschen Univ.Guch. und Stcinörudcrei rr. Lange. Reöaftion, Srpcöition und Druckerei: Lchulstrahe r.

Eeschästtsteüe öüdingen, vahnhosstrahe 16a.

Die Greuel des zweiten Balkankrieges.

Die griechische Gesandtschaft in Berlin hat dem d e u tf ch e n A u smärti g e n A in t ein umfangreiches Material über v o l k e r r e ch t s w i d r i g e s V c r l)'a l t e n r11 E jetzigen zweiten Balkankrieg unterbrei- IC^ ®ut9<trcn kjaben nicht nur die gefangenen Evzonen manakrrert, sondern auch einen großen Teil der serbischen Gefangenen ertränkt. Beim Rückzug über Toiran hat die bnlgaryche Armee den griechischen Bischof, 30 Notable und 1 amtliche Priester und Schullehrer der Gegend mitgenom­men. Auch aus Kaivala, Serres, Vranja 'und Strumnitza herben die Bulgaren unter Verletzung der internationalen httiegsgebräuchc viele Angehörige der unbewaffneten Be­völkerung sortgeschleppt, und man ist über das Schicksal dieser Gefangenen sehr beunruhigt, weil man befürchten mutz, dag ihr Leben nicht geschont werden wird. Einen Protest gegen diese Greuel erhebt nach den letzten Depeschen auch die griechische Gesandtschaft in Rom bei der italienischen Regierung. Von Wien ist noch nichts bekannt. Aber in London i,t man über entsetzliche Grausamkeiten der Bul­garen informiert. In Kilk'itsch wurden 700 Griechen in pme Moschee eingeschlossen und darin angesichts ihrer Araueit verbrannt. In Planitza wurden die Griechen eben­falls in der Moschee dem Tode geweiht und dann die Frauen auf dem Marktplatz verbrannt. Italienische Blätter, namentlich das Giornale d'Ftalia, veröffentlichen zwar auch furchtbare Dinge über griechische Scheußlichkeiten gegen Bulgaren, aber diese Mitteilungen sind noch nicht verbürgt und sind noch nicht Gegenstand eines amtlichen Protestes. Ueber den griechischen Protest erhalten wir von vorzüg- . l t ch unterrichteter diplomatischer Seite fol­gende Informationen:

Man mag über den Wert der Haager Konferenzen als friedenssörderndes Mittel heute gerade noch so skeptisch denken, so enthalten doch die internationalen Verein­barungen dieser Zusammenkünfte ein Recht, an dos nicht nur die jetzt kriegführenden Staaten, sondern auch die Großmächte gebunden sind. Und es hat mit der politischen Einmischung oder Nichteinmischung gar nichts zu tun, wenn fetzt für Aufrechterhaltung des vereinbarten und verbrieften Völkerrechts gesorgt wird. In der Schlußakte der Zweiten Internationalen Friedenskonferenz von 1907 findet sich die Ordnung der Gesetze und Gebräuche des Landkrieges", Abkommen, dem Bulgarien ebenso rechtswirksam bei­getreten ist, wie Griechenland, Serbien, Rumänien und fast alle zivilisierten Staaten und die Großmächte. In dieserOrdnung" heißt es:Die Kriegsgefangenen unter­stehen der Gewalt der feindlichen Regierung, aber nicht der Gewalt der Personen oder der Abteilungen, die sie gefangen ^genommen haben. Sie sollen m i t Mens ch Li ch - leit behandelt werden! Tie Regierung, in deren Gewalt sich die .Kriegsgefangenen befinden, hat für ihren Unterhalt zu sorgen. Die Kriegsgefangenen sind in Beziehung auf iliahrung, Unterkunft und Kleidung auf demselben Fuße zu behandeln wie die Truppen der Regierung, die sie gZangen genommen hat. Die Kriegsgefangenen können in Städten, Festungen, Lagern oder an anderen Orten untergebracht werden mit der Verpflichtung, sich nicht über eine bestimmte Grenze hinaus zu entfernen: dagegen ist ihre Einschließung nur statthaft als unerläßliche Sicherheitsmatzregel und nur während der Tauer der diese Maßregel notwendig machen­den Umstände." Nichts von diesen Grundregeln menschlicher Kriegführung ist im zweiten Balkankrieg von den Bulgaren beachtet worden. Tie griechische Regierung war bemüht, auf diplomatischem Wege Auskünfte über das Verbleiben und die Behandlung gefangener Griechen einzuziehen, aber es hat sich herausgestellt, daß Bulgarien die Auskunfts­stelle über die Kriegsgefangenen, die Art. 14 der genann­tenOrdnung" verlangt, bei Ausbruch der Feindseligkeiten nicht errichtet hat. Tiefe Auskunftsstelle hätte alle die

