Ausgabe 
8.2.1913 Viertes Blatt
 
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Vierter Blatt

165. Jahrgang

Nr. 55

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

aus Vcrftaatliäpurgsgerüchte hcrvorzuheben.

mus; der Verläufer, wenn die Mnahme unb.Z.il/mig nicht zu der vereinbarten Zeit erfolgt ist, dein .Staufer zunächst noch eine an gemessene Frist von mindestens einem Wochentag zur Abnahme und Zahlung scheu. Und zwar muß er ihn zweckmäßig mittels eingeschriebenen Brieses zur Abnahme und Zahlung bis zu dem bestimmten Zeitpunkte aufsorderu, mit dem Zusatze, das; er nach Ablauf der gesetzten Frist Lieferung und Entgegennahme der Zah lung ablehnen werde. Erfolgt dann nicht mindestens die Zahlung innerhalb der Frist, so ist der Verkäufer wieder frei, »nenn er nach Fristablaus bem Käufer mitteilt, daß er nunmehr vom Ver trage zurücltritt. Bei fallenden Preisen wird der Verkäufe die Erfüllung des Vertrages verlangen, und wenn die Bezahlung dach nicht erfolgt, ebenso Ivie oben eine Frist mit dem gleichen Zusatz setzen und nach Ablauf der Frist die Erklärung abgeben, baß er nunmehr Schadenersatz verlange. Er behält dann das Tier und verlangt nun die Differenz zwischen dem Verkaufspreise und dem zur Zeit der Erklärung des Verlangens geltenden Preise. Zu lange darf er jedoch mit dieser Erklärung nicht warten, da er nur Rechnung des Kcnffers sonst spekulieren würde." Diese Klagen weisen erneut auf die Zweckmäßigkeit des genossenschastlichen Vieh Verkaufs hin. *

Lauterbach, 7. Febr. Die durch den lanbw. Bezirks- Verein des Kreises Lauterbach für die Wintermonate in der Burgwirtschast hier eingerichteten Vortragskurse haben großen Anklang gefunden und erfreuen sich eines immer mehr wachsenden Besuchs. Zu dem letzten, von LandwiAschastslehrer Kunkel in Alsseld'gehaltenen Vortrag über l andw. RentabilitätS- fragen hatte sich eine zahlreich aufmerksame Zuhörerschar eingcsunden. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Wunsch ausgesprochen, Herr Kunkel Möge auch in der nächsten Versammlung am 1. März einen Vortrag halten. Dem Verlangen wurde willsahrt und Herr K. wird an diesem Tage überWert und Wirkung des Kraftfutters bei der A u f z u ch t und M ilchwir tschaf t" sprechen.

