Ausgabe 
7.2.1913 Drittes Blatt
 
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Vie Viehpreise der nächste« Zeit.

Ucker bk voraussichtliche Gestaltung der Viehpreifc in der nächsten <jeit W dieAllgemeine Fleischer-Zeitung"" sBerlrni eine Umfrage bei sachkundigen Fleischer-Obermeistern und Vieh- Händlern veranstaltet. Ban den gutachtlichen Äeußerungcn, die ihr daraus zugegangen sind und ein großes allgemeines Interesse beanspruchen dürfen, nehmen wir die folgenden aus unserer näheren Umgebung heraus:

Obermeister E. Ludwig Sack-Gießen schreibt: Nach den Erfahrungen, welche man in hiesiger Gegend inbezug aus den Vieh­bestand in letzter Zeit gemacht hat, kann ich nur versichern, daß der Viehbestand, und zwar inbezug auf Güte als auch auf Stück- safjt bedeutend geringer ist, wie in früheren Jahren. Die 'Angebote sind hier sehr gering und die Preise sind enorm hohe; insbesondere war dies gerade zu Anfang des Jahres der Fall. Richtig mag ja sein, daß in den Frühjahrsmonaten ein kleiner Preisrückgang zu verzeichnen ist. Tas liegt aber nicht etwa daran, daß genügend schlachtreifes Vieh vorhanden ist, sondern lediglich an der Zeit. Bekanntlich ist gerade in den Frühjahrsmonaten der Konsum an sich geringer, um deswillen, weil einmal ein Teil der Bevölkerung in den Wintermonaten schlachtet, züm anderen aber auch, weil um diese Zeit in katholischen Gegenden die Fastenzeit ist. Tas sind aber alles nur Erscheinungen, die, wie gesagt, nur vorüber gehend sind, und ich bin überzeugt, daß, sobald das Geschäft wieder etwas lebhafter wird, dann auch die Preise wieder in die Höhe schnellen, genau wie es in den teuren Jahrgängen 1906/07 war. Zur Hebung des Mangels an Schlachtvieh müsste vor allem' die Aufhebung der Zölle iür die Futterartikel er­folgen. Dadurch würde es doch deni mittleren Landwirt möglich sein, seine Viehhaltung entsprechend zu steigern. Weiter dürfte auch die 'Frage in Erwägung zu ziehen sein, ob man nicht den Großgrundbesitzern aufgeben könnte, stoch näher zu bestimmende Zahl Vieh auf jeden Morgen Land halten zu müssen. Ich bin überzeugt, daß, so lange di s nicht geschieht, man von normalen Fleischpreisen, so wie sie das breite Volk verlangt, niemals die Rede sein kann, und daß auch insolange die Klagen über die hohen Fleischpreise, im Gegensatz zur Fleischnot, nicht oufhören werden.

Obermeister Mols Fung in Frankfurt a. M., Vor­sitzender der Handwerkskammer zu Wiesbaden, schreibt: Der Auf­trick an Rindvieh und Schweinen war etwas besser durch , die Zufuhr von anderen Gegenden. In hiesiger Gegend aber ist er nach wie vor gering. Die Preise sind seit acht Tagen gesunken. Für Schweine wird es vorläufig ank-alten und voraussichtlich ein weiterer Preisrückgang eintreten Für Großvieh und Kälber da­gegen werden die Preise voraussichtlich wieder steigen.

Obermeister Bernhard R o s s i n in Offenbach am Main schreibt: Ich kann Mir kaum irgendeine Maßnahme, die von leiten der Regierung getroffen werden könnte, um den Viehbestand zu heben, denken, ohne die Grenzen für lebendes Vieh zu öffnen. Was den Viehstand in hiesiger Gegend anbelangt, so ist solcher kaum erwähnenswert. Wie die Regierung ohne Oeffnung der Grenzen den Viehstand zu heben gedenkt, muß wohl der Zukunft .Überlassen bleiben. Doch glaube ich, daß, falls entsprechende Maß­nahmen nicht bald getroffen werden, sich die sozusagen traurige Zage noch verschlimmern wird.

Obermeister Lautz in Darmstadt schreibt: Auf Grund meiner Beobachtung bin ich der Ansicht, daß sich die Verhältnisse in der Fleischversorgung nicht bessern, sondern eher verschlechtern werden. Wie in den übrigen Bundesstaaten hat auch in Hessen die VicchzaÄung eine erhebliche Verminderung des Viehstapels ergeben; diese wird relativ noch größer, wenn man die Herab­minderung des Schlachtgewichts berücksiästigt und die Zunahme der Bevölkerung gegenüberstellt. In unserer Gegend, der Pro­vinz Starkenburg, war bis vor nickst so langer Zeit Schlachtvieh aller Art in ziemlich ausreichendem Maße zu haben. Tann ging die Mästung von Ochsen zurück, weil die Militärbehörde die Pserde- zucA und -Haltung mit allen Mitteln unterstützte und andererseits die Besteuerung der kleineren Brennereien deren Betriebe umnög- lich machte, wodurch erhebliche Mengen Viehfutter fehlten. In­folge der Milchwirtschaft wird, zum mindesten auf größeren Gütern, kein Großvieh mehr gezogen, weil sich die Landwirte darauf beschränken, frisch melkende Kühe zu kaufen, um sie nach dem W- melkeu wieder abzustoßen man nennt dieses kaufmännischen Betrieb. Auch Schweine waren in recht guter Qualität reichlich

