Ausgabe 
6.12.1913 Sechstes Blatt
 
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Nr. 287

Erscheint täglich mit SuSnoljme bei Sonntag-.

Tie»letzever ZswtUendliNer" werden dem Uniemer' Mermof wöchentlich bergelegt, da» Kitlsblett fir den Kreis »letzen zweimal wöchentlich. T,elsitdwirftchaftttche» 8ctt» fre|te" erscheinen monatlich zweimal.

Sctationibrucf und Verlag der Vrüdlfchen Umonfität# - Buch» und Gteiabrurfertu N. Lange. Greßeu.

Srhaftion. Expedition und Druckerei: Schul« ftr.u.e 7. Grpebitton tntb Verlag: e>n6 6L Neba/ncneaSlll. Tel.-Adr^ AiijcgerSieße«,

163. Jahrgang Satnstag, (>. Dezember 1913

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Obcrhesfen

Mb. Deutscher Reichstag.

tn s'tzunp^ Freitag, den 5. Dezember, firn SundeSrarStisch. Dr. Dc lbrück.

Vrajuxu: Dr. Qaempf eröffnet die Sitzung 12 Uhr 20 «in.

Die ArdeUrloieufrage.

Suf der Togelorbnung stehl die Interpellation der «frag. Albrecht * coaj und (Ben.:

»Welche Ratzregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu er» c>r :»cn. um den schlimmen Kolarn der ArbestSlofigkct entgegen, zuwirken, die durch immer wtederkehrendc wirtschaftluLc Stufen verschärft werden k

IN er insbesondere bereit, eine alle Arbeiter und Ange« stellte umfassende reich»gesetzlrcheArbeit»losenvet. f t d) e r u n g in die Dege zu leiten, sowie zur Bekämpfung der zurzeit besonders sich geltend machenden Folgen der Arbeits­losigkeit geeignete AbhilfSmittel zu ergreifen?"

Staatssekretär Tr. Delbrück

erklärt sich zur sofortigen Antwort bereit.

Abz. Silberschmidt (Soz.):

L>te Erörterung der vorliegenden Frage berührt unser beutjckits Volksleben genau so stark wie die gestrigen hier ver- handelte,i politischen Fragen. «Sehe richtig! bei den Soz., Die En -ellandtage haben fas, ausschließlich die Regelung abgeiviesen, weil sie codic deS Reichs sei Auch der Deutsche Städtetag kam im Jahre 1011 zu diesem Schluß. Ter Staat hat die Pflicht, für die Dolgen der Arbeitslosigkeit einzutretcn. Mit der pla- tonischen X'iebeierflärung, daß eS Aufgabe der Kommunen sei, tst nicht geHolsenl Sine reichliche Anzahl von Städten bringt der Frage nur geringe» Interesse entgegen: do» zeigt da» Bei- spiel von Halle, wo man nicht einmal eine Erörterung der Frage für geboten erachtete l.^ort! Hört! bei den Soz- In der letzten Zeit hat sich glücklicherweise da» Bild geändert So bat der PerbandStag^ der Arbeitsnachweise für Bevern sich für doö Eingreifen de» SwaleS ausgesprochen. Auch auf dem Deutschen Stadtetng ist Professor Zajirow in Cborloltenburg ebenfalls dafür eingetreten. Die Arbeitslos,gkei» ist eben eine Folge der veränderten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse; sie ift eine ständige Segleiterscheinung davon. Gewerkschaften und BerufSverelne aller Schattierungen sind sich einig, bafo da» fRcidi helfen mutz. Enie Besierung der immer mehr steigenden Arbeitslosigkeit Pi nicht zu erwarten; je weiter die Teckmik vor- schreitet, um so mehr wachst die industrielle Reserve, armee. Dabei wird die Zahl der Arbeitslosen noai durch Heranziehung von ausländischen Arbeitern vergrößert. Ferner geht unsere Industrie immer mehr dazu über, die älteren Arbeiter ibstemotisch auSzuscheiden, um junge, billigere Kräfte einzustellen. l&Of> betrug die Zahl der männlichen Arbeiter von über 50 Jahren 20L Proz., im Jahre 1907 nur noch 17 Proz.l (Hört! Hört! he, den Soz.s Dazu kommt die Verteuerung der LebenSmittcl durch eine verkehrte Wirtschaftspolitik!

