Ausgabe 
7.5.1913 Erstes Blatt
 
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fassuirg, ob das Anerbieten anMirehnren, sonne die Frage, ob überhaupt ein Komitee gewähtlt werden solle, wurde aus­gesetzt. Die Stände werden erst morgen vormittag unter sich beraten: nachher soll um 3 Uhr eine gemeinsame Sitzung stattfinden.

Die wahlrechtrvoriage im englischen llnterhaur.

Londo n, (i. Mai. Unterhaus. In der fortgesetzten Besorcchung der Wahlrechtsvortage ergriffen als einzige Mitglieder der Regierung Asquith und Grey das Wort, 21 s q n i.t b führte aus: Er sitze Seite an Seite mit Grey seit 27 Jahren im -Hause. Msgenomrnen der Frage des Frauenstimnrrcchts waren sie niemals in irgend einer wichtigen politischen Frage verschiedener Einsicht. Obgleich die Regierung über die wesentlichen Punkte der Mahlrechtsfrage versch-icdener Ansicht sei, sei sic doch einig hin­hinsichtlich der Politik, die zu befolgen sei. Er bestreite, daß die Ausdehnung des Wahlrechts im Interesse der Frauen oder der All­gemeinheit liege oder das: sie Erfolg haben werde, und daß sie das politische, gesellschafllicl' und häusliche Leben bereichern und stärken werde. Er werde gegen die Wahlrcchtsvorlage stimmen.

Gr eh betonte, die Mei,mngsverschiedenl>eit zwischen dein Premierminister und ihm in der Wahlrechtsfrage bestehe seit 25 Jahren. Es fei nicht zu befürchten, das die Pembekundung dieser Meinungsverschiedenheit irgendwelchen Einfluß auf ihr poli­tisches Zusammenwirken oder ihre persönliche Freundschaft habe. (Beifall.) Er halte aber daran fest, daß die ganze Richtung des modernen Lebens und der Erziehung dahin gehe, den Frauen das Stimm recht zu geben. Solange die Frauen kein StimMrecht hätten, werde die Demokratie in industriellen und politischen Fragen hoffnungslos und unvollständig bleiben.

London, 7. Mai. Das Unterhaus hat^dasFrauen- wahlrechtsgesetz mit 266 gegen 219 Stimmen ab- g el cyn t.

Rabiate Wahlrechtsweiber.

London, 6. Mai. Ein Brand zerstörte heute die schöne moderne Katherinenkirche in ftatebant im Südosten Londons. Der Schaden wird auf 10 000 Pfund Sterling geschätzt. Obgleich nach kein sicheres Zeichen dafür vorhanden ist, glaubt man, daß es sich um eine Tal der Suffragetten handelt. Ter Pfarrer der Kirche erklärte, er habe mittags drei Frauen in der Nähe der Kirche umherstreisen sehen. Bald nachdem er die Kirche ver­lassen hatte, bemertte er Rauch. Nach einer anderen Darstellung waren die Chorstühle und Betpulte mit Benzin benetzt.

London, 6. Mai. Leute vormittag sah ein Polizist, wie eiue Frau eine mit einer brennenden Zündschnur vcr- fel/ene Blechschachtel, die die AufschriftBotes fo r W o men" trug, vor einem Hoteleingang niederlegte. Die Frau würde ver­haftet.

London, 6. Mai. Heute früh steckten Anhängerinnen, des^ Frauenstimmrechts den neuen Flügel der öffent­lichen Schule in Ashlev bei Aberdeen in Brand. Der Schaden wird auf 500 Pfund Sterling geschätzt. In der Nähe des Schulgebäudes fand Man Flugschriften der Stimmrechtlerinnen zerstreut umherliegen.

Deutyebes ReSed.

Der deutsche Kronprinz ist am gestrigen Dienstag 31 Jahre alt geworden. Aus Pots­dam wird .dazu gemeldet: Tie Stadt übersandte dem Kron­prinzen eine Glückwunschadresse. Im Neuen Garten witzd der Grundstein zu einem neuen Landhause des Kronprinzenpaares am Jungfernsee gelegt.

lDfe .zweite clsaßlothringische Kammer nahm einstimmig und debattelos ein Ersuchen an, den Statt­halter zu mucken, die reichsländische Vertretung im Bundesrat dahin zu instruieren, daß sie sich entschieden gegen einen etwaigen Krieg mit Frankreich wendet und für' eine deutsch-französische Verständigung einzutreten.

