Nr. 82
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(63. Jahrgang
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9. April (913
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Die heutige Nummer umfatzt 14 Leiten.
Der zweite Tag im Reichstag.
□ Berlin, 8. April.
Der Reichskanzler saß auch heute zu Begimr der Sitzunc, pünktlich auf feinem Platz. Auch sonst bot Pas Haus das übliche Bild. Tribünen, Bundesrats- und Hoflogcn hxircn, tote gestern, stark besetzt. Heute kamen in der Hauptsache die Redner des ehemaligen Bülow-Blocks zu Wort, Bassermann für die Nationalliberalen, Graf Kan i tz für die Konservativen und M ü l l e r - M e i n i n g e u für die Fortschrittspartei.
Abg. Bassermann begann mit einer herzlichen Anerkennung der gestrigen Rede des Kanzlers. Er behandelte dann mit großer Routine ausführlich die auswärtige Lage Pes Reichs und stellte die Frage, ob deren Verschlechterung in per Tat erst seit der letzten Ballankrisis datiert, oder ob nicht die Gründe dafür erheblich weiter zurück- liegen? Herr Bassermann bejahte diese Frage und wies auf den eigentlichen Ausgangspunkt hin: jene Zeit, da wir ben Rückversicherungsvertrag mit Rußland kündigten, und Rußland und Frankreich sich die Hand reichten. Er schilderte dann weiter, wie wir durch unseren wirtschaftlichen Aufschwung im Gegensatz zu England gerieten. Schließlich aber verkannte er nicht, daß durch die Wendung per Dinge auf dem Balkan die Lage sich erneut zu unseren Ungunsden verschob: besonders da dadurch der Panslawismus neue Nahrung erhält und der französische Chauvinismus nach wie vor seine Hetze gegen Deutschland betreibt. Dazu zeitigt die imper'alistische W ltc, die alle Völler ergriffen har, immer neue Neibungsflächen, so daß wir tatsächlich unsere Pflicht versäumen würden, wollten wir uns nicht so stark machen, daß wir allen neuen Eventualitäten gewachsen sind. Der nationalliberale Führer fand im Verlauf seiner Rede manche Gelegenheit, den sozialdemolratischen Verneinungs-Standpunkt mit geschickter Pointe ad absurdum zrr führen. Im zweiten Teil seiner Ausführungen befaßte sich Herr Bassermann mit der Vorlage selbst. Er konnte darauf Hinweisen, daß gerade seine Freunde schon im Vorjahr und früher manche Forderung erhoben hätten, die jetzt durch die Vorlage erfüllt werde. Er begrüßte die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht, behielt sich natürlich im einzelnen die- Prü " sung vor. Abg. Bassermann nnterließ dann aber auch nicht, angesichts der gewaltigen Opfer, die dem Volke aust erlegt werden, auf gewisse notwendige Reformen auf dem Gebiete des Militär st raf rechts hinzuweisen, ferner auf die Notwendigkeit der Beseitigung der bevorzugten Regimenter, auf gleiche Behandlung der bürgerlichen Offiziere u. a. und betonte dann nochmals, daß seine Freunde einmütig bereit sind, den Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht durchzuführen.
Graf Kanitz hatte seine Rede auf einen recht friedlichen Ton gestimmt; er betrachtet die Vorlage als „ein Friedenswerk allerersten Ranges", weshalb auch seine Freunde auf den Boden der Vorlage treten. Ziemlich kritischer war Herr Müller-Meiningen, der beson ders an der Zurückhaltung des Kriegsministers scharfe Kritik übte. Er kündigte doppelte, ja dreifache Prüfung jeder einzelnen Forderung an und befürwortete dann mehr Sparsamkeit bei den Militärausgaben und eine Reihe
von Reformen, die der verständnislosen Ignorierung moderner Rechtsideen beim Ofsizierkorps ein Ende machen sollten. Die Rede Müller-Meiningens zeitigte eine lurze Entgegnung des Kriegsministers, der einen Gegensatz zwischen Generalstab und Kriegsministerium bestritt und v e es, was darüber geschrieben worden ist, als Klatsch bezeichnete. Dann kam Herr Seh da an die Reihe, und nach ihm setzte mit dem Obergenosscn Sch ei bemann die zweite Garnitur der Redner ein.
Das Echo der Kanzlerrede.
