Ausgabe 
5.11.1913 Drittes Blatt
 
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Nr. 260 Drittes Blatt

163. Jahrgang

Erscheint tlktzlich mit Ausnahme des Sonntags.

Die ..Hiehener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kteisblatt für -en Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejsen

Mittwoch, 5. November W3

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversilätS - Buch- und Steindntckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag- 51. Redaktion: e-BA 112. Tel.-?ldr.: AnzeigerGießen.

Der preisfaö des Getreides.

Nach der amtlichen Statistik [feilte sich der Weizen- Preis im Durchschnitt bes Jahres 1912: in Berlin auf 217 Mk, in Danzig auf 20.5 und in Mannheim auf 236,7 Mark für die Tonne. Gegenwärtig lauten die Notierungen etwa: 180 bzw 160 bzw. 192 Mk. Hieraus ergibt sich beim Weizeit ein P r e i s ru ck g a n g um etwa 40 Mk. Nogg e n kostete im Jahresdurchschnitt 1912: in Berlin 185,8 und in Tanzig 179,6 Mk. Zurzeit wird diese für Deutschlands Bevölkerung wichtigste Brotfrucht notiert mit dem Preise von 156 Mk. in Berlin und 149 Mk. in Danzig, woraus sich ein r ei «falt um 20 Mk. ergibt. In ähnlichem Verhältnis sind auch die Preise für Hafer und Gerste gewichen. Mminigfache Umstände haben zur Entwertung des deutsclien Getreides beigetragcn, in erster Linie natür­lich der Ausfall der deutschen Getreideernte, die alle Erwar­tungen übertrifft, sodann die reichliche Welternte an Ge­treide und nicht zuletzt auch die überaus ergiebige Kartoffelernte, die zweifellos den Brotverbrauch stark beeinträchtigen wird. Die Preise für Getreide und Hack­früchte haben zurzeit einen Tiefstand erreicht wie noch niemals seit dem Inkrafttreten des Zolltarifs von 1902 und der geltenden Handelsverträge. Etwaige Befürchtun­gen, daß die Preisstürze eine schnell vorübergehende Er­scheinung seien und baldigst einem Aufstieg Platz machen werden, sind um so weniger gerechtfertigt, als die Welt­ernte eine Rekordernte verheißt.

Unserer LandwirtsckMt bereitet der Preisfall des Ge­treides eitrige Enttäuschungen, immerhin kann sie eine ge­wisse (Genugtuung darüber empfinden, daß trotz der ver- hältnismäßig ziemlich hohen GetreidezöNe eine so starke Senkung eingetreten ist. Nachgerade müßten auch unsere Freihändler einsehen, daß es verkehrt ist, wenn man unfern Zolltarif noch immer als Brotwuchertarif schmäht. Die Preisgestaltung im lausenden Jahre liefert den maßgeben­den Faktoren im Reiche im Hinblick auf die Vorbereitung neuer Handelsverträge wertvolles Material.

Den Konsumenten sind bisher die Segnungen der reichen Inlandsernte lediglich in billigen Kart off el- un o Ge m ü s e p r e i s e n zugute gekommen: dagegen be­haupten die Brot- und Fleischpreise noch einen hohen Stand. Es dürfte schwerlich damit zu rechnen sein, daß die Vieh- und Fleischpreise in naher Zukunft dem vor­züglichen Ausfall der heimischen Futterernte angepaßt wer­den, denn zunächst sind, die Landwirte darauf angewiesen, ihren Biehstand zu verstärken, um die Futtervorräte zweck­mäßig verwenden zu können: sodann erfordert die Aufzucht von Vieh einen längeren Zeitraum. An sich läge es ja im Bereich der Möglichkeit, daß ein verstärkter Kartoffel- oder Brot-konsum die Nachfrage nach Fleisch abschwächen und den Preis dieses Nahrungsmittels verbilligen könnte: weiterhin, daß die von der Regierung bewirkten Erleichte­rungen der Fleischeinfuhr einen Einfluß auf die Preisbil­dung ausüben. Solche Erwartungen werden indessen durch die Organisation des Viehhandels in den großen Ver­brauchsbezirken, wie das vorige Jahr hinlänglich bewiesen hat, getäuscht. Die Viehkommissionsbanken an den Schlacht- Höfen sorgen dafür, daß die Gestaltung der Fleischpreise möglichst feinen Erschütterungen ausgesetzt wird, sobald das Angebot reichlicher zu werden verspricht: sie haben die Vieh- und Fleischmarktverhältnisse monopolisiert und §icl)eit daraus erklecklichen frittzen zum Schaden der Laud- Ivirtschaft und Volkswohlfahrt. Man muß erwarten, daß die,,F 1 e i s ch e n q n e t e - K o m m i s s i o n", die soeben ihre Vorarbeiten beendet hat, baldigst mit praktisch verwert­baren Vorschlägen hervortreten wird, um den Gesetzen der Preisbildung für Vieh und Fleisch zu ihrem Rechte zu verhelfen.

