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19.9.1913 Erstes Blatt
 
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Erster Blatt

163. Jahrgang

ur. 220 Erster Blatt 163. Jahrgang Zreitag, 19. September M3

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MW-' . General-Anzeiger für Gberhefsen 8KZL

'.""Ä^T^esnmnIner Rotationsdruck uitö Verlag der Brlihl'fchen Univ.-Vttch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Lonä":^E.HebE"ür den

bis vormittags 9 Uhr. Geschäftsstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Deck.

Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten.

Tagcskalcnder aus dem Jahre 1813.

19. September. In dem Rcitcrgefecht bei Mühl­berg a. d. Elbe schlägt General v. Do b schütz eine Ab- , teilung französischer Chasseurs und nimmt den franzö­sischen General Talleyrand mit 500 Mann gefangen.

Allgemeiner Ausstand in England.

Aus London wird uns geschrieben:

Während Anfang dieser Woche die deutsche Sozialdemo^ rratie in Jena über die Anwendbarkeit des Massenausstan­des diskutierte, hat man in England alle Vorbereitungen, getroffen, um wieder einmal die Probe aufs Exempel zu machen. Sämtliche Führer und Schaffner der 5000 Lon­doner Omnibusse sollen zur gleichen Stunde das Zci-, chen erhalten, den Betrieb einzustellen, wenn nicht die wegen Tragens des Abzeichens der Transportarbeiterunion ent­lassenen 125 Schaffner wieder in Dienst gestellt werden. Es wäre unleugbar eine wirkliche Katastrophe im öffentlichen Verkehr. Voraussichtlich treten auch die Angestellten der Un­tergrundbahn in einen Sympathiestreik ein, und erklärt end­lich die Londonxr Transportarbeiterunion, wie angedroht, den allgemeinen Ausstand, so ist in wenigen Tagen der ge- famte ungeheure Verkehr Londons lahmaelegt. Nicht we­niger beunruhigende Nachrichten über Arbeiterbewegungen kommen aus an bereu Teilen Großbritanniens, in die von Irland her die Unruhe getragen wurde. Alles das zunächst nur wegen des eigensinnigen Verbotes der Omnibusgesell­schaft Londons, einen kleinen farbigen Blechknopf, das Ab­zeichen der Transportarbeiterunion, Kur Schau zu tragen. Aber wie ernst die Lage ist, zeigt die plötzliche Rückkehr des Ministers Lloyd George aus Frankreich, wo er seinen Ur­laub verbringen wollte.

Der revolutionäre Syndikalismus nach französischem Muster ist in den englischen Gewerkschaften in der letzten Zeit riesenhaft gewachsen. Der Glaube an Parlamentaris­mus und Regierungshilfe fehlt mehr und mehr und macht dem Glauben an diedirekte Aktion" Platz. Tom Mann, der bekannte Wortführer des Syndikalismus in England, spricht diesen überaus bedenklichenFortschritt" mit ungefähr sol- stenden Worten aus: Der Zweck der Gewerkschaften ist, den 'ila senkampf zu führen und jede Gelegenheit zu ergreifen, den Feind zu schädigen. Man bedenke, daß die Kapitalisten fortwährend ohne Pause kämpfeii. Kaum ein Monat vergeht, daß nicht eine neue Maschine oder ein neues System einge­führt wird, die dem Kapitalisten ermöglichen, den Lohn- stoiibs zu verringern, indem er überflüssige Arbeiter auf die Straße wirft. Das geschieht ohne Unterbrechung und ohne Rücksicht auf Verträge. . . . Revolution ist das Mittel der Evolution, nicht die Alternative zu ihr. Kein Beamter des Board of trabe wagt irgend etwas zur Hebung des allgemeinen Wohlstandes zu tun. Tas Board of trade ist ein Departement der Regierung. Die Regierung ist im all­gemeinen wie im besonderen bas Werkzeug ber Plutokratie, wodurch unb womit sie bic Arbeiter niederhält. Wer sich ein­bildet, eine Regierungsabteitung könne versuchen, irgend ct- 'oas zu tun, um die Niederwerfung der herrschenden Klasse zu erleichtern, ist ein Narr. Die Arbeiter niederzuhalten.

