Ausgabe 
8.1.1913 Erstes Blatt
 
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in Deutschland gefährdenden Veröffentlichungen nicht mehr wünschte.

Die fünf angeblichen Werber für die Fremdenlegion,

die in Metz festgenmmnen worden waren, fmb, wie der Polizei- bericht meldet, nach ihrem polizeilichen Verhör wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Sic hatten mit einem französischen Staats­angehörigen, der sich dem Militärdienst entzogen hat und einen deutschen Namen führte, verhandelt. Leute, die das Gespräch mit angehört hatten, glaubten, es handle sich um Werber für die Fremdenlegion und ließen sie feftnehmen. Bei dem Erscheinen der Polizei hatte sich übrigens die Gesellschaft dadurch verdächtig gemacht, daß sie insgesamt die Flucht ergriffen.

2lus Stabt und Land.

Gießen, 8. Januar 1913.

Die Verlegung der Bürgermeisterei in die alte Klinik.

Die Stadtverwaltung hat morgen eine wichtige Ent­scheidung zu treffen. Zum drittenmal steht der Antrag auf der Tagesordnung, die alte Klinik für die Zwecke der städtischen Verwaltung und des Polizeiamts einzurichten. Wie Lei den früheren Beratungen macht sich auch jetzt wieder eine starke Bewegung gegen dieses Projekt in der Bürgerschaft geltend, die nach unserer Ansicht berechtigt ist. Durch die Verlegung der städtischen Aemter aus der inneren ' bis zur Nähe des Bahnhofs entstehen vielen Interessent weitere Weg" zu b n städtischen Aemtern, die nur teilweise dadurch aufgehoben werden, daß man in der alten Klinik fast alle Zweige der städtischen Verwal­tung unter einem Dach vereiirigt finden würde. Ferner ivürde der Mietaufwand d'er städtischen Amtsräume wesent­lich steigen. Zu den Erwerbskosten der alten Klinik, die nach Abzug des Verkaufspreises des Liebigslaboratoriums mit der bisherigen Verzinsung auf annähernd eine Viertel Million Mark anzunehmen sind, kommen die Umbau- und Einrichtungskosten, die, wenn das Gebäude anstatt seines jetzigen Kaseruenstils auch äußerlich seine neue Bestimmung erkennen lassen soll, wohl nicht viel weniger als die Erwerbs­kosten betragen werden. Die Stadt bekäme also für 400 000 bis 500 000 Mark ein altes Haus, das den steigenden An­sprüchen nur eine Zeitlang genügen würde. Der wichtigste Grund, die alte Klinik zur Bürgermeisterei zu benutzen, ist wohl der Wunsch, das jetzt zinslos dastehende Anwesen auszunutzen. Gewiß ist es keine Kleinigkeit, ein Viertel- millionen-Objekt leer stehen zu 'haben, aber hieran ist die Stadt selbst Schuld. War doch kürzlich ein Käufer für die alte Klinik vorhanden und der Verkauf scheiterte nur an einer von der Stadt gestellten unmög­lichen Bedingung. Die B a h n v e r w a 1 t u n g war be­reit, die von der Stadt geforderten 250 000 Mart zu bezahlen, aber daß sie auf die von der Stadt gestellte Bedingung, die oberhessischen Bahnen außerhalb des Stadtgebietes zu verlegen, nicht eingehen konnte, ist wohl jedem Einsichtigen klar. Die Verlegung der ober- heffischen Dahnen ist gewiß für die Stadt dringend wün­schenswert, sie wird auch in absehbarer Zeit kommen, aber es war unangebracht, die Sache mit der Frage des Ankaufs der alten Klinik zu verquicken. Eine einsichtige Stadt­verwaltung sollte doch, schon im Interesse ihrer Verkehrs­wünsche, Wert auf gute Beziehungen zur Bahnverwaltung legen. Diese werden durch solche Vorkommnisse gewiß nicht gefördert. Jedenfalls wäre es besser gewesen, das alte Gebäude ohne Verlust zu verkaufen, als es jetzt, entgegen dem Willen eines großen Teiles der Bürgerschaft, mit großen Kosten zum städtischen Verwaltungsgebäude um­zubauen. Dem in dem jetzigen Bürgermeistereigebäude vor­handenen Raummangel könnte durch einen Anbau leicht und mit wesentlich geringeren Kosten abgeholfen werden.

