Ausgabe 
9.6.1913 Zweites Blatt
 
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wenn die Stunde der "Not nähe, dann mochte dos Regiment aus "die alten Kameraden rechnen.

Darnach brackffe er ein dreifaches Hurra auf das Regi­ment aus, und die Musik spielte die Nationalhymne.

Nach einem kurzen Imbiß, zu dem .Herr Oesterle, der Inhaber von Steins Garten, in Verbindung mit dem Regi­ment ein kaltes Büfett angerichtet hatte, begaben sich die Offiziere um 9,30 Uhr nach dem Festptatz aus den: Trieb, während die Regimentskapelle um 9,15 Uhr z-um

Zapfen st reich angetreten war. Der Zug bewegte sich von Steins Garten über die Gartenstraße, Ost-Anlage, MoltLcstraße, Kaiser- ANee nach dem Trieb, wo das Gebet gespielt wurde.

Die ehemaligen hundertsechzehner hatten sich inzwischen auf Oswaldsgarten versammelt, um in gemeinsamem Zug gleichfalls nach dem Festplatz zu ziehen. Es war ein außerordentliches Aufgebot, das der patriotische Tag hervorgebracht hatte; zahlreiche auswärtige Kameraden folgten dem Gießener Verein, und der Zug war so groß, daß mehrere Musikkapellen ihn wirkungsvoll glie­dern konnten, wobei die Friedberger Militärschule in kleid­samem Matrosenanzug den Reiz des Bildes erhöhte.

Vegrühungrfeier und Lahnenweihe am Samstag abend.

Kurz nach dem Einzug des Festzuges der ehemaligen 116 er begann in der Festhalle I die Begrüßungsfeier und das Fest der Fahnenweihe des hiesigen 116 er Vereins. Nach einigen von der Kapelle des Jnfantcrie-Regts. Nr. 168 vorgetragenen Musikstücken folgte die Eröffnungsansprache des Vorsitzenden des hiesigen 116er Vereins, Rechtsanwalts Kaufmann, die folgenden Inhalt hatte:

Hocharcsehrclickc Festversammlung! Meine sehr verehrten Damen! Liebwerte Kameraden!

Herzlich willkommen zur Hundertjahrfeier unseres Regiments ' Herzlich willkommen auch zum Feste unserer Vercinsfahncmweihe!

Es ist mir eine hohe Ehre, im Namen des Vereins ehe­maliger 116er in Gießen heute in unterer Mitte begrüßen zu können die Herren Mitglieder unseres ElircnaussckMsses als Ver treter der Regierung, der Landesunivcrsität, der Stadt Gießen und des Regiments, sowie die Abordnungen der hessischen Landes Kriegerkameradschaft und des Jubiläums-Verbandes ehemaliger 116er, des Hassiabezirks Gießen und der Gießener Militärvereine, der bÄden hiesigen deutschen Turnvereine, des Baukrschen Gesang­vereins und des Radfahrvereins von 1885 und endlich so viele liebe Regiments-Kaineraden, die aus nahezu allen Gauen unseres weiten Vaterlandes hcrbcigeeilt sind, um durch ihre Anwesenheit unsere Fahnentveihe zu verherrlichen imd zu verschönern. Der heutige Abend steht unter dem Zeichen treuer Kameradschaft, das durch die Ueberreichung der neuen Vereinsfahne für alle Zeiten einen bleibenden, sichtbaren 2lusdruck finden soll.

Wahrend zu derselben Stunde das aktive Offiziertorps des Regiments seine früheren Angehörigen in Steins Garten begrüßt, sollen wir hier unsere alten Kameraden herzlich willkommen heißen. Die Anwesenheit einer Io starken Abordnung des Offi­zierkorps unseres Regiments zeigt Ihnen, ein wie großer Wert von ihin darauf gelegt wird, die Zusammengehörigkeit des Offi­zierkorps und der Mannschaft öffentlich zu zeigen. Wie groß die Hochachtung der ehemaligen 116er vor ihren alten Offizieren und wie groß die Dankbarkeit gegen diese und die Anhänglichkeit an das Regiment ist, das wirb Ihnen erst der morgige Tag zeigen, an dem 12 000 ehemalige Angehörige aus ganz Deutsch­land und davon allein über 10 000 aus unserer Provinz Ober- Hessen hier antreten werden, um zu zeigen, daß sie auch in des Bürgers Rock die guten Soldatenürgenden nicht vergessen haben.

