Ausgabe 
5.12.1913 Erstes Blatt
 
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Eine photographische Aufnahme des Leutnants Schadt.

Zabern, 4. Dez. Ms heute mittag kurz vor 1 Uhr der Vertreter des Londoner BlattesDaily Mirror" A. WYudham auf der Straße den vorübergehenden Leut­nant Schadt vom Infanterieregiment Nr. 99photogra- p h i e r t e, veranlaßte der Leutnant einen Gendarmen, Wyndham fest zunehmen und den Apparat mit Beschlagznbelegen, wobei es dem Engländer gelang, den Sistierungsakt zu lchotographieren. Wyndham wurde zur Polizei mitgenommen, wo ihm auf Anordnung der Krcisdireltion mitgeteilt wurde, daß um 1 r5 Uhr das Ge­richt über die Angelegenheit, die Beschlagnahme des Appa­rates usw., befinden werde. Die Kreisdirektion er­klärt ausdrücklich, daß nach ihrer Auffassung von einer vorläufigen Verhaftung des Amateurphotographen nicht die Rede sein könne^ elurnsowenig von einer Beschlagnahme der Platten, da von einem Photographieverbot zurzeit in Zabern nichts bekannt sei. Das Gericht hat dann auch von einer Verhaftung des Vertreters derDaily Mirror" Ab­stand genommen und ihm auch die beschlagnahmte Kamera zurückaegcben. Nur zwei Platten mit Aufnahmen des Leutnants Schadt wurden zurückbehalten.

Ein Ueberfalk.

Straßburg, 4. Dez. Auf den verantwortlichen Re­dakteur Ays der in Kehl erscheinendenStraßburger Rundschau" wurde heute nachmittag ein Ueberfall ver­sucht. -Ohne anzuklopfen, waren zwei im Automobil an­gekommene Besucher in das Bureau vorgedrungen, von denen der eine, der sich als Wiebeckeaus Zabern vor­stellte, mit einer Hu n depeit sch e auf den Redakteur ein­drang und ihn bei dem entstandenen Ringen in die Hand biß. Als Hilfe herbeieilte, zogen sich die Eindringlinge nach dem Auto zurück, wobei Wiebecke jedem mit dem Revolver bedrohte, der ihn verfolge, so daß das Automobil mit den Insassen entkam.

ßcttticbo Neretz.

Dem Reichstage ging folgende Anfrage des Abg. B a s - sermann zu: Kann der Herr Reichskanzler Auskunft geben, ob bei dem Abkommen zwischen Rußland und China vom 5. Nov. 1913, wodurch einerseits die Suzcränität Chinas über die äußere Mongolei, andererseits die Autonomie der letzteren anerkannt wurde, dem deutschen Reichs kraft des Vertrags mit China von 1861 die ihm zustehende Meistbegünstigung gewahrt ist?

Die Fortführung des Mittellandkanals. Eine Versammlung des Bundes der Industriellen in Berlin hat am Donnerstag folgende Entschließung einstimmig an­genommen:Die heutige, vom Bunde der Industriellen ver­anstaltete Versammlung .Berliner Industrieller erblickt in der Fortführung des Rhein-Hannover-Kanals bis zur Elbe eine der dringendsten und wichtigsten Aufgaben der deutschen Verkehrspolitik. Auch für das Groß-Berliner Industriegebiet ist cs notwendig, durch eine leistungsfähige Wasserstraße Anschluß nach Westdeutschland zu erhalten, sowohl für den billigeren Bezug von Rohstoffen, in erster Reihe von Kohle, Eisen und Stahl, wie für dän Versand der Fabrikate nach dem großen und kaufkräftigen Gebiet von Westdeutschland. Ebenso würde die Fertigstellung des Mittclland-Kanals für den Handel Berlins und für oie Versorgung seiner Be­völkerung mit Lebensmitteln von hohem Wert sein. Für das ganze deutsche Wirtschaftsleben aber und besonders für die WettbewerbsfähigLeit der deutschen Industrie gegenüber dem Ausland ijt eine Verbilligung der Frachtkosten und deshalb die baldige Verbindung bei östlichen und- westlichen Wasserstraßen Deutschlands dringend notwendig//

Kongreß für Do.fsrooljlfa ,rt und Wohnungrpfieie.

