Ausgabe 
9.4.1913 Erstes Blatt
 
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Daily Chronik! e" schreibt:

Herr v. Bethmann Hollwcg sprach in liebenswürdiger Weise seine Anerkennung über Sir Edward Grey aus: seine Worte über die Rolle Großbritanniens waren durchaus herzlich gehalten. Es liegt kein Grund zu der Annahme vor, daß, indem Sir Edward Grey diese Anerkemrung verdient hat, er ein Iota von der Achtung einbüßt, mit der die britische Diplomatie in Paris und Peters­burg betrachtet wird, und das ist sicher eine schöne Leistung.

Daily News" sagt:

In seiner gestrigen Rede sprach der Reichskanzler über den Vorschlag Churchills in Ausdrücken, die zwar nicht bindend, aber durchaus verschieden von den Aeußerungen waren, mit denen derartige Vorschläge vor zwei oder drei Jahren ausgenommen wurden, und er sprach mit Enthusiasmus von den belferen Be­ziehungen der beiden Länder.

Daily Telegraph" bezeichnet die Rede des Reichs- kairzlers als eine der charakteristischsten öffentlichen Erklä­rungen, die ein leitender europäischer Staatsmann seit längerer Zeit gemacht hat. Das Blatt schreibt:

Eine Rede wie diese: offen, furchtlos und staatsmännisch, ist nach unserer Meinung von dem größten Wert in der gegenwärtigen Lage sowohl durch das Lob, das sie den wohlüberlegten und gut geführten diplomatischen Bemühungen zollte, als auch durch die Mahnungen, die sie an die deutsche Nation richtete. Tie Worte des Reichskanzlers tragen dazu bei, die Atmosphäre zu klären und damit die wichtigsten Probleme, klarer zu definieren. Es ist nicht der Fehler des Herrn v. Bethmann Hollweg, wenn wir jetzt nicht verstehen, wie die Lage Deutschlands ist, welche Ziele es verfolgt und gegen welche Gefahren es sich zu sichern fudxt.

Die Aufnahme der Rede in Wien.

Wien, 8. April. Sämtliche Blätter besprechen die Rede des Reichskanzlers und geben dem nachhaltigen Ein­druck, welche sie in allen Kreisen der Bevölkerung gemacht hat, beredten Ausdruck. DasF r e m d e n b l a 11" schreibt:

Mit Klarheit und Entschiedimheit, welche keiner Frage der Gegenwart aus dem Wege ging, gibt der Reichskanzler von Beth­mann Hollweg ein treffendes Bild der gesamten politischen Lage. Ohne Uebertrcibung unb ohne Abschwächung, in männlicher Gerad­heit und Dffanbeit, sagt der Reichskanzler heraus, wie die Tinge stehen.

DasNeue Wiener Tagblatt" sagt:

Wir in Oesterreich fühlen uns eins mit seinem Gedankengange. Der 'Reichskanzler trat gestern Hand in Hand mit Oesterreich vor die Welr. Tie Harmonie zwisck-en Wien und Berlin in der Auf­fassung der Weltfrage drängt geradezu zu dieser Innigkeit in der Bekräftigung des Treuzurseitestehens. Es ist doch etwas Schones um die Kraft, welche friedfertig ist, weil sie sich nicht fürchtet, weil sie ihrer Stärke sich bewußt ist und treue Freunde ihr eigen nennt. Diese Kraft ist der Dreibund, der dem Frieden Europas freudig dient.

DieNeue Freie Presse" schreibt:

Ter Reichskanzler sprach mit großer Offenheit über die Strö­mungen in Frankreich und Rußland. Die Rede wird dort zum Nachdenken einladen darüber, ob sich der nicht zuweilen die Fänger verbrennt, der glaubt, ohne Schaden mit dem Feuer spielen zu dürfen.