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* * Tageskalender für Mittwoch, 8. Jan. Stadt­theater: ,S o ' n Windhund". Anfang 7 Uhr.

Ordensangelegenheiten. Dem Wirklichen Geheimerat Krug von Nidda, der am 1. Januar in den Ruhestand getreten ist, wurde der Preußische Kronenorden 1. Klasse und der Russische St. Annen-Orden I.Kl. verliehen. Der Groß Herzog hat dem Kammerherrn und Kreisrat Freiherrn Schenck zu Schweinsberg in Alzey das Hof­dienst-Ehrenzeichen für 25 Dienstjahre verliehen.

* * Erledigt ist eine nut einem kath. Lehrer zu be­setzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Dien­heim. Mit der Stelle ist Organistendienü verbunden.

** Ausgabe von Schuldverschreibungen durch die Hessische Landes-Hypothekenbank. Der Hes­sischen Landes-Hypothekenbank, Aktiengesellschaft zu Darmstadt, wurde die Genehmigung zur Ausgabe von auf den Inhaber

man ihn zum Leiter des Meininger Hoftheaters. Daß er hier Taten verrichtet hat, davon hat niemand etwas gehört. Von seinen literarischen Versuchen, seinen Dramen vollends, zu reden, erübrigt sich wohl ... In Hamburg hat man sich nach einem zweiten Alfred v. Berger gesehnt. Man dachte ihn zu finden, mdem man an einen Verehrer der Klassiker herantrat.. Aber Berger packte diese Klassiker doch auf seine eigene starke Art; Grube dagegen ist nicht mehr als ein Epigone und er wird ichemt cs auch einen Alfred v. Berger nicht ersetzen. . .

forsch un gsergebnissevom Freiballon aus. Bwn Prwatdozenten der Universität Halle erreichten im Ballon auf der Fahrt von Bitterfeld nach Güstrow bei 3b Grad unter Null eine Höhe von über 7000 Metern. Es gelang ihnen, die Lautstärke der von der Erde ausgesandten telegraphilchen Zeichen zu messen. Sie machten weiterhin die Wahrnehmung über eine zurzeit vorhandene Atmosphärcntrübung 'J'" «'m n euen Wirkungskreis. Aus

A. . roiw berichtet: Nacy dem Ablauf seiner Präsidentschaft wird Taft, nne etzt feststeht, feinen Wohnsitz in New Haven in Connecticut liehmen, wo er am Yale College einen Lehrstuhl anninrmt. Er hat bereits einen Freund beauftragt, ihm in Neiv vaven eine geeignete Wohnung zu suchen. Taft soll die sog> Kent-Professur erhalten. Tie Vorverhandlungen sind beendet, bei der nächsten Versammlung der Univerfitätsbehördcn wird Taft amtlich der Antrag gemacht werden, diese Professur zu übernehmen. Außerdem bereitet Taft Vorlesungen über inter- P-V lZn a l es R echt und über Verfassungsrecht vor; picfe Kollegs wird der künftige Professor in der Universität und in der iniiftifchen Hochfchule halten, wo er den Rang eines ordent­lichen Profef,ors einnehmen wird. Mit der Kent-Professur ist ftir A.dTt enr festes Einkommen von 20 000 Mark verbunden, außcr- dein wird ilm von der Universität ttod) ein Professorengehalt ansgefetzt werben.

. , ~ Knrze Nachrichten aus Kunst und Wissen- fchast. Sudermann erreichte bei ber Erstaufführung des d® u t c N R u f s gestern im Deutschen Schauspielhause zu Berlin em Dutzend vervorrufe. Ein Ve.fahren u n m i ltel- barer Herz-Röntg en-Aufnahme ohne Veriven- bu n 8 von P Ia 11 en sofort auf Dromsilberpapier veröffentlicht Stabsarzt Lr V.etor Hufnagel in Bad Orb in der Münchener Medizin. Wochenfchrrst. Nach Angabe bc,< Verfassers bedeutet die Anwendung hochempilndllchcr Bromsilbervapiere eine sehr er­hebliche Zeit- und auch Geldersparnis. Die Zeitersparnis würde namentlich bei schleunig zu bewerkstelligenden Aufnahmen im Kriege in Frage kommen­

lautenden und zu 4 vom Hundert verzinslichen Hypothekenpfand­briefen im Gesamtbeträge von 5 000 000 Mk. und von Kommunal­schuldverschreibungen im Gesamtbeträge von 7 000 000 Mk. nebft zugehörigen Zinsscheinen erteilt. Die Rückzahlung ist bis zum 2. Januar 1923 ausgeschlossen.

