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10.6.1913 Erstes Blatt
 
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Vie diplomatischen Saltanverhandlungen.

London, 10. Juni.

gestrige Sitzung

der Die ihre

schüssen teilnehmen können, und beftiinnit, daß die Beratungen der Ausschüsse geheim sein sollen und die Urkunden nur tnti Zustimmung sämtlicher vertretenen Regierungen bekanntgcmacht werden dürfen.

Häuptern der gräflichen Familien das Prädikat Erlaucht zusteht, namentlich insoweit diese Familien des Rechtes der Ebenbürtigkeit sich erfreuen. Wir sprachen vom Schwarzen Adlerorden, der an 8. Stelle rangiert. Es ist nur diesem einen Orden als dem vornehmsten des Hauses und des Landes eine besondere Rangstellung eingeräumt worden, während die Ritter der Friedensklasse des Ordens pour le merite für Wissenschaften und Künste und die Rechtsritter des Johanniterordens, die in dem früheren Hofrangreglement vom 7. Mai 1871 unter besonderen Nummern aufgeführt waren, in dem neuen Reglement nicht genannt werden. Beiden Orden ist allerdings der ihnen von König Friedrich Wilhelm IV. gewährte und von Kaiser Wilhelm I. 1871 bestätigte Rang verblieben. Demgemäß rangieren in dem neuen Reglement die Ritter der Friedcnsklasse des Ordens pour le merite der Wissenschaft und Künste zwischen Nr. 34 und 35 und die Rechtsritter des Johannitcrordens zwischen 45 und 46.

Aus diesen Beispielen geht hervor, daß die Einladungen und Rangsragcu am 16. Juni sich nach einem Schema rich­ten, Vas mit Politik oder mit Sympathien und Antipathien persönlicher Natur gtir nichts zu tun hat. Mer selbst wenn es der Wille des Kaisers iräre, die Volksvertretung in Per­son sämtlicher Abgeordneten an seinem Retziekungsjuksiläum bei sich im Schlosse zu sehen, dürften srch dieser Absicht Widerstände und Schwierigkeiten entgegenstcllen, die sich auf die R a u m v e r h ä l t n i s s e und auf die außer­ordentlich große Zahl der Mitglieder des Deutschen Reichstags und des preußischen Abgeordnetenhauses grün­den. Wenn also die Präsidien beider Lauser offiziell den Jubiläumsfeierlicht'citen beiwohnen und ausdrücklich bei Hofe eingeladcn sind, so ist Hamit nicht nur der Etikette genüge geschehen, sondern die Volksvertretung, d. b. jeder Abgeordnete und mit ihm schließlich auch jeder Wähler dürfte die Genugtuung empfiirden, daß die parlamentari­schen Mächte des Staates beim Kaiserjubiläum würdig und nicht nur der Tradition, sondern auch ihrer modernen Stel­lung entsprechend vertreten sind.

Botschafter Vereinigung dauerte fast 2 >/, Stunden. Botschafter tauschten, wie das Neute.'-schc Bureau erfährt,

Die Parlamente am 16. Juni.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

DieNationalliberale Korrespondenz" hat der Verwun­derung darüber Ausdruck gegeben, daß das Programm des Ncgierungsjubiläums Wilhelms II. nichts über die Einladung und Rangstellung des Reichstags und des preußischen Land­tags enthalte. Es wurde daran erinnert, daß, als im König­reich Sachsen das Jubiläum des Hauses Wettin gefeiert wurde, König Albert die Volksvertretung zu sich 'einlud, weil er dieses Fest seines Hauses im Kreise seinergetreuen Stünde" feiern wollte. In Preußen scheine ein derartiges Bedürfnis nicht zu bestehen, zumal sogar verlaute, daß der neueinberufene Landtag noch vor dem Tage des Jubiläums geschlossen werden soll. Unterdessen wurde die Mitteilung veröffentlicht, daß der Kaiser das Präsidium und die Schrift­führer des Reichstages und des Landtages am 16. Juni vormittags im Schlosse empfangen werde.' Die Präsidenten werden dem Kaiser die Glückwünsche der Parlamente aus­sprechen, und das Präsidium des preußischen Abgeordneten­hauses wird gleichzeitig Mitteilung von der Konstituierung des neues Landtages machen.

