Ausgabe 
7.11.1913 Zweites Blatt
 
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Tic. 262

Jacquard-

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Berliner Porzellanmwnufaktur folgen nebst den prächtigen Theater- Puppen von Richard Teschner, die den Figuren des japanischen Marionettenspiels auf reizvolle Weise nachempfunden und doch ganz selbständig gestaltet sind. Zahlreiche Proben von Willi Geigers hochentwickelter Exlilwikunst, Abbildungen von der Bres­lauer Friedhoflunst-Ausstellung und nach österreichischen Korb- flechtereien mack-en den Schluß. Was Alexander KochsTcutsck^ Kunft und Dekoration" bietet, ist jedesmal ein maßgebender Aus­schnitt auS fast sämtlichen Produkttonsgebieten der freien und an­gewandten Kunst, eine Auswahl des Besten, in der Form der Darbietung von unnachahmlichen Geschmack.

Zreitag, 7. November |915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheo Universums - Buch- und Sreindruckerei.

9t. Lange, Gießen.

Der Kmfer und König Ludwig III.

München, 6. Nov. Das Telegramm, mit dem Kö­nig Ludwig dem deutschen Kaiser die Beendigung der Regentschaft anzeigte, hat folgenden Wortlaut:

Eurer Majestät gestatte ich mir zur geneigten Kenntnis zu bringen, das, ich die Regentschaft gemäß den Bestimmungen der Verfassung für beendigt erklärt und den Thron meiner Väter als nächster Agnat bestiegen. Tie unerschütterliche B u n - des treue, die ich von meinem Vorgänger in der Regierung Bayerns als heiliges Vermächtnis überkommen und selbst sorg- sältig gepflegt habe, wird in mir auch fernerhin einen überzeugten Hüter finden. Eure Majestät, den erhabenen Schirmherrn des Deutschen Reiches, bitte ich, die mir und meinem Hause bisher Itets erwiesene freundschaftliche Gesinnung auch in Zukunft er­halten zu wollen.

Der Kaiser antwortete:

Mit herzlichem Tanke für Deine Mitteilung über die Be­endigung der Regentschaft spreche ich Dir zu Deinem Regierungs­antritt als König in treuer Freundschaft und Anhänglichkeit meine aufrichtigsten und aus tiefstem Herzen kommenden Glück- und Segenswünsche aus. Mit mir nehmen die Kaiserin, mein Daus und mein Volk an diesem bedeutungsvollen Ereignis freu­digsten Anteil. Möge Dein Wirken in dem Dir vonGot^übär- tragcnen hohen Berufe Dir selbst reiche Befriediguirg gewähren und Deinem schönen Lande sowie unserem gemeinsamer! großen Vaterlande Glück und Segen zu bringen. Möge der heu­tige Tag für das Bayernland der Markstein werden für eine Zeit ungetrübten Glückes und segensreicher friedlicher Entwicklung!

Diesen Glückwunsch erwiderte der König mit folgen­der Depesche:

Dein gütiges Telegramm, daß mir einen neuen Beweis Deiner treuen Freundschaft gibt, hat mich herzlich gefreut. Ich brtte Dich, die Kaiserin und alle die Deinen für die Anteilnahme an dem für mein Haus und Land bedeutungsvollen Ereignis und für die so warmen Glück- und Segenswünsche meinen ttefempfun- denen Tpnk entgcgenzunehmcn. Möge Gott Deinen Wünschen Erfüllung schenken zum Wohle Bayerns und unseres großen Vaterlandes.

Auch von den übrigen B u n d c s f ü r st e n , den Bürger­meistern der Freien Städte, dem Kaiser von Oesterreich, den anderen europäischen Souveränen, sowie aus dem ganzen bayerischen Lande sind zahlreiche Glückwünsche cingegangen. Zwischen dem Vorsitzenden im Ministerrat Dr. Freiherrn v. H e r tl in g, dem Reichskanzler v. B e t h m a n n -H o l l- weg und dem Statthalter von Elsaß-Lothringen Grafen W e d e l hat aus diesem Anlaß ebenfalls ein Telegrammwcch- sel stattgefunden.

