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8.2.1913 Zweites Blatt
 
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Nk. 33

Zweites Blatt

163. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint K-Kch mit Abnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gbertzeffen

eine vertrauliche Beratung

eile.

in

nicht der geringste Grund vor.

lag

Geheimrates Schmidt.

Ehren des aus der ersten

Ersten Kammer.

Gesetzgebungs­heute vormittag unter

DieGießener Zamilienblätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS KteisNstt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erschemen ownatlich zweimal.

Der Dezember 1812 war demnach in der Tat völlig abnorm. In dieser Hinsicht konnte man Napoleon keinen Vorwurf machen: Mit derartigen außergewöhnlichen Elementarereignissen zu rechnen,

gelehnt. Am Nachmittag sand noch des Ausschusses statt.

Eine Abschiedsfeier zu Ehren des

(rb) T a r m st a d t, ,7. Febr. Zu

vraunkoh'enberqwerk imb Kraftwert Lubwiashossnuny.

Unternehmen bezeichnet, daß das Personal besser ausgenutzt wer­den könne und man billiger arbeite. Für das Kraftwerk wird ein besonderer Beamtenappgrat nicht notwendig werden. Es könnte, sich höchstens einmal um eine Vermehrung des jetzigen Personals (Heizer, Maschinisten usw.) handeln, wenn Umfang und Leistung des Werks wesentlich, vielleicht auf das Dreifache, gestiegen sein wird. Man sollte der Abteilung A noch einen werteren Anteil' der Gehalte ersetzen stir die Inanspruchnahme des Personals durch den einheitlichen Kohlenbezug, der recht viel Arbeit macht (1912 28000 Tonnen, Wert rd. 651000 Mi', ca. 350 Behörden in 60 bis 70 Orten, Ersparnis etwa 82 500 Mk.i. Es würde der Gehalt des Direktors etwa mit Vs, Ersatz der Schreibkosten mit etwa 400 Mk. und weiterhin Ersatz der sachlichen Ausgaben in Betracht kommen.

Im Zusammenhang mit der Angliederung der Zentrale und mit den kaufmännischen Gesichtspunkten im Ausbau des dies­jährigen Etats steht auch zum Teil die Mehrausgabe bei Abt. A gegen 1912 von über 30 000 Mk.

Dieser Mehrbedarf findet im ganzen seinen Ausgleich durch die Mehreinnahme für Lieferung der Feuerkohle an die Zentrale rd. 25 500 Mk., durch den Ersatz eines Teils der Gehalte durch die Zentrale mit rd. 6100 Mk.

Es darf beachtet werden, daß die erstmalige etatsmäßige Dar­stellung der beiden Betriebe nebeneinander sich kompliziert ge­staltet gerade dadurch, daß nach taufmännischen Gesichtspunkten jeder Betrieb streng (ändert gehalten werden soll. Die Betriebs­ausgaben für das Kraftwerk konnten selbstverständlich zunächst nach anderweiten Erfahrungen nur geschätzt werden. Sie sind jedenfalls eher zu hoch als zu niedrig gegriffen und man muß die Erfahrungen des ersten Betriebsjahres abwarten für künftige zuverlässigere Veranschlagungen.

Man sieht aber bei dieser ersten Veranschlagung schon, wie durch die Zentrale das Gesamtergebnis wesentlich verbessert wird. Während sich seither das investierte Kapital mit 0»'o verzinste, kann durch das Hin-nkommen der Zentrale für das wesentlich größere Anlagekapital schon auf rd. 2°/° (1,92».») gerechnet werden. Man darf mit der größeren Leistung der Zentrale eine immer weiter- gehende Verbesserung nicht nur des tz^esamtcrgebnisses unter dem Kapitel erwarten, sondern miet) des Sonderergebnisses für Grube und Preßsteinfabrik selbst, weil nämlich durch die erhöhte Förde­rung für die Zentrale die Gestehungskosten der Rohkohle sich immer günstiger gestalten werden."