Der Wiederbeginn der Feindseligkeiten auf dem Balkan hat die Börse nicht in ihrer Ueberzeugung wankend gc macht, das; der Friedensschluß nicht mehr fern ist. _ Tie ^peku lation verwies aus die offiziösen Auslassungen, das; die Groß­mächte alles tun werden, um ein Umsichgreifen des Krieges zu verhindern. Dazu kam die Beobachtung, daß die europäischen Geldmächte eine stillschweigende Vereinbarung getroffen haben, den kriegführenden Staaten keine Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Naturgemäß herrscht große Zurückhaltung, und die Um­sätze halten sich in engen Grenzen, wobei das Hauptgeichäff sich innerhalb der Börse abspielt und die Beteiligung der Kapitalisten sehr gering ist, aber die Gesamthaltung bleibt gut, die Rück­gänge werden meist alsbald wieder eingeholt. Die Auslands­märkte traten, abgesehen von Wien, das durch feine feste Haltung günstigen Einfluß verübte, mehr in den Hintergrund. Es gilt dies auch von New Port, wo die Ungewißheit über die Entwicklung der Taris- und Trustangelegenheiten eine Unter­nehmungslust nicht aufkommen läßt. Das Rückgrat der deutichen Börsen ivirb auch baburch gestärkt, baß die Bezugsverpflichtungen bedeutend geringer sind als in früheren Zeiten und daß sie sich in guten Händen befinden. Die Börse selbst hat ihre Be zugsverpslichtungen sehr eingeschränkt, und wo sie neu ein gegangen ist, diese meist wieder aufgegebcn. Darum wird auch die Börse von der Geldknappheit nur wenig berührt. Die in der letzten Zentralausschußsitzung geäußerte Aiisicht des Reichs- bankpräsidenten, daß die Geldknappheit mancherlei Anzeichen längerer Dauer aufweist, findet immer mehr ihre Bestätigung und einen äußeren Beweis dcvrin, daß der Privatdiskont bereits wieder den Banksatz erreichte. Ob mit der Wiederherstellung des Friedens auch die Geldmarkterleichtemng eintreten wird, ist sehr fraglich. Die vorsichtige Zurückhaltting der Geldgeber wird wescnt lich beeinflußt durch' die nach dem Friedensschluß zu crwar tenben großen Ansprüche an den .Geldmarkt. An diesen wird auch die Industrie hervorragenb beteiligt seiu, in der in letzter Zeit zahlreiche Pläne zurückgestellt würben. Soweit es sich bis jetzt beurteilen läßt, sind bic Wssichten für eine Entspannung aut bem Geldmarkt nicht sonderlich günstig. Im Zusamnienhang mit ben Gelbverhältnissen wollen bic. Besorgnisse wegen ber in­dustriellen Prosperität nicht schwinden. Zweifellos taugt baS Wirtschaftsleben allmählich an, unter bem Truck der Un sicherheit zu leiben, wenn bies auch noch nicht alle Industrien spüren. Eine Ausnahmestellung nimmt die Kohlen- unb Eisen­industrie ein, die nach wie vor stark beschäftigt sind, unb bas gab bem Montan markte eine gewisse Stütze. Von sonstigen Iudu st rie Papier en lagen noch chemische Werte seit, zu deren Gunsten ber neue amerikanische Zolltarif ins Feld ge­führt wurde. Regem Interesse begegneten auch die Aktien von Automobilsabriken, besonders Kicher, weil bic Antomobilinduftric in voller Blüte steht, übcrbies spielt auch bic bevorftehenbe Kapitalscrhölmng bei der Kauflust eine Rolle. Auf den übrigen Gebieten bleibt nur noch die Kurssteigerung der Orientbahn

Samstag, 8. Februar 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts - Buch- unb Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul- strotze 7. Expedition und Verlag: es^sjöl. Redaktton:e^II2.Tel.-Adr.:AnzeiaerGiebcm

DieGießener Zamtliendlätter" werben dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für ben Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. DieLanbwirtschaftttchen Seit- fragen erscheinen monatlich zweimal.

Landwirtschaft.

Verzögerte Abnahme von Vieh seitens der Händler.

In berZeitschrift brr LanbwirtschaftslamMer für bas Herzog- tum Braunschweig" werben nachstehende Klagen über verzögerte Abnahme von Vieh seitens der Händler laut:Tie Viehhändler benutzen den Landwirten gegenüber bei ber Viehabnahme häufig ben Trick, daß sic einem1 für eine bestimmte Zeit nerabrebeten Vertragsabschlüsse nicht Nachkommen, sondern je nach dem Steigen oder Fallen der Marktpreise aus nichtigen Gründen die Ab­nahme zur rechten Zeit verweigern oder einen späteren Termin zur 'jlbnaljntr Vorschlägen. Durch dieses Vorgehen kann dem Landwirte empfindlicher Schaden entstehen, wenn er nicht über bic zu unternebmenben Schritte unterrichtet ist."

