llr. Pb Drittes Blatt P3. Jahrgang
Erscheint tkglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siehener Zamtlienblatter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „«reirblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
Srneral-Anzeiger für Kberhefien
Donnerstag, 8. Mai PsZ
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univcrsitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e=^51. Redaktion:e^E112. Tel.-Ad r.:AnzeigerGießen.
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Alson§ XIII. und -ie AnarchiftengesaKr.
«Mfons XIII. von -Spanien ist mit bcnt Ministerpräsi- Bßnten Grafen R v m a n o n c v zum offiziellen Besuch beim Präsidenten Poincare in Paris angelommen und weilt auf -em für ihn so jährlichen Boden, auf dem er vor 8 Jahren fftn-em anarchistischen Attentat wie durch ein Wunder ent- Ä gtnfl-. Es war am 31. Mai 1905. Der junge König von
M Spanien kehrte im offenen Wagen des Präsidenten Loubet, von aHot Seiten mit Mitttär umgeben, uin Mitternacht l I von eurer Galavorstellung der Grasten Oper zurück, die if Straßen waren prächtig erleuchtet: tausende von Passanten > winkten dem König zu, als plötzlich in der kürzen Rue de Rohan -eine Bombe in nächster Nähe des Wagens nieder- 4 ' beim Aufschlagen explodierte und mehrere Gardisten W oerlichte. Alfons XIII. und der Präsident der Republik, - ixt neben ihm im Wagen saß, trugen keine Verletzungen * -«von. Die Behörden gäben sich die erdenklichste Mühe, M die Täter ausfindig zu machen. Es wurden auch An- ij klagen erhoben. Aber das Beweismaterial genügte nicht s zAr Verurteilung.
h... Der König von Spanien ist seitdem wiederholt das V'- Ziel von Anschlägen gewesen. So schon gleich damals im Zunr des nächsten Jahres, als Matteo Moran eine Bombe P giegen rhn schleuderte, 13 Soldaten mit) 11 Zivilisten tötete k? irnd Zahlreiche Personen verletzte, ohne den König zu treffen, r Kürzlich war es auch der Tischler Sancho Alegre, der einen taf vergeblichen Anschlag auf König Mfons verübte. Diese j Angriffe geschahen in -der heimischen .Hauptstadt des Königs. |i Dort sind die Behörden über die anarchisttschen Pläne besser , mrterrichtet als in dem viel größeren Paris, wo Alfons XIII.
j: sich als Fremder und Gast aushält. Hier lauert aber die
I NAevtliche Gefahr auf ihn, hier verfügen die Anarchisten Oer viel ausgedehntere Beziehungen und Hilfsmittel, t haben sie doch auch schon ganz offen eine Kundgebung Jis Men König Mfons veranstaltet. Die kommunistisch-anar- $ (Mische Föderation hat eine Protestversammlung in Paris | ebgchalten, wobei der Sekretär des Verbandes König Mfons \, als den Mörder Ferrers bezeichnete und die Genossen auf- - forderte, auf dem Wege, den der König nimmt, aus voller Lunge zu schreien: „Mörder! Mörder!"
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* ; Die erloschene Weltkugeln zu neuem Leben erwachen.
