Ausgabe 
7.10.1913 Drittes Blatt
 
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ntffte man sich eingehend mit den bedürftigen Fawillen be­schäftigen, wozu in allererster Linie Wohnnngsinspektorrn- nen zu berufen seien, da sich die Frau der Frau viel eher anvertraue als dem Manne, der gerade im Hauswesen häufig auch nicht den scharfen und geschulten Blick der Frau habe. Das praktisch allerdings unerreichbare Ideal würde dk-e Architektur sein, die zugleich volkswirtschaftliche Bildung und soziale Praris besitzt.

In der Aussprache, die sich zuweilen recht lebhaft ge­staltet, bedauert zunächst Frau Kruckenberg (Kreu^ach), daß nicht genug Frauen vorhanden wären, die befähigt und gewillt seien, tatkräftig mitzuwirben. Vielleicht könn- ten hier Führungen von interessierten Frauen viel Gutes wirken.

Fräulein Tr. Kröhne, Kreiswohnunasinspektorin von Worms, gibt einen Ueberblick über die Wohnungspflege im Kreis Worms und bedauert ebenfalls, daß das Ver­ständnis der Frauen in dieser Lache noch wenig geweckt sei. Ein sehr wichtiges Kapitel sei die Ausgestaltung der Schlaf­räume für die Dienstboten, denen erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden sei.

Fräulein Tr. Bernhard (Frankfurt a. M.) stellt folgenden Antrag: Ter Allgemeine Deutsche Frauenverein möge die Zentralstelle mit der Bildung eines Ausschusses beauftragen, der sich mit dem Bund der Wohnungsreformer in Verbindung setze und die Berufung von Wohnungs- infpektorinnen betreibe.

Frau Bensheimer (Mannheim) wendet sich unter starkem Beifall gegen den Vorschlag der Frau Krucken- berg, daß Führungen durch die Wohnungen veranstaltet toerden sollten. Das führe nur zu einer Bloßstellung der armen Familien und habe auch wenig praktischen Wert, da unter den hierfür zur Verfügung stehenden Damen eine ganze Anzahl sei, die nicht das richtige Verständnis hätte.

Frau Krücken berg stellt ihren Vorschlag dahin rich­tig, daß nur befähigte Damen geführt werden sollten.

Frl. Tr. G. Bäumer bespricht die Verhältnisse in den Großstädten und den Zuzug vom Lande, der oft alles zu wünschen übrig lasse.

Frau Eggers-Smidt (Bremen) regt Mutterbespre­ch unaen an.

Frau v. Forster (Würzburg) hält einen ehrenamt­lichen Wohnungsausschuß nicht immer für einen Vorteil, da es häufig nur ein Beruhigungsmittel für die Behörden fei und die Anstellung von Wohnungsinspektorinnen hinaus­ziehen könne. Tie Aussichten seien ohnehin nicht gerade glänzend.

Frau Kirchner (Gera) spricht über die von der dor­tigen Ortsgruppe veranstaltete Umfrage, die zwar betrüb­lich, aber ergebnisreich gewesen sei.

Frau Altmaun-Gotthciner meint im Gegensatz zu Frau v. Forster, daß die Aussichten zur Anstellung von Wohnungsinspektorinnen niemals günstiger gewesen seien als heute.

Frau H. Führt (Frankfurt a. M.) wendet sich gegen die gute Stube, die nur Platz beanspruche und niemanden erfreue.

Frl. Kaiser (Frankfurt) regt an, daß die Damen, die dürftige Wohnungen sähen, den Armenvereinen Mit­teilung machten.

Der Antrag des Fräulein Dr. Bernhard wird an­genommen.

Nach einem «Schlußwort von Tr. M. C. Lüders, die alle Meinungen noch einmal zusanrmenfaßte, wurde eine kleine P auf e gemacht.

Bei Wiederaufnahme der Verhandlungen hat sich der Saal sehr gelichtet, unb der Glocke der Vorsitzenden gelingt es erst allmählich, den lebhaften privaten Gesprächen, wie Frl. Helene Lange meinte, ein Ende zu machen.

