Erster Blatt
163. Jahrgang
GietzenerAnzeigek
ML..,*, Bl0« 165.3<il>rg««g Samstag, 7. >i 1913
zintäta^r
MM . General-Anzeiger für Gberheßen -WM ,ur"Äe Tagesrmnnner Rotationsdruck unö Verlag öer Brühl'fchen Univ.-Buch- und Stcinöruderei R. Lange. Redaktion. Erpedition und Druckerei: -Hulstrahe 7. ^h;, htt -Stadt und big vorinillaqs 9 Uhr. Geschäftsstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.
Ein Rückblick auf hundert Jahre!
Gietzcn, 7. Juni.
Dor acht Tagen haben wir in Gießen das Berre iungs- W von 1813 gefeiert; es war ein geräuschloses Fest ohne Fahnen und Gepränge, und die Teilnahme der breiten Volksschichten fehlte. Welches Bild aber erblickte auch der Hessenstamm, wenn er in den ersten Junitagen das Blatt der Geschichte um 100 Jahre umwendcte und Umschau hielt, was damals die Herren der Vorfahren bewegte! Ter Kanonendonner von Bautzen war verhallt, und Napoleons Stern flammte auf; Nordwestdeutschland war wieder in französischem Besitz, alle Rheinbundstaaten drängten sich noch fester an den französischen Kaiser und hofften, in seines Glückes Schiff mit ihm aufwärts zu steigen. Unsere hessischen Soldaten, die nach dem Waffenstillstand von Poischwitz im Lager von Lüben unter französischem Kommando Lagerdienst verrichteten, erhielten Mitte Juni als Belohnung für ihre tapferen Dienste noch Kreuze der Ehrenlegion ! So «offene Anteilnahme auch die lauten Feierklänge in Breslau und anderen preußischen Städten bei uns finden, es ist doch eben nur ein Echo, dem am Sonntag die in ihrem Gepräge akademische Versammlung der Hessenuniversität ihr Ohr geliehen hat. Doch Ijcute, ein festlich gestimmtes Volk im glänzenden Schmuck der Straften, schmetternde Musik und blitzender Waffenschmuck, eine Volkserhebung im Frieden! Und während die rauschenden Feste in der Reichshauptstadt, die vielen Paraden und Trinksprüche, die schon über uns hingezogen sind, uns schon langsam dieses Trci- chens haben müde werden lassen, werden heute doch lebendige -Geister der Vergangenheit unfeTcm Gehör deutlich vernehm- biar. Die Zeugen einer protzen, eisernen Zeit, mit den Zeichen der Tapferkeit geschmückt, weilen heute in unserer Mitte, und ihnen vor allem-gitt unser Gruft! Es umtvittert uns der Geist aus den Entstehungstagen des neuen Reiches, und wie aus Wetter Ferne mischt sich hinein das dumpfe Staunen jener älteren Zett, aus der uns heute zwar keine lebenden Zeugen erscheinen, die uns aber den in Gießen heimischen Truppenteil geboren hat.
Zwar vergingen auch nach der denkwürdigen Ordre Lud- wigs I., die das „Gardefüsilier-Htegiment" gründete, noch fünf bange Monate, und wie einst die Bestandteile unseres heutigen Regimentes Nr. 116 in den dunkelsten Zeiten des deutschen Vaterlandes bei Jena gegen deutsche Brüder gekämpft hatten, den fremden Eroberer dann in den Krieg mit Oesterreich an die Donau begleitet und mit ihm auf den Eisfeldern Rußlands gelitten hatten, so war es ihnen auch nicht vergönnt, als Streiter bei der Hauptentscheidung im Befreiungskrieg zur Hilfe der deutschen Sache mitzuwirken. Das hessische leichte Regiment war sowohl auf dem Schlacht-
ftlde bei Bautzen als auch bei dem großen Ringen um Leipzig in der Gefolgschaft Napoleons. Aber im November, als der Rheinbund auseinanderbrach, da schlug auch für die tapferen Hessen die Stunde, wo sie ihres deutschen Namens sich wieder bewußt werden durften. Und wenn wir heut den Gründungstag des Gießener Regimentes festlich begehen, so ist es im Grunde keine Hurrastimmung, sondern ein Tag des Dankes dafür, daß es vom 17. Juni 1813 an — von diesem Tage ist die Ordre des Großherzogs Ludwig I. datiert — durch ernste Ereignisse und eine kurze'Zeit der Ungewißheit lichteren Zielen entgegengrng! Die Zeiten, in denen der Hessenfürst seine Landeskinder abwechselnd den Engländern, Oesterreichern und Franzosen zur Kampfeshilfe entsandt hatte, waren endgülttg vorbei.