DieHann, lanb- unb forstwirtschaftliche Zeitung" erteilt solgenbe Ratschläge:Hat ein Lanbwirt ein Stück Vieh verkauft mit ber Wmachung, baß es z. B. spätestens bis zum Tube der Woche abzunehmcn unb zu bezahlen ist, so bars er, wenn die Abnahme und Zahlung am Samstag nicht erfolgt ist, das Stück Vieh nicht nach Wlauf des Samstags ohne^ weiteres anderweit verkaufen. Er kann auch nicht, wenn das Stück Vieh erst eine Woche später nbgenonnnen und bezahlt wirb, und inzwischen die Preise gestiegen sind, den nunmehr geltenden höheren Preis ohne weiteres bezahlt verlangen. Ten höheren Preis la.nn er überhaupt nie verlangen. Wohl aber kann er erreichen, daß er wieder frei wird und das Tier anderweit verlausen lami Zu diesem Zwecke

dem Gewinnst erhielten damals 90 Mädchen ans ben Waisenhäusern Berlins eine Aussteller von 50 Talern, unb auch sonst würben bic Neberschüsse bazn verwenbet, bem Staat und ben Gerneinbcn einen Teil bar Armenlast unb Wohlfahrtspflege abzunehmen. Aber segensreich war bic Einrichtung deshalb dock' nicht, denn sierrichtete schwere moralische Schäden unter ber Bevölkerung au. So sind uns Berichte aus Luckcnwalbe erhalten, wo die ganze Stabt vom Spielteufel ergriffen war, die Bürger sich zu Veruntreuungen ver­leiten ließen, die Frauen ihre Männer l) ntergingen und schließlich die Behörde cinschreiteu mußte. Aus moralischen Gründen wurde daher 18 10 die Aufhebung der Zahlenlottcrie in Preußen verordnet.

Der leichtsinnige Taumel, ber int 18. Jahrhundert alle Schichten ergriffen hatte, war verrauscht: in den Tagen der sitt­lichen Wiedergeburt des Staates trat die verderbliche Leidenschaft des Lottos besonders grell zutage, und so würbe denn nur noch bic bis dahin wenig beliebte unb wenig blühende Klaffenlotterie gcbulbct, die sich in gemäßigteren Formen hält unb bis heute gleichsam als Sicherheitsventtl gegen aufrcgcnberc Spiele fort- besteht.

Börsen-Wochcnbericht.

= Frankfurt a. M., 7. Febr.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

wärts fang man damals bic Ver'e:

Die Pest gab bic Natur dem Oriente, Unbillig ist sie nie;

Dafür gab sie dem Okzidente Die Zahlenlotterie."

In den Komödien ber Zeit ist von Gellerts vielgcspicltcm 5tüaTas Los in der Lotterie" an bis zu Nestrohs Possen von bem erregenden Zauber des Lottos die Rede. Hochstapler und 'Abenteurer bemächtigten sich dieser glänzenden Methode, bic Leiben - schäften zu entflammen unb bic Gemüter zu verwirren; sic nehmen firm Teil bic Sottcriegräubungcn selbst in bic Hand. Casanova ift in dieser Hinsicht in Venedig tätig, (Saglioitro beschwindelt die Londoner, indem er seinen Kim den durch kabbalisttschc Geheim- mittel die gewinnenden Nummern angibt, und solch ein frag­würdiger Jndustrieritter ist es auch, in dessen Hände Friedrich der Große die Einführung des Lottos in Preußen legt. Der König suchte damals nach einem geschäftstüchtigen, .idenreichen Manne, der, wie er an den preußischen Gesandten in London von Knlip bansen schreibt,alle Arten von Proiekten, seien es finanzielle oder andersartige, ausführen kann". KMyphausen empfiehlt Fried­rich Johann Anton E a l z a b i g i, einen Abenteurer von dunkler Herkunft, dem er hervorragende Geschistsrüchttgkeit, aber auch einen ausgesprochenen Hang zur Unredlichkeit imchsagt. Friedrich 'efet sich über diesen Eharakterfchler hinweg.Ich erlaube ihm, hnid) zu bestehlen, wenn er nur was zsustaube bringt," schreibt er und engagiert Ealzabigi unter glänzenden Bedingungen. Tic Zahlenlottcrie war eins ber ersten Projekte, die das neue Finanz­genie bem König Dorlegte. Friedrich war mit Feuer und Flamme dabei, unb am 31. August 1763 fand die erste Siebung statt. Sic fand, um das allae-neiitc Interesse ber Bevölkerung zu erwecken, vfseutlich auf der Rampe ein s Pr va ha s s statt, währenb bann ipater die Ziehungen im Rathaus vorgenommen wurden. Die Erwartungen, die der König an das neue Unternehmen knüpfte, er füllten sich nicht, unb so ließ er sich benu schon im''nächsten Jahre dazu herbei, bas Lotteriegeschäft an Ealzabigi zu verpachten.

