Ausgabe 
9.4.1913 Drittes Blatt
 
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giftige Lüge zurückgewiesen, als ob wir einen Angriffskrieg gegen Frankreich planen. Aber das Märchen wird weiter der-, breitet. Und man glaubt es. Daher werden wir die Militär- Vorlage mit dem Aufgebot aller Kraft bekämpfen, ßrijncn Sie die Vorlage ab, dann werden wir mit Frankreich zu den besten Beziehungen kommen. Sprengen Sie den Panzer des Mißtrauens. Nehmen Sie leider die Vorlage an, dann puruderii Sie sich aber nicht über die Gegenmaßregeln Frank- - reichs. Bei Komplikationen tragen Sw dann die schwere Schuld.

ES gibt Politiker, die sich nicht schämen, das Wort von der va te r l a n d S l o f e n, volksfeindlichen Sozial­demokratie zu sprechen. Solche Anwürfe streifen wir mit einem Lächeln der Verachtung ab. Sie, Herr v. Liebert, sagten gestern. Sie rechnen uns nicht zum Volke. Das sagt der Ver­treter der durchgefallend st en Partei Europas. (Große ioeilecfeit.) Sie rechnen uns nicht zum Volke, die wir, da Drittel des deutschen Vaterlandes repräsentieren. Für uns wurden bei den letzten Wahlen mehr als 4 Millionen Stimmen gezählt. Jeder dritte deutsche Mann ist an die Wahlurne ge­gangen, um sozialdemokratisch zu wählen. So lange wie es ge­dauert hat, um den dritten Mann heranzubringen, wird es nicht wahren, bis jeder zweite Mann sozialdemokratisch wählt. (Beifall b. d. (Sog. Lachen rechts.) Wir vertreten mit unserer Politik ine Jntereffen von mindestens 9 Zehntel der Bevölkerung. (Lachen rechts.) Und wenn da Herr v. Liebert sagt, wir gehören nicht zum deutschen Volke, so ist das eine unsinnige Behauptung. ^Vizepräsident Dr. Paa sch e rügt den Ausdruck.) Dann ist das «ne Bchauptuirg, die ich als sinnig nicht ansehen kann. (Heiter­keit.) Wären wir Vaterlands- und Volksfeinde, dann müßten wir unsere eigenen Feinde sein. Gewöhnen Sie sich es ab, unfern guten Willen zu bestreiten, der Gesamtheit des deutschen Volkes nach bestem Willen zu dienen.

Mau sagt, unsere Arbeiterschaft sei verweichlicht. Den Vor- fotirf des Luxus und des Wohllebens hat der Reichskanzler nicht diesen gemacht, sondern den besitzenden Klassen, die die Offiziers- stelleu besetzen. Auf dem Schlachtfelde der Arbeit sind in den letzten ztvölf Jahren über 1 % Millionen Arbeiter länger als L3 Wochen krank gewesen, über 100 000 Vlemn sind getötet. Der ganze Krieg von 1870/71 hat demgegenüber 40 080 Tote und 83 373 Verwundete gefordert. Da kann man doch nicht von einer Verweichlichung der deutschen Arbeiter sprechen. Die neuen Soldaten sollen uns vor den Slawen schützen, und für jeden Soldaten holt man einen slawischen Wanderarbeiter herein. Das ist eine Karlchen-Miesnick-Politik. Die neue Leeresvermehrung ist nur möglich, wenn Sic das Mindestmaß der Militärtauglichkeit herabsetzen. Es ist nicht wahr, daß noch so viele taugliche junge Leute vorhanden sind. Die Ankläger sind nicht Sic, sondern wir. Noch einmal ballen sich alle Gewalten gegen uns zusammen, die wir die höhere Kultur vertreten. (Stürmische Heiterkeit bei den bürgerlichen Parteien.)

Wir arbeiten weiter an einer Versöhnung zwischen Deutsch­land und Frankreich. Der Tag wird kommen, wo sich die Hanh des Deutschen vertrauensvoll in die Hand des Franzosen legen wird. Das wird der Tag unseres Triumphes. Wir werden weiter kämpfen für das schöne große Ziel, Frieden und Freiheit von dem Belt zu den Pyrenäen zu sichern, Deutschland und Frankreich zu einen in der Arbeit für Freiheit und Kultur.