TieReichspost" sagt:

Eine tapfere Entschlossenheit liegt in den Worten des Reichs­kanzlers, eine Entschlossenheit, die auch die Nachbarn verstehen werden, an die sie gerichtet sind. Darauf baut sich die Hoff­nung, daß gerade diese kräftige Bekundung deutscher Bereit­schaft, alles einzusetzen für des Reiches Ruhm, Ehre und Existenz, als eine wahre Friedenstat wirken wird, zum Segen für ganz Europa.

Die Wirkung in Ungarn.

DieDeutsche Tageszeitung" meldet aus Os en pest: An der Börse sa-uken infolge der gestrigen Rede des deutschen Reich Kanzlers alle Ku rf e. Die Staatspapiere fielen um 3 bis Kronen.

Wien, 8. April. Die Abendblätter enthalten eine Information von maßgebender Stelle, wonach die gestri­gen Reden des deutschen Reichskanzlers und Sir Edward Greys geeignet sind, die Friedenszuversicht zu stärken.

DerPester Lloyd" schreibt:

Die neuerliche Bekundung der deutschen Bundestreue gegen- über Oesterreich-Ungarn entsprach durchaus den Erwartungen, nicht nur maßgebender Kreise, sondern auch unserer gesamten öffent­lichen Meinung.

DerBudapests Hirlap" sagt:

Der Kanzler bat die große Aufgabe glänzend gelöst, die Wehrvorlage zu begründen und dabei doch eine friedliche Rede zu halten.

Italienische Presi stimmen.

Rom, 8. April.Popvlo Romano" schreibt, die Rede des Reichskanzlers, die an die hervorragendsten Reden Bismarcks und Bülows erinnere, könne nicht ein Gegenstand sofortiger Kritik sein, sie werde aber sicherlich mit der Rede Sir Edward Greys im Unterhause einen heilsamen Einfluß auf die politischen Kreise Europas üben, und zur schnellen Herbeiführung des Friedens auf dem Balkan beitragen.

23 i t a" erklärt, die Rede ahne eilten friedlichen Geist. Keiner der Vorgänger des Kanzlers habe aufrichtiger die Absicht gezeigt, einen Konflikt mit Frankreich zu vermeiden. Das Blatt hebt weiter die Wichtigkeit der vertrauensvollen Auslassungen England gegenüber hervor, da durch das Zusammengehen der Kabinette von Berlin und London bisher Verwicklungen vermieden und die schwierigen Punkte der Balkankrise gelöst wurden. Das Blatt schließt mit dem Ausdruck der Genugtuung über die Erklärungen des Reichskanzlers bezüglich bei- Verbündeten Deutschlands, aus denen hervorgehe, daß die völlige Intimität zwischen Italien und Deutschland wicderhergestellt sei.__________

Die Londoner BoifchüfterlonserenZ.

Gegenüber den verbündeten Lo.ltansta.atcn entwickelt sich über die Friedensbedingunqen eine ähnliche Laa? wie bet der Halsstarrigkeit Montenegros in Bezug auf Skutari. Die Balknnstauten beharren, und die Mächte wollen an ihren Bedingungen auch nichts ändern. Wo zeigen sich da dieUmrisse einer friedlicheren Lage"?

London, 8. April. Tie Botschafter traten heute nachmittag um 4 Uhr zu einer Sitzung zusammen. Die montenegrinischen Delegierten und Hakti Pascha statteten dem Auswärtigen Amt Besuche ab.

Wie das Reuter-Bureau erfährt, wird die Botschafter- Vereinigung, die heute im Auswärtigen Amte znsammen- trat und über zwei Stunden dauerte, vor Freitag nach­mittag nicht mehr zusammentrcten. Die Botschafter trafen die Entscheidung über die Bedingungen der Ant­wort, welche die Mächte den Ba l l a n st a a t e n als Antwort auf ihre letzte Note überreichen werden. Im Lause des Abends sandten die Botschafter Telegramme au ihre Regierungen, in denen ihre Entschei­dungen dar gelegt werden. Es besteht Grund zu der An­nahme, daß die den Bälkanverbünbeten bereits mitgeteilten Entscheidungen d er Mächte unverändert ge­blieben sind. In den zuständigen Kreisen wird betont, daß die wirkliche Frage die sei, ob die Kriegführenden den Frieden wünschen. Im bejahenden Falle, so wird er­klärt, sollte wohl reine Schwierigkeit bestehen, den Frieden zustande zu bringen. Ties werde den beteiligten Regie­rungen dargestellt werden. Erkundigungen in diplo- manscheu Kreisen zeigen, daß die Stimmung heute ein we­nig hofinuvgsooller ist, ohne daß dafür ein Grund ange­führt wird. Jedoch wird erklärt, oaß die Haltung der