Zu der neuerdings inaugurierten .UeberrüstungSpolitik", die den Geldstand immer mehr verteuert hat, gesellt sich die allge­meine Teuerung: d,e WideritandSkraft der von Arbeitslosigkeit Betroffenen mutz dadurch besonder» geschwächt werden. Woher nimm, mau der, Mut. zu behaupten, datz die Einführung einer Arbeitslos,gkeitSversicherung demoralisierend wirkt auf die arbei­tende Bevölkerung? Man hat gewagt, von einer Faulenzer- Versicherung zu sprechen, die von einer Schwächung de» Berant. wortlichkeitSgefühl» Zeugnis ablegt! Solche Verdächtigung kann die deutsche arbeitende Bevölkerung getrost weit von sich weisen! Da» Dort von dem freien Spiel der Kräfte bat Schiffbruch ge­litten! 11 m balbigc Abhilfe zu schaffen, ist die Beschleunigung der in Aussicht genommenen Bauten zu empfehlen, ferner nach dem Vorgänge der bayerischen Regierung Unterstützung der Kom­munen mit Barmitteln Weiter notwendig ift die Einführung von Lebensrnitteln vom Ausland, die Ceffnung der Grenzen. Tie Mittel, die man hier aufwendet, sind im letzten Sinne .werbende" Wuignben; sie kommen vielfach wieder ein durch eine Förderung der VolkSgesunbheit. Die Reich»regierung möge erkennen, datz die Lrage gelöst werden mutz, und möge mehr Ent- gegenkommen zeigen al» bisher. (Beifall bei den Soz.)

Staatssekretär Dr. Delbrück:

Die Frage der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und ihrer unerfreulichen und bedenklichen Begleiter. Ichein ungen gehört 'zu den ungelösten Problemen, die die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung der modernen flultur- Üaaten gezeigt hat U n g e l ö st, nicht weil c» uns an Verstand- ni» unb gutem Willen fehlt, sondern wegen der ,n der Sache lie- groben Schwierigkeiten, und weil sie nach unserer Auffasiung biSbcr zur Lösung nicht reif geworden ist. D>i» Problem be. fchästigt unsere Diskussionen fast feit einem Menschenalter. Prak- hier und Theoretiker, Parlamente und Stabwerlretungcn zer- brechen sich der. Kopf, nne man der Arbeitslosigkeit am besten zu Leide gehen kann. Seit zwanzig Jahren erörtern wir biet im Reichstag bic Frage, ob e» möglich ist, die Arbeitslosigkeit wirk- iam zu bekämpfen durch Matznahmeu der Gesetzaebung ober der Verwaltung von feiten de» Reiche», der BundeSitaaten unb der Kommunen. Und der Schlußstein aller der Forderungen, die tm Lause der Jahrzehiue in dieser Beziehung aufgestell: wurden, bildet die ja wiederholt von un» geforderte allgemeine Arbeitslosenversicherung für da» Deutsche Reich.

Die groyen Krisen, die wir int Lause der letzten Jahre gehabt h-iben. Haden hur im Reichstag eingebende Erörterungen i der diese Fragen auSaelöst. Und al» in diesem Sommer die erfien Anzeidieu einer schwächer werdenden Konjunktur sich zeigten, da wurde intensiver an der Lösung dieser Frage gearbeitet. Tic vor!,egende Interpellation fordert zunächst Notstandsmass nahmen, und ferner verlangt sie ein (Bech über bic Arbeitslosenversicherung. Damit würde man aber zu weit geben.

Sic ift nun d i e Lage de» Arbeit» markte? unb bic Sage ber allgemeinen Konjunktur ? Es ist autzerordei'.tlich schwierig, em klares Bild der t?erbäitnv7c zu gc- trmnen C» fehlen un» tatsächliche Unterlagen, e» fehlt un» auch eine zuverlässige ArbeitSlosenstaln'i'k. Ich habe alle» Material, daS mir zur Verfügung stand, in einem Hefte ver­einigt und Ihnen vorgelegt. 5» enthält alle», wa» dem Etotisti- schen Amt und anderen Behörden zur Hand ist.