Die deutsch-französische Konferenz in Vern.

Aus Paris wird gemeldet: Jaurös mit» 25 Mitglieder der geeinigten sozialistischen Partei werden am Freitag noch Bern reisen, um am Sonnabend an einer vorbereitenden Sitzung teilzunehmen, die von den Führern der geeinigten Sozialisten Frankreichs und der deutschen Sozialdemo­kratie im Hinblick auf die internationale Konferenz veran­staltet wurde. Mehrere Abgeordnete der anderen Parteien der Linken werden ebenfalls der Konferenz einzeln beiwohnen.

Eine G csch ützfabri k in Ungarn.

Die ungarische Regierung brachte im Reichstage einen Ge­setzentwurf ein, welcher den Vertrag des Finanzministers mit den Skodawerken, A.-G. in Pilsen, und der Friedrich- Krupp - A kt. - G e s. in Essen wegen der Errichtung einer Geschützfabrik zur parlamentarischen Genehmigung unterbreitet. Der Finanz Minister wurde ermächtigt, nominal 7 Mill. Kronen Aktien zu übernehmen. Ein Vertrag zwischen der ungarischen Regierung einerseits, der Aktien-Gesellschaft Friedrich Krupp und den Skoda-Werken andererseits bestimmt, daß eine ungarische Kanonenfabrik in Raab zu errichten ist. Der Betrieb muß innerhalb zweier Jahre beginnen. Das Aktien­kapital beträgt 13 Mill. Kronen, wovon die ungarische Re­gierung 7 und Skoda 4 Millionen übernimmt, ferner erhält Skoda 2 Millionen voll eingezahlt zu betrachtende Aktien für die Ueberlassuna der ihm und Krupp gehöncren Konstruktionen und Patente. Skoda und Kiupp sind verpflichtet, zu allen mit der Errichtung uno dem Betrieb verbundenen technischen Arbeitern Die Verpflichtung Krupps beschränkt sich ausschließlich auf mit Rohrs abrikation verbundene Arbeiten. Sodann tverden bic, Preise der von Krupp und Skoda der Kanonensabrik zu überlassenden Materialien festgestellt. Der Vertrag gilt 25 Iabre und ist seitens der Firma Krupp durch die Direktoren Eccius und Ebrensberger, seitens der Skoda-Werke durch die Direktoren Skoda und Simonek und seitens der ungarischen Re­gierung durch Finanzminister Teleszky unterzeichnet worden.

Der statistische Ausschuß der Versammlung des internationalen Institutes für Landwirtschaft

in Rom prüfte den von dem deutschen Delegierten Müller vorgelegten Bericht über bic landwirtschaftliche Statistik. Der Ausschuß forderte die Regierungen auf, alle nur möglichen An­strengungen zu machet:, dem Institut den statistischen Dienst zu erleichtern nttb sprach den Wunsch aus, daß jedem Land für jedes Produkt die wirtschaftlich anzuwendenden Verbesserungen mitgeteilt würdet: und ferner, daß das internationale vom In­stitut herausgegebene statistische Jahrbuch an Umfang reich und vollständig sich gestalten würde. Am Schlüsse der Sitzting zollte Der Ausschuß Herrn Müller lebhaften Beifall.

Vom Z a r e n h o f e.

DasBerliner Tageblatt" erfährt aus Petersburg: Ter Zar will bei seinem Berliner Besuch angeblich eine Art europäische Koalition aus Frankreich, Deutschland, Eng - land und Rußland gegen den in Bildung begriffenen o st asia­tischen Dreibund Ja patt, China und Siam au- regen. Der Thronfolger hat den Krankenstubl verlassen und geht selbständig duckch vie Palasträume in Zarskoje Sselo. Er trägt am linken Fuß einen von Tr. Derewenko erfunbenen Fcderapparat, der das Auffetzen des noch immer im Knie leicht kontrahierenden Beines erleichtert.

Der M ö rder des

Königs von Griechenland, Schinas, beging, wie aus Saloniki gemeldet wird, Selbstmord, indem er sich aus dem Fenster Ihir.vte. Schinas war von (Peirdarmett in das Bureau des Untersuchungsrichters gebracht worden, man ihm die Fesseln abnahm. Nachdem die Gendarmen und eine, der beiden Gerichtsdieuer, denen die Ueberwachung anvertraut war, das Zimmer verlassen hatten, benutzte er einen Augenblic! in dem der zweite Gerichtsdiener sich von ihm abwand: um sich aus dem Fenster zu stürzen. Ec war sofort tot

Die Uköer-Moüauer Senoffenschastzfrise.

bs. Darmstadt, 6. Mai.