Die Beendigung der Regen!schast in Bayern.

München, 4. Nov. Von der Kammer der Abgeord­neten begeben sich heute nachmittag, wie dieMünchener Neueft. Nachr." schreiben, die beiden Referenten des Etats des Königlichen Hauses und «Hofes, die Mgeordneten Casselmann 'liberal) und 'G i e h r l (Zentrum) nach Schloß r st e n r i« d , nm sich nach eigenem Anschein von dem Befinden König Ottos zu überzeugen. Morgen Mittwoch fahren zum gleichen Zwecke die Präsi deuten der beiden Kammern, Graf Fugger von Glött und Dr. v. Orter er nach Fürstenried. Am Freitag vor­mittag wird die Kammer der Abgeordneten den Zustim­mungsalt zu vollziehen haben.

Zuvor ist in geheimer Sitzung darüber zu beraten und §u beschließen, ob die Gründe zur Beendigung der Regent- schaft und der Eröffnung der Thronfolge ausreichend sind. Der Zustimmungsalt der Ersten Kammer ist Freitag nach­mittag in Aussicht genommen. Zu den geheimen Sitzungen der beiden Kammern wird als Regierungskommissar eine psychiatrische Autorität entsandt? Außerdem wer­den den beiden Kammern die ärztlichen Gutachten über den Gesundheitszustand Königs Otto vorgelegt.

Die Kammer der Reichsräte hat heute dem Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung der Regentschaft in Bayern nach einem Vortrag des Reichsrats'v. Crails­heim ohne Aussprache mit allen abgegebe­nen Stimmen einstimmig angenommen.

Der neuetttupp-prozeß".

~ Berlin, 4. Nov.

Der heutige 10. Verhandlungstag in dem Prozeß gegen den Kruppschen Direktor Eecius und den früheren Angestellten der Firma Krupp, Maximilian Brandt, begann mit der Mit­teilung des Vorsitzenden, das; die Vernehmung des Generalleut­nants v. Bücking sowie des gleichfalls als Zeugen geladenen Dezernenten der Feldzeugmeisterei Maior Anders erst am Frei­tag erfolgen werde. Der Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Wetzel gab sodann eine längere Erklärung ab, in der in erster Linie die Mitteilung interessant ist, daß gegen zwei Beamte des Reichsmarineamts gegenwärtig noch Ermit­telungen schwebest, daß aber die Untersuchung bisher nicht abgeschlossen sei. Ein Verrat militärischer Geheimnisse ebenso wie die Frage der Bestechung dürfte ausgeschlossen erscheinen, so daß sich die Untersuchung nur auf disziplinarischem G eb ie t bewegen werde. Der Oberstaatsanwalt bemerkt hierzu, daß die Untersuchung zwar noch int Gange sei, daß sich aber bisher nichts ergeben habe, was zu der Einleitung eines Strafverfahrens Hätte Anlaß geben können.

