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1.4.1913 Zweites Blatt
 
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DieKiehener ZamUienblätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..KrefsVIatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeir- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Zweites Blatt 165. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des SonntagS. a a -

Gletzener Anzelger

General-Anzeiger für Oberhefjen

Dienstag, ü. April

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: es© 51. Redaktion: 12. Tel.-Adr.:AnzeigerGleßen.

yaupiversammluug des hefsischen Oberlehrervcrein;'

V B c n s h e iiü a. b. B., 30. März.

Vorgestern und gestern fand hier die 28. Hauptversammlung des Hess. Oberlehrcrvercins unter zahlreicher- Beteilignug aus allen Teilen des Landes statt. Es ist in letzten Jahren fester Gebrauch geworden, an bcnr ersten Tage nur wissenschaftlich? Fachsitzungen zu veranstalten. Tast man die Vorzüge dieser Ein­richtung, die es den Fachlehrern ermöglicht, ihre Erfahrungen auszutauschen und neue Probleme zu besprechen, rasch erkannt hat, beweist der Umstand, dast dieses Jahr zu den bereits bestehenden Llftteilungen zwei neue traten, eine der evangelischen Religions­lehrer und eine'geschichtliche. Tie Sitzungen waren alle arbeits­reich, aber keiner verliest sie, ohne reiche Anregungen empfangen zu haben. So legte in der VvrMittagssitznng der mathema­tisch - n a t u r w i s s e n s a f t l ich e n Abteilung Professor Biedenkopf -Grost-Umstadt den Entwurf eines biologischen Lehrplans vor, der von dem auf der vorjährigen Versammlung gewählten Ausschust ausgcarbeitet war. Der Entwurf wurde mit einigen unbedeutenden Zusätzen - angenommen, ebenso eine Ent- schliestung, die durch den Vorsitzenden des Ausschusses Tirekror Schnell-Butzbach der Regierung überreicht werdet, wird.

Sodann berichtete Prof. H v f sm a n n - Heppeulfeim über die Tätigkeit des nvath.-naturwissenschaftlichen Arbeitsausschusses und über die Zusammenkünfte von .Fachgenossen in den einzelnen Provinzen.

In der Rachmittagssitzung, an der 73 Herren teilnahmen, wurde zunächst beschossen, im! kommenden Jahr eine Neubearbeitung der mathematischen Lehrpläne vorzunehmen und die Msbildung der Referendare zu erörtern.

Tann folgten. 3 Vorträge über Schülerübungen: von Prof. Kalbfleisch über physikalische, von Oberlehrer Mann­heimer über chemische und Oberlehrer Bei sin g en über bio­logische Hebungen. An jeden Vortrag schlost sich eine kurze Aus- sprache an, dann wurde eine Entschließung gefaßt des Inhalts, dast verbindliche physikalische und chemische Schülerüöungen auf der Unterstufe am uottvendigsten sind und dast auch der biologische Unterricht der Unterstufe durch planmäßige Förderung der'Selbst­betätigung der Schüler zu einew Uebtmgsunterricht werden soll. Tie Einrichtung von Uebungen jeder Art auf der Oberstufe sei daneben anzustreben.

Schließlich wurde auf Anregimg von Pros. Balser-Darm­stadt noch eine Entschließung über die künftige Gestaltung der Fortbildungskurse für Oberlehrer angenommen.

_x. In der altsprachlichen Abteilung sprach zunächst Direktor L a u r e s ch l ä g e r - Worms überMoltkcs Briefe aus der Türkei als Erläuterung zu äenophons Anabasis". Seine Ausführungen wurden ergänzt durch Herrn Generalleutnant z. D. von H o f f m e i ft e r Exz.-Heioelberg, der aus eigener Llnschauung die in Betracht kommenden Länder kennt, mit demXenophon in der Tasche" den Spuren dieses griechischen Söldnerführers folgte imb sein reiches Wissen auch in mehreren wertvollen Büchern niedergelegt hat.

Für den Kanon des lateinischen Lesestoffes wurden einige Aenderungen vorgeschlagen. Die vorgetzragencn Wünsche gehen zumeist darauf hinaus, aus der Oberstufe die Möglichkeit größerer Mwechfelung durch Zulassung weiterer Schriftsteller zu schaffen.