Erst im Lause der letzten Jahre hat das Spektroskop uns vfsen-
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In LÄn ungeheuren Raunr und im, Laufe der unendlicheir ?<if kommt es wohl vor, daß zwei erloschene Welttörper, zwei tornten, die wohl eine dunkle, oberflächliche Schale haben, dereir Dimeres aber noch ein feuriges Meer bildet, mit kolossaler Gewalt mietnanber stoßen. Der Anprall dabei -mich fürchterlich sein. Das tetd uns klar, ntenn wir an die unermeßliche Erle, mit der sich W Himmelskörper bewegen, denken. Wandert doch unsere .Sonne
Durch diese Parole suchen die anarchistischen Führer B mch den lchten Mann ihrer Anhänger und Mitläufer Wmfzustacheln, und so entsteht die große Gefahr, daß aus tent Riesenhecr derer, die sich zu den anarchistischen Lehren Ahmgezogen fühlen, trotz aller strengen Vorsichtsmaßregeln H der „Held" hervortritt, dem es gelingt, bis zu bem König . ■- wrzüdringen und die verbrecherische Waffe gegen ihn zu echeüen. Man darf nicht vergessen, daß einst die Ver- ' -etdigungsrede Ravachols, des Grostmeisters der fran- ..Mschen Anarchisten, in allen lateinischen Ländern Europas verbreitet wurde, und daß anarchistische Gruppen und Zei- llwgen in Spanien seinen Namen angenommen haben, zener Pariser Anarchist ist das leuchtende Vorbild gerade sirr den spanischen Anarchismus geworden. Ihm gelang es, die Bewohner der französischen Hauptstadt derart unter io Bann des Schreckens zu stellen, daß es nur mit Mühe • möglich wurde, eine Liste der Geschworenen aufzustellen, G umd daß diese (Geschworenen es dann nicht wagten, das KMsetz in voller Schärfe anzuwenden und über' ihn das Ui Odesurteil auszusprechen. Erst das Gericht von Mont- Mrisoik hat ihn dann zwei Monate später der Guillotine ‘ überliefert. Bor bem Gericht aber erklärte er mit Emphase:
^zch handelte im Namen der Anarchie, die die große Fami Alie sein wird, in der sich jeder nach seinem Hunger wird essen können. Ich wollte terrorisieren, damit man auf |glO aufmerksam werde und begreifen lerne, was wir sino, »rcttnlich die wirklicheri Verteidiger der Unterdrückten." Hovachol entstammte den Bevült'erungskreisen von Paris, Mm denen die „Apachen" aufnachsen, die Zuhälter und Vcr- ff Becher, die den ordnungsliebenden Bürger beunruhigen.
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tort, daß int Kern erloschener Sterne weißglühende Stoffe vor- kiibcu sind, die int Innern dieser Sterne brennen. Diese weiß- lljihenden Stoffe sind stark explosiver Natur, wie der berühmte »Mvedische Physiker Arrhenius nachgewiesen hat. Man kann daher . lie erloschenen Sonnen und Sterne Geschossen vergleichen, wie le int Kriege angewandt werden, die beim Aufschlagen in Tausende ton Stückeit zerschellen.
! Im Weltenraum gibt es Mengen von Materie, bereit Mole- Üle ziemlich weit voneinander entfernt sind, und die daher stets 61L? niedrige Temperatur aufweisen. Es sind das die sogenaun- ht Nebel. Das Innere einer Crookeschen Röhre, wie man sie lei drahtloser Telegraphie anwendet, gibt uns einen Begriff von too Verzweigungen dieser Nebel. Die Forschungen von Professor tiljons Berget haben uns über die Beschaffenheit dieser Nebel tigere Aufklärung gebracht. Wie er nachyewiesen hat, bestehen k Mui größten Teil aus Wasserstoff, aus Helium und einem Oki ft, tos das Spektroskop uns wohl hat erkennen lassen, das'man aber W n den Stoffen, aus denen sich unsere Erde aufbaut, noch tickt hat finden können. In Ermangelmig eines besseren Namens jatmän es „Nebulium" genannt.
Wenn kosmische Ständchen, die, aus ihrer ursprünglichen Lage torch die kolossale Kraft der Strahlung fortgetrieben, auf ihrer Säuberung durch den Weltenraum in eine Umgebung gelangen, Ke der eben beschriebenen entspricht, dann werden sie kleine Zen- re« der Kondensation. Da diese kosmischen Stäubchen mit Elek- iizität geladen sind, bringen sie die Masse, in die sie eindringen, Hi« Leuchten. Dieselbe Erscheinung zeigt sich auch, wenn man luti) eine Crookesche Röhre einen elektrischen Strom' durchgehen lifh. Durch das Leuchten wird der Nebel dann als weißlicher steck in den schwarzen Tiefen des nneudlichen Raumes sichtbar.