'Da hieraus der Jnltalt weiterer Kornwalzer erörtert werden soll, wurde die O e f s e n t 1 i ch k e i t der Verhandlung neuerdings auf längere Zeit ausgeschlossen. Nachdem die Oessentlichkeit wieder hergestellt war, gab der Zeuge v. Metzen gleichfalls eine Erklärung ob, in welcher er dagegen Verwahrung einlegt, daß man ihn mit den dem Abg. Dr. Liebknecht in die Hand gespielten Kornwalzern in Verbindung bringe. Weiter be­kundet der Zeuge, daß der Angeklagte Brandt sich wiederholt in seinem Privatkontor, in welchem auch der Geheimschrank mit den Abschriften derKornwalzer" staird, ausgehalten habe, und ab zu sogar in Gesellschaft von Bekannten aus dem Militärstande, von denen er zweifellos Nachrichten bezog. Brandt soll sogar einmal vergessen haben, den Geheimschrank, der während der Ab­wesenheit des Zeugen von ihm offen gelassen worden war, nneder zuzusperren, was von einem bedenklichen Mangel an Vorsicht zeuge. Die Annahme, daß etwa aus dem vielleicht offen stehenden Schrank die Abschriften derKornwalzer" von einem Dieb ent­wendet worden seien, wird dadurch widerlegt, daß in dem Brief an den Abgeordneten Liebknecht ausdrücklich hervorgehoben wird, baß die Kornwalzer sich in einem Schrank im Zimmer des Herrn v. Dewitz befinden.

Der Zeuge v. Dewitz bemerkt hierzu, daß es sich nicht nm einen eigentlichen Geheimschrank, sondern um einen ganz gewöhnlichen Bureauschrank gehandelt habe und daß er selbst Herrn v. Metzen wahrscheinlich gesagt habe, daß dieKormvalzer" nsw. dort aufbewahrt würden. Diese letztere Aussage hält der Zeuge auch auf eine wiederholte Frage des Verteidigers R.-A. Dr. Löwenstein aufrecht, der seinerseits erklärte, für ihn scheine der

Verdacht bis zur äußersten Möglichkeit als gegeben, daß der Zeuge v. Metzen mit den dem ickbgeordneten Liebknecht übersandten Kornwalzern" in einer mehr oder weniger engen Verbindung stehe. Sehr auffällig müsse auch, das ersckwinen, daß in dem Dries an den ?lbgeordneten Liebknecht verschiedene Ausdrücke, die sich in Briefen Metzens an die Firma Krupp befinden, nrortipörffidv wiederkehren.

Der Vorsitzende stellt hierzu jedoch fest, daß von einer wörtlichen Uebereinstimmung nicht gut gesprochen werden könne. Der Zeuge v. Metzen verwahrt sich entschieden dagegen, in irgend welcher Verbindung mit dem Abgeordneten Liebknecht zu stehen oder gestanden zu haben, und meint, er müßte von einem ganz kopflosen Rachebedürfnis getrieben worden sein, ivenn er dem Abgeordneten Liebknecht ein Material übergeben hätte, an dessen Geheimhalttlng ihm um deswillen alles gelegen sein mußte, weil dasselbe wertlos wurde, sobald es der Oessentlichkeit bekannt nxrr.

Der Zeuge v. Metzen ttntrbc sodann auf Ersuchen mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand für beute entlassen und sodann die Oessentlichkeit neuerdings ausgeschlossen.

35. Iahrezsest des Oberhessischen Vereins für Innere Mission.

B. Gießen, 4. dLovember.

Das Jahresfest wurde heute morgen um m 1 Uhr mit enter geschlossenen Sitzung der Vertrauensmänner aus den vberhcssisckren Dekanaten eröffnet, bei der innere Vereinsangelegenheiten erör tert wurden. Der Vereinsgeistliche, Psr. M e m m c r t Darmstadt, sprach über die iwtwendigen Arbeiten der inneren Mission in den oberhessischen Gemeinden und gab reichliche Arrregrrngen dazu. Psr. Schor! em me r-Frischbor» berichtete über die der ober- hessischen Presse vomEvangelischen Nachrichtenverband für Hessen" geleistete Htlfsarbeft und machte Vorschläge für ihre weitere Ausgestaltung.