In der heutigen Sitzung werden von der Verteidigung Jbrigs drei weitere Zeugen benannt. Ter Angeklagte Isaak behalt sich iveitere Ladungen bis nach dem 8. Mai vor. Tie beiden An­geklagten Beck und Adam verzichten auf weitere Zeugenladuugen. Ter Staatsanwall beantragt die Ladung von dreizehn weiteren Zeugen. Es wird bann eine ganze Reihe weiterer Mitglieder des Vereins vernommen, die zum Teil erst knrz vor dem Zusammen» bruch geworben wurden. Die weitere heutige Sitzung wird durch Die Verlesung der Bilanzen seit dem Jahre 1902 in Anspruch ge­nommen. Daraus sei nur erwähnt, daß der Umsatz des Jahres 1911 sich auf 11 Millionen Mark belief. Um 1 Uhr wird die Sitzung auf morgen vormittag 8J4 Uhr vertagt.

Aus Statt uuö Cattfc«

Gießen, 7. Mai 1913.

** Tageskalenber für Mittwoch, 7. Mai. Oberhess. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, abends 8% Uhr im Hörfaal des mineralogischen Instituts, Ludwigslr. 23. Vortrag des Privatdozenten Tr. V o g e l v o n F a l ck e n st c i n : Einige Faktoren der Bodenfruchtbarkeit mineralstoffarmer Waldböden «Buntsand- flein); 2. Professor K aiser: Vorlage von neuen Mineralsenbungen aus Deutsch-Südwestairika.

* Eintritt von Abiturienten als Fahnen­junker in das Heer. Nach Mitteilung des Preußischen Kriegsministeriums liegt es im Interesse des Heeres, daß die Abiturienten, die sich der Ofsizierslausbahn widmen wollen und als Fahnenjunker angenommen sind, unmittelbar nach der mündlichen Reifeprüfu n g entlassen werden, um sich den gewählten Trtippenteilen ungesäumt zur Ver­fügung stellen zu können. Da die Reifezeugnisse in der Regel erst einige Zeit später ausgefertigt werden können, hat Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, verfügt, daß solchen 9lbitnrienten von der Direktion ihrer Schule eine Bescheinigung auszuhändigen ist, wonach sie die Reifeprüfung bestanden haben und von der Anstalt entlassen werden. Selbstverständliche Voraussetzung ist dabei, daß die Abiturienten allen ihren Verpflichtungen gegen die Schule nachgekommen sind.

* * In den Ruhestand versetzt wurde am 3. Mai der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Ortenberg Johs. Meyer auf fein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste.

** Der Ortsgewerbeverein hielt am Dienstag abend im .Hotel Einhorn seine diesjährige Hauptver- s a m m l u n g ckb. Die Vorstandswahl 'ergab die Wiederwahl der ausscheidenden Mitglieder Biercru, Krogmann, E. H- Müller, Senling, Traber und Winn. Der Bericht des Vor­sitzenden über das verflossene Jahr wies auf die steigende Mitgliederzahl hin, erwähnte den schönen Verlauf der 75 jährigen Jubelfeier der Gewerbeschule, die erfreuliche Steigerung der Schülerzahl in der Gewerbeschule und der gewerblichen Fortbildungsschule, die zahlreichen Vorträge und interessanten Betriebsbesichtigungen, die Gewerbe- gerichtswahl und die Eröffnung des diesjährigen Meister­vorbereitungskursus. Vier größere Eingaben wurden im Interesse des Gewerbestandes an verschiedene Behörden gemacht. Im Sommer dieses Jahres soll wieder die Eder­talsperre, die am 1. Oktober L I. fertiggestcllt sein wird, besichtigt werden. Einen breiteren Raum in den Verhand­lungen nahm die Besprechung über die g e p l a n t e Ober- hessische Ge we r b e a n s st el l u n §'1914 in Gießen ein. Der Vorsitzende berichtete eingehend über die Arbeiten des vorbereitenden Ausschusses. Der Beschluß der Stadtverord­netenversammlung, für die Zwecke der Ausstellung die alte Klinik und das zugehörige Gelände unentgeltlich zur Ver­fügung zu stellen und außerdem sich an dem Garantiefonds mit Vr. des gezeichneten Betrages, jedoch höchstens mit 5000 Mk. zu beteiligen, wurde allerseits dankbar begrüßt und beschlossen, die Ausstellung vom Mai bis August 1914 abz-u halten. Die nächsten Arbeiten werden vorläufig vom Vorstand und den Mitgliedern des vorbereitenden Ausschusses erledigt.

