Ausgabe 
10.2.1913 Zweites Blatt
 
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Ans uM Land.

®ic üen, 10. Februar 1913.

Zweite Hypotheken.

Tas auffallende und immer größer werdende Mißverhältnis zwischen Aiigcbot und Nachfrage auf dem Markt für zweite Hypo- tljclcn Kat den städtischen -Hausbesitz in eine Notlage versetzt In der Erwägung, daß ein gesuirder Haus'oesitzerstanb für das Gedeihen eines Böemeinwesens unerläßllch ist, tot die Orts­gruppe Offenbach deS Hansabnudes feit längerer Zeil die Gründe untersucht, die für die Zurückhaltung des Privat kapitals bei Gewährung zweiter Hypotheken maßgebend find. Tas Ergebnis dieser Untersuchung und Vorschläge zur Befrie­digung des zweitstelligen HypathekenbedarfS hat die Hansa- bundS-Ortsgruppe nunmehr der Offenbacher Stadtverwaltung in einer Eingabe unterbreitet. In Frage kommen nicht die Ernchtung eine-! P sa ndb rief in slitius oder die Inanspruchnahme der Stadt. Ein Pfandbriefinstitut könnte sich die Mittel nur durch die Garantie bc-'- Stadtverwaltung verschaffen, aber es ist immerhin fraglich, ob sich diese neuartigen Pfandbriefe so rasch den Markt erobert hatten, wie es im Interesse des Hausbesitzcs erforderlich gewesen wäre Tie Hergabe städtischer Mittel für zweite Hypotheken ist ebenfalls nicht ratsam Zunächst darf man sich über die Höhe der eriorberlidyn Mittel nicht täufdxm. Nimmt man z. B. an daß von den 3200 Häusern in Offenbach nur 1000 mit durchschnittlich 10 000 Mk belastet sind, so ergibt sich schon ein Betrag von 10 Millionen Mark. Soweit Satzungen von Gemeinden vorliegcn, die selbst iweite Hypotheken hergcbcn, lassen -sie fast durchweg erkennen, daß Kiervon eine durchgehende Bc se,licrung der Notlage des städtischen HanSbesitzeS nicht zu er- nwrteii ist. Es tolidelt sich bei den städtischen .Hypothekenärntern fast nur MN die Forderung des Kleinwol-nungsbaueS, die Be­friedigung des Bedürfnisses aus Kapitalkünbigungen hat noch feine Stadt übernommen.

Tie Befriedigung der Nachfrage nach zweitstelligen Hypotheken Tann «nur erreicht werden durch ein bereits cinge - führt cs Pfandbriesinstitut, rin Institut, das durch elastische Pfandbrief-Ausgabe jedem Bedürfnis gerecht werden kann Ter hessischen Lau d es hy p o t he kenb a N k ist die Möglichkeit gegeben, zweitstcllige Hypotheken zu gewähren, wenn die Stabt die Garantie dafür übernimmt. Dies kann aber nur geschehen, wenn die Stadt gedeckt ist durch einen von den Haus- besitzern selbst zu schaffende» Garantiefonds und durch eine febr vorsichtige Beleihung. Diese beiden Voraussetzungen können durch bie Gründung eines Vereins erfüllt werden, der den städtischen flicatkcbit durch Vermittelung zweiter Hypotheken fördern soll. Grundsätzlich muß davon ausgegangen werden, daß der Haus­besitz die Voraussetzung zu setosien hat, unter der die Garantie der Stadt erreicht werden kann. Temgemäß hat jeder Haus­besitzer, der eine von der Stadt garantierte Hypothek beantragt, einen dem Risiko des Darlehens entsprechenden Anteil am Ga- rautiefonds zu übernehmen. Tamil die erleichterte Besetoffung zweiter Hypotheken nid>t zu einer ungesunden Bautätigkeit führt, soll der Anteil am Garantiefonds eine mit der Zahl der an ein einzelnes Mitglied gew-ährteu Hypothek fortschrritenbe Steige- iung erfahren. Ferner ist die Bildung eiires Reservefonds vor- gesehen, bet in erster Linie zu etwaiger Berlustdeckung l-crange- zogen werden soll. Die Beteiligung der Stadt ist so gedacht, daß sie erste Garantien ist. Es müssen ihr deshalb Rechte rin- geräumt werden, die ihr ermöglidien, bei der Geschäftsführung mitzikwirkeu. Eine vorsichtige Beleihung soll durch die Vorschrift erreicht iverdcu, daß neben dem Schätzungswert des Grundstücks die Höhe des Reinertrags in der Weise herangezogcn werden soll, daß das Zinserfordernis für die hypothekaristto Belastung 85 Prvz. des Reinertrags nicht übersteigen darf. Nach der Meinung der Offenbacher Ortsgruppe des HansäbundeS stellt die von ihr vorgesdslagene Lösung des Problems den einzigen Weg dar, auf dem dem Hausbesitzer geholfen werden kann. Indem sic die vvrgeschlagcne Organisation grmibsätzlid) auf der Selbsthilfe auf- häut, glaubt sie ilyr eine wirtschaftlich gesunde und vollen. Erfolg versprechende Grundlage gegeben zu toben.

