Ausgabe 
7.7.1913 Drittes Blatt
 
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Juli 1913.

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165. Zahrgang

Dritter Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

T r i n k e r s ü r s o r g e st o l l e für

Zum Besuch des Königs von Italien.

Berlin, 6. Juli. DieNorbb. Allg. Ztg." schreibt: Der Besuch des italienischen Königspaares in . .^et ist unter den besten Eindrücken verlaufen. Ter p o l i tische G e d a n i en a u s t a u s ch zwischen den Monarchen imb ihren Staatsmännern trug das herzliche, ver­trauensvolle Gepräge, das den Beziehungen Deutschlands und Italiens untereinander wie zu dem österreichisch-ungarischen Bundesgenossen aufgcdrückt ist. Der Inhalt der Erörterungen galt vor allem der Lage aus dem Balkan. Leider ist dort eine höchst unbefrie­digende Wendung eingetreten. Zwischen den bis­herigen Verbündeten sind erbitterte, für beide Teile ver­lustreiche Zusammenstöße erfolgt. Die Schuld an den hart­näckigen, anscheinend noch unentschiedenen Kämpfen und die Verantwortung für deren Folgen wird beiderseits dem Gegner zu geschoben. Eine Besonderheir im übrigen ist, bei der als l'riegsmäß,ig zu bezeichnenden Lage, bisher die Vermeidung des Abbruchs der diplomatischen Bezieh­ungen, da die Gesandteli der kämpfenden Staaten noch auf ihren Posten sind. Es steht dahin, ob dies den Wunsch der Balkanregiening bedeutet, das Aeusterste zu verhüten und den letzten Faden zur Wiederaufnahme der Verhand­lungen nicht abreißen zu lassen. Sämtliche Großmächte bekennen sich zuni Grundsatz der Nicht ei n m i s ch u n g in die militärischen Vorgänge zwischen den frü­heren Verbündeten. Tie Aufgabe Europas kann vorläufig mir darin bestehen, die Feindseligkeiten örtlich und zeitlich einzuschränten. Meine Ueberraschung, aber eine beachtens­werte neue Tatsache für die Entwicklung auf dem Balkan bedeutet die M o b i l m a ch u n g R u m an i e n s. Tas da­mit verbundene politische Programm dürfte bis auf wei­teres in dem Wunsche umschrieben sein, der Silistria- frage cige für Rumänien befriedigendere Lösung zu geben, als sie'bisher'durch £>ic Beratungen der Botschafter in "Petersburg geftmdcn hat.

DieGießener Zannlienblätter" werden dem Anzeiger* viermal wöchcnllich beigelegt, das Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Heer und Flotte.

Tas Militärwochenblalt meldet: Freiherr v. d. Golt;, Generalfeldniarichall und Generalinspektenr der zweiten 'JIrmce* Inspektion, wnrde nuf sein Gesuch von dieser Stellung enthoben und ift ui das Verhältnis der Offiziere zur Tisvosilion übergctretc . Er verbleibt im Verhältnis als Chef des Infanteric-Negnnentes v. Bogen (5. CüvreiiB.) 91r.41 und wird auch ferner in der Dienst- nltcrliflc der Generale geführt, v. Sachs, Generalmajor und Infvekteur der ersten Pionierinspektion, wurde zum Jnsvekteur der Feldtclegraphie, Adams, Cberft nut dem Range eines Brigade- kommaiideurs und SlbteilungScheis tm Kriegsministerium, wurde zum Inspekteur der ersten Pwnierinspektion ernannt.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Vertag: 51.

Redaktion: e=$a> 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGieven,

Deutsche Kolonien.

