Ausgabe 
9.8.1913 Drittes Blatt
 
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163. Zahrgang

Dritter Blatt

Nr. 185

Erscheint rigllch mti Ausnahme de- Sonntag*.

Zum Bootrunglück in Swinemünde.

An» Freitag abend wurde von den bei der Bootskata» strophe in Swincmünde Vermißten die 9. Leiche geborgen, ein Mann, dessen Persönlichkeit bis jetzt noch nicht scstgcstcllt werden konnte. Die dieTägl. Rundschau" berichtet. lagen zur Zeit des Unsalls 7 Segelboote und 2 Barkassen am Strand. Die Bootsleute erklärten:das geht uns

Samstag, 9. August 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brüdl'lchen Universität« - Buch- 4mb 6teinbrudectu R. Lange, ©icuen.

Das Gesetz über die dreijährige Dienstzeit in zranlreich.

Paris, 8. Aug. Das Gesetz über die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit wird heute im Amtsblatt ver­öffentlicht. Nach den amtlich richtig gestellten Ziffern wurde das Gesetz im Senat mit 244 gegen 36 Stimmen angc nommen und zwar stimmten daiür 37 Mitglieder der republikanischen Linken, 51 der republikanischen Vereinigung, 119 Mitglieder der demokratischen Linken, 6 republikanische Wilde uitd 31 Konservative. Dagegen stimmten 34 Mit­glieder der demokratischen Linken, darunter die ehemaligen Ministerpräsidenten Maurice, Faure und Pclletan und zwei ehemalige Sozialisten. Die ehemaligen Ministerpräsidenten CombcS und Sarrien, sowie Destournellcs de Constant ent­hielten sich der Abstimmung.

DerMalin* stellt auf Grund der Abstimmungs­ziffern der Kammer und des Senates fest, daß das Dreijahr- gesetz in beiden Körperschaften zusammen mit 602 gegen 240 Stimmen angenommen wurde und im Parlament eine ungeheure nationale Mehrheit erzielt habe, aber auch eine beträchtliche republikanische Mehrheit habe sich für das Gesetz ausgesprochen. Tenn wenn man von den Ziffern die Stimmen der Bereinigten Sozialisten und der Konservativen abzieht, so sicht man, daß von den Republikanern der beiden Körperschaften 388 für und 167 dagegen gestimmt haben

Tiefilcfjcner ZamilievdläUer" werden dem Sinniger' viermal wöchentlich beigelegt, bal KreisUlatt für den Kreis Stehen" zwennal wöchentlich. TieLandwirt,'chaftlichea Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Vcrmtidhtcf.

t Die Klaue des Wieners , n L o n d o n. Ein ami'i- santes Gespräch mit einem der fUhlfllicber de« Wiener Arbeiter- bilbungsvereins, der in diesen Tagen der britischen Hauptstadt cmcit Besuch abslaltete, verösientlicht ein Londoner Blau. .Eure eng- lischcii Mädchen sind slitz,- erklärte der gemütliche Wienv begoiilert. dann aber fetzte er schn,erzlich h'nzu,aber Gucr englisches Bier ist sauer. Ja, die Mädchen Und entzückend, sie habei, so amnntige Gestalten und kleiden sich so natürlich. Aber Euer Bier'/ und der Wiener Gast schüttelte ratlo? den Kops, .Euer Bier können wir nicht trinken. ES ist so dick und so schwer und so sauer und es macht uns so schläfrig. Und dann ist cd immer so warm. Bei un5 in Wien ih das Bier leicht und wirb im Sommer immer auf Eis gekühlt. London ist sehr schön, aber ich verstehe nicht, worum die Engländer an beiden Tagen bitteres warmeS Bier triiikeu *

* E i ii gefährlicher S ch e i ii w c r s e r. Nach einer Blätter,neldung aus Le Havre hat der italienische Ingenieur Cliui in Gegenwart des Stellvertreters des Generalstabes, General Eastelnau und anderer Offiziere, Versuche mit einem von ihm er- sundenen Scheinwerfer für elelrische Schwingungen vorgenommen, durch welche er angeblich im Stande sei, aus grobe Entfernung jede metallische Masse ausfindig zu machen und, falls diese Spreng- flofie enthält, zur Explosion zu bringen. Llivi soll vo>n Meere aus mittels ultravioletter Strahlen auf eine Entfernung von 23 Meilen Pulver enthaltende Kisten zur Explosion gebracht haben.