Redaktton, Expeditton und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: oL

Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigertÄleßen»

ben Antrag und erkläre ihre Bereitwilligkeit, ihn neben dem land ondrscben Ersuchen weiter zu verfolgen. Man solle das eine tun und brau rc las andere nicht zu las en.

Ter Finanzausschuß, der die wohlnwllende Stellung der Re­gierung dem Antrag gegenüber anerkennt, muß dagegen'nach dem Berrchtcrüatter in seiner Mehrheit an der Auffassung festhaltcn, day eine wirtliche Gesundung des hessischen Genossensckraftswesens nur erfolgen kann durch ein vom Staate errichtetes 3 L'.n tr alinstitut für den Geld- und Kreditverkehr der Ge- uofienschaften. Nur wenn der machtvolle Arm *c5 Staates eine solche Kasse hält, wird das unbedingt notwendige Vertrauen zu dem Genosienschastswescn, wclck-es so schwer erschüttert mürbe, wieder zuructkehren. Tie neugcgrünbcle Zentral-Tarlehnskassc lxibe dies Vertrauen leider noch nicht wieder Herstellen können. Sie werde auch aid die Dauer selbst den berechtigtsten Ansvrderungcn der Ge nci'enschasten auf billigen Kredit kaum Nachkommen können, auch wenn ihr jetzt vom Staate eine Million zugeführt wird. Tie Summe werde nicht aus reichen, die Gelddccke werde zu kurz blei ben. Auch stehe zu befürchten, daß weitere kostbare Zeit ver­loren geht, daß die Genossen noch zurückhaltender ihren Genossen fchasten gegenüber werden und daß eine Krisis eintritt, die dann nicht mehr zu beheben sein wird. Durch die vorgeschlagene Neugründung einer staatlichen Kasse sei die früher befürwortete Eingabe dc» Darlehens überholt und die Genossenschaften hätten selbst die Gründung der staatlichen Kasse begrüßt. Tie Ausschuß­mehrheit glaube deshalb im Interesse nachhaltigster Hilfe für die Genossenschaften den Antrag auf Hingabe einer Million Mark nn die neue Zentraldarlehenskasse ablehnen zu sollen, um damit zum 2lusdruck zu bringen, daß er diese Regelung für völlig unge­nügend Hill und nur in der vorgeschlagen.'n Errichttrng der neuen Kasse den einzigen Weg aus der Krisis erblickt. Er beantragt des­halb in seiner Mehrheit die Annahme des Antrags Heyl und Ge­nossen.

Die Errichtung einer Hess. Zentraigenossenschaststasse. tu Juteressante Aufschlüsse gibt der soeben erschienene Bericht des Gey. Kommerzienrat Tr. Strecker über die vom Finanzaus- ickmß der Ersten Kammer mit der Regierung gepflogenen Be­ratungen über den bekannten Antrag der Herren Erz. Tr. Freiherr Armsheim, Graf Kuno zu Stolberg-Roßla und Fürst zu Vienburg-Birstein. Ter Ausschußberichlerstatter gibt zunächst eine ueberficht über die Entivickelung des Genossenschaftswesens im allgemeinen und kennzeichnet dann die Landwirtschaftliche Ge- nolienschastsbank in Darmstadt und ihre Tätigkeit. Er schildert Wetter bie schweren Folgen des Zusammenbruclies dieser Bank für das ganze Land und die zur allmählichen Herbeiführung einer (Sanierung beschlossenen Maßnahmen. Neben den fonr-igen Tchwie- rlgketten der Geldbeschaffung werde die Lage dadurch verschärft, daß dre Genossenschaften letzt sofort zur Ausgleichung der Bilanz ^>ur(^ Einzahlung auf den Geschäftsanteil oder dessen Erhöhung den bereits jetzt vorhandenen Verlust von 50 Prozent ocr Forderungen zu decken und zwar in barem Gelde. In dieser wr das ganze Land bedrohlichen Lage könne nur der Staat mit Kusftcht auf Erfolg helfen. Es sei bekannt, daß die Forderungen der Zentralkasse über das von den Kammern gewünschte Darlehen von einer Million Mark erheblich hinausgiugen, daß sie nämlich noch wettere 500 000 Mark für die kranken Genossenschaften und ferner vier Millionen gefordert hätten, um den Genossenschaften, deren Gelder bei der & G. B. nicht verfügbar sind, Betriebs­mittel zuzuführen. Solck^ Summen können so heißt es weiter vom Staate nur dann hergegeben werden, wenn eine weitgelwnde staatliche Kontrolle gewährleistet ist. Die Notwendigkeit dieser Staats ko ntrolle legt den Gedanken nahe, die vorzüglichen Er­fahrungen, die man in Preußen mit der reinen Staats- anstalt gemacht hat, auf Hessen zu übertragen.

