Verabschiedung von dem Herzogsvaar von Eumvertaiw, Dem Prinzen Ernst August und den übrigen Fürstlichkeiten, die bei Besuch zum Bahnhof geleiteten, heute abens um 10'/, Uhr nach Berlin abgereist. Prinz Ernst August reist morgen nach München — Ter braunschweigische Landtag hat den Antrag des Finanzausschusses einstimmig angenommen, zur Vermählung de Prinzen Ernst August mit der Prinzessin Viktoria Luise 50 000 Ml für ein vom Lande darzubringendes Hochzeitsgcschenk zu bewilligen.
EinGesetzentwurfzurStärkungdesTeutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen ist dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen. Er bestimmt, daß das Ansieo- lungsgesetz in folgender Weise abgeändert werden soll: 1. im 81 Der der 2taalsregierung zur Verfügung gestellte Fonds wird um 175 Millionen Mark erhöht, von denen 100 Millionen Mark zur Festigung bäuerlicher Güter durch die Umwandlung in Ansiedlungsrentengüter und zur Förderung der Leßhastmachunq von Arbeitern 31. verwenden sind. 2 Ter im 8 7a der Staats regierung zur Verfügung gestellte Fonds wird um 30 Millionen erhöht. Ferner soll der im Artikel 2 des 8 1 des Gesetzes betr die Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Pofen vom 1. Juni 1902 der Staalsregierung zur Verfügung gestellte Fonds um 25 Millionen erhöht werden.
Aus der Begründung sei entnommen: Durch die Ansied lungsgesetze wurden der Staatsregierung insgesamt 725 Millionen zur Verfügung gestellt, und zwar für die Hauptaufgabe: Bauern Vermehrung 475 Millionen, für Domänen- und Forstankäufe 125, für die Festigung des bäuerlichen Besitzes und zur Förderung von Arbeltersieolunaen 75 und für d>e Festigung größerer Güter 50 Millionen. Tie für den Erwerb und bic Besiedlung von Grund stücken bereitgeßellten Geldmittel werden am 10. März erschöpft sein, die Geldmittel für die bäuerliche Besitzbefestigung und die für die Tomänen und Forstankäufe sind ausgegeben. Von den Geldmitteln für die Festigung größerer Guter wird Anfang April 1913 noch ein reichliches Drittel vorhanden sein.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 5. März 1913.
** Tageskalender für Mittwoch, k». März. Stadttheater: ,Mein Freund Teddy". Anfang 7 Uhr.
*• Berufung in di e Erste Kammer. Der Großherzog hat den ordentlichen Professor der juristischen Fakultät der Landesuniversität Geh. Justizrat Tr. Paul Gerhard Alexander Leist in Gießen für die übrige Tauer des XXXV. Landtags in die Erste Kämmer der Stände berufen. — Geh. Justizrat Lei st ist am 17. Oktober 1862 in Jena geboren. Er studierte Rechtswissenschaft von 1862—1885 in Leipzig, Berlin, Jena unb Tübingen, machte 1885 zu Tübingen seinen Dr. jur., wurde 1886 Referendar im Bezirk des Ober- landeSgerichtS Celle, wurde 1889 Privatdozent in Halle und 1891 in Marburg. Am 28. Oktober 1892 wurde Leist außerordentlicher Professor der Rechte in Göttingen, am 1. April 1893 zu Marburg. Am 10. Juli 1895 wurde er als ordentlicher Professor nach Gießen berufen.
Orden?a ngelegenheit. Der Groß Herzog hat dem KreiSrat Frei Herrn Schenck zu SchweinSbcrg zu Alzey die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihm von den, König von Preußen verliehenen Rote Kreuz- Medaille 3. Klasse erteilt.
** Medizinalwesen. Ter Großherzog hat den praktischen Arzt Tr. Ludw. Will mann zu Herbstein zum Kreis- assistenzarzte bei den Kreisgesundheitsanrtern Büdingen und Schotten mit dem Amtssitze in Bad Salzhausen ernannt.