Tritt unter diesen Umständen ein größerer Körper, eine er kdtenc Sonne oder ein erstorbener Stern, in den Nebel, so wird tiefer Weltkörper ein mäckstiger Herd der Anziehung. Auf alle toii«chbarte Materie übt er seinen Einfluß aus. Durch die bann Klgmde Kondensation wird die Temperatur der einoringenden Tiafife so erhöht, daß sie zu einem weißglühenden Stern im Nebel Irirl. Und jetzt beginnen die verschiedenen Phasen im Leben I -.Lies Sternes.
bie bei allen größeren öffentlichen Gelegenheiten aus ihren Schlupfwinleln hervordrängen, bereit, unter dem Deckmantel der Politik' und mit der Parole irgend einer Rachepflicht (wie jetzt wieder die Ferrerparole' die schwersten Verbrechen $u fragen. Auch auf Ravachol folgten die Rächer. Ihre Proklamattonen häuften sich zu Bergen. Vaillant lrarf ton der Tribüne der Kammer eine Bombe. Als Sadi Earnot das Urteil Vollstrecken ließ, schrieb' die Zei- tung „Le Parti soeialiste"': „Jetzt, wo der Präsident sich kaltherzig für den Tod entscheidet, lvird es in Frankreich niemanden geben, der ,ihn beklagt, wenn ihm einst das kleine Unheil widerfährt, sein steinernes ^Herz von einer Bombe zerschmettert zu sehen!" Der Mörder Caserio erfüllte die fiirchtbare Prophezeiung. Und immer weiter fraß die Epidemie. Am 5. Februar 1893 starb der Anarchist 5penry auf dem Schaffot, acht Tage später zersprang eine Bombe int Hotel Terminus, und am 19. Februar erfolgten bie Dynamitanschläge des Jean Pauwels, der bald darauf eine Bombe in die Magdalenenii.rche warf. Ravachol, Vaillant, Emile Henry und C a s e r i o waren die letzten „großen" Propagandisten der Tat, die für ihre entsetzlichen Verbrechen wenigstens mit einer gewissen Logik vor den Richtern einstehen konnten.
Seitdem ist der Anarchismus in Paris zum großen Teile unter die — Unzurechnungsfähigen gegangen. Die Geisteskranken ahmen die Taten der anarchistischen Größen nach, stehlen das Dynamit, schleichen sich unbeachtet, weil man sie fiir harmlos hält, durch die Vol'ksmassen. Und dies ist die neueste und gefährlichste Form des Anarchismus, vor dem die Könige zu zittern haben.
Paris, 7. Mai. Der König von Spanien traf gestern abend um 1/2H Uhr auf der französischen Grenzstation Hendaye ein und wurde dort von dem Präfekten des Departements Basses-Pyrenees und dem ihni zugc- teilten Kommandanten des 18. Armeekorps begrüßt. Um 3 ill Uhr setzte der König die Fahrt nack) Paris fort, wo er heute vormittag gegen 10.20 Uhr eintrifft.
Paris , 7. Mai. König Alph 0 ns ist um 10 Uhr 19 Min. auf dem Bahnhyf Bois-de-Boulogne eingetroffen, wo er vom Präsidenten Poineare und von den Mitgliedern der Regierung empfangen wurde. Die Bevölkerung begrüßte den König lebhaft.
Der König von Spanien, Ministerpräsident Poineare und die Mehrzahl der Minister haben heute vormittag einer Parade der Garnison truppen auf der Invalid en-Esplanade beigewohnt, an der auch die Zöglinge der Militärschulen teilnahmen. Eine große Menschenmenge jubelte dem König, dem Präsidenten und dem MinistQ:- präsidenten Romanones $n. Der König von Spanien empfing den Besuch des früheren Präsidenten Emile Loubet und die Mitglieder des diplomatischen Storps.
Paris, 7. Mai. Während der Fahrt des Wnigs Alphonso durch die Champs-Elysees stießenan60Mau- rer, welche auf dem Gerüst eines Neubaues standen, P f i f f e a u s u n d r i e f e n: „Ho ch F e r r e r". Die Msuge erhob dagegen Einspruch und die Polizei mußte einschreiten, um die Ruhe herzustellen. Ein Mann, welcher gleichfalls ein Hoch auf Ferrer ausbrachte, wurde verhaftet. — Die Polizei hat sehr strenge Maßnahmen getroffen, um die von Anarchisten und Gewerkschaftlern für heute abend ange- kündigten Kundgebungen vor der spanischen Botschaft zu verhindern.
