Ausgabe 
8.11.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 263

Erscheint ti-lich mit Ausnahme des Sonntags.

ftnrrmenfünfte her Beamten der A.-P.-K. gehandelt habe, bei beneitf

Verricht frei.

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glichst eingeladen-

egel.

Spottreden von Städten gegen Städtc.

tose mir sie ja heute

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"r .tmracr größeren unabhägigkeit Kretas von der Stambnler noch in oflen Zäckturlandern vernehmen. Sollte es aber wahr Regierung zumal seit der Einsetzung eines .chrisLchen Ober-1 fein, was Spötter des Alterttrms darüber hinaus an den Kretern

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Samstag, 8. November 19(3

Notationsdruck unb Verlag der Brühfschen Umversiläts - Buch- unb Steindruckerei.

9t. Lange, Dietzen.

könnten, dazu war die türkische Regierung ebenso unfähig wie zur Aufrechierhaltung eines sicheren Verkehrs im Inneren der Insel.

Wenn heute die vom Joche der Türkenherrschaft erlösten Griechen bet jeder passenden Gelegenheit und welche paßt in diesen Ländern nicht? den Hnrnnus ihres großen Dichters Solomos fingen:Freiheit, Freiheit, Freiheit fei gegrüßt!", fo verstehen sie in diesem neuesten Griechenlande zuerst und zumeist unter der Freiheit die Sicherheit von Gut und Leben. Es war hier wie allenthalben: der Grieche ettvarb, der türkische Beamte raubte oder verdarb. In den Städten und ihrer Umgebung war kein Christ Vor der türkischen Raubwirtschaft sicher, und nur die Bauern int Innern des Landes konnten sich dadurch schützen, daß sie zusammen stärker wären als die vereinzelten gewalttätigen Gendarmen. Das ist ja das Wiesen dessen, was in der Türkei Regierung heißt, daß die Unsicherheit und die Gewalttaten gegen die nichtlürkische Bevölkerung nicht etwa von türkischen Räubern auf eigene Faust verübt werden, sondern von den znrn Schutze des Lebens und des Eigentums bezahlten hohen, mittleren und niederen Beamten.

Wiederum wie in meinen ersten Berichten aus Südalbanien und Rordepirus kann ich über die öffentlichen Zustande dieser ehemaligen Türkeninsel nur rühmen: wo früher nach Sonnen­untergang lein Mensch die Straße zu betreten wagte, wo die Landstraßen und Saumwege in der Dämmerung oder bei Nacht verödet waren, da herrscht heute eine Sicherheit wie nur in den .Hafenstädten ober im Innern von Deutschland, England, Holland, Skandinavien, und dieser Mandel aus der Will kür Herr schäft zur festen Ordnung ist um so bemerkenswerter, als die kretische Be­völkerung nicht einheitlich zusammengesetzt ist, sondern sich in Christen und Muselmanen spaltet. Von den rund 325 000 Ein-

Demnack könnte cs für unsere volkswirtschaftliche Lage nur von großem Nutzen fein, w e n n m a n b e i u n s die gleichen W e ch f e l v r i n z i p i e n wie in F r a tt k r e i ch e t n f ü h r t c. Ist doch die Diskontierung kleiner Wechsel von kleinen Geschäftsleuten durchaus nicht so riskant, nric man sich die Sache im allgemeinen vorstellt. Wenn unsere Banken, Bankiers und Finanzgcnossenschaften die Sache nicht so eng­herzig auffassen möchten, so würde frisches Leben in Deutsch­lands volkswirtschaftliche Lage kommen. Sind doch ivte Hand- lun-gsbüchcr der deutschen Geschäftsleute heutzutage keine Geheimnisse mehr, sondern gesetzlich vorgefchriebeRe Urkun­den, nach welchen man sich reichjliche Informationen ver­schaffen kann, ob der Kreditsuchende den Kredit verdient, den er beansprucht.

Es ist wirklich nicht einzusehen, warum gerade bei uns dem kleinen Geschäftsmann der Bankkredit verschlossen blei­ben und in Deutschland nicht ebenfalls ein regerer Wechsel­verkehr, ähnlich wie in Frankreich, Ausdehnung finden soll.