** Landwirtschaftskammer. Die 11. Hauptversammlung der Landwirtschaftskammer tritt am Montag, 10. März, zu Tarmstadt zusammen. Auf derTagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Mitteilungen, 2. Wohl des 1. Vor sitzenden und Ergänzungswahlen, 3. Wahl eines Vertreters und Stellvertreters zum Bezirkseisenbahnrat, 4. Wahl eines Ver tretet? und Stellvertreters zum Deutschen Laiwwirtschaftsrat, 5. Ergänzung des Vorschlags für die Berufung eines Vertreters der Landwirtschaft in die tErfte Kammer der Stände, 6. Entscheidungen über Wahlen zur Landwirtschaftskammer, 7. Erlaß neuer Unfallverhütungsvorschriften der laich- und forstivittschast- Iid;cn BerussgenossensäM für Hessen, 8. Vorlage der Jahres- rechmmg für 1911 und Bericht über die Rechnungsprüfung und Entlastung des Rechners, 9. Nachträgliche Krcchitgenehmigung zur Rechnimg für 1911, 10. Beamtenanstellungen, 11. a) Voranschlag der Landwirtschastskammer für 1913, b) Voranschlag der landw. Haushaltungsschulen für Langen und Lindheini für 1913, c) Voranschlag der „Hessischen Landwirtschaftlichen Zeitschrift für 1913, 12. Entwurf der Satzung zur Versicherung der Weide-, Ausstellungs, Import und Faseltiere, 13. Abhaltung einer Landesausstellung in 1915, 14. Bau eines eigenen Geschäftshauses.
•• Stadttheater. Herr Goll, der nun bereits acht Jahre dem Verbände unserer Bühne onqehört, hat am Dienstag, 11. März, sein Regie-Benefiz, wozu er Karl Morres Volksstück „'S Nullerl* gewählt hat. Herr Goll vollzieht zurzeit seinen Uebergang ins ältere komische Fach, und die Proben köstlichen HnmorS und hervorragender Gestaltungsgabe, die er z. B. in „Mathias Gollinger", in „Goldfische*, im „Fidelen Bauer" und jüngst wieder in „Freund Teddy" geliefert hat, lassen noch ganz hervorragende Leistungen deS Künstlers in seinem neuen Fach erwarten. Sicher wird der Ehrenabend deS allgemein beliebten Benefizianten am nächsten Dienstag den Beweis erbringen, wie sehr sein Wieder- engagenient von den Theaterfreunden begrüßt wird.
** Der Sängerkranz hält am nächsten Sonntag ein Konzert in Steins Garten ab, in dem mehrere große Chorwerke aufgeführt werden.
Kreis Alsfeld.
w. Alsfeld, 4. März. (S tad t v or st aud s s itz-- nn gZ Amvesend Bürgermeister Dr. Völsing als Vorsitzender, Beigeordu. Weitz, sowie zehn Stad vorstnndsmitg'icder. Zu Begrün ber Sitzung teilt der Vorsitzende mit, daß der vom Siadtvorstand beschlossene Entwurf der Satzung über die Erhebung einer Filialsteuer in der Stadt Msfeld ohne Aeuderung von dein Ministerium genehmigt worden sei; daß ferner das Ministerium der vom Stadtvorstande beschlossenen Führung der Straße durch den Funkerngarten zugcylimmt habe und daß weiter der Erlö« von der II. Serie der Alsfelder Geldlotterie zugunsten der Wiederherstellung des Rathauses und der Walpurgis- lirche, deren Ziehung am ti. und 7. März l F« in Eisenach stattsindet, im Betrage von 20 000 Mk eingegangen sei — Einem Gesuch um Abtretung eines dem Hospitttsond« gehörigen Ge'.ändcstreifens in der Volkmarstraße für > Mk pro Quadratmeter wurde flattgroben, nauf- und Per. mcssmigs kosten hat der Gesuchsteller zu tragen. — Tie Polizeidiener Diehl und Rühl hatten darum nachgesucht die von ihnen für ihre neu angeschafsten Polizeihunde zu entrichtende Steuer von je 16 Mk. auf die Stadtkass. zu übernehmen, da sie die Hunde lediglich für ihren Dienst und somit im Interesse der Stadt angeschasft hätten. En: sprechend dem Vorschlag de.- Finanzau >schusses befet 0 de. Stadtvorstand, die Steuer für die de-den ter-, aut d.> Stadt zu übernehmen und zwar vom Jadr 1 ' - ab. (<> inernderat Jatvb stimmte gegen diesen Bescküus mit -i
