163. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 81
Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags.
germeifter a. D. Geh. Regierungsuat Dr. Darren» p p und Kommerzienrat Kleinschmidt als Kandi-
tra
Die nationalliberale Partei Groß-Frankfurts stellte für die "bevorstehende Landtagswahl in Frankfurt Bürgermeister a. D m
Die „Gießener Zamilienblötter" werden dem ,2lnictger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie .Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^ä)51. Redaktion:^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
DerrtFches Keid>«
Die Stadt Dortmund und das Kaiserjubiläum.
Die Stadtverordnetenversarmntung in Dortmund genehmigte den Antrag des Magistrats, aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers für ein Säuglingsheim 150000 Mark mit der Bestimmung zu stiften, daß die Verwendung des Geldes nur nach Maß- aabe eines besonderen Beschlusses der Kollegien erfolgen darf. — Weiter wurden zur Vergrößerung und Vermehrung der städtifchen Parkanlagen 50000 Mark bereitgestellt. Die Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt.
Zu d e n prcußis chen Landtags Wahlen.
Dienstag, 8. April 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Zur Annahme der Gotthardvertragr.
Vielfach ist in der schweizerischen Bundesversammlung zum Ausdruck crekommen, daß die Erklärungen, btc von der deutschen Regierung unmittelbar -vor dem Zusammcn- 1 treten der Bund es v e rsammlung über die Auslegung einiger j Vertragspunkte abgegeben worden find, viel dazu beigetra- . gen haben, verschiedene Bedeiiken und Einwäirde gegen den Vertrag zu entkräften oder doch wenigstens in ihrer Wirkung zu beeinträchtigen. Wenn trotzdem der Ratronalrat .eine Gegnerschaft von 77 verwerfenden Strm- men aufweist, schreibt die „Köln. Ztg", so erklärt sich das aus der grundsätzlich ablehnenden Haltung der französischen Schweiz, von der kaum etwas mehr als ein halbes Dutzend von ^geordneten für den Vertrag zu haben waren, so erklärt sich dies außerdem aus der Haltung der sozialdemokratischen Partei und der ostschweizerifchen Demokraten. Die Sozialdemokraten stimmten dagegen, weil sie in dem Vertrag ein Werk der herrschenden radikal-freisinnigen Partei sehen, die oMchwei- zcrischen Demokraten, weil ihnen der Vertrag als cm Schulfall für das von ihnen seit einigen Jahren angefochtene Vorgehen des Bundesrats In Sachen der auswärtigen Politik erscheint. Die geschlossenste Gegnerschaft lieferte allerdings — das beweist die Abstimmung und beweisen nicht weniger die Erörterungen, über die wir in den letzten Tagen eingehend berichtet haben — die f r a n - zösische Schweiz, wo die Bewegung gegen den Gott- hardvertrag sehr stark in.einer einseitigen regionalen Interessenpolitik trieb und wo .sie sich, wie wir wiederholt feststellen konnten, unverblümt gegen Deutschland richtete. Von einigen Vertragsgegnern im -Nationalrat wurde über- dies versichert, daß die Bewegung gegen den Gotthard- vertrag nicht gegen das Deutsche Reich gerichtet sei.
Was die so häufig erhobenen Bedenken betrifft, der Gotthardvertrag verletze die Unabhängigkeit und gar die Neutralität der Schweiz, so wies Bundesrat Dr. Ludwig Forrer in seinem Schlußwort vor der Abstimmung daraus hin, daß der entsprechende Einwand schon im Jahre 1869 zu Untersitchungen. Anlaß gegeben habe. Es fct aber schon damals tlargelegt worden. Daß es der Schwerz frei- stände, derartige Verträge abzuschlreßen, und Frankreich habe es — wiewohl cs, wie Bundesrat Forrer ausdrücklich bemerkte, durch die westschweizcrische Presse zur Genüge aufmerksam gemacht worden fei — denn auch unter
boten auf. i
Die vereinigten.Arbeitgeberverbände.