Berlin, 4. Dez.

In den fortgesetzten Beratungen des Kongresses für Wohnungs­aufsicht und Wohnungspflcge, dessen Tagung heute zu Ende geht, sprach zunächst Beigeordneter Dr. Hopf (Elberfeld) über WohnungS- polizci. Am zweckmäßigsten liegt die ganze Wohnungsaussicht und Pflege einschließlich der polizeilichen Funktionen in der Hand der Städte, hjer ist die größte Einflußmöglichkeit.

Uebcr das ThemaW obnungsnachweis" sprach Bürger­meister Dr. Luppe (Frankfurt a. SD?.). Der Redner führte aus: Versuche zu einer Zentralisierung des Vcrmietgcschästcs sind erst neueren Datums; und der Erfolg dieser Wohnungsnachweise war bisher noch nicht groß. Heute gibt cs über 30 kommunale, aber mit erheblicher städtischer Beihilfe bestehende Wohnungsnachweise, von denen ein erheblicher Teil sich erfreulich entwickelt hat. Orga­nisatorisch ist c5 am besten, mit der Wohnungsaufsicht das Woh­nungsamt zu vereinigen. Es hat sich innerster Linie auf Klein­wohnungen bis zu vier Zimmern und auf Schlafstellen zu erstrecken.

neuen Lehre zu und unterstützte tatkräftig ihre verfolgten Be­kenner. Auf der Ebernburg, derHerberge der Gerechtigkeit", wie sie Ulrich von Hutten genannt hat, fanden außer dem geistvollen Hutlen selbst eine. Reihe hervorragender Männer, Kaspar Aguila, Oeülampadius, Nutzer, als sie ihrer Freiheit und ihres Lebens nirgends mehr sicher warm, Zuflucht und Schutz. Seit 1889 er­hebt sich etwa auf der Mitte des Burgl-angeS unterhalb der ersten Mauer auf einer künstlich hergcstcltlen Plattform das Hutten- Sickingen-Denkmal, von Caners Mcisterhano in Erz gegossen. Jeden Sommer ist die (Äernburg das Ziel vi lcr Tausender von Wan­derern, die nicht nur die herrliche Aussicht vom Bergkegel genießen wollen, sondern auch die Sckattcn einer großen Vergangenheit auf sich ciuwirkcn lassen. Dies soll nun alles ein Ende haben. Der jetzige schiverkrank' Besitzer der Burg, der Enkel des Bürger­meisters Güntlser, der in den vierziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts die Schloßruinc durch Kauf an sich gebracht hatte, beabsich- tiot die Burg mit ihren etwa vierzig Morgen Land, meist Wein­bergen, vu veräußern, Unter den Liebhabern stehen in erster Linie die Frannskanerbrüder in Kreuznach, die angeblich beabsichtigen, auf der Burg ein Sanatorium zu errichten. Nun eignet sich aller­dings der Bergkegel inmitten eines Kessels, in den drei Täler münden, raunt für eine derartige Anstalt. Es toärc dringend zu wünschen, daß ein solches Wahrzeichen der Reformation nicht dem Verkehr ent'ogcn würde und daß sich deutsche Männer finden, die die Burg in Händen des Protestantismus hielten.

kf. Ein Literat nrvreis für 6 Millionen Mark. Wer den Nobelpreis erhält, kamt sich nickt darüber beklagen, eine zu geringe Geldsumme zu bekommen. Verschwindend klein aber ist der Nobelpreis neben einem Literaturpreisc, der im Jahre 1925 in Rußland verteilt werden soll. Im ganzen stehen da nämlich rund 6 Millionen Mark zur Verfügung, und der erste Preis beträgt an die 4 Millionen Mark. Die Preisschrift, die verlangt wird, soll das .Leben .Kaiser Mexanders I. behandeln. Das Kapital soll, tvic derGaulois" zu melden weiß, im Jahre ,1SS3 durch den Minister Axarkstescheff auf einer Petersburger Bank niedergelegt worden fern. Bon Jahr zu Jahr vermehrt es sich nm Zins und Zinseszinsen, bis es int Jahre 1925 die Höbe von 6 Millionen Mark erreicht. Nimmt man an, daß das Kapital mir 4 Prozent Zinsen bringt, so braucht im Jahre 1833 nur ein? Summe zwischen 100 000 und 200 000 Mark vorhanden gewesen sefti denn bei diesem Zinsftlße verdoppelt sich ein Kapital in etwas weniger als 17 Jahren, so daß es sich bis zum Jahre 1901 sckwn auf das ISfache vermehrt hatte, in 5 Jahren 1918 nur das 32fache angewack.scn fein und 1933, zur Zeck der Auszahlung, das 40 bis öOfache der ursprünglichen Snmnre wert ist.