Wie Prof. Warschauer in feinen bei Karl Lurtius erschienenen Lotterie-Stubien" ausführt, mag ber Abenteurer von Anfang an absichtlich Verwirrung in die Geschäftsführung gebracht haben, \v" ben König zu einer Vcrpackstimg an ihn zu zwingen. Das Personal bestaub aus Franzosen, bic fast durchweg fragwürdige Existenzen unb Jnbustticrittcr waren; alle Korrespondenzen luur den französisch geführt, so daß das niedrige Volk, für das das Lotto hauptsächlich gedacht war, davon gar nichts verstand. 1764 zwang man Ealzabigi, die deutsckw Sprache einzuführen; cs traten ihm als Akttonärc Persönlichkeiten aus den höchsten Kreisen, so bei- Bruder des Königs Prinz Ferdinand unb bic Grasen Rcuß und Lottum zur Seite. Der König hielt mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit an Ealzabigi fest, und so hielt er sich trotz ber sckckuh- teftcit Geschäftsführung noch brei Fahre, bis er 1767 burch Kabiuettsorbre entlassen würbe. Der Staatsminister von Hagen hatte sckwn vorher erklärt, daßso lange der p. Ealzabigi das Haupt dieses Etablissements sehn wirb, au teilte gehörige Reform unb Ordnung zu denken ift" 9hnt tarn' das Unternehmen in geregeltere Bahnen unb würbe bis zuM Jahre 1794 vmfchiebentlich verpachtet. Schließlich warf bie Zahlcntotterie so bcbcutenbe Gc winuc ab, baß man sie 1794 in Staatsrcgic übernahm. Von

(Ein Jubiläum der preußischen Lotterie.

Am 8. Februar sind 150 Jahre verflossen, seit Friedrich der Große dasPatent, betreffend eine Königliche Preußische Lotterie" unterzeichnete und damit das Zahlenlotto in feinen Landen einführte. Die Klaffenlotterie, bic ja mit ihren festen vor geschriebenen Gewinnen und Abzügen eine viel sicherere und die Äpielwut weniger anlockende Art des Glückspiels ist, bestand bereits seit 1703 in Preußen, aber nach bem Siebenjährigen Krieg sah sich der König nach neuen Einuahmcguellen um, unb so schien ihm denn, wie in den Eiuführnngsmotiven ausgeführt wirb, die bereits in allen großen Städten florierende Zalffenlotterie als ein geeignetes Hilfsmittel,welches ohne Unseren Untertanen zur geringeften Last zu gereichen, seiner Beschaffenheit nach aunoch die Vorteile vermehren kann, die Wir durch die Anwendung seines Ertrages -ihnen zu verschaffen gebenfen". So verfiel denn auch Preußen jenem großen Rausch des 18. Jahrhunderts, ber der wie ein Verderben bringender Wirbelwind über bic Laude fegte unb den Armen nach trunkenen Hoffnungen die letzten Heller aus btt Tasche zog.