Eine für die deutschen Arbeitgeber bedeutsame Gründung hat sich am 5. April in Berlin vollzogen. Die bisherigen Zentralorganisationen, nämlich btc Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände und Der Verein Deutscher Arbeitgeberverbände haben sich -zu einem neuen zentralen Verbände, der Vereinigung! der deutschen Arbeitgeberverbände, zusammengeschlossen. Mit dieser Zusammenlegung wird der.Schlußstein in der Entwicklung der deutschen Arbeitgeberverbände gelegt. Tie beiden zentralen Organisationen bestanden seit dem Jahre 1904 nebeneinander und hielten sich an.Stärke ungefähr die Wage. Bisher waren sie durch einen.Kartellvertrag verbunden, nunmehr ist an Stelle dessen eine völlige Vereinigung getreten. Die Satzungen der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, die durch eingehende lVorverhaiidlmigm festgesetzt waren, wurden in der gründenden Versammlung einstimmig angenommen. Erster Vorsitzender ist Fabrikbesitzer Garde n s-Hannover und zweiter Vorsitzender Lcmdrat a. D. Rötger-Derlin. Die Geschäftsführung wurde an Syndikus Dr. Tä nzl er-Berlin übertragen.
Maximal- und Minimalbestinmtung auf. ..
Die neuen Zollsätze bilden den Maximaltaritz Der Pran dent wird ermächtigt, über gegenseitige Verträge zu verhandeln .und Ländern, welche die amerikanische Zufuhr begünstigen, Zugeständnisse zu machen. Unterwood gab ferner die neuen Zollsätze für folgende Produkte an: Borsäure 21,43 Proz. vom Werte, Leim 14,29 Proz., Rote Mennige 25, Wichse 15, Apotheker- waren 10, Olivenöl 21,5, Fensterglas durchschnittlich 28,31, Glas scheiben 38,45, Fahrräder 25, Hausmöbel 15, Rasiermener 35 Proz. Tie hauptsächlichsten Reduktionen bei Baumwollwaren sind folgende: Baumwollgarne jetzt 19,29, wasserdichte Stoffe 25, fertige Kleider 39, Plüsche 40, Taschentücher 30, Strümpfe 50, Handschuhe 36, Baumwolldamast 25 Proz. Ferner Wollgarne setzt 20 Proz., wollene Kleidungsstücks 35, Teppickfc 20,35, Nähseide 15, gekämmte Wolle 15, wollene Strumpfbänder und Gurte 35, Banmwollvorhänge und Tischdecken 35, baumwollene Strumpfbänder 25, Tischtücher 26, die Zölle auf Porzellanerde und Walkerde werden auf die Hälfte reduziert. Es werden weiter reduziert die Zölle auf verziertes Porzellan auf 55 Proz. des Wertes, geschliffenes und verziertes Glas 44 Proz., Automobile und Motorräder 40 Proz. des Wertes, eiserne und stählerne Schmiedearbeiten und Kugellager werden auf die Hälfte reduziert, Stahlblech, Eisenblech und Weißblech auf 20 Proz., Büchsen- und Sckrotflinten auf 35 Proz., Dampfmaschinen und Druckerpressen auf die Hälfte, ebenso Anstreichfarben und Schwämme auf die .Hälfte des bisherigen Zolles, Bleiweiß auf 25 Proz., Regen- und Sonnenschirme auf 30, Frauenglaeehandschuhe auf 2 Dollar pro ^Un t cr in o ob sagte, daß die allgemeine Herabsetzung der Tarife die Ausdehnung des amerikanischen Handels auf dem Weltmärkte fördern werde, und erklärte, die künftige Entwicklung der großen amerikanischen Industrie liege über See.
Aus Jßeftcw.
Darmstadt, 7. April. Der Königliche Bankinspektor bei der Preußenkasse, M ag er, hat nach der ,,Franks. Ztg." die erste Direktor stelle bei der kürzlich neugegründeten Zentralkasse De r - h ess is che n l an d w t r t- schaftl. Genossenschaften an genommen. Der neu- gegründeten Zentralkässe sind bereits 120 Genossenschaften beigetreten. Dem Moratorium für die hessische landwirtschaftliche Genossenschaftsbank haben setzt die Gläubiger mit Forderungen von 14 Millionen Mark zugestimmt.
zweiter Lesung angenommen. .