In politischen Kreisen sieht man in dieser Audienz nach wie vor keine Hinzuziehung der Volksvertreter zu den Jubiläumsfeierlichkeiten. Die Frage, welche Stellung bei diesen Festlichkeiten den Reichs- und Landesvertretern zuge wiesen sei, müsse auch weiterhin mit dem Wörtchen beant­wortet werden: keine! Es dürfte nun von Interesse sein, nachzuprüfen, nach welchen Grundsätzen bei den Ein­ladungen zum 16. Juni verfahren wird. Maßgebend ist das Hofrang-Reglement der Kabinetts-Ordre vom 19. Januar 1878, worin ausdrücklich bestimmt ist, daß die am Hofe erscheinenden Beamten des Deutschen Reiches mit den preußischen Beamten gleicher Rangkategorie nach dem Datum der Ernennung rangieren, daß aber, wenn eint Reichsbehörde in corpore erscheint, ihre Mitglieder den Mitgliedern der ordinierten preußischen Behörde vorgehen. AlsReichsbehörde in corpore" wird das Reichstags- Präsidium angesehen. Von ihm steht im preußischen Hofraug- Reglcment natürlich nichts. Wir müssen uns also nach der koordinierten preußischen Behörde"umsehen. Das Reglement enchält 62 Rangstufen. An 14. Stelle stehen die ersten Prä­senten beider Häuser des Landtags, an 27. Stelle die Vizepräsidenten beider Häuser des Landtags und erst an 58. Stelle die gewöhnlichen Parlamentsmitglieder. Nach ihnen kommen nur noch die Hauptleute, die Kammerjunker, die Oberleutnants und die Leutnants.

Es dürfte nun weiter von Interesse sein, wer alles bei Hofe noch vor den Spitzen der Parlamente rangiert. Das sind nämlich einmal die höchsten Hofchargen, der Oberst­kämmerer, der Oberstmarschall, Truchseß, Schenk und Jäger­meister, dann die Ritter des Schwarzen Adlcrordens, die Kardinäle und an 10. Stelle die Häupter der fürstlichen und ehemals reichsständischen gräflichen Familien. Nur noch diese der Hoheit Preußens untergeordneten Familien sind heute bevorrechtete Adelsklassen, von denen den Mitgliedern der fürstlichen Familien das Prädikat Durchlaucht, den

Deutsches Reich.

Tas Programm für das Kaiserjubikäum.

Aus Anlaß des Kaisersubilüums tragen am 16. Juni, mittags 81 Uhr, Berliner' Volksschulkinder im großen Schloßhof des Schlosses Gesänge tun'. Um 10 Uhr ist im Kapitclsaale Empfang des Staatsministeriums, der stimm- führendcu Bevollmächtigten im Bundesrat, der Präsidien des Reichstages, des Herrenhauses und des Abgeordneten-- Hauses und weiterer Deputationen der Provinzen imb aus dem Reich. Um ,11 Uhr ist GratulationSdefUierkkur im Rittersaal, um 121 Uhr Paroteausgabe im ZerrgAruse, abends ist Festoorstellung im Opernhaus. Am 17. Juni um elf Uhr beginnt der H u l d i g u n gs f e st zu g der ver­einigten Innungen des Berliner .Handwerks im Lustgarten, um 12' Uhr ist Empfang der deutschen Bundcsfürsten, der Präsidenten und Senate der freien Städte. Um 8 Uhr abends ist Galatafcl im Weißen Saal, um 91/« Uhr Hul­digungsfestzug der Studentenschaft.

Der Mensch als Vernichter.