Lebhast wurden die stark gestiegenen Ausgaben sür Grube und Preßsteinfabrik besprochen, worauf die Regierung erläuternd erklärt: _

Die Ausgaben sind seit 1904 um rd. 92 000 Mk. gestiegen von rd. 104 000 Mk. auf rd. 196 000 Mk).

Diesen Mehrausgaben stehen rd. 30 000 Mk. Mehreinnahmen gegenüber (rd. 150 000 Mk. gegen rd. 180 000 Mk.).

Tie Frage, warum.' der Etat 1913 von der früheren Hebung der prozentualen Abschreibungen abgegangen ist und mit einer fixen Summe gerechnet hat (15 000 Mk.), wurde von der Re­gierung dahin erläutert: Nach der Anmerkung im Etat 1912 sollte, wenn ein Zuschußbedarf bei dem Kapitel entsteht, die Rück­lage in den Erneuerungsfonds «die Abschreibung) um den Betrag dieses Zuschusses gekürzt werden. Darnach ist in 1912 der ziffern­mäßige Betrag der Abschreibungen von 29 940 Mk. auf 19 606 Mk. vermindert worden. Diese Vorschrist wollte vermeiden, daß auf der einen Seite Gelder ans dem Kapitel gezogen und, in einem' Fonds angesammelt werden, während gleichzeitig auf der an­dern Seite die Staatskasse zu Lasten der Steuerzahler zu dem' Kapitel zuschießen muß. Der Etat 1913 wollte nun diese Sach­lage vereinfachen, indem er. um die umständlichen Berechnungen zu vermeiden, wie sie dem Etat 1912 noch zu Grunde liegen, ein-, fach eine feste Summe als Ablieferung an den Erneuermngsfonds vorsah. Diese Summe war mit 15 000 Mk. in der Höhe be­rechnet, auf die sie sich nach der vorstehenden Vorschrift, nach 'cn Erfahrungen der letzten Jähre und nach den Aussichten des Betriebs voraussichtlich stellen wird. (1911: 11 468 Mk., Etat 1912: 19 000 Mk., daher wurden 15 000 Mk. angenommen). Für die Folge sollen also die prozentualen Abschreibungen wieder angeführt werden. Dabei kann auf die Vorschrift in der An­merkung zum Budget 1912 über die Kürzung der Abschreibungen erzichtet werden, da nunmehr ein Fehlbetrag, der durch die ichtige Höhe der Abschreibungen bei Abt. A, Grube und Preß- 'tcinsabrik entsteht, durch den Ueberschuß von Abt. B, Kraftwerk, msgeglichen und ein Zuschnßbedarf des ganzen Kapitels zu Lasten er Staatskasse auf diese Weise vermieden werden kann.

Der Ausschuß pflichtete der Ansicht der Regierung über die Zünftige Rentabilität des Kraftwerks bei, hält jedoch seine Bc-

Tie Anträge Henrich und Ulrich und Gen. betr. die Abänderung des Wahlgesetzes, wurden vom' Ausschuß den Beschlüssen der zwecken Kammer entsprechend sämtlich ab-

Kammer ausscherdenden, weil nach Stuttgart berufenen Herrn Geh. Justizrat Pros. Dr. Schmidt fand heut abeird int Hotel zur Traube eine kleine Ab schieds f ei er statt, an welcher die Mitglieder des Gesetzgebungsausschusses, dessen eifriges Mit­glied der Scheidende lange Jähre hindurch war, und eine Anzahl anderer Kanrmermitglicder mit denr Präsidenten an der Spitze teilnahmen.

Die Fraktion der fortschrittlichen Volkspartei

der zweiten Kammer hielt am Freitag eine längere Beratung ab, in der das neue Budget für 1913 eingehend besprochen und die Stellung der Partei zu den Hauptpunkten festgelegt wurde.

Aus Reffen.