Hierauf wandte sich das Haus wieder dem .Kultusetat zu, und zwar dem Kapitel „H öh c r c L e hran st a l t c n". Zunächst bringt der Abg. v. Goßler (Kons.) allerl-and Wümche vor. Lebhafte Beunruhigung soll die Tatfache hervorgerusen lmven, daß im letzten Jähre zum ersten Male ein Angehöriger lübi)cfcnl Glaubens als Direktor einer höheren Lehranstalt beftahgt wurde. |
Tann vertagt sich das Haus^
Der Unterrichts aus schuß des Abgeordnetenhauses ist über eine Bittschrift des westpreußrfchen Rektorenvereins in Danzig um Erhöhmrg des Mindestsatzes der Am t s- zulagen für V o l ks s ch u l r c k r o r e n am 1000 Mk zur Tagesordnung übergegangen. Eingaben von Direktoren und Ober- lehrern von Mädchenickulcn um Gleichstellung der >emr- n a r i st i s ch v o r g c b i l b e t e n Oberlehrer an Lhzeen mit den akademisch vor gebildeten Oberlehrern wurde ebenfalls verworfen. Regierungsseitig wurde erklärt, daß die seminarfttftch gebilöcccn Oberlehrer an den höheren Lehranstalten für die weibliche Jugend eine Lehrertätegorie bilden, die allmählich verschwuiden wird E« handelt sich gegen wär ft g noch um' 50—60' solcher Ober lehr er. — Eingaben um einheitliche gesetzliche Regelung der Besoldungsv erhältnisse an den öffentlichen mittleren Schulen tvurden der Regiermrg zur Berücksichtigung überwiesen.
Die Forderung der Einführung des Hauswirtschaf t l i ch e n Unterrichts
als obligatorisches Lehrfach für alle Mädckimschulen bildete den Gegenstand eingehender Verhandlungen im Unterftchtsausschuß. Vom' Verein „Frauenerwerb" iit Berlin und dem katholischen Frauenbu'ld in Köln waren Wünsche geäußert worden, den nur fatuliativ eingeführten hausnnrtschastlichen Unterricht für alle Mäd- ckenschulen, auch für die höheren Töchcer schul en obligatorisch zu machen. Die Durchführung des Gedankens ist so gedacht, daß 20 —24 Volkssckulmädchen der letzten Klasse an einem Nachmittag der Woche in besonderen Schulküchen einen vierstündigen Unterricht im Kochen un.ö im gefaulten Haushalt genössen, angepaßt nn die Bedürfnisse des kleineren und mitrleren Standes. Dabei solle auch das Verständnis für Nährgehalt sowie Kinderernährung intb Kindererziehuug gern eie werden. Die Kosten tragen grundsätzlich die Geinemden, der Staat tritt nur unterstützend' ein. Der Vertreter der U nt er ri ch t s v e r w a lt u n g hob hervor, daß die UMerrichtsberwaltung der vorliegenden Materie volle Unterstützung aiirgc.eeihcn lassen werde. Sie habe auf diesem Gebieie bereits Schritte unternommen.
Diese Schritte I>aben bereits Erfolge, gehabt. Gegenüber 657 schulen int Jahre 1906 hätten bereits 1779. Schulen den Un-
Die Tarisvorlage der vereinigten Staaten.
Washington, 7. April.
Die Tarifvorlage ist dem Repräsentantenhause zugegangen. Ter Ausfall an Z o l l ei n n a h m e n , der durch dw Verminderung der Zollsätze verursacht wird, soll burm eine Einkommensteuer eingebracht werden, von der man WO Millionen Dollar erwartet. Die Vorlage sieht die sofortige Reduktion des Zuckerzolles um 25 Prozent und den völligen Wegfall bcs ^mckcr- zolles für 1916 vor. Rohwolle wird sofort zollfrei, ,ltc joIiihgc aller Waren sind erheblich verringert worden.
Die Freiliste schließt folgende Artikel em: Fleuch, Mehl, Brot, Stiefel, schuhe, Nutzholz, Kohle, Zuggeschirr, Sattterwaren Eisenerz, Milch, Sahne, Kartoffeln, Salz Schweine Mais Maismehl, baumwollenes Packtuch, landwirtschaftliche Gerate, -eder, Holzwaren, Bibeln, Druckpapiere im Werte von 2V, Cent pro Pfurrd, Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Setzmaichrnen, Registrierkassen, Stahlschienen, Zaundraht, baumwollene Krawatten, Nagel, Reif- und Bandeisen, Fische, Schwefel, Soda, Gerbmaterialien, Essigsäuren, Schwefelsäuren, Borax, tzolzwaren einschl. Besenstiele, Faßdauben, Radnaben, Pfosten, Latten und Schmdeln.