Wir bcftnden un» also in einer etwa» obflauen- 0 en .Q o n j u it ft u r. Ein allgemeiner Seh'tanb i-t aber nicht verbandet,, wenn auch in einzelnen BeschäftiguniSzweigen unb an einzelnen £rten uncrfreiihcbc Zustände herrsch?»!. Im gan«cn genommen hat Deutschland unter normalen Verhältnissen nicht *ooici Arbeiter, w i c c 8 braucht. Tic Landwirtschaft

und die Industrie brauck-en ausländische Arbeiter Dabei ist die Zahl der m der Industrie tätigen Jlueian?.: gr tzer r.-.rbe.: als die Zadl der von oex Landw,rt'd».,ft Bes.1>itilgten. C i c ; b t c ist nicht etwa allein an diesen Ausländern beteiligt t^ebt richtig! recht». > Industrie und Landwirtschaft vefchSftigen fast tm ganzen Reiche Ausländer. Tabei fehlen no?.- Arbeiter. Da» .jbe ,ch beim Bau des Kaiser-Dllhelm-Kanäle selbst erfaßt:: 5

gibt industrielle Gebiete, tie ebne diese 3u»lon>?i gar mr..: br- :?hen konnten, z. B. Löerschlesien. ES ist also urrüf n-i. datz Ausländer ausschließlich ml Land gezogen werden, um o ie Löhite zu drücken. (Sehr richtig! rechts., Die au »ländischen Arbeiter sind mag daS erfreuhd) oder unerfreulich fein cm Bedürfnis für unsere 8oll»roirh'cfvvt

Da» allgemeine wirtschaftliche Bild ist folgen be»: Seine scharfe flrift», kein allgemeine-. Rückschlag, ohne ?ah zu prophezeien Mein Kollege vom Rcichsschatzamt sagte hier neulich. .Wir stehen vielleicht am Ranbe eines DalcS!' Ich möchte hinzufügen- Die weit, wie lief unb wie lann da» Tal 'st, wissen wir nicht! Eine gewisse Vorsicht bei ber Beurteilung ber Konjunktur ist freilich geboten. Ader von einer allgemeinen Notlage kann nicht die Rede sein. Dir können bof-'m. datz ohne ein unmittelbare» Eingreifen be» Reichs bic zunächst m Betracht kommenden Faktoren in der Lage sein werden, über die Schwierigkeit der Situation hinwegzukomnien. Eine :*l'ihe von Notstandsmaßnahmen wurden zudem feinen praf. tischen Erfolg bringen. Ta» Zielunserer Wirtschaft» Politik ,st eine Stärkung be? inneren Markte? Da? bedeutet auch eine Stärkung de» Arbeillmarkte». vergleicht inan den Stand der Arbeitslosigkeit bei un» mit dem im freil»mblerischeu England, so ift bic Lage bei uns im allgemeinen besser. Augen­blicklich kommt für un» nur bic internationale 23er- fteifung de» Geldmarkt» in Betracht, bic au» gewissen ttrünben auf Deutschland stärker wirkt al» auf andere Länder. Unsere Dirtschaftpolitik liegt gerade im Juteresfc bei Arbeiter. Lachen der Soz.', Gerade bic Arbeiter sollten daher unsere Wirtschaftspolitik ftärfen. (Lachen ber Soz., .

Ta» Problem ber Arbeitslosigkeit ift sehr ernst. Ta» verkennt kein einsichtiger Mensch und Daran darf kein Staats­mann vorübergelien. ?lber s ist irrig zu behaupten, datz bic Arbeitslosigkeit heute dasselbe ift wie früher. Heute iit sic cm Produkt unserer wirtschaftlichen Verhältnisse. Jetzt wird der ArbeitSmarkt künstlich beeinflußt von den Organi­sationen der Arbeitgeber unb Arbeitnehmer, und darin liegen die Hauptschwierigkeitcn der Dekämpfung. Die ArbeitSlosenunter- siützuna durch die Kommunen ist von grötzter Bedeutung. Die Gewerkschaften sind nicht m der Lage, zu konlrollieren, wer ar- bcitSlo» ift unb wer nidil.