Abg. Erzberger (Zentr.): .

Der Richter für die Ausführungen des Vorredners wird sich finden, er wird das deutsche Volk sein. (Lachen b. d. Soz.) Er wird ihm nicht recht geben. (Großer Lärm b. d. Soz.) Die Geschichte wird das zu erkennen geben. Die Sozialdemokratie kann nur sprechen, weil sie weiß, daß es auf ihre Stimmen nicht ankommt. (Lebh. Beifall rechts und in der Mitte.) Wäre es einmal so weit, so würden wir doch dem Vaterlands das Nölige gewähren. Die Vorlage verlangt große Opfer, d i e Begr ü ndüng des Reichskanzlers reicht nicht aus. Er sprach von der herausfordernden Haltung Mon­tenegros die neu geforderten 130 000 Mann werden doch nicht gegen Montenegro gebraucht werden! Aber Scheidemann ist geradezu leichtfertig an den Veränderungen vorübergegangen, Äe die Neugestaltung der Dinge auf dem Balkan, und die Bi-udung Italiens an Tripolis gebracht haben.

Aucb die Vorgänge in Frankreich sieht er zu optimistisch an; her Chauvinismus dort ist ganz gewaltig angewachsen. Es wäre töricht, das zu unterschätzen. Selbst der Abg. Wendel hat von der drohenden Gefahr eines Weltkrieges gesprochen. Gerade für Deutschland steht dann das Meiste auf dem Spiele. Ein unglück­licher Krieg würde die Zertrümmerung Deutsch­lands, nicht bloß den Verlust von zwei Provinzen zur Folge haben. Die Franzosen predigen seit Monaten ganz systematisch den Gedanken: Wenn wir auch nicht die Menschen haben, so haben wir doch Geld. Die russische Rüstung sei ihre beste Kapitals-- anlage. Wenn auch auf 100 Franzosen 166 Deutsche kommen, so kommen doch auf 100 Deutsche 212 Russen.

Auch Liebknecht und Bebst baben Rußland als unsere größte Gefahr bezeichnet. Bei der Entwicklung Rußlands haben sich diese Verhältnisse für uns noch kolossal verschlechtert. In der sozia­listischen Presse finden wir zuweilen barin- ganz vernünftige Anschauungen. Hier im Reichstag kommen ne aber nicht zum Ausdruck. " iLachcn b. d. Soz.) Während v Russen mit den Franzosen das Gedächtnis der Schlacht von mobiiw feiern, ge­denken sie mit keinem Wort der Waffenbrüdet schäft mit Deutsch­land. Da heißt es, der kluge Mann baut vor. Auch uns wäre es lieber, wenn wir weniger Soldaten brauchten, aber sie sollen doch nur das Unglück eines verlorenen Krieges von unserer Heimat fernhalten. Es scheint doch, als ob die Wehr­vorlage die Rechnung ist, die uns unsere Diplomatie überreicht. Sie soll dem Saterlar.be einen ehrenhaften Frieden erhalten und im Notfall einen raschen siegreichen Krieg vorbereiten.

Zum erstcnmal seit 1850 soll die allgemeine Wehrpflicht boll durchgesiihrt werden. Gegen die Resolution Windthorst, die diesen Gedanken wegen zu hoher Kosten ablehnte, haben die So­zialdemokraten gestimmt, und jetzt machen sie uns einen Vorwurf daraus. Seit Jahren ist jener Gedanke aber erfolgreich ver­treten und zum Teil auch durchgeführt worden. Die Heranziehung der jüngeren Leute findet im ganzen Volke Verständnis. Die ge­forderten 4000 Offiziere werden wir vielleicht gar nicht finden, schon jetzt haben wir einen Offiziersmangel. Wie denkt sich der Kriegsmiuister den Ersah?

Werden wir auch am 1. Oktober die erforderlichen 15 000 neuen Unteroffiziere haben können? Mit dem Hurrapatriotismus des Abg. von Liebert sind diese schwierigen Fragen nicht beant­wortet. In den technischen Waffen scheint Deutschland in einem gewissen Rückstände zu sein. Die geforderte Beamtenvermehrung ist zu groß. Qberschlesien, wo ein ungeheurer Teil des National­vermögens liegt, steht einem feindlichen Vormarsch offen. Hier kann sich die verkehrte Polenpolitik empfindlich rachem !(LebHafter Beifall bei den Polen.) Man sollte in der Ostmark eine zufriedene Bevölkerung schaffen. Die 800 Millionen einmaliger Ausgaben haben sehr ernüchtert. Im einzelnen kann wohl hier unb da gespart werden.