Wir brauchen das Regiment durch die weiteren Ereignisse des Jahrhunderts hier nicht zu begleiten; e?nen eindrucksvollen Ueberblick bietet der Leitaufsatz in unserer heutigen Festbeilage. Wir dürfen aber mit der heutigen Feier auch das festliche Gedenken an die Selbstbestimmung Hessens und seines Fürsten vor hundert Jahren verbinden. Nicht nur Preußen hat seine Zeit der Erniedrigung und Erhebung gehabt. Unser Staat hatte notgedrungen eine Weile auf dem diplomatischen Glücksschiff sein Fortkommen suchen müssen, und zur Ehre Ludwigs I. darf gesagt werden, daß er der letzte deutsche Fürst war, her dem Rheinbund freigetreten ist. Wenn der Kaiser dieser Tage in Geldern die Schattenseiten der „guten alten Zeit" hervorgehvben hat, so dürfen wir das auch für Hessen gelten lassen, wenn anders wir die „gute alte Zeit" wirklich so weit zurück- verlegen und nicht vielmehr daran festhalten wollen, daß sie nach den Befreiungskriegen begann, in jenen Tagen, in denen der Kulturhistoriker die Zeichen der Biedermeierzeit feststellt. Auch heute bleiben uns im H-essenlcmde ja 'noch manche Klagen und kleinstaatliche Lasten aber die große Sttaße nach der deutschen Aufwärtsentwicklung und dem Ziel des Fortschritts ist doch gebahnt, und wenn wir heute dem Klang längst entschwundener Tag? lauschen, so dürfen wir mit unseren Waffenröcken und Gästen aus allen Himmelsstrichen voll frohen Mutes des Tages Lust und Freude genießen und die festliche Versammlung auf dem alten Heldentummelplatz auf dem Trieb froh und herzlich begrüßen!
polttitcbc Tagcsfcbcrrr.
Churchills neue Ueb:r<aschung.
Kaum ist die Tinte der schönen Kommentare getrocknet, die man an den Berliner Besuch Georgs V. und Lord Morleys knüpfte, da überrascht der englische Marineminister Churchill die Welt mit der Erklärung, die britische Admiralität sähe sich gezwungen, an Stelle der von Kanaoa vorläufig nicht bereinigten drei Dreadnoughts drei Zusatzgroßkampfschiffe zum diesjährigen Etat zu fordern.
Was von deutscher Seite daraus zu erwidern ist, hat der vernünftige und ehrliche Teil der Londoner Presse be-
wie der Waffenstillstand von poischwitz ausgenommen wurde.
Es war am zweiten Pfingsttage des schicksalreichen Jahres 1813. Im Berliner Tiergarten ergötzte sich eine lustwandelnde Menge an dem in voller und schönster Blüte prangenden Lenze. An heiterer Hinrmel lachte herab. Ta wurden die Gesichter plötzlich blaß, die Herzen wurden wie vom Donnerschlage getrosten. Mit Windeseile oerbrcitctc sich die Hiobspost von dem am Freitag zuvor abgeschlossenen W a s ftm still stände zu Poischwitz. Was! Ein Waffenstillstand! Tas Heft wieder auS den Händen geben? Tie einen schienen versteint, die anderen verzweifelt. „Mes, was Preuße hieß und seinen Namen fühlte, wollte lieber den geschwindesten Untergang, als einen unrühmlichen Frieden." Allüberall, wohin die Kunde vom WaffenstiNstande gelangte, ward er mit äußerster Entrüstung ausgenommen. Volk und Heer waren eins in seiner Verdammung. Bei dem Bülowschen Korps, dem Wäckster der preußischen Hauptstadt, steigerte sich der Unwille bis zur Enwvrung. Zumal die Freiwilligen, deren kriegerischer Sinn durchaus nicht zu bestimmen war, den Feind für einige Wochen in Ruhe zu lassen. Die Waffen niederlegen?! Nern, niemals. Gerade hatte die Infanterie des Lützowschcn Freikorps im Verein mit russischen Truppen einen verwegenen Marsch int Rücken der großen Armee ausgeführt, eben war fte vor Leipzig in Schlachtordnung aufmarschiett, um in Sturmkolonnen die Stadt zu nehmen — da