Zur Abstimmung stand der Antrag des Vor­standes:

Ter Allgemeine ^Deutsche Frauenverein möge Schritte tun für die Beseitigung derjenigen Bestimmungen in den bundesstaatlichen Beamterigesetzen bezw. Verordnungen, die der Ehefrau des Beamten die Ausübung einer Erwerbs- ckätigkeit verbieten."

Der Antrag wurde nach längerer Aussprache gegen die Stimme des Kaufmännischen Vereins für weibl. Angestellte in Gießen angenommen. Darauf wurde ein Antrag der Ortsgruppe Halle wegen der vorgeschrittenen Zeit auf mor­gen vertagt.

Im Anschluß an die geschäftliche Sitzung fand in Steins Garten ein gemeinsames Mittagessen statt. Darnach wurde die Brvckensammlung, die Frauenarbeitsschule uitf> das Säuglingsheim besichtigt.

Die erste öffentliche Ab e n dv e rs amm l ung hatte sich eines sehr starken Besuchs zu erfreuen; auch sehr- viele Männer waren erschienen. Saal und Emporen waren dicht besetzt und viele, die keinen Sitzplatz mehr erhallen konnten, hatten sich an den Wänden ausgestellt.

Frl. Helene Lange begrüßte die Erschienenen und gab die an den Großherzog abgesandte Begrüßungsdepesche be­kannt, die folgenden Wortlaut hatte:

Die 27. Generalversammlung des Allgemeinen Deut­schen Frauenvereins gedenkt bei ihrer Tagung in Gießen, die sich mit der Einführung der Frauen in die soziale Arbeit der Kommunen beschäftigt, in Dankbarkeit der För­derung, die Euere Könial. Hoheit dem Gebiet der sozialen Fürsorge angedeihen lassen und sendet ehrerbietige Grüße.

I. A. Helene Lange, Vorsitzende.

Darauf ist folgende Antwort eingelaufen:

Herzlichen Dank für Ihre aufmerksame Begrüßung. Ich wünsche Ihrer Tagung reichsten Erfolg.

Ern st Lud wig.

Nach Verlesung der Telegramme sprach Frl. Dr. Marie Bernays (Heidelberg) über die Frage:

Besteht ein ursächlicher Zusammenhang zwi- schenderFrauenbewegungunddemGeburten- r ü ck g a n g ?

Die Vortragende führte etwa aus:

Im letzten Viertel des 19. Iahrhunberts hat eine Abnahme der Geburtenziffern in allen Mulhirlänbem eingesetzt, die mit zunehnteudcr Schnelligkeit bis heute sortdancrt. Mssenschaftliche Untersuchungen über diese neuzeitliche Bevölkerungsbewegung haben folgende Hauptergebnisse gehabt:

1. Der Geburtenrückgang ilt eine Entwicklungserscheinung der gesamten KuUurwelt, die nur in ihren internationalen Zu­sammenhängen begriffen werden kamt. Hinsichtlich dieses Vor­gangs im Völkerleben nimmt Deutschland inmitten der anderen Staaten durchaus eine Mitrelstelluilg ein. 2 Der Geburtenrückgang ist nicht auf die Städte beschränkt geblieben: auf dem Lande finkt die Geburtenzahl snror etwas langsamer als in den Städten, ist aber in allen Kulturländern merklich zurückgegangen. In den kontinentalen Riesenstädten, vor allem in Berlin und Paris, hat der Geburtenrückgang einen erschreckenden Umfang angenommen. 3 Der Geburtenrückgang ist weit weniger physiologischen Motiven, mangelnder Gebärfähigkeit, als psychologischen Motiven, mangeln­

der Gebärwillrgkeck, zuzuschreiben. Die Beschränkung der Kinder­zahl ist hauptsächlich in den Mittelschichten W Hause, drc in unserem heutigen Wirtschaftsleben auf ein sozial^ Em Vorkommen hoffen können, vor allem aber Deklassierung zu fürchten haben.