In der u e u s p r a chl i ch e n A b t e i l n n g sprach nach einem' von Prof. Dr. Hellwig-Mainz erstatteten Bericht über die Tätigkeit der hessischen Auskunftsstelle für Ausländsaufenthalt bcLr?eu^lto^m Prof. Dietrich-Darmstadt über die Aus- ü^ttn der franzö sischen Lektüre. Nach eingehender Aussprach e stimmte die Versammlung den von ihm vorgeschiagenen Leitsätzen zu.

Ausschuß soll der nächstjährigen Versammlung bestimmte Vorschläge über die in den höheren Schulen zu lesenden Schrift­steller machen.

VN der ^achsitzung der ev. Religionslehrer be- richtet Prof. B ampas-Friedberg über den Fortgang der Aus- ichuparbert, betreffend Reform des Lehrplans für den ev. Reli­gionsunterricht an den Oberen Schulen Hessens. Einmütig wurde der Anschluß der Hess. Religionslehrerkonferenz an den neuge- grürrdeten deutschen Verband ev. Religionslehrer beschlossen. Prof. Becker-Mainz erstattete einen Bericht über den ev. Religions­unterricht int Organismus der höheren Schulen, woran sich eine sehr Lebhafte Aussprache anschloß.

In der geschichtlichen Abteilung verlangte Prof. Dietz-Darmstadt, daß dem Geschichtslehrer auf der Oberstufe auch der Zeit nach die Möglichkeit gegeben werde, das durch die Lehrpläne gesteckte Ziel zu erreichen, olme sich auf bloßes Ein- pvägen des äußeren Verlaufes' der Ereignisse beschränken zu müssen. Gleichzeitig zeigte er den Weg, auf welche .Weise die zu verlangende dritte Geschichts stunde gewonnen werden könne. Oberlehrer Dr. Büttner-Offenbach zeigte sodann in einem1 sehr beifällig auf- genonimenen Vortrag ein neues Hilfsmittel im Geschichtsunter­richt, die graphische Darstellung gleichzeitig nebeneinander er­folgender Veränderungen und Entwickelungen verftlnedener Staaten in territorialer Hinsicht. Es wurde von vielen Seiten gewünscht, dast der Gebrauch dieses Hilfsmittels dem Lehrer in der Schule möglich gemacht werde durch Drucklegung der vorgezeigten Skizzen.

Der gewiß arbeitsreiche Tag schlost mit einem durch den Bensheimer Ortsverein unter dem Vorsitz von Prof. Henkel- mann vorzüglich boibereiteten und außerordentlich gemütlich ver­laufenen Begrüstungsabend in den herrlichen neuen Räumen des Deutschen Hauses", zu dem auch die Spitzen der Behörden von Bensheim erfästenen waren.

Der Samstag begann mit einem Ißundgang durch die Stadt und eurer Besichtigung der Eulerschen Papierfabrik. In der dm: auf folgend en ni ch t ö f f e n t l i ch e n Versammlung, die wie die Hauptvcrsamnilung in Vertretung des erkrankten Vor­sitzenden Prof. Beck-Mainz von Prof. Heb d a eus Darmstadt geleitet wurde, wurde eine große Zahl Vereinsangelegenheiten besprochen und erledigt. Tie Neuwahl des Vorstandes ergab eine Wiederwahl der seitherigen Mitglieder. Innerhalb des Vorstandes mußte jedoch eine Aenderung in der Aemterverteilung statisindrm, da der seitherige verdiente Vorsitzende des Vereins Pros. Beck- Mainz aus Gesundheitsrücksichten schon im Laufe des Jahres sich gezwungeir sah, sein Amt niederzulegen. An seine Stelle tritt im kommenden Jahre Prof. Altendorf-Giesten, seine Verttetung übernimmt Prof. H e d d a e u s - Darmstadt, das Amt des Schriftführers und Rechners Assessor P o ep p e r l i n g - Darm­stadt. _ Tie Versammlung schlost mit einem Vortrag von Prof. B a l s e r - Darmstadt über den Turnunterricht. Tie von iljm aufgestellten Leitsätze wurden einstimmig angenommen und die Drucklegung des Vortrages beschlossen, da man der Ansicht war, dast die von großer Sachkenntitis zeugenden Ausführungen jedem Amtsgenossen zugängig gemacht werden müßten.