Paris, 7. Mai. Der König von Spanien nahm im Elysöe an einem tziu seinen Ehren vom Präfidenten Poinears gegebenen Frühstück teil.
Der König von Spanien verlieh Poineare das goldene Vlies.
In Lyon wurden zehn Spanier verhaftet, die dort bereits seit längerer Zeit wohnhaft sind. Sie werden beschuldigt, einer gegen den König Mfons aus Anlaß der Pariser Reise angezettelten Verschwörung anzu- mit ihrem blendenden Gefolge von Planeten mit einer Geschwindigkeit von mehreren Meilen in der Sekunde dem Sterne Bega zu!
Wenn zwei Körper von der Größe unserer Sonne, die sich mit derselben Geschwindigkeit sortbewegen, zusam'menstießen, dann würde die Erschütterung des Zusammenstoßes, auch wenn die beiden Sonnen sckwn erstarrt wären, eine Kraft frei machen, die genügen würde, beide Körper zur Weißglut zu erlsttzen. Die explosiven Stosse würden sich entladen. Durch! den ungeheuren Dntck nach allett Richtungen eittweichend, würden die glühenden Gase durch die 'Gewalt der Schwerkraft in eine Spirale ausgezogen werden und einen Nebel bilden, als dessen Mitte der leuchtende Kern zurückbleiben würde. Tann wäre eine neue Sonne geboren, und infolge teilweiser Verdichtungen im Nebel würden bald auch um sie 'kreisende, neue Planeten entstehen.
(Sin solches Schauspiel enthüllt sich manchmal unsrem Auge, wenn wir am dunklen Himmel das plötzliche Aufleuchten eines neuen Sternes erblicken, wie es zürn' Beispiel beim Perseus der Fall wär. Mit der Zeit kühlen sich auch die neugebildeten Pla liefen ab. Kommt jetzt nun ein richtiger Keim, der den ulttavioletten Strahlen entgangen ist, auf feinen Wanderungen durch den Raum auf diese abgekühlte Weltkugel, bann könnte auf ihr jetzt Leben entstellen. Seine mannigfachen Formen würden sich! entwickeln und allmälslich solche Bedingungen geschaffen werden, daß aur dem neuen OVcftirn auch der'Mensch erscheinen könnte. Im' Lause der unendlichen Zeit müßte aber daS Leben wieder verschwinden. Der neue Stern würde wieder erstarren, und wohl wäre es möglich, daß er auf seinen Wanderungen durch den Weltenraum einer anderen erloschenen Weltkugel begegnete. Wieder würde die >Lr- schütterung ihres Zusammenstoßes einer anderen Welt das Leben geben, und so setzt sich dieser Kreislauf kosmischer Existenzen bis ins Unendliche fort.
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— Gustav Bläser, wohl der begabteste Bildhauer ans der Schule Rauchs, dessen Werke nicht nur die Reichshauptstadt schmücken, sondern selbst im Ausland der deutschen Kunst Achtung erzwungen haben, — die nordische Dichterin Friederike Bremer knüpft eilte ihrer Novellen an die von Bläser geschaffene Kolossal- statne des Apostels Matthäus in der Kirche von HelsingsorS an, — ward am 9. Mai vor 100 Jahren geboren. In Berlin befindet sich von ihm außer einer Statue der Gastfreundschaft in ber, Nationalgalerie eine Gruppe auf der Schloßbrücke, „Pallas schützt den Krieger im Kamps", die wertvollste aller Gruppen, die diese Brücke schmücken. Für Potsdam hat er verschiedenes geschaffen, für Köln die Reiterstatuen Friedrich Wilhelms III. und des IV Wie glückliche Erfolge dieser Meister hatte, beweist die Tatsache bat; ihm eine Bildnisstatuette der 5kaiserin von Rußland zu Pferde so gut gelang, daß er sie nicht weniger als siebenmal zu wiederholen beauftragt wurde. Bläser .war Rheinländer, in
gehören, von der die Polizei durch Briefe Kenntnis erhalten habe, die in Barcelona, in Paris sowie bei den in Montpellier fcstgenommenen Anarchisten beschlagnahmt worden seien.