Berlin, 5. Juli. Im Neichstölvnialamt fand unter beni Vorsitz des Ministerialdireltvrs Dr. Gleim eine Beratung über die Förderung der Fischerei in den d e u t s ch e n K v l v n i e n Afrikas statt. An der Sitzung nahmen Sachverständige, Ver­treter verschiedener Behörden und der deutschen Fischereivereiirc teil. Man kam dahin überein, daß eine systematische Erkundung der Küslcngemässer, Krccks und Flußunterläufe Ostasrikas und Kameruns ein zeitliches und örtlick)es Vorhandensein von Fischen und andern nutzbaren Wassertieren erforderlich ist und baldigst in Angriff zu nehmen sei. Für Süd-West-Afrika, wo derartige Vorarbeiten bereits früher ausgesührl worden sind, ist nach überein­stimmender Ansicht der Sachverstänoigen nunmehr die Aussendung einer größeren Expedition geboten, um Grundlagen zu ocr regel­rechten Ausbeutung der dortigen Seefischbestände zu gewinnen. Hierzu wäre ein geeignet gebautes, mit allen, technischen Hilfs­mitteln ausgerüstetes Schiff zu entsenden. Diese Expedition hätte auch die Aufgabe, die Ergebnisse der Vorerkundung Kameruns zu ergänzen. Tie Versammlung war darüber einig, daß unter möglichster Beschleunigung alles getan werden müsse, um die großen fremdländischen Einfuhren von Fischen in unsere afrikanischen Kolonien allmählich durch eigene Produktion abzulösen. '-Lic jährliche. Einfuhr nach Kamerun, die mit dem weiteren Aus­bau des Babnnctzes noch erheblich gesteigert werden wird, be­ziffert sich allein auf nahezu 2 Millionen Mark.

** Besserung a ni Hypot h e kc n m arkt. Wie man erfährt, sind Anzeichen vorhanden, daß eine Besserung auf dem Hypothesenmarkt eintritt. In den Großstädten sollen durch Hypothekenbanken und Versicherungsgesellschaften Dar­lehen auf Grundstücke wieder zu haben sein. Es wird damit gerecht,et, daß durch den in der Industrie erfolgten Rückgang der Konjunktur und der hiermit verbundenen unsicheren Geld- anlage und deren zweifelhafte Verzinsung dem Pfandbrief­markt neue Liebhaber zugeführt lucrbcn, die mit einer sicheren Verzinsung ihrer Anlagewertc rechnen.

** 3um Gedenktage der Gefechte Lausach- Frohnhofen läßt Vas Präsidium derHassia" die Gräber der Gefallenen wie alljährlich am 13. Ittli schmücken. Die Feier beginnt 91/2 Uhr am Denkmal in Frohnhofe n. Die Abfahrt vom Hauptbahnhof in Darmstadt erfolgt 6 Uhr 38 Minuten.

* Die Absetzung des Gerhart Hauptmann- scheu Festspiels für 1813 vom Breslauer Spielplan hat viel Staub aufgewirbelt. Parteipolitische Beweggründe ivurdcn untergeschoben mit) parteipolitische Beweggründe sprachen bei den Protestversammlungen mit. Da in Wirk­lichkeit eine nationalpolitischc Frage vorliegt, hat sich die hiesige Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes entschlossen, das Stück hier einmal von einem Schauspieler vorlesen zu lassen, um jedem die Bildung eines eigenen sachlichen Urteils zu ermöglichen. Ter Vortrag findet nächsten Freitag, 11.-Juli, in Steins Garten statt.

