von 10000 Frs. mit einer progressiven Steuer belegt werden soll, welche bis 1 , Prozent rür Kapitalien bis 50 ty*') Frr, bis zu 4 Proz. bei Kapitalien von mehr als 5 Millionen beträgt. Das Jahreserträgnis dieser 3teuer wird auf 7 2 M illionen veranschlagt. — Das Erträgnis der französischen indirekten Steuern und Monopole im Eftober überstieg die budgetäre Scfjäeung um 33 400 000 Frs. Die .Höhe der tum Ausgleich des Buogets vor gesehenen Anleihe ist noch nicht festgesetzt. Sie roiro annähernd 1500 Mill, betragen. Tie Besttmmungen über die Bedingungen werden erst bei der Einbringung inx Parlament festgesetzt werden. Es verlautet mit Bestimmtheit, daß es sich um eine in 20 oder 25 Zähren rückzahlbare Anleihe handeln werde, die durch das 70 Millionen-Erträgnis aus der neuen Erbschaftssteuer gedeckt wird.
Das neue Wahlgesetz in Frankreich.
Tie französische Kammer nahm mit 348 zu 213 Stimmen den ganzen ersten Artikel des Wahlgesetzes an, der die Listen- wähl mit der Vertretung der Minderheiten einführt.
König Ferdinand von Bulgarien,
der sich gegenwärtig.in Wien aufhält, stattete am Donnerstag nachmittag dem Grafen Berchtold im Auswärtigen Amt einen ein stündig en Besuch ab. Auch der Kaiser Franz Joseph empfing den König zu einem einstündigen Besuche.
Heer und Flotte.
Die Linienschiffe „Kaiser" und „König Alber t", begleitet vom Meinen Kreuzer „Straft bürg" treten Anfang Dezember zwecks Erprobung auf langer Fahrt eine drei- bis vier- monatliche Reise nach dem Atlantischen Ezean an. 3ic werden dabei unsere westasrikanischen Kolonien besuchen und in den süd- amerikanischen Gewässern die deutsck)e Flagge zeigen.
Arrr Stabt rrnd Land.
Diesten, 7. November 1913.
Von der Nahrungsmittelsteuer.
Der alljährlich erscheinende Bericht über die Einnah men aus dem Verbrauch an Brennmaterial und Getränken gibt wieder ein recht interessantes Bild, wenn man jbic Zahlen mit taten des Vorjahres vergleicht. Das Eftroi in 1912/13 hat eine Bruttoeinnahme ergeben aus Brennmaterial 47 788 Mk. (gegenüber 45987 Mk. im Jahre zuvor), aus Getränken 46600 Mk. (45 750 Mk.). Das Ergebnis ist also eine Mehreinnahme von 1800 Mk. aus Brennmaterial und 850 Mk. aus Getränken, im ganzen also 2650 Mk. Von der Bruttoeinnahme dieser Steuer in Höhe von 90577 Mk. kommen in Abzug: 2961 Mk. Rück- Vergütungen der Wiederausfuhr und 3732 Mk. (4VgProz.' Kosten der Erhebung, so daß ein Reinerlös aus Eftroi von 86 815 Mk. mit einem Mehr von 950 Mk. gegenüber dem Vorjahr verbleibt.
Recht interessant ist ein Vergleich der in den beiden letzten Rechnungsjahren mit Eftroi belegten Mengen der Getränke, wobei sich für 1912/13 folgendes Bild ergibt: Es wurden weniger eingeführt: Wein in Fässern 15 584 iJiter, Obstwein in Fässern 5566 Liter, Bier in Fässern 131061 Liter, Branntwein 7611 Liter. Mehr eingeführt wurden: Wein in Flaschen 11608 Flaschen, Obstwein 7772 Flaschen, Obergächriges Bier (Weiß- und Braunbier) 8581 Liter und Spiritus (reiner Sprit) 257 Liter. Die Zahlen tun offensichtig dar, daß der Alloholgeimß unserer Stadt gegen das Vorjahr wieder erheblich zurürkgegangen ist, sicher aber noch erheblich mehr zurückgehen könnte.