Frauenbewegung oder Frauenemanzipation werden als Mtt- chüldige an dem Nebel des Geburtenrückgangs angeklagt, unter dieser Bezeichnung aber alle Veränderungen im modernen Frauen­leben, vornehmlich der Frauenkultus,, die Neue-Ekhik-Bewegung, die Frauenerwerbsarbeit zusammengefaßt. Darauf ist zu ent­gegnen : 1. Die Grundgedanken des Frauenkultus und der sexuellen Frauenemanzipation, die beide auf den Geburtenrückgang einen wenn auch nur geringen Einfluß üben, stehen im Wider- pruch zu den Grundgedanken der Frauenbewegung. 2. Der Ein­lus; der Frauenerwerbsarbeit der unteren Stände auf die Gebär- älstgkeit der Frauen ist zuzugeben, ihr Einfluß auf die Gebär­willigkeit ist unbewiesene Hypotl/ese. Nachweislich setzt in den Schichten der qualifiziertesten Arbeiter die Geburtenabnahme ein: in diesen Schichten sind die Frauen durchweg nicht außerhäuslich erwerbstätig. Das uns zugängliche statistische Material reicht ür einwandfreie Feststellungen nicht aus. 3. Die Frauenbewegung hat die Frauenfabrikarbeit bei ihrem Entstehen vorgefupden, nicht geschaffen oder gefördert; sie weiß aber, daß die Hoffnung auf Beseitigung derselben ins Reich der Utopie gehört. Die Frauen­bewegung wird weiter für die steigende Zahl erwerbstätiger Frauen und Mädchen verantwortlich gemacht: die neuen Frauenberufe 'etzen den Wert des Hausmutterberufes herunter: bei den Mädchen verringere sich die Neigung zur Ehe; bei den Männern durch die weibliche Konkurrenz die Möglichkeit der Familiengründung; bei den verheirateten Frauen erwache der Konflikt zwischen Erwerbs- beruf und Mutterpflichten. Abgesehen davon, daß 1. das Heirats­alter der Männer in keinem Zusammenhang mit der weiblichen Konkurrenz in ihren Berufen steht, daß 2. die Heiratsziffer die Geburtenziffer nicht erklärt und daß endlich 3. die Frauenbewegung niemals die außerhäusliche Erwerbstätigkeit der Ehefrauen als erstrebenswerten Zustand hinstellte, ist mit allem Nachdruck hin­zuweisen, das; gerade in den breiten Mittelschichten, ^Großbauern, Kleinbürger, Kaufleute, niedere, mittlere und teilweise höhere Beamten), wo die Erwerbsarbeit der Frau teils seit Jahrhunderten gebräuchlich und mit ihren Mutterpflichten vereinbar war, teils durch Sitte oder gar durch Gesetz verboten ist, der Geburtenrück­gang am deutlichsten nachweisbar ist. Volllommen belanglos für die Bevölkerungsbewegung der Nation ist die Zahl der Mädchen, denen das Bewußtsein ihres eigenen Wesens die ausschließliche Hingabe an überpersönliche Werte gebietet und die noch kleinere Zahl der Ehefrauen, deren Tätigkeit für objektive Kulturleistungen wirklich mit ihren Gattungsaufgaben in Konflikt kommt. Weder auf deduktivem noch auf induktivem' Wege läßt sich ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Frauenbewegung und Ge­burtenrückgang nachweisen. Beide Erscheinungen haben nicht ein­mal denselben^ gedanklichen Ursprung. Der Geburtenrückgang ist als R-ationalisieru.ngserscheinung verständlich, in der Frauenbe­wegung leben dagegen idealistische Kräfte, die sie an kultureller Bedeutung hoch über rein wirtschaftliche Bewegungen emporheben.

In der Aussprache tritt Frau Fürth (Frankfurt a. M.) warmherzig für die unehelichen .Kinder ein, die nicht durch ihre Geburt, aber durch das Verhalten der menschlichen Ge- ellschaft häufig zu mindertauglichen Wesen würden. Wir rlle aber hätten eine Verantwortung für das, was zur Welt komme. Alles was Menschenantlitz trage, müsse ein menschenwürdiges Dasein haben. Nach der Statistik seien 80 Prozent, nach der Meinung bedeutender Aerzte gar 90 bis 95 Prozent aller Morte krimineller Natur. Hier müsse )er Hebel eingesetzt werden, aber man solle nicht ängstlich von einer Entvölkerung Deutschlands reden, beim wenn auch )ie Geburtenziffern zurückgingen, so seien sie immer noch o hoch, daß der Geburtenrückgang, bei gleichbleibender Ten­denz, erst in 150 Jahren brennend würde. Bis dahin sei man aber vielleicht froh, daß man ein Ventil für die Ueber- völkerung habe. Sie selbst habe übrigens acht Kinder, sie' sei also an dem Geburtenrückgang nicht schuld.

