Nr. 81
Erscheint ISgNch mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Gießener Zamilienblätter- werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Siehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweünal.
General-Anzeiger für Gberhessen
'Rotationsdruck und Verlag der D'rühl*schen Universitäts-Buch- und ©teinbrudetet,'
R. Lange, Gießen. -
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163. Jahrgang Tienstag,8. April 1913
Gietzener Anzeiger
Mb. Deutscher Reichstag.
133. Sitzung. Montag, 7. April.
Am Tische des Bundesrats: von Bethmann Hollweg, Freiherr von Heeringen, von Iagow, Kühn, Kraetke, Delbrück, Sols. Die Vertreter der Bundesstaaten sind anscheinend vollzählig anwesend, im übrigen füllt die Bundesratsestrade ein Stab von Offizieren. Der Andrang zu den Tribünen ist gewaltig und jeder Stehplatz besetzt. Der Saal ist vor Beginn der Sitzung schon längst gefüllt. In den Logen und auf den Tribünen fällt die große Zahl höherer Offiziere und insbesondere der Damen auf. Di» Hofloge ist bis auf den letzten Platz besetzt. Desgleichen die Diplomatenloge und Loge des Bundesrats.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Mimiten-
Die Wehrvorlage.
Mit der ersten Beratung der Wehrvorlage ist auch die deS Ergänzungseiats für den Ausbau der Luftflotte verbunden. An zweiter Stelle der Tagesordnung steht hinterher die erste Lesung der DeckungsVorlage.
Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg:
Meine Herren.' Die Ihnen zur Annahme unterbreitete Wehrvorlage fordert die Verstärkung unserer Wehrmacht, welche nach dem einmütigen Urteile unserer militärischen Autoritäten notwendig ist, um die Zukunft Deutschlands zu sichern. Wir nutzen gegenwärtig die Wehrfähigkeit unserer Bevölkerung nicht voll aus. Rund 280 000 Rekruten stellen wir jährlich ein, aber die militärtaugliche junge Mannschaft ist so stark, daß wir jährlich einige 60 000 Mann mehr einstellen können. Trotz der Verstärkungen, die wir periodisch und noch im vorigen Jahre vorgenommen haben, hat die Entwickelung unseres Heeres mit dem Wachstum der Bevölkerung nicht gleichen Schritt gehalten. Sollte uns jetzt ein Krieg aufgenötigt werden, so können und werden wir ihn schlagen in sicherem Vertrauen auf die Tüchtigkeit und Tapferkeit unseres Heeres. (Lebhafter Beifall.) Aber die Frage ist nur die: Können wir uns weiterhin den Luxus gestatten, auf den die Zehntausende von ausgebildeten Soldaten zu verzichten, die wir haben könnten, die wir jetzt aber nicht einstellen?, (Sehr richtig rechts.) Kein Mensch weiß, ob und wann uns ein Krieg beschieden sein wird, aber soweit menschliche Vor- ansficht reicht, wird kein europäischer Krieg entbrennen, in dem »rcht auch wir verwickelt sein werden, und dann werden wir um unsere Existenz zu kämpfen haben. Wer will die Verantwortung dafür tragen, daß wir bei einem Ringen auf Leben und Tod nicht so stark sind, wie wir stark sein können. (Sehr richtig!) Diese Frage hat sich in den letztverflossenen Monaten einem Jedem mit elementarer Gewalt aufgedrängt.
Von Anfang des Balkankrieges an sind die Großmächte be- strÄt gewesen den Krieg zu lokalisieren. Keine Großmacht hat an den territorialen Veränderungen auf dem Balkan teilhaben wollen, und doch hat monatelang eine Spannung bestanden, welche die zunächst interesiierten Großmächte Oesterreich-Ungarn und Rußland zu außergewöhnlichen militärischen Maßnahmen veranlaßten. Ich will nicht sagen, daß in irgendeinem Augenblick der Krieg unmittelbar vor der Tür gestanden hätte, aber wiederholt hat es des ganzen Verantwortlichkeitsgefühls der zunächst interesiierten Kabinette bedurft, um Mernungsverschiedenheiten und Jnteresiengegensätzen diejenige Schärfe zu nehmen, welche zu einem gewaltsamen Ausbruch hätte führen können. Europa wird dem englischen Minister der Auswärtigen Angelegenheiten Dank wiffen für die außergewöhnliche Hingabe und den Geist der Versöhnlichkeit, mit der er die Londoner Botschaftsbesprechungen leitet und immer wieder Gegensätze zu vermitteln verstanden hat. Deutschland nimmt an diesem Dank um so innigeren Anteil, als es sich mit den Zielen der englischen Politik eins weiß und treu zu seinem Bundesgenoffen stehend in demselben Sinne gearbeitet hat. (Bravo!) Sir Edward Grey hat im englischen Unterhause die bisherigen Ergebnisse der Londoner Boschafterbesprechungen der Oeffentlichkeit bekanntgegeben, auf die sich die Großmächte geeinigt haben.