Daß die Gemeinde ein überaus hohes Interesse an der Be­seitigung der Notlage des Hausbesitzes tot, bedarf keiner Be­gründung. Demi untrennbar verknüpft mit dem Realkredit ist die W o h n u n g s v v l i t i f. ES gibt feine gesunde WohnungSpolitik ohne gesunde Hypothekenverhältnisse. Hier Besserung herbeizu- führen, liegt nicht nur im Interesse des HausbesitzeS, sondern and) in dem der Gemeinde, bereu Gtaierfraft erhalten und ge­stärkt wirb.

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Landesuniversität. Der Vertreter der Mathe­matik an der Universität GreifSmald, ordentlicher Professor Dr. Friedrich Engel, bat einen Ruf hierher erhalten und angenommen; er tritt an Stelle des in den Ruhestand tretenden Geh. HofratS Pros. Netto. Dr. Engel ist 1861 zu Lugau in Sachsen geboren. 1885 erhielt er die venia legendi in Leipzig, wurde hier vier Jahre spater außerord. Professor und 1899 ord. Honorarprofessor. Ostern 1904 kam er als Ordinarius nach Greifswald als Nachfolger von Professor E. Study.

* In Audienz empfangen wurden voni Groß - Herzog am Samtztag u. a. Lehrer Hensel von Hirzen­hain, Medizinalrat Dr. Kn ll mann von Lauterbach, und ObcramtSrichter Dr. Pusch von Ortcnberg.

Angelegte Grundbuchs r.s Im Jahre 1912 wurde in weiteren 21 Gemarkungen das Grundbuch für angelegt erklärt. Damit ist das neue Grundbuch für 1049 Gemark­ungen fertiagestellt. In Oberhessen sind 1912 für folaende Gemarkunacn die Grundbücher für angelegt erklärt worden: Aulcn - Dieboch im Amtsgerichtsbezirk Büdingen, Betten im AmtsgerichtSbezirk Büdingen, Flensungen im Amtsgerichts- bezirk Grünberg, Gießen Flur I bis VI, Groß-Karben im AmtsgerichtSbezirk Vilbel, Kaichen im AgitSgerichtSbezirk Fried­berg, Klem-Karben im Amtsgerichtsbezirk Vilbel, Nidda, Ockstadt im AmtsgerichtSbezirk Friedberg, Nobrbach und Robr- bacher Wald im AmtsgerichtSbezirk Büdingen, Schwalbeim im AmlLgerichtsbezirk Bad-Nanbeim, Stockbansen im AmtS- gerichtSbezirk Grünberg, Straßheim im AmtsgerichtSbezirk Friedberg und WcrngcS im Amtsgerichtsbezirk Lauterbach.

** Jubiläums Vereinigungehe m. 116er. Am Samstag sand eine Sitzung des großen Festausschus.es statt, an der auch eine Abordnung dos Offizierkorps des Regi­ments teil na bin. Nach Mitteilung des ersten Vorsitzenden Rechtsanw. Kaufmann zählt die Bereinigung jetzt 46 Vereine mit 9672 Mitgliedern; drei Vereine haben noch nicht gemeldet Der Gefamtvoranschlag für das Fest be­trägt 25500 Mk Auf den Aufruf des Regiments haben sich' schon jetzt 550 Veteranen angemeldet. Die Verhand­lungen wegen Gewährung von Fahrpreisermäßigung an die Festteilnehmer sind im Eßing. lieber die Tätigkeit deS WohnungS und VeipflegungsauSschusseS berichten die Vor­sitzenden" dieser Ausschüsse. Der Preis für Uedernachtung cinschl. Kaffee ist auf 1.50 Mk. festgesetzt. Bis jetzt stehen