£)ebe und traurig die Heide. Kaum das Zirpen einer Meise, der schüchterne Gesang eines Laubvogels am Seeufer. Gerade Baumreihen, wie abgesteckter Zäune Stangen, nur hier und da mt kümmerlicher Busch, dem Beile des nimmermüden Försters ent­gangen. Kein hohler, alter Ueberständer, kein Bruchholz. Leer und traurig: Der mod e r n c deu l s che W a l d. lieber dieser Holz­kammer schwebt kein stolzer Raubvogel, längst verschwanden Hohl taube, Wi^ehopf und Schwarzspecht. Die letzten Wandersalten sielen dem J-orstgehilfen für gutes Schußgeld »um Opfer, der letzte Habicht ward am Horst niedergeknallt, seine hilflosen Tunen jnngen verhungerten. . . Tie beiden kleinen Taucher auf dem See sind lange schon dem Tode geweiht täglich Lauert der Revier- sörster auf die Gelegenheit, ihnen das Lebenslicht auszublasen, ver­sprach ihm doch der Seepächter klingenden Lohn, wenn er die bösen Fischräuber vettilgtc. Auch des bunten Eisvogels Tage sind ge­zählt, und wehe dem letzten Reiherpaare,, sollte es int Forste horsten wollen. Leer und öde die Flur, der Wald. Was welsche Mordbuben übrig lie^n, sing der Vogelhändler mit der Leimrute, im Garn, der Förster mit Sprenkel und Schlinge. Er schlug die wertlosen Büsche, die Weichhölzer, keinen Nistplatz ließ er übrig. Holz! ist die Losung, Prosit! das Feldgeschrer . . .

'Es gab einmal einen Wald, einen deutschen Wald.....

Ta grohnte die Schnepfe, da sang der Ur bahn, da sclsiugen Fink und Sprosser. Ta kreiste der mächsige/Apler im Himmels­blau, der Falke rief, die Tauber gurrten, da schwebte der Fischaar über dem Waldsee, da rauschten der Enten bunte Geschwader, da rief der Kranich, fischte der Reiher, da brüllte die Rohrdommel in traumschwerer Frühlingsnacht, und der Uhu mahnte im Tann. Dahin. . . . Ich kenne sie noch, die schöne, svohe Heide, den lebendigen Wald. Von drüben Ixr, vom Osten. Dort jubclt's und singt's zur Heckzeit in allen Büscl-en, dort ruft der große Specht seinen Einsamleitsschrei, dort rodelt und faucht der Spielhahn, der Urhahn wetzt, und der wilde Jäger jagt in wilden Nächten. Allvater gab Rainn dem Habicht wie der Taube, dem Adler wie dem Fink, der Eule wie dem Raben. Nur dem Menschen nicht. Ter will allein sein.

Wie arm ist unser Land an Arten, wie räumte menschlicher Ilnverstand unter den Schätzen unserer Welt auf! Blättern wir im Buche der Erdgeschichte. Er ist der jüngste der Erdgeschichte, das Geschöpf, von dem es heißt:Zum Bilde Gottes schnf er ihn. . . ." Laßt sehen. Er verstand es, dem?Mammut, dem Mastodon, dem vollhaarigen Nasarn Fallen zu stellen, und hat sicherlich mit 8u Vernichtung dieser Tiere beigetragen. Er half beim Niedergang des Höhlenbären, des Wildbären. Er rottete die Wildpferde aus, die zur späteren Eiszeit in riesigen Herden die Steppen bevölkerten,

Anschauungen über die Einzelheiten der Frage eines wirt­schaftlichen Zuganges Serbiens zum adriatifchen Meere aus, ohne indessen zu einer Einigung zu kommen. Die Botschafter werden diese Anschaunngen ztir Begutachtung ihren Regierungen unterbreiten.

In der Sitzung des internationalen Finanzausschuffes in Paris wurde der ausgearbeitete Entwurf für die Geschäftsordnung erörtert. Mehrere Artikel wurden vorläufig angenommen. Die zweite Lesung findet in einer der nächsten Sitzungen statt. Ter bulgarische Delegierte Stanciow verlas namens der Balkan-Delegierten eine Erklärung, in der der Arbeitsplan für die Gegenstände, welche der Ausschuß auf Grund des Artikels 6 des Londoner Vertrages zu behandeln hat, festgestellt wird. Der Entwurf der Geschäftsordnung setzt die Zahl der Dele­gierten fest, die an den Beratungen in den technischen Aus-

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Aus Hessen.

Zur Besoldungsvorlage.

Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer der Land» stände hat die Großh. Regierung ersucht, zur Beratung der neuen Besoldungsvorlage die genehmigungspflichtigen Ne- bcnbezüge der Beamten und Lehrer, die aus der Staats­kasse, Gemcindekasse, sonstigen öffentlichen Fonds sowie au- anderen Quellen und privater Tätigkeit fließen, in einer Zusammenstellung ohne Umfrage bei den Beamten an» den Akten anzugeben und vorzulegcn Die Behörden wur­den mit entsprechender Erhebung beauftragt.