Ter gute Diener. Ter Herr, dem eben ein Bern amtmtiert ist, sagt zu seinem Ticner, der tief betrübt an seinem Bette steht:Es tut dir jvobl leid, mich so um ein Bein verkürzt zu sehen?"Ach ja, lieber Herr, nun werde ich nicht mehr Ihre Stiesel tragen können!"

Acrgcr in Rußland.

Petersburg, S. Aug.Nowoje 2S rem ja" und 9t i c t f d)" besprechen den Bukarester Friedensvertrag, ins­besondere die Ueberlassung Kavalas an Griechenland, in fefjr ungünstigem Sinne und beschweren sich in bit­terem Ausdrücken, daß Rußland von den französischen Ver­bündeten im Sticke gelassen worden sei.

Bukarest, 8. Aug. Tie rutsfische Regierung _ wie die Agence Hanas meldet bei der rumänischen Regierimg durch' ihren Gesandten daran erinnert, daß sie sich Vorbehalte, den Friedensvcrtrag, was Kavata anbe- trifft, zu revidieren. Whe verlautet, sei ein gleicher Schritt vcnt Oesterreich-Ungarn kürzlich unternommeit worden «Dieses Vorgehen bat die öffentliche Meinung lebhaft er­regt und wird von der Presse scharf kritisiert.

9 DasBerliner Tageblatt" meldet ans Wien: Wie verlautet, wirb Rußland in der Revision des Bukarester Vertrages auch Kotschana für die Bulgaren fordern. Die öster- reichisckien Forderungen zugunsten Bulgariens dürsten nochweitergehen.

Paris, 8. Äug. DerTemps" kritisiert die Haltung Rußlands in der Frage der Revision des Bukarester Ver­trages viti) schreibt unter anderem: Kann sich Rußland, welches keine Schiffe nach Skutari senden wollte und das Schritt für Schritt gegen die Absperrung Serbiens von ver Adria gekäntpft hat, in ein so unvernünftiges Abenteuer cinlasseu? Don der Ueberzeugung durchdrungen, daß wir. wie immer, auch diesmal von der lebhaften Sorge um die französisch - russische Sache beseelt sind, haben wir die äußerfteuFolgen derjenigemPolitik im Auge, in welche die österreichisch-ungarische Diplo­matie Rußland hineinzuziehen hofft und wir beschwören unsere Derbündeten, daß auch sie diese Folgen ins Auge fassen mögen. Wenn ein großes Reich sagte einmal Fürst Bulow Forde­rungen aufstellt, dann muß cs um jeden Preis notgedrungen deren Erfüllung anstreben. Rußland kann und darf diese Genugtuung nicht um jeden Preis anstreben. Seine Heber- lieferungen, seine Verpflichtungen und seine Interessen raten ihm, den Bukarester Vertrag in seiner gegenwärtigen Form anzunehmen. .

DasBerliner Tageblatt" meldet aus Osenpest: Mit Be- fiimmrbeit" wird behauptet, das- Rußland auch Frankreich für die R e v i s i o n s P o l i l i k gewonnen habe. (?)

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftroße 7. Expedition und Verlag:

Redaktion: 112. rel.-AdraAnze,gerLlevew

Sport.

Eaffel» 9. August Zunr diesjährigen VerbaudSfeste des Deutschen S ch iv i m m v e r b a n b e S waten bereit# gestern Mannschaften von -13 Regimentern au5 allen Gauen Deutschlands hier einaelroffen, um sich um den vorn Ävteg6mhü|tctiuin gestifteten Ehrenpreis zu bewerben.