braucht aber große Wohnungen und Gewerbelokale nicht auszu­schließen.

Ein polizeilicher Zwang zur An- und Abmeldung leerstehender Wohnungen besteht in verschiedenem Umfang zurzeit in Stuttgart, München, Regensburg und Charlottenburg. Seine Einführung ist überall dort anzustreben, wo es nicht gelingt, den größten Teil der Vermieter freiwillig zur Anmeldung zu veranlassen. Die An- und Abmeldung ist möglichst zu vereinfachen, auch sollte wenigstens für Klemwohnvngen der Nachweis frei von allen kleinlichen Ge­bühren fein. Tic Abmeldung muß eine genaue Angabe der Zim­mergrößen enthalten, die Beifügung einer Wohnungsfkizze ist er­wünscht, aber nicht unbedingt erforderlich, erst reckt nicht bei Ver­bindung mit der Wohnungsaufsicht.

In der Auseinandersetzung Ivies Hauptmann v. Kalkstein «'Bremen)^ darauf hin, daß der Wohnungsnachweis bisher das Aschenbrödel der Wohnungsfürsorge gewesen fei. Wie groß die Er­folge der Nachweise sind, geht daraus hervor, daß in einem Land­gemeindenachweis im vergangenen Jahre 400 Wohnungen nachge­wiesen wurden. Die sozialpolitische Bedeutung eines Zentralwoh- nungsnachweises für die minderbemittelten Klassen, hätte der Red­ner mehr hervorheben müssen. Große Fehler haben die privaten Wohnungsnachweise entstehen lassen. Stadtrat Dr. Bold (Dort- tziund) machte Mitteilungen über seine Erfahrungen beim Dort­munder Wohnungsnachweis.

Damit schließt die Besprechung. In der Nachmittayssitzung wurden über typische Beispiele der Wohnungsaufsicht geiprochen. Die einschlägigen Verhältnisse von Mannheim behandelte Rechtsrat Dr. Möricke, die von D a r m st a d t Bürgermeister Dr. Riüller und die des Kreises Worms Geh. Regierungsrat Dr. Kayser.

Damit war die Tagesordnung erschöpft und der Vorsitzende schloß den Kongreß. ______________________

Aus Stadt und Land.

Gießen, 5. Dezember 1913.

Das Entlassungsgesuch des Oberbürgermeisters genehmigt.

Gestern beschäftigten sich bie Stadtverordneten in nicht­öffentlicher Sitzung mit dem Entlassungsgesuch des Ober- bürgermeisters Mecum. Beigeordneter Grünewald führte den Vorsitz und berichtete zunächst über die Vorver­handlungen und Beschlüsse der Koimuission. Diese bean­tragte, dem Oberbürgermeister eine längere Kur zur Wiederherstellung seiner Gesundheit zu bewilligen.

Nach dreistündiger eingehender Beratung wurde be­schlossen, das vom Oberbürgermeister eingereichte Ent­lass u n g s g e s u ch zu genehmigen und ihm das ge­setzlich festgelcgte Ruhegehalt zu bewilligen.

Das von ihm vorgeleate ärztliche Zeugnis wurde als ausreichender Nachweis für die Tatsache seiner Diensb- unfähigkeit erachtet. Der Anregung, durch Gewährung eines Urlaubs von 36 Monaten zu versuchen, ob nicht eine Besserung des G. sundlMszustandes d s Oberbürgermeisters erreicht werden könne, wurde keine Folge gegeben. Das; der Oberbürgermeister mit Fleiß und Eifer sich den städtischen Geschäften gewidmet und in Gießen vieles geschaffen hat, das der Stadt zum Nutzen und zur Zierde gereicht, wurde von vielen Seiten anerkannt. Es wurde der Versammlung mitgeteilt, daß Herr Mecum auf Wunsch, wenn es sich als nötig'erweist, jederzeit bereit sei, seine Erfahrung und seinen Rat der Stadt zu gewähren.

