eingestellt sei. LNe Truppe« gingen nach der Dobrudsrha. Der bev orstctzende' Krieg mit Bulgarien bilde das Tagesgespräch in Bnkannst.
Bukarest, 9. Jan. (Wiener Kvrr.-Bur.) Die rumänisch-bulgarischem Verhandlungen in London stocken. Dr. Da new h>ün)kf>t, in dieser Angelegenheit durch einen anderen bulgarischem Politiker abgclöst zu werden. Tie hierdurch unvermeidliche neuerliche Verzögerung erhöht *?ie ohnehin vorhandene Spannung des rumänischen Volkes.
Die Franzosen a!8 Helfer der Balkanstaaten
Dem „T e m p s" wird aus London gemeldet, daß der französische Botsstmster Paul Cambon in der Bot- schafterverfsmmlung mm neuem entschieden dafür eintreten >verde, daß die Inseln des Aegäischen Meeres (Griechenland b e l a'.ss en werden und zwar aus drei Gründen: 1. weil es bcr einmütige Wunsch der Bevölkerung sei, 2. iveil es beit nationalen Privilegien entspreche, 3. weil hierdurch die Verteilung der türkischen Gebiete unter die Ball'miverbürtdeten erleichtert werde.
Demselben Blatte nnrd aus Athen telegraphiert, man sei dort über die Haltung Italiens in der Jnsel- frage sehr befreundet, weil die italienische Regierung im Gegensatz zu der Mehrheit der Mächte der Ansicht sei, daß die wichtigsten ägäischen Inseln der Türkei bleiben sollen. Man glaube zwar nicht, daß Italien daran denke, gegenwärtig eine dü'.ser Inseln zu beanspruchen: denn Veniselos habe in dieser Hinsicht im Dezember in Rom von Giolitti und Marchese di San Giuliano kategorische Versicherungen erhalten; aber immerhin frage man sich, ob Italien nicht irgendwelche Hintergedanken für sich hege.
Anfragen im Reichstage.
Dem Reichskanzler ging' folgende Anfragedes Abgeordneten Müller-Meiningen zu:
Ist die öffentlich aufgestellte Behauptung richtig, daß Verabredungen mit der römischen Kur. ie oder einer anderen Kirchenbehörde über die Besetzung der Lehrstellen der philosophischen Fakultät der Universität Straß bürg nach konfessionellen Rücks ichten bestehen? Für den Fall der Bejahung: Was gedenken die verbündeten Regierungen zu tun, um die Aufhebung einer soll Heu Abmachung zu erlangen?
Dem Reichskanzler ging ferner eine Anfrage des Abg. Henke (Soz.) zu folgenden Wortlautes: Begannen Verhandlungen mit deni Norddeutschen Lloyd wegen des 1914 abläusenden Subventionsvertrages und wieweit sind dieselben gediehen? Beabsichtigt der Reichskanzler, die Verhandlungen auf andere Reedereien und Zwar nach dem Gesichtspunkt der Mindestforderung für gleiche Leistung auszudehnen?
Auf die A n f r a g e des Abg. Werner-Gießen (Wirtschaftliche Vereinigung) antwortete der Reichskanzler: „Es wird nicht beabsichtigt, ein reichsgesetzliches Verbot des Sch ächtens in die Wege zu leiten."
Zwei weitere Flei la e Anfragen sind dem Reistage zugegang'er.'. Die eine vom Abg. 5) och lautet:
„Ist es zutreffend, daß die Typhusepidemie im 1. Bataillon des Eisenbahnregiments in Hanau durch Unsauberkeit in der Balaillonsküche entstanden ist, und daß es 2V2 Wochen gedauert hat, bis die Militärärzte die Art der Erkrankungen feshsestellt haben? Kann der Herr Reichskanzler bestätigen, daß alles geschehen ist, um die Ueberlragung der Epidemie auf weitere Kreise zn verhindern?
Die andere ist vom Abg. Dr. Becker (Hessen) gestellt und hat. folgenden Wortlaut:
„Sind dem öemt Reichskanzler die Mißstände be- kamtt, die sich infolge der in b-rn einzelnen Bundesstaaten auf Grund des Reblausgesetzes erlassenen, ganz verschiedenen Ausführumgsb^Atimmungen herausgebildet haben imd ist der Herr Reichskanzler bereit, bei oen einzelnen Bundesregierungen darauf hinzuwirken, daß diese Ausfüh-rungsbestimmungen möglichst einheit- lich gestaltet und sodann auch gleichmäßig angewendet werden?"