"Die Preise für Jagdwaffenpässc für Per­sonen, die im Deutschen Reich keinen Wohnsitz ober dauernden Aufenthalt haben, sind durch eine Verordnung des Grobherzogs wesentlich erhöht worden. Für ein Jahr kosten diese Jagdwaffenpässe jetzt 100 statt seither 60 Mk. und für sieben unmittelbar auf einander folgende Tage jetzt 25 statt seither 15 Mark.

** Das 3. Abonnements-Konzert der Kapelle des Jnf.-Regts. »Kaiser Wilhelm* findet am Donnerstag, 16. Januar, statt.

'* In der Herberge zur Heimat kehrten im Dezember 1385 Gäste ein (gegen 1361 im gleichen Monat des Vorjahrs), von denen 479 (833) die Herberge gegen Arbeitsleistung in Anspruch nahmen. Der Rest der Ein- kehrenden 904 (528) war Selbstzahler. Tie Benutzuna der Herberge im letzten Vierteljahr stellt sich auf 3874 (3945) Gäste, von diesen wohnten gegen Arbeitsleistung 1135 (1591) Wanderer. Selbstzahler waren 2739 (2354) Gäste. Tie Fremdenzahl der Herberge stellt sich in den letzten fünf Fahren wie folgt: 1908 18 640, 1909 17 961, 1910 15 743, 1911 13 526, 1912 13 761. Der Rückgang der Herbergs­gäste findet seine Erklärung dadurch, daß die Aufnahme zahlungsunfähiger Wanderer in der Herberge an erschwerte Bedingungen geknüpft ist. Im Arbeitsnachweis der Her­berge waren im Dezember 71 offene Stellen angcmeldet, von denen 60 durch 28 Handwerker und 32 ungelernte Arbeiter besetzt werden konnten. 47 wurden in Gießen und 13 aus­wärts untergebracht.

** Wilhelm Ebender verhaftet? Schon längere Zeit trieb sich ein junger Zigeuner und eine ältereFrau in ber Gemarkung Drais bei Mainz herum. Am Freitag fand nun ber Feld schütze Wolf in einem Strohhaufen ein Bündel Lumpen, Kleider und Bettzeug, das er in seinen Hof bringen ließ. Am Abend sah er nun auf der Chaussee jemand, der scheinbar etwas suchte. Wolf ging aus ihn zu und redete ihn mehrmals an, bekam aber keine Antwort. Dann fragte Wolf, ob er vielleicht sein Bett suche, was er bejahte. Der Feldschütze sagte ihm, daß das Bündel auf seinem Hose liege, er solle ihm folgen. Ohne ein weiteres Wort raffte er seine Sachen zusammen und ging schleunigst davon. Wolf machte seiner Behftde Mitteilung, woraus ihm ber Bescheid wurde, er solle den Landstreicher bei ber Gen­darmerie anzeigen. Am Sonntag vormittag trafen zwei Gen- darme mit Hunden ein, £ie sich sofort mit dem Finther und Traiscr Feldschützen auf oie Suche machten. Man fand den Landstreicher in einem Spargel Häuschen schlafend. Ta er sich einer Ilebermacht von vier Personen gegenübersah, ließ er sich ruhig verhaften. Das Signalement des Wilhelm Ebender paßt genau auf den Verhafteten, wenngleich dieser leugnet, ber Ebender zu sein. Aus die Ergreifung der Gebrüder Ebender ist eine hohe Belohnung ausgesetzt, die erst vor einigen Tagen auf 5000 Mark erhöht wurde.

Landkreis Gießen.