Bei der Beratung des erwähnten Antrags über die Errichtung einer Hess. Zentralgenosse,ischaftskassS führte nun Finanzmi -- n t ft e r Dr. Braun aus, daß sich nach dem landständischen Er- luck^n um Gewährung des Darlehns bei den mit der Zentralkasse gepflogenen Verhandlungen Schwierigkeiten in zwei Richtungen ergeben hatten Die eine habe die Sicherung des Dar­lehens betroffen, insbesondere die Hergabe von Darlehen gegen ^lbtr^ung von Forderungen an die Genossenschaftsbank. Da kne Verhältnisse der Bank noch zu ungeklärt seien, mußte eine genaue staatliche Nachprüfung durch einen Kommissar verlangt werden, die aber anscheinend nicht gewünscht wurde. Erst im Ver­lauf der Verhandlungen sei der Widerstand dagegen aufgegeben lüfjrben. sDie zweite Schwierigkeit sei in der Frage der Ver­wendung der in Aussicht gestellten Million Mark vorhanden ge­wesen Die Zentralkasse habe den Standpunkt vertreten, daß die Darlehen an die einzelnen Genossenschaften mehr schematisch nach der Große der beanspruchten Kredite gewährt werden sollten, wäh- rend Die Regierung sie an die einzelnen Genossenschaften nach der besonderen Bedürftigkeit der einzelnen Kassen gegeben wissen wollte. Auch in dieser Richtung sex nunmehr eine Nachgabe der Kassen ,festzu stellen.

In diese Verhandlungen sei nun der zur Beratung stehende Antrag gekommen. Er sekundiere der Regierung, insoweit von dieser gegenüber der Zentralkasse nachdrücklichst scharfe staat­liche Aufsicht gefordert werde. Er gehe jedoch noch weiter. Ein er direkt die Errichtung einer staatlichen Kasse nach dem Aduster der Preußenkasse anrege. Weiter lasse der Antrag Zweifel oa ruber iu, o b die Genossenschaften selb st eine so l ch e Gestaltung wünschten und die zweite Frage sei, wie sich

-yl vorliegende Antrag zu dem beschossenen Ersuchen um »Ge­währung eines Darlehens bis zu einer Million Mark verhalte. Der in letzter Zeit lautgewordene Gedanke, daß der Staat den einzelnen Genossen selbst helfen solle (ge­meint ist hier der bekannte Antrag Rehst erscheine für die Regierung, mich wegen der zwar vorsorglich bestrittenen, aber sicher zu erwartenden Konsequenzen sei der Vorschlag unan­nehmbar. Durch die angeregte Beleihung bis zu 85 Prozent rönne an sich nicht allgemein geholsen werden, und dann 'tage sich, wie demjenigen geholfen werden solle, der überhaupt keine Grundstücke besitze. Der Gedanke enthalte auch eine gefährliche Verwässerung des Sicherheits-Jrnmobilienkredits.

Der Antrag Heyl und Gen. sei, wie nach dem Bericht dir Finanzminister loeitcr ausführte, wohl mit dem Ersuchen auf eine Vorlage wegen des Darlehens bis zu einer Million in Verbindung zu bringen. Rasche Hilfe sei erforderlich. Wenn aber an die Gründung einer hessischen Zentrallässe nach dem Vorbild der Preußenkasse und damit an ein n e u e s I n st i t u t gedacht werde, so sei eine alsbaldige Hilfe für die notleidenden Genossenschaften nicht zu erwarten. Es sei zweckmäßiger, dem einstimmigen Er­suchen der Stände wegen des Darlehens bis 1 Million Mark 1 zunächst zu entsprechen und daneben den in dem Antrag Heyl 1 liegenden Gedanken erst gründlich) vorbereitet zur lebendigen Tat 1 werden zu lassen. In diefen Erivägungen begrüße die Regierung i

Die Kunst und ihr Publikum.