Aus StuSt und Land.
Gie nen, 10. Januar 1913.
Aus der Sitzung der Stadtverordneten.
Der ungewöhnlich gute Besuch der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten es waren von den 34 Mitgliedern der Versammlung 30 anwesend — und die zahlreiche Zuhörerschar, hje sich eingefunden hatte, kennzeichneten schon äußerlich die Wichtigkeit der zur Beratung stehenden Angelegenheiten. Zunächst setzte die Sitzung recht friedlich ein, da der zuerst kommende Kleinkram, Baugesuche usw., nur sehr selten Veranlassimg zur Aussprache gibt. Als aber die Frage der Verlegung der städtischen Amtsräume in die alte Klinik zur Beratung kam, wurde das Bild sofort lebhafter. Der zur Prüfung der Frage eingesetzte Sonderausschuß hatte sich mit fünf gegen zwei Stimmen für die Verlegung ausgesprochen und auch in der Versammlung war früher eine Mehrheit dafür vorhanden, aber durch das Angebot der Bahn, die Klinik zu erwerben, bekam die Sache ein anderes Gesicht. Im Grunde waren nur wenige so recht mit der Verlegung der Bürgermeisterei in das Kliniksgebäude einverstanden, mau wollte eben eine Verwendimg für das Gebäude haben. Danach mag wohl den meisten Stadtvätern das Kaufangebot der Bahn wie eine Erlösung vorgekommen sein und der „Umfall", wie ein Befürworter der Verlegung sich geschmackvoll ausdrückte, ist nicht etwa auf die Rücksichtnahme auf die Bürgerschaft und die Agitation gegen die Verlegung zurückzuführen, sondern beruht auf ganz nüchternen, sachgemäßen Erwägungen. Trotzdem die Angelegenheit nach kurzer Zeit geklärt war und das Ergebnis der Abstimmung feststand, wogte der Redekampf über zwei Stunden hin und her. Die Abstimmung, die namentlich war, ergab die Ablehnung des Ausschußantrags und dann mit steigender Mehrheit die Annahme eines Antrags, noch einmal mit der Bahnverwattung in Verkaufsverhandlungen wegen der alten Klinik zu treten. — Eine Aussprache über die S a a l b a u = frage ließ erkennen, daß die Versammlung das Bedürfnis für einen Saalbau wohl anerkennt, aber aus finanziellen Gründen für absehbare Zeit davon abgesehen haben will. Damit dürfte die Frage für die nächsten Jahre erledigt fein.
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** Tageskalender für Freitag, den 10. Jan.: Stadt- theater: „Parketlpy Rr. 10." Aniang 8 Uhr.
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** 5 n b c 1 nichtöffentlichen Sitzung der Stadt verordneten wurde dem Ankauf mehrerer Grundstücke zu- gesummt darunter befindet sich die Wiese von Christ. Haubach I. Erben beim <schlaÄthof. Tie Pacht für ba* Stabt- theater wurde um 25 Proz. ermäßigt wegen des :stückganges der Einnahmen nnb Vermehrung der Ausgaben Beim Neubau des Theaters wurden Magazm und Kulissenräume doppelt so groß angelegt, als der Direktor für nötig hielt. Sie sind aber letzt schon überfüllt, so daß von einigen Monaten das Grundstück Johannesstraße3zur Erbauung eines neuen Knlissenhanses
gekauft wurde: die bisherigen Wirtschaftsräume auf diesem Grundstück wurden vorläufig zum Unter bringen von Bühnenmöbeln zur Verfügung gestellt. Beim Oberhessischen Geschjchts- verein ist die Stadt durch den Oberbürgermeister und ein weiteres, von der Stadtverordnetenversammlung zu bestimmendes Äufsichtsratsmitglied vertreten. Hierfür wurde Kommerzienrat E m m e l i u s und als dessen Vertreter Geh. Kommerzienrat Heichelheim gewählt.