AbschicdSfeier für Krcisrat Dr. Merck.

An die am Mittwoch veranstaltete Versammlung der Bürgermeister und Rechner der Landgemeinden des Kreises Gießen imSteins Garten" schloß sich eine mit einem gemeinsamen Essen verbundene Abschiedsfeier zu Ehren des als Kreisrat nach Schotten versetzten Regierungsrat Dr. Merck. Außer den Bürgermeistern und Rechnern war eine große Zahl von Freunden und Bekannten Dr. Mercks erschienen, so daß sich an der Fci^r etwa 170 Personen beteiligten.

Zu Beginn des Festessens brachte zunächst Regierungs­rat W e l ck e r in beredten Worten das Hoch auf den Landes- Herrn aus. Sodann gedachte Gehcimerat Provinzialdirektor Dr. Usinge r des Scheidenden, inbem er u. a. ausführte, daß es eine Unterlassungssünde gewesen wäre, wenn man einen Mann, der über acht Jahre in ersprießlicher und «dankenswertester Weise innerhalb des Kreises gearbeitet hab-, sang- und klanglos von Gießen hätte Weggehen lassen. Herr Merck habe es in weitgehendster Weise verstanden, sich das Vertrauen aller derer zu erwerben, die mit ihm amtlich zu tun gehabt hätten. Nicht nur die Landbevölkerung verliere an dem Scheidenden einen allezeit zugänglichen Be­rater und Helfer, sondern auch zahlreickte landwirtschaftliche Vereine einen eifrigen Förderer ihrer Bestrebungen. Wenn hiernach auch einerseits sein Fortkommen von hier zu bedauern sei, so müsse er sich doch andererseits freuen, daß der Kreis Schotten jetzt diesen tüchtigen Beamten be­komme. Unter den besten Wünschen für den Scheidenden und seine Gattin und mit einem dreifachen Hoch auf Re- gierungsrat Dr. Merck schloß der Redner die mit starkem Beifall aufgenommene Rede.

Nachdem zunächst noch Kreisveterinärarzt Dr. Knell im Namen der Tierzuchtvereine des Kreises der großen Verdienste und der ersprießlichen Tätigkeit des Scheidenden gedacht, und Bürgermeister Fendt-Hungen in fesselnder Weise die Tätigkeit des Kreisrats Dr. Merck in den Gemeindeverwaltungen geschildert, sowie Gemeinderechner Am o ld -Grüningen dem Scheidenden für das den Rech­nern entgegengebrachte Wohlwollen gedankt und ihm und seiner Frau ein herzliches Lebewohl zugerufen hatte, er­widerte Kreisrat Dr. Merck in längeren Ausführungen dankend fiir die ihm zu Teil gewordenen Ehrungen. Er gedachte auch des Herrn Oberbürgermeisters Mecum, der ihm brieflich seine Wünsckhc zum Ausdruck gebracht habe. Gerade die Selbständigkeit, deren er jetzt ass Kreisrat in ausgedehntem Maße bedürfe, habe er sich in Gießen, von dem er nur mit schwerem Herzen scheide, angeeignet. Den Vereinen wünsche er ein ferneres Wachsen und Gedeihen. Er gedachte auch der Hilfe, die ihm in Ausübung seiner Tätigkeit überall zu Teil geworden sei und sprach seinen besten Dank hierfür aus. Sein Hoch ga.lt dem Wohl der Stadt und des Kreises Gießen. So nahm die Abschieds­feier einen harmonischen, schönen Verlauf.

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* * Tageskalender für Freitag, 5. Tez. Stadt theater: .Pygmalion". (Znm cciien Male). Ansang 8 Uhr.