das ist ihre Aufgabe. Man sieht, der englische Syndikalis­mus predigt den Kampf bis auss Messer. Nun hat schon der englische Eisenbahnausstand 1911 die wichtige Lehre erge­ben, daß, wenn die Arbeiterorganisationen eines Industrie­landes nur bis zu einem ganz gewissen Grade unter sich ei­nig sind, daß ihnen dann nicht bloß eine sozial parteiische Regierung, wie die russische, nachgeben muß, sondern auch biefemge der europäischen Regierungen, deren soziales Ge­wissen vielleicht am schärfsten ist und die unstreitig für die stolzeste aller Regierungen gelten kann. Und das ergibt na­türlich eine unmögliche Lage für den modernen Staat. Der englische lebt augenblicklich wieder bloß von der Gnade der Gewerkschaften. Selbstverständlich kann und darf er sich da­bei nicht beruhigen. Wie soll er sich aber gegen die Gefahr des allgemeinen Ausstandes schützen? Er wird in Zukunft gegen den Massenausstand ganz ebenso gerüstet sein müssen, wie er sich heute gegen den Angriff von feiten eines äuße­ren Feindes vorbereitet . . .

In diesem Sinne sind denn auch Vorbereitungen im Gange. Die französische Regierung rüstet den Syndikalisten gegenüber in der Weife zum Widerstande, daß sie das Mili­tär unter der Hand in kleinen Trupps dazu ausbitdet, die wichtigsten Funktionen der Arbeiter int Falle eines allge­meinen Ausstandes zu übernehmen. Nach diesem Vorbild wird auch die englische Regierung vorgehen müssen. Außer der Aufrechterhaltung des Personen- und Güterverkehrs auf.den wichtigsten Linien wären auch die Schtffslöschungen in den Hafenstädten, der Wasser-, Gas-, Elektrizitätsbetrieb, die Straßenreinigung, Post, Telegraph, ja int Notfälle die Koh­lenförderung einzuüben. Dabei wird man sich wahrscheinlich auch noch dazu entschließen müssen, der Gefahr eines allge­meinen Ausstandes gegenüber große Vorratsmagazine be­reit zu halten mit Lebensmitteln, vor allem Mehl und kon­densierte Milch, ganz wie das für den Fall des Krieges in den Festungen geschieht. Das muß so kommen, denn das ist nur logisch. Sollte einmal (namentlich in Frankreich) auf das Militär kein Verlaß mehr sein, so tritt die organisierte Bürgerschaft dafür ein. Für den Engländer ist dieser Ge­danke der Selbsthilfe sogar etwas sehr Naheliegendes. Steht es den Proletariern frei, ber Bürgerschaft ihre Dienste zu verweigern, so läßt sich ber Bürger nie unb nimmer baran hindern, seine Bedürfnisse durch eigene Arbeit zu beftie- digen. Es wäre Vergewaltigung, proletarischer Despotismus, den sich das freie England bisher noch weniger gefallen läßt, als irgend eine andere politische oder wirtschaftliche Tyrannei.

London, 18. Sept. Der Exekutivausschuß des Verbandes der Eisenbahnange stellten veröffent­lichte heute abend ein Zirkular, in dem es heißt, das gutgemeinte, aber überstürzte Handeln der Streikenden habe diese und den Exckutivausschuß in eine schwierige Lage gebracht. Das Zirkular fordert zu einer angemessenen Beilegung des Streikes auf Und warnt die Ausständigen, den Streik weiter auszudehnen ohne An­weisungen des Exekutivausschusses.

London, 19. Sept. Der Zwist bei den Omnibusgesellschaften ist noch nicht erledigt. Der Ausstand droht heute auszubrechen, wenn.nicht die Gesellschaft den Verband ihrer Leute anerkennt.

DeiiffdKS Reich.

Kein Rücktritt des österreichisch-ungarischen Botschafters in Berlin.

DieWiener Neue Freie Presse" erfährt von einer dem Botschafter Grafen Szögeny-Marich nahestehender

Seite, daß die Meldungen einiger Berliner Blätter, er werde demnächst von seinem Botschafterposten zurücktrelen, voll­ständig unrichtig ist.

Die Zivilliste des Großherzogs von Vaden.

Wie die ZeitungDer Zoller" von sehr zuverlässiger Seite erfahren haben will, besteht in badischen Hofkreiseu die bestimmte Absicht, vom nächsten Landtag eine beträcht­liche Erhöhung der Zivilliste des Großhcrzogs zu fordern. Man spricht von einer Summe von 700 000 Mark. Der Zoller" fügt der Meldung hinzu, daß er feine Nachricht aufrecht erhalte, auch wenn ein offizielles oder offiziöses 5)c» meini erfolge» sollte.___________________________________________

2Iu9iaitö.