Kriegsgefangenen betreffenden Anfragen zu beantworten und auf einem Personalblatte die Matrikelnummer, den Namen, die Heimat, den Dienstgrad usw. jedes Gefangenen zu verzeichnen. Tas Pcrsonalblatt müßte nach dem Frie­densschlüsse der Regierung des anderen Kriegführenden über­mittelt werden. Bulgarien hat sich dieser Pflicht nicht unter­zogen. Es hält sich auch nicht an das Ehenfer Wkommen vom 6. Juli 1906, das ebenso wie die erste Genfer Konvention von 1864 u. a.auch von ihnt selbst, Bulgarien, sowie von Griechenland, Serbien und Rumänien unterzeichnet wor­den ist. Darnach sollen verwundete oder erkrankte Militär­personen ohne Unrerschied der Staatsangehörigkeit von der Kriegsmacht, in deren Händen sie sich befinden, geachtet und versorgt werden. Fede Kriegspartei soll die bei den (Gefallenen gefundenen Identitätsbeweise sowie ein Namcns- verzeichnis der von ihr aufgefundenen Kranken und Ver­wundeten austaufchen. Tas ist ebenfalls nicht geschehen, jedenfalls nicht vorbereitet. worden. Daß die Anwendung von Gewalt, besonders von Waffengewalt der friedlichen Bevölkerung des Landes gegenüber ausgeschlossen ist, gehört endlich zur Elementarlehre des Völkerrechts. Aber auch diese Urgrundsätze werden nachweisbar von Bulgarien im zweiten Balkankriege nicht beachtet. Griechenland erhebt deswegen nicht nur im Namen der Menschlichkeit, sondern, gestützt auf das Völkerrecht und aus die internationalen Verpflichtungen aller Mächte Protest und erwartet diplo­matische Schritte der Großstaaten, denen eine gewisse Kon­trolle über humane Kriegführung auf europäischem Boden obliegt.

Der neue Balkankrieg-

Die letzten vom Kriegsschauplatz- eingetroffenen Nach­richten lassen noch nicht erkennen, wie die endgültige Ent­scheidung sein wird. Aus den eingegangenen Telegrammen hat sich die Lage für die Bulgaren verschlechtert. Tie Griechen melden die Einnahme von Serres und die Ser­ben die Eroberung von Jschtip und die Wiederbesetzung von Zaitschar. Tennoch ist für Bulgarien der Feldzug noch nicht verloren, da die Versuche, die sc r b i s ch e ck- zuaslinie durch Besetzung der Bahn Nisch-Pirot zu bedrohen, neuerdings wieder ausgenommen worden sind. Sollte diese Unternehmung gelingen, so müßten die Serben sich aus Mazedonien zurückziehen. Tic Meldung mehrerer Blätter, daß ein b u l g a r i s ch - r u m ä n i s ch e r Gehet mv er trag besteht, nach,dem Rumänien den Bul­garen mit 500000 Mann zu Hilfe komme, wird nirgends ernst genommen.

Bulgarische Meldungen.

Sofia, 9. Juli. Ueber die militärischen Operationen sagt das BlattMir", nach dem bisherigen Gange sei zu erwarten, daß der Krieg, länger dauern werde, als man anfangs geglaubt habe. Entscheidende Erfolge eien erst nach einigen Tagen zu erwarten. Bis dahin möge sich die Oeffenrlichkeit gedulden und auf die sieg­reichen bulgarischen Waffen vertrauen. Im Interesse der Geheimhaltung der Operationen dürften bis zu einem end­gültigen Triumph der bulgarischen Waffen keine Einzel­heiten darüber veröffentlicht werden. Völliges Schweigen et heute notwendig.

Serbische Nachrichten.

Wien, 9. Juli. TieSüdslawische Korrespondenz" meldet aus Belgrad, daß es der )' e r b i s ch e n H e e res- leitung gelungen ist, Fühlung mit den Griechen zu gewinnen. Einzelheiten werden aus taktischen Gründen nicht veröffentlicht.