Die schwersten Lasten werden vom Volk getragen. Die Militärs haben von der Vorlage nur Vorteile durch das schnellere Avancement. Alle Wünsche des K r i e g s m i n i st e r s sind erfüllt Er hat sicherlich in keiner Schublade mehr einen einzigen Wunsch. (Heiterkeit.) Nie war ein Kriegsminifter so wunschlos. Von dem, was Dr. Muller gesagt hat, war 1 Proz. wahr und 99 Proz. übertrieben. (Heiterkeit und Wider- sprach.) Herr Dr. Müller, wir wollen uns auf 30 Proz. einigen. (Heiterkeit.) In den Uniformen kaffen sich Ersparnisse machen. Die Garderobe eines Offiziers ist so groß, iutc die einer Schau- Spielerin. (Heiterkeit)

Das Haus vertagt sich.

Mittlooch 1 Uhr: Weiterebrakung.

Schluß 77t, Uhr.

ichresbeüchHer"Zrchtz. Heff. Gewerbeinspektionen.

Betriebst! nfälle ereigneten sich 1912 in den der Ge- verbeinspckti-on unterstellten Anlagen 338. 5 davon verliefen üblich. In einer Lehmgrube wurde ein Arbeiter verschüttet,

Brmr Auflegen eines Riemens, ioährend das Druckwerk im Gange war, wurde ein Arbeiter von der Welle erfaßt und getötet. Mn bat Ber Putzarbeiten in einem Gasthof stürzte ehrt Anstreicher in einen Aufzugschacht. In einatt anderen Gasthof explodierte ein Dampfkessel und tötete beit daran hantierenden Arbeiter nnd in einem Steinbruch verunglückte ein Arbeiter beim Steinbrechen tödlich; es war ihm ein Stein aus der oberem Bruchwand auf den Kopf gefallen. Ten letzten Unfall führt bei: Beamte auf die vielerorts in Steinbrüchen herrschende Akkordarbeit zurück, wo- burcf) die Leute leicht zu einem waghalsigen Arbeiten verleitet werden. Tie verantwortlichen Aufseher baden habet feine leichte Stellung, indem sie einerseits die Vorschriften überwachen, an­dererseits das Interesse ihre Firma wahrnehmcii sollen, das auf eine möglichst rasche und gewinnbringende Ausbeute hinzielt. So lagen auch die Verhältnisse in einem zweiten Bruch, wo in­folge unvorschristsmäßigen Arbeitens ein Mann schwer verletzt nmrbc. Gegen den verantwortlichen Meister wurde Strafantrag wegen fahrlässiger Körperverletzung gestellt.

Wie berechtigt die Vorschrift der Berufsgenossenschaften ist, daß an sämtlichen bewegten Teilen von Transmissionen her- vorstehende Keile beseitigt ober durch glatte Einhüllungen ver- deckt werden müssen, auch solche, die sich nicht im nnmittelbaren Verkehrsbereich befinben, beweist ein Unfall, den der (Gehilfe eines Installateurs in einer Fabrik erlitt. Orr war mit der Legung der elektrischen Leitung beauftragt und arbeitete auf einer Leiter stehend unter, ber Tecke des Fcwriksaals in der Nähe einer Transmissionsscheibe. Ein an dieser vorstehender Keil faßte die Leiter des Arbeiters und schien lerte den Mann int Nu mehrmals um die Welle, zum guten Glücke ohne weitere schlimme Folgen.

