fit. 256
Drittes Blatt
Mittwoch, 8. Oktober 19,3
163. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Hatte man sich am «ersten Tage der Beratungen neben
häftslokals
iweg47
ier, Salons .rdinen ° Preise
Schönen den Luxus großziehen, sondern gerade das Einfache wünschen und wollen wir, Gefühlswerte allein sollen bei diesem Schmuck sprechen.
Nach weiteren kurzen, unwesentlichen Erörterungen wurde der Antrag mit grober Mchrluit angenommen.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
27. Hauptversammlung der Allgemeinen deutschen Zrauenverems.
bt. Gießen, 7. Okt.
1üDber dem »Prinz Carl“
Redaktion, Expedition und Drlickerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^@51. Redaktion.^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
kurz zusüDW,___
Esistdies der 3. Geschäftsbericht, der von der Zentralstelle
Tie „Gießener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisbldt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
reg 71
gegeben wird. Das 6. Geschäftsjahr war besonders bedeiittings- voll für den Ausbau der Zentralstelle. Leider ist aus der nränir- lichen Seite wenig Entgegenkommen und Gleichgültigkeit unS entgegengebracht worden. Trotzdem zeitigte schon das erste Jahr nicht nur Lebensfähigkeit, auch Lebensnotwendigkeit. Und der Üreis der Wirksamkeit erweiterte sich ständig. Vom Mai 1913 besitzen, wir eine akademisch gebildete Geschäftsführerin, Fräulein Dr. Bernhard, die die auftauchenden Fragen wifsensckxlsrlich verwerten und für den Posten nutzbar machen kann. Die sogenannte Propaganda kann hingegen völlig vernachlässigt werden. Ortsgruppen befinden sich u. a. in Berlin, Frankfurt a. M., Gießen, Hamburg, Köln und Leipzig. Im letzten Geschäftsjahre liefen 154 Anfragen ein, denen 124 Auskünfte gegenüberstehen. 1045 Fragebogen wurden versandt. Zu allgemeiner Freude gehörten zu den Auskunft Bittenden auch mehrere Stadtverwaltungen wegen Neueinrichtungen und neuer Stellungen. Zurzeit übersteigt das Angebot von weiblichen Kräften die Nachfrage bei weitem. Gegen die Quantität der Bewerberinnen tritt jedoch die Qualität zurück. Dem suchen die Frauenschulen entgegen zu ar!?’«eit. Eine besonders erschwerte Aufnahmeprüfung ist im Fra. . .,icr Frauen- feminar zu bestehen. Eine neue Auflage erlebte die Broschüre „Kommunale Frauenarbeit". Die Tabellen wurden (in alle Bundesstaaten gesandt. Es sind leider auch Verluste zu verzeichnen: Travemünde verlor das Wahlrecht, in Oldenburg und Sachsen waren durchaus keine Vorteile zu verzeichnen. In drei verschiedenen Sprachen wurden die Fragcbvgen an 32 Staaten versandt. Die Bogen trafen sehr spät zurück, zum Teil erst nach mehrfachen Ermahnungen. Die Balkanländer versagten vollständig, wohl infolge der dortigen Kämpfe. Soll sich das Institut allmählich als das erweisen, was die Gründung tiof sechs Jahren versprach, so gehören noch größere Geldmittel dazu, die gesamte Frauenbewegung Deutschlands zu unterstützen. Die Zentralstelle darf nicht in pekuniären Schwierigkeiten bleiben, zumal jährlich vom Reservefonds 1000 Mk. vom Kapital genommen werden müssen. Manche Beiträge sind auch zum Teil nur auf drei oder fünf Jahre berechnet.
Im Anschluß nahm Frau Wendt das Wort und ermahnte die Anwesenden, Geld zu sammeln und selbst kräftig zur Förderung der Zentralstelle Hand anzulegen. Die Frankfurter Zentrale solle keine planlose Schreiberei betreiben, sondern alle Kraft einsetzen.
Im Gegensatz zu Frau Wendt, die gern schon heute hier während der Tagung die Sammlung ins Werk gesetzt hätte, hielt es Fräulein Helene Lange für richtiger, das Geld nach dem Sammeln in der Heimat ernzusenden.
Mus der Versammlung heraus wird vorgeschlagen, die Zentralstelle, die sich in Frankfurt a. M. bekanntlich befindet, mit dem Prädikate „Deutsche'" zu versehen, da sie eben* für ganz Deutschland gilt. Doch erhoben sich sofort Stimmen dagegen, die das für überflüssig hielten.