Wir leben in einer ernsten und schweren Zeit, die uns mahnt zurückzugedenken an die Zeit, in der vor 100 Jahren unser Re­giment gegründet worden ist, nachdem seine beiden ersten Bataillone schon Jahre lang vorher als selbständige Truppenkörper im Norden und Süden, Westen und Osten Europas weit über die engeren Grenzen des Heimatlandes hinaus im Donner der Schlachten Lorbeeren errungen hatten.

Unsere Heranwachsende Jugend hat sich allmählich daran ge­wöhnt, den gegenwärtigen glücklichen Zustand und den Bestand des Deutschen Reiches als etwas Selbstverständliches zu betrachten. Sie vergißt leider nur zu oft, daß unsere ehrwürdigen Veteranen diesen, Zustand erst mit Gut und Blut erkämpfen mußten. Mehr denn je gilt heute das Dichterwort:

Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, utn es zu besitzen!"

Aufbauen ist ja schwer, noch viel schwerer aber ist das Er­halten!

Mannesmut und Manneszucht, Achtung und Gehorsam gegen dw Vorgesetzten, Kameradschaft und Liebe gegen den Nächsten, das sind die Tugenden, die uns während unserer aktiven Dienst- zert, anerzvgen worden sind, das sind die Tugenden, die unser hiesiger Regimentsverein auch im bürgerlichen' Leben bei seinen Mitgliebcrn pflegen will.

Als vor 100 Jahren Blücher auf seinem Zuge zum Rhein durch Gießen kam, widmeten ihm die hessischen Studenten eine Fahne, auf der die Worte standen: ..armis et litteris ad utrumque parati! Zum Waffendienst und für die Wissenschaft, für beide in gleicher Weise gerüstet! Ein stolzes Wort, eine goldene Wahrheit. So soll es, so muß es mit unserem deutsckien Volke sein und bleiben.

Wenn auf irgend jemand nuferer Zeit diese herrlichen Worte Anwendung finden können, so ist es derjenige, besten Namenszug wir vom II. hessischen Regiment mit Stolz auf den Achselstücken oder Schulterllappen getragen haben, S. M. unser allergnädigster Kaiser und erlmbener Regimentschef. Er hat es sich zur Lebens­aufgabe gesetzt, das Heer allzeit auf einer Stufe der Vollkommen­heit und Schlagfertigkeit zu halten, daß es uns den Frieden verbürgt, und daß unter seinem starken Schutz Kunst und Wissen schäft, Handel und Industrie, Landwirtschaft und Handwerk blühen und gedeihen können. Ihn in dieser schweren Älufgabe zu unter­stützen, ist Pflicht eines jeden guten Deutschen, ist Ehrenpflicht eines jeden ehemaligen Angehörigen S. M. hessischen Leib-Regi­ments.

So ziemt es sich auch heute an dem Ehrentage des Regi­ments nnd^ unseres Regimentsvereins, seiner in erster Linie zu gedenken. Ich glaube, wir können dies in keine schönere Form Heiden, als wenn wir das Gelübde unloandelbarer Treue, das wir beim Eintritt in das Regiment durch den Fahneneid abgelegt haben, am heutigen Abend dadurch erneuern und belästigen, in­dem wir rufen:

. S. M. unser allergnädigster Kaiser und erhabener Regiments- ches hurra! hurra! hurra!

Die Glückwünsche der Provinz überbrachte Provin- ziäldirektor Geheimerat Dr. U f i n <?e r mit folgender Ansprache: 1

Hochgeehrte Festversammlung!

Zunächst dem Herrn Vorredner besten Dank für die freund­lichen Worte der Begrüßung, die er dem Ehrenausschuß und dabei auch mir genribmet hat. Ich brauche Sie nicht zu versichern, daß es für uns eure besondere Freude ist, unter Ihnen weilen zu dürfen.

Ihr Vorsitzender bat mich gebeten. Sie im Namen der Pro­vinz Oberhessen heute hier willkommen zu heißen. Ich entspreck'e dieser Bitte gern und begrüße Sie aitt das herzlichste Hat sich doch das Infanterie-Regiment Nr 116 bis zum ^ahrc 1895 ausschließlich aus Ober Hessen rekrutier i und nahezu 11 000 Söhne dieser Provinz werden morgen als ehemalige Angehörige des Regiments hier erscheinen.