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" Schula »gelegen!)eiten. Erleb igt ist in Friedberg Stadtteil Fauerbach eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle. Bestätigt wurde der von dein Fürsten zu Psenburg und Büdingen aus die rledigte 1. Lehrerstelle an der Volksschule zu Vonhausen, im Kreise Büdingen, angebotene SchulamtSaspirant Wilhelm Kutl auS Müschen beim, Kreis Gießen, für diese Stelle; der von dem Grafen zu SolmS-Rödelheim auf die erledigte 1. Lehrer­stelle an dcr Volksschule zu Petterweil, im Kreise Friedberg,

angebotene SchulanckSaspirant Johannes Nullmann au§ Rodheim v. d. H. für diese Stelle.

Ernannt wurden die Finanzreferendare Eduard Blankenhorn auS WormS und Dr. Ludwig Zöckler au5 Gießen zu Finanzaffefforen.

"Verleihung. DaS Ehrenzeichen für Mitglieder freiivilliger Feuerwehren wurde vom Großherzog an Friedrich Jockel J. tn Gründe r g verliehen.

* * Ei neFliegerkaserncirn 18. Armeekorps. In der gestrigen Stadtverordnetcnsitzung zu Dar mstadt wurde das Gesuch der Garnisonverwaltung um Befreiung von den einschränkenden baulichen Bestimmungen bei Er­richtung der neuen Fliegerkaserne auf dem städtischen Gelände an der Wixhäuser Hausschneise zu Darmstadt ge­nehmigt.

"Provinzial-AuSschuß der Provinz Ober- Hessen. Zur Sitzung des Prooinzial-AuSschusseS am Samstag, den 7. Dezember, vormittags 9 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestetlt worden: 1. Klage deS August Schäfer ju Hungen gegen den Kreis-AuSschnß des Kreises Gießen wegen Anlage von Abfahrten. 2. Klage der Ge­meindehebamme M. B. Prang zu Bannerod gegen die Fürsorgekasse für Kommunalbeamte wegen Aufnahme. 3. Klage des Bäckers Heinrich Neun zu Usenborn gegen Großh. KreiSamt Büdingen wegen Ausnahme in die Ääcker-ZwangS- Jnnung. Eine zweite Sitzung findet am SamStag, den 13. Dezember, vormittags 9 Uhr, statt. Zur Beratung gelangt die Ablösung der Weideberechtigung in den Gemein­den Pfordt, Uetzhaufen und Niederstoll.

** D i e Kosten dcr Geschworenengerichte haben sich nach Inkrafttreten der vom Reichstag beschlossenen Justiznovelle gegen früher erheblich erhöht. Bor dem 1. Juli erhielten die Geschworenen nur Reisekoftencntschädi- gung, seitdem erhält jeder zum Geschworenenamt berufene Bürger außerdem noch Tagegelder von 5 Mk. an für den Tag. Falls er weiter als 2 Kilometer vom Sitze des Gerichts entfernt wohnt, auch je 3 Mark U e b e r n a ch-« tun gsgebühren für die Dauer der Schwurgerichts­tagung. Dieselben Vergütungen erhalten auch die Schöf­fen. Die Laienrichter dürfen nach oem Gesetz die ihnen zu­stehenden Bezüge nicht ausschlagen. Die Kosten der beiden Schwurgerichte in Gießen im September und Dezember stellten sich folgendermaßen: Im 3. Quartal waren 6 Sitz­ungstage, an die Geschworenen wurden ausgezahlt 1367 Mk. Das 4. Quartal mit seinen nur 3 Verhandlungen erforderte 775 Mk. für die Geschworenen. Es macht dies zusammen 2142 Mk., von denen 430 Mk. auf Reifevergütungen fallen, so daß die neu eingeführten Tagegelder und Uebernachtungs- gebühren an die Geschworenen für 2 Tagungen 1700 Mark betragen.

Adreßbuch WH.

Die Buchstaben

Ij bis ü

des alphabetischen Namensverzeichnisses liegen am 6. und 8. Dezember zu jedermanns Einsicht in unserer Geschäftsstelle offen. Zur Vermeidung von Ungenauigkeiten werden die Interessenten um Nachprüfung ihrer Adressen- eintragung gebeten.

Verlag Ver Adreßbücher

für die Stadt und den Kreis Gießen Schilistratze 7,9.

