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Amtliche Bekanntmachungen der
Stadt Gießen» v
?Mcbctt ?ec Ttadt (Rieften von l<)07 nndel c.ne Auololuna der am 1. Avril 1914 zahlenden ^ck.ildversclircibunaen nichr statt, sprechender Ankauf nattnefunben Hai.
Ansbilbnngskur- für Weissbinder nnb Teksrntionsmaler.
Auf Der>'.nlasiung (Profit). Zentralstelle für die Gewerbe in Darmstadt wird in Der Zeit vom 12 bis 31. Januar ein AnsbildnnqSkiirs für Weißbinder und Dekorationsmaler (Dealer und Gehilfen) von SOZafer H. I Nover in den Räumen der G-oßh. Landesbangemerkschule in Darmstadt abgessalten.
Der Unterricht in diesem Kurse ist erstreckt auf die Lehre der verschiedenen Techniken, wie Bemalung von Wand- und Dcckcnflächen, Holzteilen, Möbeln, sodann auch Pinscltcchnifcn, ferner Patinieren; in den Hebungen werden Tempera- und Kaseintechniken behandelt. Unterweisungen über Kalkulieren, Make- riahcnlebrc, aber auch über Herstellung der be- nötigten Farbenmischungen und Bindemittel werden gleichfalls gegeben.
Die Anmeldungen zur Beteiligung sind baldtgit an obengenannte Behörde zu richten
Das Unterrichisgeld bcträqt für hessi che An- gehörige 30 Mark und für Nichthessen 40 Mark, hierfür werden die in dem Kurse benötigten Farben und Bindemittel kostenlos gestellt Txv
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Mittwoch, den 17. Dezember I, nach- mittags um 2 Nhr, findet im Saale des Heinrich Schomber I. eine 1
achrordkktliche GkHkral-PerWiülllng
Zur- nah !8oOiißk,ise z» Ktssklbch t. 8. ni.n. *
mit folgender Tagesordnung statt.
1. Wahl des Direktors.
2. Wahl des Kontrolleurs.
3. Wahl von 2 AnssichtSratsmitgliedern.
4. Verschiedenes.
Kesselbach, den 2. Dezember 1913. 7819
Für den AnffichtSrat: Schomber II.
Bon der Anleihe der Stadt 6)icy,eu von 1905 findet eine Auslosung der tun 1. Avril 1914 -urückzn- Anblcnbcn Schuld Verschreibungen nicht statt, da ent« sprechende Stucke anaekanft sind.___________________B5/1*
(5s sollen vergeben werden
«Mstz, btn 13. ?kMbn h. I., Herrn. 10 Uhr
1. Mobiliarlieseruu« (2 Lose», Realanmnasimn
2. Lieferung von Stühlen: Wcalnnmnafium.
Zetchimnaen. ÄrbeiiSbei rciounnen und Bedinannaen licncn auf dein städtischen Hochbauamr auv Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst crhnlilidi, sind bis Aunt nenniinten Termin dorthin einzureichen. — ZuschlagS- sein 3 Wochen.________________________________ t */»
HttnÄestener.
Diejenigen (nennen Eimvoimer. welche int Lause dieses Fabres Hunde abaeichnnt, aber noch nicht obncmelbet baben. wollen dies sväienenS bis -um 31. Dezember entweder mündlich oder schrifilich auf dem Sladthnuie l?,immer Nr. 9) anzeiaeu. Vordruck für schriitliche Ab- meldtmnen sind dort erbältlich. Die Verbindlichkeit auv Ent^ichluna der Hundeabgave dauert bei 'i'ichtabineldnna auch im folgenden Jahre und zwar solange fort, als die entsprechende Anzeige versäumt wird.________________B6/1*
Künstlicher Dünger.
Die Lieferung von
200 Zentner Kaimt und
200 Zentner Thomasmehl feiron 16°/»ig) ist zur alsbaldigen Anlieferung au vergeben.
Angebote sind bis 6. Dezember ds. Zs. bei dem Ober« bürgermeister ein'areichen.___________________________B9/t
Stadt.WohnullgSnachweiS Gieße«, Asterweg 9.