in Gießen 73 Quartiere für Offiziere und 1040 für Mann­schaften, in Wieseck 150 für Mannschaften zur Verfügung. Das Mittagessen soll 1.25 Mk. kosten. Es tmrb beschlossen, daß als letzter Tag für Einsendung der Teilnehmerlisten für den Druckh Bestellung der RcgimentSgeschichte, Ein­sendung der Quartier- und Eßlisten samt den Geldbeträgen, Bestellung von Platzkarten für die Zuschaucrtribüne irnb der Denkmünzen der 15. April zu gelten habe. Bis zum 1. April sollen die Vereine ihre Wünsche bezüglich der Ankunfts- und Abfahrtszeiten etwaiger Sonderzüge äußern und die Teilnehmerzahl melden. Ter Vorsitzende beglückwünscht außerhalb der Tagesordnung den Siawcraben K ohle r - Darmstadt, der Veteran von 1866 und 1870/71 ist, vor 25 Jahren den Militärverein Darmstadt gründete und heute noch an seiner Spitze steht. Mit einem Hurra auf den Chef deS Regiments wurde die anregend verlaufene Versammlung geschlossen.

** Hausbesitzer-Versammlung. Die gestern im Lenzschen Fclsenkcllcr einbcrufenc Hausbesitzer-Versammlung war inißcrordentlid) gut beiud)t. Redakteur Levigard hielt einen Vortrag, worin er die steuerliche Belastung des Jmmobiliar- verkchrs mit großen Stempeln und der Wcrtzuwachsftcuer vcr- am"d?aulid)tc und nachwies, daß der Grundstücksmarkt damit gc- wissermaßen erdrosselt werde, was nicht im,Interesse des Staats und der Gemeinde liege. Durch die Belastung werde auch dcr Mieter geschädigt, da die Steuern den Ankausswcrt von Häusern und Grundstücken erhöhen und die Erhöhung aut die Mieten atocwäljt wird. Die Art der Besteuerung des Grundbesitzes führe dazu, daß die Bautätigkeit erschwert wird. Gegen die Art, wie man die Hausbesitzer als Stcuerobjekt behandelt, emp fichlt Herr Levigard eine umfassende Organisation der Haus­besitzer. Der Redner behandelte dann die Beschaffung zweiter Hypotheken und wies daraus hin, daß auf diesem Gebiet eine starke Organisation Besserung schassen könne. In dcr Aus­sprache führte Stadtv. W i n n aus, daß das Hessische Wert­zuwachssteuergesetz nicht so uiigercdü war, Wie daS Reickfsgcsctz, er wies daraus hin, daß Gießen in Hessen allein einen Zu­schlag zu der Wertzuwadfssteuer des Reiches erhebt. Er halte auch die Belastung des Gießener Hausbesitzers mit dcr Kanalgebühr für unrecht. Das System, wie man in Hessen den Grundbesitz mit Stempeln belastet hat, sei verwerflich. Redakteur Levi­gard bemerkte, das hessische Wertzmvachsstencrgesetz fei nicht besser als das im Reich, beide besteuern jeden Wertzuwadis. Man könne es billigen, wen» jemand den unverdienten Wert­zuwachs versteuern müsse. Es fei bekannt, daß die Stempel­abgaben in Hessen sehr hoch seien. Ganz Hesse» und besonders die Entwicklung der Städte tot darunter zu leiden. Tic Reichs- zuwachssteucr nimmt Hauptsachlid) den Städtern das Geld ab. Maurermeister Pfaff führte Fälle ans Gießen an, daß die Einsd)ätzungskommiffion zur Wertzuwachsstcuer sich so vcrschätzr habe, daß man außerordentlich tobe Steuern angefordert hat. Stadtv. W i n n erklärte, daß er diese Fälle kenne. Die Betei­ligten hätten gegen die Taxe der Kommission daS Recht dcr Bc-> schwerde gehabt, von dcr sie aber keine» Gebrauch gemacht hätten. | Die Stadtverordneten hätten die zu Unrecht eingcsorderte Steuer! niebcrgcfdüagcn. Fabrikant Horst führte aus, die Ausführung gen des Vortragenden müßten jeden Interessenten mahnen, sich dem Hausbesitzcrverein anzuschlicßcn. Rechtsanwalt Raab hat sich früher' gegen die einseitige Belastung der Hausbesitzer ge­wendet, aber vergeblich. Maurermeister P s a s s meint, daß der Hausbesitzerverein geschlafen habe. Herr Wo hl mut meint, daß eine tüchtige Bereinigung der Hausbesitzer nichts htoben könne; über die Art der Kanalgebühren könne man verschiedener Meinung fei». Die Laste» beim Besitzwechscl grenzten an die Erdrosselung dieses Verkehrs. Hier bestehe eine Bauordnung, die für ine heutigen Verhältnisse nicht mehr passe: die sei biird) Besdüüsse der Bau bcputation und der Stadtverordneten so durchlöchert, daß fein Architekt mehr weife, was zulässig sei und was nicht. Stadtv. Trotz bemerkt, daß er die Stadtverordnetenversammlung in Schutz nehmen müsse gegen den Borwurf, als ob sic absichtlich bei ihren Beschlüssen willkürlich verfahre. Bis vor kurzer Zeit habe auf der Bürgermeisterei mir ein Exemplar der Bauordnung existiert. Jetzt sei die Bauordnung neu gedruckt und jeder Ein­zelne könne Nachsehen, was drin stehe. Der Vortragende be­tonte in seinem Schlußwort, daß die Aussprache gezeigt habe, wie nötig es sei, daß die 1800 Hausbesitzer fick) organisieren. Sie müssen eine Geschäftsstelle mit einem bezahlten Beamten einrichten.