553205331

** Konzertverein. Dein Orchester - und Bcetho- ven-Konzert am Sonntag nachmittag wird vormittaaS um 11 Uljr eine Hauptprobe zu billigen Eintrittspreisen vbrangehen. Es fei ausdrücklich daraus hingewiesen, daß in dieser Hauptprobe sämtliche Nummern des Nachmittags-PrograinmS unveriürzt zum Vortrag kommen. Mit Rücksicht auf die Abend­vorstellung im Stadttheater mußte der Beginn des Nachmittags- Konzerts anstatt auf 4V2 Uhr, wie ursprünglich angekündigt, auf 4V2 Uhr (pünktlich) angefetzt werden. Die Oefsnung des The­aters erfolgt um 4 Uhr und werden die Zuhörer höflichst gebeten .sich pünktlich einzufinden, damit das Konzert ohne jede Verzöge­rung beginnen und das Theater im Interesse der folgenden Vor­stellung rechtzeitig geräumt werden kann.

" 23 o m Lichtspielhaus tVahiihohlraßei wird uns ae- kchrikben:Dr i bedeutende Naineu werden morgen, Samstag, das Publikum anziehen: öugo von vosfmaunsthal, der be­rühmte Auior, Grete Wiesenthal, die unvergleichliche Tänzerin, und <? n n » e °> Ruck, der bekannte Komponist. Hugo von Öofsmannsthals berühmte Pantomime .Das i r e m d e Mädchen^ mit Grete Wiekeinbal in der Hauvtrolle. welche seiner­zeit im Berliner Hebbel-Tbeater mit riestaem Erfolg aukgeführt wurde, im Ftlm I Tie von Hannes Ruch geichriebene Mustk wird auch hierzu gesvielt, so datz den Besuchern ein seltener Geimb ge­boten wird TieDeutsche Pioutagszeckung" schreibt über diesen vilm: Ter Inhalt ist ungefähr folgender:Daß fremde Mädchen" ist eine junae, ahnungslose, von fchlimmer Hand vorwärts ge­stobene Unschuld. Eine Schnrkeubande führt sie einem jungen Manne zu; er acht ihrer Macht nach, wird von den Kerlen ge- üstelt, von dem Rlädchen befreit und fleht schliestlich vor ihrer Leiche. Tie Durchführung der Weldnditc im einzelnen ist natürlicher, realistischer, als solch eine Inhaltsangabe nnbenten kann. Und die das Werk ergänzende Mustk ist eine der besten Darbietungen, die uns jemals bei einer Pantomime begegnet ift. Eine solche, fast 'biozartsche 'Art, gibt auch hier die (SrunDIttae, und auf dieser er­beben sich die der Szene dienenden charakteristischen Wendungen io dast sie niemals den vornehmen, künstlerischen Eharaktei verlieren."

** Deutscher Frauenverein vom Roten Kreuz. Wie uns die Gießener Abteilung des Deutschen Frauenvererne vom Roten Kreuz für die Kolonien mitteilt, sind aus dem Erlös der von jungen Gießener Damen angefertigten Handarbeiten, welche im vorigen Jahr anläßlich des Jubiläumsfestes zum Ver­kauf gelangten, Kleidungsstücke, Wäsche usw. von hiesigen Ge­schäftsleuten bezogen und vor einigen Wochen als Weihnachtsgabe an die Schwestern in den Kolonien gesandt worden.

Landkreis Gießen.

Klein-Linden, 4. Dez. Mit der heurigen B ü r - gerrnei st erwähl fanden die Gern ein d ewah len ihren Ab­schluß. Da der verdienstvolle Bürgermeister Schaum mit Rücksicht auf sein hohes Alter eine Wiederwahl ablehntr, standen zwei neue Kandidaten auf der Wahlliste. Don dresen wurde Philipp Jung 18. mit 219 Stimmen zum Bürger- meister gewählt. Bei ocr vorausgeganaenen Beiaeordneten- wahl errang Wilhelm Jung 8. den Sieg und bei der Ge- mcinderatswahl wurden Karl Hof, Heinrich Wahl, Kafp. Lenz und Georg Neurath gewählt. Sämtliche Gewählten gehörten bisher dem Gemeindevorstand noch nicht an. Die