** T i e S ch u l z e - T e l i tz s ch - S t i f t u n g zur Errich­tung von Fortbildungskursen für ältere Kleingewerbe­treibende, Arbeiter, Landwirte, kleine Beamte und geschäftlich tätige Frauen, die von der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung in Verbindung mit dem Allgemeinen Verband der Genossenschaften im Jahre 1912 begründet worden ist, verfügt über ein Kapiial von 22 000 Mark und einige laufende Einnahmen. Aus den Mitteln der Stiftung sollen Entrichtungen geschaffen werden, die älteren Kleingewerbetreibenden, Arbeitern, kleinen Landwirten und verwandten Berufen zur Ergänzung ihrer oft dürftigen Bildung die Hand bieten. Tic Stiftung will nicht eine einzelne Unterrichtsveranstaltung an einer Zentralstelle ins Leben rufen, sondern überall, wo das Bedürfnis hervortrite, die Einrichtung derartiger Kurse anregen und einen Teil der ent­stehenden -Kosten übernehmen. Tie Verwaltung der Stiftung rechnet darauf, bis zn 100 Kurse zu unterstützen und einigen, Tausend Personen zu einer notwendigen und segensreichen Er­gänzung und praktischen Anwendung ihrer Schulbiloung zu ver- lhelfen. Eine besondere Ausgabe der Stiftung soll cs {ein, in geeigneten Fällen die Ehefrauen von kleinen Gewerbetreibenden usw. in der Buchführung unterrichten zu lassen und dadurch für ihre Mitarbeit im Geschäfte des Mannes besser auszurüsten. Tie Stiftung wird vom Vorstand der Gesellschaft nir Verbreitung von Volksbildung, Berlin NW. 52, Lüneburger Straße 21, verwaltet.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 4. Juli. Während der diesjährigen H e r b st ü b u n g e n des 18. Ä r m e e t o r p s wirb auch der südliche Teil des Kreises Lauterbach stark mit Einquartierung- bedacht werden. Zunächst wird die 50. Infanterie Brigade (Ins.- Regt. Nr. 1.17 und 118), die in der Zeit vom 30. August bis 8. September ihre Hebungen zwischen Freiensteinau und Geln­hausen abkält, vom 3. bis 9. September in etwa 11 Ortschaft'N des Kreises Lauterbach cinqunrtiert. Bei dem anschließenden Tioi- sionsmanöver der 25. Tivision (Grosch. Hess.) vom 9. bis 13. Sep­tember, ist voraussichtlicb leine Einquartierung zu erwarten, da sich dieses Manöver zwischen Gelnhausen und Opvcrts abspielt. Tagegen wird das daran anschließende Korpsmanöver vom 15. bis 17. September hauptsächlich in dem südlichen Teil des Kreises Lauterbach und zwar zwischen Grebenhain und Steinau statt­finden, wobei wieder eine starke Einquartierung zu erwarten ist.

Kreis Friedberg.

= Bad-Rauhe i'm, 5. Juli. Eine dreitägige Gedenkfeier in großzügigem Stil, die dem Gedächtnis Richard Wagners gewidmet, fand unter Teilnahme zahl­reicher Kurgäste und Wagnerfrcuude in der letzten Woche statt. Ter erste Festtag brachte ein Konzert der Kurkapelle unter Professor Windersteins Leitung aus Werken Richard Wagners, bei dem Fräulein Ellen Beck, Kam­mersängerin aus Kopenhagen, die Arie der ElisabethDich teure Halle grüß ich wieder" aus Tannhäuser, die Ballade der SentaTraft ihr das Schiff im Meere an" aus Ter fliegende Holländer und die ArieGe­rechter Gott, so'ist's entschieden schon" aus R ienzi sang. Tie zweite Veranstaltung war ein Rosen fest, dessen Ertrag für bedürftige Musiler besttmmt war, auf der mit Lampions und Blumen prächtig ausgeschmückten Terrasse, wobei die Gardedragoner aus Darmstadt und die Militär- musikschulc aus Friedberg konzertierten. Zahlreiche junge Tameu hatten den Verlauf der Rosen zu Liebhaberpreisen übernommen. Am Abend war die Terrasse festlich beleuchtet. Tic Festlichkeit stand unter dem Protektorat der Damen Fürstin Salm-Dyck, Frau b. Rauch, Geheimrat Prof. Grvc- del, Pros. Schott, Bürgermeister Kayser, Theodore Lejeune. Ter dritte Tag brackste das zweite große Wagnertonzert der Kurkapelle unter Mitwirkung von Fräulein Ellen Beck und Walter Kirchhoff, König!. Kammersänger von der Hofoper in Berlin. Ellen Beck trugIsoldens Erzäh­lung" undTräume" aus den fünf Gedichten, Walter Kirch­hoff dieGralserzählung" undWalters Preislied" vor. Ten Schluß machte das von beiden vorgetragenc Duett zwischen Elsa und Lohcngriu. Fräulein Beck und HerckLf.rch- hoff waren vorzüglich bei Stimme und ihre Darbietungen waren ein selten hoher Genuß. Tas festlich gestimmte Publi­kum des bis auf den letzten Platz ausvcrkanfteit großen Konzertsaales spendete jedem Vortrag lebhaften Beifall.