Märkte.

Gieheu, 9. Aug. M a rktberi chk. ?luk heutigem Wocben- markte kostete: Butter baS Psiinb l,w1.209'ck^ Hühnereier l Stück R9 Ha, 2 Stück 0 Pfcu, Enteneier 1 Stück 80 Tfg., Gänseeier iet 12 Pt., !iäse das Stück 68 Kasematte 2Stück 56 l-Vu, Tauben pr Tr. 0,801,00 Tlt, Hübner pr. St. 1,60 Bahnen rr. Stück 1,502,50 Eulen pr. St. 2,00- 3,00 Mk^ Gänse dar Psd. 001 0 fVfg., Lchsenfleisch pr. Vld. 92100 1 tg., Rindfleisch pr. Pfund 9094 Pfg^ .'Eihfleijch 80 Pfg. Schiveme- fleisch pr. Pfund 90110 Pfg^ Kalbfleisch pr. Pfd. 94-98 Ifg., Hammelfleisch rr. Pfd. 7096 Pfg., flnrtofidn pr. 100 flg. 5.50 bis c.5O Weitzkratst das Stück 15 bis 30 Pfg- Zwiebeln vet Ztr. 6,008,00 Alk., P'Uch bas Liter 22 Pfq^ Nlifle 100 Stück 5060 Pfg^ per Ztr. 000, Birnen das Pfund 20 bis 30 Pfg., Aepfel das Pfund 20 bis 30 Pfg., Riifdicn 1 Pfund 40-50 Picp, veibelbeeren 1 Liter 40-00 Pfg., Johannisbeeren 1 Pfund 2530 Pfg^ Stachelbeeren 1 Pfund 25-30 Pfg., Himbeeren 1 Liter 5060 Pfg^ Bohnen 1 Pfand 1525 Pfg., Gurken 100 Stück 2,003.50 Mk., Zwetschen daS Pfd. 4050 Pfg. Marktzeit von 7 bis 1 Uhr.

stretch verleitet, selbst roenn es von der Regierung nicht verboten worden wäre. Tie Franzosen, die früher als die eifrigsten -VKkr galten, haben die Erßndung der fiarten al5 nationale- Verdienst tu Anspruch genommen, start > I. soll sich in den Tagen setnes ^.vabti- sinns damit zuerst zerstreut baden. Wer nach rotiienfdMfthdrn Forschungen steht längst fest, bar sie wie das eebad) und die Saiteninstrumente aus Indien gekommen und UMbridKinlicb von den Zigeunern im 13. Fahrl>unden na kl: Europa gebrad)! iturben sind In ihrem llrsprungsort und in ihrer JPinbbvit ivaren bieic Spiele nicht Zerstreuungen, sondern mir ihren flniidolischen -rar- flclhingen dienten sie der Beftagung be-3 Schicksal-, eine Xkftun mimg, die sich ja für die,die nicht alle werden", noch ms beute erhalten hat. Am nu hielt spielte nmn unter Ludwig XIV. vui .Historiker behauptet, daß der Sonnenkönig aus dieser llnterlMltung eine staatlich.' Institution gemacht habe. Ma.zann spielte nach auf seinem Totenbette. Ludwig XIV. Günstling xangeau verdankte seine Beförderung bis zum Großmeister des <Dt. XazaruS- Crbctt» nur dura, seine hohe Wissensckasl auf diesem Gebiete. Marie Antoinette begünftigte das Spiel als höfische Trabitun, Louis XVI. war nur ein schwacher Spieler