Der Biervervrauch für Gießen, wie er sich tat sächlich im letzten Jahre gestellt hat, ergibt folgende Zahlen: Mit Oktroi belegt wurden 47 112 Hekla, abgesehen von obergährigem Bier, das als wenig alkoholhaltig wohl außer Betracht bleiben kann; eine Rückvergütung von 117 Mk. für ausgeführtes Bier entspricht einer Menge von etwa 1720 Hekla, so daß für den Verbrauch in der Stadt 45 722 .Hekto verbleiben oder bei rund 32000 Einwohnern ein Verbrauch von etwa 140 Litern für den Kopf der Einwohner im Jahre gegenüber einem Durchschnittsverbrauch von 78 Litern im Brausteuergebiet, 228 Litern in Bayern, 164 Litern in Württemberg, 129 Litern in Baden, 82 Litern in Elsaß und Lothringen und 99 Litern im deutschen Zollgebiet (nach der Reichsstatistik für 1910). th.
Erteilung von Tanzunterricht.
ES sind Zweifel darüber entstanden, ob die Erteilung des T a n z u n t e r r i ch t s unter die Vorsdnift des 8 55 der Gk» werbeordnung fällt oder nicht. Tie Frage, ob der Tanzunterricht zu dem „U nt er rich tswescn" im Sinne des § 6 der G. O. gehört ober nicht, ist unbestritten. Während von einer Seite der Standpunkt vertreten wird, daß die Erteilung von Unterricht in rein körperlichen Hebungen und Fertigkeiten nicht unter den Begriff des Unterrichtswesens im Sinne des 8 6 G. O. fällt und daher dieser Teil des Unterrichts dem 8 55 der G. E. unterliegt, wirb von anderer Seite der gegenteilige Standpunkt vertreten.
Tie Vorschrift des § 35 01. E., nach der die Erteilung von Tanzunterricht „als Gewerbe" bei bestimmten Ri äugeln des Gewerbclreibenden zu untersagen ist, trifft nur die gewerbliche Seite des Tanzuntcrrichts. Die etwa britebenben landesrechtlichen Vorschriften, die vor allem die Interessen der Unterricht Rehmen- den schützen sollen, würden dadurch in keiner Weise berührt. Es würde hiernach die Erteilung von Tauzuuterrichl, insoweit nicht 8 35 G. E. etwas anderes bestimmt, nicht unter die G. O. fallen, infolgedessen würde auch, selbst wenn die Voraussetzungen des 8 55 G. E. gegeben wären, die Verpflichtung zur Lösung eines Wandergewerl'esckn'ins nicht bestehen.
Zur Vemreidring von Zwerfeln wird jedoch darauf hingewiesen, daß die strittige Frage nur im Weg des Strasvc r fahr c n s entschieden mvrbcn kann Nach einer reichsgerichtlickxm Entscheidung ist auch die Erteilung des Turnunterrichts zum Untcr- rickstswesen deS 8 6 der G. O. gerechnet worden.
* * Tageskalender litt Freitag, 7. Rov. Stabt- t h e a t e r: ,DaS Geheimnis' Anfang 8 Uhr.
*
• • Der Grostherzog hat den Major o. D. Karl Frei- Herrn von Lehmann znm Kammerhcrrn ernannt
• • Ernennung. Der Grostherzog hat den Major a. D. Karl Freiherrn v. Lehmann zum Kammer^ Herrn entmint.
• • Schulwesen. In den Nu he stand versetzt wurde der Lehrer an der Volksschule zu Grafenhausen (Sir. Darm« stabt) Heinrich Klein auf fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. — Uedertragen wurde dem SchulamtSaspiranten Heinrich (Borg aus Nieder-Flor- stadt (Sir. Friedberg) eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Ober-LaiS (Str. Schotten), dem EchulamtSasviranten Wilhelm Hofmann auS Heuchelheim (Kr. Gießen) eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Nauheim (Sir. Groß-Gerau).
•• Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde vom Groherzog an Philipp Decherl auS Heuchelheim verliehen.
•• Bauwesen. Erledigt ist die Stelle eines Dann.i- iucifter5 bei Grosth. Wasserbauamt Mainz.
*" Ter Fortschritll. polit. Dildungsverem veranstaltete gestern abend im polet Einhorn einen Vortragsabend und baue als Hauptredner den durch seinen politischen Beleidigungsprozeß allgemein bekannt gewordenen Rittergutsbesitzer A. Becker-Dartmannshagen gewonnen. Prof. Ur nabt eröffnete die gut besuchte Versammlung mit der Erklärung, dag der Verein es als feine Pflicht anfeU, politische Bildung zu verbreiten, auch wenn sie vielleicht zunächst den Gegnern zugute kommen sollte. Nach einigen geschöstlidxm Mitteilungen warf der Redner einen Rückblick auf die l.istorische Entwickelung des ostelbischcn Großgrundbesitzes. Gestützt auf den vom deutschen Volk erbrachten Befähigungsnachweis für Kolonisation, forderte er endliche Verwirklichung der Stein-Hardenbergfchen Reformpläne, Verhütung des gemeinschädlichen „Bauernlegens" und einen gerechten Ausgleich zwischen Gro^- und .stleingrundbesitz. Sjerr Becker gab ander Fülle seiner persönlichen Erfahrungen heraus ein packendes Bild jener uns in Hessen schwer vorstellbaren Zustande, die ein Kleinerwerden der Ertfdxnten, ein Wachsen der zufammenhängen- ben Ackerflächen als typisch bedeuten. Damit im Zusammenhänge stehe eine Schmälerung der politischen Rechte der kleinbäuerlichen und der Arbeiterbevölkerung icner von der Natur io reich gesegneten Landstriche, wofür das Fehlen eines Koalitionsrechtes der Landarbeiter und die nur 5 Prozent betragende Beteiligung der Wahl- berechtigten bei den preußischen Landtagswahlen beredtes Zeugnis ablegtcii. Geradezu grauenhaft seien oft die Schul- und die sanitären Verhältnisse. Wohl habe das von starker Land geleitete Preußen seine Pflicht getan: aber rao sei im Augenblick die so nötige starke Hand, um durchgreifende Besserung zu schaffen! Was sei selbst aus dem Miauelschcn Versuch geworden, die innere Kolonisation durch namhafte Staatsmittel energisch in Angriff zu nehmen! Die Ansiedlungspolitik in den Estmarken könne keinen Ersatz dafür bieten. Tas namentlich durch den Kreisaus- schuß allmächtige Junkertum verhindere jede durchgreifende Aufteilung, denn es sei sich vollkommen klar, daß Besitz an Land auch Besitz an Staatsmacht bedeute. Was solle man aber ji-^jold) geradezu staatsgesährlichen Tendenzen sagen, wenn felbüzm Staatsminister wie Herr v. Podbielski ein glül-cnder Befürworter der immer mel/r überhand nehmenden Fideikommisse sein durste! Eft» clbien werde durch solche Politik, das Gegenteil einer nationalen, wieder ein Kolonialland und der neueste Versuch Rußlands, eine 'Statistik über die in der deutschen Landwirtschaft alljährlich tätigen russisch-polnischen Arbeitskräfte auszustellen, gebe zu schwersten Sorgen Anlaß. Offenbar beabsichtige cs, beim Abschluß künftiger Handelsverträge Deutschland vor die Wahl zu stellen: Menschenimport oder Herabsetzung des Deizenzolls! Wie vor 100 Jahren gelte es auch heute wieder für Freiheit und Kultur um bas Vaterlandes willen mit oerc.ntcn Mftcn zu kämpfen. — Nach kurzer Aussprache hob Herr Becker in seinem Schlußwort nochmals hervor, daß er keinen Stampf gegen Personen, sondern gegen ein verderbliches System predige und forderte darum zum Eintritt in die politischen Vereine auf. Prof. Ur ft ab t übersetzte den lebhaften Brisall der Versammlung in einen Dank an den Redner und schloß damit den interessanten Abend.
•* Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen 19 14. Nachdem nunmehr die HauSliflen durch die Nevier-Schiitzleute in den einzelnen Wohngebäuden abgegeben worden sind, sei auch an dieser Stelle noch einmal um eigenhändige und sorgfältige Ausfüllung gebeten. Nachdem sich alle Hausbewohner in die jeweilige Liste eingezeichnet haben, wolle man sie an denjenigen Mitbewohner, bezw. an den Hausbesitzer zuruckgeben, von dem sie in Umlauf gesetzt wurde. Die Nevier-Schutzleute werden dann während der nächsten Tage die Hauslisten an diesen Stellen wieder ein- fordern und die Einträge nachprüfen.
Kreis Friedberg.
b. Vilbel, 6. Nov. Durch den raschen Zurückgang der Hvlzbestänbe im Stabtmalb und bic Aufgabe der Lohrinbenwirl- fd-aft und die .Einnahmen aus dem Wolde von 14 197 Mark im Fahre 1899 auf 6889 Mark im letzten Jahre gesunken. Trotz' dem mußte die Stadtkasse bisher an 587 „Bürger" je 7 Mark Holzge 1 d bezahlen, während etwa 2200 andere Ortsbewohner, die nicht bas Bürgerrecht erwarben, leer ausgingen, dafür aber da« Recht Ixittcn, an der Ausbringung des Holzgeldprivilegiums mitzuwirken. Jetzt bat nun die Gemeinderatssitzung den alten Zopf abgeschnitten und das alte Sonderrecht zu Gunsten der Mehrzahl der Ortseingesessenen aufgehoben.
f. Vilbel, 6. Nov. Zur Steuerung der Arbeitslosigkeit beschloß der Gemeinderat die Ausführung von Notstandsarbeiten.
Hessen-Nassau. >
# Nennerod, 6. Nov. Bei dem Uhrmacher Wilh. Bork wurde in der Montagnacht eingebrochen. Den Dieben, von denen einer bereits festgenommen ist, sielen für 4000 Mark Wertsachen in die Hände.
? Dillenburg, 6. Aov. Bei den Stadtverord- netenwahlen der 3. Klasse wurden gewählt die Herren Fey und KrauSkopf mit 107 und 102 Stimmen.
= Frankfurt, 6. Nov. Im Alter von 70 Jahren starb dec Geheime SanrtätSrat Cohn, langjähriger Vorsitzender deS AerzteveremS und Mitbegründer deS Frankfurter ZweigvcreinS vom Roten Kreuz.
Vie Verwendung der «ohlensäure.
Die Kohlensäure, für welche man noch vor einem halben Jahrhundert kaum irgendwelche praktische Verwendungszwecke kannte, ist mittlerweile zu einem beachtenswerten Faktor sowohl in der Industrie als auch im Haushalt geworden. Wird sie doch ui den mannigfaltigsten Zwecken benutzt. Ihre erste, auch heute noch eine wesen tlidx: Rolle spielende Verwendung fand sie zur Herstellung künstlicher Mineralwässer und moussierender Weine. Hier ahmte man nur einen von der Natur vorge^eichncten ^8 eg nach, der uns in den sog. Mineralquellen ein Gemisch von Mb bien- säure und Wasser liefert. Das Wasser nimmt Kohlensäure begierig auf und absorbiert davon bei gewöhnlichem Atmosphärendruck etwa soviel, wie sein eigenes Volumen beträgt. In gleichem Verhältnis mit dem Truck, unter dem bas Wasser steht, steigt auch sein Auf» faugenermögen. Es nimmt also bei fünf Atmosphären fünfmal soviel Kohlensäure auf, wie bei einer Atmosphäre. Daher kommt es, daß die aus großen Erdtiefen entspringenden Quellen gewöhnlich auch einen hohen Kohlensäuregel>alt haben, den sie im Erd- innern unter großem Truck aufnahmen. Läßt der Druck nach, wie dies beim Austreten der Quellwasser an der TageSoberiläck>c stets der Fall ist, so wird die den Atmospbarenbri'.l über- schreitende Mobleniäurcmengc frei und entweicht unter heftigem Ausbraufeii, das Wasser moussiert. Tie Kohlensäure v.'rleiht dem Wasser einen angenehmen erfrischenden Geschmack