Begründung, daß f. E. der Nachroeis nicht erbracht sei, daß sich die hiesige Polizei im Besitz gut ausgebildeter i'unbe befände, die man auch im Interesse der Llllgemeinheir verwenden könnte. — Den Feldgeschworenen wurden auf hre Eingabe hin, die Tagegelder von 3 Mk. auf 4 Mk rhöht — Zur Verstärkung des Sicherheitsdienstes sollen zwei Hilfspolizeidiener angestellt werden mit einem jährlichen <Yehalte von je 850 Mk. Einer der seitherigen Nachtwächter soll in seiner Stellung bleiben wegen Entlastung der .Hilfspolizeidiener bei Ausübung des Tienstes. Tie drei älteren Nachtwächter sollen mit einem jährlichen Ruhegehalt aus ihrem Dienste entlassen werden. Tie neue Einrichtung tritt mit dem 1. April 1913 in Kraft Für die Handhabung des gesamten Polizeidienstes soll eine Anweisung aus gearbeitet werden. — In der nichtöffentlichen Sitzung wurde dem Gehilfen der Stadtkasse Tippelt für den Monat März zu seinem Gehalt ein Zuschuß von 25 Mk. bewilligt. Vom 1. April soll er bis auf weiteres 85 Mk. Gehalt monatlich beziehen. Von der Ausschreibung der Gehilfenstelle bei der Stadtkasse soll abg sehen werden. — Tas Gesuch der Handarbeitslehrerin an der hiesigen Volksschule um Gewährung einer Teuerungszulage wurde mit Rücksicht auf deren Gehaltsverhältnis'e abgelehnt. 65c ineinderat Bastian stellt den Antrag, im Voranschlag 1913 den Betrag von 350 Mk. einzustellen für Anschaffung von Lehrgegenständen für den Handarbeitsunterricht, diese (Gegenstände im Submissionswege zur Lieferung zu vergeben und alsdann unentgeltlich an die Schul linder abzugeben. Der Antrag wurde dem Finanzausschuß überwiesen.
f. Kirtorf, 4. März Seit Freitag, 28. Februar, hat 'ich der hier beschäftigt gewesene 16 Jahre alte SchreibgehÜfe £>. Knauf au§ Ober-Gleen entfernt und ist an demselben Albend in Ober-Ofleiden, wo er Gelder einkassiert halte, gesehen worden. Darnach ist er spurlos verschwunden. Knaus ß't etwa 1,60 m groß und blond, bei seinem Weggange trug er grünlichen Anzug, grünliches EapeS und ebensolchen Hut.
Kreis Büdingen.
— Al t - Wi e d e rin u s, 4. März Die Gemarkung Ronneburg, die zurzeit zu dem Ortsgericht und dem Standesamt Diebach a. H. gehört, wird voin 1. März ab dem Ortsgericht und den» Standesamt Alt-Wiedermns zngeteilt.
Kreis Friedberg.
(L.) Friedberg, 4. März-. Gelegentlich der heute hier tagenden Evang. Konferenz für Hessen (sogenannte Friedberger Konferenz) fand eine A b s ch i e d s s c i e r für den Direktor des Prediger-Seminars Dr. Eger statt. Prof. L a m p a z-Friedberg sprach Worte des Scheidens und teilte Pros. Eger mit, daß ihn die Konferenz zum Ehrenmitgliedc ernannt habe. Im Namen der Lehrerschaft sprach Lehrer Koch von der Musterschule. Universitätsprofessor D. Gunke l übermittelte die Grüße der theologischen Fakultät. Gerührt dankte v. Eger für die Ehrungen. Hieran schloß sich ein Vortrag von Prof. Gunkel über die Religion der Propheten des alten Bundes.
(h) Friedberg, 4. März. In Sachen des Nieder Mockstadt-Zusammenbruchs wurden den Gläubigern jetzt 179 000 Mark als weitere Abzahlung vom Hilssverein ausgezahlt. Bis jetzt sind 578 Gläubiger mit einer Gefamtsorderung von 601 957 Mark gegen einen Nachlaß von 123 391 Mark befriedigt.
(h) G a m b a ch , 4. März. 2£uf dem Wege nach Bad- Nauheim wurde ein hiesiges Gespann von einem Ant 0 anae fahren. Daher wurde das Pferd so schwer verletzt, daß es getötet werden mußte.
(h) Klein-Karben, 4. März. Im Gcmcindc- wa l d entftanb durch die Fahrlässigkeit eines Waldarbeiters ein Brand, der in kurzer Zeit den gesamten Graswuchs vernichtete. Der Wald wurde durch das rasche Eingreifen der benachbarten Wehren gerettet.
Starkenburg und Rheinhessen.