Am Nachmittag erstattete der Vorsitzende, Kirchenrat D. Schlosser - Gießen, den Jahresbericht über das abgelaufene Jahr. Danach geht der Besuch der Herberge zur Heimat infolge der schärferen polizeilichen Kontrolle der Wcurderer ständig zu­rück, wenn auch die Zahl der sogen. Selbstbezahler zugenommeir hat. Das Eleonvrenhospiz in Bad-Nau heim hot sich einer fortgesetzt guten Inanspruchnahme zu erfreuen. Auch das Kinder- spitalElisabethhaus", ebenfalls in Bad Nauheim, war stets gut besetzt. Die finanzielle Lage der W a r t b p r g b n cb h a u d 1 u n g (Buchhandlung der inneren Mission) hat sich gebessert, der Schwer punkt des Büchervertriebs soll mehr in die Gemeinden gelegt werden Gemeindekolpvrtage). Die unkirchliche Gemeffffchaftshewc gung machst sich hier und da auf dem Lairde breit. In A-rus bürg ist von Fran Gräfin Wilhelm ein Erholungsheim für weibliche Angestellte des Kanftnannsberufes eingericlKet worden, das gut besucht wird. Daraus wurde dem Rechner des Vereins siir seine Mühe Entlastung erteilt.

Daraus sprach Pfr. Kopf erm a n n - Caub überKnie rc weibliche Iug end auf dem L ande". Er führte aus: Die Pflege der ioeiblichen Jugend ist aus dem Lande ckbeuso notwendig wie in der Stadt, aber sie hat auf dem Lande ihre besonderen Schwierigkeiten. Schon der Mangel an geeigneten Räumen erroeift sich als Hindernis, ^ebodj Hot sie auch auf dem Lande ihre besondere Aufgaben, indem sie der Landflucht entgegenwirken, ländliche Art und Sitte pflegen und bewußtes Christentum wecken soll. Die Mittel sind ähnlich wie in der Stadt. Das Volkslied ist besonders zu pflegen, um den Schundliedern entgegenzuwirken: bei Vorträgen und Vorlesungen ist auf die Bildungsstufe der Zuhörerinnen zu achten und in der religiösen Beeinftnssung auf das religiöse Bekenntnis der Ge­meinde Rücksicht zu nehmen. Was von nichtkirchlicher Seite zür Pftege der weiblichen Jugend aus dem Lande geschieht, muß von der Kirche beachtet und gesördert werden. Der Glaube an die Jugend wird jedem Freund der Jugend trotz aller Ent­täuschungen immer wieder Kraft zur Arbeit geben.

An den eingehenden Vortrag, der ans gründlicher Erfahrung hervorgewachsen war, schloß sich eine ausgedehnte B es pr e chu n g an, die Pros. Sch i an-Gi e ße n einleitete. Er ermunterte dazu, die Arbeit, wo nur möglich, in Angriss zu nehmen. Pfr. Göbel-Büdingen machte aus die Schnnerigkeiten aufmerksam, welche der Einfluß des Wirtshauses herbeiiüOrt. Psr. V »g-e l - Reichelsheim betonte die Notwendigkeit dieser Arbeit. Pft. Schwab-Gießen sprack) für lose Vereinigungen der weiblichen Jugend, die nrit Hilfe der Frauenvereine zustande zu bringen seien.

ICunft, Wissenschaft und Leben.

Rc i n h a rd t i n F r a n k su r t. Max Reinhardt wird Ende des Jahres vier Ausführungen von Voilmöllers Mirakel in per Fest Halle zu Frankfurt a. M. veranstalten, von denen die erste am 25. Dezember stattsindet. Das Innere der Festhalle wird für dieses Gastspiel vollständig umgebaut. Auf Wunsch von Pro­fessor Mar Reinhardt wird der ganze Zufchauerraum als Amphi­theater eingerichtet. Durch diese Neugestaltung der Halle wird Ke Möglichkeit geboten, dasMirakel" in Deutschland zum ersten Male in äbnltd'cm Stil wie seiner Zeit in der Olympia in London )arzustellen.

