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7.1.1913 Zweites Blatt
 
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Erscheint tSolich mit Ausnahm« des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberhesfen

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Fangen wir mit der obersten Stelle, den Ministern, Im Staatsmini st er in m soll die Stelle des

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ff. Au s den Gebet mn iss en französischer Mu­seen. Eine» kleinen Beitrag zu der an Ueberraschungen und Geheimnissen so reichen Chronik der Diebstähle in französischen Museen berichtet diezvunstchronik" aus bcm Städtchen Bergnes im fran.zösisrlx'n Flandern. Aus dem' dortigen Museum wurden vor vier Jahren einige Bilder gestohlen, oder vielmchr vor 4 Jahren

Man hat vor einigen Jahren auch damit begonnen, bei der Oberrechnungskammer zu organisieren, aber wie kläglich hat dieses Beginnen geendet! Die Schaf­fung selbständiger Rechnungshöfe bei den Städten und die Einführung der Reichsversicherungsordnung, die Aen- derungen im Gemeindekrankcntassenwcsen brachte, wird ja schließlich von selbst eine Verminderung des Personals zur Folge haben müssen. Ob aber diese Verminderung auch eine Beschränkung der Stellen im Kolleg veranlassen wird? Die Verminderung um die Hälfte dieser Beamten würde eine Veränderung in der Arbeitsleistung dieser Behörde nicht zur Folge haben. Als man im Jahre 1910 eine Verbesserung des Budgets versuchte, war es die Einfüh­rung einer Gebühr für die Revision nichtstaatlicher Rech­nungen, die damals die Oberrcchnungskammer am Leben erhalten sollte. Wie denlt mau jetzt über die in dieser Zeit der Not eiugeführte Gebühr doch so anders! Die Prüfung der Rechnungen der Kreise und Gemeinden, der Kirchen, Stiftungen usw. durch eine staatliche Behörde kann doch nur als Auswuchs des staatlichen Hoheitsrechts begründet werden. Dann muß aber diese Prüfung auch gebührenfrei erfolgen und die Erhebung einer Gebühr für die zwangsweise verlangte Prüfung ist ein Unding! Kommt die Gebühr in Wegfall, so ergibt sich schon von selbst die Aufhebung der einen Abteilung dieser Kammer und dadurch würde auch der Etat erheblich entlastet. Es ist auch in keinem anderen Lande eine staatliche Rechnungs- bchörde vorhanden, die sich mit der Prüfung nichtstaat­licher Rechnungen befaßt: aber schon bei dem bestehenden Zustand könnte an der Leitung und im Bureau erheblich gespart werden. Abgesehen von manchen recht schonungs­werten Herren im .üollcg sitzen auch zwei akademisch cp bildete Beamte in der Kanzlei, die in ähnlicher Weise überarbeitet" sind, wie deren vielseitige anderweite Be­schäftigung beweist.

Ministerialrats in die eines Vortragenden Rates umgewan­delt werden. Bietet nicht dieser regierungsseitige Vor­schlag an sich schon die Handhabe, konsequenter Weise wei­tere Vereinfachungen vorzunehmen? Der Staatsminister, der entweder, wie der jetzige Justizminister, oder wie der frühere, Minister des Innern ist, ist nur Ressortchef und kommt deshalb für das Staatsministerium selbst als Ar­beitskraft überhaupt nicht in Betracht. Wenn dies aber der Fall ist, dann ist es dock) eigentlich ein Unding, ein Ministerium" mit einem vortragenden Rar und einem Sekretär zu unterhalteu, eine Behörde, die natürlich mit dem ganzen Apparat der Kanzlei, Buchhaltung usw. aus­gestattet ist. Es ist deshalb die Angliederung deshessischen auswärtigen Amts", das ja wohl im übrigen nicht so stark mit Arbeit überlastet ist, an ein anderes Ministerium, etwa das Justizministerium, sehr wohl möglich, wie dies ja auch in anderen deutschen Bundesstaaten der Fall ist: hierdurch löunte noch ein akademischer und mehrere Kanz­lei- und Registraturbeamte gespart werden. Die beiden anderen Ministerien könnten gleichfalls einfacher organi­siert werden. Brauchen wir in den Ministerien des In­nern und der Finanzen akademisch gebildete Registratur­vorstände? Die Aktenordnung und die Aufsicht über das Personal könnte ebensogut, wenn nicht besser, durch einen mittleren Beamten erfolgen. Was brauchen wir weiter eine besondere Registratur und eine besondere Buchhaltung für die Landwirtschaftsabteilung des Ministeriums des Innern, da doch für die beiden Ministerien des Innern und der Justiz sonst eine gemeinsel)aftliche Buchhaltung genügt. Und warum streicht man nicht die doch längst als über­flüssig anerkannte Stelle des besonderen Rechners für die Landeskreditkasse?

Deutsches Neich.

D i e Verhandlungen über die Frage einer gsetzlichen Regel u n g des Verkehrs mit Luft­fahrzeugen,

die am gestrigen Montag im R.ichstagsgeb"ude unter dem Vorsitz des Direktors im Reichsamt des Innern, Tr._ Le- wald, stattfanden, erstreckten sich insbesondere auch auf die Erörterung, in welchem Umfange eine Prüfung der Luft­fahrzeuge und deren Führern geboten erscheine.

DieSirhener Famllienblätter" werden dem r2lnaei(icv" viermal wöchentlich beigelegt, das Xrdsblatt für bett Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. TuLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. föj.-peöition und Verlag:

Redaktion:112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen»

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Dienstag, 7. Januar W3

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universiläls Buch- und Sleindruckerei.