VS und zn vermieten: • */w
1 Wohnung von 7 Zimmern. 3 Wohnung, von 5 Zimmern, 3 Wohnungen von 4 Zimmern, 6 Wohnungen von drei Zimmern, 4 Wohnungen von 2 Zimmern. 1 Wohnung von 2 Zimmern ohne Küche, 1 Wohnung von 1 Zimmer mit Küche, 3 möblierte Zimmer, 2 Schlafstellen, 4 unmöblierte Zimmer. 2 Werkstätten, 1 Autoraum, i Lagerraum, 1 Laden mit Zimmer und Küche, 1 Laden, 1 dreistückiges Lagerhaus mit Pferdestall und Heuboden.
Zu mieten geincht: 34 Wohnungen von 2—6 .tttmmern.
Stadt Arbeitsnachweis Giessen.
1
1 1
Asicrwcg 9.
Eö können eingestellt werden:
a. bei kiesigen Arbeitgebern
Schuhmacher, 1 Buchbinder, 1 Zalzerin.
Lehrlinge: 1 Schubmacher, 1 Bäcker, 1 Stemdrucker, Schreiner, 1 Buchbinder. 1 Kaufmann.
K bei auswärtigen Ärbei' gebern Eiienüreher. 1 Schremer, 1 Schlosser, 1 Buchbinder, Müller. 1 Spengler, 1 laudwirtschastl. Arbeiter. .„Abrllnae:. 2 Schreiner.
fnebeu Arbeit:
2Schtosser,^l Zigarrenmacker, 1 Metzger. 1 Armaturew ! »oner, 2 Schuhmacher. 1 Küfer, 5 Schmiede. 1 Sattler, A ?^'ssklschmied, 1 Bäcker, 3 Anstreicher u. Veinbmder, - 3 Schreiner. 1 Hetzer. 1 Cbaitsseur, lanb«
'^^"chaftliche Knechte u. Arbeiter, Erdarbeiter, Tage' lohner, HauS- und Fabrburschen, Putz-, Wasch- und Laustrauen, 1 Handlungsgehilfe.
»u ut. SchaukwirtichaftSgewerbe: Kellner, AushtlfseeUner, Zapfer. (ß» u
Schluß der Dc 'sprcchung wird ans
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Gießen, 2. Dezember 1913. Großherzogliches Amtsgericht.
Die Bedingungen, sow-e die Übersicht der Verteilung der einzelnen Lieferungen auf die verschiedenen Straßenstrecken liegen ans dem Antts- fimmer des Unterzeichneten, Bismarckstraßc Nr. 32, offen, woselbst auch die Angebotsvordrucke erhältlich sind.
Die Angebote sind verschlossen, postfrci und mit entsvrechender Aufschrift versehen bis zum
22. Dezember l. Js., vormittags 9 Nhr
märkcr herangezogeu.
Lumda, den 5 Dezember 1913.
Großh. Bürgermeisterei Lumda. Schultheiß.
Zuschlagsfrist 4 Wochen.
Friedberg, den 4. Dezember 1913.
Der Großherzogliche Kreisbauinspektor.
I. B.: Wetzler.
Bekanntmachung.
Der Taglöhner Ferdinand Staubach von Alten- Buseck ist durch Beschluß des unterzeichneten Ge- richts vom 13. Noveniber 1913 wegen Trunksucht entmündigt worden.
ßffotrme fast den Eindruck, als ob die Zivilverwalkung sich absichs-- lich »richt in die Sache gemischt hat, um der Militärverwaltung d i e Suppe allein ausessen zu lassen. Nun ist zur Beruhigung der Bevölkerung eine Proklamation erlösten worden. Wartim ist doS nicht schon vor drei Wochen geschehen? (Sehr gut!) Unser früherer Kollege Hoeffel gehört zur elsaß-lothringischen Mittelpartei. (Abg. Pc t rot eß (Soz.): Tas ist eine ganz kleine Gruppe!) Es kommt nicht auf die Zahl, sondern auf die Qualität der Mitglieder an. Diese Mittelpartei verurteilt die maßlose Hetze der Nationalionistcn gegen die Armee. Damit hat sie unseren Empfindungen Ausdrttck gegeben. DaS ungebührliche Verhalten emcS Offiziers und die sich anschließenden Konflikte können nicht alles vernichtet haben, was in jahrelanger Arbeit aufgcbaut wurde. Die große Mehrzahl der elsaß- lothringischen Bevölkerung stcbt auf dem Boden der Gegenwart. Der schlimmste fteinb einer ruhigen Weiterentwicklung sind aber die Nationalisten. (Sehr richtig! rechts.) Wir wünschen olle, daß die Reichslandc inöglichst bald und möglichst innig mit Deutschland verbunden sein mögen. (Beifall rechts.)