vorhanden. jHeute ist es soweit, daß die Metzger auf den Bezug von Großvieh auf den benachbarten Märkten Frankfurt a. M., Mannheim angewiesen sind und Schweine aus Norddeutschland bezogen werden müssen. Ja, selbst die Landnretzger sind gezwungen, auf diesen Märtten einzukaufen, wenn sie regelmäßig gutes Vieh zu normalen Preisen schlachten wollen. Der letztere Umstand läßt m. E. klar und deutlich erkennen, daß der Biehstand immer geringer wird, wie wir uns auch an der Nachbarschaft einiger völlig viehloser Wirtschaften erfreuen.

Obermeister Friedrich Goldschmidt in Worms schreibt: Ihrer Befürchtung, daß im kommenden Jahre die Fleischnoi eher eine Vermehrung als Verminderung erfahren wird, kann ich nur beipflichten. Die Schweine aus unserer Gegend, welche jetzt erst, trotz der guten Kartoffelernte, im Spätjahre zum Verkauf gelangen, sind wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Ter Konsum ist eben stärker als die Produktion. Sollten wir nun noch genügende Winterfeuchttgkeit bekommen, so daß die Aussichten Tür Futter wiederum gute zu nennen sind, so wird das Schlacht- und Zuchtvieh erst reckst noch teuer werden.

Obermeister Falk- Mainz, Vorsitzender der hessischen Handels­kammer, schreibt: Tie Viehzucht der hiesigen Gegend ist verhältnis­mäßig zu unbedeutend, um auf die Viehpreisgestaltung von Einfluß zu sein. Wir sind hier von Norddeutschland abhängig. Hier find die Preise für Großvieh und Kälber, guter und bester Qualität, andauernd hohe und werden auch vorläufig auf dieser Höhe bleiben, da die Viehbestände wesentlich zurückgegangen sind und j)ie Nach­zucht bei Großvieh so schnell nickt erfolgen kann. Tie Schweine­preise sind in den letzten Tagen etwas zurückgegangen und werden voraussichtlich noch etwas weiter sinken. Ta jedoch alle Lager geräumt sind, auch Tauerwaren bisher nur in geringen Mengen angefertigt wurde, werden hierfür baldigst bedeutendere Schlach­tungen einsetzen und die dadurch gesteigerte Nachfrage wird ein wesentliches Zurückgehen der Schweinepreise verhindern.

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§ Einen Beitrag zurPsychologie der Zeugen­aussage" lieferte eine Verhandlung, die die 9. Strafkammer des Landgerichts I Berlin beschäftigte. Es handelte sich um eine einfache Privatbeleidigungsllage, die eine Frau M ü t h e r gegen eine Frau Schulze angestrengt hatte. Wie bei allen derartigenInjurien"- oder Hausklatschklagen, hatte die Schulze ihre Gegnerin mit irgendeinem beliebigen Ausdruck be­legt. Frau M. lief zmn Kadi und klagte. In der ersten Ver­handlung hatte die Beklagte Widerklage erhoben und sich auf das Zeugnis eister Frau Kaczubowski berufen, die gehört haben sollte, daß auch die Klägerin geschimpft haben sollte. Vor dem Schöffen­gericht erklärte die Zeugin, daß sie zwar Schimpfworte gehört habe, aber nicht wisse, von wem diese ausgegangen seien. In der Ver­handlung machte die Zeugin einen sehr unsicheren Eindruck, so daß sie von dem Vorsitzenden und von Rechtsanwalt Dr. Puppe, dem Verteidiger der Beklagten, eindringlich ermahnt wurde, die Wahr­heit zu sagen. Tie Zeugin kam nun stockend damit heraus, daß sie vor dem Schöffengericht aus Angst die Unwahrheit gesagt habe. Gefragt, vor wem' sie denn Angst habe, erklärte die Zeugin, daß die Klägerin ihr gedroht habe, siemeineib" zu machen, wenn sie aussage, Frau M. habe auch geschimpft. Frau M. habe dabei irgendein amtliches Schriftstück in den Händen ge­linkt und gesagt, sie könne noch mehrere Frauen bringen, die nicht gehört hätten, daß sie gesckstmpst habe. Aus Angst vor der Drohung, daß sie mit ihrem wahrheitsgemäßen Zeugnis dann allein stehen würde, habe sie die Unwahrheit gesagt.