Prof. Dr. Opitz wendet sich zunächst gegen die Be­hauptung der Frau Fürth, daß es mit i>em Geburtenrück­gang nicht so schlimm sei. Im Gegenteil, es sei viel schlim­mer, als es den Anschein habe. Dabei spielten die Abtrei­bungen eine außerordentliche Rolle. Auf hundert Geburten kommen in manchen Kliniken hundert und mehr Fehlgebur­ten. Dabei sei die Neigung zu Mtreibungen so verbreitet, daß man staunte, wenn man erfahre, w^r alles mit solchen Anliegen in die Kliniken komme. Auch die Justiz verurteile Abtreibungen nicht mehr so scharf, weil es sich ganz in da^ Bewußtsein des Volkes eingeschlichen habe, daß man solche Eingriffe eigentlich machen dürfe. Er begrüße es freubig, daß der Allgenreine Deutsche Frauenvereiri in der Bekämp­fung dieser Mißstände eine seiner Hauptaufgaben sähe.

Frau Kruckenb erg weist darauf hin, daß der Dienst- botenmangel und die Wohnungsnot einen großen Einfluß auf den Geburtenrückgang habe. In vielen Fällen erkun­dige sich der Vermieter zuerst nach der Kinderzahl. Es müß­ten deshalb Erleichterungen in der Wohnungsfrage für kin­derreiche Familien geschaffen werden.

Frl. Tr. Bäumer stellt fest, daß sich der Bund deut­scher Frauenvereine auf der Breslauer Tagung entschieden f!ür die 'Beibehaltung der Strafe für Mtreibungen aus­gesprochen habe.

Frau Lehmann bemerkt, daß der uneheliche Vater häufig der Urheber der Mtreibung sei, um sich seinen Ver­pflichtungen entziehen zu können. Hier müsse durch Beleh­rung und strafrechtliche Heranziehung eingegriffen werden. Daß ein Weib sich leichtherzig von feinem werdenden Kinde trenne, das könne sie nicht glauben.

Frau Wendt, Hamburg, meint, es fei außerordentlich bedauerlich, daß für bedürftige Wöchnerinnen feine Staats­hilfe vorhanden sei, während zur Bekämpfung der Reblaus und zur Pferdezucht Millionen zur Verfügung ständen.

Frau Fürth belegt ihre Ansicht, daß es mit dem Geburtenrückgang noch sticht so gefährlich sei, mit einigen Zahlen aus der Frankfurter Bevölkerungsstatistik.

In ihrem Schlußwort betont Fräulein Tr. Bernays nochmals, daß .der Allgemeine Deutsche Frauenverein scharf gegen den Geburtenrückgang anzugehen suche.

Fräulein Helene Lange schließt die Versammlung, indem sie lächelnd bemerkt, daß die meisten der Frauen, die heute abend gesprochen hätten, Mütter zahlreicher Kin­der wären.

Verehisnadirid)ttÄ.

Reiskirchen, 5. Oft. Der hiesige dem Lahn-Dünsberg- Turuerbund angehörige Turnverein hielt heute seine, sehr gut besuchte, ordentliche Generalversammlung ab. In der Ävr- standswahl lehnte der seitherige 1. Sprecher Becker eine Wieder­wahl ab. Cs gingen aus der Wahl hervor die Herren K. Spanier 1., Werkmeister H. Schäfer 2. Sprecher, K. Peter 1., Karl La unspach 2. Turnwart.

CanbwivtfdMft

Günstige Anfiedlungsgelegenheiten für deutsche Landwirte sind in Südösterreich und zwar vor allem in Untersteier­mark und Kärnten vorhanden. Die Grundpreise sind dort durchweg weitaus niedriger als in Süddeutschland, desgleichen ist die Fruchtbarkeit eine größere und das Klima milder und gesund Die Preise stellen sich für ein österreichisches Joch, d. i. 57 Ar in den für die Ansiedlung in Betracht kommenden Gegenden in Steiermark durchschnittlich auf 800 bis 1200 Kronen, wobei

die Gebäude, das Vich und Inventar meist inbegriffen sind. In Kärnten sind die Grimde noch etwas wohlfeiler, da bort der Weinbaai wegfÄlt. . _ .