Der Zustand, daß der Kaufmann erst nach reichlicher Kreditfrist sich getraut, mit einem Akzeptanseinen Kun den heranzutreten,muß aufhören; es muß der Wechsel anstelle der fehlenden Barzahlung treten, wodurch das übliche Borgsystem mit einem Schlage beseitigt würde. J-e mehr man im Kleinhandel mit diesem Üebclstande aufräumt, desto nutzbringender ar­beitet unsere Finanzwirtschaft, und der Zeitpunkt ist dann kommen, in welchem Millionen Kapital nicht mehr brach­liegen, sondern ihr segenbringendes Füllhorn auf die deutsche Volkswirtschaft ausschütten.

mds P Uhr,

Walltorstraße, eine

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: e^51. Redakt,on:e^A112. Tel.-Adr.: AnzeigerDietzeu,

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abends inhorn

Die«iehener $amtlienMätter werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS Nreirbiatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Der neueUrupp-Prozeh".

Berlin, 7. Nvv.

Für heute sind zur Vernehmung geladen: General-Major z. D. Exzellenz Bücking, der auf Befragen des Vorsitzenden er­klärt, daß der Direktor Dreg e r wegen Unterbringung des Zcug- leutnants Hoge in die Artillerie-Prüfungs-Kommission nicht an ihn herangetreten sei, und daß Direktor Dreger über Hoge mit ihm niemals gesprochen habe. Die Frage, ob Direktor Dreger zu irgend einer andern Zeit an ihn herangetteten sei ivegen .Hoge ober irgend eines andern Herrn, um eine Anstellung zu vermit­teln, verneint der Zeuge gleichfalls.

Dem Zeugen Maior Anders ist gleichfalls nichts bekannt, daß wegen der Versetzung Hoges Direktor Dreger an Brandt Ijeraitgctretcn fei. Er selbst habe Dreger erst in diesem Jahre kennen gelernt. Für die Versetzung Hoges in die A.--P.-K. seien lediglich bicnftlidjc Crriinbe maßgebend gewesen. Es kamen für die fragliche Stelle überhaupt nur drei Beamte in Betracht, von denen Hoge in Spandau, der zweite in Köln und der dritte in Königsberg stand.

Der Angeklagte Ecc ins äußert sich eingehend über die Be­ziehungen der Firma Krupp zu dem MilitärsdniftsteNer Major a. D. Wangemann. Die Firma Krupp hat dem Major Wangemann schon vor seinem Ausscheiden ans dem Heere die reichen Schätze des Kruppschen Rachrickstenbureaus zur Verfügung gestellt. Nachdem Wangemann den Abschied genommen, handelte es sich für die Firma darum, ihr Verhältnis zu Wangemann in eine feste Form zu bringen. Wangemann wurde Vertreter einer Firma, die auf arttlleristischem Gebiete mit der Heeresverwal tung gleichfalls in Verbindung stand. Wangemann mußte sich demgemäß mit einschlägigen Fragen befassen und konnte ber Firma Krupp in mancher Hinsicht nützlich sein. Selbstverständlich han­delte es sich dabei nicht um Nachrichten, die auf illegalem Wege erreicht wurden ober die geheim waren.

Der Oberstaatsanwalt macht Mitteilung, daß ihm ge­stern zwei Zuschriften zugegangeir seien, von denen die eine von einem dem Zeugen Metzen bekannten Journalisten, die andere von dem Reichstag sabge ordneten Tr. Lieb­knecht herrühre, in der letzterer die Beschuldigung erhebt, daß Wangemann schon als Offizier für die Firma Krupp tätig ge­wesen sei, um ihr aus Ossizierskreisen Nachrichten zu verschaffen. In der Zuschrift erklärte Tr. Liebknecht toeiter, daß Wange- Imami einen Klub gegründet habe, um b t e Kame­raden auszuhorchen. Ties bat der Angeklagte Eeeius dahin berichtigt, daß es sich hierbei lediglich um zwangslvse Zu­

kommissars im Jahre 1891 auf l0 zu 1 verschoben, und es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß in weniger als einem Menschen­alter die muselmanische Frage im neuesten Griechenland durch die stetige Massenauswanderung der nichtchristlichen Bevölkerung in bie noch türkisch gebliebenen Gebiete des ottomcmischen Reiches gelöst werden wird. In Thessalien hat sich dieser Wandel in kaum einem Menschenalter so gründlich vollzogen, daß man heute in Larissa nur noch eine Moichee braucht.