Der Bericht wurde anstandslos angenommen.
Es mag für unsere Leser von Interesse sein, ein an dieser Stelle verbreitetes Flugblatt zur Kenntnis zu nehmen, das die Frage „Was will die Zentralstelle für Gemeindeämter der Frau" behandelt.
Die Zentralstelle für Gemeindeämter der Frau will in allen deutschen Städten darauf hinwirken, daß die Frauen in immer größerer Anzahl an der kommunalen Wohlfahrtspflege teilnehmen. Zu der kommunalen Wohlfahrtspflege gehören vor allem: die Armen- und Waisenpflege, die Ueberwachung der Ziehkinder, die Wohnungs- und Polizeipflege, die Tuberkulose- und Trinkerfürsorge sowie die Schulpflege.
Die Zentralstelle will die Magistrate veranlassen, ihr Interesse in immer steigendem Maße der kommunalen Frauenarbeit zuzuwenden und die städtischen Behörden von der Notwendigkeit der Mitarbeit der Frauen in einer Reihe städtischer Deputationen und Kommissionen überzeugen. (Krankenhaus-, Kinderschutz-, Schul-, Markt-, Arbeitsnachweiskömmissionen usw.) Für die Ausgestaltung der besoldeten sozialen Frauenberufe in der Armen- und Waisenpflege, in der Wohnungs-, Schul- und Polizeipflege, in der .Tuberkulose- und Trinkerfürsorge will die Zentralstelle arbeiten.
Und endlich geht sie bei ihrer Arbeit von der Ueberzeugung aus, daß eine stets wachsende Zahl verständnisvoller, warmherziger und arbeitskroher Kräfte in der öffentlichen Wohlfahrtspflege eine unerläßliche Voraussetzung ist zur Hebung sozialer Mißstände und zur Linderung der sozialen Not.
Daraus folgte ein Vortrag über
die Ausbildung für die sozialen Frauenberufe
von Frau Dr. Elisabeth Altmann-Gottheiner- Mannheim, worin sie folgendes ausführte:
Eine jede neue Umgestaltung, jede neue Erfindung erfordert neue Berufe, eröffnet neue Erwerbsmöglichkeiten. So waren auch die ersten sozialen Berufe nicht erwählt, sondern die hier hervorragenden Persönlichkeiten hatten sich allmählich in den Beruf hineingewachsen und ihre Arbeit hatte sich allmählich zu einem Berufe erweitert. Wie kann nun ein geeigneter Nachwuckis ge- , schaffen werden? Zwei Wege bieten sich der nach sozialer Berufsausbildung strebenden Frau, neben dem Lernen in der Praxis zur Erlangung der geeigneten Vorbildung für einen sozialen Beruf: die im Laufe des letzten Jahrzehnts entstandenen sozialen Frauenschulen und die Universität. Die Referentin schilderte beide Bildungswege in ihrem äußeren Gang. Seit dem Hervortreten des durch die sozialen Frauenschulen berborgenifenen vermehrten Angebots vorgebildeter weiblicher Kräfte für soziale Frauenberufe aller Art hat sich nun die Diskussion erhoben, ob Tür die Ausübung eines sozialen Berufs die akademische Vorbildung oder die auf einer sozialen Frauenschule die geeignetere ist. Als Vorteile des akademischen Studiums werden hervorgehoben: Die Einsicht in die großen Zusammenhänge des sozialen Lebens und in die Kompliziertheit volkswirtschaftlichen Geschehens, die durchführbare Reformen von unerreichbaren Idealen unterscheiden lehrt, die Möglichkeit, wissenschaftlich denken zu lernen, die Vielseitigkeit der Ausbildung. Aber auch die Einflüsse auf den Charakter sind nicht zu unterschätzen. Abgesehen von dem Einfluß, den die Berührung mit hervorragenden Persönlichkeiten des Universitätslehrkörpers der studierenden Fran bringt, ist für die künftig int Berus stehende Frau von Wichtigkeit, daß sie lernt, unbefangen mit ihren männlichen Kollegen zu verkehren. Ein Nachteil des Universitätsstudiums kann allerdings "darin liegen, daß es nicht genügend für spezielle Arbeitsgebiete vorbildet und zu theoretisch bleibt. Eine Ergänzung durch praktische Arbeit ist deshalb nötig, aber auch durchaus durchführbar, wenn auch natürlich die Kosten des Studiums dadurch vergrößert werden. Die Hanptvortetle der sozialen Frauenschule dagegen sind die sofortige unmittelbare
m Ä
;ei Gebrauch von Quietomalz liiert unschädlich. AusfaUen
"12 Apotheken und Drogerien.