Von der internationalen Arbeiter sch uh-» Konferenz.

Aus Bern wird mitgeteilt: Der Ausschuß der inter­nationalen Arbeiterschutzkonferenz für den Zehnstunden- tag der Frauen und Jugendlichen beendete seine Arbeiten und gelangte auf der Grundlage des Entwurfes der internationalen Vereinigung für Arbeiterfchutz zu einer Eini­gung. Der Ausschuß für die Nachtarbeit der Jugendlichen gelangte noch nicht zu einem Einverständnis. Daher wurde die auf Freitag angefetzte Plenarsitzung der Konferenz bis auf weiteres verschoben. Für den nächsten Samstag lud der schweizerische Bundesrat die Delegierten und ihre Damen zu einer Lötschbergfahrt ein.

GeneralTorelliinTripolisge fallen.

Schmerzliche Verluste haben die Italiener in einem Ge­fecht in Tripolis erlitten, bei welchen! der Genercrl Torelli den Heldentod erlitten hat. DieAgencia Stefani" üeröffent^ licht folgenden Bericht aus Suara vom 16. September über das Gefecht:

Die italienischen Truppen unter dem Befehl des Generals Torelli rückten am Morgen vor, um die Aufständischen anzu­greifen unb zu vertreiben, bic am Tage zuvor ihre Stellungen bei Gsur verlassen unb sich in beträchtlicher Stärke in einer Stellung in der Umgebung des Tales von Tecniz versammelt hatten. Der Marsch wurde in zwei Abteilungen ausgeführt/ deren erste, als sie ein sehr aufsteigendes, mit dichtem Gehölz bedecktes Gelände durchqueren mußte, auf hartnäckigen Wider­stand des Feindes stieß. Der Feind vernichte auch, zum Angriff vorzugehen, wurde aber nach einem heftigen Feuergefecht ge­schlagen. Infolge lebhaften Artilleriefeuers und wiederholter Gegenangriffe und bedroht durch die zweite Abteilung, wurden die Aufständischen zu eiligem Rückzüge in nordöstlicher Richtung gezwungen. Die Italiener erlitten sehr schmerzliche Verluste. General Torelli, der si'ch in der vordersten Linie befand, starb den Heldentod, ebenso zwei Offiziere und 28 Mann, baruntetf sieben Italiener. Drei Offiziere und siebzig Mann wurden ver­wundet, darunter 19 Italiener. Die Aufständischen hatten eben­falls beträchtliche Verluste, auch einige Häuptlinge fielen. Die Haltung der Truppen war ausgezeichnet. Die Truppen schlugen in den eingenommenen Stellungen ihr Lager auf.

Der Bericht über diesen Kampf zeigt, wie weit die Jtcvq liener von der eigentlichen Beherrschung von Tripolis ent­fernt sind. Ter Ort des Gefechts befindet sich im Nordwest-i Winkel von Tripolis.

Die Verhandlung gegen den Gouverneur Sulzer,

ber angeklagt ist, Beiträge zum Wahlfonbs unterschlagen unb bezüglich der empfangenen Summen falsche Eide ge­leistet zu haben, hat am Donnerstag vor dem Senat in Albany begonnen. Sulzer ist durch 12 Anwälte vertreten.

Gerhart Hauptmann als Regisseur.

Aus Berlin wird uns geschrieben: Gerhart Hauptmann bat der Inszenierung und Einstudierung seiner eigenen D-ra- nten stets die größte Aufmerksamkeit gewidmet und stand soseinem Theater", das bisher das Lessing-Theater war, sehr nahe. Nun, da nach dem Tode seines Freundes Brahm eine kleine Schar seiner Sckiauspieler dem dahingegangenen Direktor die Treue hält über den Tod hinaus und in dem neugegründetenDeutschen Künstlcrtheater So­zietät" seine Tradition fortführen will, wollte auch der Dichter in dem Kreise nicht fehlen, der seine Werke so oft zu Sieg und Ruhm geführt, und bei der Eröffnungs­vorstellung, die am Dienstag abend vor einem feier­lich und erwartungsvoll gestimmten Publikum stattfand, führte er selbst die Regie. Zum erstenmal weihte er seine Mihnenkenntnis und seine Theatererfahrung einem fremden Werk: SchillersWilhelm Tell". Die Zuschauer fahcn auch in dieser Tatsache die eigentliche Sensation des Wends und bereiteten dem Schöpfer derWeber" warm­herzige Huldigungen, die sich ant Schluß zu einer imposan­ten Kundgebung steigerten. Hauptmann dankte immer wieder rus seiner Loge unb wies mit ber Hanb nach der Bühne, um den Dank an die weiterzugeben, denen er gebührte.