* D a r m st a d t, 4. März. In der R u ss i s ch e n K a p e l l e auf der Mathildenhöhe findet auS Anlaß deS 300jährigen Jubiläums des regierenden HauseS Romanoff am Donnerstag, 6. März, Gottesdienst mit anschließendem feierlichem Te deum statt.
w. BenSheim, 4. März. Eine Anzahl Darmstädter Studenten demonstrierten gestern hier gegen die Anfführung der Werningschen „Vaterländischen Festspiele*. Dieser Protest richtete sich nicht gegen die Stadt nnd gegen die Veranstaltuna von vaterländischen Festspielen, sondern gegen Werning als Unternehmer von Festspielen. Die Demonstranten wollten dartun, daß fie in d« geschäftsmäßigen Veranstaltung von Festspielen zweiselhafken Werte? eine Verunglimpfung des vaterländischen Gedankens erblicken.
Schwurgericht.
th. Gießen, 5. März.
Gestern und heute verlwndelte das Schwurgericht wegen Meineid gegen den 54 Jahre allen Schmied und Landwirt Mart Schnierle und dessen 47 Jahre alte Ehefrau Catharine Sckuierle geb. Kraft, beide aus Selter« Die Anklage vertritt Staatsanwalt Trümpcrt. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Röm Held. In der Verteidigung waren etwa 25 Zeugen zu hören.
Der Tatbestand der Anklage, wie ibn bic Verhandl'nii ergeben bat, stellt sich wie folgt: Im September 1911 klagte der Viehhändler Josef Heß von Rmistadl beim Amtsgericht Ortenberg gegen den Angeklagten Sckaiierle auf Zahlung von 41 Mk f ür. ein am 25. Februar 1908 gekauftes Schaf. Schnierle bestritt den Kauf und benannte als Zeugen dafür, daß er nach 1901 überhaupt feine Schafe mehr gehalten habe, seinen Nachbar Julius König. Dieser Zeuge bekundete unter Eid, daß Schnierle vor vielleicht 15 Jahren von Heß 3 Schafe bezogen und banatf) keine Sckasc mehr gehalten bat. Durch bic Bekundungen anderer Zeuaen wurde Scknierle jedoch zur Zahlung verurteilt. Gegen .König ober nmrbc Anklage n»cgeu fahrlässigen Falsäieids erhoben. Die Strafkammer Gießen sprach ibn jedoch frei, da sie es nickt für objektiv fcstqeftellt hielt, bai; Scknierle auch wirklich im Jahr 1908 ein Sckaf von Heß gekaüft habe. Die Eheleute Scknierle batten auch in der Sacke König Kauf und Lieferung bes Schafes bestritten, nnb bi esc Aussaat trotz bringlickster Meincibsverwamung durch einen Nack cib erhärtet.
Dieser Eid soll falsch sein nnb besbalb haben die Eheleute ück vor bem Schwurgericht zu verantworten. Der Ibemann dleidk dabei, baß er bas Sctxtf nicht gekauft und auch nick: erhalten habe: er habe rwar mit Heß über ben Einkauf eine« Tiere« ge° ivroden. aber wegen des Preises seien sie nid)t Handelseins geworden
Tie Ehefrau Scknierle erklärt, sie habe als Zeugin be ckworen, daß sie iid> nidjt besinnen könne, baß sie 1908 an Sdxn hatten
x<r Lanbwirt Konrad RuvvI. von Selters erklärt als Zatge. er habe am l5 Februar 1908 von Heß 4 Schafe gekauft, die am nacksten Lage geliefert wurden Ter Sokm be« Heß, brr die Kar wbrackt hab" tzitt^ außer ben vier für ifm bestimmten Der'n nach an großes weißes Schaf ins Torf grtriebnt, welche« enge !>ck ■ur -ckni^lc b'snmmt war Rupv har tu nersetuebrnen I jonen im Dorf anrücktige Reden geführt, bic bic Vernwmng zu-'
lassen, als ob die Li gaben n<gen des fünften Tiere« unwahr find: darüber gefragt, verwickckr sick der Zeuge in Widersprüche, bleibt aber dabei, daß der iunge Heß am 9. Januar 5 Schafe gebrockt habe. Ttr Viehhändler Josef Heß von Ranstadt bc- kunbet, daß er am 8. Februar 1908 in Selters an Rupv I 1 Schaic und an den Angeklagten 1 Sckaf verkauf: habe, das am näcksten Tage durck seinen Solm Max abgelicierl worden fei. 55 wurde sogar ein Vertrag geschlossen, wonach der Mauün'ci« und Zinsen in Raten bezahlt werden sollten und das Eigentums recht bis »ur völligen