D i e Ausgrabungen, die der Kais. Ministerresident Dr. Mar Freiherr von Oppenheim aus dem Teil Halaf int Grenzgebiet von Syrien und Mesopotamien aussührt, haben yem rührigen Forscher and) in. diesem Jahre die Zeit zu einer längeren Expedition in die Umgegend gelassen, die und) dem iin 'Nordwesten gelegenen Tekrekgebirge gerichtet war. Es erwies fiel) als eilt ausgedehntes Höhlenland, das in der hettittschen und spater itod) in der hellenistisdym (leit eine dichte Bevölkerung beherbergte, während es jetzt völlig mensckienleer ist und nur gelegelttltch von arabischen Stämmen aus ihren Raubzügen durch­zogen wird. Die alten Höhlen müssen lange ständige Bewohner qcboibt haben: ganze Ortschaften hatten sich in die Felsen ent Obdach gebaut. RachPeterm. Mitt." ist die Rückkehr der Oppen- lstim'schen Expedition pack) Deutsckstand nach Absckstnß der Aus­grabungen, die zu überraschenden Ergebnissen geführt haben, binnen kurzem zu erwarten. . _ ~

__ Ein Altcrtumsfnnd. Im Dorre Bot)cha,a ^na- menra bei Tiraspol im russischen Gouvernement Cherson mürbe m einer liefe von neun Faden ein überaus kostbares Grab auf­gedeckt handelt sich um die Gruft eines Skytbenfürsten. Der Gipssarg von wunderbar feiner Arbeit ist mit Silber und Gold­blechschildern von verschiedener Größe beschlagen, mehr als 400 2türf Er enthält ein Skelett, das um den Hals einen Goldreifen trägt' der mit schönster Emaille ausgelegt ist. Der Schädel ist mit einem Bronzel>elm vornehmster griechischer Arbeit bedeckt, an den Beinen sinden iid> Beinschienen, Kramiden aus Bronze. Zur Seite lügen zwei Schwerter mit goldenem Griff und goldener Scheide. g>ie Brust ist mit Panzer und Schild bedeckt. Die ganze Bewaff­nung ist griechischer Herkunft, von Istichster Schönheit der Aus- firhnutq und von unermeßlichem Werte, zumal kaum out Museum in (Europa ein so tostbares und vollkommenes Stück besitzt. Die Reichtümer des Grabes find damit noch keineswegs erschöpft. An der rechten Seite des Skeletts stehen neun ziemlich große silberne

Vasen, die mit halb erhabenen Figuren Darstellungen au£ dem Leb eit der Skythen zeigen. Ferner ist eine große goldene Schüssel in der Gruft gefunden mit Darstellungen von Vögeln und Fischen, enblid) and) ein goldener Kamm mit achtzehn Zähnen, geschmückt mit statuettenäbnlichen Figuren, die künstlerisch hervorragend ge­arbeitet sind. Die Darstellungen und Figuren sind auch in wissen- sckaftlicher Beziehung von außerordentlicktem Werte: sie illustrieren die Schilderungen Herodots vom Leben der Skythen in unüber- trcfflidjer Weise.

ff.Kältcbranb" in derFram"! Roald Amundsen, der gegenwärtig in seiner nordischen Heimat weilt, hat von dem derzeitigen Kominandanten derFram", Marineleutnant Thorvald Nilsen, die beunruhigende Mitteilung erhallen, daß fick) in der Fram"Kältebrand" gezeigt I>abe und daß infolge davon auch ein Teil der Schiffskonserven sauer geworden sei und preisgegeben werden mußte. DieFram" liegt zurzeit in Colon in der Nähe des Einganges zu dem neuen Panamakanal.Kältebrand" ist die technische Bezeichnung einer Holzkrankheit, die bei Holz- sck utcii ziemlich häufig au ft ritt imd HolzfänlniS zur Folge hat. Sie kann sich außerordentlick; schnell ausbreiten und so binnen kurzem ein Schiff vernichten. Roch in Buenos Aires ist die Fram" einer Grundreinigung unterworfen worden, ohne daß fick) irgend welche Spuren der Holzfäule bemerkbar machten: erst in Colon ist der Schaden zutage getreten. Wie groß er ist, läßt sich vorläuftg nod) nicht übersehen, und Amundsen selbst nimmt die Sache mit seiner gewohnten Ruhe DieFram" soll an der Eröffnung des Panamakanals einen hervorragenden Anteil nehmen und dann nach San Franzisko gehen. Dott sollen die erforder­lichen Ausbesserungen vorgenommen werden. Ob durch das Auf­treten deSKältebrandes" in dem berühmten Schiffe der Termin der von Amundsen geplanten 9cordpolarexpeditton Verzögerung erleiden wird, steht noch dahin: die bisherige Absicht AmundsenS ging dahin, im Mai ober Juni von San Franzisko aus die Fahrt ins Polarmeer anzutreten. Bemerkt mag schließlich) noch sein, daß bereits früher einmal Erscheinungen der gleichen Krankheit in derFram" aufgetreten sind: trotz alledem war sie noch im­stande, die Fahrten zur antarktischen Eisbarriere zu unternehmen und dann noch einmal rund um die Erde zu segeln. Man ivird also hoffen bürfen, daß das jetzt 21 Jahre alte Schiff noch immer rüstig genug fein wird, um die große Fahri zum Nordpolarmeere anzu treten.