Die Ovationen galten jedenfalls dem Künstler Gerhart Hauptmann und nicht dem Regisseur, denn gerade die In­szenierung dieser Tell-VorsteNung ließ viel zu wünschen übrig ließ vor allem einen fachkundigen Leiter des Gan­je» vermissen, der mit hingebender Sorgfalt die letzten Fein­heiten des Zusammenspiels hätte herausbringen müssen. Te- lorationen?Kostüme, sogar bic äußere Erscheinung des Titel- -helden gemahnten au die Kunst Ferdinand .Hoblers, ber ja unter ben Mobernen bic Tellsaae am freiesten und eigenar­tigsten in seinen Bildern gestaltet. Aber das, was uns in dem Stil der Schillerschen Reifezeit so merkwürdig an den modernen Meister erinnert, die schlichte Großzügigkeit der £in:ie, die monumentale Einfachheit der Konturen, das ging verloren, weil man in unserer ausstattungswütigen Zeit nun einmal auf den häufigen Szenerienwechsel nicht verzäch- Sen will, ber boch ber Tod aller Klassikeraufführungen ist.

eständig fiel ber Vorhang, loenn man eben warm gewor- n ipar, unb bie langen Pausen zerhackten die einheitlich Vorsteigende Linie dieser Höhendichtung in kleine und ernste SMdten. Dazu kamen tote Stellen während des pnels, Schwerfälligkeiten der Massengruppierung, allzu irrke Akzentuierung gewisser Einzelheiten, die den leiden­

schaftlich sortreißenden Rhythmus, die stolze Schwungtrast ber Verse hemmten unb unterbrachen. Wenn man die Tich- terhand Gerhart Hauptmanns erkennen will, so wirb man sich an manche feine realistische Züge halten müssen, bic besonbers in ben Szenen in Teils Haus, in ber machtvoll sich fteigernben Rütliszene unb in ber Charakterisierung ber Fischer unb Hirten zum Ausbruck kamen. Anbererseits störte solche Kleimnalerei in der derben und doch nur durch eine schlechte Tradition geduldeten Komik, die die Kriegsknechte bei der Wacht vor dem Hut entfalteten, in der grellen Beto­nung des Hochzeitszuges bei Geßlers Tod, der durch eine unbegreifliche Streichung des ergreifenden Gegenbildes in dem Auftreten der Mönche beraubt war.

Auch in der Verteilung der Einzelrollen stand nicht je­der am rechten Platz, und einige Meisterleistungen mußten für slo manches Mißlungene entschädigen. Hans Marr, der als Tell zunächst zu schwer und dümpf und mürrisch war, rang sich zu immer reicherer Beseelung und Vertie­fung feiner Rolle durch und war am Schluß wirklich ber mythenhafte Helb mit der reinen Seele unb den reinen Hän- bcn. Unvergeßlich schön sprach Oskar Sauer bie Verse des Attinghaufen, unb unter ben Eidgenossen ragte Oskar Fuchs als Walther Fürst in schlichter Würde hervor. Tas Beste, eine Hoffnung auf die Zukunft, boten zwei junge, viel­versprechende Talente: Hans Zeise-Gött als leiden-, schastlich innerlicher Melchthal und Tagny Servaes, die aus der schemenhaften Figur der Bertha von Bruneck einen echten Menschen schuf. Dr. P. L.