^•Apotheke: Sehwieder,
, _ vni| Kreuz-Drog.:
***
Mcrnns. Th.
Daraus wurde ein Bericht über die
„Zentralstelle für Gemeind«"-tt"-- Fran"
des Allgemeinen Deutschen F- » berStiterir* Wif
~ “ ^auenvererng ^^Sieberichtete
Ä“
[)0p |00g iO.0JÄ öS:
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheften
rr'O '
Zahl von Betten gesorgt, wenn auch noch manches darin zu tun übrig bleibt. Weit schwerer ist es, die Frau von den allzu häufigen Narrheiten der Mode zu heilen, die pieift ihren Ursprung in erotyd)en Motiven hoben. Was ist nun von der Frau auf wirt- fchaft kichern Gebiete zu fordern, daß sie einen Einfluß auf die Gütererziehung für die Menschheit haben kann? Zuerst muß sie gutes Verständnis der ntobernen Produktion besitzen, das auf der Grundlage einer Ausbildung der Frau als Käuferin und Konsumentin beruht. Eine eigene Ausdrucksform für die Gegenwart ist zu berücksichtigen, nicht nur für die Gegenstände an sich, auch int Zusammenhang mit sozialen Fragen, mit sozialer" Art eit. Es ist keine Gefahr für das Soziale, wenn wir gute, anständige und schöne Formen zum Einkauf bevorzugen. Daneben ist für eine meh- ökonomische Ausbildung der Frau, vor allem für Barzahlung Sorge zu tragen. Nötig ist daher unbedingt ein inniger Zusammenschluß der Begriffe Käuferin und Hausfrau. Und es ist neben einer Organisation auch dafür Sorge zu tragen, daß die Frau in ihrem eigenen Haushalt selbst nach den gegebenen Anweisungen zu handeln angeregt wird. Ferner ist eine Reform in der Beschäftigung der Frau zu erstreben, wie das schon auf dem Frauenkongreß int Jahre 1912 angeregt worden ist. Die mechanischen Arbeiten, wie das Reinigen der Wäsche, müssen nach dem Vorbild Englands mehr in den Hintergrund treten, damit die Hausfrau Gelegenheit findet, mehr Zeit auf die Erziehung ihrer Kinder, mehr Zeit für die geistigen Interessen ihres Mannes und auf soziale Arbeit verwenden zu können. Zwar ist die Erwerbstätigkeit der Frau durchaus nicht aus der Welt zu schaffen, doch zu verringern, wenn hier die Arbeit richtig einsetzt. Die Arbeit für den Tagesbedarf int Hause, die jahrelang von der Frau geleistet worden ist, ist zum größten Teil aus dem Hause heraus in das gewerbliche Leben übergegangen. Hierdurch sind viele weibliche Kräfte verloren. Hier hat die Frauenbewegung schon vieles geleistet und hat den Frauen die Möglichkeit gegeben, auch den Ausdruck des wirtschaftlichen Gutes in der Gegenwart zu ersetzen. Die Erwerl^wirtschaft liegt in den Händen der Frau und soll in den Händen der Fran liegen. Zur Hebung.der Qualität auf allen Gebieten der gewerblichen Produktion ist eine Anpassung des Haushaltes nötig, um der Frau die Möglichkeit zu geben, auch als Hausfrau ihr Talent zu entwickeln und zu betätigen. Es gibt viele Organisationen, die die Frage schon bearbeitet haben, auch in der Frauenbewegung selbst, und doch muß die Frauenbewegung allein aus sich heraus Mitarbeiten, um ihren Einfluß auszuüben. Das geschieht am besten, wenn sie dazu beiträgt, Hausfrau und Käuferin zu organisieren zum Einkäufen.