Folgende bisher zollfreie Artikel werden künftig Zöllen unterworfen: Rohe ungeschliffene Tramanten, Evelsteme, Pelze, Kohlenteerprodukte mit 10 Prozent, flüchtige Oele mit 20 Prozent, Gewürze mit ein bis zwei Prozent pro Pfunds ,
Unterwood zeigt bei der Begründung der Bill im Hause an verschiedenen Verspielen die Rebukftion der Z ö l l e a u s d e r W e r t b a s i s. Bei gereinigtem Weinstein wurden früher 25,45 Prozent, jetzt 17,85 Proz. vom Werte erhoben, bei medizinischen Prävaraten früher 59,05, jetzt 31,11 Proz., Rizinusöl früher 33,90, jetzt 15 Proz., Waschblau früher 23,59, jetzt lo Proz., gewöhnliche Seife früher 20, jetzt 5 Proz , Backpulver Saleratus früher 21,54, jetzt 8,50 Proz., unverziertem Porzellan und Stcnn- gutwaren früher 55, jetzt 35 Proz., Taschenmesser früher 77,68, jetzt 35 und 55 Proz., Lckferen früher 53,77, jetzt 30 Proz., Messern und Gabeln 41,98, jetzt 27, Baunrwolltückier früher 42,74, retzt 26,69 Proz., gestrickten Hemden und Unterheinden sowie Unterzeug früher 60,27, jetzt 25 Proz., Bettdecken früher 72,69, jetzt 25 Proz., Flanellen früher 93,29, jetzt 30 Proz., Kleidungsstücken für Frauen und Kinder früher 99,70, jetzt 35 Proz., Zündhölzern früher 27,59, jetzt 14 Proz., Gummiwaren früher 35, jetzt 10 Proz.
Bei der Einkommensteuer find alle Einkommen unter 4000 Dollar ausgenommen. Einkommen bis zu 20 000 Dollar zahlen ein Prozent, solche von 20—50 000 Dollar zwei Prozent, solche, von 50—100000 Dollar drei Prozent, Einkommen über 100 000 Dollar vier Prozent. Die Vorlage hebt die bestehende
Die Nieder-Modauer Eenosjenschastskrise.
Darmstadt, 7. April.
Heute morgen 8V* Uhr begann vor der hiesigen Strafkammer I der Prozess gegen die vier Angeklagten Adam, Beck, Ihrig und Isaak. Es wird zunächft die Anktagefchrift verlesen und bann die gefälschten Wechsel, die 240 an der Zahl sind, ebenso werden 15 Urkunden bezeichnet, die gefälscht wurden. Es wird dann zur Vernchmung des Hauptangeklagten Philipp Adam geschritten, der die Fälschung zugibt. Die Wechsel habe er alle für den Kaufmann Palmann, der inzwischen verstorben ist, ausgestellt. 2tuf die einzelnen Fälle im allgemeinen eingehend, bekundet der Angeklagte, daß Palmann in früheren Jahren der Kass? Geld zu leihen versprochen hat, hatte von der Bank aber nichts zu beanspruchen. In der Hauptsache handelte es sich nm Äesälligkeits- akzepte. Die Bedeutung der Wechsel will sich der Angeklagte nicht genau überlegt haben.