Die versuche, bic nichtorganisierlcn Arbeiter, die ja bic große Mehrheit ausmachen, zum Sparen zu veranlasien, sind miß­glückt. Die staatliche Unterstützung der Gewerk­schaften bat Bedenken, weil die Gewerkschaften zugestandener- matzen Kampforganisationen sind. Da» ist auch da» Hauptbcdcn- ken gegen bic staatliche ArbeitSlosenvcrsikl'cruug auf gewerkschafl- lieber Grundlage. Denn dadurch würde der Einzelne vom Staat gezwungen, einer Gewerkschaft sich anznschließen, und daö ift aus­geschlossen. Schließlich käme man zu ber Frage, warn in bringt der Staat nicht bic Mittel für eine obligatorische Arbeitslosen­versicherung aller Arbeiter auf. Das geht schon deshalb nicht, weil die Tendenz zur Simulation sehr stark wurde. (Zuruf: Krankenversicherung!) Da« ist etwa» ganz anbcrcc denn Krankheit läßt sich objektiv seststellen, nicht ober, ob jemand Arbeit finden kann oder nicht. Sieber würden bann 99 von 100 Arbeitern mit der Begründung zurückgewicicn werden, daß sie sich für den Betreffenden nicht eigne. Das ift kein Vorwurf; beim lErbarbtitcn z. V kann man einem Tapezierer nicht zumuten. Auch ist da» Maß der Arbeitslosigkeit ganz verschie- den. In der Landwirtschaft herrscht meist Arbeitermangel, wäh- rend die Industrie häufig Feierschichten einlegen muß. ES ent­stünde die ®c*ahr, daß ein Industrieller seinen Betrieb, wenn er unrentabel würde, zeitweise schlösse und seinen Arbeitern sagte: Laßt Euch jetzt Die Arbeitslosenversicherung au'-zablen.

Au» all diesen Gründen und so lange keine zuverlässige Statistik vorliegt, ist eine staatliche Arbeitslosen Versicherung ausgeschlossen. Sie kann auch nicht eingeführt werden, so lange bic Wirkung der NeichSvcrfichcrungk- orbnung nicht bekannt und bie br.burcti auferlegten Lasten noch nicht verdaut sind. Und endlich halte ich eine weitzügige Arbeits­losenversicherung für ausgeschlossen, so lange wir nicht ein ent­wickelte» und organisch verbundenes Netz von Arbeitsnachweisen haben. England hat den Ar­beitsnachweis einheitlich organisiert und konnte da» tun, weil dort bie Verhältnisse viel einheitlicher liegen. Die Ansätze unb der gute Wille ist auch bei uns vorhanden, aber wir müssen die Entwick. lung ruhig abwarten. Ich Habe, um meinerseits darauf Hinzu- wirken, schon den EtatSposten zur Unterstützung bet Arbeits­nachweise um 20000 Mark erhöht, schon lange vor Einbringung

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biefer Frage überlegen ist, ist unrichtig. Auch da» Au-land ist über da» VorbercitunaSstabium noch nicht Hinau». lZumf: Deutschland in ber Welt voraus. Ja, biS vor kurzem waren wir i n der Sozialpolitik voraus. England hat unö allerdings jetzt cm wenig überholt, aher c» hat noch keine AngestclltenversicHerung. Wir können jwi: immer noch sehen lassen. England und Norwegen Haben allerdings schon eine Ar- bcitSlosenversicherung organisiert, aber wir wollen abwarten, wie sie sich bewahrt. Auruf bei den Soz.: Abwarten, immer ab­warten!) DaS Ausland m au» dem Stadium be» Studieren» unb Probieren» noch nicht hinaus Wir können nach dem Ge­sagten jetzt zunächft nur dahin trachten, den ArbcitrnachweiS moq ltchst auSzubauen. Was die Slegicrung dazu tun kann, soll ge­schehen. sBeifall reiht8.)

Auf Antrag dc» Abg. Molkenbohr (Soz.) wirb bie Be- sprecht!ng der Interpellation beschlossen.

Abg. Gieöberts (Zentr.):

Der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, ber Schaffung von Arbeitsgelegenheit darf auf bie Tauer kein Staat aus dem Wege feben. In den letzten zehn Jahren ift bie Frage in der offen t- ichkeit ausserordenil-.ch fortschrittlich behandelt worben. Eme Mit gei»'.^er Ncgelma-igkeit wiederkehrenbe Arbeitslosigkeit, wie in Sai'on- und Tkodegewerben, läßt sich leicht ertragen. Aber sehr schlimm wirkt der Nnckgang eine» ganzen Gewerbes. Tie Dir kung der Arbeitslosigkeit cu- Menschen- und Charakter- wert der betroffenen i>: einfach schrecklich. Dreie Leute sind zu jeder Arbeit bereit unb lassen sich in bie entferntesten Gegen: den sch cken. W:r müssen dafür sorgen, daß Arbeitsgelegenheit geichafsen wird, soweit d-a» nicht möglich ist, der N o t ft a n b gelindert wird. Der Staat braucht nicht direkt cingugreiicn, aber ct soll Fühlung nehmen mit ber Produktion und dafür