Das erste, was der griechische Statthalter Rufos für das griechische Kreta in Angriff genommen hat, ist die Schaffung besserer Verkehrswege. Elektrische Straßenbahnen zwischen ftaneri und seinem vornehmen Borstadtviertel Chaleppa, zwischen Kanea und Suda werden demnächst begonnen und noch vor dem Eintritt des Winters in Betrieb gesetzt werden. Mau stelle sich nur vor, was eine elektrische Straßenbahn für irgendein früheres Gebiet des türkischen Reiches bedeutet, dessen Beherrscher Abdul Hamid selbst in feiner Hauptstadt Konstantinopel keinerlei Ausnutzung der Elektrizität, dieser ihm unheimlichen Naturkraft, duldete. Also iueber eine elektrische Straßenbahn noch elektrisches Licht, nod) auch nur den ihm besonders verhaßten elekttischen Fernsprecher, iveil dieser ja womöglich zu Verschwörungszwecken benutzt luercen konnte. Balo wird Kreta noch bei Lebzeiten Mdul Hamids alle Anwendrmgsformen der Elektrizität besitzen, selbst die elektrische Triebkraft für die mancherlei großen Oelpressen des Landes.

Ueberafi, in Kanea wie in Kandia, sieht man neues Leben! aus den Rumen emporblühen. Mit nicht geringem Stolze zeigte mir einer der ersten Großkaufleute Kaneas die sich der Vollendung nähernde stattliche Markthalle, die mit ihren 150 Verkaufsständen bie größte ,tm ganzen Orient, größer selbst als die Martthvlle zu Athen fern wird, ^urch ffe werden binnen kurzem die engen schmutzigen Handels viertel her Stadt überflüssig: sie sollen nied-r- gennen werden und man plant große Neubauten für Banken, Handelshauier und Verwaltungszwecke. In standia erheben sich ichon jetzt fertige und halbferttge Paläste an Stellen, wo noch im Anfcmg dieses Jahres elende Häuser standen, und sogar an die Schaffung eines zierlichen Parkes inmitten der Stadt hat sich der Unteruehmungssinn der befreiten Kandierten gewagt.

Kreta ist nach Epirus das geliebtefte Schmerzenskind des fchon freigenwrheucn Griechenlands gewesen. Viele der besten Männer in Neuhellas stammen aus diesem von den Alten mit allerlei bekannten Lästerreden verfolgten Kreta. Allen voran Venifelvs, heffen Namen für immer mit dem in Freiheit ge­einten Griechenland unlöslich verbunden bleiben wird. Die kaum witzig zu nennenden Verse antiker Schriftsteller gegen die Lügen­haftigkeit der Kreter sind nich.t anders zu beurteilen als dis

Reisebilder aus dem größeren Griechenland.

Aus Kreta.

Kandia, .28., Okt.