Jeder, der Kunst liebt und genießt, wird dadurch gewisser­maßen selbst zum Käinstschöpfer dies könnte als Leitsatz üb ar den feinen, lebendigen Aussührungen stehen, die Franz Servaes im Oktoberheste der Darmstädter KnnstzeittchriftDeutsche Kunst und Dekoration" (Herausgeber Hofrat Alexander Koch) veröffent­licht. Der geistvolle Wiener Schriftsteller läßt sich im wesent­lichen also vernehmen:

Die Kunst besteht nicht bloß durch die Künstler allein. Ihre wahre Lebensfähigkeit empfängt sie erst durch die Rück­wirkung auf ein Publikum. Jedwedes Reden setzt Hörer voraus, lind so auch jedwedes.Kunstwerk eine empfangbereite Gemeinde. Nicht bloß damit der Künstler dadurch gestärkt werde zu neuem Schaffen, sondern damit das Kunstwerk überhaupt da sei. Ein Bild, auf dem nicht in Dankbarkeit entzückte Augen ruhen, existiert gleichsam nicht.

Tas Kunstwerk ist durchaus abhängig von den Menschen, ms bereit Phantasie und Herzen es miebergeboren wird. Ohne sie ist es ein totes Stück Leimvand, oder Stein, oder Holz, das gar keine Bedeutung in sich selber hat. Für stumpfe Augen, sci es barbarisckwr Menschen oder unschuldiger Tiere, ist es ein sinnloser Gegenstand ohne Wert. Wo aber der Mensch hinzittrttr, der das Kunstwerk in sich aufzunehmen vermag, da sttahlt es eine wundersame Lebenskraft aus und hebt an zu leuchten, als eine Osfenbauung des göttlichen Geistes. So empfängt es sein Leben von dem Menschen, dem es seinerseits im Innersten eine Fackel anzündet. Diese Wechselwirksamkeit ist für das Kunstwerk uner­läßlich.

Darum vermag denn auch mir dasjenige Volk Kunst zu be sitzen, das außer den schaffenden Künsllern auch eein mitsch>affendes Publikum besitzt: d. h. eine Gesellschaft, die sich der ehrenvollen Verpflichtung bewußt ist, die Kunst zu tragen und zu hegen. Leider gibt es noch keine Kunstgeschichten, in denen die hierauf bänglichen Kapitel geschrieben ständen. Darum werden diese Tatsachen meist übersehen. Und doch hat es nie und nirgends, in keinem Lande und in keiner Zeit, eine Kunstblüte gegeben ohne iie sehr lebendige Teilnahme derer, für die die Kunst geschaffen Pitrbc.

Fragen wir aber einmal gar nicht mehr nach dem Künstler U2tb seinem geheimnisvollen Schaffen. Fragen wir hier allein

Ter Rat des Schahs. Ter Intimste der Intimen König Eduards, der letzt 83jährige Lord Suffield, veröffentlicht seine LebenSerinnerungen, in denen er um die liebenswürdige Gestatt des englischen Königs herum eine Fülle interessanter Ersck-einungen und bunter ejenen auftauchen laßt: besonders reichhallig sind 1 eine Erinnerungen an die indische Reise des damaligen Prinzur von Wales und an die mancherlei Gäste, die der englische Königs- Hof int letzten halben Jahrhundert gesehen. Steiner aber von dreien hat mehr Anlaß zu luftigen Geschichten gegeben als der ^dyab von Perfien, der 1873 nach London kam. Lord Suffield erzählt u. a eine Anekdote, die dem damaligen Prinzen von Wales mit ihm pasiierte, als sie beide beim Herzog von Suther-* land (ungeladen waren:Der Schah empfing einen tiefen Ein­druck von der Pracht und dem Reichtum, die alles in Stafford Dvuie atmete, und meinte zu dem Prinzen so unter der Hand, oer Herzog müsse doch kolossal reich und mächtig sein, da er iid) in lolcher Weise habe einrichten können. Eduard berichtete ihm, daß der Herzog große Besitztümer nicht nur in England, son­dern auch m Schottland hätte und dgß all die Pracht, die er hier sähe, nur ein kleiner Teil von dem sei, worüber der Herzog verfügen könne. Ta wurde der Schah sehr nachdenllich: dann aber kam ihm ein erlösender Gedanke: er näherte seinen Mund dem Ohr des Prinzen und flüsterte ihm mit höchster Dringlich­keit zu:Wenn er so reich ist, dann liegt doch die Sache fefal einfach. Wenn Sie auf den Thron kommen, müssen Sie ibn eben" und er faßte sich mit triumphierender Geste um den Hals und machte die nicht mißzuverstehende Gebärde des Auf­hängens."