---Daubringen, 8. Jan. Am Sonntag hatte der Turnverein Daübringen Jahresschluß. In der ftarf besuchten Versamrnlung wurde vom Vorsitzenden Jahres festgestellt, daß der Verein im abgelaufenen Jahre wie­der eine Zunahme seiner Mitgliederzahl verzeichnen konnte und das verregnete Bezirks turn fest einen Ueberschuß von etwa 150 Mk. brachte. Die Vorstandswahlen ergaben nur unwesentliche Aenderungen. Anstelle der seitherigen Turn­warte wurden durch Zuruf W. Erb und K. Geißler be­stimmt.

= Climbach, 7. Jan. Hier ist der seltene Fall zu verzeichnen, daß 1912 keinTodesfalt vorgekommen ist. Es hat eine Beerdigung stattgefunden, doch war der Verblichene auswärts gestorben.

Kreis Friedberg.

§ Bad-Nauheim, 7. Jan. Die heutige Veranstaltung deS Vortrags-Vereins im Sprudel-Hotel war ein Klavier- und Liederabend. Man hatte zwei namhafte Künstler für den Abend gewonnen: Hans Bruch-Köln, den Sohn des früheren Kapellmeisters unserer Kurkapelle, für Klavier, und Dr. Fritz Hopf-Berlin, der mit seiner vollklingenden Baß­stimme eine Reihe von Liedern in feinsinniger Auffassung vor­trug. Beide Künstler ernteten lebhaften Beifall.

Starkenburg und Rheinhessen.

sc. Darmstadt, 7. Jan. Das Liebig-Denkmal vor den alten Bahnhöfen wurde gestern vollständig abgetragen. Ein neuer Standort für das Denkmal ist noch nicht bestimmt.

fc. Heppenheim a. d. Bergstr., 8. Jan.Gold in Plättchen" wurde in Heppenheim bei ber Bohrung eines Brunnens durch den Elektrotechniker Weibenbach in dessen Hof- reite in der Poststraße gefunden. In einer Tiefe von sechs Metern bemerkten die Arbeiter im ausgeworfenen Sand gelbglänzenbe kleine Plättchen von Linsengröße, die von Kennern als reine Goldblättchen angesprochen wurden. Als die Bohrungen bis auf zehn Meter fortgesetzt wurden, kamen die Plättchen in großer Anzahl zum Vorschein. Die fachmännischen Untersuchungen haben in dem Saude Spuren von reinem Golde neben Glimmer festgestellt. Doch ist das Vorkommen zu geringfügig, um die Ausbeute lohnend zu gestalten.

W. Mainz, 7. Jan. Leutnant Kettler vom Fuß- arrillerie-Regiment Nr. 18 hat heute nacht in seiner Woh­nung am Stephans'berg durch einen Schuß in den Mund Selbstmord verübt. Kettler ist der Sohn des früheren Mainzer Stadtkommandanten General Kettler, der jetzt in Wiesbaden wohnt. Die Ursachen, die zu der Tat Veran­lassung gaben, sind unbekannt.

Mainz, 7. Jan. Justizrat Dr. Eduard L u z i u s ist heute vormittag im Alter von 59 Jahren gestorben. Tr Luzius war einer ber angesehensten Mainzer Anwälte, ein außer- orbentlich sympathischer Manu unb seit langer Zeit ein cinsluß- reickfes Mitglied der evangelischen Lanbessynodc, in ber er Be­richterstatter für Rheinhessen war. Ter hier int Ruhestand lebende Gymnasialobcrlehrer Prof. Dr. Karl Ludw. Schall ist, 79 Jahre alt, gestorben.

Hessen-Nassau.

Franken b ach, 8. Jan. Am Sonntag abend hielt der Gesangverein Teutonia seine Jahres- v e r s a m m l u n g ab. Nach dem von Wilh. Wack erstatte­ten Kassenbericht hat der Verein trotz der großen Aus­gabe für die neue Fahne einen Kassenbestand' von 50 Mk. Werkmeister Ernst Gruber wurde zum Präsidenten und Wilhelm Wack II. zum Kassierer gewählt, ferner Ludwig Danaes, Jost Gerlach, Wilh. Leuser und Ludw. Wack in den Vorstand gewählt. Am 1. April siedelt der Vereins­dirigent, Lehrer Karl Debus, nach Frankfurt über.

Hanau, 7. Jan. Der Typhus im Eisenbahn- Regiment Hot wieder ein neues Opfer gefordert. Der Pionier Schell Haas aus Burgsolms im Kreise Wetzlar ist heute gestorben. Im ganzen sind noch 177 Mann krank.