IN der folgenden Aussprache ergriff zunächst Frau Traun- Hamvurg das Wort. Sie fühlte sich veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß sich Hamburg bei diesen Vorschlägen kaum getroffen fühlen könne, da solche Maßnghmen schon dort in den Ansätzen vorhanden seien. Besonders die dortige Ortsgruppe des Muferbundes Hut sich um die Beeinflussung der Käuferin verdient gemacht. Eine Reihe von Flugschriften, z. B. über das Tragen der Reiherfedern, über die Bestrebungen des Käuferbundes u. a. sind an die Öffentlichkeit gekommen, ständig werden gewerbliche Vorträge gehalten. Es ist nicht so viel Wert auf das Aesthetische zu legen.
Ebenfalls gegen eine neu zu schaffende Organisation sprach sich Frau Singer-München aus: sie meinte, man solle sich an das Vorhandene anschließen und dieses weiter aus- bauen. Musterhaftes leiste die hauswirtschaftliche Zentralstelle, der sie angehöre, durch Vorträge, Einführung in allgemeine Volkswirtschaft. Wetter weist sie Prüfungsstellen für hauswirt- fchaftliche Geräte auf. In München selbst betätigen sich neben dem polytechnischen Verein und einem technischen Institut auch Privatpersonen an dem Werke. Im einzelnen führte die Rednerin die Hauptpunkte noch Wetter aus, die sich mit diesem Punkte beschäftigen und sämtlich beweisen, wie viel auf dem Gebiet getan worden ist, so da sind: eingehende Erläuterung der Wohnungsfrage und der Wohnungsverhältnisse, Müsterküchen von Arbetter- kindern und Kindern des Mittelstandes, Flugblätter, Verhandlung über nahrhafte und preiswerte Speisen, Diskussionsabende und dergleichen mehr. Endlich soll im nächsten Winter in Nürnberg eine gesamte Wohnungseinrichtung ausgestellt werden.
Eine Dame vom Verbände der selbständigen Schneiderinnen in Leipzig brach für die willkürliche Mode Herrschaft eine Lanze, die in der Industrie den Broterwerb so vieler bedeute. Dem hingegen stimmte sie zu, es sei nicht im Sinne der Deutschen Frauenbewegung, das Laster der Nichtbarzahlung der Gesamtheit zu leiden, worunter viele Schneiderinnen zu leiden hätten.
Nachdem diese Rednerin ein wenig vom Thema abgeschweift war, drückte sich Frau Kirchner -Gera wieder gegen die Gründung einer Organisation aus, und zog mit dem Käuferbunde auch den Deutschen Verkehrsverein und den Dürerbund ins Treffen. Im übrigen sollte, ihrer Meinung nach, jede Einzelne, die für die Frauenbewegung tätig ist, durch ihr gutes Beispiel andere für die gute Sache zu gewinnen suchen.
Die Vorsitzende der Ortsgruppe Halle hielt es für richtig, die Gründung eines neuen Vereins nicht vorzunehmen, da man sehr lokal verfahren müsse. Im übrigen war sie dafür, den Antrag anzunehmen.
Fräulein Gosche meinte: Die Hebung des Massenbedarfs fordere unser Jndustriellismus und Kapitalismus. Die Mode- herrschaft läßt sich nicht übergehen: weil unser hauswirtschaftliches Leben in feinen Einzelheiten sehr rasch dahingeht und fortlaufend Neues bringt, wechselt auch die Mode sehr rasch.
Es wurde weiter erwähnt, daß in den Leipziger Fortbildungsklassen auch von den Lehrerinnen darin Unterricht gegeben wird, sich an der Hand von Anschauungsmaterial den Geschmack für das Schöne zu entwickeln Und zu heben.
Fräulein Dr. Bäumer beklagte, daß bisher so wenig gelungen fei, was in katholischen Vereinen ausgezeichnet glückt. Der Sitz der Unkultur ist aber nicht der Arbeit erstand, im Kleinbürgertum ist er zu suchen. Die Wohnung dieser Leute wird kahl, wenn man alles Häßliche vermeidet, und ihrem Bedürfnis wird damit durchaus nidrf Rechnung getragen. Vorträge zur Verbesserung sind grundsätzlich zu vermeiden. Man muß andere Methoden finden, durch die man ihnen die Dinge näherbringt.
Gegen die von mehreren Seiten aufgerührte Frage, ob die Saisonarbeit im Schneiderinnen- unb ähnlicher Gewerbe nicht besser auf das ganze Jahr verteilt werden könnte, richtete sich ein neuer Einwand mit der Begründung, das sei wegen der erst nach Saisonschluß eingehenden neuen Moden ganz unmöglich.