Hessen-Nassau.

h. Eschborn, 4. Juli. Ter Frankfurter Polizeipräsident Rieß von Scheuern schloß ist nm Tage der allgemeinen Autorevision hier mit seinem Auto angehalten worden, .veil bet Autoführer weder Führerschein noch einen sonstigen Ausweis besäst.

w. Homburg v. d. H., 5. Juli. Die Kaiserin traf mn 12.25 Uhr mittels Sonderzug zu längerem Kur- aufenthalt hier ein. Zum Empfang hatte sich Prinz : Joachim am Bahnhof eingefunden. Nach herzlicher Be­grüßung fuhr die Kaiserin mit dem Prinzen Joachim im offenen Wagen nach dem Schloß. Die Stadt hat reichen Flaggenschmuck angelegt.

** Tageskalender: Stadt und Landkreis Gießen, .. . Jeden Dienstag abend von 6l/28 Uhr.

Gießen, Asterweg 9. Sprechstunde

Montag, 7.3uli W

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'sche» Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

N. Lange, Gießen.

Ans Stadt und LcrnH.

Gieße n , 7. Juli 1913. ,

Die Neubaustrecke AlsfeldNiederaula mit der Abzweigbahn nach Schlitz wird eifrig gefördert. Zahlreiche Brücken sind wegen der Wegeunterführungen noer lieber» sührungen auf dieser Bahnsttecke nötig. 900000 Kubikmeter Boden sind gelöst und bewegt worden, sechs große Bagger im Betrieb. Jeder Bagger macht eine Tagesleistung von etwa 1400 Kubikmeter, so daß bald eine Million Kubikmeter Boden beivegt sein wird. In die Prücken sind bis jetzt 20 000 Kubiime er Mauerwerk eingebaut. Tie beiden Talbrücken an der Hardtmühle und in der Steinfürst bei Alsfeld, die die Bahn, später mit je ack t Pogen in 22 Meter Höhe über das EnwTal führen, werden Ende 1913 fcrtiggcftellt. Tic Schwalm-Brücke bei Altenburg wird Ende Juli, die Brücke über die Altenburgerstraße Mitte Sep­tember dieses Jahres vollendet. Tie Widerlager der neuen Grün­berger Straßenbrücke sind nahezu fertig. Mit der Lieferungür die 60 Meter lange Gjrünbergcr Straßenbrücke ist begonnen worden. Bon April 1913'bis April 1914 sind acht Millionen Kilogramm Zement erforderlich. Täglich müssen 35 Eisenbahnwagen Ze­ment einlaufen. Ter Umfang der' geleisteten Arbeite geht auch aus den Abschlagszahlungen hervor, die rund 1800000 Mart betragen.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Politische Sagesschau.

Die Arbeitsnachweise im Deutschen Reiche.