Aus Hessen.
Aus dem Finanzausschuß der Zweiten Kammer.
bs. Darmstadt, 7. Mai. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer setzte heute seine Beratungen mit der Regierung fort. Anwesend waren die Minister v. Hombergk und Dr. Braun. Es wurde der Gesetzentwurf über die Aufbringung der Kosten für die höheren Schulen durchgesprochen und dabei die Belastung der einzelnen Otte, an welchen sich höhere Schulen befinden. Nicht allein von den städtischen Vertretern, sondern auch von den Vertretern der beteiligten Gemeinden wurde auf die außerordentliche Belastung durch diese Konftenübernahüie hin- gewiesen, welche in kleineren Orten eine Steuererhöhung bis zu 12 Prozent zur Folge haben würde. Die Regierung berief sich darauf, daß eine Neuregelung der Kosten der höheren Schulen von den Kammern verlangt worden sei, und daß dem durch die Gesetzesvorlage entsprochen werden solle. Von verschiedenen Seiten wurde auch darauf hingewiesen, daß eine Belastung der Gemeinden mit höheren Schulen jetzt nicht mehr angängig sei, nachdem die Belastung der Landgemeinden mit den Kosten der Volksschulen weggesallen sei, und der neuen Besoldungsordnung diese Einnahme nicht m'eljr zugrunde liege. Die einzelnen Besttrnmungen der Vorlage wurden dann mit der Regierung erörtert. Endgültige Beschlüsse wurden aber noch nicht gefaßt, weil erst die übrige Gestaltung der Besoldungsvorlage abgekartet werden müß. Nächste Sitzung Donnerstag vormittag.
Auch der Ausschuß für Aenderung der Geschäftsordnung hielt heute eine Sitzung ab. Die Kapitel 1—60 der Vorlage wurden durchberaten. Es ergaben sich bei der Diäten- frage und bei der Präsidialgewalt Meinungsverschiedenheiten. Diese beiden Punkte wurden daher ausgesetzt, da einzelne Mitglieder erst mit ihren Fraktionen Rücksprache nehmen wollen.
Endgültig wurde beschlossen, das Plenum auf Dienstag, den 2 0. Mai, einzuberufen. Dieser Tag und der folgende Mittwoch sollen zu Sitzungen benutzt werden, während ber Donnerstag (Fronleichnam) sitzungsfrei bleiben soll. Am Freitag iirirb dann der Ausflug nachO Hertz'ess en unternommen.
Der Geschästsordnungsausschuß wird am 21. Mai, vormittags 9 Uhr, seine nächste Sitzung abhalten.
politische Tagesschau.
Um ein Schinkenbrötchen.
In Elsaß-Lothrin gen ist ein Streit um ■— ein Schinkenbrötchen ausgebrochen. In ber ihm eigenen Weise krilästerte in der Zweiten Kammer der Zentrumsabgeordnete Brogch die Haltung des nicht klerikalen Teils der Bolksschulletzrer. In einer katholischen Volksschule habe ein Lehrer am Freitag in der Pause ein Schinkenbrötchen vor den "Augen der Kinder verzehrt. Auch der Frakttonschef, der Abg. 5muß, gab fernen gepreßten Gefühlen über diese schauerliche Szene lebhaften Ausdruck. Auf den EinNumd des sozial- demokrcttischeu Abgeordneten >Emmel, auch ZentruMsabge- ordnete hätten einmal an einem Freitag bei der Besickfti- gung einer Zuckerfabrik Schinkenbrötchen gegessen, erwiderte der Zeutrnmsführer 5-auß, wenn der Abg. Emmel nur eine blasse Ahnung hätte von den kirchlichen Vorschriften der Katholiken, so wurde er wissen, daß in dem Augenblicke, wo der Katholik sich von seinem Anfenthaltsort entfernt, diese Vorschriften nicht mehr gelten. 9'cun kömmt die „Straßb. Post" und ist so grausam, dem Abg. Brogty das Schinkenbrötchen aus der Hand zu nehmen. ^Es war nämlich gar fein Schinkenbrötchen, sondern ein Lachsbrötchen: der Denunziant hatte nicht scharf genug htugeschaut; geräucherter Lachs ist aber am Freitag erlaubt. Es ist gut so; denn sonst hätte das Zentrum im Reichstag anfragen müssen: „Ist dem Herrn Reichskanzler betannt, daß im Oberelsaß ein katholischer Lehrer, der dem „Mlg Deutschen Lehrerverband^ angehört, am Freitag ein Schinkenbrötchen gegessen hat?"