Verbündeten gemäßigter erscheine. Es sollen zwei Vorschläge sinanzi-ellen Charakters ge­macht werden, die einen gewissen Einfluß auf die monte- negrinische Regierung haben durften Aber über teilten dieser Punkte ist eine genaue Auskunft zu erhalten. Der montenegrinische Friedensdelegierte batte heute eine Un­terredung mit dem französischen Botschafter und besuchte später Sir Artur Nicolson im Auswärtigen Amte.

Entschädigung für Montenegro?

Rom, 9. April. LautTribuna"-Meldung aus London seien die Mächte einig, Montenegro r S ku t a r i 20 M i l- lionen Francs und einen a lbawe fischen Küsten­strich zu geben. Die Gesandten Italiens und Rußlands unterhandeln darüber in Cetinje. mit Aussicht auf Erfolg.

DemEcho de Paris" imrb aus Cetinje gemeldet, daß gegenwärtig zwischen den Kabinetten von Rom und Petersburg Verhandlungen schnoben betreffs Feststellung der finanziellen und territorialen Entschädigungen, durch welche Montenegro bewogen werden könnte, auf den Be­sitz von Skutari zu verzichten.

Eine englische Drohung an Serbien.

Wien, 9. April. Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, habe England gedroht, die 17 griechi­schen Transportdampfer mit serbischen Truppen mit seinen Kriegsschiffen in den Grund zu schießen, falls die Schiffe Saloniki verließen. Tie Truppen wurden wieder ausgeschifft.

Oesterreich nnd das künftige Albanien.

Wien, 8. April. Gestern fand eine Versammlung zur Gründung eines humanitären Vereins zur Förderung der wirtschaftlichen und wissen­schaftlichen Interessen Oestcrreich - Un g arns in Albanien statt, an der u. a. Mitglieder des Hoch­adels, der Präsident des gegenwärtig in Triest tagenden albanesischen Kongresses Fait Bey unb mehrere Albanesen teilnahmen. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der die Bewunderung und die Sympathie für die hel­denmütigen Verteidiger Skutaris ausgedrückt und die Hoffnung ausgesprochen wird, dost die gerechte Sache Mbaniens siege. Die Versammlung schloß mit einer Kundgebung für den Kaiser und den Thronfolger.

Ein angeblicher russischer Spion.

Ofen pest, 8. April. Nach einer Blättermeldung aus Budapest wurde vor einigen Tagen ein angeblicher russisch- r Sp:on namens Bravura verhaftet. Ja seiner Wohnung wurden zahlreiche Festungspläne und miitär'sche Notizen, sowie eine weitverzweigte chiffrierte Korrespondenz g - funden. , Bravura verfügte über bedeu ende Geidm t.el di durch eine französische Dank angewiesen wurden. Man vermutet, daß Bravura, der aus Petersburg gebürtig ist und dem russischen '.' i i ärstende angehört, z hl. eie! e Mt schuldige hat, doch s.e.u er jede Spiouag. a.ftcyt in tibrebe. Die Polizei beobachtet vollkommenes Stillschweigen.

Die letzten Kämpfe.