Durch das .Hinabstürzcn eines Personen- und Lastenaufzuges ans dem obersten Stock eines hohen Fabrikgebäudes wurden drei auf dem Fahrstuhl stehende Arbeiter mehr ober weniger schwer verletzt. Die Fangvorrichtung, die nach den für Preußen giltigen Bestimmungen eingerichtet war, konnte bei dem Sturz nicht in Tätigkeit treten, weil keines der Seile gerissen war ober sich gegenüber bem anbern gelängert hatte. Ter Bruch war durch bie mangelhafte Schmierung ber Winbenlager verursacht worben, so baß auf * enter Lagerseite sich bie Trommelwelle durch das Lager hindurch gefressen hatte, und da der Auszug beim Fallen bie etwa 4 Zentner sckstvere Trommel nnd Welle nach sich ziehen mußte, Hieben bie beiden Seile ziemlich gleichmäßig gespannt. Man hat nunmehr bett Auszug burch den Einbau eines Ge- schwinbigkeitsregulators verbessert, der die Fangvorrichtung in Tätigkeit setzt, sobald bie Geschwinbigkeit mehr als 1,5 Meter erreicht.

In ben Bübinger Sn nb ft einbrück en mit ihren über 30 Meter holten Bruchwänden finbet bie Matertalgewinnung durch Unterhöhlungsarbeiten statt. Die mit dem Unterminieren be­schäftigten Arbeiter sind weniger durch ben Einsturz ber ganzen Vruchwanb als vielmehr burch bas .Herabfallen einzelner lockerer Steine gefährbet, wie bies ein größerer Unfall im letzten Jahre gezeigt hat. Es mußte beshakb in Ucbercinstimmung mit ben Steinbruchbesitzern stets bie Anorbnnng getroffen werben, baß vor Beginn ber jeweiligen Unterminierungsarbeiten an ber Ar­beitsstelle ein Schutzdach errichtet wirb, bas geeignet ist, herab- sallenbes Gestein aufzufangen.

In verschtebenen Betrieben, in denen Kreissägen zum Brertn- holzschnciben nebenher und nur für kurze Zeit benutzt wurden, fehlten an ber Transmission die Ricmcnausri'icker und cs kostete ihre nachträgliche Anbringung viele Mühe.

Durch die im laufenden Jabre gebauten elektrischen Ueber- lanbzentrolen ber Provinz in Gießen unb Wölfersheim werben in ben Gewerbebetrieben bie maschinellen Einrichtungen eine starke Zunahme erfahren. Um bat mit diesen verbundenen Unfall= gefahren wirksam zu begegnen, wurden von der Gewerbeinspektion an alle in Betracht kommende Installateure schriftlich bas Ersuchen gerichtet, alle Kraft- unb Arbeitsmaschinen, bie sie selbst liefern, von vornherein mit ben ^rforberlichen Schutzvor­richtungen zu versehen unb bie Gewerbetreibenden auf bie Folgen einer Unterlassung hinzuweisen.

Zur Beseitigung von Gesunbhc> iLsgefahren hat eine Metallgießerei ihre Putzerei fixtubfrei eingerichtet. Die Putz­arbetten werben nicht mehr mit ber Hanb, sondern mittels Ge­bläse unb Trommel verrichtet unb auch die Schleifmaschinen sinb mit Staubabscmgvvrrichtungen versehen worben. Ueber diesen Betrieb hatten vor Jahren bie Arbeiter bei ber Gewerbeinspektton schriftlich Beschwerbe erhoben, es war jeboch nach Lage ber Um­stände, da bauliche Veränderungen bevorstanben, unmöglich, als­bald Wandel zu schaffen. Auch bie ^Betriebsleitung war von ber Notwendigkeit einer Verbesserung überzeugt, die Verhältnisse aber zwangen, wie so manchmal, zu einem längeren Aufschub.

In einer Formerei ist durch Anschaffung eines neuen Presse­systems ein leichteres Arbeiten erreicht worben. Das Hin- unb Her Ziehen ber Formkasten ist entbehrlich geworden. Die Arbeit ist viel! weniger anftrengenb itnb baburch die Leistung unb ber Ver- bienft ber Arbeiter gestiegen.

Die Vorschriften ber Bekanntmachung betrcffenb Betriebe, in beiten Maler-, Anstreicher- und bergleicken Arbeiten aus­geführt werben, vom 27. Junt 1905 (R. G. Bl. S. 853) hatten mattrfre Betriebsinhc.ber zur Anschaffung von Ersatzmitteln für Bleifarben B. Lithopon unb Lichtweiß) veranlaßt. Man ist aber allmählich mieber bavon abgekommen, weil ben bleifreien Farben mancherlei Mängel anhaften unb außerdem beim Mischen unb Nachschütten von Farben m ihm ter Verwechselungen derselben vorgekommen sind, indem man beispielsweise Litbopon unb Blei­weiß vermengte und baburch bas Gelingen ber Arbeit in Frage stellte.