Landkreis Gießen.

A Sieinheim, 8. Febr. Bei der Beigeordneten- »vahl iviirdc im ersten Wahlgang der Landwirt Stoll mit großer Mehrheit gewählt.

A G r ü nberg, 9. Febr. Sein 9 7. Lebensjahr vollendete unser ältester Einwohner Rentner Johs. (Silier. Der Musikoerein brachte ihm ein Ständchen. Gillcr ist der älteste Ehrenwart des deutschen Flottenvereinß, er war kürz­lich noch Vorstandsmitglied des Vorfchußvereins. Die Wa n derha u Shalt ungSsch ule des Kreise? Gießen schloß ihren sechswöchigen Ktirstis, an dem 27 Frauen und Mädchen teilnahmen. Regierungsrat Weicker und Bürger­meister Ranft waren zur Schlußprüfiing erschienen

Kreis Schotten.

h. Schotten, 8. Febr. Zu der gestern erfolgten Ver­haftung deS Handlungsgehilfen Karl Münster aus Mährisch- Weißkirchen ist noch nachzutragcn, das; Münster Hier feit 2. Januar in Stellung war und eS verstanden Hat, sich in der kurzen Zeit durch sein freies Auftreten sehr beliebt zu machen.

Starkenburg und Rheinhessen.

! Mainz, 9. Febr. Im hiesigen Güter bahn Hof geriet heute vormittag der in Bischofsheim stationierte 28jahr. ilnverbeiratetc Hilfsschaffncr Dexheimer beim Ueberschreiten der Gleise in einen einfahrenden Eilgüterzug. Der Kopf ivlirde ihm förmlich zerschmettert und außerdem ivurden ihn, beide Beine abgefahren. Durch eigene Unvorsichtigkeit hat er seinen Tod herbeigesührt.

Hessen-Nassau.

Hanau, 8. Febr. Die TyphuSkranlheit im Eisenbahn-Rcgiment Nr. 3 hat wiederum ein Opfer, das 19, gefordert. Gestorben ist der Pionier Tel lw o au5 Neun­kirchen auL der 3. Kompagnie. Dcr Stand der Krankheit ist heute: 63 Lazaretlkranke, darunter drei schwer, 31 Genesende un Hilfslazarett, 67 aus Urlaub, 18 im Genesungsheim.

= Cron berg i. T., 9. Febr. Aus dem hiesigen Bahnhof stürzte der Bürgermeister Peter Weil au5 Klein-Schwalbach, als er auf einen abführenden Zug steigen ivollte, ab. Er wurde überfahren und so schwer verletzt, daß er in kurzer Zeit im hiesigen Kaiserin Friedrich-Kranken­hause st a r b.

ProvinziaL-Ausschuß der Provinz Oberhessen.

L. Gießen, 8. Febr.

Anwesend: Regierungsrat Wclckcr, als stellvertretender Vor­sitzender, und sechs Mitglieder. Beginn 9, Ende 12 Uhr.