Aus dem Gesehgkbungsausschuß der

(rb) Tarmstadt, .7. Febr. Der ausschuß der er st en Kammer trat

Samstag, 8. 8ebruar 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e=j©51. Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGleßen.

Vorsitz des Fürsten zu Leiningcn zu einer Beratung zu­sammen, in der eine Anzahl von der zweiten Kammer erledigter Gegenstände verabschiedet rcurben. Ter Regierungsvorlage, betr. die Abänderung des Gesetzes vom! 6. Aug. 1902 über die Lan­de s k r e d i t ka s s e und die Aenderung des Gesetzes, betr. die Handelskammern, wurde nach beit Beschlüssen der zweiten Kammer angenoMnren. Bezüglich des Antrags Ulrich, betr. Rechtsmittelbelehrung und betr. Einführung einer obligatorischen staatlichen Vieh- und Schlachtviehversicherung beschloß der Aus­schuß Beitritt zu den ablehnenden Beschlüssen der zweiten Kammer. Betreffs des Antrags' Ulrich und Gen., betr. Revision der Be­stimmungen über die Aufrechterhaltung der Ordnung in den Gerichtssitzungen wurde beschlossen, auf dem schon auf dem 34. Landtag in dieser Frage gefaßten ablehnenden Beschluß zu beharren. Zu dem Antrag Ulrich und Gen. betr. Entschädigung für schuldig erlittene Straf- und Untersuchungshaft beschloß der Ausschitß Beitritt zu denr Beschluß der zweiten Kammer über den ersten Teil des Antrags, der dahin geht, die Regierung zu ersuchen, im Bundesrat auf eine Revision des Gesetzes, betr. Entschädigung für unschuldig erlittene Strafhaft und für un­schuldig erlittene Untersuchungshaft hinzuwirken. Dagegen be­schloß der Ausschuß bezüglich des zweiten Teils des Antrags wonach auch denjenigen Personen, die nicht durch eine Entschei­dung des Gerichts, sondern durch eine Verfügung der Staats­anwaltschaft aus dem Strafverfahren entlassen werden, eine Ent­schädigung aus Staatsmitteln gewährt werden soU nicht dem Beschluß der zweiten Kammer beizutreten, sondern auf einem' schon früher gefaßten Beschlüsse darüber zu beharren und den Antrag durch die von der Regierung dazu abgegebene Erklärung als erledigt zu erklären.

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erlernten.Es ist ja noch gar nichts entschieden und nichts be­schlossen. Le Bargy ist so stark beschäftigt, er spielt jeden Abend, woher soll er die Zeit nehmen, um eine so wichtige Inszenierung mit der erforderlichen minuttösen Sorgfalt zu bewältigen. Und die Aufführung wäre kompliziert. Aber schön märe es >chon, wenn Le Bargh den Faust und Sarah Bernhardt den Mephisto spielen würden." Wird das geschehen?Vielleicht . . ."