Tilgung Vorbehalten wurde Ter Vertrag liegt bei den Akten Der Angellagtc erfemu die Unierfdmrt an. erflärt aber, daß er das Tier nickt erhalten habe. Au« seinen Bückem weist der Zeuge nad), daß das Sckaf verbucht ist. Der Landwirt und Metzger Konrad Rupp II weiß, daß kein Vater am 26. Febniar 1908 4 Schafe von Joses Heß bekommen hat. Seiner Mutter war es nicht reckt, daß der Vater zu ben 6 im Stalle stehenden Sdxn'en nod) 4 gekauft hatte, und äuficrtc, ic, wenn cd nock so Tiere wären wie dem Scknierle seins. Einige Tage später habe ihm Schnierle das große tveiße Schaf im Ltall gezeigt
Der Verteidiger, Rechtsanwalt R ö m h e l d , macht den Zeugen darauf aufmerksam, daß er erst bei seiner zweiten Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter behauptete, das Schaf im Schnierle fcken Stall gesehen zu haben, während er vorher kein Wort davon gesagt hat. Der Verteidiger fragt ferner, ob es richtig ist. baß nad, seiner ersten Vernehmung der Verdacht gegen ihn ausgelauckt sei. daß er bas für Schnierle bestimmte Sckai lurückbehaltcu und gefchlachtet habe. Der Zeuge erflärt in höchster Erregung, er habe nie ein Schaf in feiner Hosreitc geschlachtet: cs sei zwar sichtig, daß.man ihn verdächtigt habe, aber das habe auf seine spätere Aussage feinen Einfluß gehabt. Es sei ihm erst nnd) sein r ersten Vernehmung eingefallen, baß er im Schnicrlesckcn Stall das Tier gesehen hat. Die Rupp II. Ehefrau hat gesehen, mi• Mar Heß ihrem Schwiegervater vier Sckafe gebracht bat und aun nod) ein weiteres Sckaf für Scknierle bei fid) batte. Sie hat aber nicht gesehen, daß das Tier zu Schnierle getrieben wurde Einige Wochen spater habe ihr Schwiegervater geäußert, Scknierle habe das Sdwf schon wieder verfällst. Während der Prozeß Heß gegen Schnierle schon im Gange mar, sei ber 9ütqc6agte zu ihr gekommen unb habe sie gefragt, ob sic beschwören fönne, daß er das Schaf bekommen habe. Sie hat dies damals bejaht.
(Schluß folgt.)
(RcridiUfaaL
Darmstadt, 4. März. Das Schwurgericht brrfani- delte heute gegen den 31jährigen Ingenieur (Ätmld Bahr aus S 0 l d i n , der in der Nacht vom 13. Nov ben russischen Studenten Weiser aus der Straße erstochen hatte Mitangellagt sind der 23jährige Student Erick) Allstaedt aus Langensalza und der 25jährige russisck)e Student Erich Bauer, die sich an der SchUigerei und den Angriffen auf Weiser beteiligt habeir. Geladen find 25 Zeugen und drei Sachverständige. Nach Feststellung des"Datbestandes wurde mit der Vernehmung der Angellagten und der Zeuaen be gönnen. Der Hauptangck.agte VLthr erklärte, sich auf nichts mehr besiirnen zu können, da er unter deni Einfluß des Alkohols gestanden habe. Tie Verhandlungen werden heute nachmittag fortgefetzt.
Das Urteil.
Tas Urteil, das nm 10« 2 Uhr abends gefällt wurdc'. lautete gegen Bah r auf 1« \ Jahre, gegen A l l st ä d t auf drei Monate und gegen S au c r auf drei Wochen Gefängnis Bei Bahr wurden drei Monate und zwei Wochen der Untcr- suchungshaft auf die Strafe angerechnet.__________________
Tlunst unö WiffcnfdyafL
— Zu den ßärmf jenen in der Wiener H 0 s 0 vcr, über bic wir schon berid)tctcn, erhalten mir nod) folgende Mel düng Tic für die erkrankte Tarstcllcrin der Valcni.in- in brr Wiener Hofoper cütgcfvrungcne Frau Üemptcr- "samo nmrbc sofort in eine Nervenheilanstalt gevadst. Ihr Aufrcaungszustanb wieder holte sich auch nach ber Vorstellung, so daß der Din-ftion der Wiener Hofoper nichts andere« übrigblieb, al« die Tmne, die übrigens die Adresse ihres Hotels vergessen hatte, in eine Nervenheilanstalt zu bringen. Ihr Zu stand hat sid) etwas gc bessert, so daß die Aerztc glauben, sie in den nädtfien Tagen eütlassen zu können.