1. Klage deS Ortsarm cnvcrbandeS Gießen gegen den Ortsarmenverband Allendori a. Lda. wegen Unterstützung der M S. aus Allendorf. Die M. K. erkrankte und begab sich, da sie Mitglied der Mrantcn- kasse war, in die Behandlung des Kassenarztes. , Statt aber dessen Anordnung zu befolge», fand sie sich in Gießen in der Klinik ei», wurde ausgenommen, aber nach zwei Tagen wieder entlassen Tie entstandenen Vervilegungskosten forderte nun Gießen bei dem Ortsarmenverband Allendon an, der die Zahlung ablehnte, mit der Begründung, daß Hilfsbedürftigkeit überbaut nicht Vorgelegen tobe Es kam zur Klage, bie der Provinzial-^i ausschufe kostenpflichtig abwieS.

2. Klage der Firma SchadeLFüllgrabc itd Frankfurt a. M. gegen bie Stadt Gießen wcgciM Heranziehung zur Filialsteuer Tie Stadtverordneten-» Versammlung der Stadt Gießen hat beschlossen, die Filialstcuer« cinzufübren. Ter Bertrctcr des Klägers begehrt nun Aiistiebunaljl dieses Brid»liisscs, da die zu erlassende Ortssatzung ungesetzlich und S rcchtlickr unzulässig sei. Tie Beklagte beantragt demgegenüber, bie! | Klage kostenfällig abzuweise» Sie sei unzulässig, rin Beschwerde-W reckt sei nicht gegeben, weil der Beschluß der Genehmigung der 9 Aufsichtsbehörde bedürfe. Außerdem halte sich der Befchluß voll-1 ständig in den gesetzlichen Grenzen. Dcr Provinzialansschutz S wies die Klage heute als unzulässig ab.

3. Gesu ch des Georg Erhard z u G i eßen um Er-j'.ß laubnis zum Betrieb einer Kaffeewi rt schaft inj dem Hau s e Walltor st raße 19. Tie ^tabtöcrorbnctcn- | verfammlung hatte die BedürfniSftagc bejaht, das Polizciamt sick) aber gegen das Gesuch ausgesprochen, weil kein Bedürfnis vorhanden sei und das Lokal nicht den gewerbepolizeilichen Bor- schrillen entspreche. Tcr Provinzialmisschuß erteilte die nadj^ * gesuchte Erlaubnis unter der Bedingung, daß ein durchsichtiger, f bis an die Tcckc reichender Glasabschluß, der das Ladcngcsaräjt 3 von der Kaffeesmbe trennt, und aufecrbem ein besonderer Tarnen- abort errichtet werden.

4. Klage dcs Ortsarmen Verbandes Friedberg gegen den OrtsarmenverbandSch walheim wegen Unterstützung der II). M. Eh es ran. Fran M mußtms wegen Bauchfellvcreitcrung in das Hospital zu Friedberg auf4 genommen und sofort operiert werben. Ihr Mann leistete warn bei dcr Aufnahme eine Anzahlung von 10 Mk., konnte abem weiter nichts bezahlen. Friedberg forderte deshalb den unter* stützungspflichtigen Ortsarmenverband Schwalheim uim Ersav. der entstandenen Kosten auf, jedod) ohne Erfolg, weshalb KlagW erforderlid) war. Dieser wiirbe von dem ProvinzialausschM ftattgegeben und <5d)Walhrim zur Zahlung verurteilt.

5. Gesuch des Moses Hecht zu E ck a r t s b a u s c i» u m E r l a » b n i s zum Kleinhandel mit Branntwein. Hecht betreibt seit bald 30 Jahren den Kleinhandel mit Brannt­wein, besitzt and) ein entsprechendes Gewerbspatent, hatte abctl versäumt, die erforderliche Erlaubnis einziikolen. Ties ftdltc sich erst jetzt heraus. Sein daraufhin eingccciditcd Gesucli wurde 1 mangels Bedürfnisses von dem ZtzreiSausschuß Büdingen ablehnend f beschiedcn. Dagegen entschied der ProvinzialauSschnß, daß di« 1 Erlaubnis zu erteilen sei.

vermischter.

Farmen für Paradiesvögel und Reiher. Paris hat sich in diesen Tagen im Znsamnumtong mit der Soden1 d acelimatation eine frauzösiid)e Liga für Vogels d' u h gt* bildet, bie mit einem interessante» Plane vor die Ocffcntllchmi tritt. Tie Liga will die Hinmorbung der seltenen 23ogrlartÄ der Paradiesvögel und dcr Rciher, nicht mit dein Wori allein, sondern durch die Tat bekämpfen. Und als das beste Mittel gegen die Massenmorde von Vögeln für Modczwecke will man b Probnttion ber so gesuchten Febern organisieren, um babi/rh du Abschießen ber Vögel überflüssig zu niachen. Mit anberen yvntioi I man will bcnfelbcn Weg befdneiten, bejr auf bei 3<rnb nach Straußenfedern burd) die Anlage großer Strauyenfarmen erfolg- rrid) beschrittni mürbe. An versdnebenen Orten, bie burch ihre klimatiscl)en Verbältnisse bas (Scheiben von Rritorn und Paradies­vögeln erhoffen lassen, sollen im großen Stile Paradiesvogel und Mi ei her farm eil angelegt werden Hier wirb man bie Vögel züchten, auf biefe Art hie Möglichkeit gewinnen, bie Nachfrage befriebigen, und damit der Massenabfdüachtting der seltenen Tiere ganz von selbst ein Ende machen.