EineLückei mUrheber recht. Anläßlich einer Aus­führung des LustspielsHydra" von Karl Ettlinger durch die Literarische Vereinigung in Hamburg wurde wiederum eine Lücke im Gesetz, betresfend den Schutz des geisttgen Eigentums auf- gedeckt. Das LustspielHydra" voi^ Karl Ettlinger befindet sich bereits über einem Jahr aus dem Spielplan zahlreicher Bühnen der Großstädte und der Provinz und erlebte erst vor kurzem das Jubiläum feiner 50. Aufführung. Das Stück wäre zweifellos demnächst auch über die Bühnen Hamburgs gegangen. Nun hat die Literarische Bereinigung in Hamburg ohne Genehnrigung des Autors oder dessen Verlegers eine Aufführung dieses Lust­spiels in einer angeblich geschlossenen Vereinsvorstellung seinen Mitgliedern veranstaltet, über welche in den Tageszeitungen öffent­liche Krittken erschienen sind, wodurch der 9Lutor und der Verlag von der erfolgten Vorstellung erst Kenntnis erhielten. Dieser Fall veranlaßt Erwägungen prinzipieller Natur. Nach denr Ur­hebergesetz sind nämlich Aufführungen, welche nicht zu Erwerbs­zwecken und nickst öffentlich veranstaltet werden, nicht nur tan­tiemenfrei, sondern auch nickst einmal an die Zustimmung des Autors oder des Verlegers gebunden. Es ist hoch erfreulich, wenn ein literarischer Verein sich eines verbotenen oder vorläufig für Normalbühnen nicht geeigneten Stückes annimmt. Aber anderer­seits ist es unbedingt zu verurteilen, wenn ein solcher Verein Zugstücke aufführt. Wohin soll das ftlhren, wenn z. B. ein Verein wie der über ganz Deutschland verbreitete Verein für Voltsfestspiele für seine 100000 Mitglieder in sogenannten geschlossenen" Vorstellungen tantiemenfrei und gegen den Willen des Autors Stücke aufführen läßt, die für das Repertoire jeder Bühne geeignet sind? TasGesetzbietet keinen Anhalt, gegen ein solches Unternehmen e i n z n sch r ei t e n. Ist es, nickst eine Anstandspflicht der literarisch-dramatischen Ver­eine, einen lebenden Autor vor der Auffül/rung seines Werkes um seine Zustimmung zu ersuchen? Bejaht man diese Frage, so muß man mit allen Mitteln dah n streben, daß die Aufführung von Repertoirestücken ohne Genehmigung deS Autors den lilerarisch- dramatischen Vereinen untersagt wird und daß der Begrifföffent­liche Aufführung" im Gesetz so präzis gefaßt wird, daß Um­gehungen zu Ungunsten des Autors künftig unmöglich sind. Eine Rundfrage an Autoren, Theaterdirektoren und literarische Vereine, ist bereits eingeleitet.

Heber das große Kultur werk, das noch in diesem Jahre

Betrieb genommen wird, ist im Ausschußbericht der Zweiten Kammer über den Stantsvoranschlag eine um-

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fassende Darstellung enthalten, aus der nachstehend das wesentlichste wiedergegeben sei.

Das zur Versorgung von Oberhessen mit Elektrizität auf Staatskosten erbaute Kraftwerk ist in direkte Verbindung mit der Braunkohlengrube gebracht. Tie Grube wird das Feuerungs­material für die Dampfheizung zum Betrieb des Kraftwerks liefern und gleichzeitig den Tampfbedarf für die Preßsteinfabrik decken Diese Verkuppelung der beiden Werke bringt die Gewißheit einer vorteilhafteren Ausnutzung und läßt eine ausgiebige Rentabilität, besonders der Braunkohlengrube als gesichert erscheinen.

Das Kraftwerk wird noch in diesem Jahre fertig werden und int nächsten Jahre nahezu vollständig in Betrieb genommen werden. Deshalb war die Veranschlagung des Betriebs im Haupt­voranschlag erforderlich.

Tie Einzelansätze in dem Voranschlag, der in die. Abteilungen ,,A. Grube und Preßsteinsabrik" undB. Kraftwerk" geteilt ist, beruhen auf Schätzungen, da noch keine Erfahrungen vorliegen.

Im wesentlichen wurden die ungünstigen Ziffern, mit denen Grube und Preßsteinsabrik abschließen, bemängelt und die Hoff­nung ausgesprochen, daß durch die Neuregelung eine Besserung dieser Positionen eintrete. Bei Kritik der Verteilung der Gehalts­anteile des Personals mürbe von der Regierung sestgestellt, daß die Verteilung noch nicht endgültig erfolgt sei, zumal das Personal auch bei dem staatlichen Kohleneinkauf verwendet wurde, wodurch der Staat 82 000 Mk. erspart. Ter Ausschuß wünschte, daß die Tätigkeit der Zentralkohlerr-Einkaufsstelle int Voranschlag zur Geltung kommen sollte. Die Negierung versprach dem zu ent­sprechen.