Rack der Revolution drangen die verhängnisvollen Marten in alle M1aff.it ein. Maifer Napoleon hat das Spiel nie gdiebt, Moltte soll beim Whist von aller Strategie verlassen gave)en sein. Seit 1815 soll bi? Zahl der Spi'lfläuser in Parts bedeutend nachgelassen haben. Man bulbigt dem Baccarat in den Cercles, anderen Spielen wie Ecartö, Piquet in den Cafös ober in t*it Tvamilicn, aber das Spiel wird nickst mehr als gesellsckxtftltcke' Fettigkeit von einem jungen Manne verlangt, wie es zur Zeit Goethes war. Unsere Zeit ist zu fieber! ift tätig

immer solckxr Anregungen zu bedürfen. Es scheint, als ob bte starten durch andere, nicht minder gefäbrlidjc Nebenbuhler zum Teil verdrängt wurden. Für die Liebhaber grofxr Aufregungen ift iel da, und da3 '<v ttn sen,

Sport knüpft, hat sich aus seiner frülrrcn aristokrattsckxn Be - id;ränfung längst auf die weiteren Sckstchten deS Volkes ver­breitet.

Unter den Hotels der ReichS-Hauvtstadt nimmt dasHotel Er- celnor" gegenüber dem Anhalter Bahnhof, nachdem durch einen modernen Neubau bedeutend erweitert wurde, sowohl an Gröne wie auch an Sccuemlidifeit für bie Gäste, eine führende Stellung ein.

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weitere Unnadjgicbigteit Serbiens und Griechenlands.

Bukarest, 8. Aug. (Wiener storr.-Bureau.) In bei heutigen Sitzung der Friedens-stvnfcrenz tarn es zu Aus- einaut<rsetzungen über bie 5 d) u I u n b M i r rf) c n f r a g e. 1 Cbnnjbl bie Bulgaren erklärten, baß sie bereit seien, bi? i liberalste Form hierüber zu unterzeichnen, lehnten bte \ Serben kategorisd) jebe Verstänbtgun g ab , m sie weigerten sich sogar, in eine Diskuffton über diese Frage einzulreten. Als hierauf bie Bulgaren erklärten, bar> hiermit ber Gegenstand für die Konferenz erledigt sei, verlangten die Griechen, daß ins Friedensprotokoll eine besondere Abmachung mit Bulgarien über die ^chul- und Kirdiensreiheit auf der Grundlage ber (^egcnfcihgreit auf« genommen werde. Tie Bulgaren sdflugen hierauf vor, daß diese Frage, da sie nid)t mehr alle Verbündeten, fondern mir Griechenland betreffe, und) dem Friebensschluß von Regierung zu Regierung behandelt werde. Darauf crtlärtcn die Griechen lategorisch, daß sie in diesem Falle bie aus Vorschlag des Präsidenten Majorescu zu machenden Er­klärungen nicht annehtnen würben, wonach alle auf der Konferenz vertretenen Staaten wünschen, daß die Großmächte die Türkei zur Achtung gegenüber dem Londoner Vertrag zwingen. Die Bulaaren begnügten sich, zu antworten, daß die Mächte Mittel und Wege "finden werden, die Türken zum Rückzug auf die Lime Enos^Midia zu zwingen. Die Haltttng der Serben, lvelche in ber morgigen Sitzung auch die Erledigung der alten Grenzstreiiigketten zwischen Serbien und Bulgarien er­zwingen wollen, erregt ebenso, wie das Vorgehen der Grie­chen/ allgemeines Aufsehen, da man findet, baß die Grenze ' einer allenfalls zulässigen Pression überschritten loerbe.