Das Kaiserl. Statistische Amt hat nach der D. I. C. eine Erhebung des Bestandes an A r b e i t s n a ch w ei i c n \ u r 19 12 vorgenommen, deren Ergebnis nunmehr in Form einer Sonderbeilage zum Reichsarbeitsblatt Nr. 6 der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht ist. Zur Beschaffung des Materials waren insgesamt 8611 Fragebogen ausgesandt worden, von denen 2o8() beantwortet an das Statistische Amt zuruckgelangten. Von die,en wieder sind 2224 bearbeitet worden, während die übrigen nicht in Betracht kamen. n. f , ... . < ,

Aus den Ergebnissen die,er wichtigen Erhebung ist folgendes hervorzuheben: Es waren Ende 1911 insgesamt 2224 Arbeits­nachweise im Deutschen Reiche vorhanden. Davon befanden ,ich in den Händen der Gemeinden 383 Nackfweye, von Her- bergen und Wanderarbeitsstntten 226, von Landwirtschaftskammern usw 97, von Innungen 572, der Arbeitgeber 112, der Ange­stellten 90, der Arbeiter 547, der Arbeitgeber und -nehmer ge­meinsam 119: sonstige Arbeitsnachweise waren 78 vorhanden.

Von 1439 der vorhandenen 2221 Arbeitsnachweise wurden im Jahre 1909 rund 1 900 000, d. 1). durchschnittlich 1331 Stellen besetzt: von 1985 Nachweisen im Jahre 1912 rund 3 6 00 0 00 b h durchschnittlich 1811 Stellen Im Iahresdurch,chmtt 1909 bis 1912 sind 2 872 635 Vermittlungen vollzogen worden.

Was das paritätische Mitwirken von Arbeitgebern und Arbeit­nehmern betrifft, so bejahten, abgesehen von den 119 Arbeitsnach­weisen in den Händen der Arbeitgeber und -nehmer 199 gemeind­liche, 86 Jnnnngsnachweise, 22 Angestellten-Arbcitsnachwepe nnd 5 sonstige Arbeitsnachweise die Frage nach der paritätischen Mit­arbeit beider Teile. *

Ein dankenswerter Beschluß des Schweizer Bundesrats.

Es ist eine nicht abzuleugnende Tatsache, daß von den drei Nationalitäten, die in der schweizer Eibgenossen)chast eine staatliche Gemeinschaft bilden, die ziffernmäßig und wirtschaftlich stärkste, die deutsche, obwoh sie auch am literarischen, wissenschaftlichen und künstlerischen Leben der Schweiz den Löwenanteil besitzt, um gleichgültigsten den Fragen der Erhaltung und Ausbreitung ihrer Muttersprache gegenüber steht, -Ate Folge ist, daß bisher das Welschtum überall auf Kosten de^ ^.eutsch- "Schweizertums sprachlichen Boden gewonnen hat. E^ muß daher als eilt hocherfreüliches Zeichen beginnender Selbst­besinnung auf deutsch-schweizerischer Sette begrüßt wer­den, daß der schweizerische Bundesrat kürzlich folgenden Erlaß vom 2. Dezember 1912 veröffentlicht hat:

Den Tepartemcntcn wird vom Bundesrat empfohlen, bei ihren Beiträgen zum Geschäftsbericht, wie' in allen ihren deutschen Schreiben, B e r i ch t e n u n d Er­lassen überhaupt, m ö g l i ch st aus Reinheit der Sprache zu halten und den Gebrauch von Fremd­wörtern tunlich st zu vermeiden.

In der Begründung des Beschlusses heißt es:

Für die sranzösischeu Erlasse wird in der Verwaltung auf Reinheit der Sprache und guten Stil gehalten Alle französischen Erlasse des Bundesrats und der Bundestanzlei sind der Durchsicht des sranzösischeii Vizekanzlers uiiter- worfen. Wir möchten den Departementen eine gleiche Sorg­falt in der Behandlung deutscher Berichte, Entwürfe und Schreiben empfehlen, wie für die französische Sprache. Viel­fach leiden aber die Vorlagen der Tepartemente an einem Uebermaß der griechischen, lateinischen unb französischen Sprache entlehnter Fremdwörter, die durch ganz gute deutsche Wörter und Weuduugen ersetzt werden tonnten. Man hat sich vielfach in dem Maße an eine .Mischsprache qewShüt, daß oft bic.. die fein Liter-r-Gymnaimm. be- fiufit Iialcn, zu deren vollem Verständnis zum Freiud- ioorterbuch Zuflucht nehmen müssen. Wrr begreifen wohl, haft in der Bundesverwaltung mit den drei Landessprachen oft für gewisse, insbesondere technische Bezeichnungen Wär­ter gewühlt werden, die allen, oder doch zwei Landes- sprachen gemeinsam sind. Bei sranzösischeu und 'tat,euu- chen Erlchseu hütet man sich zwar sehr vor Wortbitdung.n die dem Geist der Sprache nidjt entsprechen oder ihr ,remd sind Nur in der deutschen Sprache läßt man Feduldig alles über sich ergehen. Wir möchten aber doch daran erinnern, daß nicht alle Bürger des deutsch-schweizerischen Sprach­gebietes FranMsch, Lateinisch oder gar Griechisch gelernt

** Vom Großh. Hof. Der Grobherzog empfing am Samstag mittag 123/4 Uhr den neuen preußischen Ge­sandten am hessischen Hofe Freiherrn v. d. Lancken- Wackenitz, bisher Botschaftsrat in Paris, zur Ueberceichung seines Beglaubigungsschreibens in seierlichcr Audienz. Zu dem gleichen Zwecke wurde der belgische Gesandte mit dem Sitz in Berlin, Beyens, empfangen. Nach der Audienz fand zu Ehren der Gesandten Galatafel im Residenzschlosse statt. 91 m Freitag abend folgten beide Diplomaten einer Einladung des Staatsniinisters Tr. v. Ewald zum Souper.

** Lehrerpersonalien. Der von dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Birstein auf die 2. Lehrerstelle an der Gemeindeschiile zu Dreieichenhain präsentierte Lehrer Ferd. Hitz e r ot h zu Viaibach wurde bestätigt. Erl e d i gt ist die mit einem cvaug. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu N i eder-Ka inSba ch. Das Präsentationsrecht steht dem Grafen zu Erbach-Erdach zu.

haben, und daß auf sie auch einige Rücksicht genommen werden sollte.

DieMitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Ausland" nehmen mit Recht an, daß dieser Beschluß wohl in erster Linie der tatträftigen Aufklärungsarbeit des deutsch-schweizerischen Sprachvereins (Sitz Zürich) zu danken ist.

Vie Abgrenzung der Reichs- Stagtr- nnd Gemcindefinanzen.

Berlin, 5. Juli. TieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" bespricht im Anschluß an die verabschiedeten Steucrgesctze die Frage nach einer Abgrenzung der Reichs-, Landes- und Gcnieindc- sinanzcn. Es sei anzunehrncn, daß die Enttvickelung der Kom- rnunalfinanzcn, zu deren Gunsten die Aufhebung der Rcichsanteile an der Grundlvertzuwachssteuer erfolgt, in dieser Richtung fort- schrcite und daß so die neue Reichsbesitzstcuer einem gerecht­fertigten und gesunden Steuerprinzip den Boden bereitet habe. Die richtige Abgrenzung zwischen den Reichs-, Staats- und Ge­meindefinanzen werde auch zukünftig eins der wichtigsten Probleme der deutschen Politik sein.

Weiter stellt dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" fest, daß die rasche unverkürzte Bewilligung der Wehrvorlagen auch int Auslande nachhaltig gewirkt habe. Die Zustimmung unb Opserbereitschast der Ausländsdeutschen hätten das Gelingen des Werkes erleichtert. Damit passe die Erleichterung der Erhaltung der deutschen Staatsangehörigkeit durch das neue Staatsangehörig- lcitsgesetz gut zusammen. So schlossen bic Ereignisse dieses Sommers die Bande zwischen dem deutschen Reiche unb seinen ausländischen Kindern enger.