Hinsichtlich der rechnerischen Tarstellungen beklagte man, daß die Vermögensverhältnisse nicht ohne weiteres klar ersichtlich seien. Ter Abg. Henrich beantragte deshalb unter den Betriebs­ausgaben zugleich die Zinsen von dem für die Einrichtung des Betriebs tatsächlich aufgenommenen Schuldkapital, sowie eine an­gemessene Amortisationsguote einzustellen und diese Beträge an die Staatsschuldenverwaltung abzuliefern, und anmerkungsweise eine nach kaufmännischen Gesichtspunkten aufgestellte Bilanz bei zufügen, aus der der jeweilige Kapitalwert des Gesamtunterneh­mens und dessen Rente ohne weiteres ersehen werden können.

Ter Ausschuß ftimmte diesen Forderungen zu, will aber, da er nicht weiß, welche Folgen für das Budget daraus entstehen können, wenn der erste Teil zur Ausführung kommen sollte, diesen Teil lediglich neben der dermaligen Rechnungsart vorgeführt sehen Tie Regierung glaubte, daß das, was der Antrag Henrich ver lange unter 2, eigentlich schon heute in den Ausstellungen der Regierung geboten werde.

Nach diesen kaufmännischen Gesichtspunkten war es notwendig das Kraftwerk mit einem entsprechenden Teil der Beanttengehali zu belasten. Maßgebend war der Grad der Jnanspruchnahrn der Beamten für die Zentrale, der natürlich nur geschätzt werbet konnte. Der Direktor als akademischer preußischer Bergbeamte. ist maschinentechnisch vorgebildet, ebenso der Betriebssührer, de die Lokomotivführerprüfung abgelegt hat. Tas Personal genüg für den jetzigen Umfang des Betriebs und auf absehbare Zeit voll kommen. Es. wurde gerade als ein Vorzug der Verbindung beider

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Heber die neue Militärvorlage

will dieTäcsl'. Rdsch." erfahren haben, daß die Durch­führung der allgemeinen Wehrpflicht nach den Vorschlägen des Generalftabs iit der Form erfolgen soll, daß eine jährliche M e h r e inst e l l u n g von 45 bis 50000 Mann in das stehende Heer festgesetzt wird.

Das ist nach genauen statistischen Berechnungen die Zahl derjenigen Tauglichen, die derzeit nicht zur Einstellung gelangen. Diese Vermehrung unseres stehenden Heeres an Mannschaften soll dazu verwendet werben, die noch fehlenden dritten Bataillone bei 18 Regimentern aufzustellen. Ferner ist beabsichtigt, den niederen Mannschaftsetat der 73 Bataillone des deutschen Heeres, der ohne Unterosfiziere nur 482 Mann beträgt, vollständig fallen zu lassen und alle Batalllone des deutschen Heeres aus den holten und mittleren Etat zu bringen. Endlich wird die Erhöhung der Artilleriebespannung angefordert, wodurch ebenfalls eine Mehr­einstellung von Mannschaft notwendig ist. Dagegen wird vor­erst von der von sachverständiger Seite schon lange gewünsckften Umorganisierung der Feldartillerie in die 4-Geschütze-Batterie Abstand genommen werden, da sich der gegenwärtige Zeitpunft für eine organisatorische Aenderupg in dieser Beziehung nicht eignet. Die neue Militärvorlage wird weiter die Stäbe der Kavallerie-Divisionen schon für die Friedenszeit fordern und die Aufstellung von Radfahrtruppen bei jeder Kavallerie-Division.