Da vom 1. Jomuar ab bie Bekanntmachung betreffend die Einrichtung unb bim Betrieb von zur A n f.« r t i g u n g von Zigarren bestimmten Anlagen vom 17. Februar 1907 Oft. G Bl. S. 34), bie Ausnahmebestimmung bes 8 12, wonach für die beim Erlaß dieser Bekanntmachung bereits bestehenden Betriebe auf jede beschäftigte Person nur 7 Kubikmeter Luftraum zu gewahren waren, wegfällt, unb fortan 10 Kubikmeter aus den Kopf verlangt worben, ist bereits im verwichenen Jahre eine Anzahl von Zigarrenfabriken umgebaut worben ober vergrößert worben. Die Forbcrung bieses erhöhten Luftraumes hat einige Fabrikanten aus Naumersparnisrücksichten veranlaßt, ben Ar­beitsräumen eine Stockhöhe von 4 itnb mehr Metern zu geben. Sie klagen jetzt über bie außerorbentlich gestiegenen Hcizungskofteii. Tic gcnügeitbc Heizung ber hohen Räume verschlinge unverhält­nismäßig viel .Heizungsmaterial.

Tie Polizeiverorbnung über bie Einrichtung unb ben Betrieb von Bäckereien hat bie gute Wirkung, baß fort­gesetzt an Stelle unhygienischer Backstuben neue gebaut werden ober die bestehenden ben Vorschriften entsprechenb umgeändert icerbeit. Im ganzen sind in den letzten Jahren nicht weniger als 18 Bäckereibetrichc in ber Provinz um- ober neugebaut wor­den. Wegen Nichtbefolgung der Reinlichkcitsvorschriftcn musste auch im Berichtsjahre gegen eine Anzahl Bäckermeister mit Strafen vorgegangen werben.

In einer Fabrik, wo ber Meister in ben Frühpausen an die Arbeiter Bier in Flaschen verkaufte, würbe bies burch bie Be­triebsleitung auf Vorstellung ber Gewcrbeinspektwn verboten. Der Meister hatte zwar anlcficinenb keinen Vorteil von dem Ver­kauf, es ist aber sehr schwer, wenn nicht unmöglich, bie Ver­abredungen zwischen Fabrikangestellten unb ben Lieferanten klar zu ermitteln. ___

Wundern und Reisen.

** D c r Vogelsberger Höhen-Club, Zwcigverein Gießen, hielt kürzlich im1 Kaiserhof seine orbentlidjc Hcmptversamm lung ab, ber sich am 4. April noch eine außerorbentlickw Haupt­versammlung anschloß. In bei- ersten erstattete ber 1. .Vorsitzende, Rebakieur Heß, ben Jahresbericht, nach bem sich ber Verein auch im vergangenen Jahre einer ruhigen, aber steten Weiter­entwicklung erfreuen konnte. Tie Mitgliederzahl betrug am Jahres- sckstuß 252. Der Wegebezeichmmgsausschuß (W. B. A.) ist im abgelaufenen Jahre eifrig an ber Arbeit gewesen unb hat bie Markierungen, bie der Verein imi Vorjahre vom D.-Oest.-Alp.-Ver. Sekt. Gießen übernommen hat, zum großen Teil aufgefrischt und