Konstantinopel, 8. April. (Amtlicher Kriegs­bericht.) Vorgestern, nach Mitternacht, griff der Feind untere Stellungen auf den Höhen westlich von Tschanakb- scha und Käst an ia an. Unsere Truppen erwiderten den Angriff und warfen die Bulgaren zurück. Im Laufe des gestrigen Tages entwickelte sich ein s ch lv a ch e § Infan­teriegefecht zwischen feindlichen Truppen und tür­kischen Abteilungen, die gegen die Höhen nördlich von Kum- burgas vor unserem linken Flügel vorrückten. Bei Bulair herrscht Ruhe. Gestern lief dieM e d s ch i d i s e h" mit einigen Torpedobooten aus den Dardanellen aus und nahm den Kurs südlich von Tenedos; einige von dort kommende feindliche Torpedoboote flohen.

Sofia, 8. April. Zwei Jahrgänge der Land­wehr, etwa 20 000 Mann irrt Alter von 45 unb 46 Jahren, sind auf unbestimmte Zeit beurlaubt worden.

Ans Stafct rind äand»

Gießen, 9. April 1913.

* Ordensverleihung. Der Groß Herzog hat dem Vorsitzenden deS Hessischen Apothekervereins, Medizinalrat Tr. Emil Vogt in Butzbach, das Ehrenkreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen verlieben.

** Vahnpersou alien. Mit Ermächtigung des Groß- Herzogs wurde dem Regierungsbaumeister bes Eisenbahnbau- faches, _Wilh. Rau aus Kalk, sowie dem Großh. Regierungs- baumcister dos Maschineubausaches, Gg. Drcßel aus Nürnberg, die etatsmäßige Stelle eines Regierungsbaumeisters in der Hes­sisch-Preußischen Eisenbalugemeinschaft verliehen.

** Die völkerkundliche Ausstellung war in den drei ersten Tagen befriedigend besucht, allerdings mehr von auswärts, besonders von Schulen. Tas Gießener Publi­kum läßt dergleichen ja erfahrungsgemäß mehr an sich heranlommen. Um seinetwillen und um der Sache willen wäre sa zu wünschen, daß man nicht hinterdrein von so vielen das bekannte erstaunte:Ja, iöeiut ich das gewußt hätte, wäre ich auch gekommen" hören müßte. Tie bis­herigen Besucher, unter ihnen beute die fürstlichen Herr­schaften von Lich, haben sich jedenfalls alle hochbefriedigt ausgesprochen. Es gilt nicht Reichhaltigkeit der aus­gestellten Dinge, sondern besonders auch dem Interessan­ten und Lehrenden, was man von den Missionaren zu hören bekommt. Unsere jungen Mädchen arbeiten dort oben sehr eifrig und mit großem Vergnügen. Als beste Zeit für den Besuch ist der Nachmittag zu empfehleu, da dann weniger Schulen da sind.

** Säuglings st erblich^eit und Geburten­rückgang in Hessen. Jin Jahr 1912 wurden 32339 Kinder lebend geboren und 3251 starben im 1. Lebensjahr. Es berechnet sich demnach die Säuglingssterblichkeit auf 10,1 Prc-zent der Lebendgeborenen. Es ist das eine so gün­stige Ziffer, wie sie noch nie zuvor zu verzeichnen war. Die betreffenden Ziffern für die J-ahre 1906 vis 1912 sind: 14,2, 13,0, 12,6, 13,0, 11,2, 12,9, 10,1. Wie man hieraus ist die Säuglingssterblichkeit mancherlei Schwankungen aus­gesetzt, besonders bcbingt durch den Einfluß eines sehr heißen und schwülen Sommers. Es wird jetzt vor allem darauf ankommen, darauf hinzuwirken, daß der günstige ^otand der Säuglingssterblichleit auch dauernd erhalten bleibt, was int Hinblick auf den anhaltenden Geburtenrück­gang notwendig ist. Die Zahl der Lebendgeborenen gestaltete sich nämlich in den einzelnen Jahren 1906 bis 1912 wie folgt: 37 615, 36 979, 37 359, 36 299, 34 670, 33 209, 32 339. Auf 1000 Einwohner berechnet, ist die Geburtsziffer im Zeitraum 1906/12 von 31 auf 25 gesunken. Sie ist seit 1822, von welchetn Jahr an Berechnungen vorliegen, noch nie so niedrig gewesen. Der höchste Stand berechnete sich auf 38 für den Anfang der 1870 er Jahre.