Bukarest, 8. Aug. Die Friedenskonferenz hielt beute eine längere Sitzung ab. Der Vorsitzende Mai orescu ließ die Briefe des ö fter reickti s ch - u n g a ri, che n und des russischen Gesandten vom 4. und 6. August zur Ver­lesung bringen, in denen sich diese das Reck)t Vorbehalten, eine Revision des Vertrages von Bukarest zu verlangen. 'Xie beiden Noten gehe n dem zwischen den Krregsfuh- renden erstellen llebereinfomnten voraus, -irr bulgarische Bevollmächtigte Radeff erNärle, er habe burrf) feine Regierung von den Noten Kenntnis, aber die bulflariidxm Dele merken würben den Vertrag auf jeben Fall unterzeichnen. 'Ter Vor- sitzende näbm von dieser Erttarung Radesis Kenntnis und liest sie in das Prokolall einfügen. Sekretär Pissoskr verlas baraut ben Fri deii<wertragSentwurf, wie er von der Konferenz rcbigiert Würbe Der Arttkel l, der den Mschluß des Friedens zwischen den BerträgSmäd teil feststent, nnrb angenommen. Artikel 2 betnfft ben Frieden sivifd-en Rumänien und Bulgarien und bestimmt die neuen Grenzen, und gewährt einen Aufschub von zwei Zähren für bte Schleifung der Forts von Rustschuk und Schumla. unb aiic cVrift von 14 Tagen für Festsetzung ber Grenzttme Im Falle einer Meinungsversckiiedenheit soll das Schiedsgericht Belgiens, vwltanM oder der Scktweiz angerufen werden. Dieser Arttkel wurde gleichfalls angenommen. Artikel 3 betrifft den Frieden zwnchen Bulgarien und Serbien und wurde ber morgigen Besprechung Vor­behalten. Attikel 4 bezieht sich auf die tzttedüsch-bulgarische Grenze und enthält die silausel der Berzidstleittung Bulgariens auf seinen Anspruch auf Kreta. Was die Frage einer En tl chrdr- gung anlrngt, fdiug Griechenland vor. daß diese Frage von einem gemischten Ausschuß geprüft werbe, aber Bulgarien lehnte dies ab unter der Angabe, neuen Miß,Helligkeiten ausMnwichm. Bulgarien gibt den Forderungen Grieck-eiilaiids in der Frage der Schulen und Kirchen nach: die serbischen Delegietten er- närten, die Frage der Sckmlen und Kirchen sei ber serbischen Ver­sa ssnug Vorbehalten und könne nickst Gegenstand des Vertrages sein.

Die -Sitzung wurde aufgehoben mit der Erklärung des Vor­sitzenden Majorescu, baß die morgige Sitzung der Frage der Demobilisierungen und der Ratisikation ber einzelnen Punkte des Frieden-wertrages gewidmet werden soll. Die Unterzeichnung des Frieden-Vertrages soll am Montag stattsinden. Der rumänische Kriegsminisuw teilt mit, daß laut amtlidxr Mitteilung aus dem »roßen >'auvtlager unter ben Truppen 389 Krankheits­fälle a n Edoleraer scheinungen, 425 Verdächtige und 133 Todesfälle an Cholera und anderen Krankheiten zu verzeickmen

nichts an". Keine der leitenden Persönlidsteiten war am Strand. Die Protestversammlung, in der der Badedircktor Verbesserungen versprach, wählte einen Ausschuß zur weiteren Feststellung der Tatsachen und zur Formulierung der dem Badedirektor zu übermittelnden Vorschläge. Der erwähnte Ausschuß trat nach derBasischen Zeitung" bereits Freitag abend zusammen. Es wurde u. a. vorgeschlagen, daß ein Motorboot dauernd auf der See kreuzen solle, derart, daß es bei einem Unfall gleich zur Stelle sein könne und ebenso, daß ein Arzt dauernd am Strande sei. Einer der Geretteten, der einen anderen Verunglückten auf dem Rücken an die Brücke brachte, verlor seine ganze Barschaft. Es wurde eine Sammlung zu seinen Gunsten veranstaltet. An die Mannschaft derHohenzollcrn", die sich außerordent- ick) an dem RettungSwerk beteiligte, wurde ein Dank abgesandt.

Die Opfer der Bovtskatastrophe, bie am gestrigen Frei­tag aufgefunden worden sind, sind Kaufmann Br ahm und ein Sohn, der Sohn des Kaufmanns Goldemann, Kauf­mann Haack, der Sohn des Landgerichtsrats Franke, Fischer Bauer jr., Frau Hedwig Kamprath und die ältere von den Schwestern Holl atz. Die beiden geretteten Schüler sind der 17jährige Gymnasiast Mannstein aus Char- lottenburg und der 20jähr'ige Berthold Friedemann aus Berlin.