erschienen plötzlich die Parlamentäre mit Trompeten und weißen Tüchern. Ein Waffenstillstand? Ungläubig schüttelten die Tapferen den Kopf. Von Vertrag und Waffenstillstand wollten sie nichts hören. Eine srcrnzöstichc Kriegslist war's, so wähnte man. Die Franzosen Hattert das Märchen c&mnen, um sich geschickt aus der verteufelt unangenehmen Affäre iu ziehen. Ja, einige Kompagnien erhoben etn gewaltigesGeschrei und wollten auf eigene Faust gegen dte Stadt anrucken. tMn Befehl, kein gütliches Zureden half. Der russtsche Ober- kcmrmandiercnde konnte sich erst mit der Drohung, Kanonen auf- iahren zu lassen. Gehör verschaffen. Zähneknirschend und unter Tranen fügten sich die Freiwilligen. Damjals soll eine geheime Brüderschaft von neun Freunden zusammengetreten fern, wre Förster berichtet, loetcfc in mitternächtlicher Stunde tm Dome ',u Havelberg in die Hand eines Geistlichen auf die Hostre und den Kelch den er ihnen reichste, gelobten, daß alle bteiemgen, welche infolge des Waffenstillstandes einen für Preußen unruhm- Ü 6en Frieden unterzeichnen würden, der Rache der heiligen p-ehmc verfallen sollten Nicht minder tobten Zorn und Enttustung m den Reissen derer, welche siech und wund auf dem Krankenlager des Augenblicks harrten, wo es wieder hinaus geben konnte gegen den verhaßten Erbfeind. So schreibt Graf Wilhelm Lxhwerm am seine Frau von der Stimpyutg üi bat Lazaretten zu Berlin:
„Hier ist die Vcrzweiffung schon grenzenlos und selbst gemeine Soldaten reifen an ihrem Verbände und wollen sterben, da ihr Leben ja doch unnütz würde!" An Stöcken schleppten sich die Blessierten zur Armee zurück, und hofften, die Kräfte würden schon unterwegs fommen, und wenn man die Verstümmelten beklagte, riesen sie: „Oh, das Hilst den Franzosen doch alles nichts: wir schlagen sie doch am Ende!" oder den einzelnen: „Ja, der Franzos soll aber auch dafür an mich derrken!"
So war's in den Reihen der Streiter ohne Rang und Stand! Aber nun gar erst die Führer! Ter gewaltige Stein tobte und wetterte: „Und an der Spitze eines so zahlreick^en und begeisterten Heeres schließt man verderbliche Waffenstillstände, läßt sich von einem eitlen, psissigen, leichtsinnigen, flachen Metternich dazu und zu Unterhandlungen verleiten, die entweder unnütz sind oder einen schädlichen und verderblichen ^rieben zur Folge haben. Diesem sich zu widersetzen und laut die Schwachköpfe ober Schiesköpfe, die dazu raten, anzugreisen, ist die Pflicht jedes braven Mannes." Der sonst seinem ganzen Wesen nach mäßigere Doyen bließ jetzt auch ins gleiche Horn: „Ter unerwartet ein- getretene Waffenstillstand," so schreibt er, „bat eine Menge kriegslustiger Menschen, zu denen auch ich gehöre, tief betrübt. Man fürchtet in dem Waffenstillstand den Vorläufer eines übereilten Friedens zu sehen, den die Schlauheit Napoleons sich in ähnlichen Verhältnissen schon mehrere Male zu verschaffen gewußt hatte." Schon als das dräuende Gewitter eines Waffenstill- standes am Himmel aufgezogen war, batten die Warner die Stimme erhoben. Der wackere Clausewitz hatte gerufen: „Wenn wir uns jetzt vor Napoleon fürchten, verdienen wir die Rute." Und am 6. Juni hatte der Erzherzog Johann von Oesterreich in fein Tagebuch geschrieben: „Dis nicht der Rhein, die Vogesen, der Inn und die Alpen die Grenzen machen, ist keine Ruhe. . . Nur jetzt keinen Frieden vpn feiten der Alliierten, keinen Stillstand, denn Napoleon will Zett gewinnen und diese muß man ihm nicht lassen." Besonders über Hardenbergs Haupt entlud sich das Gewitter, und