'" Die 50jährige Wiederkehr seines Eintritts in die Armee feiert am 11. Januar Generalleutnant v. Madai. Bis zum Jahre 1867 stand er beim 3. Posenschen Infanterie-Regiment Nr. 58. Am 25. September 1867 wurde er zum Anhaltischen Infanterie-Regiment Nr. 93 versetzt, machte in ihm den Feldzug 1870/71 mit und erwarb sich das Eiserne Kreuz. Am 19. August 1871 wurde Herr v. Madai zum Premierleutnant befördert; bis 1876 versah er die Stellung als Abjutant der 8. Infanterie-Brigade. Dem Grenadier-Regiment Nr. 4 gehörte er als überzähliger Hauptmann bis zum 30. April 1877 an und wurde als Kompagnie- Ehef in das Infanterie-Regiment Graf Tauentzin Nr. 20 versetzt. Als Bataillons-Kommandeur stand er von 1889 bis 1898 bei dem Gr. Mecklenb. Grenadier-Regiment Nr. 89 und wurde dann unter Beförderung zum Oberstleutnant wiederum in das Anh. Infanterie-Regiment Nr. 93 versetzt. Am 19. April 1896 wurde er unter Beförderung zum Obersten zum Kommandeur des Jnf.-Reaiments Kaiser Wilhelm (2. Großh Hess.) Nr. 116 ernannt. Vom 18. April 1899 bis 15. November 1901 war er Kommandeur der 79. Jnf.-Brigade und wurde an diesem Tage unter Verleihung des Charakters als Generalleutnant zur Disposition gestellt. Stets hat Exzellenz v. Madai seinem alten Regiment und der Stadt Gießen das größte Interesse entgegengebracht, wie umgekehrt auch die Gießener Bevölkerung »ihrem Oberst* heute noch ein dankbares Andenken bewahrt. Möge Herr v. Madai noch recht lange Jahre sich des Ruhestandes erfreuen.
"Das goldene Jubiläilm der Lahnbahn. Heute sind 50 Jahre, vergangen, daß die Lahnbahn, deren Bau und Durchführung sehr schwierig war, bis Wetzlar fertig gestellt und dem Betrieb übergeben werden konnte. Der erste Teil der Strecke Oherlahnstein—Ems wurde am 1. Ium 1858 dem Verkehr übergeben. Es folgten dann die Strecken Ems—Nassau am 9. Juli 1860, Nassau—Limburg am 5. Juli 1861, Limburg—Weilburg am 14. Oktober 1862 und zum Schluß Weilburg—Wetzlar am 10. Januar 1863 Im Januar 1862 war die Köln-Gießener Eisenbahn eröffnet ivorden, sodaß mit der Vollendung der Lahnbahn bis Wetzlar auch der direkte Schienenweg von Gießen an der Lahn her zum Rhein hergestellt mar. Im Jahre 1875 wurde dann
zweite Gleis der Lahnbahn ausgebaut und zwar hauptsächlich aus strategischen Gründen, doch ist die Lahnbahn- itrecke eine der wichtigsten Frachtstraßen geworden.
** Lehrerpersonalien. Uebcrtragen wurde dem Lehrer PH. Muth zu Lampertheim eine Lehrerstelle an der evang. Schule zu Bensheim: dem Schulamtsaspiranten Will). Walther aus Beuern die Lehrerstelle an der Gemeindeschule ZU Climbach. Bestätigt wurde der vpn dem Fürsten zu Solms-Lich auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Södel präsentierte Lehrer Hch. Junker zu Eberstadt (Kreis Gießen). Erledigt ist eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bodenheim.
** Krei 8 gesun d he itswese n. Der Groß Herzog Hot den Kreisarzt bei dem Kreisgesundheitsamte Bensheim Medizinalrat Dr. Wilh. GrooS zum Kreisarzt bei dem Kreisgesundheitsamt D irmstadt ernannt
*’ Brandvcrsichtzrungskammer. Der Großherzog hat den Regierungsbaumeister Gg. Sehrt in Darmstadt zum Brandversicherungsii'.spektor ernannt.
""Bestätigter Bürgermeister. Der Großh erzog hat den KreiSamtmann bei dem Kreisanit Bensheim Regierungsrat Dr. Karl Löslein auf sein Nachsuchen au§ dem Staatsdienst entlassen und dessen durch die Stadtverordneten- Versaimnlung erfolgte Wahl zum Bürgermeister der Stadt Bensheim bestätigt.
** Stadttheater. Am Freitag, 17., und Samstag, 18. Januar, finden mit „Grigr i" und „Ser Tanzanwal t" zwei Opcrettengastspiele des Wiesbadener Oppcretten- tHeaters statt. Zu diesen Gastspielen hat für Abomtenten der dritte und vierte Abschnitt des Ermäßigungs^uvons Gülfigkeit.