Was die Fruchtbarfett anbelangt, so gedeihen in ^eterman vor allem Wein und Obst in den besten Sorten, aber auch Getreidebau und Viehzucht wird neben Waldwirrschaft fleißig und mit Erfolg betrieben. Die Absatzverhältnisse sind gleichfalls sehr günstig, da die Nachfrage nach Lebensmitteln in den letzten Jahren auch in Oesterreich so stark gestiegen ist, daß dieses Land heute schon vielfach auf ausländische Einfuhr angewiesen ist unb für Naturprobukte hohe Preise gezahlt werden. Die altansässige Be­völkerung Untersteiermarks ist mit Ausnahme der deutschen Städte und Markte vorwiegend slowenisch, jedoch friedfertig und beutfd)1 freundlich, in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht aber noch aut einer derart tiefen Stufe, daß deutsche Landwirte, vor allem Reichsdeutsche, den Wettbewerb mit ihnen leicht aufnehmen können.

Das hat auch der deutsche Schutzverein Südmark in Graz in Erfahrung gebracht, als er vor sechs Jahren durch Seßhaft- machung von einigen Landwirtefamilien aus Württemberg in der Gemeinde St. Egydi in den Kindischen Büheln (nördlich von Mar­burg a. d. Drau) seine Besiedlungstätigfett aufnahm. Heute sind dort und in der Gegend von Mahrenberg im Drautale 57 ,An- iedlerfamilien mit insgesamt 355 Köpfen wohnhaft, die durch­weg sehr gut vorwätts kommen, so daß keine einzige Familie mehr an bie Rückkehr in die Heimat denkt, sondern im Gegenteil sie noch weitere Anwärter von Zeit zu Zeit zuziehen. .Gute deutsche Schulen und deutsc^evangelischer Gottesdienst find ebenfalls vorhanden, desgleichen stehen die altanfässigen Bewohner mit den Anfiedlerfamilien auf bestem Freundschaftsfuße und gehen ihnen in jeder Hinsicht mit Rat und Tat an die Hand.

In Kärnten liegen die VerlMnisse ganz ähnlich, nur kommt dort hauptsächlich Acker-, Wiesen und Viehwirt­schaft in Betracht, welch letztere insbesondere durch die den Bodenverhältnissen angepaßten Sommerweiden besonders günftige Erträgnisse abwirft. Weinbau wird fast gar nicht betrieben, dagegen gedeihen die verschiedensten Obstsorten vorzüglich. Auch wird viel Bienenzucht betrieben.

F. C. Schlitz, 5. Oft. Am 1. Oktober ist eine neue M o l k e r e i - Öl e n o s s e n s ch a s t hier unter dem NamenMol­kerei-GenossenschaftS chl i tz e rl a n d" in Betrieb genommen worden, die von einer größeren Anzahl Landwirte aus dem Schlitzerland ins Leben gerufen wurde.

Sport.

= Fußballspiele. In der AI. Klasse trafen sich hier am Sonntag Gießener Sportverein 1900 II. u. B. C. Wetzlar I. Tie hiesige Mannschaft zeigte sich im Angriff dem Gegner überlegen und gewann mit 5 :1 Toren. In der All. Klaffe fegte der Gießener Sportverein 1900 3. Mannschaft über B. C. Gießen 2. Mannschaft mit 3:0 Toren.

Kleine Eagerchronik.

Ter Gendarmenmörder Emil Klingel aus Kaiserslautern, der am 27. September vom vf älzischen Schwurgericht wegen E r» mord u n g des Gendarmen Lindner aus Kaiserslautern zum Tode verurteilt wvrdeu war, bat kurz vor Ablauf der Revisionsfrist durch seinen Anwalt Revisioii beim Reichsgericht einlegen lassen.