Abg. Dr. Wcill (Soz.):
Ich begreife es, daß der Reichskanzler Erläuterungen zu feiner gestrigen Rede für nötig gehalten hat. Aber diese heutigen Erläuterungen waren nutzlos. Denn er hatte schon gestern einen Kommentator seiner Rede gefunden, den Kriegsminister, dec kein Mißverständnis über den ganzen Geist dieser Rede auf- kcmmen ließ. Und außerdem hat sich der Reichskanzler heute mit dem Kriegsminister solidarisch erklärt und damit mit der
Vergebung
m LtrsWnM'hslimMckrialitti fA^tlSU
Die zur Unterhaltung her Kreisstraßen des KrciscS Friedberg crforbciHdjen Materialien sollen auf dem Wege des fchriftlichen Angebots, wie folgt, vei geben werden:
Bruchsteine Kleinschlag Grns Saud
Bekanntmachung
Der vom Gemeinderat durchbcratene Voranschlag der Gemeinde Lumda für 1914 Rj. liegt vom 8. Dezember ab eine Woche aus unterzeichneter Bürgermeisterei zur Einsicht der Interessenten offen. Zur Erhebung einer Umlage werden die
hei weitgehender Garantie undpünstierster Kauf- u. Mietbedinprung. Stimmung,Reparatur
Transport
Stfiiiditres Lntrer von 250 bis *300 Instrumenten.
Bei Miete. [3425 Fiffentumserwerb laut besonderer Bedinsruns«. Stets gebrauchte Instrumente zu jedem Preis.
Vermietungen 2 bis 12 Mark monatlich.
Vertretum v.SchiedmayerfSöhne, Steinweg. Ibach. Kaps, Römhild, Dörner, Hörügel, Spaethe, Ackermann usw.
Ich stelle fest, daß die gestrige Rede des Reichskanzlers in vollem Widerspruch steht zu seiner Erklärung am Beginn der Woche. (Sehr richtig! linke.) Man wird im Volk allzulcicht zur Vermutung gelangen, daß der Kanzler nicht nur zu einer Abdikation vor der Militärdiktatur, sondern auch vor dem Militär- kabinett gelangt ist. Zu den Unterredungen in Donaueschingen ist, wenigstens bisher, der Kanzler nicht zugczogcn worden. Ern selbstbewußter Leiter hätte erklären müssen: Das decke ich nicht, diese Politik mache ich nicht mit. Der Herr v. Deimling ist Sieger auf der ganzen Linie geblieben, der Herr, von dem der KrieaS- minister am Ende seiner überaus glücklichen Rede (Heiterkeit) gesagt hat: Das ist das Beste an ihm, daß er der geblieben ist, der er früher war. (Lebhafte Zustimmung.) Warum haben wir gestern keine Mitteilung von den Berichten der Zivilbehörden erhalten? (Sehr wahr! links.) Uebcr die wirklichen Vorgänge könnte sich ja der Kanzler bei dem Statthalter und der Straßburger Stadtverwaltung erkundigen, wenn er noch das Vertrauen zu diesen Behörden hat. (Sehr gut! und Heiterkeit links.i Es kann nicht geduldet werden, daß hier im s ch n o d d r i g st c n Tone die Verantwortung abgclchnt wird in dem Augenblick, wo man sich verantworten soll. (Stürmische Zustimmuiig bei den Sozialdemokraten.)
Präsident Tr. Kaempf ruft den Redner wegen Beleidigung des Kriegsministers zur Ordnung.