sorgen, daß fn- »leregc t wud SVand'o Arbeiten lassen sich sehr

wohl möglich. Jeden fall- sind bie Arbeitsnachweise au»zuvauen. 3.. find finanziell sicher zu stellen und z»i oiieutlich icchtluhen .'.'"'.alten ^u inadKn Die Notwendigkeit dec Perucherung gegen Arbeitslosigkeit ist allerdings uark ve'irittei' Ein Initiativ- ttnr.ig ber Sozialdemokraten wäre zu begrüßen, bann könnte diefe Frage in ber Kommission zeklari werden.

Adq. Dr Dnerf r.otl ):

Wohl niemand wird den Arbe,t»!o-en fTitk.^ unb Fürsorge versagen Wir alle müssen periudter. bieje Wunden zu heilen. Man spr'cht nun ost tvn einer ll«erlo| ig!eit bet Sozial» Politik. Gewiss soll ee mdr. ?luig«l»e le» Staat eg fein, den tifilolofen Menschen : > rankzudeiiillieren. Uber e» kann men geschel'e, ?o:: einer ponuif .ebenecn Erscheinung

.

ten, daß die Arbeiter an dieser Ärbeitsloiennot schuld sind. ES können Massnahmen getroffen werden. b;e nicht in Gebiet der

it unb be» Almofengel

für eine Statut'! find le ber ni«k utit genug gebieben 13 er­be u p e n b e Maßnahmen fir' notweibi» Unsere Wirt- schaftSpo'.isik ift an Ai!eikSlUsigleit inch: schuld cf fehl', weniger an Arbeitsgelegenheiten >'ls Piehnebr an einer A r.

; ...

ere Ä In dem vtr-

beitSlosenproblem werden sich noch viele Leute d»n Oops zer­brechen. Da» Ballspiel wird nicht an,huren: bie Slödte weifen bie Frage dem .Kelche zu unb umgflrhit! Früher haben bie So» aldemokraten den ciebanfen f /.er staatlichen i -itSlosrn Versicherung in» Iraumlnnb verwiesen, ssetzt trauen sie c» dem Staate zu. Die <1osieu einet Irbcitölofenversicherung träten ungeheuer unb nicht zu ertragen Es trau auch ungerecku, ba» L'aiib beitrage zahlen zu lasse,', während c.- doch weniger al» ic Aussicht auf Linderung feiner Leuienot hat. Die Negierung

. .

weisen br.ri niait der BureaukratiSiuiio Keir chen. Dort muffen Menscheu fein mit warmem Herzen.

Abg. VeinHnufen (Vp.):

Auch wir halten bic Bekämpfung b*r Arb'itSlofigkeit für eine bringente fosialpolitifche. volkdwirtfchr'tliche unb kulturelle V'lidif. Die Stu'enleiter ter .Irbeüttlengfeit führt nach innen, biß (diltefj- lich ^um Bcrbrecherlcveii. Hervorroge? 'Utionakifoiwmen halten ofe lrheitSlofenversicherung für di ' a A' be» sozialpoli­tischen e b ä u b c 6. Diese Reservearmee ber Arbeitslosen briidt die Löhne herab. Wir begrüßen mit Genugtuung alle pro!- tischen Versuche gegen die Arbeitslosigkeit. Vor allem wunsksien wir. daß die NotstandSarbeileii u?a den Gemeinden und auch von den S aatbfei raltungen rechtzeitig in Angriff genommen werden. (Sehr gut!) Die Militärverwaltung uni die Eisenbahn- Verwaltung könnten noch vielmehr Ruckstchi auf die Not der Arbeitöloicn nehmen. Dir iino nicht grundsätzliche Gegner einer Reick' Versicherung gegen Arbeitslosigkeit Einer bei unfeinen, ©enremann. bat «Io cr'ter diese» Problem an- gcschuiltcu. E» sind recht törichte Einwände dagegen laut ge­worden. Man sprach von c.nem Anreiz zur Faulheit. Ein geioissrö (ssesuhl roirifcbaitlichfr Sicherheit wird eher ein An- rc.i sur liicT'tiflleit'uitb Sparsam:.'it sein.

