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9.6.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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neten die Mandatsmöglichkeit für absehbare Zeit abgeschnittcn werden, und Graf Tisza ist der Mann, seine Ankündigung wahrzumachen. Das weil; auch die Opposition, und so wäre es in der Tat, da die Justh und Genossen ohnehin an der Unfehlbarkeit ihrer in letzter Linie den Parlamentarismus vernichtenden Oppositionstaktik irre zn werden beginnen, nicht unmöglich, daß es dem starken Manne Tisza gelingt, den verfahrenen Karren dcS ungarischen Staatswagens wie­der ins rechte Geleise zu bringen.

Freilich werden die Oppositionsparteien unter Tiszas Regiment alle Hoffnung aufgeben müssen, das im März d. Js. Gesetz gewordene komplizierte und weder den un­teren Volksschichten noch den nichtmagyarischen BcvölkcrungS- bestandtcilen gerecht werdende Wahlrecht durch das von ihnen erstrebte allgemeine, gleiche und direkte Wahlsystem zu er­setzen. Und dies ist der Punkt, wo die Krone nicht mit dem Grafen Tisza, sondern mit der Opposition sympathisiert, denn man ist in Wien davon überzeugt, daß bcnt magy­arischen Chauvinismus, dessen EndzielLos von Oesterreich" lautet, nur beizukommen wäre, wenn cs gelänge, mit Hilfe des allgemeinen Wahlrechts die magyarische Minderheit zahm zu machen. Aber so unbeliebt auch Graf Tisza, der Führer der konservativen Adelspartei, insbesondere in den Kreisen ist, die sich um den Thronfolger Franz Ferdinand scharen, und so sehr man überzeugt ist, daß die ungarischen Selb- ständigkcitsbestrebungen in ihm eine Stütze finden, so hat ihm doch der greise Kaiser Franz Josef die Kabinetts­bildung schon deshalb ohne weiteres übertragen, um nicht dem WorteDank vom Haus Oesterreich" eine neue Be­gründung zu liefern. Dazu kommt, daß man in der Wiener Hofburg von einer Begünstigung der Opposition wohl nicht mit Unrecht eine Erstarkung der antimonarchischen Elemente befürchtet, während man dem Grafen Tisza mit einer Variante der Worte, die einst Grillparzer an Radetzky rich­tete, sagen darf: In eurem Lager ist die Monarchie!

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Der Streit der Vallanflaaten.

Berlin, 9. Juni. DerLokalanzeiger" meldet aus Sofia: Nach einer beglaubigten Meldung hat Griechen­land in Konstantinopol, Ser bi en in Bukarest ein Bünd- n is gegen Bulgarien angeboten. Griechenland bot der Türkei Thrazien mit Adrianopcl an, die Türkei ver­langte aber die Abtretung der ägäischen Inseln. Serbiens Angebot soll so außerordentlich gewesen sein, daß Rumänien es schriftlich verlangte. Dies blieb natürlich unerfüllt. Sobranje-Präsident Dr. Danew wurde heute abend ins Palais berufen. Die Lage erscheint bedeutend verschärft. Bulgarien hat, nach derBoss. Ztg.", Rußland ersucht, Serbien zur Räumung der strittigen Zone und zur Ein­setzung eines Kondomimons über diese zu veranlassen. Rußland soll dann über diese Zone allein das Schieds- richtcramt übernehmen. Die Kabinettskrise soll bis zum Eintreffen der russischen Antwort ungelöst bleiben.

Serbien will annektieren.

Belgrad, 9. Juni. Die vom Ministerpräsidenten Paschitsch zu einer Besprechung berufenen Parteiführer legten diesem, wie verlautet, übereinstimmend nahe,

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Vas Kabinett Tisza.