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Zur Theaterkrisis in Frankfurt a. Main. Fran kf urt a. M., 18. Sept. Um eine rasche Lösung der schweren Krisis im Schauspielhaus herbeizuführen, macht sich jetzt eine immer stärker werdende Strömung bemerkbar, die dem Regisseur Karl­heinz Martin bie künstlerische Leitung des Hauses übertragen wissen will. Martin hat sich bereits im Komödienhaus und jetzt cm Schauspielhaus als feinsinniger Künstler bewiesen. Gerade bie letzten Neuaufführungen im Schauspielhause sind Werke seines künitlerffchen Vermögens, sie fanden in ber gesamten Presse einen Beifall, wie er seit langem dem Hause nicht mehr gezollt ward. Dem Aufsichtsrat sind bereits zahlreiche Zuschriften unterbreitet, aus denen hervorgeht, daß Martin vielleicht ber einzige Mann gegenwärtig ist, ber bie Befähigung besitzt, die zerfahrenen Ber- hältnipe zu entwirren.

E i n Monumentalbrunnen für Frankfurt a. M. Auf dem Hauptplatze Frankfutts, dem Alten Theaterplatz, der unmittelbar an den Goethe-Platz anschließt, soll ein Monu­mentalbrunnen errichtet werden. Die Mittel sind ganz von privater

Leite zur Verfügung gestellt worden. Vitt hervorragende deutsche Bildhauer erhielten den Auftrag, sich mit Entwürfen an einem I engeren Wettbewerbe zu beteiligen. Es sind Prof. Fritz Behn in München, Pros. Heinrich Jobst in Darmstadt, Prof. Fritz Klimsch und Prof. Hugo Lederer in Berlin. Die vier Künstler haben foeben ihre Entwürfe eingereicht, und bic Entscheidung, bic bei bem Range der Wettbewerber besonderes Interesse beansprucht, wird noch in diesem Monat erwartet.

_ Von den Nobelpreisen. Man schreibt uns aus Stockholm: Die Art der Verteilung der Nobelpreise hat hier in vielen Kreisen schon lange Mißstimmung erregt. Man meint, daß das Nobel-Komitee ein viel zu ausschlaggebendes Gewicht Darauf lege, daß die Preise solchen Personen zufallen, die bereits einen berühmten Namen haben, während der Witte Nobels der gewesen sein soll, daß durch die von ihm ausgesetzten Preise junge Talente, die noch ohne Namen und ohne Geld seien, in die Läge versetzt werden, in pekuniärer Unabhängigkeit ihren wissenschaftlichen For­schungen oder ihrer literarischen Wirksamkeit nachzugehen. Großes Aufsel-en erregte dieser Tage eine öffentliche Erklärung, welche einer der Zeugen, die das Testament Nobels mitunterfchrieben haben, nämlich der Direktor Leonard Hwaß, abgegeben hat; hwaß schließt sich jenen Angriffen durchaus an. Der Sinn ber Nobelpreise sei nämlich, daß sie nicht nur Ehrenpreise sein sollen; sie haben außerdem den praktischen Zweck, es hervorragenden Personen möglich zu machen, ihre Talente zum Nutzen der Menschheit frei auszunützen. Deshalb sei es der Idee Nobels zuwider, wenn die Nobelpreise alten Männern oder solchen, bie im voraus schon reich seien, erteilt würden.

Ernüchterung in ben Radiumankäufen. Tn Münchener Magisttat ist auf Grund der widerspruchsvollen An­gebote von Mesothorium unb Radium, für Deren Ankauf zur Behandlung von Krebskranken in den ftäotifcften frranfenaniraltcr bekanntlich die städtischen Behörden 200 000 Mark bewilligt haben, neuerdings zu der Ueberzeugung gekommen, daß diese Stosse von den Händlern künstlich znrückbehalten werden, um möglichst hohe Preise zu erreichen. Aus diesem Grunde hat der Magistrat den Beschluß gefaßt, die Bewilligung der Mittel bis auf weiteres auf unbestimmte Zeit zu oertagen und eventuell erst bann auf die Sache wieder zurückzukommen, wenn annehmbare Angebote vor- liegcn unb wenn auch die Auffassungen über die Erfolge der Behandlung mit diesen Stoffen in ärztlichen Kreisen sich gcklätt haben. In benMitteilungen ber Zentralstelle des dcurschen Städtetages" findet sich ferner folgende Notiz:Wie die Leitungen melden, find in letzter Zeit in verschiedenen Städten Mittel zur käuflichen ober leihweisen Beschaffung von Radium und Meso- rtjorium bewilligt worden. Um genauere Unterlagen zu gewinnen, hat die Zenttalstelle eine Rundfrage veranstaltet. Das Ergebnis wird baldmöglichst voraussichtlich in der nächsten Nummer> mitgeteilt werden."