Jetzt handelt es sich darum, daß die Entschließungen der Großmächte zur Geltung gebracht werden. Wir sind entschlosien, auf das Energischste dabei mitzuwirken. (Bravo!) Nach dem Falle von Adrianopel hätte man annehmen können, daß es bald zum Frieden kommen würde. Das ist aber leider bisher nicht geschehen. Die Türkei hat die ihr von den Großmächten unterbreiteten Vorschläge für den Friedensschluß akzeptiert. Die Antwort der Balkanstaaten ist dagegen erst vorgestern eingegangen. Diese Antwort unterliegt gegenwärtig der Beschlußfassung der Gesamtheit der Großmächte. Ich muß mich daher enthalten, heute näher darauf einzugehen, denn hier, gegenüber dem herausfordernden Wider st a n b von Montenegro (Lachen bei den Soz.) kommt es darauf an, daß das bisherige Zusammenarbeiten der Großmächte auch weiterhin Stand hält. (Zustimmung.) An der Flottendemonstration nehmen alle Großmächte mit Ausnahme von Rußland teil, das indessen die Aktion an sich sanktioniert hat. Ich wiederhole: die Londoner Beschlüsse müssen schleunigst und mit Nachdruck durchgeführt werden, dann — (der Reichskanzler macht eine kurze Pause) wirdsichauchfürdienochungclösten Fragten eine friedliche Erledigung finden. (Beifall.) v
Alle diese Vorgänge, die Behutsamkeit und die Vorsicht, mit der die Londoner Besprechungen geführt werden, die Haltung, die die Großmächte gegenüber den kriegführenden Staaten und diese gegenüber den Großmächten einnehmen, zeigen doch sehr eindringlich, daß die Ereignisse auf dem Balkan die Verhältnisse der Großmächte zueinander nicht nur sehr eng berühren, sondern auch verhängnisvoll stören können. Bis jetzt ist es vor allem die albanische Frage gewesen, die Interessengegensätze zwischen einem Teil der Großmächte hat hervortreten lassen. Für die Zukunft ist es entscheidend, daß an die Stelle der europäischen Türkei mit ihrem passiv gewordenen staatlichen Leben Staaten getreten sind, die eine ganz außergewöhnliche aktive Lebenskraft dokumentieren. (Sehr richtig!) Wir alle haben ein Interesse
daran, daß sich diese Kraft in der Friedensarbeit ebenso bewahrt, wie sie es im Krige getan hat, und daß die Balkan st aaten einer Epoche langer Friedenszeit entgegengehen, die sie in wirtschaftliche und kulturelle Zusammenhänge mit ihren Nachbarn und der Gesamtheit der europäischen Staaten bringen wird. (Beifall.) Dann werden auch sie ein Faktor des Fortschritts und des europäischen Friedens sein.
Trotzdem bleibt das eine unzweifelhaft: sollte cs einmal zu einer europäischen Konflagration kommen, die das Slawentum dem Germanentum gegenüberstellt, dann ist es für uns ein Nachteil, daß die Stelle im Gegengewicht der Kräfte, die bisher von der europäischen Türkei eingenommen wurde, jetzt zum Teil von slawischen Staaten besetzt ist. Diese Verschiebung der militärischen Situation auf dem Festland hat sich vorbereitet. Jetzt, wo sie eingetreten ist, würden wir gewissenlos handeln, wenn wir nicht die Konsequenzen daraus ziehen. (Sehr richtig!) Ich sage dies nicht, weil ich einen Zusammenstoß zwischen dem Slawentum und dem Germanent tun für unausbleiblich halte. (Lachen b. d. Soz.) Manche Publizisten vertreten das Gegenteil und das ist ein gefährliches Unternehmen. (Sehr richtig! rechts und im Zentrum.) Solche Thesen wirken als in die Ohren fallende Schlagwörter suggestiv und düngen den Boden, auf dem mißleitete Volksle.den schäften in die Halme schießen. (Allseitige Zustimmung.)