" Ausgabe der Zulassung ur Rechtsanwalt­schaft. Der Rechtsanwalt Justizrat Adolf Lindt zu Darin- ckadt bni die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft am Landgericht der Provinz Starkenburg aufgegeben.

" Zur Wasserversorgung. Vor einigen Tagen ifl mit beit Arbeiten für eine zweite Zubrinaerlcitung für Onell- ivoper ans dem städtischen Wasserwerk Gatccfbotn hinter Lmbenstruth der Anfang gemacht. Die Arbeiten, die auf zwei Jahre verteilt sind, werben von ber Hoch- unb Tief, bcmgesetlschaft Wrnn & Co. auSgeführt.

" Erledigt ist die Stelle bc5 Oberförsters bet Cbcrförfterei Romrod

* Gine Provinzial-Ausschu ß-Sitzung findet am Sa in st ag den 19. April, vormittags 8/49 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch ber Firma I. H. 3 bring zu Lich nm Erlaubnis zum Betriebe einer Schanke wirtschaft in dem Hause Asterweg 12 zu Gießen. 2. Ge­such bes Georg Gröninger X. zu Ockstadt um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft. 3. Gesuch bes Michael GorSler zu Lauterbach um Ausstellung eines Wanber­ge w e r"b e s ch e i n S für 1913.

* Das städtische Elektrizitätswerk hat im ab- gelaufenen Jahre 1 875 000 Kilowatt elektrische Energie er­zeugt. Man kann mit Sicherheit erwarten, baß der Be- barf an Strom burch ben Ausbau ber Straßenbahn und den Bedarf der noch anzuschließenden Landorte im laufenden Jahre nahe an 1]4 Milliarde Kilowatt kommen wirb.

Zwei Damenvorträge veranstaltet morgen Mabame L. Bern Harb in Steins Garten über bie Frau als GesunbhciLswächterm, baS Hinsiechen unb Verblühen so vieler Frauen iisw.

** Zu unserer neulichen Warnung vor der wilben Kolportage religiöser Schriften wird uns von einem der hiasiaen ,Geistlichen ein scherzhafter Beleg mitgeteilt. Bei Tisch wirb ihm gemeldet, es sei ein Mann da, der eine Empfehlung für den Gustav-Adolf- Verein begehre. Draußien erwartet ihn ein Kolporteur und überreicht ihnt ein Heft eines neuen christlichen Fa­milienblattes von irgend einem Stuttgarter Verlag mit ber Bitte um Enrpfehlung, da ein Teil des Reingewinns beut Gustav-Adolf-Verein zusließe bie gewöhnliche Lock­speise bei biesem Büchervertriev. Der Geistliche erklärt, baß er grundsätzlich keine solche Empfehlung gebe, sondern seine Gemeindeglieber davor warne.Tann gehe ich mit meinem Kollegen hin und vertreibe von jetzt an sozial­demokratische Schriften", schnaubt ihn der Eble zornig an, worauf ihm ber Pfarrer erwidert:Tas ist mir auch viel lieber, das wäre wenigstens ehrlich". Es bleibt dabei, daß es geraten ist, fich einer solchen geschäftlichen Ausbeutung der Frömmigkeit zu erlvehren.

Landkreis Gießen.

Geilshausen, 8. April. Bei der B ü r g e r m' e i st e r- wahl nntrbe der Sohn des verstorbenen Bürgermeisters, Heinrich Wagner IV., mit 61 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat, Beigeordneter Georg Meuz, erhielt 34 Stimmen.

Kreis Büdingen.

-l. Ober-Mockff'tadt, 8. April. Unsere Gemeinde erhält jetzt auch ein neues Schulgebäude, zu beut der -Staat einen Zu­schuß von 12 000 Mk. leistet.

Kreis Alsfeld.

() Hainbach, 8. April. Ein hiesiger Landwirt wollte in seiner Scheuer Stroh vom Gerüst herabwerfen, glitt hierbei aus unb stürzte in die Tenne. Er zog sich schwere Verletzungen zu.