Düsseldorf geboren, und hätte ein echt rheinrsckies, ungemein liebenswürdiges Temperament, das sich überall einen großen Freundeskreis erwarb, so auch während seines italienischen Studienjahres 1845, wie man aus Adolf Stahrs Buch „Ein Jahr in Italien" ersetzen tann, wo Stahr wiederholt des „jungen rfyeiinfchcn Bildhauers Bläser" gedenkt, der unter seinen Künstlergenosstn den .üneipnamen „Ian Steen" führte: auch Stahr rühmt dort sein .liebenswürdiges Wesen. Ludwig Pietsch berichtet von ihm daß er „nn Gegensatz zu vielen Männern von älpt(id)cm Naturell cm fest und zäh ausdauernder Arbeiter war. Wenn er sich in fein Werk verbissen hätte, vergaß er alles andere darüber, kannte keine Ermüdung, kein Bedürfnis nach einer Ruhepause. Aber gern ergriff er auch andererseits die Gelegenheit, fröhlich mit ben 'Genossen zu sein, von Zeit zu Zeit ein ihm ans der Heimat säirdtes Fäßchen reinen, echten Traubensaftes vom' Rheine in der Werkstatt aufzulegen und seine Kollegen aus den anderen Nachbar atclwrs, seine ^ckchlcr und Freunde einzuladeii, ihm bei dessen Leeren behilflich zu sein. Seine Trinkertaten, seine mannigsacheii lustigen Erlebnisse und Abenteuer, die im Zusammenhänge damit standen,Znldeten den Gegenstand mancher damals viel verbreiteten Atelier-Sagen, die der Mund der Gipsfonner, Modelle und Marmorarbeiter, fie vergrößernd, erzählte. Aber nie haben selbst Neid und Klatschsucht Bläser eigentlich Schlimmes, Unedles, Ost meines oder Kleinliches nachzuiagen gewagt. Die Güte und xxmn loitgfcit Ieines Gemüts entwaffnete jeden." Am 20. April 1874 starb Blafer zu Kannstatt.
— .Welt-Ausstellung für B u ch gewerbe und Graphik in Leipzig 19 14. Soeben ist eine kleine illustrierte Broschüre erschienen, die einen allgemeinen orientierenden Ueberblick über die Bedeutung und über die Ziele der Ausstellung geben soll. Die Broschüre behandelt in großen Umrissen öic Jbee, .die der Ausstellung zu Grunde liegt, schildert die groijc Anteilnahme, die man ihr von allen Seiten entgegen bringt, Beteiligung des Auslandes, der Jndnsttie mit) bei- großen Fachverbande. Auch die innere Orqanisatioii ber Aus- tellung, die Einteilung m eine kulturhistorische uub eine fach- echnische Mei ung, nebcu .de r Die eigentliche Industrie auftritt ferner das Gelaiwe nut feinen riesigen Hallen und Anlagen ist in kurzen Zugen behandelt. J "
", Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- Ichast. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekamp LJ1 ü der G e) cble ch tsIrankheite n veranstaltet ibi • ^ahresverfanttnlung diesmal am 20. und 21. Juni au- Milan der ^akirhunbettausstellimg in Breslau. Die (i() Bei ! n mm lung mittelrheinischer A e r z t e wird am 18. Mai ui Bad Kreuzn a ch abgehalten.