In unserer die Kraft jedes Einzelnen bis zum äußersten anspannenden Zeit hört man oft, das vielgefeiert" rxrbc, mehr vielleicht wie nötig. Wir wollen bar über hier nicht rechten.

Es gibt aber Anlässe, wo wir der Feste _b e b ür fe n, wo das sestlose Vor übergehenlassen gewisser Ereignisse gleichbedeutend wäre mit einer Verletzung unseres nationalen Empfindens und mit mangelnder Rücksichtnahme auf Herzenswünsche und Herzens­bedürfnisse deutscher Männer. Wir müssen Gelegenheiten haben um unsere Gedanken über das Alltägliche hinaus zu erheben, und wir in üssen zu diesem Zweck Vereinigungen besitzen, die, aus dem Boden unserer heutigen Gesellschaftsordnung stehend, das den Eltern und Voreltern heilig Gewesene weiter pflegen und auf die kommenden Geschlechter übertragen. Das Bewußtsein von der Notwendigkeit einer derartigen lleberlieferung hat bet der Gründung des Vereins ehemaliger 116 er Pate gestanden und Sie heute hierher geführt. Freudig und opferwillig sind ehemalige Offiziere des Regiments und Mannschaften der alten gedienten Jahrgänge in Ihrem Verein zusammengetreten, um gemeinsam mit dem ihnen ans Herz gewachsenen Heeresteil dessen Jahrhundertfeier zu begehen, bei dieser Gelegenheit alte Be- ziehungen auszufrischen, sowie erneut das Gelöbnis der Treue und des ferneren unverbrüchlichen Zusammenhaltens in guten, und, wenn sie kommen sollten, schweren Tagen abzulegen.

Weit über den Rahmen einer lokalen Feier hinaus geht das, was wir heute abend hier vor unseren Augen sich abspielen sehen. Die Vertreter von 52 Vereinigungen und Vereinen ehe­maliger 116 er sind erschienen, eine gewaltige Zahl, ein Aufgebot, dessen sich, vielleicht nicht alle früheren Vereinigungen ähnlicher Art an anderen Orten rühmen können, ein erhe­bendes Bild echter, treuer, deutscher Kamerad­schaf t. Nicht nur die Vertreter der hessischen Vereine, sondern auch eine ganze Reihe solcher, die sich in anderen Bundesstaaten aus Anlaß der Jahrhundertfeier gebildet haben, weiß ich unter den Anwesenden. S i e alle umschlingt e i n Band, die gemein­sam verbrachte Dienstzeit im 2. Großh. Hess. Jnfanterie-R, aiment sowie das stolze Gefühl, nicht nur während des aktiven Dienstes, sondern auch später allezeit treue Glieder dieses Truppenverbandes und ein schützender Hort der gesetzten Ordnung geblieben zu sein.

Wenn morgen der Landes für st Ihre Linien abreitet, bann wird Ihnen erneut zum Bewußtsein kommen, daß Sie dem hessischen Köntingentsherrn seinerzeit den Fahneneid geleistet haben. Es werden vor den Augen der Aelteren unter Ihnen die Gestalten derjenigen Herrscher wieder Leben gewinnen, die vor dem jetzigen Träger der Krone dieses Landes in Zeiten der Not mit ihren Soldaten Hoffnungen und Wünsche gehegt, Kummer und Sorge getragen, Freude und Begeisterung geteilt haben.

Vorhin ist Seiner Majestät des Kaisers, des obersten Kriegsherrn gedacht worden. Jetzt wollen w i r unter Erneuerung des früher gegebenen Gelöbnisses Seines Hohen Bundes­genossen gedenken, unter dessen Fahnen Sie in vergangenen Zeiten einhergezogen sind, und die heute nod) gerade so stolz flattern wie vor nunmclhr beinahe 43 Jahren, als sie den Hessen fror angrtra gen wurden durch Kampf zum Sieg.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog Ernst Ludwig fron Hessen und bei Rhein Hurra! Hurra! Hurra!

Der Bauer sche Gesangverein sang dann den ChorO Schutzgeist alles Schönen" mit gewohnter Meisterschaft.

Darnach erhielt Provinzialsekretär Lenz das Wort zu seiner

F e st r e d e.

Meine hochverehrten Damen und Herren'!