Hierzu wird uns mitgeteilt, daß in verschiedenen Be- amtent'lassen das dienstliche Nebeneinkommen eine ganz be­trächtliche .Höhe erreicht. So z. B. haben einzelne Be­amten im Verwaltungsdienst an Diäten und sonstigen Ge­bühren einen jährlichen Nebenverdienst von 6001000 Mk., ohne daß ihnen bei diesen Geschäften besondere Mehraus­gaben entstehen. Es mögen hier nur die Protokollführer bei den Provinzial- und Kreisausschüssen erwähnt werden, die dafür eine Vergütung von einigen hundert Mark er­halten, trotzdem die Sitzungen größtenteils in die aeivvhn- lichen Tienststunden fallen. Auch herrscht bei gewissen Be­amten noch eine starke Sucht nach Gebühren, so daß trotz der von der Regierung angeregten Sparsamkeit oft ganz ungerechtfertigte auswärtige Dienstgeschäfte unternommen werden, die noch mit luxuriösen Wagenfahrten verbunden sind, obschon das Ziel mit der Bahn bequem z-u erreichen ist.

: wird, d'"" dc. ranfi-ngc»-, .r(jninc K«-

schlachtete das Renntier in Massen, vernichtete den Mesen Hirsch, den Breitstirnelch, rottete den Urbison und den Urochsen aus. Je vervollkommneter die Waffen wurden, desto mehr litt die Tier weit: Der Mensch rottete den Wisent bis auf wenige Reste ans, ver­nichtete in sinnlosem Wüten die gewaltigen Bisonherden Amerikas, brachte das Wildkamel fast zuin Aussterben. 5r brachte es fertig, in wenigen Jahrzehnten den asiatischen Edelhirsch auf den Aussterbeetat zu bringen, den Davidschcn Schwanzhirsch in Nord­china so gut rote zu vernichten, den Pal in unzugängliche Teile Tibets zu verdrängen. Den Mochusochsen in den wildesten Polar- gegenden in seiner kläglichen Existenz zu bedrohen. Er rottete auf Madagaskar die Riefenstrauße aus, die Moas auf Neu­seeland, das Gmptotherium in Patagonien, die Riesensaulsiere, die Riefengürteltiere. Er vernichtete den prächtigen ,,Waldrapv", den europäischen Ibis, schlachtete die letzten hilflosen Tarnten, den ,,Todo" und denEinsiedler" auf Mauritus, Reunion und Ro- driguez, vernichtete den Riesenalk, rottete Stellers Seekuh aus, verfolgt die letzten Bvrkentiere um ihres Fleisches willen, hat die Labradorente arrsgerottet und vernichtete die Massen der Wander- taube. Er löschte den Walliser Mpensteinbock von der Liste un ferer Wildarten, brachte den Piemontesin Stembod an den Rand der Vernichtung, hat den Sxbcr in Europa und Asien fast ver- itichtet, nur noch wenige Saigaantilopen und Wildvferde in Asien übriggelassen, die Rresenschildkröten verschwinden lassen bis auf wenige Reste. Er vermiet die Paradiesvögel und Edelrecher, um die Hüte seiner Wecker mit deren «Federn zu schmücken, hat den Elch, das sibirische Reh, den Elefanten, das weiße Nashorn dezi­miert, das Quagga ausgerottet, das Johnstongnu bis auf wenige Stücke vernicklet, das südafrikanische Weißschwanzgnu, das Bur- chellzebra ausgerottet, die Elenantilope und das große Kudu an den Rand des Unterganges gebracht. Er hat die Gorillas und Schimpansen reduziert, daß man um ihr Fortbestehen besorgt sein muß, hat ixm freilebenden afrikanischen Strauß zunt großen Teile vernichtet, hat den Pampashirsch, die Gürteltiere fast aus- gerottet, den Zobel selten gemocht, die amerikanischen Biber und Biberratten zum großen Teile vernichtet. Der Seeelefant ist selten geworden, das Walroß gefährdet, der Grönlandwal so gut wie ausgerottet, der Seebär zum großen Teil vernichtet, eben­so der Seelöwe, der Scksvesibiber, der Seeotter, der Ehinckil- la und andere Pelztiere. Lauter harmlose, zum Test nützliche Tiere! Nun erst die Rcmbvögel und die sogenannten ,.schädlichen" Säuger! Der herrliche Bartgeier ist in den Alpen vernichtet, größere Adler, Raben, Eormorane, Schwarzswrch, Bär, Luchs und Wildkatze sind in Deutschland fast zu sagenhaften Tieren geworden. ....