Wenig mehr als ein Jahr, nämlich 14 Monate, hatte sich das Kabinett Lukacs im Amt gehalten, allerdings ein für ungarische Verhältnisse ganz stattlicher Zeitraum. Und zweifellos hätte sich derjunge Mann des Grafen Tisza" noch länger gehalten, wenn es nicht auch in Ofenpestein Kammergericht" gäbe. Daß der Abgeordnete Desy, der den Ministerpräsidenten etwas übertrieben dengrößten Panamisten Europas" genannt hatte, im Namen des Königs freigesprochen wurde, ließ es unmöglich erscheinen, daß Lukacs weiter der erste Ratgeber des Königs blieb. So ging er, die bekannte diplomatische Krankheit, in diesem Falle die Nervosität, vorschützend, unter dem Jubel der Opposition, deren Entrüstung freilich eitel Heuchelei ist, denn Lukacs hat die Panamagelder nicht für sich, sondern für die Regierungspartei zu Wahlzwecken verwandt, und welche jemals in Ungarn herrschende Partei weiß sich von diesem Vorwurf frei? (Freilich eine Ausnahme kennt die magyarische Geschichte, und dieser weiße Nabe ift der neue Ministerpräsident Graf Tisza. Als er die Wahlen machte, benutzte er keine Panamagelder, wie er sich überhaupt von jeder Be­einflussung durch den amtlichen Apparat fernhielt. Den Theoretiker nannte man ihn deshalb spöttisch, und in der £at, mit der Praxis sah es schlecht aus, denn die Regierungs­partei brach bei dieser Wahl zusammen. Aber der Ruf seiner unantastbaren Integrität wird ihm jetzt, wo man in Ungarn beschämt darüber ist, daß die Dinge, die dort die Spatzen von den Dächern pfeifen, nun auch kein europäisches Geheimnis mehr sind, sehr zustatten kommen.) Die Oppo­sition freilich hat keinen Grund zum Lachen, und die erfolg reichen Ministerstürzer werden vielleicht mit dem Goetheschen Wort sprechen: den Bösen seid ihr los, die Bösen sind ge- l'lieben! Zwar den gutgehaßten Lukacs haben sie gestürzt, aber der bestgehaßte Graf Stephan Tisza, der als Prä­sident des Abgeordnetenhauses mit eiserner Gewalt und mit Hilfe der neuen scharfen Geschäftsordnung die Obstruktion niedergedrückt hat, ist nicht nur geblieben, sondern der bis­herigeheimliche König" ist letzt der offizielle Ministerpräsident geworden. Und darum Räuber und Mörder, werden viel- leich. tie Herren Justh und Genossen denken!

Allerdings versichert Graf Tisza, daß er cs zunächst mit einer Politik des Friedens versuchen werde. Wie ans Ofenpest gemeldet wird, will er an die oppositionellen Par­teien die Aufforderung richten, sich an den parlamentarischen Arbeiten in normaler Weise zu beteiligen, und er sei bereit, für den Frieden manches Opfer zu bringen.Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt." Wenn seine Auf­forderung, so läßt er weiter verkünden, vergeblich wäre und die Opposition ihm gegenüber wieder die scharfe Tonart einschlage, werde er einen Gesetzentwurf des Inhalts ein» bringen, daß Abgeordnete, die sich trotz Aufforderung des Präsidenten den parlamentarischen Arbeiten fernhalten, ihres Mandates verlustig erklärt und auch bei den nächsten Wahlen nicht wiedergewählt werden sollen. Ginge ein solcher Gesetz­entwurf durch, so würde damit den oppositionellen Abgeord-

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Die Ausstellung des Aunstvereins

, Von Paula Messer-Platz, Gießen.

Don den drei Künstlern, die die diesmalige Ausstellung des Gießener, Kunftvereins beschickten, ist P. Baier, Mannheim, am stärksten und wohl auch am besten vertreten. Das Figürliche scheint ihm mehr als bas Landschaftliche zu liegen. Verfolgt man an der Hand dieser Bilder seinen künstlerischen Entwicklungsgang, so stößt man auf ein merkwürdiges Auf uiti) Ab und eine außer­ordentliche Berschiedenheit der Leistung. Fast ist man geneigt, die zeitlich frühesten Bilder als die künstlerisch wertvollsten zu bezeichnen. Sic sind packend, unmittelbar, von sicherer Zeich­nung, warmer Farbe und guter Technik. Man beschaue sich ein­mal den alten bärtigen Kopf in seiner vorzüglichen Plastik und dem feinen Uebergaug von Haar und Gewand. Das beste aus dieser Zeit ist wohl dieGemüscvcrkäuserin". Die malerischen Qualitäten, die ganze Art dieser Bilder läßt vermuten, daß der Künstler durch die Schule von Kaspar Ritter, Karlsruhe, ge­gangen ist und es verstanden hat, die Vorzüge derselben sich zu eigen zu machen.