** K r uppundseineWerke. Der 4. öffentliche Vortrag des Kanfin. Vereins und des Ortsgewerbevereins, der in der großen Aula stattsand, war außerordentlich gut besucht. Ingenieur Emil From Holz-Tortmund berichtete in beinahe zweistün- digein Vortr,ag über „Krupp und seine Werke" und veransst-an- lichte seine Ausführungen durch wohlgelungene Lichtbilder. Das heute als eins der größten technischen Betriebe dastehende Eiscn- »ocrk ist ans kleinen Anfängen entl'tanben. 1811 von Peter Friedrich Krupp gegründet, kam die Anlage infolge der Ungunst der Verhältnisse nickst vorwärts, so daß der rührige, durchaus talentvolle Mann bei seinem Tode seinem 14jährigen Sohne Alfred nichts als eine Stahlschmelze, ein Hammerwerk und die Sorge um die Familie hinterließ. Diesem gelang es durch geniale Erfindungen, die Werke auszudehnen und den Grund zu legen zu. der Ausdehnung, die sic jetzt besitzen. Er batte erkannt, daß er gewonnenes Spiel habe in dem Augenblick, als es ihm gelang, Gußstahlblöcke herzustellen, die die seither erzeugten an Größe und gleichmäßiger Besst)affenheit übertrafen. Das -ist ihm gc- lungcn. Auf der Londoner Ausstellung im Jahre 1851 erregte ber 48 Zentnerblock Krupps allgemeines Auffehcn, während die Engländer nur einen solchen von 11 Zentnern hatten. Und als dann 1859 auf Betreiben des Prinzregenten von Preußen der erste Auftrag der preußischen Regierung zur Lieferung von 150 Gußstahlgeschützen für die Fcldartillerie einlief, da mar der Anfang zu einer beispiellosen Entwicklung gemacht. Um bezüglich ber Leistungsfähigkeit in jeder Beziehung gewachsen zu sein, war es nötig, die Herstellung des Materials vom Anfang bis zum Schluß selbst in die Hand zu nehmen. Aus eigenen (Hsen- teingruben in Westfalen, .an der Lahn und Mosel, selbst in Spanien wurde das Erz auf eigenen Schiffen zu den Hostwsen gebracht, um dort weiter u er ar b cüet zu werden. Durch immer neue Verfahren gelang es, Gußstahlblvcke von ungeheurer Größe zu gewinnen, woraus denn auch Eisenbahnschienen, Panzerplatten, Lokomotiven, Dampfkessel und aud) feinste Stahlwaren aller Art gefertigt werden. An die Stelle des Rohstahls und Bessemer- tahlS ist, eine Erfindung Alfred >lrupps, der Tiegelgaßstahl getreten und statt des Dampfhammers, der eine Schlagleistung von 50 000 Kilogramm hatte, sind jetzt hydraulische Schmiede- Pressen getreten, die eine Wirkung von 10 Millionen Kilogramm cm Silben Alfred Krupp hat sich auch als kluger Geschäftsmann gezeigt. Die jetzt zu einer Aktiengesellschaft umgewaudelte Germaniawerft zu Kiel gründete er, und als er merkte, daß das Konkurrenzwerk Buckau-'.Wagbeburg ihm in wandten Stücken über mar unb ihm das Bonvärtslommen sehr erschwerte, kaufte er es auf Sein Sohn Friedrich Alfred .Krupp, ber seinem Vater im Jahre 1887 folgte, leitete das Unternehmen im Sinne seines Vaters weiter. Durch seinen 1902 erfolgten Tod ging es am seine Töchter über. Hierauf ging der Vortragende näher auf die Herstellung der Feld , Festtings- und Schiffsgeschütze unfr der Geschosse ein und zeigte, wie die Kruppschen Schnettseuergcschütze als die besten der .Welt angesprochen merben dürfen, wie sich dies auch im
letzten Balkankrieg gezeigt habe. Was aber Krupp vor vtettn anderen Industriellen besonders auszeichne, das sei die Si^rge um das Wohl feiner .Arbeiter gewesen. Seine Wohlfahrtse^" richtungen könnten geradezu als mustergültig betrackstet iverdex' und entstanden zu einer Zeit, wo man sonst noch nxnig oder' nicht daran dachte. Minister v. Puttkamrncr konnte darum sagen: „Hier in Essen ist der klassische Boden der Arberterfürforgegesetze, die, ehe das Reich daran dachte, in vorbildlicher Weise geschaffen wurden." Welch warmes Herz Krupp fi'ir seine Arbeiter hat, geht aus der einen Tatsache hervor, daß er neben den Staats beiträgen von 3 Millionen an freiwilligen Leistungen rund dreißig Millionen verausgabt hat. Heute beschäftigt das Kruppsche Werk in Essen ungefähr 72 000 Arbeiter und Beamte. Die Ausführungen des Redners wurden sehr beifällig aufgenommen.
