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11.8.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. 186

Erstes Blatt

165. Jahrgang

Montag, U. August 1913

GieMerAmeiger

9ejRdMrrU: monatlid)75<Bt1vtertele läbvltd) Mk. 2.20; durch rlbhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährt. auSlchl. Bestellg. Zeilenvrei»: lokal ILPs^ oufliOiirtS 20 Pfeimiq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goey; für .Feuille­ton', .VermifchteS' und .Gencktesaal-: st. Neu- raih; für .Stadl und Land": E.Hen; für den Ahze>aente«l: $». Beck.

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bis vormttiags 9 Uhr. Geschäftsstelle Butrngeu, vahnhosstratze 16a.

raqe-lalcndcr aus dem Jahre 1813.

11. August. Blücher übernimmt in Reichenbach den Ober­befehl über btc schlesische Armee.

Baiser Wilhelm und der Zriedensschluh in Bukarest.

Eine flrofoe Ueberrcrschtmg bittet die Ijeiitige amtlich«' Veröffentlichung eines herzlictzen Telegramm Wechsels zwi fchen dein König von Rumänien imb dem deutschen Kaiser Danach ist aruitnebnten, daß an der Bukarester Entscheidung Kaiser Wilhelm oder die deutsche auswärtige Politik ganz besonders initgewirkt haben. Auch die auffälligen Auszeich­nungen, die der Kaiser dem König von Griechenland und bem griechischen Thronfolger verliehen hat, beschäftigen die (HciftcT, und man kommt zu dem Schluß, daß den Gric chen in der letzten Zeit wirklich der deutsche Einfluß zur Leite gestanden hat. Es ist bemerkenswert, daß der König M*arl von Rumänien in seinem Danktelegramm an den Maifee davon spricht, daß der Friede,dank des Kaisers Willen", ein definitiver bleibe. Der Kaiser hat in seiner Erwiderung diesen Satz zwar nicht weiter berührt, es ist aber doch klar, daß sich hier rum erstenmal eine Ab weichung der deutschen Politik von derjenigen unseres Der bündeten Oesterreich zeigt, lieber die Ziele der deutschen Bestrebungen, die in dem Telegrammwechsel und den Aus zeichnnngen kräftiger untcrflridyen werden als in der Nord-d Allg. Ztg.", kann man fid) vorläufig noch kein ganz Marc» Bild machen. Jedenfalls ist es aber richtig, daß an der heutigen Verteilung der Balkanländer Deutschland keinerlei Anstoß zu nehmen braucht. Es wäre sehr erfreulich, wenn Rumänien, das nad) einer Rede des serbischen Ver­treters in Bukarest, an der Spitze der Balkanländer stehen bleiben soll, sich aiifdjidtc, ein näheres Einvernehmen mit Deutschland einzugehen. Dann würde der Zar, der dein König Karl bekanntlich den Marschallstab verliehen hat, heute aber mit 'Rumäniens Taktik nicht ganz einverstanden scheint, einstweilen das Nachsehen haben.

Wir erhalten folgende Rachrichten:

Ter Wortlaut des FricdcnSvcrtrageS.

Bukarest, 10. Äug. (Ageirce Roumaine.) Der Frie­de n s v e r t r a g hat solgenden Wortlaut:

Bestell von dem Wunsche, dem gegenwärtig zwischen den be­treffenden Ländern bestehenden Kriegszustände ein Ende zu machen, in dem Wunsche nach Ordnung und von dem Willen durchdrungen, beit Frieden zwischen ihren so lange heimgesuchten Völkern her- »uficllen, beschlossen die genannten Mächte den endgültigen Frie- dcnsvertrag zu schließen und ernannten zu diesem Behuse folgende Bevollmächtig le folgt die Liste der Friedensbevollmächtigten). Rachbem ein Einvernehmen hergestellt ist, wurde beschlossen: Ar­tikel 1: Zwischen dem König von Bulgarien und den übrigen .Herrschern sowie ihren Erben und Nachfolgern wird Friede und Freundschaft herrschen; Artikel 2: Die ge­mäß dem Annex V zum Protokoll berichtigte Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien wird von der Donau ober­halb TurtuN,ai ausgeben und am Schwarzen Meer südlich von Ekrcne endigen. Es ist ausdrücklich abgemacht, daß Bulgarien längstens in Alixn Jahren die bestehenden Befestigungen von R u st- s ch u k und Sch u in la und in einer Zone von 20 Kilometer um Bcrttschik herum schleifen wird. Eine gemischte Zdommission wird binnen 14 Tagen an Ort und Stelle die neue Grenzlinie seft- fetze» und die Verteilung der durch die neue Grenze geteilten Wüter und Besitztümer vornehmen. Falls Meinungsverschieden- bciten entstehen, roird ein Schiedsspruch in letzter Instanz ent-

Artikel 3: Gemäß dem Annex IX wird die im Protokoll festgesetzte Grenze zwischen Serbien und Bulgarien vom ©lerne von Rumänien besitzt, erhielt das Bild des Königs

Patarisa-Berge an der alten Grenze ouSgebcn und der allen türkisch-bulgarischen Grenze auf der Wasserscheide zwiickxn dem Wardar und der Struma folgen, mit Ausnahme des oberen Strumniln Tales, das bst Serbien bleiben wird, und wird beim Belt sch Gebirge endigen, wo sie sich an die bulgarisch griechische

Ein« gemischte Komminion wirb binnen vierzehn Tagen die neue Grenz! n und die Verteilung

bet durch die neue Grenze geteilten Güter und Besitztümer unter dein Vorbehalt des Schiedsspruchs vornehmen. Artikel 4: Fragen, die sich aus die alte serbisch bulgarische Grenze beziehen, werden .t oerh schließenden Parteien und ent sprechend den im Annexprotokoll zustande gekommenen Verein- baruttflcn geregelt werden.

Artikel Die gemäß Annex V zum Protokoll festgesetzte Grenze zwischen Griechenlani»und Bulgarien wird von der neuen serbisch-bulgariscl t Grenze ausgehen, auf dem Marn ine des Belsch-Gebirges verlausen und an der Mündung dc-Z Mesta- Flusses in das Aegäische Meer endigen. Eine gemischte Kommifsion und ein Schiedsspruch sind wie int vorhergehenden Artikel fett gesetzt. Es ist ausdrücklich abgemacht, daß Bulgarien bereits letzt aut jeden Anspruch auf die Insel Kreta verzichtet.

Artikel 6: Die Hauptquartiere der einzelnen Armem werden von der Unterzeichnung des Vertrages verständigt werden. Die bulgarische Regierung verpflichtet sich bereits vom nächsten Tage an abzurüsten. Tie Truppen, die in der Okkupationszone der kriegführenden Armee garnichmierl sind, werden auf einen anderen Punkt des alten bulgarischen Gebiets dirigiert werden und erst nach der Räumung der Okku palionszone in die gewöhnlichen Garnisonen zurückkehren ton neu . Art 7: Die Räumung des bulgarischen Gebietes wird sofort nach der Demobilisierung der bulgarischen Armee begiit neu und in längstens 14 Tagen beendigt sein. Art. 8: Während der Okkupation bulgarischer Gebiete behalten die Armeen das Rech ,'u Requisitionen gegen Barzahlung und werden die Eisen- bahnen zum Transport von Truppen und Lebensmitteln frei benutzen tonnen, oljatc eine Entschädigung zu gewähren. Kranke und Verwundete werden unter dem Sclmtze der genannten Ar­meen stehen

Art. 9: Sämtliche Kriegsgefangenen iverden so bald als möglich gegenseitig zurückgegeben. Die Regierungen wer­den einander die Aufstellung der unmittelbaren Ausgaben für Verpflegung und Unterhalt der Kriegsgefangenen überreichn. Art. 10: Der gegenwärtige Vertrag wird binnen 14 Tagen oder, wenn möglich, noch früher ratifiziert und der Austausch der Rattfitali.men in Bukarest vorgcnommen werden. Zur Be­glaubigung des Vorstehenden haben die betreffenden Bevollmäch­tigten Unterschrift und Siegel beigesetzt. Gegeben zu Bukarest am 10. August 1913.