Die Rede des Reichskanzlers, die ja ur streitig in einem mannhaften Tone gehalten war, hat nicht nur im Deutschen Reiche im allgemeinen einen red)t guten Eindruck gemacht, sondern auch im Auslände eine respektvolle Aufn...Me gesunden. Wer die nachstehenden zahlreichen Pressestimmcn aufmerksam durchlieft, der muß doch, wenn er es bisher noch nicht geglaubt hat, verstehen lernen, daß die neuesten Ereignisse Deutschlands Stellung erheblich bedrohlicher gemacht haben. Während man vor dem Balkankrieg den Statusquo, der den Weltfrieden verbürge, in allen Tonarten gelobt hat, ist jetzt die europäische Türkei unter die höchst aktionslustigen Balkanvölker verteilt worden, man sucht nach „Entschädigungen" für Montenegro, anstatt zu bedenken, wie man das Germanentum vor der näher branden Slawenwoge schirmen könne. Das wird freilich keine Londoner Konferenz auf ihre Tagesordnung schreiben, sondern das ist die Aufgabe der deutschen itnb österreichischen Staatsmänner. Der Kanzler hat die Dinge offen beim rechten Namen genannt, und das Ausland horcht auf. Selbst der auffallende Schlußsatz in der Rede des Kanzlers, der die Behütung von Haus und Hof gegen Bedrohungen io nachdrücklich betonte, ist draußen mit Stillschweigen h'n- aenommen worden. Es war sehr an der Zeit, daß, statt des so oft in unserem Volke getadelten Liebäugelns mit den Franzosen, einmal wieder an Bismarcksche Zeiten erinnert wurde. Wenn diese Wehrvorlagen, hoffentlich ohne wesentliche Abstriche, angenommen werden, so ist uns der Friede wohl gesichert. Allerdings werden auch unsere Diplomat er: sich künftig besser rühren müssen, und wenn Herr v. Betlpnann das Wirken pes Dreibundes gelobt fyat, so hoffen, wir, daß per Dreibund in der nächsten Zeit noch wirksamer dem andern Mächtebund die Stange hält.
Der Eindruck in Frankreich.
. Paris, 8. Aeml. Die Rede des Reichskanzlers wird von der gesamten Presse lebhaft erörtert und von verschiedenen Blättern insbesondere als ein neuer Beweis für die Notwendigkeit der französischen Heeresver- ftärkung bezeichnet. Der „Figaro" schreibt:
Die Wirtlichkeit entspricht so wenig dem Dont Reichskanzler etwas allzu schwarz in Schwarz gemalten Bild. Wie ,tn Rußland, so liegt auch die öffentliche Meinung Frankreichs keineswegs die kriegerischen. Ideen, die miait ihm lediglich'für die Zwecke einer allgemeinen Beweisführung zuschreibt. In Frankreich gibt es jene chauvinistische Stimmung, jene absolute Sicherheit des Sieges nicht, von der der Reichskanzler mir Unrecht jprach. Man darf aus dem Umstande, daß einige Pariser Bühnen patriotische Stücke ausführen, nicht den Schluß ziehen, daß das gesamte französische Volk sich eifrig für die Revanche vorbereitet. 'Tas nationale Empfinden Frankreichs ist durch die Agadirkrise enifaltct worden, und für diese Krise ist Frantreich gewiß nicht verantwortlich. Die große Mehrheit der Franz-osen wünscht mit aller Entschiedenheit den Frieden, aber einen würdigen, stolzen Frieden. Hat der Zeppelin-Zwischenfall nicht in glänzender Weise die Korrektheit und Höflichkeit der französischen Regierung und die
vollständige Rrlhe des französischen Bürgertums gezeigt? Deutsch--, land will sich den Ueberschuß seiner Bevölkerung zunutze machen Das ist sein gutes Recht, und niemand kann cs deshalb tadeln. Slbcr es ist auch das Recht und die Pflicht seiner östlichen und westlichen Nachbarn, aus einer so außerordeirtlichcn Hceresver- mchrung die Schlußfolgerung zu ziehen und ihre eigenen Militärkräfte in demselben Maße zu erhöhen.
Die „Republique Franeaise" schreibt:
Die Sozialisten Frankreichs werden von der Rede entzückt sein. Der Reichskanzler hat von ihnen einige ihrer Argumente entliehen, indem er dem Reichstag — wie er es nannte — die gefährliche Seite des Wiedererwachens des französischen Nationalgefühls zeigte.
Die „France" schreibt:
Herr v. Bethmann Hollweg weiß besser als irgend wer, oaß wir nicht so unvernünftig sind. Aber er hat es vorgezogen, von unserer kriegerischen Stimmung zu sprechen, wohl wissend, daß er damit unseren Sozialisten ein Mittel in die Hand gibt, um das Gesetz über die dreijährige Dienstzeü zu bekämpfen.