Fräulein Helene Lange schilderte, wie schwer es ist, einen einmal bestehenden schlechten Geschmack aus dem Menschen herauszubringen. Es ist deshalb ratsam, solche geschmacklosen Gegenstände einfach nicht mehr herzustellen und dadurch das Publikum gewissermaßen zu schulen und auf das Schöne hinzulenkem. Noch ist das Bedürfnis jedoch da.
Erwähnt wurde endlich, daß der Käuferbund zu sehr in Händen von Männern liege. Ferner beschränke man sich sehr oft auf das Thema „Dienstmädchen".
Daraus erhielt die Begründerin des Antrages, Frau Irma Wolff das Wart. Sie entgegnete zunächst Fräulein Dr. Bäumer, in die katholischen Vereine würden die Mitglieder geradezu hineinkommandiert, aber trotzdem können sie sich ganz in die Anschauungen einleben. Großen Wert legt die Rednerin im Gegensatz zu Frau Traun auf das Aesthetische. Nickst richtig aber ist es, wenn uns vovgöworfen wird, rotr wallten durch unser (Streben nach dem
^ie Hauptarbeit ist also getan, und zwar getan mit einer Energie und einem Schneid, der überraschte und den tilnn fonft beim „zarten" Geschlecht gar und ganz nicht ge- «tw-hnt ist. Schon in der selbstverständlichen, zielbewußten Art, w i e -ein jeder Antrag angefaßt, durchgedacht und ; durchgesprochen wurde, lag durchaus nichts von der nichtssagenden, schöngeistigen, vielleicht auch etwas blasierten Theorie, die mancher erwartet haben mochte, hier galt es bitteren Ernst Und eiserne Energie, die mit Kraft und Selbst- I vertrauen die vielen Mißstände und Vorurteile, die sich dem nach Gleichberechtigung ringenden Weibe entgegentürmen, ft überwinden soll.
k Wir kennen unsere deutsche Frau viel zu gut, als daß . sie meint, mit trotziger Stirn schneller zum Ziele zu kommen — heiter und friedlich, zum Teil sehr humoristisch gings zu, > Ivie beim Kaffeekränzchen —, und als daß sie mit vielem j .8arm und innerem Zwist ihre Kraft unnütz aufreiben sollte - ruhig und harmonisch verlief die Sitzung vom Anfang ' tis zum Ende.
U Tie Vorsitzende, Helene Lange, hatte ein leichtes Amt, ihre Klingel trat wenig in Benutzung. Und doch war sie es, die greife Vorkämpferin der Frauenbewegung in Teutschtand, die ganz unmerklich das geistige Oberhaupt, bei, treu sorgenden Hirten bildete. Ihr freundliches Auge Ivar überall, nickte lächelnd einem neu Eintretenden zu, Pb warnend ein stilles Mal)nen zur Ruhe, wenn das Temperament einer Jugendlichen durchbrennen wollte, ein Tclerzwort glättete mit einem Schlage die krausen Stirnen zweier Kampfhähne, vlles das, während sie in liebens- ivürdigster Weise Idem geplagten Pressemanne Auskunft über eint vergessene Zahl des Kassenberichtes gab.
Alle Achtung vor solcher Präsidentin. Sie wird mit ihrem Frauenverein noch manchen schönen Erfolg erringen zuiv Segen der deutschen Frau und Mutter, trenn für alle Pt sie ein offenes Herz.
*
Am Dienstag morgen wenige Minuten nach 9 Uhr wurde die zweite Sitzung der Hauptversammlung in dem großen Hörest der Universität von der Vorsitzenden, Fräulein Helene Zange eröffnet. Sämtliche Teilnehmerinnen an der Hau^ver- iantmtung waren erschienen. Als erster Punkt war auf der Tages- ordn ung der Geschäftsbericht und Verwättungsbericht des Verwal- tung srates der
„Ferdinand- und Luise-Lenz-Stistung"
des "illlgemeinen Deutschen Frauenvereins vorgesehen. Der Bericht löurDe von der Vorsitzenden des Berwaltungsrates, Frau Pauline Voigtländer erstattet. Danach ergab die Gesamtüberficht der Kassenbestände am 1. Oktober 1912 bis 30. September 1913 für Fonds A: 3148,35 Mark, für Fonds B: 8391,59 Mark, für beit Reservefonds: 7970 VLark, zusammen ist also ein Kassen- bcstaud von 19 509,94 Mark aufzuweisen.. Das Gesamtvermögen msttließlich der Kassenbestände beläuft sich für Fonds A auf W3 948,35 Mark, für Fonds B auf 406 191,59 Mark und für den Ugorvefonds auf 18 970 Mark, wonach die Gesamtsumme ein Vermögen von 629 109,94 Mark ergibt. Da die Kasfenrevisorinnen, Gertrude Gebhardt und Marie Settekorn aus Leipzig, die Nrechnuna für richtig befunden hatten, wurde der Kassiererin, Fräulein Lina Langerkamp, auf Vorschlag der Vorsitzenden cmstimmig Entlastung erteilt. Es wurde bemerft, daß die Stiftung 205 370 Mark für weibliche Studenten unb 100 000 Mark für Gymnasiasten ausgegeben hat.