Nachdem die Sitzung bei Friedenskonferenz am Sonn­tag um 10 Uhr 15 eröffnet war, gab der Sekretär Pissoski den amtlichen Text des Friedensvertrages, wie er von den Sekretären der interessierten Mächte durch einen Vergleich festgestellt worden ist, zu lesen. Der Vertrag wurde in alpha- betilcher Reihenfolge unterschrieben. 9?üir die Chefs der Dele gationen fügten ihre Siegel bei. Salven der Bukarester Forts kündigten den Augenblick an, wo unwiderruflich der Friede geschlossen worden ist. Um 11 Uhr drückte Venizelos namens der Konferenz dem Ministerpräsidenten M a j o r e s c u die einmütige Dankbarkeit für die Unparteilichkeit, den Takt und die weisen Ratschläge, die er den Delegationen rn den Son- Vorkonferenzen gab, aus und fügte hinzu, daß der Name Majorescus mit tiefer Dankbarkeit und Hochachtung von allen Völkern ausgesprochen werden würde, denen der Ver­trag von Bukarest endlich.den Frieden gab. Die Konferenz­mitglieder akklamierten stehend. Majorescu dankte bewegt, verteilte aber das Verdienst auf alle Delegationen, deren versöhnlicher Geist ihnen ein Anrecht auf Die Dankbarkeit ihrer Völler gab. Er erklärte dann die Versammlung offiziell für geschlossen. Die Konferenz wird am nächsten Dienstag zum letztenmal zusammentreten, um untergeordnete Förm­lichkeiten zu erledigen.

Der Königvon Rumänien verlieh folgende Aus­zeichnungen: Paschitsch, der bereits das Großkreuz der

mit einer Widmung, Venizelos uitb W u ko ritsch erhielten das Groß,kreuz der Sterne von Rumänien, Spalaikvwitsch das Großkreuz der rumänischen Krone. Die bulgarische Delegation drückte den Wunsch aus, baff, wenn Aus­zeichnungen verliehen würden, sie erst nad) der Wiederauf­nahme der diplomatischen Beziehungen, nach Beginn der Zeit eines herzlichen Verhältnisses zwischen Rumönten und Bul­garien verliehen würden. Mtlags wurde in der hauptstädti­schen Kathedrale ein Tedeunt abgehalten, wobei die Dele­gationen, die Minister und hohen Würdenträger anwesend waren.

Belgrad, 10. Äug Anläßlich der Unterzeichnung deS Friedens ist die Sta d t b e f l a g g t. Das Armeekommando trifft Vorbereitungen für die allmähliche Durchführung der Demobilisierung.

Tie Mitwirkung Kaiser Wilhelm» beim Fricdcnsschluß in Bukarest.

Berlin, 9. Aug. Zwischen dem deutschen Kaiser und dem König von Rumänien imirben aus Anlaß des Friedensschlusses folgende Telegramme gewechseli:

V u f a r e ft Rach liebenvinbuna von bedeutenden Schwie­rigkeiten ist der F r i e d e n s s ch l u d gesichert, der dank Dir ein definitiver bleibt. In diesem für meine Rc> gierung so bedeutungsvollen Augenblick weilen meine Gedanken bei Dir. I ch danke Dir von ganzem Herzen für DeinetreueFreundschastuitdwarmeSvmpathie, die Du mir in diesen ernsten Zeiten ganz beson­ders entgegeit brachte ft. Gez Earol.