Abg. Dr. Weill (Soz.):
Tas frühere Etnvcrständnis zwischen dem Reichskanzler und dem Statthalter Graf Wedel scheint nicht mehr zu bestehen. Hätte der Reichskanzler gestern die Sühne der begangenen Fehler angekündigt vor der Rede des KriegsministerS, dann hätte man ernsthaft an die Schwenkung glauben können, die er heute vollzogen hat. Aber seine gestrigen Worte waren nur eine Beschönigung, keine Verurteilung der Fehler. Ter Ton des Kricgs- ministcrs ist überaus charakteristisch für das Prätorianer- tum, für diese Herren, die sich als Meister der Nation fühlen. ES ist hohe Zeit, oaß sich die Bürger deS BürgcrrockS und der B ü rgcrehre besinnen und sie höher achten als den Militärrock. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Erbitterung ergreift die Bevölkerung, und es gehört eine ungeheure Portion Geduld für die Altelsässcr dazu, diese neueste Reichs- Politik zu ertragen. Es ist nicht richtig, daß die Elsässer übertrieben empfindlich sind, sondern Daß Verhalten des Militärs erinnert uns ständig daran, daß in einem eroberten Land die Trup- p en macht der Herr sein will.
bür etnzureichcn. Die Ocffuung der Angebote findet daselbst in Gegenwart etwa erschienener werber statt.
„ - - ------ eine Erklärung seiner Parlcl über ihr«
Stellungnahme zu Protokoll geben.
Erau'nschweig. Leberwurst la.
ver l'sd. Mk. 1.30, sowie hochfeine bcrvclatwurtt u. Salami emvfieblt 17704 Fnedr.Schreindr
Königlicher Hoflieferant.
Die Abstimmung.
Es liegen zwei Anträge Ablaß (Vp.) und Albrecht («oz.) vor, wonach der Reichstag erklärt, daß die Behandlung der Zaberner Angelegenheit durch den Reichskanzler den An« schauungen des Reichstages nicht entspricht.
Neber beide Anträge soll namentlich al»gestimmt werden.
Auf Antrag Groeb-er (Zcntr.) wird nur eine Abstim. mang vorgenommen, da die Anträge zwar nicht dem Wortlaut, Wohl aber dem Sinne nach gleich sind.
Die Anträge werden darauf mit 293 gegen 54 Stimmen der Rechten (Konservative, ReichSpartci, ein Teil der Wirtschaftlichen Vereinigung) bei 4 Enthaltungen ange. n o m m e n. (Lebh. Beifall im Zentrum und links.)
Damit sind die Interpellationen über Zabern erledigt.
Freitag 12 Uhr: Interpellation über die Arbeitslos i g « leit und die Krankenversicherung.
Abg. Hanse (Soz.):
Der Reichstag sollte jetzt nach diesen Beschlüssen eigentlich d,e Verhandlungen auSsehen, bis die Situation ge- klart ist. Bei der gros-en Bedeutung der Frage der Arbeite, losigkeit werden wir aber auf einen solchen Antrag verzichten. (Lachen rechts.)
Die von dec Wirtschaftliche - Vereinigung zu Protokoll gegebene Erklärung ha: olgenden Wortlaut:
1. Wir mißbilligen die ?'cu(;ctai’icn und das Verhalten bd Leutnants von Forstner auf da-° schärfste und glauben, daß durch geeignete rechtzeitige Mastnahmcn der Militärbehörde den weiteren ticfbedauerlichen Vorgängen sich hätte Vorbeugen lasten.
2. Dir mißbilligest die Maßnahmen der Militärbehörde tn Zabern, insoweit sie die der M'lttärgeivali zustehcnden Beiugniste überschritten.
3. Dir bedauern ferner, daß die Militärbehörde bei chrem Einschreiten auf da§ Empfinden der Zivilbevölkerung keine ent« sprechende Rücksicht genommen hat.
4. Andererseits beklagen wir ebenso sehr, daß <n manchen Kreisen der elsaß-lothrin.iischen Bevölkerung eine dem deutschen Heere nicht freundliche Gkfmmma vorhanden ist.
5. Wir mißbilligen ebenso Die politische Ausschlachtung der Vorfälle £ir Hetze gegen baS deutsche Heer und die Staatsautorität.
"6. Wir billigen oen Standpunkt bet Kanzler?, daß die Auto« rität der öffentlichen Gewalt ebenso geschützt werden muß, wie die Autorität des Gesetzes.
Für das beantragte Mißtrauensvotum !o:mcn wir daher nicht stimmen.