Ein Militärschriftsteller hat erklärt, daß es dem Soldaten ob­liege, die Güter seines Volkes, die materiellen wie die idealen, zu verteidigen. Zu dieser Verteidigung erscheint in erster Linie der ehemalige Soldat berufen, und aus diesem Grunde ist es immer zu begrüßen, wenn fick eine Kameradschaft bildet, um vaterländische Gesinnung zu pflegen. Es ist nicht so, daß diese Gesinnung unserem Volke ettva fehlte: sie kommt im Gegenteil bei besonderen Anlässen ich brauche nur an den Unfall des' ersten Ieppelin-Lufkschifses zu erinnern elementar zum Ausbruch. Aber es geht heute durch manche Volkskreise ein gewisser Zug nach unverstandener Jnternationalität, der geeignet ist, die Landes­grenzen zu verwischen und die Pflege echt deutschen Wesens zu- ruckzusetzen. Ein Mittel hiergegen bilden fror allem unsere Mi- htärnereine, die den Zweck haben, durch intensive .Kleinarbeit das Natlonalbewußtsem zu stärken. Diese Ausgabe ist also auch von bem Verein ehemaliger 116 er zu Gießen zu erfüllen, deffen Fahnenweihe nur heute begehen Wenn ich aus diesem Anlasse die Geschichte des Vereins kurz schildere, so kann ich sie nur mit geben. Aber sie wird, glaube ich, hinreichend muftnert durch das Fest der Hundertjahrfeier des Regiments.

Zwei Männern verdankt der Verein sein Entstehen. Es sind dres die Herren Ober-Telegraphenassistent Reitz und Bankbeamter Burger. Aus ihre Anregung erklärten sich 41 Kameraden bereit, emen Verein zu bilden. Es wurde eine Versammlung einberufen, unb in biefer, am 17. Mai 1911, der Verein gegründet. Sein Pflege der soldatischen Tugenden und der Anhänglichkeit an das Regiment auch im Zivilleben und ins­besondere Unterstützung des Regiments bei seiner Huiidertjahr- ferer. ^n der ersten Mitgliederversammlung mürben Satzungen angenommen und ein Vorstand mit Herrn Rechtsanwalt Kauf­mann an der Spitze gewählt. Der Verein erfreute sich von An- des Wohlwollens des Herrn Regimentskommandeurs Obersten von Trotta und von den hiesigen Militärfrereineii be­sonders der Unterstützung des Artillerievereins. Aber auch die Beziehungen zu den anderen hiesigen Vereinen waren gute. Bald nachdem die äußeren Verhälttiisse des Vereins geordnet waren, schritt man zum inneren Ausbau. Es mürben Vortragsabende eingerichtet, Uebimgsschießen veranstaltet und eine Sterbebeihilfe- unb Unterstützungskasse ins Leben gerufen.

Söefonbere Tätigkeit erforberten bic Vorarbeiten für das Re rlI^ntCTn den gleichnamigen Regimentsvereinen in Darin-

rm.5, Siegen und in der Wetterau gründete

der Verevi im Januar 1912 den Jubilämnsfrerband ehemaliger 116 er, dessen Mitgliederzahl rund 12 000 beträgt. Die Leitung bc£; Verbandes wurde dem Gießener Verein übertragen und ebenso auf Wunsch des Regimentes unb des Verbandes bic Her­richtung des Festplatzes für unser heutiges Fest.

Dieses soll eingeleitet werden durch die Wechc der von den Damen des Vereins gestifteten Fahne. Sie ist nachgebildet den ireldzeicheii des Regiments und trägt den Wahlspruch des Vereins' ^n Treue fest zu Kaffer und Reich, Fürst und Vaterland". S. M. der Kmser hat^ die Führung seines Namenszuges mit der Krone und L>. K. H. der Grvstl>erzvg die Aufnahme des hessischen Staatswappens in sie genehmigt.