S w i n e m ün d e (HohenzollertstO. Dein heute Nacht ange­kommenes Telegramm ist eine große Freude für mich .Ich sage Dir die aufrichtigsten, herzlichsten Glückwünsche zu bem schönen Erfolge, den nicht nur Tein Volk, sondern alle kriegführenden Staaten und damit yanz Europa Deiner weisen, )v a h r h a f t st a a t s m ä n tt i s ch e u Politik z u verdanken haben. Es ist mir gleichzeitig eine große We­il u n i ii n ng, wen n Du c r tvä hn u . da i t ch jetzt Erreichten habe beitragen können. Der all­mächtige Gk>tt erhalte Dich in Gnaden noch lange zum Wohle deS Landes, dessen herrliche Entwickelung ich nach wie 'vor mit herzlicher Freundschaft und Bewunderung' verfolge. Ich freue mich unseres gemeinsamen Zusammenwirkens zum Zwecke des FriedenS. Gez. Wilhelm.

Bukarest. Die liebevollen Worte in Deinem so warmen, herzlichen Telegramm erfüllen mich mit Stolz und aufrichtiger Dankbarkeit. Ich schätze mich glücklich, daß durch mein Ein­greifen dem langen und blutigen .Kriege ein Ende gemacht und der Frieden auf der Balkanhalbinsel gesichert werden konnte. Möge es uns jetzt gestattet sein, mit Zuversicht in die Zu­kunft zu blicken und einer längeren Periode der Ruhe entgegenzugehen, damit das Vertrauen in allen >Trciicn des offen Hüben Lebens wiederkehre. Nochmals innigen Dank für Dein warmes Interesse und Deine wirksame Anter! n a b m e nn den letzten fürmein Land s o bedeutungsvollen Ereignissen. Gez. Carol.

Eine deutsche AuSzcichuuup.

für den rumänischen Ministerpräsidenten.

Wie der Reichsanzeiger meldet, hat der Kaiser bem rtv- mänischen Ministerpräsidenten Majorescu das 0>roß^ treuz des Roten Adlcrordens und dein Lberhofmarschall dcS Herzogs von Anhalt Auer v. Herrcnkirchen beit Äro- nenorben 1. Klaffe verliehen.

Eine Auszeichnung deS Königs von Griechenland durch den Kaiser.

Athen, 10. Aug. (Agence d'Athene.) Der Deutsche Kaiser ernannte den König zu m Generalfeldmarschall.

Eine Fanfare deS Königs Konstantin.

Üönia XX mstantin richtete einen Tagesbefehl an die Armee und die Flotte, in dem er zunächst von der Unterzeichnung des zvriebend und ber Festsetzung der griechisch-bulgarischen Grenze Mitteilung macht und fortfährt:

Ihr seid die Erbauer des neuen Griechenland, bas durch Euer Blut, Eurer Mühe, Kämpf? und Entbehningen groß

Line Sammlung von Lonrnodellen Michelangelos.

Michelangelo hat in bem Wunsche, die Spuren seiner Arbeit beit Augen der Menschen zu entziehen, fast alle seine Mobello selbst vernichtet; deshalb ist jeder Fund, ber uns einen Blick in die Gelieimnisie seiner Sck.öpferwerkftatt gewährt, von größter Bedeutung, und die schlecküerhaltenen Modelle, die man vor einigen fahren in Floren- entdeckte, erregten allgemeines Aufsehen in ber Kunstwelt. Wer möchte bei dieser ungemeinen Seltenheit erhaltener Michelangeloscher Modelle nun glauben, daß sich bei uns^ in Deutschland und zwar in Dresden, von der^modernen For­schung fast vergessen und wenig beachtet, eine Sammlung aus- gezeichneter Modelle bev Meisters befindet, bte ein wunderbarer Zufall bi5 auf unsere Zeit erhalten bat? Der vorzügliche Bio- orarh Michelangelos, öenr» Thode, ber seine langjährigen, in einem vielbändigen Werk über ben Meister niedergelegten Stu­dien nunmehr zuin Abscküuß bringt, weift in einem Aunatz der von Prof Biermann herauSgegebenen Monatshefte für Kunftwissen- schail nackchrücklich auf diesen kostbaren Schatz hin, der nach seiner Aiisicht die verdiente volle Würdigung noch nickt erhalten hat.