Mit der Regierung Rußlands, unserem großen slawischen Nachbarreich, st eh en wir in freundschaftlichen Beziebungen. (Beifall.) Ich habe es, seitdem ich im Amt bin, für meine Aufgabe angesehen, mit dem russischen Kabinett offene und vertrauensvolle Beziehungen zu unterhalten. (Beifall.) Und aus dem Gang der Geschichte und aus meinen persönlichen Beziehungen zu den Staatsmännern, die nach dem Willen Se. Majestät des Kaisers Nikolaus die russische Politik in den Bahnen guter Freundschaft mit Deutschland erhalten, habe ich den Eindruck gewonnen, daß meine Bestrebungen nicht unerwidert geblieben sind. (Beifall.)
Direkte Interessengegensätze zwischen Deutschland und Rußland kenne ich nicht. Deutschland und Rußlan^ können an ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Erstarkung arbeiten, ohne s i ch gegenseitig ins Gehege zu kommen. Gute gegenseitige Beziehungen können diese Entwicklung nur fördern. Die Rassengegensätze allein werden zu keinem Kriege zwischen uns und Rußland führen. (Zustimmung.) Wir jedenfalls werden ihn nicht entfachen und die gegenwärtigen russischen Machthaber werden es auch nicht tun — das glaube ich nicht! Aber, meine Herren, den russischen Staatsmännern ist so gut wie uns bekannt, daß die panslawisti- schen Strömungen, über die schon Bismarck geklagt hat, die schon Bismarck beunruhigten, durch die Siege der Balkanslawen mächtig gefördert worden sind. Die bulgarischen Siege werden von diesen Kreisen zum Teil als Siege des slawischen Gedankens im Gegensatz zu dem germanischen Gedanken gefeiert. (Unruhe bei den Soz.)
Ich brauche nicht, meine Herren, auf die erregten Auseinandersetzungen hinzuweisen, die zwischen einem Teil der russischen und der österreichisch-ungarischen Presse stattgefunden haben; sie sind allen bekannt. In diesen leidenschaftlichen publizistischen Fäden klingt die Erinnerung an alle Unstimmigkeiten wieder, die seit Jahren das Balkanproblem zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland entstehen ließ. Wir sind bemüht, diese Spannung zu mildern, soweit es möglich ist, aber den Kopf in den Sand stecken dürfen wir trotzdem nicht. Denn daß wir unsere Bundestreue auch über die diplomatische Vermittelung hinaus gewähren, ist selbstverständlich. (Beifall!) Durch die neue und akute Belebung der Rassengegensätze erhält aber die Verschiebung der militärpolitischen Situation, die durch den Balkankrieg entstanden ijst, erhöhte Bedeutung. Wir sind gezwungen, sie in Rechnung zu stellen, wenn wir an die Zukunft denken.
Unsere Beziehungen zur französischen Regierung sind gut. Bismarck lat in seiner großen Rede vom 11. Januar 1887 diese Beziehungen geschildert, wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt haben und wie sie sich durch den nationalen Charakter der Franzosen gestaltet haben. Er sagte damals, wenn die Franzosen solange Frieden halten wollen, bis wir sie angreifen, wenn wir dessen sicher wären, dann wäre der Friede für immer gesichert. Daran hat sich nichts geändert. Wir haben in diesem vierzigjährigen Zeitraum auch in kritischen Momenten der Well und Frankreich soviel Beweise davon gegeben, daß wir auch mit unserem westlichen Nachbar schiedlich-friedlich leben wollen, daß dieser unser Wunsch durch Worte nicht bestärkt zu werden braucht. (Sehr richtigI) Bismarck besorgte damals einen Angriff Frankreichs, wenn eine kriegerisch gewonnene oder durch innere Schwierigkeiten zu auswärtigen Aktionen gedrängte Regierung ans Ruder käme, und wenn Frankreich irgendeinen Grund habe, zu glaichen, daß es uns überlegen sei, sei es wegen der eigenen militärischen Stärke, sei es auf Grund bestehender Bündnisse. Bismarck hat keine dieser Eventualitäten im Amte erlebt. Ich habe allen Grund, zu glauben, daß die gegenwärtige französische Regierung im nachbarlichen Frieden mit uns zu leben wünscht. Ob mnd welchen Wechsel die Zukunft bringen mag, weiß niemand. Im Vergleich zu der Zeit vor 25 Jahren sind, wie ich glaube, die Chancen dafür, daß die Kabinette der Großmächte den Mittelpunkt kriegerischer Aspirationen bilden, nicht gestiegen, sondern gesunken. (Sehr richtig! links.)