In Chicago wurde ein Manu namens Henry Spencer verhaftet, der beschuldigt wird, die Tanzlehrerin Rerroad ermordet zu haben. Er soll diesen und 13 andere Morde, von denen er zehn im Jahre 1912 begangen haben will, e i n g e ft a n b e tf haben.

Briefkasten der rredaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

Fran G. Sie fragen an, ob Sie aus der Grenze Ihres Ge« bietes Bäume einpslanzen können: Ja, Sie können auf Ihrem Gebiete tun und lassen, was Sie wollen, selbst auf die Geiahr bin, daß ein Verlust der unmittelbar angrenzenden Kulturen des Nach­bargebietes angenommen werden kann. Nur i'l dabei die eine Frage nicht außer Acht zu lassen, daß alles Wachstum, ivas jen- eits der Grenze erfolgt, Eigentum des dortigen Grundstücksbesitzer? ist. Wenn Sie beispielsweise dicht an der Grenze einen Obstbaum einpslanzen, so hat der Besitzer des Gruirdstückes jenseits der Grenze das Recht, sich als Besitzer aller Zweige des Obstbaumes zu be­trachten, die über die Grenze hinausragen; d. h. er darf sie ent­fernen, er darf die Früchte einernten usw.

Markte.

Gießen, 7. Olt. M a rktberi cht. ?htf heutigem Wochen« markte kostete: Butter das Pfund 1,051.15 Mk^ Hühnereier I Stück 910 Pfg^ 2Ctiick0Pfg., Enteneier 1 Stück 100 Psg., Gänseeiei ISt. 14 Pf., Käse das Stück 68 Psg., Kasematte 2 Stück 56 Pfg., Tauben pr Br. 0,801,00 9)if Hühner pr. St. 1,001,60 Mk., Hahnen pr. Stück 1,502,50 Mt., Guten pr. St. 2,00-3,00 Mk., Gänse das Psd. 7080 Pfg. Ochsensleisch pr. Psd. 92100 Pfg., Rindfleisch pr. Psimd 9094 Psg. üuhfleisch 80 Psg. Schweine­fleisch pr. Pstrnd 90110 Psg., Zialbfleisch pr. Psd. 91-98 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 7096 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kg, 4.50 bis 5,00 SDlf., Weißkraut das Stück 10 bis 20 Psg., Zwiebeln per Ztr. 4,006,00 Alk., Milch das Vitec 22 Pfg. Nüsse 100 Stück 5060 Psg. per Ztr. 000 Mk. Birnen das Pfund 10 bis 20 Pfg., Aepsel der Zentner 10 bis 22 Alk., Zwetschen der Ztr. 4.0,>o.00 Mt., Bohnen 1 Pfund 10 bis 20 Psg. Marktzeit von 8 bis 2 yhr.

Tic Marktpreise für Vieh unb Frucht unb bie Gießener Fleisch- unb Brotpreise am 6. Oktober 1913.

Amtlicher Teil.

Schlachtviehpreise in Franks u rt cu M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 8598 Nik.

'/, Kg. Schlachtgiv. 98-115Bf.

'/, , , 8083

'/, Kg. 92100 Pfg.

/, , 9498 ,

'/, , 90-110 ,

Getreidepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 20.00-20.25 Mk.

Roggen 100 Kg. 16.60-16.75 Alk.

Weißbrot 2 Kg. 62 Ut

Schwarzbrot 2Kg. 54 Psg.

Betr.: Jahresbericht der Großh. Gewerbemspcktion für 1913; hier: Erhebung über den Umfang der Hausarbeit.

An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises, an das Großh. Polizeiamt Gießen und das Großh. Polizeikommisfariat Arnsburg.

Wir erinnern Sie, soweit Sic noch damit rückständig sind, an Erledigung unseres Ausschreibcns vom 12. September 1913 (Kreisblatt Nr. 74) mit Frist von 1 Woche.

Gießen, den 3. Oktober 1913.

Großherzogliches Krcisantt Gießen.

___________________________Dr, U f i n 9 e r.

Bekanntmachung

Betr.: SB al j arbeiten-auf den Kreisstraßen.

Die am 20. September l. Js. angeordnete Sperrung der Kreisstraße ReiskirchenHattenrod wird aufgehoben.

Gießen, den 6. Oktober 1913.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. B.: Welcker.