und erhöht auch seine günstigen Wirkungen als Badewasses. Mau d'iiutz! deshalb die ioblcmäurehciliigen Quellwaiser in den Badeorten zu Trink und Badezwecken und versendet dieselben, in Flaschen gefüllt, zum Hausgebrauch in alle Welt. Ta aber die natürlichen Sauerbrunnen dem Bedarf niet:: genügen, so bat die Industrie schon frühzeitig dadurch Abhilie geschaiien, daß sie Wafier unter hohem Druck mit Kohlensäure tränk: und dadurch künstliches (nhleniäurc- laltigc? Wasser Herste!!:, welches, abgesehen von der Wirkung der von einzelnen Quellwasfem gefühnen Mineralhestanbteile, den natürliäen Mineralwässern kaum nächste!'.. Mittels besonderer Apparate i'i iogar jede HauSsrau imstande, sich ihren Bedarf an Hohlem iurewahrrn iowobt m Jrint- als auch |U Badezwecken auf einfache und billige Art sxlbst herzustetten
Acl n!ick' wie die L n-.hdKn Saucrwäffer sind auch di: fünft» lick en moiinierenben Weine . ine A.i mung der Natur In den na.ürlH en Lckraumwemcn bildet uch die Kohl n'äure infolge eine.- Gärungsprozeßes «e'.b nbig 3o lag rs na! , iß die xi-einfabrilanien den nickt mo’u'iiercnxn Fruchtsäfi u st^blen- jäure zusetzten, um dieselben dadurch zu in <cd).himcn zu bringen.
'X'ic meinen unterer bllllgen Schaumweine und schäumenden Frucht- äste entstehen auf diele Weile aus Trauben-, Beeren-, Ebst-, künstlichen und sonstigen Weinen. Temidben Grunde ist auch die jetzt säst allgemein vorherrschende Verwendung gepreßter Kohlen- äurc anstelle der Bierpumpen zu verdanken. Dabei wird der natürliche Üohlensäuregehalt der Biere nicht nur vollständig erhalten, sondern noch künstlich vermehrt und so das Bier stark chamnend, haltbarer und bekömmlicher gemacht.
Tie Rübenzuckerindustrie benutz: die itobleniäure znm Ab- cheiden des zu Reinigungszwecken -ugeictztcn Kaltes aus den Zuckersäften. Ferner dient sie zur Darstellung von dopveltkohlen- aurem Natron, Brausepulver, welches dadurch erhallen nnrd, daß man gepulvertes, cinfachkohlensaureS Natron mit Kohlen- äurc ,'ättigt. Ebenso stellt man doppelikohlensaures Kali durch Einleiten von MoUenfäure in eine starke Lösung von kohlensaurem Stall her Auch zur Fabrikation von Bleitveiß, der bekannten weißen Teck- und Malerfarbe, wird Kohlensäure benutzt, wobei diese die Zerlegung des Bleies und seine Umwandlung zu Blei- weiß befördert, bähet zum Teil in dieses übergebend. '<ki einer Temperatur von 0 Grad und einem Truck von 36 Atmosphären wird bic vordem paäiörmiqe Kohlensäure flüssig. Läßt man dieselbe bann rasch in die freie Luft ausströmen, so oerbompft ein Teil und absorbiert habet soviel Wärme, daß der andere Teil zu einer schneeartigen Masse gefriert. Mit Aet der gemilcht, hübet bk so verfestigte Kohlensäure eine zur Eiserzeugung brauchbare Sülle- Mischung. Ta Kohlensäure jede Feuerflammc zum Erlöschen bringt, so benutzt man sie entweder für sich allein ober in wässerigen Lösungen bezw. in leicht zerlegbaren festen Verbindungen sowohl zum Löschen von auSgebrochenen Bränden, wie auch zum Verhüten von solchen, namentlich in geschlossenen Räumen. So bekämpft man Grubenbrändc, in Brand geratene Kohlenbunker und dergl. vielfach mittels ^geführter Kohlensäure, welche die Flamme erstickt. Auch füllt man die von der Flüssigkeit nicht ausgefüllten Räume in Petroleum-, Benzin- und B'nzolbekältcrn mit gasförmiger SoWenfäurc aus, um Bränden und Explosionen vorzubeugen.