* * Hundeschilder für die Katz. Der Verein Hundesport für Gießen und Umgegend schreibt uns:

Die Bürgermeisterei hat gegen Ende v. Js. auf den be­gangensten und beliebtesten Spazierwegen in der Nähe unserer Stabt Schilder aufstcllen lassen mit der Aufschrift:Auf Feld­wegen sind Hunde an der Leine zu führen. Ucbertretungcn wer- ben bestraft." Da diese Schilder das Publikum über an­geblich bestehende gesetzliche Bestimmungen irre führen und gar veranlassen konnte, seine Hunde anzuleinen, hat sich der unter­zeichnete Verein veranlaßt gesehen, in einer Eingabe am 5. Mai das Kreisamt zu bitten, für Entfernung dieser Schilder Sorge zu tragen. Das Kreisamt hat nun dem Herrn Oberbürgermeister die Weisung gegeben, die fraglichen Schilder bis zum 10. b. Mts. zu entfernen und die Flurschützen zu veranlassen, das Publikum nicht mehr zu belästigen. Für uns Hundefreunde ist nun ge­sorgt, iver gibt aber dem Stadtsackel die 300 Mark wieder, um die er einiger weniger Jagdpächter und einiger Hundefeinde wegen durch die Anfertigung und Aufstellung der Schilder er­leichtert worden ist?

Auf unsere Anfrage beim Kreisermt wurde uns der Sachverhalt b-estätigt. Mil der Beseitigung der Verbots­tafeln wird eine Polizeibestimmung aufgehoben, die nicht nur bei den Hundebesrtzern Mißfallen erregt hat. Die un­schönen, plumpen Warnungspfähle paßten zu den schönen Wiesengründen unserer Umgebung wie die Faust aufs Auge.

Landkreis Gießen.

= Wieseck, 6. Mai. Nicht 12000, sondern 1200 Brote wurden bei der Jubiläumsfeier der Spar- und Dar-- lehnslasse verzehrt.

Kreis Wetzlar.

? Hof Altenberg, 6. Mai. Mit der Psingstwoche wird der Weidegang für Vogelsberger Rinder er» öffnet. Bis jetzt sind 40 Jungtiere auS dem Kreise an­gemeldet. Das tägliche Weidegcld beträgt für die Viehbesitzer des Kreises 25 Pfg. und der gleiche Betrag wird von der Kreisverwaltung gegeben.

n. Naunheim, 6. Mai. Unsere Dorfjugend trieb beuer den Maikäferfang mit großem Eifer, wurden doch von der Gemeindekasse 10 Pfg. für das Liter Maikäfer bezahlt.

n. Groß -Felda, 6. Mai. Heute wurde unser neu gewählter Bürgermeister Otto Völzing in Gegenwart des Gemeinderats durch Kreisrat Dr. Heinrichs in sein Amt ein gewiesen. Er tritt an die Stelle seines Vaters Ferdinand Völzing, der unserer Gemeinde 29 Jahre lang vorstand und sein Amt stets gewissenhaft und uneigennützig verwaltete, bis ihn sein vorgerücktes Alter nötigte, es nieder- ^iilcgen.

Kreis Friedberg.

Bad Nauheim, 6. Mai. Zweites Sinfonickonzert am Donnerstag (Moderner Abend). Anton Bruckner