. Die Antwort des Relchskanzler? erneul die Selbstsicher'heil der gegen die Bürgcrehrc revoltierenden Generale und Offiziere. Heute baben wir gehört, tote gering der Reichskanzler das ihm drohende Mißtrauensvotum einschäht. Leider hat ja in Deutschland btc Volksvertretung nicht die Macht, über das Geschick eines leitenden Staatsmannes zu entscheiden. Aber immerhin: das Ansehen des Kanzlers ist durch diese Angelegenheit, durch seine gestrige Rede und seinen heutigen mißlungenen Rückzugsversuch derart erschüttert worden, daß das Volk in seiner überwiegenden Mehrheit nach dem heutigen Tage wissen wird, wie es die Reichspolitik einzuschätzen hat. Ter Reichstag wird zeigen, daß er, wenn nicht alle Macht, so doch genug Macht gegen die Regierung besitzt. Bei der Etatsberatung wird sich hoffentlich zeigen, daß die Regierung gezwungen werden kann, dem Volke Genugtuung zu leisten. Ich hoffe, daß dieselbe Mehrheit, die sich heute zu dem Mißtrauensvotum gegen den Reichskanzler zustimmenfinden wird, auch beim Etat i h m ihre Macht wird fühlen lassen. Heute handelt es sich nicht mehr um die Autorität der Regierung und der Gesetze, heute handelt es sich darum, die Autorität der Volksvertretung und das Ehrgefühl des Volkes zu wahren. (Lebhafter Beifall bei den Soz.)
Abg. Dr. Haas (Vp.):
Der Reichskanzler und der Kricgsminister haben gestern die Vorgänge in Zabern nur beschönigt. Der Reichskanzler hat sich nicht als Vertreter der Rechte des Volkes gezeigt. Als Vertreter dieser Rechte erwies sich aber dec Abg. Fehrenbach. (Beifall links und im Zentrum.) Gestern wäre cs noch möglich gewesen, für Ruhe zu sorgen. Der Reichskanzler hat diese Pflicht der- säumt. Es hätte sich darum gehandelt, vor der Ocffentlichkcit zu bekunden, daß wir ein Rechtsstaat sind und kein Militär- st a a t. Schwere Rechtsverletzungen sind vorgekommen. Garantien, daß sie sich nicht wiederholen, hat man uns nicht gegeben. Der Geist der Kanzlerrede kommt zum Ausdruck in dem Wort: Des Kaisers Rock muß unter allen Umständen respektiert werden. Der Träger des Rockes muß dann aber der Achtung würdig sein. Ebenso wie der Rock des Kaisers muß auch der Rock deS Bürgers respektiert werden. (Beifall links.) Man darf eß nicht dulden, daß Offiziere über Recht und Gesetz hinwegschreiten. Der Kriegsminister hat eine Art von Banketirede gehalten und uns einen Einblick gewährt in eine Welt, die nicht die Welt vcs deutschen Volkes ist. (Sehr richtig! links.) Weiß her Kriegsminister nicht, wie so oft gegen das Ehrgefühl deS gemeinen Mannes in der Armee verstoßen wird? Wenn aber einem jungen Leutnant infolge einer von ihm provozierten Erregung ein Schimpfwort zugerufen wird, dann soll er sich über Recht und Gesetz hintvegsctzen Dürfen ? Des Kaisers Rock ist ebenso gut der Rock des Volkes, denn die Armee ist das Heer des Volkes. Die Gegensätze sind nicht von links, sondern von rechts geschürt. Lesen Eie doch die aufreizenden Artikel, b:c die Aufhebung der elsässischen Verfassung fordern. Wenn ich auch nicht von Hochverrat sprechen will, so liegt doch nn- zioeifelhoft eine Revolte Der Offiziere gegen da? Gesetz vor. Unsere fundamentalen Rechtsgarantien können durch miliiurischc Jnstri't ionen nicht beseitigt werden. Wie konnten sich die Ofst- ziere in. Zabern für einige Tage die Polizeigewast anmaßen? Man braucht gar keine Kontakte; da? Militär soll sich in seinen Grenzen halten, bis es im Notfälle von der Polizei gerufen wird. (Sehr richtigI links.) Nur einen Vorwurf erhebe ich gegen die Zivilverwaltung in Jabern, daß sie nämlich nicht Humor genug besaß, Militär zu requirieren gegen bie militä» rischen 11 e b c r g r i f f e. (Sehr gut! und Heiterkeit links.) Es^ sind in Zabern Freiheitsberaubungen verübt, wie sie unverschämter seit dem Bestehen bc5 Reiches noch nicht vorgekommen sind. (Sehr richtig! links.)