Vermißt wird noch die 29jährige Ehefrau des geretteten Kaufmanns Leuchte aus Wilmersdorf. Auck) Doktor Hirsch- Berlin soll zu den Opfern der Bootskatastrophe gehören. Nach der Auskunft der Badeverwaltung sind nach den bis­herigen Feststellungen 13 Personen vermißt, darunter die beiden Fraulein Hvllatz-Neustcttin.

Das ausgesandte Torpedoboot hat an der Unfall­stelle Taucher zu dem gesunkenen Boote niedergehen lassen. Leichen wurden bet dem Boote nicht gefunden. Das Boot wurde gehoben und eingeschleppt. Der Student Simon Blatt au§ Krakau wurde Freitag vor­mittag noch als gerettet ermittelt. Er erklärte, daß er von einem Fischerboote, daS in der Stähe der Unfallstelle hielt, gerettet, bann auf ein Motorboot übernommen und zur Seebrücke gebracht worden sei. Blatt gab ferner an, auf dem verun­glückten Boote hätten sich 20 Personen befanden, darunter vier Tarnen. DaS Unglück ist nach seinem Dafürhalten lebig- sich höherer Gewalt zuzuschreiben. Die Entfernung der Un» glückSstätte vom Strande beträgt etwa 4000 Meter.

lieber Spielkarten unv Kartenspiel.

Einstmals lief in ber französischen Kammer eine Petition um die Reform ber Spielkarten ein. Ein pensionierter Lehrer hatte feine freie Zeit dazu benützt, um die aristokratische Eintttlung der Sptetkatteu in eine republikanische zu verwandeln. An Stelle W ^tzönigs setzte er die vier ersten Präsidenten der Republik, ic von einer Dame ihrer Farbe begleitet. So würbe Mac Mahon, ber auch einen Adjutanten erhalten sollte, von der Zungrrau von Orleans begleitet, während die anderen Präsidenten sich mit Po'izisten statt der früheren Bauern begnügen mußten. Als Viktor Hugo starb, wurde sein Andenken durch neu erfundene Karten ge­feiert Der große Dickster nahm unter den zweiunddreißig Blättern den Ehrenplatz des .Herzkönigs ein, während bie anderen Farben wiederum durch die drei Präsidenten Thiers, MacMahon und Grövit vertreten wurden. Die Damen stellten Wissenschaft, Handel, Znbustrte und i'lderbau dar, eine für einen Poeten übrigens wenig geeignete t'Rsiellschaft. Mit einiger Umkehrung des Rangverhält- nisses mußten Mokiere, Voltaire, Racine, Gambetta zu denVa- Itts" binabfteigen. . .

Die hundertjährige Feier der großen Revolutton im ^ahre 1889 bat natürlich auch auf diesem Gebiete iljrc Schuldigkeit getan. Zn ein m neu erfundenenrepublikanischen" Kattensptel wurden bie alten jedem Spieler heiligen Zeichen als Treffe, Pigue, Cv'ur, Garreau btrrd. Svmbole der Freiheit, Gleichhett, Brüdcr- licksteit und Geselligkeit ersetzt, während bte Könige sich in Frei­heitskämpfer wie WilHckm Teil, Washington, Brutus, Camille Desmoulins verwandeln mußten. Aber die Kartenspieler beteiligten sich an dieser Revolution nicht und blieben bei den alten Subern der Herren, Knechte und der so vornehm blickenden Damen. Auch das sogenannte patriotische Spiel, das 1889 der boulangnmchen Propaganda gewidmet wurde, hätte tooU ntemand zum Staats-

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

Rheinisches

[Technikum Bingen Bra-kenb-

Chsuffeurkursa.