** D i e Frage, ob das Flugproblcm nur teilweise oder schon restlos gelöst ist, kann, so merkwürdig dies auch klingen nmg, nur durch einen Kri eg zwischen Staaten gelöst werden, die nach heutigen Begriffen flugtechnisch.aus ber Höhe sinb. Denn nur im .Kriege Serben Höchstleistungen verlangt unb erfüllt. Die Aufgabe des Friedens ist es, Menschen unb Material zu diesen Höchstleistungen zu erziehen unb auszubauen. Die Bebeutung ber Luftfahrzeuge für bie moberne Kriegführung ist allmählich Gemeingut des beutschen Volkes geworden: ber alänzenbe, namentlich bie Bemühungen Frankreichs in ben Schatten stellenbe Er-- folg ber Nationalflugspenbe, bereit Ertrag 7 Millionen Mark überstiegen hat, hat bies bewiesen. Immerhin gehen aber bie Meinungen über ben gegenwärtigen Wert und bie zukünftige Entwicklung der Luftfal>rzeuge für ben Krieg noch außerorbentlich auseinanber. Während bie einen glaw- ben, baß bie Kriegführung sich burch bie Luftfahrzeuge von Grunb aus änbere, baß bie Kavallerie überflüssig werbe, baß bie Entscheidung nur noch in ber Luft falle, baß in Zukunft ganze Luftgesckstvaber über bas Schlachtfeld fegten und Tob unb Vernichtung ausbreiteten, sinb anbere der Meinung, baß bie Luftfahrzeuge nur einen bebingten Wert besäßen unb baß ihre Bebeutung allein auf dem Gebiete der Aufklärung lüge. Um nun über diese für unsere Landesverteidigung so außerordentlich wichtigen Frageu einen Fachmann ersten Ranges auch vor einer größeren Zuhörerschaft zu Wort kommen zu lassen, veranstaltet der Verein für Luftfahrt in Gießen am Donnerstag, 30. Januar, in der großen Aula einen Vortrag: „Hebet bie Ver- wenbung von Flugfachrzeugen zu kriegerischen Zwecken." Herr Generalmajor z. D. Nend' euther°>München, ber schon währenb ber „Jla" im Jahre 1909 burch seinen Vortrag über bie militärische Be beutung ber Luftschiffahrt Aufsehen erregt Hal, ist als Rebner gewonnen worben.
** Besitz wechsel. Herr Karl Nowack kaufte bas etwa 550 Quabratmeter große Hintergelänbe bes Hauses ber Brüber Schmidt am Seltersweg zum Preise von 13 000 Mark. Damit ist bent Käufer bie Möglichkeit gegeben, sein eigenes Hinterlanb, längs bes Scl)orgrabens, mit bem Erworbenen zusammen als Äauplatz zu verwerten. — Frau Kaufmann A r n o l b Witwe verkaufte ihr Haus unb Kolonialwarengeschäft, Kaiser-Allee 19, für 75 000 Mk. an Kauf mann Schmibt aus Elberfelb, einen geborenen Gießener.
** Ein Gaunertrick. Als gestern abenb am Schalter ber Stadtpost ein zwölfjähriger Junge Geld zum Einzahlen am gezählt hatte, trat ein Unbekannter an ihn heran und trug, ob er ihm nicht einen Fünfzigmarkschem gegen eine Fünfzigmark rolle umtauschen wolle, er benötige den Schein zur Versendung in einem Brief. Der Junge überließ ihm den Fünfzigmarkschein und der Fremde verschwanb, Der Schalterbeamte entdeckte, daß die dem Jungen übergebene.Rotte nicht echt war und ein vminicu auf dem Postamt anwesender Gendarm zerschnitt sie. Tie Rölte enthielt ein Stearinlicht mit einigen Eisenringcu, die der Rolle die nötige Schwere gegeben. Tem Gendarmen, dem der Täter dem '-'luSselten nach bekannt war und dem dessen plötzliches Verschwinden cmffiel, gelang es, den Täter in der Person des stellenlosen Kaufmanns Heinrich Reinhardt zu ermitteln. Ter Mann hatte den Schein gewechselt und 9 Mk. davon verausgabt, der Rest des Geldes konnte dem Geschädigten zurückbegebeu werden. Jedenfalls sollte der Vorfall eine Mahnung sein, unbekannten Personen gegenüber - beim Geldwechseln recht vorsichtig zu sein.