m Das ist im großen und ganzen die Geschichte des jungen Vereins. Welche Summe von Arbeit in ihr verkörpert ist, ver mag nur der zu ermessen, der mit uns tätig.war. 9(ber wir haben cnefc Arbeit gerne geleistet. Wir haben sic getan aus Archäng- llchkeit an unsere Kameraden, aus dbihänglichkeit an das Regi- ment. Wem von uns ehemaligen 116 ern schlüge das Hcrz nicht höher, wenn ^r fron einer neuen Ehrung, von einem weiteren Erfolg des geliebten Regiments hört. Mit ihm ver­binden ims Bande inniger Zuneigung. Mit der Versicherung dieser unserer Anhänglichkeit darf ich unseren herzlichsten Dank an den Herrn Ober ft und bic Herren vom Ofsizierkorps für bic uns seither gewährte Unterstützung verbinden. Es geschieht in der .Hoffnung, daß bic Fäben, die sich hinüber und herüber an- gciponrceu haben, mit dem Feste nicht zerreißen, sondern daß'sic immer fester sich knüpfen mögen. Sie alle aber darf ich wohl aus fordern, unserem Danke zuzusttmmen. Geben Sie ihm und unserer Verehrung Ausdruck, indem Sie mit mir rufen: Das Regiment Kaffer Wilhelm, an seiner Spitze sein verehrter Kvrn- manbeur, pe leben hoch!

Mkt dem Vortrag des meöerlänHffchen Dankgebtzts durch den Bauerfchen Gesangverein wurde dann die

Fahn en weiche borgen onrmen.

Stieb er -Greßen sprach) den von A. Binde- waw verfechten Prolog:

Im Glanz des Jubiläumsfestes Entfalte dich, mein neu Panier, Du unser Höchstes, unser Bestes, Du unsres Bundes stolze Zier! Von zarter Jurcgfrau'nhand gespendet Und Kriegern zugeteilt von Erz, Als ein Symbol uns zugewendet Für unser treues Hessenherz.

Den Frieden lieben wir mit Sehnen, Doch scharf bleibt allzeit unser Schwert, So singen wir mit Fr ä ft'gen Tönen Das hohe Lied vom Manneswert. Die Pflugschar blinkt, es glüht der Meisel In eisenharter Mäniicsfaust, Und flüchtig, wie hn1 Spiel der Kreisel, Das Völkerschicksal vorwärts saust.

Wenn alles wankt, mir stch'n in Treuen Und fest wie unsrer Eichen Mark, Des Vaterlandes wir uns freuen, Stets sei es glücklich, sei es stark! Dock) auch die Not mit blut'gen Zähren Kann nicht erschüttern unfern Sinn: Wir sind bereit, des Fcind's zu wehren, Gebt uns die Losung, führt uns hin!

So flattre denn als Bundcszeichen In Sonnenschein unb Sturmgebraus, Bei frohem Fest unb ernstem Reigen, Vor Fürstenthron unb Bürgerhaus! Und deiner Falten Bilderzierde. Sie sei uns allzeit eine Lehr, Stets eiiizutreten für die Würde Des deutschen Volk's und seine Wehr, Die Krone zeig' uns Deutschlands Größe Als unsres Strebens höchstes Ziel, Das Hessenwappen aber flöße Ins Herz uns heimatlich Gefühl! So führe uns in Friedenszeiten Mit ernster Mahnung an den Krieg, Der gute Gott mag dich geleiten Und deinen Spuren folge Sieg

In seiner

Weiherede führte Pfarrer Schwabe etwa folgendes ans:

Im Glanze des Regimentsfestes, dem letztlich der Verein ehemaliger 116 er seine Entstehung verdantt, soll die Fahne ihre Weihe erhalten.

Was die Fahne bedeutet, sagt uns bic Zeit fron 1813, da die herrlichsten Taten der Treue erlebt wurden. So gewaltig der Feind war, so klein die eigene Kraft, in den Seelen lebte heiliger Wille, alles an des Vaterlandes Befreiung zu setzen. Wenn die Fahnen wehten, dann rüstete sich die Treue.

Was die Fahne bedeutet, wissen die, die unter der Fahne gebient; zumal unsere Veteranen. Welch eine Sprache redeten die alten Fahnen unseres Regimentes, die ihm in allen Schlachten seit 1814 vorgetragen wurden! Aus die Fahne ist der Eid der Soldatentreue geleistet. Der Verein will Erinnerungen au frühere Zeiten beleben, die Treue gegen das Vaterland vertiefen, den Brüdern dienen, als eine Frucht des Festes und feiner Begeisterung weiterbestehen.