Kreis Lauterbachs

1( Nösb erts, 8. April. Ein Automvbilunglück trug sich heute morgen auf der Straße nach Nösberts zu. Der Chauffeur wollte einem entgegentommenden Ful)rwerck aus- weicken. D»e Bretnfe versagte unb das Automobil wurde gegen einen Baum geschleudert. Das Fahrzeug überschlug sich und fiel einen Abhang hinunter. Der Besitzer erlitt eine erhebliche Kopfverletzung, der Sohn kant mit dem Schrecken davon. Der Chauffeur trug erhebliche Verletz­ungen an Kopf ünd Händen davon. Eine Frau hatte O e l zunr Heißwerden in beit Ofen gestellt, das darauf Feuer fing und brannte. Die Frau erlitt erhebliche Verletzungen im "Gesicht.

Kreis Schotten.

sd. Schotten, 8. Aprli. Die gestern hier gefundenen Leichen sind als die be§ Bernhard Serth, Sohn des Schutz­mannes E. Serth ans Franksurt-Niederrad, unb ber Marie. H etzel aus Nocbhausen, Oberamt Brackenheim in Württeni- berq, ermittelt worben. Die Ursache, die das noch sehr junge Paar in ben Tob getrieben hat, konnte nicht ermittelt werben.

oft Schotten, 8. April. Heute vormittag rannte der Sohn des Försters Adam mit bcrn Fahrrabe gegen einen Baum, stürzte vom Rabe unb blieb bewußtlos liegen. Er würbe in die Wohnung gebracht, wo er hoffnungslos bar* nieberlicgt.

Kreis Friedberg.

-l. Assenheim^, 8. April. Ein Knecht des Altbürger- meifters Best wollte in der Lehmkaute einen Wagen voll Lehm holen. Mit dem LoShacken bon Lehm beschäftigt, löste sich plötzlich ein mächtiger Klumpen Lehm los. Der Knecht konnte nicht mehr schnell genug zur Seite springen und wurde Von 'ber Erbmasse be­graben. Obgleich Hilfe sofort zur Stelle war, konnte man nur noch die Leiche des Unglücklichen aus dem Lehm hervorzieheü.

-l. Stammhcim, 8. April. Am Sonntag hat sich bei 50jahrigc Landwirt Faust aus jeinem Heuboden erhängt. Er hat in letzter Zeit schon verschiedene Male versucht, geht ent Leben ein Ende zu machen, doch konnte er bisher immer rechtzeitig daran gehindert werden. Diesmal war mau aber zu spät gekommen, unb Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg.

Starkenburg und Rheinhessen.

rb. Darmstadt, 8. April. (Priv.-Tel.) Der frühere langjährige Leiter des hessischen Schulwesens, Geh. Ober« schulrat Fricdr. Greim, ist gestern gestorben. Der Ver­storbene, ber 89 Jahre alt wurde, war bis zu seinem Todc geistig unb körperlich noch sehr rüstig.

(rin) Bensheim, 8. April. Zn dem Groß feuer sei noch mitgeteilt, baß das zw eiteOpfer, der 28 jährige Kutscher Ab am Arnold unter schrecklichen Schmerzen seinem Leiben erlegen ist.

(mt) Heppenheim, 8. April. Tödlich verunglückt ist heute früh ber 62jährige Müller Nik. Gölz, ber bet dem Mühlenbesitzer Phil. Schäfer bedienstet war. Er geriet aus unbekannter Ursache in den Fahrstuhl und wurde tot aufgesunden.

= Worms, 8. Avril. Das Mitglied der General­birektion besHauses Cornelius Heyl, Hermann Hochgesand, ist nach 31jähriger erfolgreicher Tätigkeit gestorben.

Kreis Wetzlar.

0 Lützellinden, 8. April. Unser erster Lehrer Fröhlich wurde am 1. April zum Hauptlehrer ernannt. Er würbe heute in sein Amt eingeführt.

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