= Frankfurt a. M., 7. Jan. Ter Klub für Land­wirte hielt beute hier eine Sitzung ab. Der Vorsitzende, Oeko- nomierat Hoffmann, Hof-Güll, gab einen Rückblick auf das

abgelaufene Jahr. Hierauf hielt Kreisveter^närarzt Dr. K n e IT - Gietzen einen Vortrag über das neue Reichsviehseuche n- gesetz: Anzeigepflicht, Viehhandel, Tuberkulosebekämpfung, stacck- ltche Entschädigungen, Strafbestimmungen. Von besonderem Interesse waren die Ausführungen über das Ostertagsche Tuber kulosebekämpfungsverfahrcn beim Rinde, bas darin gipfelt, baß alle Tiere mit offener Tuberkulose ausgeschieben >derben und die Aufzucht der Kälber derart gestaltet wirb, daß sie seuchenftxi bleiben.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 7. Januar.

Unbegründete Berufung.

Der Tierarzt Karl M. in Hoheneiche, Kr. Eschwege, war vvm Schöffengericht Laubach wegen fahrlässiger Körperverletzung und raschen Fahrens mit seinem Automobft in eine Geldstrafe von 80 Mk. genommen worden. Er hatte im Juni l. Js. am Bahnhof in Ruppertsburg den Landwirt K. L. toton Gonterskirchen angefahren unb dabei erheblich verletzt. Die Strafkatmner betätigte bas erste Urteil.

Milchfalsch ung und Betrug.

Die Angeklagte, Witwe L. P. in Nidda war tnmt Schöffen­gericht Nidda wegen fahrlässiger Nahrungsmittelfälschung mit einer Geldstrafe von 10 Mk. bestraft worden, weil sic Milch verkauft hatte, die stark mit Wasser vermischt war. Sie will in ber Eil unb versehentlich gehandelt haben. Während bas Schöffengericht dieses Vorbeugen für nicht widerlegt ansah, erachtete die ^ttai kammcr die Angeklagte der wissentlichen Nahrungs mittclfalschung und des Betrugs für überführt und ver urteilte sie zu einer Geldstrafe von 100 Mk., falls uneinbringlich, zu 20 Tagen Gefängnis.

Pfandveräußerung.

Zu drei Wochen Gefängnis war der Landwirt S. H. III. In Sanier verurteilt worben, weil er ein gepfändetes Kalb verkauft und dadurch ber Versteigerung entzogen hatte, obwohl ihn ber Gerichtsvollzieher auf bie Strafbarkeit einer solchen Tat auf merksam gemacht hatte. Zu seiner Rechtfertigung behauptet ber Angeklagte, er habe bas Tier zur Zeit ber Pfändung bereits verkauft gehabt unb deshalb die Pfändung für ungültig gehalten. Da diese Behauptung indessen durch den Käufer des Tieres nicht bestätigt wurde und auch der Glaube an bie Ungültigkeit ber Pfänbung rechtlich nicht zu beachten ist, wurde die Berufung verworfen und das erste Urteil bestätigt.

Wegen Viehseuchenvergehen angeflagt sind: der Viehhändler A. S. in Gambach, der Vieh Händler H. H. in Düdelsheim unb der Schäfer N. S. in Wenings. S. wurde zu 15 Mk. verurteilt, weil er Vieh in Gambach aus geladen hatte, ohne es anzumelden. Die beiden anderen hatten eine Schafherde von Wenings nach Wolf im Kreis Büdingen befördert unb dabei eine Anzahl viehseuchenpolizellicher Vor­schriften übertreten. Strafe gegen Sch.: 10 Mk., gegen H. als den Auftraggeber: 20 Mk.

I u Abwesenheit des Angeklagten wurde gegen den Landwirt A. H. Sch. in Dorheim verhandelt, der auf seinen Antrag vom Erscheinen in der Hauptverhanblung entbunden war. Er hat zugestanden, Vieh in seinem Stall in Dorheim eingestellt zu haben, ohne cs angemeldet zu haben. Strafe: 15 Mk., falls uneinbringlich, drei Tage Gefängnis.

Vermischtes.