Egon Freiherr v. Kap-Herr.

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2IuslanO.

Das Kabinett Tisza

ist gebildet. Graf Tisza übernimmt das Präsidium, Ab­geordneter Johann Sandor wird Minister des Innern, Graf Sercnisi Ackerbauminister, der Abgeordnete Baron Emmerich Ghillann Minister a latere. Der frühere ge­meinsame Finanzminister Baron Burian und die übrigen

Ein Jahr im Gletschereis. Ter erste Bericht über die Erlebnisse im einigen Eis, die Frank Wild und sieben Gefährten bcschieden waren, entrollt ein nackendes Bild von dem Reiz und den Gefahren in der Existenz des Polarforschers. Wild, der ebenso wie all seine Begleiter noch nicht das 30. Jahr erreicht hat, führte die zweite Abteilung der von Tr. Mawson geleiteten australischen Südpolarexvedition; er war gezwungen, ein ganzes Jahr lang in einem Gletscher zn Hansen, und entdeckte ein großes Landgebiet, dessen Küstenlinie 850 englische Meilen lang ist. Tas i/anb, das sich wahrscheinlich bis zum Südpol selbst ausdehnt, erhielt von ihm den Namen Queen Mary's Land. ,29ir mußten uns für einen Winter ein Heim in einem Gletscher bauen," erzählte Wild.Wir gruben einen Tunnel durch das Eis mit Löchern, in denen wir unierc Vorräte unterbrachten: der Eingang in unser Gletscherhaus erfolgte durchweine Falltür, die wir an der Spitze angebracht hatten, die aus dem Schnee herausragte. Dann führten wir das regel­mäßigste Leben van der Welt. Die Mahlzeiteri sanden zu feft- geietzter Stunde statt; der Barmittag war der Arbeit, der Nach­mittag dem Vergnügen gewidmet, und wenn wir nicht bei gutem Wetter Hockey oder Fußball spielen und Skiläufen konnten, so ver­trieben wir uns die Zeit mit Schach, Karten und Tarne. Jeden Sonntag hielt ick am Margen einen Gottesdienst ab unb wir taten an diesem Tage nichts außer den notwendigsten Arbeiten. Als bann nach bem langen Winter ber August herankam, trafen wir unsere Vorbereitungen für Schlittenreisen ; bie eine Partei von bi ei Leuten fuhr ostwärts unb bie andere westwärts. Die letztere Erpedition verfolgte die ganze Küstenlinie bis zu dem Punkt, den die deutsche Expedition von 1302 erreicht hatte. Bei einer Reise machten wir 510 englische Meilen und tarnen bis zu einer Höhe von 3000 Fuß. Diese Partei entdeckte auch die größte Niststätte von Kaiserpinguinen, die bisher gefunden worden ist. Cie lag aut einer Insel, etwa 65 Meilen westlich von unterem Gletscherhaus, und hier waren etwa 7000 junge Kaiserpinguinen versammelt neben unzähligen ge­wöhnlichen Pinguinen. In Gletscherspalten fallen, war bet un3 fo wie das tägliche Brot: alle hatten wir Quetschungen und Beulen. Emer meiner Begleiter, Watson, blieb einmal 20 Minuten m einer solchen Spalte, bevor wir ihn fanden und herausziehen konnten Tie schlnnmste Ze,t hatten wir im Cftober, als die westliche Ab­teilung 17 Tage lang in einem Blizzard bleiben mußte, wohl dem längsten, der je beobachtet worden ist. Ich hatte früher nie einen langer als 9 Tage durchgemacht. Man kann sich schwer vorstelten. was es für drei Manner bedeutet, m einem 6 Fuß großen Zelt gefangen zu sein, das von dem sich außen anhäufcnden Schnee allmählich kleiner wird. Es war kein Platz, um gerade zu liegen ober etwas zu lesen. 16 Stunben von ben 24 bes Tages schliefen wir. Als ber Blizzarb aufhörte, waren wir schwach zum Um- blasen, aber bann erholten wir uns rasch wieder."

155 ____Erster Blatt 165. Jahrgang Dienstag. 10. 3unt 1915

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