einige neue bcrgcfteilt. Doch bleibt immer noch vielen tun übrig. Auch bie Wanbertätigkeit war reckst lebhaft, beteiligten sich doch nach bem Berichte bes Wandernieisters Wenzel bnrckstcherittlich 54 Personen an den 12 Vereinswanberungen. Der vom Neckmcr A u b r e« s erstattete Rechnungsbericht zeigte, baß ber Verein auch finanziell auf guter Basis steht. Ms 1. Vorsitzender würbe, nachdem ber seilherige verbicnte Vorsitzende gebeten hatte, von seiner Wieberwahl abzusehen, Reallehrer Will genstihlr. Die übrigen Aemter, mit einer Verschiebung, blieben meist in ben Händen der seitherigen Inhaber: K. Wenzel 2. Bors, unb Wander- meister, K. F-aber unb E. Heß Schriftsührer, K. Anbrvas Rechner, W. Frohichäuser und F. 9äoll Beisitzer. Ein Antrag ans Bildung eines Wanberansschnsses, mit bessen Funkrionen bic Mitglieber bes W. B. A. betraut werden sollen, fand einstimmige Annnh-mc. Die außerordentliche .Haupwersammlung befaßte sich im wesent­lichen mit bem Abhalten ber Monats versa mm l ungcii, bie man, um eine bessere Vorbereitung ber Vereinswanberungcn xu er- möglick>en, nm 8 Tage ftnher als seirlnr, verlegte und mit ber neuen Wanderorbnung, die man nach längerer Aussprache ohne jebe Stteichung versuchsweise für ein Jahr annalym, mit bem Zusatz, baß auswärtige Klubgenosscn vom Besuche ber Monats- üerftimmlungcn befreit sind. Für bas VcreinSjahr 1913/1914 ist folgcnbcr Wanderplan ausgestellt worben: Sonntag, 13. April GrünbergLaubachFrievrichshütteUl fa N id da

(5 Stunden): Sonntag, 18 Mai ButzbachMaibachMichel bachtalBranbobernborfKraftsolmsMöttauBraunfels (sechs Stunden): Sonntag, 15. Juni GießenWißmarWißmarbach­talWaidhausSauwasenSchmelzFronhausen (51 '> Stund.); Sonntag, G. Juli (.Hoherobskopfsesr) sJtiddaMichelmruHof-Zwu-- faltenBilstein.Hvher odsko p> Schotten (G Stunden): Sonntag, 3. August AlsfeldSchloß HerzbergGrebenauSchlitz (6 St.); Samstag, 16. unb Sonntag, 17. August lh:.tägige Wanbcrung, in bas Knnllgcbirge; Sonntag, 14. September Gro^n-Bufeck^ers- robGeilshausenWeitcrshainGrünberg (6 stunden); Sonn­tag, 12. Oktober LichKloster ArnsburgMünzeubcrgStein- furtBab-Nauheim' (5 Stunden): Sonntag, 9^November Frvn- hausenOberwalgernGladenbachMarburg (5 Stund. : Sonn­tag, 7. Dezember: EhringshiufenSinnHerbornDillenburg (4 Stunden); Sonntag, 11. Januar: BieberKvnigsberg.Hohen- solmsHelfholz DünsbergRobheim (5 Stunden); sonntag, 8. Februar, GießenForsch. .HochwartGroßenbuscckMtenbu- scckWieseckGießen (5 Stunden): oonntag, 8. März: Gicßm Allcudorf (Lahn)Stoppelberg.HouigmühleWetzlar (51/« ötbi.

Der Assistent an ber Sternwarte ber Universität Göt-- t i n g e it Dr. Franz Pingsdorfs ist zum Ches ber astrophoto- graphischen Abteilung ber neuen Sternwarte in Santiago b e Chile berufen worben. Dr. Pingsdorfs ftanrmt aus Flerz­heim, Reg.-Bez. Köln. Früher war er an ber Bonner Stern­warte tätig. _________

Der Schutzmann als Gattenmörder.

A Göttingen, 7. April.

Unter großem Andrange begann heute vor dem hiesigen Schwurgericht die Verhandlung gegen den Pokizeisergeanteu Romabn aus Berlin, der beschuldigt ist, im Januar ds. Is, in Hannoversch-Münden seine Frau ertränkt zu haben. Nach Augobe Seiner persönlichen Verhältnisse stellte der Angeklagte den Fall zunächst so dar, als ob seine Frau, die in der letzten Zeit sehr nervös gewesen wäre, sich auf einem Spaziergang nach dein Winter­hafen von ihm losaerissen und in das Wasser gesprungen sei, wo sie alsbald unterging. Im weiteren Verlauf des Verhörs ver­wickelte er sich in mancherlei Widersprüche und behauptete schließ­lich, daß sowohl er wie seine Frau beabsichtigt hätten, sreiwillig aus dem Leben zu scheiden. Tie Frau habe bereits früher einmal einen Selbstmordversuch unternommen und zwar in Lankwitz. Nach der Tarslellunq des Angeklagten hätten er und seine Frau nach einem Familienzwist am 5. Januar beschlossen, freiwillig aus dem Leven zu scheiden, und beide seien dann auch am 6., abends, an den Winterhafen gegangen, Härten jedoch ihr Vorhaben nicht aus­führen können, weil Leute in der Nähe gewesen rvaren. An einer anderen Stelle hatten sie beide den Versuch unternommen unb hierbei sei er zu Fall gekommen; er habe sich dabei unfreiwillig von seiner Frau losaerissen und habe sie seitdem nickst mehr gesehen. Die Frau ser die Böschung hinabgerollt und in das Waffer gefallen; er habe auch ihre Hilferufe gehört, sei aber in der Aufregung nicht in der Lage gewesen, seiner Iran zu Hilfe zu komnien. Woher die an der Leiche konstatierten Verletzungen seiner Frau gekommen sind, vermnq der Angeklagte gleichfalls nicht anzngeben, Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich - nicht die Frage vorgelegt habe, was aus den Kindern zwei 6 und 10 Jahre alten Mädchen werden sollte, erwiderte der Angeklagte, er habe sich gedacht, die Großmutter werde die Kinder fdion zu sich nehmen. Verschiedene Zeugen werden über das Eheleben des Angeklagten vernommen und darnach die Verhandlung vertagt.