Merkwürdig verschieden davon sind Bilder wieIdylle", Kuß" oderKriegsbeute", die zwar in Baier immer den guten Zeichner verraten, aber sonst (besonders auch beiJudith") eine Wendung zum Süßlichen, Konventionellen und Schablonenhaften nehmen.

Und noch ein drittes Gesicht zeigt der Künstler: er sucht sich mit der Moderne auscinanderzusetzeu. Seine Malweise wird flotter, seine Farben frischer.Zur Sommerzeit" oderrotes Haus" zeugen davon. Wer obwohl die Technik weit moderner sich gestaltet als z. B. bei derGemüseverkäuferin", erreichen die Bilder doch nicht mehr das Ruhige, Syinpathische der früheren. Man vergleiche die freilich schwierige Aufgabe derbadenden Knaben" oder die meisten Landschaften! Die Farben verfallen leicht in ein unangenehmes Lila, Blaugrün und Rosa und stehen oit hart nebeneinander.

Das beste Bild des zweiten Ausstellers, W. Barthel, Gießen, ist wohl derVorfrühling", wenn auch die Schatten des Vordergrunds etwas schwarz ausgefallen sind. Dafür weist es nnc feine duftige Ferne auf und einen ausgesprochenen Sinn für gute Komposition, der auch in den airdern Arbeiten zur Geltung «unnt. Die Partieaus dem Gießener Stadtwald" ist zu farbig geraten und der Boden sieht sich zu rund und wellig an. In Mserm Himme^strich leuchtet das Blau nicht so ungebrochen, gibt es kein so stark gesättigtes Gelb, ist das Grün, auch des Vordergrunds, von einem milden Dunst umflossen. Diese zarte Luftschicht, deren Beachtung einer gemalten Landschaft erst Tieien- Dirkung gibt, fehlt ganz auf der größeren Winterlandschaft. Ueber- Eüupt zeigen die Bilder eine Malweise, die uns he^ft etwas

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ein neues Verfahren zum Schutz gegen Verletzungen unter Wasser ausgeprobt worden und hat sich so bewährt, daß alle größeren Kriegsschiffe der amerikanischen Flotte mit diesem Schutz ver­sehen werden sollen. Ter Ingenieur Wotherspoon hat, wie M. A. von Lüttgendorff in der Umschau berichtet, Druckluft zum Ent­leeren und Ausfüllen überfluteter Schiffsräume angewandt, da es bei größerem Wasserandrang nicht möglich ist, das Wasser durch Pumpen zu entfernen. Er läßt in den beschädigten Schiffs­raum Druckluft einströmen, und es gelingt ihm dadurch fast immer, den Schaden auf diese Stelle zu beschränken. Der ge­fährdete Raum erhält den höchsten Luftdruck und wird dann mit Luft von etwas geringerem Drucke umgeben; schließlich wird der Lustüberschuß an die benachbarten Räume abgegeben. Da­durch erhalten zugleich die Schotten eine Stütze. Für gewöhn­liche Fälle genügt ein Ueberdruck von V Atmosphären. Die Schutzvorrichtung ist ohne Schwierigkeit in die Schisse ein;,Litauen, wobei man in der Regel die vorhandenen Druckluftanlagen, die heute bereits in Kriegsschiffen zum Einführen frischer Last wie zur Ableitung schädlicher Gase vorhanden sind, benutzen kann. Der Apparat eignet sich auch gut zur Prüsung wasserdichter Räume und zur Unterdrückung von Feuer; im letzteren Falle wird nicht Druckluft, sondern ein unentzündbares Gas in die bren­nenden Räume gepumpt.