;par. Vereinigung!

Erscheint tL-lfch mit Ausnahme des Sonntag«.

DieEigener ZannlienL lütter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« Kreisblatt ffir den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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'Obdzoi, ffl.

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Der Kabeljau, eine verkannte Gröhe u ter den Zeesischen.

Von F. Tuge, Fischereiinspektor in Cuxhaven.

Einer der vorzüglichsten Seefische, die von deutschen Flscherfahrzeugen gefangen werden, ist der Kabeljau (Gadus jnorrhua'. In allen Seefischerei treibenden Ländern spielt er int Fange eine Hauptrolle und bei allen fischessenden Na­tionen, d. h. solchen, die auf die Fischnahrung naturgemäß hauptsächlich angewiesen sind, und sie daher ganz besonders schätzen und genau kennen, hat er sich stets einer ganz her» vorragenden Wertschätzung erfreut. In Deutschland, wo der Seefisch als Nahrungsmittel bei weitem nicht die Rolle spielt, die ihm seiner vielen guten Eigenschaften nach zukommt, ist auch der Kabeljau selbst an der Küste wenig geschätzt und mei­stens billiger als andere Fische, z. B. Schellfisch, der bei der fischkundigen Bevölkerung Norwegens weit geringer bewertet wird. Auch in Holland zahlt man für den frischen Kabeljau ganz ungewöhnlich hohe Preise. Deutsche Reisende, die den Kabeljau im Auslande essen, sind stets überrascht von dem schönen Geschmack des Fisches und halten das ihnen vorge­setzte Gericht vielfach zunächst für einen ihnen unbekannten Seefisch.

Der Kabeljau ist tatsächlich ein sehr schöner und zu jeder Fischspeise verwendbarer Fisch. Er eignet sich zum Kochen, Backen, zur Bereitung von Fischsalat, Pannfisch und zum Einsätzen zur längeren Aufbewahrung. Wie alle Fische ist er vor der Verwendung sorgfältig zu reinigen und dann 24 stunden vor dem Kochen leicht zu salzen und bis zur Zubereitung kühl aufzubewahren. In Norwegen legt man den so behandelten Fisch zwischen zwei reine Kuchenbretter und beschwert das obere durch Gewichte, Steine oder ähn­liches. Hierdurch wird das Wasser mit der in das Fleisch einorlngendcn Salzlake abgesondert und man erhält ein festes, sehr wohlschmeckendes Fischfleisch. Dem Geschmack und der Geschicklichkeit der Köchin oder Hausfrau muß es über­lassen bleiben, die richtige Salzung und schmackhafte Zuberei­tung zu treffen. Wo der Versuch gemacht und mit Sorgfalt durchgeführt wird, ist der Erfolg sicher; man soll sich aber nicht durch eine einmalige vielleicht nicht ganz gelingende Probe abschrecken lassen.

Je nach der beabsichtigten Verwendung wird der Fisch geschnitten. Soll er gekocht werden, so schneidet man ihn der Länge nach am Bauch auf, legt ihn auseinander und entfernt eventuell die Rückengräten. Soll er gebacken oder