Max Schillings Richard Strauß, drei Namen von vornehmsten Klange sind es, die ba? Programm des zweiten Sin- foniekonzerts bestreiten. Von Bruckner kommt die schönste seiner neun Sinfonien, die vierte, auch die romantische genannt, nie Aufführung. Das geniale Werk bat den Weg durch fast samt' liche Konzertsäle der Welt gemacht und hat überall großen Ein­druck hinterlassen. Das Violinkonzert von Max Schillings, dem Stuttgarter Generalmusikdirektor, ist er ft verhältnismäßig wenig zur Ausführung gekommen, da es wenige Gxngcr gibt die sich der Mühe unterziehen, ein ganz neues, und so eminent schwieriges Werk einzuüben. _ Konzertmeister Tobias Wilhelms, der dem Minder stein-Orchestcr erst feit verflossenem Herbst an- gehört, ist bereits in verschiedenen Städten in Bonn, wo er früher tätig war, sogar unter persönlicher Leitung des Kom­ponisten! mit dem Stück her vor getreten und besitzt u. a einen Brief von Max Schillings, in der dieser ihm seine An­erkennung ausspricht. Ten Schluß des interessanten Programms macht Richard Strauß mit dem weitaus effektvollsten seiner Werke, dem ergreifendenTod und Verllärung", das hier noch nie­mals seine Wirkung verfehlt hat.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch. Ingelheim 6. Mai. Hier fand heute der Ver- tr ctertag des Rhein-Main-Ga st wirte Verbandes statt. Die Verhandlungen wurden von dem Verbandsvorsitzendeu Hau st-Darmstadt geleitet. Von einem Mainzer Vertreter wurde angeregt, dem Mimfterium, den Land- und Reichstagsabgeord­neten erneut eine «Eingabe tzu unterbreiten, in der das Ab h a'l t dn von Konzerte n an den 1. Feiertagen gefordert werde. Die dafür bestehende Polizeistrafordnung werde ständig durch- brochen. Da aber in Preußen an den 1. Feiertagen Konzerte abgchalten würden, so dürfte dies auch in Hessen der Fall sein. Ein Antrag des Gastwirtevereins Mainz geht dahin, beim Mi­nisterium und beim Landtag dahin zu wirken, daß in Zukunft an Vereine, Gesellschaften, Brauereien, überhaupt an juristische Personen Teilte Wirtschaftskonzessionen erteilt wer­den sollen.^ In Gießen sei fin Fall vorgekommen, daß ein Brauereibesitzer um eine Konzession für eine Wirtschaft eilige- kommen sei und diese auch erhalten habe. Nun dürfe der Besitzer jede beliebige Person als Wirt hiueinsetzen. Dieses bedeute sowohl eine nwralische als auch eine materielle Schädigung des Gasl- wirtsgewerbes. Zu denk Antrag des Gastwirtevereins Mainz, daß der Verbandsvorstand geeignete Schritte unternehmien möge, damit die K l aviersteuer a b g e s ch. a f f t werde, da das Klavier in den WirtsckMten manchmal 203Ornat im Ja l>re besteuert werde, wurde entsprechend einem Anträge Worms nach Längerer Ans sprach eine Entschließung angenommen, in der' der Verbandsvorstand beauftragt wurde, beim Landtage und der Regierung geeignete Schritte zu tun, damit die Ausnahmesteuern, die nur das Gast- wirtsgewerbe betreffen, abgeschafst würden. Ms solche Steuern wurden die Heber gang 5-, Umzugs-, Erweiterungs und Klaoier- steMpelsteuer genannt. Längere Verhandlungen wurden auch'über den Flaschenbier Han del geführt. Ein vom Mainzer Ver­ein eingadrachter Dringlichkeitsairtrag, die.Regierung darauf aus- merksam zu machen, daß der von der Regierung mit Vorträgen über den Mkoholmißbrauch in den Schulen, beauftragte Volks!' ul- lehr er Mitglied des Vereins vom Blauen Kreuz ist, und deshalb zu befürchten sei, daß der Lehrer statt gegen den Mißbrauch von Alkohol sich für gänzliche Enthaltsamkeit ausspreche, also das von der Regierung gesteckte Ziel übersckweite, wurde ange­nommen. Dem Verbände gehören 23 Vereine mit 1783 Mil- gliedern an. Der Kassenbericht ergab in Einnahmen und Aus­gaben 3426,79 Mk. Das Vermögen beziffert sich auf rund 9f)U0 Mark. Der nächste Verbandstag findet in Büdingen stall.

Kreis Wetzlar.

= Wißntar, 6. Mai. Der weithin unter dem Namen Tambour bekannte achtzigjährige hiesige Ein­wohner würde am Samstag abend im Hofe einer Wirt­schaft von einem angetrunkenen Arbeiter schwer miß­handelt. Man fand den alten Mann im Hof gerabbj vor der Treppe in einer Blutlache liegend fror' Der Sfrä beiter stand dabei, lief aber fort, als Leute aus der Wirt­schaft kamen. Den Zustand des alten Mannes nahm man anfangs nicht ernst, doch wurde am Sonntag der Arzt geholt. Am Montag abend ist der Mann gestorben. Der Täter wurde heute verhaftet. Morgen erfolgt die gerichtliche Untersuchung am Tatort.