Allüberall, wohin mich mein Weg durch das neueste Griechen­land, burrf) die mit Strömen von Blut hinzugewonneuen griechi­schen Länder führt, drängt sich mir die tiefe Lebenswahrheit des feit Jahrhunderten bekannten Wortes auf: Wohin der Türke seinen Fuß setzt, da verdorrt das Gras. Wohl weiß id) auch die Wahrheit der im Orient allgemein geltenden Ucberyugung zu schätzen, daß der einfache Tittle, der ttirkische Sauer,' Arbeiter, Fischer, ein meist sehr anständiger Mensch ist, und ich sage nichts gegen den Türken, so lange er nick'' zu einem der herrschenden Stände gehört. Auf dieser kretischen Erde aber, wo feit mehr als einem Jahrhundert zwischen Türken und Griechen um die Herrschaft gerungen wird, muß man auf Schritt und Tritt fragen: Wo hast Im türkischer Beherrscher dieses großen reichen Landes dein Recht eur Herrschaft bewiesen, das im fruchtbaren Schaffen besteht? Wie auo Epirus und Thessalien, nric aus Makedonien und Thrakien, so sind die Türken aus Kreta abgezogen, als die Schicksalsstunde geschlagen hatte, wie eine wandernde Zigeunerhorde ihr Lager abbricht, ohne anders als Zerstörung und Unrat zu hinterlassen. Kanea, die Hauptstadt Kretas, war 270 Jahre, Kandia mehr als 240 Jahre in bcn| Händen der Türken, und was sehen wir an öffentlichen Bauten, Einrichtungen, an Ausnutzung der Hilss- Gueticn des Landes, an Erleidsterungen der Schiffahrt, des Land- Verkehrs: von den Anstalten zur geistigen Kultur ganz zu schwci- gen in den drei wichtigst Häfen dieser größten Insel des Mittelrnceres, in Kanea, Rithpmnon und Kandia? Außer eutrgeu baulünstlerisch wertlosen Moscheen nichts! Pflaster eineSchandc für jedes ärmste Dorf ärmsten Landes, nun gar für eine Regierung, die mit solcher Zähigkeit an dem Scheinbesitz der ihr zum Trotz blühenden Hafenstädte festhielt, ohne durch eigene Arbeit sie zu behaupten. Hätten nickst die Venezianer in den 4 Jahrhunderten vor der türkifchen Eroberung ihre gewaltigen Hafenmanenr aufgerichtet, fo wäre es heute nicht möglich, anders als von der stürmischen weit außen gelegenen Reede zu löschen und zu laden, und selbst hettte können die Dampfer mit ihren gegen die venctianischen Zeiten fo sehr vergrößertem Tiefgang den Hasen der Hauptstadt Kanea bei auch nur ein wenig be­wegter See überhaupt nicht anlaufen, müssen den Umweg um bie' Halbinsel Akrotiri machen und in die Suda-Bucht einlaufen. Für den sehr bedeutenden Warenverkehr von Kanea bedeutet dies in jedem solck^n Falle, im Winker ist er die Regel eine '-Bertau?rnng um die Hafenfahrt zwischen Suda unb Kanea. Einen Wellenbrecher so weit hinauszubauen, daß wenig- stens die bescheidenen Kützendampftr ungefährdet Kanea anlaufen

wohnern der Insel sind nal-ezu 35 000 Muselmanen, die übrigen gricckisch-kotlolische Christen. Die Landessprache ^lferdings ist durchweg die griechische, auch die Muselmanen sprechen ausschließ­lich griechisch, benit sie sind ihrer ?Cfrftammung nach sämtlich Grieckwn, deren Voreltern gegen das Ende des 18. Jahrhunderts zur Annahme des Islams gezwungen wurden.

Die für alle neu eroberten Länder Griechenlands ungemein wichtige o-ragc: Was wird aus der türkischen oder doch musel- mamschen Bevölkerung werden? geht in Kreta offensichtlich der- wlvOt Losung entgegen wie vor 30 Jahren in Thessalien Der Türke oder der sich mit ihnr gleichfetzende Muselman andrer Ab­stammung, selbst der griechische, ist unUhig zum freien Bürger- ^rui. Er kann nur leben. Wo er der bedrückend Herrscher ober o^r flÄ duckende Knecht ist. Das Zahlenverhältnis zwffchen Christen und Muselmanen war noch 1881 wie 4 zu 1; es hat sich infolge

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Wangemann wegen seiner gesell schaff licken Talente eine besondere Rolle gespielt hat. Im übrigen sollte Wangemann lediglich für die Firma Krupp literarisch tätig sein, lieber diesen 'ßunft soil der Zeuge v. Bk e tz e n vernommen loerben. Recht-amvalt Lö­wenstein erhebt dagegen Widersprudi unb begründet dies damit, daß v. Metzen seine Behauptungen weder auf seinen Eid genom­men habe, noch nehmen werde. Die ganze Sache würde damit ins Uferlose verlausen. Justizrat v. Gordon bittet dagegen, im .Interesse des Angeklagten Eccius v. Metzen nochmals zu verne hnten.

s)iad> kurzer Beratung beschließt das Gerickst die Vernehmung des Zeugen v. Metzen, der erklärt, er könne sich nidst entfituum, daß Wangemann Nachrichten auf illegialem Wege habe besorgen wolleii. Die Abmachungeti zwischeii Wangemann und Direktor Eccius gingen dahin, daß Wangeinairn die Leittncg einer attitte- pistischcn Zeitschrift übernahm und dazu durch Gespräckic mit früheren Kameraden Dinge in Erfahrung bringen sollte, die viel­leicht für die Firma Krupp von Interesse sein konnten. Er glaube nidst daran, daß Wangemantt hierbei mit Bestechungen gearbeitet habe. Er habe wohl nur mit feiner Tätigkeit eine Lücke in der Berichterstattung Brandts aussüUen sollen. Das Material Brandts habe ihm dabei als Unterlage gedient.