Man schritt dann über zu dem letzten Punkte der gestrigen Logcsordnung, der wegen Zeitmangel zurückgestellt worden war. ft'handelt sich dabei um einen Antrag der Ortsgruppe Halle f[Sa.nIc), der . 1
soziale Konsumtionsprobleme
Lein adelt. Der Antrag lautet:
„Ter Allgemeine Deutsche Frauenverein wolle den sozialen lÄonsumtionsproblemen der Gegenwart erhöhte Aufmerksamkeit y schenken unb die Behandlung der betreffenden Probleme (solche der Wohnung, Wohnungseinrichtung, Kleidung, Nahrung) in den änzelneu Vereinen anregen, gegebenenfalls in besonderen Grup Den, welche vornehmlich auch die Hausftauen zur Mitarbeit l^ranziehen."
Die Begründung war gleichzeitig dem Programm mitgegeben l^bcn; sie lautet: . ,
„Unsere Zeit ist heute wesentlich gekennzeichnet durch soziale Äs nsu m t io nspr obl e me, wie Wohnungsnot, Schundpro- äiftion willkürliche Modeherrschaft. Deshalb ist eine Ausbildung Frau als Konsumentin anzustteben, um ihre Einwirkung in der Oesferttlichkeit zur Veredlung unserer nationalen werblichen Produktion auch für breite fozrale Schichten Msercr Bevölkerung zu ermöglichen. Hierzu würde sich inner- der Frauenbewegung ein Zusammenschluß der Kon- Wntmncn als nützlich erweisen. Es waren einzelne Probleme ik Konsumtion zu behandeln, wozu auch die Organisation Mb die Form des Haushalts selbst gehört
lieber die einzelnen Fragen der Begründung ließ sich Frau A i rn a Wolfs folgendermaßen aus:
Der Einfluß der Frau iin wirtschaftlichen Leben hat sich <1:? kleinen Anfängen heraus immer mehr Bahn ^brochen und 2»: einen Ausdruck in unserem wirtschaftlichen freu gefunden Und andererseits ist die Frage aufzuwerfen: -JS-ic ist die Stellung der Fran dem wlrtschaft- Üichen Leben gegenüber zu fordern. Znnachlst die Lu -l i t äts wäh l, ein Problem, das wert über einem nur Mie-tischen Problem stellt Noch immer wird ui Massen brobu= und Volkswirtschaft m gleichem
SW geschädigt werden, denn die Kanferni hat^uur dasseine_im AlM, möglichst billig einzukaufen. Noch steht du: Komserm fern tt-sn idem Gedanken an eine soziale Sßerbnicfttung beim ^ukauf. Das Ä nur immer wieder die Frau, denn M Pwzent Mer Käufer fmh weiblich. Besser sind schon dtt Verhältnisse soweit sie fub «ai 'bie Wvhnungskultur erstrecken. Mit fester Hand hat b'ie soziale Fürsorge eingegriffen und hat gemnde Woh- rmgrm, für luftige und Helle Kammern mit einer genügend großen
B man NG am icrften Tage der Beratungen neben
■ oen offiziellen Begrüßungen nur in verhältnismäßig ge-- rmgem Maße der Arbeit widmen können, so war der zweite Tag umso arbeits-- und segensreicher für bie deutsche Frauensache. Glatt wurden alle vier umfangreichen Num- J mern der Tagesordnung erledigt und sogar noch der l j'orn Montag rückständige, schwer zu verarbeitende Antrag »der Ortsgruppe Halle über soziale Konsumtionsprobleme D dinzugefügt. So bleiben für morgen nur noch Wahlen, ein F jwssenberlcht unb zwei unterhaltende Vorträge übrig.