Ta das Zahlenlotto Art unb Höhe ber Teilnahme jedem Ein­zelnen überließ, da sie eine trügerische Aussicht auf Riescngcwinne verhieß, bereu Erlangung höchst unwahrscheinlich war, so stachelte sie bie Spielwut in ben unteren Schichten bCs Volkes auf-5 höchste au und säte Not unb Verzweiflung.Die Fürsten gönnten bem Volke für alle Unterbrückung unb Unbill bas Lotto," sagt ein Sittcnschilderer der Zeit, unb in ben Straßen Berlins wie anbei

Schmerzloses Zahnen.

Ohne Beschwerden brechen gerade, kräftige Zähnchen durch, und die Mchtruhe der Mutter bleibt ungestört, wenn man den Kleinen zur rechten Zeit Scotts Emulsion gibt, bic, aus bestem Lofoten (Norweger) Lebertran mit minerali­schen Salzen bestehend, äußerst schmackhaft und durchaus z. leicht verdaulich ist.

öcofts

Emulsion

ScottS Emulsion wird von uns au?. im jjroijen verkauft, uud zwar nie lofe »ach Gewicht oder Matz, sondern nur tu versiegelten Lriginalsiaschcn in Karton mit unserer Lchnyinarle (Fischer mit dem Dorsch'. Scott & Bowne, ©. m. v. H., Frankfurt a. tut.

Bestandteile: Feinster Mcdizinal.Lebcr- t'-an K>0,0, prima Glyzerin 60,0, uulcrpho-S« pyorigsaurer Kalk 4,3, unterpliospyorigfaureS Natron 2.0, pulv. Tragant 3,0, feinster arab. ®ummi pulv. 2 ", Wasser 128,0, Alkohol Il.o. Hierzu aromatische Emulsion mit Zimt^ Mandel- uud Gautlheriaol le 2 Tropfen.

Frauen-FenMeton.

Bote» der Frühlings,nodc.

Allgemein läßt sich ohne llebertrcibung bas Wort prägen: bic Frühlingsmode zeigt mehr Originalität, als man es bisher von der Mobe gewöhnt war. Die konventionelle Modepuppe ist ans gestorben Tie Sillwuettc der moberucn Fran markiert ficb in intiner neuen Nuancen, unb das Auge wird nicht müde, immer neue, abwechflungsreichc Stilartcn zu bewunbern. Mer zwei ruhende Punkte in dieser Erscheinungen Flucht" sind vorhanden. Es gibt zwei Richtlinien, bic in ber Frühlingsmode ben Ton an­geben. Das 18. Jahrhundert einerseits blickt uns ans Farbe, Material unb Aufmachung entgegen, aubererseits brängt sich ber Balkan mit seinen Knalleffekten in den Vorbergrund. Auch in ber Frühlingsmode sind bie Bulgaren siegreich gewesen. .Alles» was nach bulgarisch schmeckt, ist Trumps. Besonders bulgarifcheFarben, bie schlechthin bas barstellen, waS ber ^prachgc brauch mit bihictifd) bezeichnet, bominicren in sämtlichen Kleibungsstückcn. Unb noch eine Prophezeiung kann inan, ohne für witzig zu 1 cm, tun. E-aS Frühjahr, aber nmhrscheinlich noch mehr ber Sommer wirb uns eine große Spitzenmobe bescheren. Spitzen allüberall. Xaö ist bie Devise, bic in Paris, in Wien, in London unb wohl auch m unserer Neichslmuptstabt immer mehr Anhänger wirbt. Ja selbst au! dem 'Hute scheint sich bie Spitze ihr Recht erkämpfen zu Wollen, benn es gibt schon Spitzen Aigretten unb Spitzenblumen. ber Pelz für den letzten Winter war, bas ist bie Spitze für bas Frühjahr unb ben Sommer. Spitzeuvcrbrämuitgcn an ^chnciber- kleidern gibt cs schon: sie stellen wohl nur Vorboten für ganze Spitzenkleiber bar, bie uns bie Sommermobe beichcren wirb.