Es folgt die Bernelstnung des Zeugen Wangemann, der aussagt, er stabe bei ferner militärischen und literarischen Be- schäftiaung gelegentlich der Düsseldorser ''Ausstellung im Jahre 1902 enge Beziehungen zu Krupp unterhalten, die er spater nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst wieder ausgenommen lyabc. Es handelt sich lyierbei besonders um die Entwickelung der modernen Feldgeschütze, wobei ihm Krnpv burd) Material wertvolle Unter­stützung geliehen habe. Von irgendwelchen frummett Wegen sei niemals die Rede gewesen. Etwas derartiges sei ihm auch von Direktor Eccius nicht zugemutet worden. Bei dem Klub habe es sich um zwanglose Zusammenkünfte gehandelt, was schon daraus hervorgehe, daß jede Fachsimpelei verboten war. Auf die Vernehmung weiterer Zeugen ivird verzichtet und damit die Beweisaufnahme geschlossen.

Bevor der Oberstaatsanivalt sein Plädoyer beginnt, teilt er mit, daß die Untersuchungen im Reichsmarineamt und im Kriegsministerium über angebliche Bestechungen von unteren Kanz­leibeamten nichts werteres ergeben haben, als daß Pförtner und Unterbeamten für besondere Aufmerksamkeiten zu Weihnachten kleine Geldgeschenke im Betrage von wenigen Mark ausgehrndigt worden seien.

Der Oberstaatsanwalt führte sodann aus: Anfangs, als die Angeleaenheit in die Oeffentlichkeit kam, spielte es eine große Rolle, daß gerade die Firma Krupp sich Schleichwege bedienen sollte und Verrat militärischer Geheimnisse betreibe, aber sowohl der Staats-, auwalt itrie der Untersuck-ungsrichter hätten in der Voruntersuchung, bald erkannt, daß in der besonderen Verhandlung der Verrat mili­tärischer Geheimnisse eine uittergeordnete Nolle spielen wurde. Nach den langen Verhandlungen beantrage er daher, den Ange­klagten Brandt, der allein unter der Anklage des Verrats mrli-- rischer Geheinmrsfe stehe, von dieser Anklage freiznfprechen. Es bleibe also nur die Anklage wegen Bestechung bestehen. Der arrbere Angeklagte ftcljfc unter her Aullage der Beihilfe. Die Strafen feien gleich zu bemessen unb er beantrage für beide Angeklagte eine GefängnisstrafevonjefünfMonat en, wobei für Brandt die Untersuchungshaft in Anrechnrrrrg gebracht werden könnte. Der Oberstaatsanwalt äußert sick) bann eingehend über die in Bettacht kommenden rechtlichen Gesichtspunkte und erörtert sodann die Fruge der Bestechung- Wenn Brandt, so führt der Oberstaatsanwatt ans, Gesck-enke oder Vorteile angeboten, versprochen oder ge­währt habe und wenn er es getan habe in dcr Absicht, da­durch Beamte zur Ueberschrcitung ihrex Dienstpfticht ober Be- amtcupflicht zu bestinimen, so habe er sick) zweifellos der Desteckiing schuldig gemacht- Es sei daher gleichgiltig, ob mit oder ohne Erfolg. Die Frage ift nun die: Wo liegt die Grenze der Dienstpflicht oben b e r B eum t e n p f li ch t? Bcr der Erörterrrng dieser Frage kommt der -Oberftaatsanwatt auf seine früher, gelegentlich einer .Auseinandersetzung mit dem Fincmz- rat Hilgenberg geäußerten Anschaurmgen über die Dienst und Sckstveigepftichit der Beamten zurück, wodtt er sie voll aufrecht erhält und als unangreifbar hinstellt. Der Oberstaatsanwalt wirft sodann einen Rückblick auf die Entwickelung der Ilngelegen- heik. Herr v. Schütz habe als Vertteter der Firma Kttirpp denjenigen Verkehr $u pflegen, der für eine glatte Ablvickelimg der orttlleristifchen Geschäfte nötig war. Er scheine aber )einer Auf-

Sweiter Blatt 165. Zahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

Mehr Banltreöit für -en kleinen Mann.