Die Heilkunde venvendet die Kohlensäure ebenfalls, und zwar sowohl in Gasform als auch in wässerigen Lösungen, oder an andere Stosse gebunden als Arznei. Aber nicht nur innerlich, son- aueb äußerlich wird Kohlensäure vom Arzt benutzt, und zwar Hier uonuiegenb in fester Form, indem Hühneraugen, War-en und sonstige Hautunremigkeiten durch Auflegen von gefrorener Kohlensäure zum Absterbett gebracht werden. Ferner dient flüssige Kvhlen- läure z»m Gefrieren und Verfestigen von Präparaten für medi- zinifch-mikroskopifche Unterfudmngcn.
Wir sehen, daß das Venvendungsgcbiel der MWerrfthnr bereit- ein redü vielseitiges ist unb sick) nod) ständig erweitert. Der Hauptverbraucher an Kohlensäure ist aber nicht der Mensch mit feinen stets wachsenden Bedürfnissen, sondern die organifdK Natur. Alle Pflanzen, von ganz vereinzelten Ausnahmen abgesehen, besitzen die Fähigkeit, mittels ihrer grünen Blätter unb Wurzeln die Kohlensäure sowohl aus der Luft als auch aus dem Wasser und dem Mineralreich aufzunehmen und dieselbe zur Erzeugung organiid er Stoffe, Holz, Blätter, '!’! Früchte .zu ver
arbeiten. Bilder doch her von den Pflanzen aus der Kohlensäure abgeschiedene Kohlenstoff den ivichtigften Baustost aller organischen Mörper sowohl des Pflanzen- als auch des Tierreiches.
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8 Bad-4! anheim, 6. Nov. Bad Nauheim vergißt, obwohl der Sdnverpunkt des Erwerbslebens in der Bademdustric liegt, auch die Interessen der Landwirtschaft nicht und fdx-ut keine Mittel, wenn solche vertreten werden müssen. So werden jetzt auf Kosten der 3ladt eine ganze Anzahl Leute beschäft die unter Aussicht der Feldschützen in allen Gemarkungsteilen sunt Zwecke der M ä u se v er t i l g u n g Gift legen. Tamrt diese Arbeit besser von der Hand geht, werden besondere Geräte von ilintcnähnlicber Form unb Einrichtung benutzt Auch die H a m st e r p l a g e ist in so intensiver Weise bekäinpfl es nur an wenigen Plätzen der Fall gewesen lein dürste.
Aufwendung hoher Kosten in großem Maßstabes überall ließ sie Kabrol in die Löcher der Hainsterbameii nufpriben, weldies^Ver» iahten ganz vorzügliche Ergebnisse aezeitiat bat. Dazu hat die Stadt nochmals besonders iw f für Hamster bezahlt,.die von privaten „Hamsterjägern" an der Bürgermeisterei nbfldicfert worden sind. Es waren das zusammen 610 Stück, 369 alte und 241 Hinge. — Gegenwärtig zieht man hier auf Veranlassung und mit Unterstützung des Obstbauvereins auch gegen einen gefährlichen Feind der Obstbäume zu Felde, gegen den Frostspanner. Allenthalben sind in den letzten Tagen Baumgürtel angelegt worden, i "d man siebt in der (Weniarfung nur noch ganz wenige Bäume, die nicht mit diesem trefflichen Fangmittcl für Obst- schädlinge versehen sind.