Vüchertisch.

Der Bund ber technisch-inbustricllon Bc^ amten veröffentlicht soeben Bericht unb Abrechnung für bas Jahr 1912 als Heft 30 ber Schriften bes Burches ber technisch-industriellen Beamten. Jnbuftriebeamten-Vcrlag, G. m. b. H., Berlin NW. 52. 48 Seiten.

Vermachtes.

* Neuartige Abstempelung ber Monats^ karten auf der Eiseubuhn. Tie zahlreichen Be­trugsfälle, bie nicht nur in Berlin, sondern auch in an­deren Städten mit bereits ungültig geworbenen Monats­karten immer mieber auf der Gisenbul)n trotz der drohen­den gerichtlicheu Strafe versucht werden, haben den be­teiligten Direktionen den Wunsch nahegelegt, dem Mißbrauch der Karten endgültig ein Ende zu bereiten. Die preußisch- hessische St-aatseisenbahnverwaltung hat sich deshalb ent­schlossen, zunächst probeweise im Bezirk Altona einen Ver­such mit einem neuen Stempclapparat zu machen, welcher außer der Monatsbezeichnung noch die dem Monat ent­sprechende Zahl in etwa drei Zentimeter Größe farbig und mit vertieften Eindruck aufprägt. Der eigentliche Text der Karte, der die gelöste Strecke bezeichnet, wird trotzdem deutlich erkennbar sein. Die Versuche sind noch nicht ab- ' geschlossen. Falls die Erfahrung ergibt, daß die neue Art der Abstempelung dem erstrebten Zweck entspricht, soll künftighin auf alten Strecken dec preußisch-hessischen Staats- bahnverwaltung das neue Abstempetungsvcrf^hren eing.- führt werden.

kf. Wo bie Frau bie Herrschaft führt. Tie Suffragetten werben nüt Neid zu ihren Schwestern l)trüberührten, Die ui Afrika in der Gegend von Bnssangfi, -brblich dci deutschen Kolonie Togo ansässig sind. Im Hohen Rat der einzelnen 'Jiegevftämmc, der zuwinmentritt, um über bas Wohl unb Wehe der t^emeinfchast zu beschließen, hat die Frau ein mächtiges Wort mit-- znsprechen. Ja, in Kriegsiragen gibt die Stimme der Frau regel­mäßig den Ausschlag. Während sonst bei den Negerslämmen Afrikas die Frau durch ihre Arbeit für den Unterhalt der Familie sorgen mnß^was ja auch ein Grund mit ist zur Bieliveibcrei), trägt in Bussangsi auch dec Mann sein Teil zur Arbeit bei.

Eine Qitzellc steter Sorgen für Mütter und schwächliche, in ber Entwicklung zurückgebliebene Kinder. Es kommt bet diesen hauptsächlich daraus au, bie BerdanungSkräfte anzuregen nnd den Allgeineinzustand des KürverS zu heben, wozu eine leicht verdauliche aber nut ernährende Kost erforderlich ist. K ufeke " - Nahrung entspricht bieten Anforderungen und vereinigt hiermit den Vorzug des Wohlgeschmackes und der Ausgiebigkeit. hvlb,

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