Belgrad, 9. Juli. Tas Pressebureau meldet: Ein heute morgen ausgeführter h e f t i g e r A n g r i f f der bul­garischen Truppen auf Zajecar wurde von den Serben ab gewiesen. Ebenso wurden die bulgarischen Angriffe auf W l a s i n a z u r ü ck g e w i e s e n. Tie ''Blätter­meldungen über einen angeblichen Vormarsch und Erfolg der Bulgaren bei Vranja sind daher vollständig unwahr.

Neue Fortschritte der Griechen.

Athen, 9 Juli. Ter Kriegsministcr gibt folgende Nachrichten bekannt: Tic griechischen Truppen haben gestern die Pässe des Bclasitza-Gcbirgcs (Bercsch-Bagh। leb­haft angegriffen. Tic Bulgaren, nachdem sie vielleicht von den Truppen bei Jstip Verstärlung erhalten hatten, leisteten lebhaften Widerstand, wurden jedoch Schritt für Schritt zurückgedrängt. Sie hatten bereits einzelne Pässe genommen, als der Einbruch der Nacht -den Kampf unterbrach. Groß? Trainkolonnen der Bulgaren, von Militär begleitet, sah man das Strumitza-Tal hinab gegeM Petritsch marschieren. Ties scheint die erste Staffel des Rückzuges zu sein, den die Bulgaren vor einigen Tagen begonnen haben.

Unsere Truppen verfolgen den Feind, der seinen Rück­zug nach Petritsch durch die Enge des S t r u m t tz a - ratcs bewerkstelligt. Jnfantericabteilungen und eine unserer Divisionen haben die vom Feinde mit Artillerie besetzten Hügel heftig angegriffen, Gefangene gemacht, fünf Kanonen und ein Maschinengewehr erobert.

Griechische Truppen, die von Doiran aus Stru- mitza vorrücken, näherten sich den Schanzgräben des Feindes bis auf 200 Meter. Ein heftiger Angriff'bei Tages­anbruch zwang die Feinde, ihre Stellung unter großen Verlusten zu räumen. Eine rastlose Verfolgung brachte sie zur Auflösung, so daß sie in haltloser Flucht Gewehre, Mu­nition und Ausrüstungsstücke fortwarfen. Tic griechischen Truppen setzten ihren Vormarsch fort und erreichten Eostu- rino, südlich von Strumitza, eine starke hochgelegene Stel­lung von größter strategischer Wichtigkeit.

Saloniki, 9. Juli. Tie griechische Flotte hat die Stellungen der Bulgaren in P a n g ä o n beschösse n, wodurch sie gezwungen wurden, zurückzuaehen. Eine ver­suchsweise von Gvegel gegen Mir oftschc vorgeschickte Lokomotive mußte noch vor dieser Station umkehren, weil sie von den Bulgaren beschossen wurde.

Weitere Kundgebungen der Balkanstaatcn.

Belgrad, 9. Juli. Tie gestetn abend veröffentlichte von dem König und dem Ministerium u n t e r z c i ch - netc Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Meine teuren Serben! Es ist das eingetreten, )üi5 ich nie­mals erwartet habe. Tie Bulgaren, unsere Brüder durch Bluts­verwandtschaft und Religion, und unsere Verbündeten, haben in unmenschlicher Weise unsere Verwündeteu massakriert und habett mit Schwcrthiebeu den Vertrag tmrä)gehau-.'u. und die Freundschaft und die Brüderlichkeit zerstört. Schon feit acht Tagen kämpft man bei Ovtsche Polje in Mazedonien au der alten Grenze unseres Vaterlandes in blutigen Schlachten und man vergießt Bruderblut. Tie Herzen unserer Helden trampsen sich zusammen und die vor Adrianopel gefallenen Serben zittern in den Gräbern. Tie Bulgaren vergaßen dje brüderliche ser­bische Hilfe: sie haben das vergossene Blut vergessen und die Helden, die auf den Schlachtfeldern Thraziens gefallen sind. Sic gaben der slawischen, wie der ganzen zivilisierten Well ein verachtenswertes Beispiel der Undankbarkeit und Habsucht. Tie unbrüderliche Handlungsweise der Bulgaren berührte mich schmerz­lich und verwundete meine aufrichtigen slawnaim Gefühle tief. Tie Verantwortung für die Sünden gegen den Slawismus und die Menschlichkeit fallen aut den zurück, der sie begangen hat. Warum das alles? Weil er die Streitigkeiten wegen der Teilung nicht in brüderlicher Weise auf friedlichem Wege lösen, sondern uns unsere Eroberungen, die der Besin und die Wiege unserer Vorväter waren, das Land der Nemanitjch, das ihr mit euren Blute getränkt, befreit und für Serbien wieder erobert habt, entreißen will. Tie Gräber der toten Helden ocs glorreichen Krieges rufen euch zu und beschwören euch, sie zu rächen! Ver­teidigen wir uns und unseren heldenhaften griechischen Verbün­deten in dieser Gefahr! Tic mut»ien und cdlcn montencarinisch-n Falken kämpfen an unserer Sette, um die serbischen Laude zu verteidigen. Tie Lcbensinteresseil des Vaterlauoes leiben mich wenn auch schweren Herzens gezwungen, mich an die helden­hafte Armee zu wenden, damit sic nrich mit ihrer Entsagung und Heroismus der glorreichen Helden der Siege bet Kumanow >, Prilep, Mouastir und Adrianopel würdig eriveisc. Gott schütze meine teuren Soldaten in diesem traurigen Sri ege!"