Reiseregeln. In derKöln. Ztg." finden sich fol­gende beherzigenswerte Reiseregeln:Mund auf! Augen zu'" sagten wir als Kinder und steckten uns was Gutes zu. Beim Reisen ist es umgekehrt, soll imS was Gutes widerfal/ren- Augen auf! Und zu den Mund!" In deinem Urteil über fremdes Land und rremde Leute bleibe jenseits von Gut und Böse was du stehst, i|t weder gut noch schlecht, nur anders Reise ist ein Spiegel. Wie dir das Land erscheint' so bist du leibst. xie Eisenbahn ist kein Reisevergnügen, son­dern nur ein Mittel dazu. Jedes ftemde Land ist eine Frucft nut neben Hunten. Zu oberst liegenLber", Lists, Hotels und Tablev d'hote Auch Kirchen und Museen sind noch solche Haute. Um ne alle durckwubeißen und zur guten Frucht zu kommen mutz man Mste Zähne haben. - Laß lieber den Kanun zu Hause al- bie Höflichkeit. Eine fremde Stadt sollst du nickst erledigen, sondern.entdecken. Wenn du das ftemde Volk nicht bn )einer Arbeit iahst, jo hast du nichts gesehÄl. Wirf eine ..cunze hinter dich, bevor du aus dem Stadttor gehst, so wirft die Ltadt dir ihre Sehnsucht nach. Straßen, die du abends gtngst, geh nicht des Morgens: alle Tinge redeii nur ftnmal zu dir. Latz dir 3eit! Laß dir Zeit! Laß dir Zeit!

. , ~ r 5 e Nachrichten aus Kunst und Wissen- l ch a 71. ^n Heidelberg ist der a. o. Professor für Chemie an der dortigen Universität Tr. phil. Max Dittrrch im 49. Lebensjahre gestorben.

altmodisch erscheint^ Sehr ansprechend wirkt gleichwohl die Land­schaftAus denr Spessart". Alle Bilder beweisen eine glückliche und geschulte Auswahl der Motive.

Das Kapriziöse des Aguarells weiß O. Engelhardt- K y f f h ä u s e r, Magdeburg, trefflich zur Geltung zu bringen! SeinJahrmarkt", dürste man die rechte Ecke beschneiden) ift eine künstlerisch hochstehende Arbeit. Kräfttgere Töne benützt er in dem Bildam Steinhuder Meer". Äe glänzenden roten Dächer schauen lustig zwischen den grünen Bäumen hervor, so daß das, was den Maler wohl an dieser Landschaft gereizt hat, auch wirklich zum Ausdruck gebracht ist. Das Geheimnis des Erfolges liegt ja so häufig in dem Grundsatz von Albert von Keller: Nichts malen, wovon man nicht entzückt ift".

Hk. Krebsforschungen. Tie ,D^esterreichische Gesell- schaft für Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit" hat, wie dieKlin. cherap. Wochenschr." berichtet, in Wien vor einigen Tagen ein in ihrem Austrage errichtetes Laboratorium für chemische und chemisch-experimentelle Forschungen über die zdrebskrankheit dem Betriebe übergeben. Mit der Einrichtung dieses Laborato­riums ist der llniversitätsprofessor Tr. Sigmund Fränkel in Wien betraut worden. Das Laboratorium wurde an die bereits seit neun Jahren bestehende Spiegler-Stiftung angeschlossen, so daß es dem neuen Krebslaboratorium möglich ist, alle Insttumentc des reich ausgestatteten Laboratoriums der Spiegler-Stiftung zu benutzen. Tie Arbeiten werden sich im wesentlichen auf chemo­therapeutische und gewebckemische Studien erstrecken. Tie Krebs- gesettschaft besaßt >ich jetzt auch mit dem Projett, für die Er- rickstung eines eigenen, der Krebsforschung und der Pflege Krebs­kranker zugleich dienendeii Hauses auf tarn Areale der ehemaligen Landesirrenanstalt die Mittel zu beschaffen.

EinMeistcrwerkdcrRenaissance. Das Haupt­werk Jaoopos della Quercias, das Marmorgrabmal der Ilaria Carretto im Tom von Lucca, war bald nach seiner Vollendung (um 1406) von seinem Standort entfernt und zer- schlageii worden, nachdem der Besteller, der Gatte der Ilaria, ge­stürzt war. Die Teile des Grabmals wurden in alle Richtungen zerstreut, nur die Grabngur und die linke Langseite blieben im Besitz der Donwpera. Im Laufe des vorigen Jahrhunderts wur­den verschiedene Teile des Werkes wieder aufgefunden und dem Dom von Lucca zurückgegeben. Das Kopfende blieb jedoch bis­her verschwunden. Jetzt hat, nnc die Künstln, wrik berichtet, der Conte Amedeo Cenami das Stück mit einem Marmorwappen der Earretto-Gninigi in der Pinakothek zu Lucca i dentifiziert, und so ist es ermöglicht, das Grabmal im Dom in seiner ur­sprünglichen Gestalt wiederherzustellen.