Es bandelt sick um die Tonmobelle, die Prof. Ernst Julius SSäfcnel in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts von bem Antiquar Oberstleutnant von Gemmingen in Nürnberg erwarb und bi? er sowie ihm befreundete Künstler, darunter Peter Cornelius, in leidenschaftlicker Bewunderung für die wertvollsten Werke seines bedeutenden Besitzes hielten. Die Stücke stammen, wie bereits §>ähnel richtig erkannte, aus der Sammlung des bekannten Kunst- ffeundeS Paul von Praun 15481616 , der in Bologna lebte üstd seit 1576 die Künstschätze sammelte, die bann seit 1616 als das unter feinem Namen berühmte Kunstckabinett zur Zierde Nürnbergs wurden. Da er bei seinen Einkäufen von ben besten Künstlern beraten wurde und febr sorgsam zuwege ging, läßt sich schon aus dem guten Rus dieses ersten Erwerbers ein Schluß auf die Ecktluit der Stücke ziehen, die nicht allzu lange nach dem Tode ihres Schöpfers nock recht wohl im Handel sein konnten. Daß damals Modelle Michelangelos im bvlognenscken Kunsthindel aufniuebten, beweist die Tatsache, baß der ausgezeichnete Bildhauer Alessandro Bittoria 1563 das Modell zum linken Fuß desTages" ' in der Mebici-Kapelle erwarb. Da nach bem Tode Paul von Prauns kitte weiteren Erwerbungen für sein Kmtstkabinett gemacA wur­den, muffen die Tabelle alle von ihm erworben worden fein. Die Sammlung, wie sie noch heute im Besitze der Nachkommen §>ähnels bewahrt irirb, umfaßt Modelle zu. Statuen ber Medici- Gräber, dann zu andern beTan^tgt Statuen des Weisters, Stu­

dien nach der Antike ober von antikisierendem Charakter und andere nidu näher zu bestimmende Entwürfe. Dieseverschiedenen Mo­delle" von Teilen des menschlichen Körpers, die von Murr in seiner Beschreibung des Praunschett Kabinetts verzeichnet, müssen mit wenigen Ausnabnren alle von ber gleichen Hand her rühr en. 'Tafur sind nach Thode übereinstimmende Eigentümlichkeiten der Tccknik beweisend, nack denen sich die Arbeiten in zwei Gruppen einteilen lassen: erstens in Modelle, die unmittelbar geformt und gebrannt nrorben sind und zweitens in solche, die, wie dies auch in der Renaissance vorkommt, sorgfältig nadmtobcllierte Aus­drücke aus einer echten Form sind Die vielfach im Rücken an­gebrachten Oeffnungen hatten ben Zweck, Veränderungen bei dem den Ton zusammenziehenden Brennen zu verhindern. Die dem Ton gegebene Färbung ist verschieden, bald Heller, braungdb, bald dunkler, bräunlich. In dem Sichdeschränken auf Ein^lheiten des Körpers, in dem peinlich genauen Durchfuhren der kleinen Mo­delle offenbart sich nun eine besondere Eigentümlichkeit des Formen­studiums Michelangelos, wie durch viele feiner Zeichnungen, deren manche direkt nach solchen Modellen angefertigt fein muffen, er­wiesen wird. Ja, die Besonderheit solcher Zeichnungen, die erst durch diese Modelle recht erklärt wird, muß als ein starker Beweis für deren EcAheit gelten.