Aunst, w-ysenßchaft und Leben.

Die Maibraut in Gießen. Die Frankfurter Zei­tung veröffentlicht in bezug auf die hier geplant gewesene Auf­führung der Maibraut folgende Erllärung des Herrn v. Wolzogcu:

Mit Bezug auf die NotizBreslau-Gießen" lin per. 174) über die Vereitelung derM a i b r a u t"-Aüfführungen im Gießener Freilichttheater schreibt uns Herr v. Wolzogen: Xie beiden Herren Universilätsprofcsforen legen Wert darauf, önentlich fcstzustellcn, daß ihre moralischen Bedenken sich keines­wegs auf die Ethik oder die religiöse Problemstellung meines Werkes bezogen haben, sondern lediglich auf die möglichen gesellschaftlichen Unannehmlichkeiten, die einer jungen Dame rhrer Kreise aus der Darstellung der Titelheldin hätten erwachsen können, die alsgefallene Hagidisc" allerdings in eine recht heikle Lage gerät. Da es sich also überhaupt nach der Bekundung der Herren nur um einen freundschaftlichen Rat handelte, so hat allerdings die Parallele Breslau-Gießen feinen Sinn mehr, was zum Ruhme von Gießener Denkungsart hiermit freudig anerkannt wird."

K.-K. Das Keuchhusten-Serum. Aus Paris kommt die Nachricht, daß es dem Leiter des Pasteurschen Instituts in Tunis, Nicollc, und seinem Assistenten Counon gelungen sei, aus Keuchhustenbazillen ein Serum herzustellen, mit dem eine schnellere Heilung des Keuchhustens erzielt werden könne. Man Muß natürlich abwarten, bis Genaueres bekannt wird, aber der Name Roux's, des Direktors des Pasteursckum Instituts in Paris, der in der Pariser Akademie der Wissenschaften den Bericht über die Arbeiten Nicolles und Connons erstattet hat, bürgt für den Ernst der llntersuämngeu. Der Keuchhusten ist eine sehr lästige und verhältnismäßig langwierige Krankheit, die besonders die Kinder sehr herunterbringt. Der Arzt muß offen gestehen, daß die medizinische Wissenschaft dem Keuchhusten gegenüber bislstw ziem­lich machtlos war. Arzneimittel werden beim Keuchhusten zwar angeivandt, aber der Nutzen, den sie bringen, ist stets sehr ge­ring. Vor einigen Jahren war es nun dem französischen Bak­teriologen Bordet gelungen, einen Bazillus im Munde von Keuch­hustenpatienten nachzuweisen, den man als den Erreger der

Krankheit ansehen mußte. Damit war die medizinische Wissenschaft vor die Ausgabe gestellt, von hier aus Mittel und Wege zu finden für eine erfolgreiche Behandlung des Keuchhustens. Man muß dabei stets an das Diphtherie-Serum deuten, an die außer­ordentlichen Erfolge, die es in der Behandlung der Diphtherie gemacht hat. Sollte das neue Serum eine ähnliche Entwicklung in der Behandlung des Keuchhustens anbahnen, so würde das einen Erfolg der wissenschaftlichen Medizin bedeuten, der sehr hoch anzuschlagen wäre. Auch wenn das neue Serum noch nicht allen Erwartungen entsprechen sollte, so ist hier jedenfalls ein Weg beschritten, der viel für die Zukunst der Behandlung des Keuchhustens verspricht.