Bekamttlich hatte vor einiger Zeit eine süddeutsche Han­delskammer beim Deutschen Handels tage den Antrag gestellt, eure gesetzliche Maßregel in dem Sinne herbeizuführen, daß E Ausschreibung von Wechseln unter 100 Mark in Deutsch­land Verboten werden sollte. Hierüber gingen die Meinungen stark auseinander, wesl)alb man den Antrag zu. den Akten regte. Dieses Begehren blieb aber trotzdem bestehen, denn rncm begegnet fortgesetzt in bayerischen Blättern Artikeln, die ttlr die Abschaffung kleiner Wechsel eintreten. Tas mag dem TstrnLnrektor Thvvrwart Veranlassung geaeben haberi, das Wechselwesen in den uns benachbarten Ländern, speziell Frankreich, zu untersuchen und dieses mit deutschen Verhält- dergleichen. Seine Abhandlung kommt zu dem Schluß, daß bei uns die kleinen Wechsel im offe- nen Kontokorrent-Verkehr bei Banken, Ban-' krers und Fi n a n z g en o s sen s cha ft en eine weit bevorzugte Stelle ein ne hm en müßten, denn nur hierdurch Lönute der Kassenverkehr forciert und der Hlmbel gestärkt bez. gekräftigt werden.

Aruh wir möchten uns der gleichen Ansicht anschließen. Man braucht sich nur zu vergegenwärtigen, wie stark die Ab­neigung gegen kleine Wechsel in den unteren und mittleren Schichten des deutschen Handels ist. Es herrscht eine buch-- ftäblid)e Scheu, ein derartiges Akzept auszustellen und nnterzubringen, "weil man in ihm einenunsicheren Kanto­nisten" erblickt, der sich lster selbst ein Armutszeugnis aus- stE. Aber gerade durch diese» törichten Wahn wurde bei uns ein Pumpsystem gezeitigt, das sich namentlich in den Perioden wirtschaft l ich cnNiederganges recht unangenehm bemerkbar machte. In Frankreich tVrmt -man duffe Abneigung gegen kleine Wechsel nicht; ja, sie würde selbst im Falle einer Stagnation oder Depression in dortiger Volkswirtschaft niemals Platz greisen können. Der Geschäftsmann, welcher seinen Kunden für wenige Franken Aare aus .Kredit verlaust, zieht sosort einen auf hier b is sechs Wochen laufenden Wech s el, den jedeBank diskontiert, sofern er drei kredit- .e r c Unterschriften trägt. Wie groß in dieser Hinsicht der Verkehr ist, bewerft jene gesetzliche Verfügung, nach tvelcher der Bank von Frankreich die Verpflichtung ob­liegt, kleine Wechsel von 5 Franken aufwärts zu diskon­tieren. Der französische Kiauftnann rechnet in der Wahr­nehmung seiner finanziellen Interessen eben anders als sein deutscher Kollege. Während wir das Ziehen von Wechsel­beträgen in Höhe von 5 Mark klein lick) ausfassen würden, sagt sich der Fraiczose, nur in derMengekanneinreich- licher ZinSgenuß liegen, wie auch diese eine un­unterbrochene Flüssigkeit des Kapitals he r- boi führt. Hier hat der Franzose entschieden recht. Tritt im Gelbverkehr eine Stockung ein, fo arbeiten nur die Kapi­talisten Mit flüssigem, aber äußerst billigem Gelde. Das kapitcktkrästige Publikum und die Banken haben das Geld fest in den Händen und wissen es selbst nicht zu verwenden; irum fegt es in solchen Zeiten höchstercs in Bauspekulationen an, weil derartige Gesckstifte augeicscheinlichmehr Zinsen" einbringeu sollen. Solche Geldflüssigkeit stellt eine unerfreu­liche Erscheinung imb eine, man möchte sagen, unsinnige Verkennung der wirtschaftlichen Prosperitätsbedingungen dar. Was ilützt der Börse dieses billige Geld, wenn sie es nicht schnell umsetzen und durch an bauernbeit Zinsgenuß ver­mehren kann? ES gab bei uns auch Zeiten, in uielchen über (Äeldseltenheit geklagt wurde. 'Aber war jene Geld- knappheitnichtbasZeichenregsterGeschäfts- tütigkeit? Erhielt n»icht gerade unser Handel, unsere In­dustrie hierdurch einen Monalen Aufschwung? Ohne Zweifel haben wir es dieser Geldversteifung zu verdanken, daß sich die Geschäftstätigkeit und die Kauflust im Publikum auf das lebhafteste regte.

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