. Der Schutz von Kriegsschiffen durch Druck­luft. Aus dem amerikanischen KreuzerNorth Carolina" ist

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Nr. 132 Erster Blatt 163. Jahrgang IRontaa. 9 luni 1913

Der Siebener Anzeiger zm-Rrar ££ 3 3 __ «UVIUUy, V.

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falls binnen zwei Tagen keine befriedigende Er­klärung aus Sofia erfolgt, sofort mit der Annek­tierung der eroberten Territorien vorzugehen.

Die neue Lage.

Sofia, 8. Juni. Wenn die russische Diplomat ie nicht streng interveniert, wird morgen eine völlig neue Lage eintreten. In Sofia ist strengster Kriegs­zustand. Die bulgarische Bevölkerung Maze­doniens wird durch die Griechen und Serben rücksichts­los verfolgt. Griechische Truppen haben bulgarische Ortschaften, darunter Karasuli besetzt. Die griechischen Be­hörden fahren fort, Bulgaren, nur weil sie Bulgaren sind, aus den besetzten Gebieten zu verbannen.

Die Antwort Bulgariens.

Sofia, 9. Juni. Nach Mitteilung von zuständiger Stelle ist die Antwort auf die Forderung Serbiens auf Revision des Bündnisvertrages fertig gestellt. Der heutige Ministerrat soll über die Antwort beschließen, lieber ihren Inhalt verlautet, daß eine Revision entschieden ab gelehnt wird.

Tie bulgarische Kabintttskrifis.

Sofia, 9. Juni. Wie versichert wird, stößt die Lösung der Kabinetlskrise besonders wegen der Frage der auswär­tigen Politik auf große Schwierigkeiten. Insbesondere will die Regierung die Antwort aus Petersburg abwarten, ob Rußland Serbien zur Einhaltung des Vertrages und zur Räumung der unbestrittenen Gebiete, sowie der strittigen Zone veranlassen wolle.

Tie Friedcnsdelcgierten beim König von England.

London, 8. Juni. Reuter erfährt: Bei dem Früh­stück, das vom Könige den Friedensdelegierten im Bucking- bampalast gegeben wurde, wurden keine 9ieben gehalten. Nach dem Frühstück wurden sämtliche Delegierten dem König vorgestellt, der sich in zwangloser Weise mit ihnen unterhielt. Der König beglückivünschte die Delegierten zur Unterzeichnung des Präliminarfriedens und sprach die Hoffnung aus, daß die Arbeiten bald zum befriedigenden Abschluß gelangen und daß es nicht mehr zur Wiederaufnahme der Feindseligkeiten käme. Die besondere Betonung des letzten Punktes durch den König machte einen großen Eindruck auf die Delegierten, die jm höchsten Grade entzückt waren von der vom Könige be­zeigten Liebenswürdigkeit.

konservative und Liberale in Spanien.

Madrid, 8. Juni. In bet Deputierte nkammer führte M au r a aus, man stellt mich als einen Verletzer der Gesetze hin und als u l t r a m o n t a n e n T y r a n n e n. Diese Urteile sind ungerechtfertigt. Ich billigte die Verfechtung dcr Ausbreitung aller Ideen, aber niemals, daß sie auf gewalt­samem Wege durchgeführt werden; ich forderte immer und fordere auch noch die Gleichberechtigung für alle Bestrebun­gen der Republikaner, wenn es sich um die Verteidigung der gesetzlichen Formeln handelt. So bin ich auf Eurer Seite gegen jeden. Ihr habt in uns den aufrichtigsten Bruder, wenn Ihr als Bürger handelt, aber wenn Ihr als Aufwiegler handelt, io muß nach meiner Ueberzeugung die ganze Schärfe des Gesetzes gegen Euch angewandt werden. Ich Ijaltc mich nicht für unfehlbar und unterwerfe mich dem Urteil des Landes; ich halte den Kontakt der beiden Regierungsparteien für unumgäng­lich notwendig; den Kontakt zwischen den Liberalen, die ihn unterbrochen haben und zwischen uns, die jie dieses

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