Gegen 2 Uhr begann bann bte Hauptversammlung, Au der sich als Vertreter ber Schuhabteilung bereit Vorsitzender, Geh Rat Süsfert, eingefunben hatte. Außerdem waren er- fthtenen Vertreter ber Stadt und des .Kreises Bensheim, Land- tagsabgeorbneter A u l e r - Bensheim nnb Vertreter ber Philo­logenvereine von Baben, Württemberg und Hessen-Nassau. Prof. Heddaeus begrüßte bic Erschienenen und erstattete fobann Atttcht über das abgelaufene Vereinsjahr. Im Mittelpunkte des Interesses stand die von Pros. A l t e n d o r s - G-i e ß e n vorgc- ttageuc Stellungnahme zu ber BesolduugSord- uung. Es kam hier noch einmal die tiefgehende imb allseitige

Unzufriedenheit der hessischen Oberlehrer mit der neuen Be- soloungsvorlage zum Äusoruck, und die in langem Beifall sich äußernde Zustimmung zeigte neben der ohne Aussprache ein- stimmig^ durch Akklamation erfolgten Annahme einer Ent schließung, dast der gesamte Oberlehrerstand geschlossen hinter setnen alten Forderungen steht., Tie Entschließung lautet:

1. Tie neue hessische Besoldungsvorlage hat in der Hess. Oberlehrer schäft eine allseitige und tiefgehende Unzufrieden­heit hervorgerufen. Tenn in ihr hat die alte grundsätzliche, von der gesamten deutschen Oberlehrerschast vertretene und in fast allen, unter ihnen den maßgebenden, deutsäfen Bundesstaaten schon seit Jahren erfüllte Forderung, die Oberlehrer den Richtern an den Amts- und Landgerichten und die Sch n l - d t re k t or c n mindestens den Landgerichtsdirektoren völlig gleichzustellen, wiederum keine Beachtung gefunden. Tie hessische Oberlehrerschaft wird sich nicht eher zufrieden geben, als bis dieser gerechten Forderung Genüge getan ist.

- Mit den anderen Gruppen der akademisch gebildeten Be­amten hält sie es für unbedingt notwendig, infolge der Steige­rung ber Kosten ber Lebenshaltung nicht nur ben unteren und mittleren, sondern auch den akademisch gebildeten Beamten dieselben Tienstbezüge zu gewähren, die ihre Amtsgenossen im Reich und in Preußen schon seit 1908 beziehen.

~ Zum Schluß der Hauptversammlung ergriff Oberlehrer Dr. S p i l g e r-Bensheim das Wort zu einem Vortrag über: Aus­gaben und Ziele des naturwissenschaftlichen Unterrichts.

Es schloß sich das gemeinsame Mittagsmahl an. Als Ort der nächsten Tagung wurde Oppenheim bestimmt.

Tagung -er fortschrittlichen Zugendvereine zu Lranksurt a. M.

Tie Jugendvereine ber Fortschrittlichen Volkspartei hielten am 29. unb 30. März in Frankfurt eine Konferenz ab, an ber die Vertreter von etwa 40 Vereinen teilnahmen. Im dlnschlust an den letzten Parteitag ber Volkspartei in Mannheim hatte bereits eine Vorbesprechung stattgcfnnden, unb hier in Frank­furt sollte nun die Stellung ber Jugendvereine zur Gesamtpartei, sowie ihre Stellung imterhalb der deutschen Jugendbewegung überhaupt, erörtert und festgelegt werden. Nach der Begrüßung ber auswärtigen Gäste wurde am Sonntag Bericht über den Stand und die Arbeit der einzelnen Vereine erstattet. Der Sonntag brachte Vorträge von Tr. Heller-München, Dr. Michel-Frankfurt, Hans Maier-Frankfurt, Heile-Berlin und int Anschluß, daran eingehende Beratungen. Dabei waltete der einmütige Wille, keinen Keil in die Gesamivartei zu treiben imb ihr so zu schaben, sondern sic in ihrer Stoßkraft zu stärken burch bic politische, staatsbürgerliche Erziehung der Jugend und durch Ucberitahme der organisatorischen Kleinarbeit. ?luch die Frauen sollen in den Jugendvereinen zur Miiarbeit erzogen werden. Ein Antrag der Frau Voß-Zietz, der das zum Ausdruck bringt, wurde einstimmig angenommen. Mit der Zentrale ber Gesanttpartei sollen Verhandlungen gepftogen werden, um der Jugend den nötigen Einfluß zu verschaffen. Ter Vorsitzende des Zentralaussckulsses, Landtagsabgeordneter Funk- Frankfurt, hatte bic Delegierten herzlich begrüßt.