in jener Zeit ist manches schwere und harte Wort über den großen Staatsmann gefallen. Nur Stern hielt treu und fest zu ihm. „Das Betragen des Staatskanzlers »arbenberg," so versicherte er unentwegt, „ist — soweit ich es kenne — lobenswert, nur müssen ftch alle seine Freunde um ihn vereinigen, um ihn zu hätten und zu stählen." Niebuhr aber klagt in einem Brief an die Prinzeß Luise Radziwttl, daß „der Minister Hardenberg ste alle den Folgen seiner Indolenz und Unlafrigteit und dem Verbrechen der Elenden überließe, mit denen er sie umgebe." Doch zweifellos hatte auch der Waffei^- sttllstand für die verbündeten Heere ferne guten Seiten. Wie hätte sonst der große Schlachtendenker Gneisenau zum Dichter Fouque im Hauptguattiere sagen können: „Der Waffenstillstand schadet uns gar nichts; Friede wird's nicht, dazu ist jener (Napo-
retts gesagt. Nach dem „Dalv Chronicke" frcbcutet Churchills Erklärung eine „ernsttichc Vermehrung der englischen Flotte" und der britische Grundsatz des vielbesprochenen Verhältnisses von 10 zu 16 sei über den Haufen geworfen: wenn 'England 10 Schiffe gegen 6 deutsche baue und außerdem beliebig viele ^um Schutze des Reiches, so liege in dieser Haltung eine Unaufrichtig k c i t sowohl gegen den brittschen Steuerzahler als auch gegen das deutsche Marineamt. Und die „Daily News" werfen der englischen Admiralität vor, sie breche ihr der kanadischen Regierung gegebenes Versprechen, die kanadischen Schiffe gemäß dem Wunsche der kanadischen Regierung als Zuschlag zu dem bereits genügenden Programm Ku betrachten. Tie alte „Times" sucht das Vorgehen Churchills zu rechtfertigen. Die Beschleunigung sei kein Zuschlag. Tas britische Marineprogramm könne nicht auf den AuSgang des kanadischen Zwists warten; wann die für die Verteidigung des Reiches vorgesehenen drei kanadischen Schiffe ausfallen, so müßten eben an ihrer Stelle drei neue Schiffe gebaut werden.
Das ist natürlich eitel Spiegelfechterei. Die kanadischen Schiffe, wenn sic jetzt infolge der Unsicherheit der inneren kanadischen Lage nicht gebaut werden, haben mit dem Flottcnprogramin Englands nichts zu tun. Zur: Verfügung der englischen Admiralität in den europäischen Gewässern werden sie doch nicht gestellt. Kanada wünscht, und das ist sein gutes Recht, daß die Schiffe in den Tominilonhäsen des Stillen Ozeans und des Atlantiks stationiert werden. Die britische Heimatflotte wird durch die kanadischen Schiffe nicht verstärkt^ Also werden die drei neuen Großkampffchiffe, die Churchill jetzt in das Budget einstellen will, einen unerwarteten, von niemandem berechneten Zuwachs zur Heimatflotte in der Nordsee darstellen.
Zlitslatiö.
Ein deutscher Spion in England freigelassen.
Die Londoner Blätter erhielten die amtliche Bestätigung der Meldimg, daß der Deutsche Karl Graves, der wegen Spionage am 23. Juli 1912 in Edinfrurg zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, vor einiger Zeit sreigelassep wurde. Die Behörden lehnen jede Auskunft ab, wann und warum die Freilassung erfolgte.
Vom französischen Luftschiffwesen.
Ter französische Kriegsminister brachte in der Kammer eine Kreditforberung von 52 000 Franken zur Errichtung einer besonderen Abteilung für Luftschisfahrt und Flugwesen im Kriegsministerium ein. In der Begründung heißt es, die Entwicklung der Militärluftschiffahrt und des Flugwesens sowie die besondere Zusammensetzung des Luftschiffahrt- und Fliegerpersonals recht- fertige durchaus die Errichtung dieser Abteilung.
Jaurös und die Militärreform in Frankreich.