Die „Lankerns schreibt:
Um ihre Wchrvorlage zu rechtfertigen, richten die Deutschen das Schreckgespenst eines kriegerischen und chauvinistischen Frankreich auf. Das ist bloße Einbildung und wenn Deutschland den Beweis dafür haben will, braucht es blaß seine Wehrvorlago zurückzuziehen, und die französische Regierung wird auch ohne den Druck der ösfentlichen Meinung die ihre zurückziehen. Aber der Reichstag wird alles bewilligen, was man von ihm verlangt, und deshalb muß Frankreich solche Kraftansttengung mit einer gleichen beantworten.
Die „Auto rite" meint:
Falls nach dieser Rede das französische Parlament noch zögert, die uneingeschränkte dreijährige Dienstzeit zu bewilligen, dann würden sich seine Mitglieder einfach des Hochverrats schuldig machen und die Todessttafe verdienen.
„E v e n e m e n t" schreibt:
Die Logik hätte es verlangt, daß die Schlußfolgerung in der Rede des Reichskanzlers auf Einfchränkung der Rüstung gelautet hätte. Leider ist die Schlußfolgerung ein Aufruf an das deutsche Volk, neue Militär last en auf sich zu nehmen. Frankreich sieht sich deshalb in die Notwendigkeit versetzt, sich nicht an die Worte des Reichskanzlers, die übrigens ausgezeichnet waren, sondern an die Taten zu halten.
Die „Aur o r e" schreibt:
Tic Stelle über die internationale Politik kann nur gebilligt werden. Die Entscheidungen der Loirdoner Konferenz müssen nach der Ansicht des Reichskanzlers möglichst rasch ausgcführt werden. Diese Ausfassung haben wir immer geteilt. Das ist. auch die einzige Haltung, die zum Wschluß des Friedens führen kaim.
Da8 Echo in London.
London, 8. April. Die „Time s" schreibt:
Der deutsche Reichskanzler hat von der augenblicklichen Lage im wesentlichen die gleiche Auffassung wie Sir Edward Grey. Der Reick)sfänzler sprach seine wohlverdiente Anerkennung für die außerordentliche Hingabe und den versöhnlichen Geist aus, die der Staatssekretär tu der Leitung der Besprechungen der Bot- schafter bewiesen hat, nud daß Deutscbland sich in demselben Sinne bemüht habe. Das halten wir für absolut richtig, und weil Deutschland so gehandelt hat, ist die Erhaltung des europäischen Friedens möglich gewesen. Ter Kanzler betont ebenso deutlich wie Sir Edward Grey, daß cs tiicht viel Zweck hat, ein Abkommen zu schließen, wenn es nicht durchgcführt werdcm soll. Natürlich und mit Recht schwieg er über den einzuschlagenden Kurs, aber 'er sagte es klar, daß die Haltung, die die Verbündeten gemein - saut einnehmen, von den Mächten geprüft werden soll. Zunächst müssen die Londoner Beschlüsse mit aller Schleunigkeit durl geführt werden, und nur dann werden sich nach dem Urteil des Kanzlers friedliche Lösungen für die ausstehenden Fragen finden lassen. Es ist zu hoffen, daß sich diese Prophezeiungen erfüllen mögen.
Gestalten und Bilder aus dem Völkerfrühling.
Das Blutbad zu Bremen (10. April).
Tettenborns Einzng in .Hamburg am 18. März hatte die Herzen an der Waterkant höher schlagen lassen. Uebetall Ivar der Ausstand emporgeflammt. Im Bremtschen, tm Hannoverfchen, in den Oldeuburgifchen Landen war es lebendig geworden. Am 19. März hatten der Unterpräfekt in Oldenburg und die sämtlichen französischen Beamten es vorgezogen, sich durch ein Gendarmen kommandv in Sicherheit nach Bremen geleiten zu lassen. Wer zuvor batte der Unterpräsekt, Baron Frochot, aus eigener Machtbefugnis einen Regierungsausschuß, aus fünf Mitgliedern, angesehenen Oldeiiburger Bürgern, eingesetzt, die, über Ordnung und Rlihe in der Stadt wachen sollten. Was sollte der arm: RegierungscrussckMß den immer höher schlagenden Flammen der Begeisterung gegenüber tun? Sollte er das Freiheitsfeuer dampfen? Ein vergebliches Beginnen! Ein armseliger Aufruf, ein Appell an die Einwohner zur Erhaltung von Ruhe und Ordnung war alles, was der Ausschuß in den drei Tagen ferner Wirksmstkeit vollbrachte.