Der Gießener Fortschrittliche politische Bildungsverein war durch bic Herren Landtagsabgeordneter Prof. Urstadt unb canb. Phil. Braun vertreten.

Zum Schluß fand eine öffentliche Völksversammlung in der Börse statt, in der bic Herrn Rudolf Ocser - Frankfurt, der Vizepräsident der zweiten badischen Kammer Oskar Muser, Frau Voß-Zietz und Redakteur Heile-Bcrlin Ansprachen hielten.

Zur Behandlung der Heere;- und Steueroorlagen im Reichstag.

X Berlin, 31. März.

Die Fraktionen des Reichstags werden sich mit den Heeres- und Steu.ervorla.gen in Fraktions- sitzungen bereits am Donnerstag dieser Woche beschäftigen. Um den Meinungsaustausch innerhalb der Fraktionen zu ordern, werden einige Tage sitzungsfrei bleiben, um in der zweiten Aprilwoche die erste Lesung Iber neuen Vorlagen vor­nehmen zu können. Man rechnet damit, Idäß die Fraktionen nr ihre Fraktionsfitzungen etwa 3 Tage brauchen werden. Die erste Lesung der neuen Vorlagen wird voraussicht­lich eine ganz,e Woche in ^Anspruch nehmen. Der A e l t e st e n- ra t des Reichstags wird sich über die geschäftliche Behand­lung^ der Vorlagen und die Arbeitsdispositionen im April ebenfalls im Laufe dieser Woche schlüssig machen. Bezüg­lich der geschäftlichen Behandlung der Vorlagen soll der Vorschlag gemacht werden, die .Heeresvorlage bem Budget­ausschuß zu überweisen, der den Militärvoranschlag noch zu beraten haben wird, und der mit der Voranschlagsbera­tung noch etwa zwei LÄock>en beschäftigt sein wird. Äe ein- zielnen Steuergesetze sollen einem besonderem Ans­chuß, ähnlich wie bei der Finanzreform, zur Einzelbera­tung überwiesen werden, damit diese Vorlagen sofort nach der ersten Lesung der Ausschußberatung unterzogen werden können. Man hofft auf diese Weise, in der Hauptsache das Schicksal der Steuer ge s e tz e im Ausschuß bis

Pfingsten entscheiden zu können.

Während ber Pfingskserien hätte alsdann die Regierung Gelegenheit, über strittige Punkte in den beiderseitigen Auf- assungen Verhandlungen mit den Parteien zu pflegen. Das Kriegsministerium legt nach wie vor Wert darauf, die Heeresvorlagen bis Pfingsten verabschiedet zu sehen, da durch die Vorlagen, die zu einem gewissen Teile bereits am 1. Oktober in Kraft treten werden, auf militärischem Gebiete umfangreiche Vorarbeiten notwendig werden. In Regierungskreisen hat die verschiedenartige Auffassung der neuen Gesetze in der Presse keine Verwunderung erregt. Man hofft, trotz der abfälligen Kritik in manchen Organen, nrit dem Reichstage in kürzerer Zeit, als vielfach angenom^ men wird, eine Einigung über die neuen Steuern herbei- sühven zu i'önnen. Die beni Reichstage unterbreiteten Vor- chläge des Bundesvats sind eben nur Vorschläge, die abzu- änbern das verfassungsmäßige Recht des Reichstags ist.

Sitzung de; provinzialtage; von Gberhessen.

= Gießen, 31. März.

Anwesend: Der Vorsitzende Provinzialdirektor Geheimerat Dr. 11 fing er, 18 Mitglieder sowie die Kreisrätc der Provinz und ihre Stellvertreter, Baurat Schöberl, Darmstadt.

Ter Vorsitzende heißt die Erschienenen willkommen, stellt fest, daß die Einladungen rechtzeitig ergangen sind und die Versamm­lung beschlußfähig ist. Ihr Nichterscheinen haben neun Ab­geordnete entschuldigt. Der Vorsitzende widmet dem verstorbenen Mitglied des Provinzialausschnsscs, Geh. Hoftat Dr. B i c r m c r warme Worte ber Anerkennung unter Hervorhebung seiner Ver­dienste um bic Provinz. Die Versammlung erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen von den Sitzen.