Vermischtes.

* Das Verhör Sternickels. Das gerichtliche Verhör Sternickels wegen der Ortwiger Bluttat ist aus mehrere Tage unterbrochen worden, um dem Berliner Kriminalkommissar Nasse Gelegenheit zu geben, durch neue Verhöre die weiteren Verbrechen Sternickels aufzuklären. Sternickel hat in den,Tagen seiner Haft nichts von seiner Ruhe eingebüßt Gleichmäßig, wie am ersten Tage nach seiner Verhaftung, steht er auch heute noch den Beamten gegenüber und keine Muskel zuckte in seinem Gesicht, als er dem Beamten die Arbeitsstellen nach der Reihe aufzählte, an denen er unter den verschiedensten Namen in der Provinz Brandenburg tätig war. Es gelang dem Berliner Kam-

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minar, den Lebenslauf Sternickels nach und vor dem Plagwitzer Mord bis auf einige kleine Lücken zusammenzustellen. Sternickel bestreitet die Richtigkeit der Ermittelungen nicht, nur über das Jcchr 1908 verweigert er jede Auskunft. Tie Ausflüge, die er von seinen Tienststellen aus unternommen hat, will er auf Liebsck>aften zurückführen. Er beftreitet entschieden, irgendwelche Bluttat außer den beiden Verbrechen in Crhvig und Plagwitz begangen zu haben. Für die Untersuchung von Wichtigkeit ist die Feststellung der Eigen­tümer zweier Kleidungsstücke, die noch nachträglich auf dem Calies- schcn Grundstück gefunden worden sind. Das eine i)t ein schwarzer Gehrock mit der Firma Koppen in Wriezen, das andere em langer hellbrauner Ueberzieher mit der Firma Joseph Stock- Frankfurt a. O. Es ist inzwischen nachgewiesen worden, daß diese Firma sei: 20 Jahren in Frankfurt a. O. nicht mehr be­steht. Man ist der Ansicht, daß Sternickel eine Wohnung tn der Nähe von Wriezen hatte. Tatt'ächlich ist Sternickel, während er als Knecht im Oderbruch arbeitete, im Sommer in Wriezen gesehen worben unb zwar in Begleitung eines schwarzweißen Hundes, den erTrolly" rief. Seinen Berliner Komplizen ist Sternickel bisher noch nicht gegenübergestellt worden.

' Boykott deutscher Kinoihea ter durch aus­ländische Filmfabriken. Zwischen den Fabrikanten und Beziehern der Filmindustrie bestehen, wie schon mehrfach durch die Presse gegangen ist, seit einiger Zeit schwere Zwistigkeiten, die nunmehr zu einer Kraftprobe zwischen einigen großen ausländischen Filmfabriken und der gesamten deutschen Film« indnstrie und einigen kleineren ausländischen Filmfabriken ge­führt haben. Jin Oktober vorigen Jahres war eine von fast sämtlichen in- und ausländischen Filmfabriken gebildeteFreie Vereinigung der Kinofilmfabrikanten" gegründet worden, die unter dem NamenFilmkonvention" bekannt wurde. »Zum 1. Februar dieses Jahres traten sämtliche deutschen und starke Gruppen von kleineren ausländischen Filmfabriken, insgesamt etwa 60, aus der Konventton aus, da ein weiteres Verbleiben in ihr sie geradezu ruiniert hätte. In der Konvention verblieb nur noch eine ver­schwindend kleine Anzahl von ausländischen Fabriken, welche aber die wirtschaftliche stärkste Gruppe bildet. Diese großen Fabriken erklärten nun in schroffster Form den deutschen Filinvepleihem, ihre Fabrikate nicht mehr zu liefern falls sie auch von denFaus der Konvention" ausgeschiedene Filmfabriken Films beziehen. Be­reits abgeschlossene Verträge sind für nichtig erklärt worde«. Die bcutfdie Filmfabrikatton hofft, daß das deutsche Publikum bei ihrem Ltzistenztampf gegen die ausländischen Fabriken seine Sympathien den deutschen Fabriken barbringen wird und nun seinerseits alle die Theater boykottiert, die nur ausländische Films unter absichtlichem Ausschluß der beut|"u . n Firmen zeigen. Ter Fachverband deutscher Filmverleih r hat für die nächsten Tage eine Proteswersammlung nach der Berliner Handelskammer einberufen, welche zu dem Boykott Stellung nehmen und die Sachlage einer genauen Klärung unterziehen wird.

* Ueppig.Junge, bring mir malne Nähnadel." Ach, Merster, kann ich nicht gleich zwei bringen, ich fühle mir heute so stark!"

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; Braunschweig, 24. 9. 1911.

= ;Ko s m o d o n t-Zahncrcme, dauernd haltbar, nie ver-; härtend. Tube 60 Pfennig; =3 und 1 Mark, lieber-:=_= all zu haben.

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