Das Lachen kann man den Leuten von Zabern nicht verbieten, wie man nicht Respekt befehlen kann. Dies Lachen geht jetzt den ganzen Rhein herunter, und wenn Oberst v. Reuiter jedem Lachen nachspringen wollte, so könnte er in der ganzen Welt hcrumspringen. (Heiterkeit.) Wenn Bürger so einen Offizier eingesperrt hätten, so wären sie ivepen Freiheitsberaubung hart bestraft worden. Es gibt doch so etwas wie eine Klassenjustiz in Deutschland. Diese Vorgänge erklären sich doch nur au5 einem gewissen Standesbewußtsein. Wir sind stolz aus Deimling, daß er ein Badener ist, wir wissen auch, daß er nicht bloß ein guter Soldat, sondern auch ein Vater feiner Unter- Ebenen ist. Aber er hat den Fehler, daß er sich zu viel um fummert. Wir protestieren alle dagegen, daß die Ver- sassung El,aß-LothringenS schuld sei an den Zaberner Vorgängen, freilich, batten toir damit so lange warten wollen, bis die Konservativen El,aß.Lothr,ngen für verfassungsfrei erklären, bann tonnten wir genau so lange warten, wie die Mecklenburger o" "^ssen. lSehr richtig! links.) Die Armee besteht nicht aus eigenem Recht, sondern durch den Willen b e 5
beukscheh Volkes und nur 5ttrd) seinen WiUcn. Reben d stellen des d'.utschen Volkes Rechte und Gesetze. (Leffall links.-
STbg. Dr. Ricklin (Els.):
Die Reden deS Reichskanzlers und deS Kricgsminister? haben der politischen Entwicklung Elsaß-LothringenS' schwer geschadet. Der Schaden ist unberechenbar, unsere Hoffnung auf eine gedeihliche Entwicklung zuschanden geworden. Ich habe immer für nationale Versöhnung gearbeitet; ich weiß nicht, ob daL elsaß-lothringische Volk unS auf dieser Dahn weiter folgen wird. Der gestrige Tag war schlimmer als eine verlorene Schlacht. Der Standpunkt des Reichskanzlers tann seiner inneren Ueberzeugung nicht entsprechen.
DaS Gesetz hat der Kanzler nicht geschützt. Ec hat nur daS Militär geschützt und die Zivilgewalt schmählich im Stiche gelassen. Da hilft keine AuSrede. Die Regierung verachtet bie öffentliche Meinung in Elsaß-Loihringen. Dadurch wirb daS Volk erbittert. Auch bie Elsaß-Lothringer Haden ihre Ehre. Fängt denn bie Ehre erst beim Leutnant an? Wissen Sie jetzt, wie eß bei unS in Elsaß-Lothringen zugeht? Wir seufzen unter dem Militärregiment. Haben wir überhaupt noch eine elsaß- lothringische Verfassung? Der Statthalter soll seine Demission eingcreicht haben. Eine Statthalterrrifis besteht, v : e l l e i ch t auch eine R e i ch s k a n z l e c k r i s i S. Wir tampfen weiter für die freiheitliche Entwicklung des elsaß-loihringistl-en Volkes und wir haben dabei die Sympathie dcr ganzen gealteten Welt für uns. (Beifall.)
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ganzen Auffassung, die gestern solche Entrüstung hervorgerufcn. Ich weiß nicht, ob der Reichskanzler heute Eindruck gemacht hat wenigstens auf bie schwankenden Gestalten, bie wir jetzt im Saale nicht sehen. (Die Nationalliberalen sind nämlich nichk anwesend.) (Große Heiterkeit.) Wad uns gestern geboten wurde, darauf war niemand gefaßt. Wir kennen einen derartigen Mangel an Einsicht und S c l b st g e - fühl bei einem leitenden Staatsmann nicht vermuten. Die Harmonie, von der er beute sprach, kann nichts anderes fein als die Abdankung des Reichskanzlers und der elsässischen Zivilverwaltung. (Stürmische Zustimmung links.)
AugustFörster Giessen und Lieh Bahnhofstr. 65. Tel. 367.
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Ein Antrag auf genommen.
Abg. teilt mit, er werde