Eine verpfändete deutsche Kaiserkrone. Au- Konstantinovt'l wurde soeben berichtet, daß der Sultan seinen sehr wertvollen Dl-ron verpfänden wolle: da ist es victtoicht nicht uninteressant, darauf hinzu weisen, baß in früheren Iahrhunbettci, ein beutfd)er Kaiser sogar einmal seine Krone verpsänben mußte lieber dieses Gesd)ehnis beridüet bie große Regensburger Chronik, die seit längerer Zeit im Möniglidy.m StaaiSardnv in Mündel aufbewahrt wirb. Tie Sache ging folgeubermaßen zu. Matia Sigismund, der wohl immer knapp bei Kasse mar, tarn im Iahr^ 1434 mit großem Gefolge nach Regensburg, um den Reichstar zu leiten. Als bann ber Reichstag geschlossen worben war un» Sigismnnb wieder abrcifni wollte, erschien ber Finanz Kümmeret vor bem Kaiser mit ber bctrübeirbcii Mitteilung, baß bie kaiserliche ; Kasse ganz leer sei imb baß bie Sdnilb von 4600 Gulben, bie Regensburg entstauben war, nidü bezahlt werben könne. D« Kaiser ließ darauf bie Ratsl-erren von Regensburg rornmei. offenbarte ihnen seine finanzielle Kalamität und erbot sich gegen einen Vorschuß von 5000 Gulden sein gesamtes Silberzeug, bas n nackt Regensburg mitgebracht hatte, zu hinterlegen Die Herrn vom Rate besahen sick) daS Silberzeug, imtcriiichtett cs nach allen Seiten und sanden, baß 'das Silberzeug lange nicht bu Summe wert sei, die sie dein Kaiser porschießen sollten. Dcr Kaiser, so sagten die materiell gesinnten Ratsherren, habe je nod) rin ivertvolleS Pfand, die Krone des heiligen römischen Reid-es deutscher Nation. Wenn ber Kaiser bie Krone zu« Pfand lassen wollte, so sei ber hohe Rat von «Regensburg gern bc reit, die verlangte Summe vorzustrccken, sonst sei ihm daS Ge­schäft zu riskant. Ten RegensburgerPseffersackeu" die Kronc dazulassen, dazu wollten sick) dcr Kaiser und seine Umgebung W nächst gewiß nicht verstehen, aber ba von einer anberen Seite i» viel Oklb nicht zu beschallen war, mußte schließlich ben ,wr deruugen ber Regensburger nadwegeben werben. Die Kaiserkrone blieb in Regensburg. Einige Monate später erschien ein Atoc sanbtcr beS Kaisers, ber bie Krone wieder auslösen wollte ber aber nur Teilzahlungen an bieten konnte. Natürlich ließcr fid) bie Regensburger barauf nicht rin. Sd-ließlich verstaub fid) ber kaiserliche Kommissar dazu, bas fehlenbe Gelb burch Pfeffer ß ersetzen, ber ia im Mittelalter öfter als Zahlung genommen würbe So kam die >krone ipicber in ben Besitz beS Kaisers, Regensburger batten aber dabei rin schlechtes Geschäft <umfl®t- ben wie in ber Regensbltrger Chronik angegeben ist, hat ist" Sw» beim Verkauf des in Zahlung gegebenen PfefferS einen Verlu» von 10 Pfund, 6 Schillingen und 28 Pfennigen gehabt.

* Eine ganz einfache Sache. ,.Wissen Sie, nn^ wundert mich nur, baß Sic bei Ihrer angeborenen Schüchternye' es fertig gebracht toben, Ihrer Braut eine Erklärung zu machen wie haben Sie dies nur angestellt?"O, das war einfachId) sagte nichts, sie sagte nichts, und sa gab an -vor. das andere!" __,

Ukleu-wLL!

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