, Neues Spielzeug für den Weihnachtsmarkt. Pcssimrsttsche Onkel und Tanten behaupten ja gern, daßheutzu­tage"- die Jugend nicht mehr jugendllch und die Khtber nicht mehr

kindisch genug wären, um an wirklichem Spielzeug noch echte Freude zu finden, allein die Spielzeugsabri/anten, die die Kindes­seele besser kennen müssen, wenn sie Geschäfte machen wollen, find anderer Ansicht und bringen Jahr um Jahr neues Spielwerk hervor. Der Mitarbeitei' eines Londoner Blattes hat den Besitzer eines der größten englischen Spielwarenhänser ausgesudst, um von ihm zu erfahren, welche Neuheiten der Weihnachtsmarkt 191.'! den Kleinen beschert, denn jedes Jahr hat seine Moden und seine bevorzugten Lieblingsspielzeuge. Für die, kleinen Jungen ykoXäy zeit man demAdam" einen großen Erfolg. Adam ist ein Ge­päckträger, der auf einem Schiebkarren oder Olepäckwägelchen Puppengepäck und kleine Kästen ein paar Meter wert über den Fußb :on rollt, wenn er richtig aufgezogen ist. Der Witz dabei daß Adam über kurz oder lang die Mehrzahl der Gepäckstücke Vvm Wagen fallen läßt. Sein Rivale ist ein Reiner Bi 11 ardspie - [er, dessen mechamsche Seele den Ehrgeiz hat, mi£ seinem Stocke vriiberro /llende kleine Billardkugeln zn treffen. Trifft er wirk lieb, so rollt die Kugel in ein Fangnetz am Ende des Miniatur­billardtisches. Auf dem Gebiete des bleiernen Militarismus lver- den die natürlid) auftauchenden kleinen Ba 1 k nso 1 daten in den Pfadfindern gefährlidie Nebenbuhler finden: Heine Pfad finbcrlagcr mit Zelten, Sanbsäckeu, Kockn-orrichtungen und berg(. erregen bei ber Jugend von heute große Freude. Daneben bringt in diesem Jahre die Spielwarenfabrikation für die Knaben eine ganze Reihe von neuen Automobil typen, reizenden Mei­sterstücken der Kleinmechanik mit regelrechten Gummireifen und schnurrendem Motor. Die kleinen Mädchen haben anscheinend ive Niger lleberraschungen zu erhoffen: immerhin läßt sich schon heut- Voraussagen: in diesem Jahre wird die Babh^uppe das Feld beherrschen, und zwar nicht etwa die Wachs- ober Porzellan pupp', sondern die dauerhaftere H o 1 z p u v p e. Diese Holzbabys sind so hübsch gearbeitet, daß sie wie Wachspuppen aussehen, sie können Deine und Arme bewegen, sitzen, knien und liegen und bähen von der Wad?spuppe die Perrücke aus weichen glänzenden blonden dunklen Haaren übernommen. Behauptet sich der Teddybär noch im Herzen der Korber? Ja, er bleibt einstweilen der Pol in ber Erscheinungen Flucht, seine Popularität übeint unverwüstlich. In diesem Jahre präsentteri er sich ui neuer Gestalt: auf Rädern, aber nicht etwa, wie schon früher, auf regelmäßigen Rädern, son­dern auf unregelmäßigen und ungleich großen, sodaß er regel­recht daher wackelt wie ein ridrtiger Wtieifter Petz und dabei auch nicht versäumt, im Einherirotteuselbsttätig" die schönsten Brumm und Knurr laute von sich zu geben.