Die Originalität ber biesjährigen Frühlingsmobe zeigt pch nicht zuletzt barm, baß sie benGeschmäckern ber verschiedensten Publikümcr" freien Lauf laßt. Beispielsweise sieht man un Seme - babcl den Futteralrock in frieblirhcr Eintracht neben dem aller- bings nur angeb outeten F-altciirock und bem gcraffeten Rock d.ine bestimmte Weite ober besser gesagt Enge ist allerbiugs noch immer vorgeschrieben Wer bie Enge ist boch weniger imi Gegenteil ein gewisser buftig-loser Charakter ber Lmic mehr betont. Unter ben Jacketts hat bic Ca,aguin-Foriii den Vogel abgeschossen Es ist eine Art kurzen Schoßjacketts, das ziemlich schlank wirkt. Für den Hut lautet die Parole: klein, Heiner, nm kleinsten. Auch hier sehen wir eine Mannigfaltigkeit, bie gc radezu genial anmutet. Da gibt cs Amazoncnhütchcii, .Herren- Hütchen iwohlgcmcrkt! es sinb keine Hüte, fonbern Hütchen >, eine Art mittelalterlicher Lanbsknechtsmützc, hohe 2irectmrel)ütc, bic helmiartig aufgestülpt werben jinb der verschiebenarttgstenHänd­

chen" mehr. Die etwas größeren Formen haben einen flachen ober gerollten Raub, der vorn herunterkomMt unb binten weit auSlabend ist. Sehr hübsch sinb auch sogenannte Bootformen, bie besvnbcrs einem1 überschlanken Gesichte stehen.

Neuerbings hulbigt man ben Ebelstcinfarbcn. BPondcrS Rubin, Türkis unb Saphir sinb Vorbilbcr. Daneben ist Schwarz vorherrsckeub, unb außer ihm behaupteu sich Marineblau, Violett, unb ein Rot Braun, bas in den verschiebensten Nuancen auftritt, von beuen bie beibe» SchlagerEog de Roche" undEhaudron" getauft worben sinb. Was ba-3 Material anbetrifft, so herrscht bas Trio Tagal, Pedal unb Picot. Tagal bominiert, das feinere Pebal wirb für bas mittlere Genre sehr viel ticrwanbt., und das ziemlich teure Picot findet seine Anhänger mit er ben Exklusiven. Zu größeren Hüten, bic auch vereinzelt auftauchen, wirb fast nur Picot verivanbt. In ber Garnierung spielt bas 44nnb eine große Rolle. Besoubers ber Kopf wirb mit Banb ober seibigen Stoffen, wie Duchesse, Libertv unb auch Taft umivunben, wohl. Weil er w.cgcn feiner Kiippelsorm sonst ein wenig schwerfällig lüirfcn würde.

ks. Neues von ben Pariser Aiiittcr chc n. Seit bem Jahre 1904, wo in Paris eine bescheidene Mütterküche eröffnet würbe, hat sich biefe Einrichtung anßcrorbentlich ans gebehnt. Augenblicklich gibt es in Paris 7 große Mütterküchen, in benen Mütter mit Säuglingen unb Frauen, die ihrer Ernt binbung entgegenfeilen, frei verpflegt werben. Die 7 Küchen sind zu einem Bunde zusammcngeschlojseil, unb biefer^bcabiidirigt, feine Wrrksamkcit auszllbehncn, insbcfonbcrc soll bic Stabt um Unter­stützung erstickst werben, bannt mehr Müttcrkückstit cingeriditct werben können. Gegenwärtig können sich alle jungen Mütter an bic Piütterküchen wenben uub werben bart, olync_weitcr nach ihren Personalien gefragt zu werben, verpflegt. Sic erlxiltcn zwei kräftige Mahlzeiten, ein Frühstück unb ein Mittagessen. Ter Besuch der Mütterküchen sckiwankt zwischen 50 unb 80 Frauen am Tage. Llußcr ber Ausbchnung ber bcsteheuben Einrichtungen plant bic Wohltätigleitsunternehmung bie Verbreitung von Kennt nissen der Ansangsgründe der GcsmidhcitSpflegc bei Mutter und Kind in ben in F-ragc tom'mcnbcn Schichten ber Bevölkerung.