nach der Wirkung, die ein Kunstwerk im Rahmen einer Gesell- 'chaft, die es aufzunehmen bereit ist, hervvrzurufen vermag. Es wird zunächst in einem unabsehbaren Maße die Freudigkeit vermehren. Ich meine nicht jene lärmende Lust, die mehr eine Selbstbetaubung als ein lebendiger Lebensausfluß ist. Sondern ich meine nur das, was wirklich im Tiefsten voll von Lebens­kraft, voll Geftnidhett, Echtl>eit und Natürlichkeit ist. Für töricht mochte man reden erklären, der diesen Quell nicht zu sich hiiileitet, vielen wahren Iiigendquell, der immer aufs neue erfrischt und aus- richtet. Wo immer es mir vergönnt war, ein Haus oder auch nur eine betdictbcnc Etagenwobnung xu betreten, worin die Kunst Iich hatte heimlich machen dürfen, da schlug mir sogleich, wie eine Helle Welle, dieser Geist einer besonderen Freudigkeit ent­gegen. -Lte Harmonie einer künstlerisch abqeftimmten Umgebung gebt irgendwie auf die darin befinblieben Menschen über, teilt sich ihnen mit und erzeugt auch in ihnen, je nach dem Grade ihrer Empfänglichkett, Harmonie. So darf man sagen, daß von der Kumt aus direkt Lebensglück in die Menschen überströmt. Ein Volk, das m feinen breiteren Schichten künstlerischer Regungen, wenn auch in bescheidenem Maße, fähig ist, wird auch an Mensch­lichkeit und Sittlichkeit gewinnen.

Vor allem aber hebt die Gesellschaft sich selber, menn sie einen bestimmten Grad von Kunstpflege und Kunstt'inn in ihren Kreisen * gleichsam obligatorisch macht. Sie schafft sich neue, wahrere und tiefere F-rchiden, sie bekämpft vor allem das leere Protztum, das überall, wo Reichtum sich häuft, als bedenklichster Kulttirauswuchs sich breit macht "

Im übrigen ist auch dieses Heft wie seine Vorgänger geradezu verschwenderisch ausgestattet. Eine große Reihe von erstklassigen Abbildungen gibt einen zutreftenden Begriff von der Münchener Internationalen im Glaspalast: Stuck, Hübner, A v Kftl--r Burr, Ainiet, Jagersbacher, Sck?walbach, Bloos, Heider ' Caspar' Weisgerber, llnold, Goossen und viele andere sind mit Repro­duktionen vertreten. Großem Interesse wei-den die von dem Pariser Klerderllmstler Porret entworfenen und bei Gerson-Berlin aus- gestellten Raume begegnendes ist fesselnd, zu sehen, bis zu welchem Grade der geichmackvolle Franzose sich von der Ausdrucksweise des neudcnttchen Sttles hat anregen lassen. Tas neue Meisterwerk

von ©eibfö, das Braklsche Kunsthaus in München, wird vorgefuyrt. Raume und Muster aus der epochemachenden Wiener Tapetenausltellung schließen sich an. Entzückende Arbeiten der

feiert

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Zweiter Blatt 163. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Griechenlands Zchwieriykei en.

Ein Berliner Telegramm derKöln. Ztg." meldet'. Tie Antwort Griechenlands auf die Vorstellungen Oesterreich-Ungarns und Italiens wegen der Räumung von Südalbanien wurde von Griechenland and} Berlin mitgeteilt. Einen befriedi-genden Eindruck konnte die griechische Antwort hier ebenso wenig Hervorrufen wie in Wien und Rom. Man hält hier indessen an dop Annahme fest, daß bei weiterer Verhandlung der Sackte Griechenland die Umstände nicht verkennen wird, die dafür sprechen, das; es in der s ü d a l b a n i s ch e n Grenz- frage vor dem Lebensinteresse der Drei­bund m ä ch t e Halt macht. Ein besserer Rat kann Athen auch nicht von Deutschland gegeben werden, dessen freund­schaftliche Haltung für Griechenland durch Tatsachen außer Zweifel gestellt ist.

Verlauf italienischer Kriegsschiffe an die Türkei?

Paris, 6. Nov. Nach einer Blättermeldung aus Athe n versautet, daß die italienische Regierung der Türkei die P a n z e r s ck) i f f eS a r d e g n a",S i - cilia" undRe U m b e r t o" v e r k a u f t habe. Die Schiffe sollen erst nach Unterzeichnung des grieck)isch-türkischen Friedens geliefert werden.

Die serbisch-montenegrinische Grenzfrage.

Belgrad, 6. Nov. Die serbisch-montenegri­nische Grenzfrage ist zwischen den Regierungen'end­gültig dahin geregelt worden, daß Montenegro außer Plevlje und dem westlichen Methochisgebiete noch Tjalo- witza überlassen wird.

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