— Bienenzucht. Ter oberbessische Bienenzüchter kann gegenüber den anderen Gegenden mit der diesjährigen >?onui- ernte noch zufrieden sein. Recht gut überwinterten die Bienenvölker, doch das rcgnerifdye Frühjahr hielt sie in ihrem Stande zurück Die Schwärme sielen daher verbällm-^mäßig fpät Tie zweite Hälfte des Mai unb ber Ium waren bagegen sehr ergiebig. Dock mancher Imker sah sich versucht, feinem Stande zu viel Honig zu entnehmen, was er bei bem Eintritt bcö nassen Sommers bereuen sollte, da viele Bienen dadurch eingingen Im Aug-ust brachte die Heide reiche Blüte, homgte aber nicht so gut wie in früheren Jahren Dagegen gaben die zahlreich aewachsenen Unkräuter, insbesondere XKbcrid) unb Ackerienf, reichen Ertrag. Im Durchschnitt würben von 10 gut gepflegten Völkern noch etwa 40 Kg. Honig gewonnen.___________________________________
Gerichtssaal.
s. Marburg, 6 Nov. Gestern und heute verhandelte da» Schiviirgeiicbl bis in die Abendstunden hinter verschlossenen Türen. So wurde gestern eine junge Frau namens Schneider von hier wegen TleineiM zu 6 Monaten 6>e'äiigni6 verurteilt. — Heule uevurteilte das Schwurgericht den in Wetter ivohnendcn Dienst- knechl L. Htlverger wegen Sitllid'keUcverbrechcn« zn^ 2 Jahren ZucblbauS und 5 Jahren Ehroerlu't und den Arbeiter FriN Engelbrecht au» Usseln wegen des gleichen Vergehens zn 8 Monaten GeiäugniS.
vermischte».
*DerMordimTarmstädterEiskhbahnzug. Aus Mannheim, 6. Nov., wird gemeldet: Ter unter bem bringen- den Verdacht, den Holz Händler Tr. B r e ch n e r aus Darmstadt ermordet zu babtn, verhaftete 19 Jahre alte laglöbner Webel leugnet bic Tat auf das entschiedenste. Der Verdacht lenkte fid) auf ihn. weil er zu Leuten gesagt haben solider sei bei der Tat zugegen gewesen. Tie Personalheschrcibung der Staatsanwaltt'chast paßt au di genau auf ihn. Der Verhaftete gibt zu. in der fraglichen Zeit auf ber Wanberjchast und zwar in der betreffenden Gegend gewesen zu sein, auch kann er sein Alibi nidit nachweisen Met»ri ist gelernter Bäcker und erst seit kurzer Zeit als Taglöbncr in Lud- wigsbasen bcsck n'tiat Es wird von b-*r \tünfrontalir’* brm Frank i r:er l brma 1er. der die Uhr ces E m r.etcn gekauft Hatte, abtangen, ob Medel der gesuchte Mörder ist.
• Vergift unp. Aus Eoburg wird gemeldet: Wie gemeldet. waren vier Schwestern deS Landwirts Völker, die bei ihm zu Beiud) waren, unter schweren Dergiftungsersdirinungen erkrankt. T r e i der Frauen sind gestorben. Jetzt sind außerdem der Landwirt Georg Bürger und dessen Bruder wie auch der WirtfchaslS- gebilie £) a b l f e l bc r anscheinend an Gilt gestorhen . Eine im KrankenHause befindliche Schwester ist cbrntall* lebensgefährlich erkrankt Die Uriadic ber Vergiftung ist noch nicht festgestellt.
• Brand eines Bahnhofes. AuS Borbeaur wirb gemrlbet: Der Güterbahnhoi der Eompagnie Erleans ist gestern abend in Brand geraten. Tas Feuer fand in den Lagerhaufm» und an den Waren reiche Nahrung. Ter Schaben ist sehr bfr* 1 /rPlofion am Alsterpavil 1 on. AusHamburg, 6. Nov. melbet ein Privallelegramni: Bei den Sprengung-- arbeiten oer Grundmauern des Alstcrpavillons am Jungiet»
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