Iaurös brachte in der französischen Kammer seinen Gegen- entwutt gegen die Regierungsvorlage über die dreijährige Dienstzeit ein. Jaures beantragt: 1. Vom 1. Oktober 1914 angefangen, dauert die aktive Tätigkeit nur 18 Monate. 2. Die jungen Leute von 17 bis 21 Jahren sind bei Einberufung dcc Militärbehörde verpflichtet, jeden Monat eine eintägige militärische Uebung abzuleisten. 3. Die Reservisten w.-rden außer der durch das Gesetz von 1905 bestimmten Tienstübung jedes Vierteljahr zu zweitägigen militärischen Hebungen ein berufen. 4. Vom Oktober 1916 angefangen, dauert die Militärdienstzeit ein Jahr und vom Oktober 1918 angefangen sechs Monate.
Icon) zu hochmütig aufgeschwellt, und unser König und Kaiser Alexander sind zu groß, um sich in bemütegenbe Bedingungen Alexander sind zu groß, um sich in bemütigenbe Bedingungen zu schmiegen." Voll frischer Zuversicht soll er es gesagt haben, wieder. <
♦
— Das Musilfcst in Jena. Aus Jena, 6. Juni, wird uns weiter gemeldet: Tas Kirchenkonzett, das gestern abend von 7—9 Uhr in der Stadtkirche zu St. Michael stattfand, brachte zwei Uraufführungen für gemischten Chor Sowohl der 90. Psalm von Julius Weismann, sowie das Siegeslied von Kurt von Wol- furt, machten tiefen Eindruck. An der Aufführung des 137. Psalms von Franz Liszt wirkte ^auch der Geraer Frauenchor mit, der über ein hervorragendes Stimmenmaterial verfügt. Tie gemischten Soli hatten Frau Eva Bruhn, Tr. Wolfgang Rosenthal und Max Rau übernommen. An der Orgel saßen Professor Karl Straube und Lehrer Kurt Thiem. Nach dem Konzert fand im großen Volkshaussaale ein Festessen statt, wobei bas Collegium Musicum unter ber Leitung des Universitäts-Musikdirektors Professor Tr. Fritz Stein für Unterhaltung sorgte.
— Albert Hänel. Ter Staats- unb Verwaltungsrechls- lehrer Geh. Justizrat Professor Tr. jur. et se. voltt. Alfrett H ä n c 1 in Kiel begeht am 10. Juni seinen 80. Geburtstag. Ter bekannte Parlamentarier ist am 10. Juni 1833 zu Leipzig als Sohu bes Professors ber Medizin A. F. H. Hänel geboren. 1858 promovierte Hänel in Leipzig zum Tck. jur. und habilitierte sich noch im selben Jahre ebenda als Privatdozent. 1860 wurde er a. o. Professor und zwei Jahre später Ordinarius in Königsberg, von wo er 1863, unmittelbar vor Ausbruch der schleswig- holsteinischen Krffis, nach Kiel berufen wurde. 1864 trat er entschieden für die Trennung Schleswig-Holsteins von Dänemark ein. Hänel, der Mitglied des norddeutschen Reichstages war, gehörte auch während der 1. bis 8., sowie während der 10. Legislaturperiode dem Teutschen Reichstage lin dessen 2. Legis-, laturperiode als 2. Vizepräsident, sowie von 1867 bis 1893 dem preußischen Abgeordnetenhause (dessen 1. Vizepräsident er 1876 war) an. Ostern 1911 trat Prof. Hänel vom Lehramte zurück. Ter Gelehrte ist Ehrendoktor ber Tübinger staatswissenschaftlich<n Fakultät.
— Staatssekretär Jagow als Dichter. Eine vor kurzem erschienene Dichtung „Momus unb Circe", bie in amüsanter Form alle Kulturerscheinungen geiselt, und eine gute Kenntnis des modernen Rom verrät, soll den Staatssekretär v. Jago w zum Verfasser haben. Als Verfasser zeichnet ein F. Tttburg.
— Bilderdiebstahl. Aus Braunschweig, 6. Juni, ttnrb gemeldet: Aus dem Städtischen Museum ist ein sehr interessantes unb wertvolles Bild gestohlen worden. Das Bilfrstammt auS dem, 17. Jahrhundert von dem holländischen Waler öteeR»