Präsident: Waruni haben Sie dein P. die Wechsel gegeben? Angeklagrer: Weil P. auch der Kasse geholfen hat. Präs.: Zn welchem Zwecke waren die Wechsel? Angell.: P. sagte, er hätte sein Geld festgelegt und brauche Geld für feinen Bau. Präs.: Sie haben auch Blankowechsel gegeben? Angell.: Ja. Präs.: Haben Sie da auch beit Namen Ihres Schwagers, des Bürgermeisters Roßmann braufgeschrieben? Ter Angeklagte gibt bies zu. Präs.: Welchen Nutzen haben Sie gehabt? 9lngekl.: Keinen. Später, als ich nicht mehr unterschreib en wollte, hat P. mir mit Anzeige gedroht. P. hat auch gesagt, baß Isaak ein sehr vcr- mögenbcr Mann sei, ber gleichfalls Bürgschaft übernehme. Präs.: Die Kasse hatte an P. nichts zu zahlen, imb trotzdem' hat P. «außer den Wechseln noch Werturkunden erhalten? Haben Sie diese Urkunden jeinals wieder gesehen? Angell.: Ich habe danach gesucht. Präs.: Nach Urkunden im' Werte von 40000 Mark mußten Sie suchen? Wie Km es, daß Sie so langeffälschen konnten? Angell.: Weil ich Blankoakzepte unterschrieben habe. Präs.: Wie viele? Angell.: Tas kann ick nicht sagen. Es mögen 1000 gewesen sein. Präs.: Unter diese A^epte haben Sie also Ihren und den Namen Roßmänns gesatzft unb es P. überlassen, ben Betrag airsznfüllen? Angell.: Ich traute P. vollkommen. Präs.: Sie wußten also niclß, für welche. Beträge die Kasse einftehen mußte? Angell. : Nein. Präs.: Weshalb taten Sie dem Palmamr diesen großen Gefallen? Wer hat denn btc Anregung zu den großen Festen gegeben, bie gefeiert wurden? Angftl. «sehr erregt): Herr Direktor, ich war nie'dabei. Bei mir sind feine Feste gefeiert worden. Präs.: Waren Sie nickt in einem Kegelklub, wo es hoch herging? Tas Kapital muß doch irgendwo hingekommen sein. Angell.: Ich mußte es dem Palntann geben. Präs.:1 Sie >haben auch Bargeld entnommen? Wie viel war daö? 'ICngcff.: Tas alles weiß ich nickt. Vielleicht etwa 200 000—300 000 Mark ober mehr. Präs.: Sie haben auch Urkunden entwendet Und haben sie an Valmann gegeben. Angell.: Davon weiß ick nichts. Präs.: Was haben Sie beim mit Isaak zu tun gehabt? Angell.: Gar nichts. Präs.: Wie kamen Sie ba^u, Wertpapiere auSzugeben? Angell.: Zur Sicherheit ber ausgeftollten Wechsel. Die meisten bieser Wertpapiere sfftd auch zurückgekommen. Dem Isaak habe ich keine Werturkunden gegeben.
Es kommt dann eine Angelegenheit Lorenz zur Sprache, in ber der Angeklagte eine weitgehenbe Bürgschaft, übernahm. Der Präsident betont auch hier, daß bie Kasse bieser Angelegenheit fernstanb. Der Angellagte hat bie Bürgschaft übernommen, nur weil Palmann die Sache so „schön hingestellt hatte". u.er Präsident hält bann dem Angeklagten weitere Falle vor, M denen er leichtfertig mit dem Gelbe anderer mngegangen sei. Präs . .lareit Sie sich klar darüber, baß Sie hier eine Unttcue begangen Haven?
Bas preußische Abgeordnetenhaus.
Berlin, 7. Apftl.
Tie erste Beratung bcs Gesetzt-ntwunes, bctr. btc Verpflickftung zum Besuck c länblicher F o r t b i l d u n g s s ch n len in einer Reihe preußischer Provinzen mürbe fortgesetzt. Der Däne Klop- penborg jieht in bem Gesetz ein Kampf- und Ausnalstuegcwtz gegen bic Dänen, eine Kennzeichnung, die ber LandwirtschasiS- minifter Frhr. v. Schorlemer als unzutteffclw zurückwcist. Tie Einführung des obligaiori|d>crt Religionsunterrichts lehnt der Minister ab. Tic Vorlage geht schließlich gegen tue stimmen brr gesamten Linken an ben verstärften Gemeinbeausschuß.