* Seltsam'er Unglücksfall. Auf der Station Varnsbeck (Schwebebahn) bei Elberfeld geriet ein älterer Mann zwischen zwei Wagen. Er klammerte sich in seiner Angst an eine schmale eiserne Leiter, die zu dem Dach des Wagens führte. Ehe die Notbremse gezogen werden foitnie, stürzte er in die Wupper. Ein Soldat rettete ihn von dem Tode des Ertrinkens; je>doch erlitt der Verunglückte Rippen brüche und einen Armbruch.

* Der flüchtige Defraudant Weber ans Braun­schweig, ber, wie gemeldet, in Gemeinschaft mit dem Bank­beamten Aurbach das Bankhaus der Gebrüder Lübbecke um 450 000 Mk. schädigte, wurde, wie dieBraunschweig. Landes- settung" aus zuverlässiger Quelle erfährt, in Ofenpest festge­nommen, wo er sich unter dem Namen eines Kaufmanns Färber aus Wien aufhielt. Weber war vor einigen Tagen nach Ofen­pest gekommen. Er verließ während ber ganzen Zeit fein Hotel­zimmer nicht, da er sich Geheimpolizisten gegenüber, die ihn in Verdacht hatten, nicht ausweisen konnte. Auf Ersuchen des Braunschweiger Untersuchungsrichters wurde Weber gestern abend verhaftet. Er gestand sofort.

* Seenot. Der PassagierdampserMecklenburg", der zu den Dampfern gehört, die den täglichen Passagierverkehr zwischen England und Holland versehen ist, wie einer der Mitfahrenden berichtet, am Dienstag früh infolge plötzlich aufgetretenen Nebels dicht vor der Hafeneinfahrt von B l i s s i n g e n auf den Damm aus­gelaufen, ber den Hafen vom Meer abtrennt. Die Passagiere wurden ausgeschifft. Die Lage des Dampfers ist sehr ge­fährlich. An der Einfahrt des Kieler Hafens ist der mit 5500 Tonnen Zinkerz beladene, von Cartagena nach Stettin bestimmte ftalienische DampferConfidenco" ge­strandet.

Kleine Tagerchronik.

Infolge Versagens der Bremse stießen in Saar- brücken zwei Straßenbahnwagen mit je zwei An­hänger zusammen. 15 Personen wurden mehr oder we­niger schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Wie aus Brest gemeldet wird, signalisierte der deutsche DampferKrefeld" mittels Funkenspruch, daß er auf offe­ner See ein von der Mannschaft verlassenes Fischerboot des Hafens von Morlaix gesichtet habe. Das Schick- saal der Mannschaft ist unbekannt.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 8. Jan Aiisaetrieben waren 1273 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 ker Lebendaewicht 68.5070.00 Mk., Schlachtgewicht 87.00 ^9.00 Mk., vollflcischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 67.0o-69.00 Mk., Schlachtgewicht 8 -8 JO Mk.: voll fleischige Schweine von 100120 k? Lebendgewicht 68.0070.00 Mk., Schlachtgewicht 87.0089 Mk.: vollsteischtge Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 68.' 0-79.00 OTf Schlachtgewicht 87.0089 Mk. Geschäft rege, bleibt Ueberstand.

fe. Frankfurt a. M., 7. Jan. Heu- und Strobmarkt. Angesahren waren 12 Wagen Heu, 2 Wagen Stroh. Bezahlt wurde iur re» 3,2<)3,50 Mk., Stroh l.Kornlanqsirohl 2.50 0.00 Mk. Wirrstroh 0,000,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Geschäft ruhig. Die Zufuhren waren aus den Kreisen Oberlaunus, Hanau und Tieblirg.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentliche Wetterdicnststelle Gießen.

Wetteraussichten in Hessen ftir Donnerstag, den Zan. 1913: Wechselnd bewölkt, höchstens vereinzelt leichte Schneesälle, kalt.

Letzte 2T(i dir ich rett.

Spanien und der Vatikan.

Rom, 8. Jan. (Priv.-Tel.). In vatikanischen Kreisen verlautet, daß zwischen dem Papst und der spanischen Re­gierung ein lebhafter Telegrammwechsel im Gange ist, der auf die baldige Wiederbesetzung der spanischen Botschaft am Vatikan und der päpstlichen Nun- tiation in Madrid schließen läßt.