Hieraus werden die Mitglieder Ph. K c l l e r IV.-Melbach unb Bürgermeister Kromm -- Schotten zu Urkundspersonen be» ltellt und der Protokollführer verpflichtet. Sodann wird in die Tagesordnung cingctrctcn:

1. Rechnung der Provinzialkasse und Ver­waltungsbericht für 19 11. Der Vorsitzende bemerkt, daß Bürgermeister Stahl-Friedberg bic Rechnung vorgeprüft unb einige 'kleinere Anstände gefunden habe, bic erledigt wordm seien. Nachdem die Rechnung zirkuliert hatte, genehmigte der Provinzial­tag die Krcditüberfchreitungen zu Lasten ber nachgewiesenen: Deckungsmittel sowie die Ausstänbe imb erteilt dem Rechner die nachgejuchte Entlastung, vorbehaltlich Genehmigung der Rechnung durch die Oberrcchnungskammer.

2. Voranschlag ber Provinzialkasse für 1913. Der Vorsitzende verliest bic einzelnen Rubriken. Zu Rubrik IV, 1,Kreisstraßen", spricht Graf Solms-Lau­bach den Wunsch aus, daß auch bei neuhergestellten Straßen sofort Material angefahren werde, damit der Straßenwärter jeder­zeit in der Sage sei, entstehende Schäden auszubessern. Er emp­fiehlt als Material Grus, mit dem er auf den seiner Verwaltung: unterstehenden Straßen gute Erfahrungen gemacht habe. Wenn die Straße allerdings kurze Zeit nach ihrer Walzung wieder ver­fahren sei, bann müsse man sich überlegen, ob man nicht zu anderen Hilfsmitteln, wie z. B. zu Kleinpflaster, greifen müsse. Weiter scheine cs ihm, als ob auf bic Bankette an den Kreis­straßen zu viel Arbeit verwendet werde. Für Wasserabführung müsse man ja sorgen, aber er wisse nicht, warum bic Bankette alljährlich abgehoben imb bas Gras beseitigt werbe, sowie bic Randsteine glatt gehauen würden. Es scheine dies mehr aus Schönheitsrücksichten zu geschehen.

Bau rat Hechler: Im Kreise Gießen sei feineres Deck- matenal beschafft worden. Die Erfahrungen seien zum Teil gut. Sie seien schlechter bezüglich ber Straßen, bic viel Verkehr hätten. Ta werde der Grus sehr bald zu Mehl gefahren. Die Versuche erforderten Zeit, ebenso wie die Ausbildung des Personals in ber veränderten Straßenunterhaltung. Die Bauverwaltung hoffe, auch da noch Besserung zu erzielen. Daß auf die Bankette zu viel Arbeit verwendet werde, glaube er nicht. Das Gras müsse beseitigt werden, nm die Straße zu entwässern und sie vor Ver­schmutzung zu schützen.

Der Vorsitzende ist ber Meinung, baß die Straßen besser sein könnten. Er glaube, daß an ihrem schlechten Zustanb mit auch der Fortgang ber Feldbcreinigungen schuld fei; früher seien bic Kreisstraßen bestimmungsgemäß Verbindungswege von Ort zu Ort gewesen, jetzt seien sic eigentlich der große Schlauch, in den alle paar Hundert Meter ein Feldweg münde. Die Pro­vinzialverwaltung bleibe bestrebt, eine Besserung ber Straßen int Rahmen des Möglichen herbeizuführen.

Gras Solms-Laubach: Kleine Unterlassungssunben rächten sich gewöhnlich später. Wenn die vorhandenen Wärter die Arbeit nicht allein bewältigen könnten, müßten eben Hilfs­kräfte angenommen werden. Dann müßte auch ber Straßen­meister etwas mehr auf der Strecke sein. Neu gewalzte Sttaßen dürften erst freigegeben werden, wenn trockenes Wetter sei.

Oekonomierat F a l ck - Friedberg bemerft, die Anforderungen an die Sttaßen seien gewachsen. Vor allen Dingen ruiniere der Automobilverkehr und besonders ber der Lastautos bic Straßen mehr als bic Feldbereinigung. Der Nutzen, ber ber Landwirt­schaft aus den besseren Sttaßen erwachse, komme ber Allge­meinheit zugute.