Schwer, sehr schwer sollte er büßen. Schon zog das Ungewitter herauf. Die ganze Latldschaft ward unter das Kriegsgesetz gestellt, und der grausame Bandamme — „welchen Gott verdamme" sang Freimund Raimar (Rückert) von ihm — ward zum blutigen Vollstrecker der von Napoleon durch einen Senatsbeschluß angedrohcen Gewaltstreiche erkoren. „Niemals hat cm römischer Prolonsul, ein Herzog Alba oder ein Wallenstein eine l’o übermütig bock fahrende Sprach in den eroberten Provinzen geführt wie Bandamme in Bremen" schreibt Förster,. Ein Kind der großen Revolution war meser Vandamme. Noch unter Robespierre war der Zwciunbzwanzigjähr.ige General der Republik geworden. Diese NevolutivnSm-rmter verstanden sich auf das „Pazrfizieren". Mau stellte einige angesehene Bürger, ob schuldig oder nicht, an eine Mauer und ließ ein Peloton aufmarschicrcn: Salveiigcknatter, und die Leute, die vor den Gewchrmündung-.m standen,' warm für alle Ewigkeit pazifiziert. Der Schrecken ging vor Bandamme her. Am 3. April erließ er einen Tagesbefehl, dessen hochmütige, selbstbewußte Sprache den Wüterich, den ,-vchlächlcr von Bremen", wie er seither genannt worden ist, in das rechte Licht setzt. „Glücklich in allen meinen Unternehmungen habe id'/ feiner Widerwärtigkeit mich zu erinnern," Po smmte er Kaut und stolz in die Welt hinaus. (Bei.CulM belehrten ihn die Preußen eines Besseren,. „Gut und bieder von Charakter, geredü durch 9-ewohnheit , welch bittere Ironie!) werde ich schrecklich durch Pflicht. Ganz Soldat und den Pflichten meines Standes ergeben, schone ich nichts, wenn der Wille meines Kaisers, das Wojst des Vaterlandes und der Ruf unserer Waffen es erfordern."
^Dic ersten Opfer waren die Mitglieder des unglücklichen Oldenburgiscken Fünseraussämsses. VandamMe empfing die Armen, die nach Brenren geschleppt wurden, mit den schrecklichen Worten: „Heute abend noch werde ich Sie erschießen lassen." Worauf der Vorsitzende, Herr v. Berger, fest entgegnete: „Exzellenz, wir waren von dem Unterpräselten in die Brescl-c gestellt." — „Nun wohl," entgegnete kalt Vandamme, „wenn Sie von einem elenden Unterpräfekten in die Bresche gestellt waren, hätten Sie dort sterben müssen."
Wenige Tage darauf, cs war <tml 10. April, fielen die beiden hervorragendsten Mitglieder, die Herren v. Finckh und v. Berger, unter 'französischem Blei, und mit ihnen hauchten zweiundzwanzig andere Verurteilte ihr Leben aus. Außer den zum Tode Verdammten wurden noch viele zu Gefängnis, zu Galeeren und zu hohen Gcldsttafen verurteilt. Die bremischen und die olbenburgv schm Lande waren „pazifiziert", und Vandamme konnte an den Oberbefehlshaber nach Magdeburg schreiben: „Die Stadt Bremen ist so ruhig wie Ehalons, und alles ist in schönster Ordnung." *
— Eine Politikche Komödie: „Das Frühstück beim Minister". Aus Barmen, 7. April, >vird uns ge- scknieben: Kurz vor Schluß der Spielzeit hat die Barmer Bühne mit der Uraußühruirg der Komödie „Tas Frühstück beim Minister" von TI). Heinrich einen Treffer gemacht. Der Vonvurf, den sich Th. Heinricl, in seinem int Stil der feineren Satire gehaltenen Werke nimmt, ist neu. Einmal sind, sostiel bekannt, in der Be leucktung des Theaterwitzes die Demokraten bislang zu kurz gekommen, und dann hat man eine Stadtverordneteu- sitzung noch „richt als Szenenbild gesehen. Es bandelt sich um das Entwickeln eines Mannes, dessen fortschrittliche Gesinnung der Regierung nicht genehm ist. Zugleich aber fischt der Dicl>ter ein schmackhaftt's literarisches „Frühstück" auf in Gestalt einer Fülle von Ergötz!ichkeitcn und einer Reihe fein beobachteter Charaktertypen aus dem Gebiete der von Parteiinteressen und persönlichen Ei>ü'lkeiten getragenen Kvmmunalpolittk. Auch die Fraucnfrage wird aufgerollt, und als Verckreter des gesunden Mcnsckfenverstandes hört matt einen in seiner Urwüchsigkeit cr= frischend wirkenden jungen Münchner Maler, der zum Schlüsse die Braut hcimführt . . . Mit der Einstudierung hatte sich das Barmer Stadttheater unter der Regie Miclmel P i ch o n s die größte Mühe gegeben. Das Publikum, das alle drei Akte hindurch in launiger Heiterkeit und interessanter Spannung gehalten wurde, zollte bet Novität starke Bei falls kund g eb ung und rief den Autor zu iviederholcken Malen.