**HeideckersWiederkunft. Zu unserem großen Vergnügen lesen wir in der „Hessischen Landeszeitung" (Marburg) folgende Epistel:
Ter Karneval soll jetzt auch hier organisiert werden. Der Teutsche Karuevalbinrd hat sich, so wird uns geschrieben, durch seine Satzungen verpslickstet, alljährlich in einer anderen Stadt einen allgemeinen Karneval eiuzusühren, aus melrftcm dann die Gründung eines Karnevalvereins hervorgehen soll. Unsere Stadt "taub schon für 1912 in Wahl, dock) wurde sie seitens des geschäfts ührcnden Ausschusses dann erst ftir 1913 in Aussicht genommen. Tie Arrangements in dieser Saison werden zu allgemeinen Ver anstaltungen ausgearbeitet unter dem Motto: „Ob wir arm ind oder reich, die Schellenkapp macht alle gleich". Gerade dadurch itnrb es allerseits an Sympathie nicht fehlen. Unsere wirtsck-aftlickien Verhältnisse sinb Heuer nicht gcrabc günstig für Karnevalsveranstaltnngen: boch man rveiß. daß großzügige Veranstaltungen, ob nun Tamensitzungen oder Hauptfastnachtszng, der Geschäftswelt unstteitig großen stutzen bringen: denn an Fremden ans nah und fern mangelt es bei foldien Anlässen nie. Auch sonst stellt sich Verdienst ein für auszuführende Arbeiten, Ansck^affnngen und dergleickten. Im großen und ganzen kann also bcr Plan nur begrüßt werden Tas verflossene Jahr war übrigens auch so reich an Vorkomn.nissen und Erlebnissen, daß in bet Tat Stoff für Reden und Li' er „en mässe" ebenso vor Händen ist, wie für einen humoristischen Fastnachtszug. Seitens der 'Iftindesverwaltung wird in Kürze eigens eine sogenannte Geschäftsstelle hier errichtet, uro alle Arbeiten erledigt, Auskünfte erteilt werden. In die Leitung und Turchsührung bereits programmartig festgelegter Arrangierungen werden sich Herren der Bundesverwaltimg teilen, wodurch von vornherein ausgeschlossen ist, daß Themas besprochen und besungen werden, die in den Rahmen eines anständigen und allgemeinen Karnevals nickst passen. Schließlich ist bekannt, dtp eine korrekte Turchsührung des Ge amtprogramms unmöglich ist, wenn die Geschäfte von mehreren Seiten geleitet werden. Tie Bundesverwaltung hat vieljährige gute, auch böse Erfahrungen hinter sich und wird sicher das Richtige treffen. Ein Gelingen des Ganzen ist naturgemäß nur durch Mitwirfimg aller Berufenen möglich, speziell durst) Beteiligung ber hiesigen Vereine unb Gesellschaften am Fastnachts« zng. Unsere Stadt bewies schon öfters, daß sie Feste zu feiern versteht, möge es darum auch dem schelmischen Prinzen Karneval ermöglicht merben, sein Szepter hier zu schwingen. Ties um- , omehr, als bie Bimbesleitung auch für hier laut Bnndessatzungen bie Parole: Wohltun burch Humor ausgegchen hat, nwburch in aiibcren Städten vielen Armen Gutes getan wurde
Es ist die alte, liebe Botschaft, die im vorigen Jahre den Gießener Karneval einläutete Freilich stammle diese Botschaft nicht von einem Karnevals-Herold aus lichten Höhen, sondern von einem listenreichen Odysseus, der in Gießen das Land der Phäaken fand. Tas Feigenblatt, mit dem er seine Blöße deckte, trug die Aufschrift: Wo!tun durch Humor. In unserer Redaktion, die er zuerst besuchte, fand er nicht den erhofften liebevollen Empfang, denn er wurde gleich als fahrender Gesstßiftskarncvcllist erkannt. Es kam aus diesem Anlaß zu aufgeregten Szenen, in denen ber Fremdling wilde Kriegstänze aufführte. Bald konnte man ihn aber an der Spitze einer stolzen Garde, in der auch einige Karnevalsidealisten mitmarschierten, als L Stadtkommandant durch die Straßen ziehen sehen. Bon