Im unmittelbaren Zusammenhänge mit der neuen Militär­vorlage steht die Absicht der Militärverwaltung, die Grund­sätze für die Einstellung Militär Pflichtiger zu ändern, die im § 28 der Wehrordnung vom Jahre 1888 vorgesehen sind. Man denkt daran, bei der Musterung sämtliche für den Kriegsdienst taugliche Leute fürtauglich" zu erklären, indem die unbedingt Tauglichen alstauglich 1", die minder Taug­lichen alstauglich 2" bezeichnet werden. Es wären dann bet der Einstellung zunächst sämtliche Leute mit dem Prädikat 1 der Ar-nee zuzusühren und bei Bedarf die ältesten vomtauglich 2" heranzuziehen, bis zur Vervollständigung des Bedarfes. Die bis­herige Handl-abung der Aushebung hat die bedenlliche Folge, daß durchaus taugliche Leute in die Ersatzreserve abgeschoben werden. Wie wir vernehmen, hat die Kriegsverwaltung mit 9(b= geordneten der bürgerlichen Parteien schon Fühlung genommen und diese Angelegenheit in vertrauten Besprechungen erörtert.

Das Blatt bemerkt dazu noch, daß die neue Wehrvorlage erheblich mehr Ausgaben verursachen wird, als die beiden letzten Vorlagen von 1910 und 1912 zusammen.

. Hermann SM im, Ü?! Mittag Ztz in Dao#

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Rostand als H eb er setze r v o n Goethes Faust. In einem Gespräche mit Emile H e n r i o t, das im Temps ver­öffentlicht wird, hat Edmond Rostand, der gegenwärtig zu den Proben feines Cyrano in Paris weilt, einige Mitteilungen über seinen angeblichenFaust" gemacht, mit denen er allerlei Gerüchte berichtigt und daraus hinweist, daß es sich überhaupt nicht um eine von ihm geschaffene Faustdichtung handelt, sondern um eine voll­ständige und wortgetreue Hebersetzung des Aoetheschen .Faust. Tie Arbeit liegt schon weit zurück, sie war für mich ein Versuch und zugleich eine Hebung. Das liegt heute 20 Jahre zurück. Damals las ich noch fließend Deutsch und war mit dem Werke Goethes besonders vertraue. Hub mein Wunsch war, den Faust ganz zu übersetzen, den wirklichen Goetheschen Faust zu geben, wörtlich und dabei doch dichterisch." Henriot fragte, ob denn keine Kürzungen beabsichtigt gerne)en seien, und Rostand erwiderte: Nein, keine Kürzungen, höchstens tarnen ein paar Heinere 2lus- lassungen in Betrackst: ich habe nur den ersten Teil des Faust übersetzt, und zwar in Versen; es handelte sich keineswegs um eine Bearbeitung, sondern irnt eine getreue Heberiragung. Sie fragen mich, ob diese Arbeit Vollender ist, und ich sage Ihnen ja, längst. 99arum es sich heute allein handeln tarnt, das ist die Möglichkeit einer Aufführung und für diesen Fall um eine An­passung des Werkes an die Bühne. Aber ich sehne mich im Grunde nicht nach dieser Aufführung und lege ganz sicher keinen Wert daraus." ' Henriot wollte wissen, ob die Abneigung des Dichters gegen eine so weit zurückliegende Arbeit vielleicht dabei mit- spiele, aber das verneinte Rostand entschieden. Er habe nur eine Abneigung gegen die tatsächliche Arbeit, die eine solche Bühnenausgabe ihm verursachen würde;ich würde Verhand­lungen führen muffen, würde wieder Sorgen haben, alle mögliche Arten von Scherereien, kurz, alle die Mißhelligkeiten, die der Dichter bei der Verkörperung seines Werkes durchleben muß. Hub ich bin durch meine Freiheit in Cambo nicht mehr daran ge- wöhnt, ich fühle mich dort so unabhängig, so ungestört und so zufrieden. Nein, lieber will ich den Faust nicht

auf der Bühne sehen." Auf die Frage, ob das

'Projekt Sarah Bernhardts, die die Rostandsche Fanstiüber- setzung spielen wollte, aufgegebeit sei, erwiderte Rostand:Im Theater der Sarah Bernhardt konnte der Faust ans verschiedenen Gründen nicht gespielt werden: und dann gab ich ihn Le Bargh." Von men hängt jetzt die Anfführimg ab, von Le Bargy oder von Sarah Bernhardt? RostandS Anttvort darauf läßt das nicht