Hessei^Nassau.

h. Hofheim i. T., 6. Mai. Der Limburger Mittags- güterzng entgleiste -auf dem hiesigen Bahnhof: hierbei stürzten ein mit Marmorplatten und ein mit Mineralwasser be­ladener Wagen um, wobei ein Pfeiler der neuen Essenbahnbrucke nmgerissen wurde. Die Marmorplatt, u und mhtlose Flasche» gingen in Trümmer. Die Ursache des Unfalls wird auf die sehr charfe Verbindungskurve chit dem Gütergleis zurückgestihrt. Kurve und Weiche, die den Unfall herbeiführten, waren erst wenige Tage in Benutzung.

h. Vilmar, 6. Mäi. Auf dem hiesigen Bahnhof ent­gleisten heute früh mehrere Güterz ngwagen und führ­ten dadurch eine Verkehrsstörung herbei, die erst nach iebenstündiger Arbeit behoben werden Tonnte.

(SericbtofaaL

Der Fall Rupp.

Frankfurt, 6. Mai. In der Stadtverordneten-Versamm­lung vom 26. November 1912 brachte der volksparteiche Stadt­verordnete Balzer denFall Rupp" als Zeichen eines sozial­demokratischen Terrors zur Sprache und ersuchte um Schutz des Koalitionsrechts. Seine Beschuldigungen gingen da hin, daß bei der Firma Flauaus u. Stössel im Osthafengebiet beschäftigte Zimmerer Rupp wegen Bekundung liberaler Gefin- nung auf Betreiben der freiorganifierten Zimmerleute l-abe ent­lassen werden müssen. Ein Bries der Finna bestätigte diese An­gaben. Der Zentralverband der Zimmerer veröffentlichte am 27. November einen Artikel in der ,,Volksstimme", der de» Sachverhalt anders darstellte und im Anschluß daran die Cha­raktereigenschaften Rupps beleuchtete. Hierauf erhob Rupp Pri­vatbeleidigungsklage gegen den Vorsitzenden des Zentralverbandes Albrecht Ege, der den Artikel unterzeichnet hatte.

Der Bellagte nahm für sich den Schutz des § 193 in Anspruch und bot den Wahrheitsbeweis für die Rupp kränkenden Behaup­tungen an. Der Vertreter Rupps führte demgegenüber aus, daß Hunderte von Arbeitern mit Rupp achr Tage ruhig zusammen­gearbeitet hätteit. Die Hetzereien seien erst von der Organisation ausgegangen. So werde Rupp wie ein Tier durch Deutschland gehetzt. Es kommt hierauf zum Verhör von etwa zwei Dutzend Zeugen. i

Das Urteil lautete gegen Ege wegen öffentlicher f^leidigung auf 150 Mark Geldstrafe unb Publikationsbefugnis.

In der Urteilsbegründung wurde irach der Franss. Ztg. aus- geführt: Das Gericht konnte dem Beklagten Ege den Stzutz des 8 193 für den beleidigenden Teil des Artikels nicht zubilligen. Durch die Beweisaufnahme ist der Wahrheitsbeweis in keiner Weise erbracht worden. Lediglich eine Ehe iming hat sich als richtig herausgestellt, nicht aber, daß deshalb seine Fmwlic in Not unb Elend gemeint wäre. Tie übrigen Vorwürfe liegen neun Jahre zurück. Es muß schon mit einer Sache recht schlecht stehen, wenn sie alte Geschichten, daß sich Rupp einmal nrit feinem Meister geprügelt haben soll usw., herocigezogen werben müssen, um den Kläger herabznsetzeen. Sämtliche Zimmerer hieben geialw daß sie mit den persönlichen Eigenschaften Rupps nicht bekannt waren. Sie forderten seine Ättlassmig, weil er gegen den Ver­band agitiert hat unb er von liberaler Gesinnung mar. Woh'c bic einzelnen Zeugen bas wissen, ist zienllich unverstönblick'. z}' haben einen Mann, dem von seinem Arbeitgeber ein gutes Zeugnis ausgestellt worden ist, ans her Arbeit gebracht, uno fatici: nicht nötig, ihn noch dazu in gehässiger Weise öffentlich an deu Pranget zu stellen.