Bei welchen Veranlassungen in Zukunft die Fahne entfaltet wird, fie will zur Treue mahnen, gegen den Kaiser, dessen Namens­zug sic führt, gegen Landes fürsten unb Heimat, wie ihr bas Hessen- Wappen eingewoben ist. InTreue feste" Männer mögen sich allzeit um bieS Banner beutscher Treue scharen. DemDeutsch­land, hoch in Ehren, dem heiligen Land der Treu'", erklinge unser Jubellied!

Rechtsanwalt Kaufmann übernahm die Fahne und übergab sie dem Fahnenträger Herrn Balser.

Eine Reihe von Glückwunschansprachen folgte.

Oberstleutnant Jordan sprach als Vertreter des Offizierkorps. Er betonte die herzlichen innigen Bezie­hungen zwischen dem Regiment und der 116 er-Vereini- gung unb sprach die Ueberzeugunr; aus, daß die alten 116 er alle bereit seien, wennber' des Vaterlandes an sie ergehe. Der Verein sei jetzt im Besitz einer Fahne, die das Sinnbild sei für die höchste der deutschen Tugen­den, der deutschen Treue. Als äußeres Zeichen der guten Beziehungen zwischen dem Regiment imb dem Verein über­reiche er den ersten Schmuck der Fahne, eine prächtige Fahnenschleife. Sein .Hurra klang aus in einen Gruß an den Verein ehemaliger 116 er.

Rechtsanwalt Scheer- Lauterbach sprach im Namen der Kriegerkameradschaft Hassia dem Verein Grüße und Glückwünsche aus. Der Verein der 116 er Gießen solle und werde stets nach dem Wahlspruch des Hassiaverbandes handeln:In Treue fest, im Sturme treu!" Er sprach von der Treue, die mau so vielfach in der Geschichte Deutsch­lands, nicht minder aber in der Geschichte Hessens finde. Als Beispiel dafür führte er an, wie 1812 beim Rückzug aus Rußland die treuen Hessen mit ihren Leibern den geliebten Prinzen Emil gewärmt und ihm so das Leben gerettet haben. Auch die Veteranen von 1870/71 könnten von sich sagen, daß sie dem Vaterlande und ihrem Führer Ludwig IV. Treue gehalten hätten. Sein Hurra galt dem Hessenland.

Als-Vertreter des Jublläumsverbandes der ehemaligen 116er überbrachte Telegraphendirektor Fink Friedberg die Glückwünsche und übergab eine Zeichnung, den Faljnen- chrank darstellend, den die Bereinigung dem Gießener Verein gestiftet hat.

Staatsanwalt Trümpert überbrachte die Glück- ivmffche der hiesigen Hassiavereine, deren jüngstes treues Mitglied der 116 er Verein sei. Er übergab als Angebinde ein Brustschild für den Fahnenträger.

Weitere Gllickwuiffchan spr acln n hielten Professor Kr a u s m ü l l e r für den Männerturnverein, Apotheker Hempel-Köln für die Kölner und Dr. Gödecke- Me yer-Frankfttrt für die dortige 116 er-Vereiniguug. Alle drei Redner unerreichten dem 116er-Verein Fahnen­nägel.

Rechtsanwalt Kaufmann dankte mit herzlichen Wor­ten für die dargebrachten Glückwünsche und Geschenke.

Damit war die Reihe der Ansprachen erschöpft, und es folgte ein sehr umfangreiches Unterhaltungsprogramm. Die beiden Turnvereine hatten sich in den Dienst der Sache gestellt und boten recht hübsche imb turnerisch ancrkennens- trerte Leistungen. Der Männerturnverein wär ver­treten mit .sehr hüchsck-enGewandtheits-sStab-Übungen der Damenriege, Turnen der Militärabteilung nm Reck und Pyramiden. Der Turnverein turnte mit seiner ersten Rüge ebenfalls Reck, und die Fechtriege führte eine 9teihe Schauübungen vor. Der Radfahrer-Verein von 1*85 führte ein Zweier-Kunstfahren und einen Sechserreigen vor. Alle Aufführungen wurden mit lebhaftem Beifall auf- genoanmen.

Telegramme an Äaiser und GroßherKvg.

An Kaiser und Großherzog wurden folgende Tele­gramme abgeschickt:

An des Kaisers Majestät, Berlin.

Die zur Hundertiahrfeier des deiten hessischen Infanterie' Regiments unb zur Feier der Fahnenweihe des Gießener Rcgi- _ WenSPereins versammelten ehemaligen Angehörigen Ew.MajeM

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