— Rücktritt Czernys von der Leitung des Heidelberger Krcbsinstituls. Wirllickxw Geheimer Rat Vincenz Czerny will im Oktober näd'itcn Jahres and) bic Leitung des von ihm gegründeten Institutes für erverimentelle Krebc forsckung niederlegen. Czerny, ber jetzt im 71. Lebensjahre steht, hatte 1906, als er fein llniversitätsordinariat ausgab. bic Tircf tion bes neuen Institutes gleichzeitig mit einer ordentlickum Hono- rarprosessur an der- Hodisckule übcrnonnnen.
vermischtes.
* D i e Berliner Automobilbanditen Die bisherigen Ermittelungen wegen des Automobilverbrechens bei Hen- ni )igsd 0 rf gaben noch keine Anhaltspunkte zur Verfolgung bestimmter Perionen. Die Stelle, an ber das Seil ausgespannt war, war mit großem Raffinement gewählt, da man das Automobil einige Minuten früher sehen konnte, als die Insassen des Fuhnverks bas Drahtseil erblicken konnten. Tie Beerdigung der beiden Leick)cn erfolgt ivahrsclieinlick am Donnerstag in Berlin Das Befinden ber älteren Tochter des Ehepaares Plun- hat sich im Laufe der Nacht gebessert.
* Straßenraub. Aus Köln, 4. März, wird gemeldet: Am Hellen Ta^e nmrbc gestern in einer belebten Straße einer Tome, bie bei einer Bank 20 000 Mark erhoben hatte nnb das Geld in ber Handtasche auibemahrte, die Tasche von einem Rav Tahrer. entrissen. Bei der Flucht öffnete sich die Tasche und das Geld flog über die Straße. Tie Menschenmenge beteiligte sich am OK'ldsammeln, so daß die Dame zum größten Teil das geraubte Geld zurückerhielt.
* Automobilunfall Aus Wannsee wird gemeldet: Hinter B c c l i tz h 0 f versagte in ber letzten Nacht auf der Straße nad) Potsdam die Steuerung eines Kraftwagen«. Das dlntomvbil schlug so heftig gegen einen Baum, daß die beiden Jnsafi'en. Redaktciir Bars unb ein Fräulein Wellendors, in weitem Bogen herausgefchleudert würben. Ter Mann erlitt Arm- infb Beinbrückc, die Tarne eine schwere Gehirnerschütterung.
Kleine (Eageschronif.
Kommerzienrat C 0 lsmann in Essen schenkte ber Stadl Can gen berg 3 00000 Mark für den Ban einer Stadthallc
Tas bekannte Berg Hotel „Bellevue" oberhalb von Ruhla ist n i e b e r g e b r a n n t.
Wetteraussickten in Hessen <ür Tonnerstac, den 6. März 1913: Wecklelnb deivölkt, nur noch leickte Niederschläge, kühler, windig.
(etzte nndiricbten.
Aus her Hessischen Zweiten Kammer.
bs. Darmstadt, 5. Mär«. Tie Beratung des Staats- Voranschlags wird fortgesetzt. Abg. Bähr (Bbd.) begründet einen Antrag auf Erhöhung des Staatsjuschusscs für bic Dc kämpfung der Reblausschäblingc von 2000 auf 4000 Mark. ?lbg Mol than (Ztr.) sprich« sich gegen ben Antrag aus, während sick Abg Korell <F. Bp.) dafür erklärt. Auch Ministerialrat H ö l z i n g e r und Landcsökonomicrat Müller sprechen gegen den Antrag. Abg. Wolf tBbd.> bespricht in breiter Ausführlich" tot Fragen aus ber landtvirNchaftlichen Praxis.
Untergang eines deutschen Torpedobootes.
Helgoland, 5. Marz. Heute nacht ift das Torpedoboot S I 78 2—3 Meilen südlich von Helgoland von dem englischen Dampfer ,s)ork" angerannt worden und sofort gesunken. $jn den 65 Mann der Besahnng konuten nur fünfzehn gerettet werde».