Von den Dimensionen eines Weltbrandes, von dem Elend und her Zerstörung, die er über die Völker bringen würde, macht sich kein Mensch eine Vorstellung. Alle bisherigen Kriege werden wahrscheinlich ein Kinderspiel dagegen sein. (Sehr richtig links.) Kein verantwortungsvoller Staatsmann wird flittfonnen fein, leichtfertig die Lunte an das Pulper zu legen, die Neigung dazu hat abgenommen. Zugenommcn aber hat die Macht der öffentlichen Meinung > > innerhalb der öffentlichen Meinung ber Druck derjenigen, die sich am lautesten gebärden. DaS pflegen, je demokratische die Einrichtungen sind.
in leidenschaftlich Zeilen"«i'chk Major itakettjson* dem Minoritäten zu sein. (Sehr richtig! rechts.) DaS französische Volk, meine Herren, so kriegstüchtig und tapfer, so stolz auf Ruhm und Ehre, so vaterlandsliebend und opferwillig es ist, in seiner Gesamtheit glaube ich nicht, daß es zum Kriege drängt. Aber für weite Kreise der Franzosen, nicht nur für die Chauvinisten, nein, auch für die Ruhigeren und Ueberlegten, ist eingetreten, was Bismarck befürchtete: man glaubt, uns, wenn nicht überlegen, so dixh zum mindesten gewachsen zu sein im Vertrauen auf die Güte der eigenen Armee, im Vertrauen auf das Bündnis mit Rußland, vielleicht auch in der Hoffnung auf England.
Das ist die gefährliche Kehrseite des Wiedererstarkens be? französischen Nationalempfindens. Die chauvinistischen Elemente zeigen uns die gegen Deutschland gerichtete Spitze' zu häufig mit einer gewissen Ostentation. Die französische Armee ist gut, nach militärischem Urteil sehr gut. Sie ist die Hoffnung der Nation. Alle Parteien, das ganze Volk tut ihr zugute, was immer nur möglich ist. Aber jenseits der Vogesen ist eine chauvinistische Literatur entstanden, die, wenn sie mit berechtigtem Stolz von dieser Armee spricht, es tut, um im Vergleich mit der deutschen Armee unsere Unterlegenheit in einem zukünftigen Kriege dar- zulegen. Man pocht auf die Ueberlegenheit der französischen Artillerie, auf den Vorsprung der französischen Fliegerkunst und auf b i t bessere Ausbildung der französischen Feld- s o l d a t e n , und man sieht dabei schon im Voraus die Massen russischer Infanterie und Kavallerie unser Land übersAvemmen. Dem lebhaften französischen Geiste erscheinen die Niederlagen der Türkei bei Kirkilisie und Lüle Burgas als Niederlagen der Deutschen, als Sieg der französischen Instrukteure gegenüber Deutschland. Der Anschluß der Balkanstaaten und der Anschluß Elsaß-Lothringens wird im Voraus angenommen. In der Illusion hat Frankreich schon einmal den Krieg gewonnen. Als Bismarck 1887 das Septennat forderte, hatte er die Möglichkeit der Gefahren eines zukünftigen Krieges für Deutschland im wesentlichen nach den Beziehungen Deutschlands zu den anderen Mächten abgeschätzt. Der Dreibund bestand, aber I e.ic Zweibund und keine Triple-Entente. t