Es folgt bic erste Beratung des Gesetzentwurfes über bie Bewilligung weiterer Staatsmittel (15 Millionen) zur Verbesserung ber W o h n u n g s v c r h ä l t n i s sc von Arbeitern, bic in st a a t l i ch e n B e t r i c b e n beschäftigt sind, unb von gering besolbecen Staatsbeamten. Tic Vorlage finbet fteundlimc Aufnahme. Abg. Dr. Schröber-Kaffel (Tctl.i wünscht, baß die Wiriick-aftlickkcit ocr Baugenossenstkusten, bic überbies tetne Konkurrenz für bas selbständige Baugewerbe bilden dürfen, von der Regierung genau geprüft werde, eine Verzinsung von 5/ ? bis 6 Prozent fei unbedingt notwendig. Ein Regicrungsv/rtrctcr äußert fick zustimmeno. Der Gesetzentwurf wird m erster und
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberheften
terrickft in den Lehrplan aufgenommen. Man tverbc bald mit 2000 Schulen rechnen können. Ferner sei die Unterrichtsverwaltung in der Sage gewesen, leistungsschwachen Gemeinden, vor allein bei der ersten Einrichtung des 5)aushaltungsUnterrichts erhebliche Beihilfen zu gewähren. Den hauswirffchaftlichen Unterricht in allen Volksschäilen obligatorisch zu machen, sei nicht möglich^ besonders wegen ber großen Kosten, bie ben Gemeinden badurcy erwüchsen. Der Kultusminister habe in ben Lehrplan ber Volks- schullehrerinnrn-Seminare bic Hauswirtschaftskunbe aufnehmen lassen. Vom Ausschuß wurde her Wunsch geäußert, baß durch die dlusnahmc des Hauswirtschaftlichen Unterrichts der übrige Unterricht nicht eingeschränkt werden dürfe. Zunächst solle man in den Städten Versuche machen unb bic Frage erweiter ausgestalteu, wenn 'ich biese Versuche bewährt haben, ^-ie Gesuche würben der Staatsregierung bahin zur Erwägung überwiesen, baß ber Haushaltungsuntevcichl als ein für bic 2lus- bildung ber fünftigen Hausfrau bedeutsamer Lehrgcgenstai^, zunächst in den größeren Schulsystemen der Mädchcnvolksschnle Pflicht- mäßig Ausnahme findet.
lassen, eine Einsprache gegen iben Gottharbverlrag erheben, weil es offenbar selbst der Ansicht sei. baß von einer Verletzung der Neutralität nicht die Rede sein könne. „Wir haben", sagte Bundesrat Forrer in derselben Rede, „Deutschland und Italien vrrfprochen, ihre Frachten und Transporte nicht teurer als die anderer Staaten zu, befördern." Daß dieses Versprechen auch nicht von fern einen Eingriff in bie Selbständigkeit der Schweiz bedeutet, diefen Nachweis nochmals zu bringen, erübrigt sich.
Tie neue Abmachung trägt dazu bei, ber gemeinsamen Arbeit des Deutschen Reiches und ber schweizerischen Eidgenossenschaft an einer zweckmäßigen unb fortschrittlichen Entwicklung ber führenden mitteleuropäischett Transitlinien eine gute Grundlage zu geben.
Bern, 7. April. Der Ausschuß des Ständerates für ben Gotthardvcrtrag hat heute nachmittag seine Schlußsitzung abgehalten. Es wurde mit 12 gegen 1 Stimme bic Ratifizierung beschlossen. _____________________
Der Kaiser in Homburg.
Homburg v. d. £>., 7. April. Gütern nachmittag unternahm der gesamte Hof einen Automobil au slflug über Usingen nach Weilburg und durch das Weittal und Weilmünster zurück. Heute vormittag hörte der Kaiser ben Dortrag des Chefs des Zivilkabinetts Wirkt. Geh. Rats ton Valentin und des Vertreters des Auswärtigen Amtes Gesandten ton Treutler. Um 12 Uhr empfingen die Mn- je.stäten den Besuch der Königin Wilhelmrne der Niederlande mit der Prinzessin Juliane und den Prinzgemahl Heinrich. Später empfing der Kaiser eine Aborbtrung des 2. Königlich-Sächsischen Grenadier-Regiments Nr. 101 Kaiser Wilhelm, König von Preußen, dessen Chef der Kaiser ist, zur Ueberbringung des vom König von Sachfen dem Kaiser > verliehenen Dienst-Auszeichnungs- treuzes und zur Ueberreichung einer vom Regiment dar- gebotenen Erinnerungsgabe anläßlich des 25 jährigen Jubiläums des Kaisers.
Das Herzogspaar von Cumberland wird am 10. April hier etntreffen und bis zum 12. April als Gäste des Kaiserpaares hier bleiben.