Als eine Vermutung, die ebenfalls für die Echtheit sprechen könnte, führt Thode dann noch einen kleinen Papierzettel an, der unlängst bei dem Bruch eines der Modelle in seinem inneren Lwhlraum gefunden wurde und augenscheinlich eine Preisangabe enthält. Die Buchstaben haben eine überraschende Aehnlichkeit mit der Schreibweise Michelangelos, und man würbe sie, wenn sie sich auf einer Zeichnung des Meisters fänden, ohne weiteres für Züge seiner Handschrift erklären. Aber bet wichtigste Beweis für die Echtheit liegt bem Verfasser in dem ganz einzigen, wunder­bar lebeningen Charter, ber unvergleiÄichen Kenntnis des Kör­pers, in der Intensität ber Anschauung, ber Macht des Formgefühls und ber Meisterschaft ber Behandlung, die di.'s? Modelle in jeder Linie verraten.Man emtfinbet ben ourck jeden leisesten Druck den Ton beseelenden Finger des Schöpfers mit jener Erregung und jenem Entzücken, die nur durch das Micerteben des Schaffens eines grvß'en .Künstlers erweckt werden." Die Großartigkeit von Michelangelos Schaffen, die sorgsamste Vorarbeit für feine Wecke, von bei Safari und Cellini berichten, wird erst durch diese Modelle in .Helles Licht gerückt und erweckt eine Bewunderung, für die der Betrachter nur schwer Worte finden kann.

Das internationale astronomische Rechen- inftitut i n Fra nkfurt a. M. Ten langen Bemühungen des Direktors der Frankfurter Sternwarte, Prof. Tr. Brendel, ist es jetzt gelungen, in bem Physikalischen Verein ein Institut für theoretisch-astronomische Forschung unter bem .ünratorium der Stadt, der Akademie für Handels und Sozial- wisfensckraften, der Spenerstiftung und dem Physikalischen Verein ins Leben zu rufen. Die Anstalt, die eine sehr wichtige Bereiche­rung in der Kette der Franffuner wissenschaftlichen Institute dar­stellt, soll in erster Linie die Kenntnis der Bahnen der Planetoiden fördern, ein Arbeitsfeld, zu dem erst Pros. Brendel neue Wege wies uno neue Berechnungsmethoden aufstellte. Für die finanzielle Sicherstellung hat die Speyersche Studienstiftung erhebliche Mittel beigesteuert, ebenso hoben bereits ausländische Stemwatten, wie die Pariser, Brüsseler, Bukarester und Petersburger, ihre Mit- wickung durch Entsendung von üdilsskräften bezeugt. Gleichfalls stellte die Gesellschaft der Wiffenschaflen zu Göttingen bic Mittel für die Anstellung weiterer Lehrkräfte zur Verfügung, und schließ­lich hat die Asttwnomische Gesellschaft, die kürzlich in Hamburg tagte, ihre Mitwirkung in jeder Weise zugesagt.

h. Eine römische Heerstraße bei Sindlingen. Bei Kanali sattonsarbeiten in der Mainzer Laudstraste wurden die Reste einer alten, einst den Ort durchziehenden Heerstraße freigelegt. _Meistens sind es mächtige, noch feit ancinanbergefügte O.u aber steine, die nur unter erheblicher M uhe ausgehoben werden können. Vermutlich hat man es mtt.ben Fundamenten einer Straße aus,der augusteischen oder slavuchm Zeit zu tun, die im nahen Höchst, das von den Römern vefeittgt war, ihren Ausgang nahm und über Sindlingen, C friftel uiro. am Main abwärts führte.

Gräberfunde in Italien. Heber mehrere tmAigc Gräberfunde in Italien wird im Cicerone berichtet. Bet Cht ust entdeckte man eint in die L a n g o b a r d e n; e t k zuruckrcta'ende Gräbecktätte, aus der bisher fünf Skelette, bar unter £>a<r^ Ritteck mit Steigbügel, bronzene Ererbenmer, Lchwertcr, und silberne Fibeln g^rgen^wurden. Bet Bologna stte» nton in der Nähe ber Porta oan Btcale aur altu m b rticke Gräber, in denen Schmucknadeln mit Perlen uno Reinen. Uasttuden gefunden wurden. Das am besten.erhaltene Gttck tst tn.das Mu- ieum übertragen worden: ?em tt-d.tig^r ^düt war n Los konservierte Urne, bte mit mieten an ten ngurlictzen -Kritfl pwgLn geschmückt ifc.