Kreisrat Schli c pHa ke-Friedberg bestätigt, daß die Feld- bereinigung mit zu bem schlechten Zustanb ber Kreissttaßen bei­trage. Tic Kreisverwaltung freue fich, wenn bie Fclbbcreinigung zu staube komme, aber wenn sie ben Gemeinben biesen Vorteil zuweube, müsse man auch verlangen, baß die Abfahrten ord­nungsmäßig unterhalten würden. Hauptfäckstich sei allerdings der 9lutomobilvcrkehr schädlich. Es wäre wünschenswert, wenn erreicht werden könnte, daß die von außerhalb in die Provinz kommenden Lastautomobile nicht so überladen würden, wie dies vielfach geschehe, oder daß die Besitzer wenigstens zu ?£bgaben herangezogen werden könnten. Die Lastautos machten den Ge­schäftsleuten Konkurrenz und ruinierten obendrein noch die Straßen. Auch die schmalen Felgen der Wagen setzen den Straßen zu. Sämtliche Kreise müßten sich vereinigen, um gegen derartige Dinge Vorkehrung zu treffen.

Graf Solms-Laubach: Daß die Landbevölkerung der Wohltaten der Feldbereinigung teilhaftig werde, freue jeden. Aber dafür könne auch der Bauer einmal still halten und seine Reifen von dem Schmutz fteimachen, ehe er auf bic Straße fahre, damit die Kreissttaßc nicht verunreinigt werde. Das tue er jedoch nicht. Nur die schnellfahrenben Automobile schädigten die Straße und zwar besonders an den Sttatzenbiegungen.

Zn Rubrik IV, 3 wird ein Antrag des Kreisamts Friedberg auf grundsätzliche Genehmigung des Baues ber Straße RendclGronbau als Kreissttaßc zurückgeslellt.

Zu Rubrik IV, 4 beantragt Bürgermeister Al les - Nieber- Florstadt für btic Herstellung von Großpflaster in der Ortsdurch­fahrt Vilbel einen Bettag vorzusehen. Kreisrat Schliephakc gibt die Begründung zu diesem Anttag. Der Vorsitzende er­klärt, daß der Provinzialausschuß sich grundsätzlich gegen ben Anttag ausgesprochen habe.

Der Provinziallandtag lehnt 'gegen 6 Stimmen ben Antrag ab.

Kommerzienrat Hoos - Lauterbach bittet den Zuschuß aus dem Wasserwerk Inheiden nicht weiter zu ermäßigen, damit die Kreise Alsfeld und Lauterbach, bic von dem Elektrizitätswerk vorläufig nichts hätten, nicht schließlich erhöhte Umlagen zahlen müßten.

Der Vorsitzende erwidert, baß dies auch bas Bestreben der Provinzialverwaltung sei. Ucbrigens sei diese ernstlich be­müht, an die Elckttizitätsversorgung der Kreise Alsfeld unb Lauterbach heranzugehen.

Hierauf wirb der V o r a n sch l a g der P r o v i n z i a l k a s s e mit einer Einnahme und Ausgabe von 93 5 7 9 2,77 Mark genehmigt.

Sodann wird ber Voranschlag des Wasserwerks burdiberatcn unb mit einer Einnahme und Ausgabe von 8 6 8 6 0 0 Mark genehmigt.

3. WahleinesMitgliebesunbeinesErsatzmit- äl i cb es des Provinzialausschusses. Für den ver­storbenen Geh. Hofrat Professor Dr. Bicrmer werben bas seit- henge Ersatzmitglicb Oberbürgermeister Mecum als Mitglied für das von hier verzogene Ersatzmitglied Professor Dr. Friedrich, Landgerichtsdirektor Schmeckcnbccher und für Oberbürger­meister Mecum Forstmeister Tr. Weber- KonradSdorf durch Zu­ruf einstimmig gewählt.

4. Wahl eines Mitgliedes des Siechenhaus­ausschusses. Anstelle des verstorbenen Geh. Hoftat Bicrmer wird Landgerichtsdirektor Schmeckenbecher einstimmig ge­wählt.

5. Anträge und Mitteilungen. Auf-Antrag des Vorsitzenden genehmigt bei- Proviuzialtag die vorgekvm- ittenmen unb etwa noch oorkommendcm Mweichungen von den pro jektmäßig festgelegten Leitiingslinien der Ucberlanbantagc.

Baurat Schöberl mackst hierauf kurze Ausfüln'ungen über den Stand der Elekttizitätsverforgung unb bittet besonders, sich