Trotzdem verschliehcu wir un» den Schwierigkcilcu der Prak- tischen Di'rdiführung einer tolcheu Reichsvcrficherung nicht. Sta- tiftifcbe Unlcrlagen fehlen. Eine regelmäßig wiederkehrende ReichSftatist.k würden wir begrüssen. Die siosteufrage tvarc sehr schwierig Und trie sollten die Geldc. verteilt merben? Tic beue Bekämpfung der ArbeUtkosigkeit ift bic innere .Qolonifa» t i o n. (Sehr flut?) Da» beweisen bic Versuche in Neppen. Ha­mit halt man bic Massen auf dem Londe fest, so daß sie da» Heer der Arbeitslosen in den Städten nicht vermehren Die Ar­beitsnachweise müssen erheblich on&gcbant werden. Hier wäre ein Jwang' gesetz am Platze, da» die Arbeitsvermitt­lung im ganzen Reich.- regelt Wn werden leben gangbaren Weg geben, um aud dem jetzigen Zustand derinszukomnien. Wir nun- scheu Line gefährlichen Srperimeub Pei bei bisherigen Inter­esselosigkeit darf e» aber nicht Neibi.ii. (Beifall.)

Abg. Gras (5armcr Zieskrwitz fiToiif.)

In vielen Teilen können wie d-e Jnterpellosion unterstützen. Nur d'S steichSgesetz lehnen wir <*? Tiefet Wca ist nicht gang­bar. Diese Arbeitslosigkeit u höchii bedauerlich, ffiii wollen daher alle» tun, um hren fcbliminen , ?Igcn cutgegenznwirken. Die Leut.. bic infolge von Streik» unb Aussperrungen orbciulo» werden, scheiden freilich au. , eberto b i c ArbeilSsch e uen In erster Linie wirb bic Arbei.-losiglest gewiß nicht verschuldet durch mangelnde Arbe>t»gelegenbe,. Die Industrie unb d.c Groß- stadt ziehen bie Massen an, während oav Land unb bic Kleinstadt seit langem Mangel an Arbeitern haben. Gerade ber Klcfngrund- Lc'ib leidet am meisten iruntet. Tie Versicherung gegen Arbeits­losigkeit wurde die fionbflucfit nur vermehren. Und die un­geheuren Kosten! Die Arbeitgeber können sie nicht tragen. Die Kommunen sollten sich der Ceblänbereien annehmen. Er- freu sich ist, daß Berlin und lrhflrlottenburg die Rcppener Kolonie unterstützet'. Auch auf dem Gebiete der Ar'-estSnachwcisc ist noch viel zu leisten. Hier ipexben wir gern rnfterbciten. (Deifall.-

Abg Darmntß - »;».):

Die '!i.iiditen der Virbcit»IofciWcrftdherung sind gut, aber die ®rb; leri.I/itcn find unüberwindbar. Denken Sie au die Saifon. arbeitet. Und w,c stehl eC mit den itreifenben Arbeitern, bie bodi auch arbeitslos find? Darum wenden he reichen s o - > i a 1 b c m o ! r a 1, f ch e n G e w e r k f ch c »11 u so wenig für bie Ärbestslo'en auf (Sachen der Soz.) Em Rcich.-gesetz würde geradezu auf ehre Unirrituyung unb auf eine Reklame für brr ( ewerkschaftcn bmeu.laufen. Lhne eine/ gewissen Aebestszwang würbe ein iclcfie» Gesetz nur eine Entvölkerung beS flachenan. be» zur Folge haben.

Ein VerlagungSantrag wirb angenommen.

Ter Präsibent beraumt bic uhfic S tzung auf Sonn« abenb, vormittag» 10 Uhr, en: Vesterberafting ter Arbeit»- loseniiiicrpcll-stion. Interpellation Arnstabt Kons.) über die Krankenversicherung, 2BabIprüfunger.

Abg. (traf v. Nestsrp (Aons.)s cantragt, zuerst bic Krankeiwersicherung zu befprechen, ba diese Frage möglichst bald geklärt werden müsse.

Abg. Mslkenbußr (Soz.):

Einen Beschluß können wir doch nicht fassen, oder wollen sic ein neues Mißtrauensvotum für den Reich»- k a «i z l e r beantragen. (Heiterkeit.)

D-urch Hammclfprung wurd-c dann mit 109 gegen 97 Stimmen der Vorschlag des Präsidenten gebilligt.

Schluß 6K Uhr.