ff. Ein KainVf gegen bic Zigarettenrauche­rinnen. .Die Frauen ber Vereinigten Staaten sröhnen ber Unsitte bes Zigarettenrauchens in solchem Maße, baß in vielen Staaten bie öffentliche Meinung fick) cnergisdi bagegen wenbet, was seinen Ausbruck in ber Bilbung von Vereinen -zur Bekämpfung des Rauchens der FrMten findet. In MassackMsctts rauchen die

Frauen am meisten; deswegen sind bie Gegner der Raucherinnen bort am tätigsten bei ber Arbeit. Sic werben beninächst der Ge- setzgcbu.'.g bes Laubes einen OKsetzentwiirf vorlegcn, ber ziemlid) brakonisch zu nennen ist: Wer einer Frau ober einem Mäbchen Tabak in irgonbwelcher Form verabfolgt, so heißt cs in biefent Gesctzvorsdilag, soll zu einer Sttase von 200 Mk. verurteilt werben; ferner soll ben Frauen bas Rauchen auf offentlidstn. Plätzen unb Straßen, sowie in Privatgrunbstücken verboten wer­ben. Die Raudferiimen selbst unb bic nichtraiichcnben Gegner berRaudstrinnengcgner" meinen nun, augcnfdicinlid) mit Recht, wenn das Zigarettenrauchen wegen seiner Schäblichkcit mit so hohen Strafen bebroht werben solle, sei es ganz unsinnig, das Verbot mir die Frauen zu besdiränkcu; vielmehr müßten Frauen unb Männer bann in gleicher Weise bebacht werben. In Boston hat bereits bic Polizei beit Frauen bas Rauchen auf öffentlichen Straßen und Plätzen verboten.

ks. Eine w c i b I i d) c Do k t o r p r o m o t i o n vor 130 Jahren. Weibliche Doktorpromotioncn sind burchaus uidst etwas, dessen sid) nur die moderne Zeit rühmen kann. Auch frühere Jahrhunderte haben gelehrte Frauen gesehen, bic sich den Doktor­hut zu erringen ober sagt man besser zu erreben? wußten. Jener, ber bas kühne Wagnis gelang, warteten große Ehren. So weiß int Jahre 1785 bicBossische Zeitung" von einer zu Alcala stattgesundenen, glanzvollen Doktorpromotion eines siebzehnjährigen spanisdfen Fräuleins solgenbes zu berichten: Alcala, ben 9. Junius. Durch ein föitigl. Dekret vom 20. April hatte bic hiesige Universität ben Befehl erhalten, einem iiingcn siebzehnjährigen Fräulein, boitim Maria Isidore Quinlimc, Tochter des MarauiS von Monteollcgro, den Magister unb Doktor grab in der Philosophie unb ben schönen Wissenschaften zu er teilen. In ben von beit hiesigen Professoren angestellten Examen zeigte sie große Geläufigkeit in ber griechischen, latcinifdieii, sranzösischen, italienischen unb spanischen Spradic. Am 6. iwir baher bic feierliche Promotion, bei welcher sidi 55 Magister, 6 Doktoren ber Medizin, 42 Doktoren bc« lation. unb bür geil. Rechts unb 55 Doktoren ber Theologie befanben. Nadi ber Au kunst im Kollcgiv legte bic Kanbibatin ihren Eib unb Glaubens­bekenntnis fnicrtb ab, worauf ber Kanzler ihr ben Doktorhut unter großem Freubengeschrci aussetzte. Sie verteibigte Darauf ben Satz, daß ein Frauenziinmer fähig sei, auf öffentlichen .'t kabetnicn gciftlidit* unb weltliche Wisfcuschaften zu lehren, unb 'wenbs war .bie Stabt erleuchtet, großes Konzert unb ein Essen von 700 Gedecken,"