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n o. Fragest^ bet 1901. - foll

0 Milglik-tt/ pynt nwhn>i eingkistL ilenswcrtc'Lc^ He für tfflnrilia 8 LerleilunaMe var-Einlagkn 1| mit;o verM'F intritte tönur > ilqen. Nack 3-i;. Bm. Ginnte />t'red)liflt.i't._ M

ta, den 9. W n Maurant hiitzeuh«

ver Winter 18(2/15 in Rußland.

Die furchtbare Tragödie, die sich vor hundert Jahren aus den Eisfeldern Rußlands abspielte, ruft gerade in diesem Jahre großes Interesse für die Einzelheiten des russischen Winters 1812/13 hervor. Von den zahlreichen Uickersuchungen der damals herrschen­den Witterungsverhältnisse erfordert besonders eine Darstellung R. Hennigsin der ZeitschriftDas Wetter" (Red. R. Aßmann) Beachtung. Niemals sonst hat die Witterung zu einer so unge­heuren weltgeschichtlichen .Katastrophe Veranlassung gegeben, wie gerade vor hundert Jahren. Man darf sich die begleitenden Wettererscheinungen aber nicht so vorstellen, als ob während des ganzen Rückzuges der Armee die schärfste Kälte geherrscht hätte. Aus exakten Wetteraufzeichnungen geht hervor, daß der Sommer 1812 sehr heiß war, und das Heer unter der Hitze viel zu leiden hatte. Am 23. August wurden in Smolensk sogar 32,5 Grad Celsius beobachtet. Der Herbst brachte anfangs durchaus ange­nehmes und schönes Wetter. Zu Beginn des Rückzuges von Moskau, noch am 27. Okwber lauten alle Berichte:Das Wetter ist herrlich, die Wege schön." Diese Wettergunit hielt bis in den November hinein an. Erst am 6. November traf das zurückziehende Heer die. erste Kältewelle. Am 9. November herrschten bereits 22 Grad Kälte. Von Witte November ab wurde es aber wieder milder, vom 19. bis 24. herrschte sogar voll ständiges Tauwetter. Aber gerade diese milde Witterung wurde jetzt verhängnisvoll. Die ohnehin schlechten russischen Landstraßen wurden grundlos und erschwerten den Rückzug; iveiterhin war der Mangel fester Eisdecken auf den Flüssen sehr hinderlich. Hätte die Kälte weiter angedauert, dann wäre der llebergang über oie dann zugefrorene Beresina ohne Schwierigkeit verlausen, ^.as Tauwetter aber zerstörte alle Eisdecken

Als daml am 24. November aufs neue Frost begann, genügte die kurze Zeit bis zum Beginn des Hebergangs (25./26. November s nicht, um eine tragbare Eisdecke zustande kommen zu lassen. Die Beresina war offen, nur an den Ufern Eis. Der llebergang über die enge Brücke unter dem Kartätschen feuer des Feindes mußte nun zur Katastrophe führen. Erst jetzt fetzte eine Kälte ein, wie sie in Rußland in so früher Zeit (fror Weihnachten, nur selten vorkommt Tie Temperatur sank am 8. Dezember bis auf 35 Grad Kälte. Seit dem berüchtigten Dezember 1876 hat man in Westrußland vor Weihnachten nicht annähernd so tiefe Thermometer stände beobachtet wie im Dezember 1812. Das geht auch aus den deutschen Beobachtungen hervor. Der Dezember 1812 war in Berlin der drittkälteste Dezember in 200 Jahren (Mittel- temperatur 7,3 Gradr Zn den letzten 80 Jahren ist kein Berliner Dezember unter 4,5 Grad Kälte gesunken,.

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