— Ein neuer drahtloser Alarm!. In St. Georges Hall zeigt eben eilt Herr Raymond Phikli ps eine neue Methode, um dra!stlose Alarmsignale zu übermitteln. Es scheint eure einfache Sache zu fein. .Anstatt, daß der Telegraphist daöl
l-erühm!te 8.0.8.-Signal telegraphiert, hält der Markoni-Monn seinen Finger einige Minuten lang aus den Aussend-Knops und bringt dadurch eine Funkemrusgabe hervor. Phillips hat einen besonderen Detektor dafür erfunden, der dies Signal, und nur dieses, empßingt. Dieser Apparat ist so gebaut, daß er in allen Scläffen, die sich in der bestimmten Zone befinden und die damit ausgestattet sind, automattsch alle anderen Botschaften aussck-altet und außerdem nach kurzer Zeit die Schiffsglocke oder die. SäKffs- hupe in Bewegung setzt. Do daß aus diese Art der Telegraphist nicht an seinem Instrument sein muß, wenn der Ruf kommt. Man wird sich erinnern, daß, während die „Titanic" sank, ein großes Schiff nur 5 Meilen weit entfernt Jan, aber die Signalc der „Titanic" nicht vernahm, weil der Markoni-Mann zu Bett war. Man darf annehmcnt, daß alles an Bord gerettet worden wäre, 'wenn Man diesen Apparat damals gehabt 1 tttc. Der Erfinder ist sehr zurückhaltend über die Eim-elheiten seiner 'Erfindling, so daß ein endgültiges Urteil noch nicht gegeben werden kann. Er gestattete jedoch den Zuschauern, auf die Bülme zu kommen und den ^Apparat in Bewegung zu setzen, so daß frath zuM Entzücken der 'Zuschauer gnmzende Töne aus der heiseren Schifsshupc kamen, die am anderen Ende bc3 Saales angebrackst war.
— Joseph-Joachim-Stiftung. Anläßlich des 50- iährigcn Künstleritibiläums des verstorbenen Professors Dr. Iosevh Joachim ist eine Stiftung errichtet worden, deren Zw<Ä ist: unbemittelten Schülern der in Deutschland vom Staate oder von Stadtgemeinden errichteten oder untersttitztcn musikalischen BildungSanstalien ohne Unterschied des Alters, des Geschlechts der Religion und der Staatsangehörigkeit Prämien in Gestalt von Streichinstrumenten oder in Geld zn gewähren. Geeignete Bewerber haben ihre Gesuche bis mm 1. Juni d. I. nit das Kuratorium der Ioscph-Ioachim-Stiftung in Eharlottenburg 2, Fasanenstraße Nr. 1, cinzureichen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaf t. In M ü n eben ist am 5. d. Ni. .der ordentliche Professor für Geschichte, insbcsoiwere historische Hilfswifscnsckxtstc'n, Dr Henry Simons seid, Mitglied der lwyerischen Akademie der Wissenschaften, im 61. Lebensjahre geftorben. — Wie ans sicherer Ouelle verlautet, wird der in weiten Kreisen bekannte ötabtffnrrvr Dr. Hansjakol> von St. Marttn in Freiburg i. B. am l. Ok- tobet d. I. in den Ruhestand treten und nach seiner Heimcktstadt Hasloch im Kinzigtal übersiedeln, wo er sich eine Villa erbauen l'ißt. — Vom 15. bis 18. April wird zu Wiesbaden unter dem Vorsitze des Herrn Geh. Hoftat Prof. Dr. Penzoldt, (Erlangen' dar 60. ^Deutsche Kongreß für i n n e re Missio n tagen. Die Sitzungen sindeu iin1 Neuen Knryausc statt.