Eine ö st e r r e i ch i s che Südpolar expedition ist in der Ausrüstung begriffen: sie wird geleitet werden von dem G r a z a r Geologen Dr. Fel. König, einem erprobten Alpinisten, der sich 1910 an der Spitzbergenexpedition von Oberleutnant Filchncr beteiligt hatte. Ter Vorbcreitungsstab hat bereits das PolarschisfDeutschland", das die Filcknerschc - Expedition bis 79 Grad S. getragen hatte, angekaust. Tic Mittel für die Expedition sollen durch öffentliche Sammlungen aufgebracht wer den. NachPetcrm. Mitt." ist das Ziel der Expedinon die Untersuchung, des Zusammenhanges zwischen dem südamcri- kanischen Festland und dem antarktischen Konttuent. Ter Aus- bruch der Expedition ist für Mai 1914 von Triest in Aussicht genommen.

S t u d e n t c n d c u t s ch. DieTägliche Rundschau" ver­öffentlich! folgende Zuschrift: In der Skudententtinft, so wird uns verkündet, weht neuer Atem, in die Rumpelkanmicr fliegt alter Plunder Leider bleibt auch da' noch viel zu wünschen, um die Freude rein ^genießen zu lassen. Wir meinen den Text der studenttschen Schriststückc. Da hapert's noch! Man denkt tvunder wie flott, frisch, burschikos der Student reoc. Aber man sehe ihn mit der Feder in oer Hand, wenn er Einladungen odsr Todesanzeigen abfaßt! Abfassen? Nein, das ist zu viel gesagt: der ältesten Schablone nachschreibt! Ehrwürdige Schauer der Kanzlei überrieseln den Fuchs, ein verschrumpfettes .Kcmzleimännchen führt ihm die Feder, steisteinen, schreibt er ab:Unterfertigte . . . erfüllt die traurige Pflicht. . . von dem am . . , evsolgtrn Ab­

leben ,v . zu dem am . . stattfindendem Stiftungsfest

. . . geziemend in Kenntnis zu setzen . . . geziemend

einzuladen."Unterfertigte", die Mißgeburt des K. K. Amtsdeutsch, darf natürlich nickt fehlen.Gefertigte", wie's eigentlich dort heißt, undunterzeichnete" tverben zu einem Misch-, masch zusammengeleimt. Warum nicht:Wir laden". Oder:

Die Verbindung usw. gibt sich die Ehre . . ." Und dann: stattsindendem! Schwabenvischer, der den Herrn Tetern verewigt har verhärtetem Gemüte!> würde öcrtcuielt spucken über diesem abscheulichen Mißklang, den die Lantähnlichkeit hervorruft. Poü- kutschkaiten oder PlatensHolzklotzpfock" sind beinahe noch nicht so zungenbrecherisch. Warum nicht:Wir feiern am . . . unser Stiftungsfest. Dazu laden wir Sie . Herrn und Frau mit (nebst" ist auch so altfränkisch!) Fräulein Tockter . . ." Oder Zu unserem Stiftungsfeste am 15. Juli laden wir . . ." Warum nicht in den Todesanzeigen:Am . . . verloren mir unseren . . . Wir bewahren ihm ein treues Gedenken In tiefer Trauer die Verbindung." Und nimmt denn jemandgeziemend" in den Mund? Kann und soll man nicht reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist? Wozu im Studentenleben die steifen, überlebten Zeremonien, die jeden mit frischem Gefühl Begabten abstoßen? Welcher Verband, welche Verbindung fängt hier an?

ft- Lord K no 11 vs Erinnerungen. Lord Kuollns, der Privatsekretär König Eduards und nachher König Georgs von England, erhielt vor kurzer Zeit den Besuch eines ameri­kanischen Verlegers, der ihm einen leeren Scheck vorzeigte, und ihn bat, ihm die Summe zu nennen, die er für seineMemoiren" haben wollte.Fünf Millionen Dollars," sagte Lord Kitollps, ohne mit der Wimper zu zucken.Unmöglich!" rief der Ameri­kaner aus,das kann doch nicht Ihr Ernst sein, Lorv Knollns?" Ter Sekretär des Königs aber antwortete lächelnd:Verehrter Herr, das, was ich weiß, ist sogar noch mehr wert!" Ter Ver­leger empfahl sich, ohne einen weiteren Versuch gemacht zu haben.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft.Um Napoleon", eine polili^fe Komödie in vier Asten von Curt Möller ^Verlag Wöl^r, Leipzig, ist von Direktor Franz Rolan-Hannover erworben worden und wird demnächst in derSchauburg" seine Uraufsuhpung erleben,