Wir, meine Herren, können französische und panslawistische Aspirationen, wir können den Einfluß der Balkanvorgänge auf die europäische Lage, wir können die militärische Stärke unserer Nachbarn nicht isoliert betrachten. Die Gruppierung der Mächte bestimmt die Situation und dann, meine Herren: wie sind wir seit jener Zeit mit dem Weltgetriebe verkettet worden! Die Friedensgarantien, die in unserem engen Bündnisse mit Oesterreich-Ungarn und Italien liegen, schätze ich hoch ein. Ueberzeugt vom großen Wert des Dreibundes für die in ihm vereinigten Völker haben wir ihn erneut und er steht so fest zusammen wie je. (Lebhafter Beifall.) Er dient nicht nur den verbündeten Völkern, sondern dient der Welt. Diese Probe hat er doch wirklich abgelegt. (Sehr richtig!) Trotzdem bleibt Deutschland auch mit dem Dreibund und gerade als die gegen Osten und Westen vor- geschobene Macht des Dreibundes wie kein anderes Land eingekeilt zwischen der slawischen Welt und den Franzosen. -
Der Herr Kriegsminister wird Ihnen in der Kommission detaillierte Angaben über die militärische Stärke unserer Nachbarn machen, nicht, als ob unserer Vorlage irgendwie der Gedanke des Wettrüstens ober die rage de nombre . . (Lachen bei den Soz.) — Ihre Heiterkeit beweist nur, daß ich recht habe — diese Vorstellung ist von vornherein abzulehnen. Mit unfez rem russischen Nachbarn werden wir niemals um die Wette rüsten. Der russische Zar wird immer sehr viel mehr Soldaten aufstellen können, als wir es je vermögen. Wir setzen für jeden Krieg, in den wir verwickelt werden können, unser Vertrauen auf den Mut und den Geist unserer Nation, wie er sich in unserem Heere verkörpert. Aber wir werden Ihnen doch mit Zahlen belegen müssen, daß unsere Nachbarn ganz außerordentliche große militärische Anstrengungen gemacht haben und machen.
I n Rußland' vollzieht sich eine st ir u n e 'n 5 • werte ökonomische Entwicklung dieses mit un- erschöpflichen Naturschätzen ausgeftatteten Riesenreiches. Und Hand in Hand damit geht eine Reorganisation her Armee, wie sie Rußland wohl noch nicht gekannt hat, nach der Güte des Bewaffnungsmaterials, nach der Organisation, nach der Schnelligkeit des Uebergangs vom Friedenszustand in den Kriegszustand. ’
Frankreich hat uns in bet Ausnutzung seiner Wehrfähigkeit längst überholt. Es stellt seit langem ben letzten Mann ein. Jetzt will es, um sich militärisch stark zu machen, auf die breijährige Dienstzeit zurückgreifen. I n biefer außergewöhnlichen Anstrengung, bie Frankreich m achen will, liegt so wenig eine Herausforderung, to i e unsere Vorlage eine Provokation Frankreichs ober irgend jemandes in der Welt bedeutet. Auch Frankreich will sich so stark machen, wie es vermag.
Kein Mensch kann eine Garantie dafür übernehmen, daß kern Krieg kommt. Es wäre vermesien, eshietzegeradezuda» Schicksal herausfordern, wollten wir sagen: Wenn ein Krieg kommt, sind wir stark genug. Wir müßten zwar sehr viel starker fein, als wir sind, aber das kostet zuviel Geld, wir werden es auch so machen! Solche Stimmungen sind immer noch bet An. fang des Unheils gewesen. (Sehr richtig!) So 1870 in Frank- reich und schließlich auch jetzt in der Türkei. Die Chancen eine? Zukunftskrieges, in dem Millionenheere mit den modernsten Waffen ausgerüstet gegeneinander geführt werden, sind jetzt noch schwerer zu übersehen als früher. Aber eins wird Wahrheit: Sieger wird immer nur das Volk bleiben, das sich in den Stand gesetzt hat, mit dem letzten Mann dann einzutreten, wenn die ehernen Würfel unseres Schicksals geworfen werden, das mit der ganzen Macht seines Vollst n m § dem Feinde die Spitze bietet. (Sehr richtig.) W i r machen Ihnen die Vorlage nicht, weil wir Krieg, sondern