R. Lange, Gießen.

die in den letzten Wochen hervorgetretenen besond-eren Wünsche erfüllt werden sollten.

Der Vorschlag, eine Erhöhung der direkten Steuern eiutrcteir zu lassen, ist ein Weg zur Aufbringung der Mittel, den jeder finanzpolitische Anfänger betreten kann; man braucht sich dabei nur darauf zu beschränken, nachzuforschen, welche Erhöhung notwendig ist. Damit kann aber der Mlgemeinheit absolut nicht gedient werden, denn die A b - wandernng steuerkräftigerPersonen ausun- serem Lande gibt zu bedenken, daß eine abermalige steuerliche Anspannung noch weitere Fortzüge nach an­deren, günstigeren Teilen des Reiches zur Folge haben würde. Andererseits würde auch nach der erst vor zwei Jahren erfolgten, bedeutenden Steuererhöhung ein aber- nmliges Anziehen der Steuerschraube gewiß eineu nicht geringen Entrüstungssturm Hervorrufen. Der Weg wird gewiesen durch die auch bei uns begonnene, aber leider bis jetzt erst recht unbedeutend durchgeführte Verein­fachung der Staatsverwaltung. Es muß in der Oeffentlichkeit, wie in den beiden Kammern das dringende Verlangen gestellt werden, daß man sich nicht mit ein­zelnen kl einen und kleinlichen Maßnahmen begnügt, son­dern den ganzen staatlichen Benvaltungsapparai auf das äußerste beschränkt; uud dazu müßten die Beamten selber in ihrem eigensten Interesse mithelfen. Kein sorgsamer Hausvater wird das Aeußere seines Hauses mit allerlei Zierat versehen, so lange im Innern die Balken morsch sind und die notwendigen Wohnräume einer dringenden Reparatur bedürfen: auch der wohlhabendste Rentner wird sich nicht den sechsten Diener einstellen, wenn er zur Be­wältigung des Dienstes im Hause nur dreier bedarf. Des­halb: Beschränkung des staatlichen Beamteu- apparates und keine Beschäftigung von Beamten mit Dienstverrichtungen, die gerade so gut ein Beamter mit niederer Vorbildung versehen könnte. Und weiter: Besei­tigung jeder staatlichen Tätigkeit, die nicht ohne weiteres mit dem Staatszwecke vereinbar und für ihn notwendig ist. Ein Blick in das Budget für 1913 zeigt uns eine ganze Anzahl von Stellen, an denen Ersparnisse möglich sind.

Lin Besuch bei Alfred Ruffel Wallace

(zu seinem 90. Geburtstage, 8. Januar.)

Seit mehr als einem Vierteljal-rhundert rulft Darwin in der Löestminster-Abtei. Alfred 9iussel Wallace dagegen, der Mit- .entdecker des Entwicklungsgesetzes, weilt noch unter den Lebenden begeht in voller Rüstigkeit seinen 90. Geburtstag. Seit einigen Jahren wohnt der alte Wallace bei Poole Harbour in Dorsetshire in seinem Landhause Old Orchard, wo er aus einem 4 bis 5 Acres großen lehmigen Grundstücke ein kleines Paradies mit tnochsckwr'Pflanzenwelt geschaffen hat. Wallace hatte schon sein 80. Lebensjahr hinter sich, als er den Plan faßte, sich ein Heim zu schaffen, das genügend weit von der unruhigen Stadt entfernt ist, aber doch so liegt, daß er jederzeit die Hauptstadt leicht erreichen kann. Er hat das Haus selbst enttoorfen und «gebaut, und auch die Gartenanlage stammt von ihm. Sie ähnelt m keiner Weise einem englischen Garten, sondern es herrscht darin der Grundsatz dergeordneten Unordnung". Es gibt keine Wege, keine sauber geschorenen Rasenflächen, wohl aber wildes Gebüsch, winzig kleine Teiche usw.. Tritt man in das Haus, so umfängt einen sogleich die wissenschaftliche Atmosphäre, denn das erste was man sieht, ist eine recht große Karte der nächsten Umgebung, und wenn man die Treppe emporsteigt, hät man zur Seite eine ganze Anzahl von wissenschaftlichen Bil­dern, die alle Orchideen darftellen. , .

Wallace empfängt seine Besucher gewöhnlich in fein ent vit beitszimmer. Er geht einem mit fast jugendlicher Behendigkeit ent­gegen, und man sieht dann, daß ihm das Alter nichts bat anhaben können. Natürlich ist sein Haar schon schneeweiß, und der stattliche Monn geht nicht mehr ganz aufrecht, allem dtc .gebeugte Haltung seiner Schultern ist keine Erscheinung des Alters, sondern es ist, darwinistisch ausgedrückt, eine Anpafsungs- «rscheinung: Wallace pflegt seit Jahrzelmtcn täglich viele Stunden hindurch gebückt am Schreibtisch zu sitzen. Ein Rundblick im Zimmer zeigt, daß man heb in der Arbeitsstube eines Gelehrten befindet. Ringsum sind Bücher. Da stellen viele Werke der wissenschaftlichen Literatur, darwmtlttsche Werke, zoolo­gische, botanische, geologische, gleichförmige Reihen von Bett- schristenbändeti, aber auch eine ganze Menge twn UnterhaltnngS- büchern. Auf dem Schreibtische liegen gewöhnlich angesangene Arbeiten, denn Wallace ist noch immer regelmäßiger Mitarbeiter pwn Zeitschriften, er schreibt gelegentlich für Zeitungen, und cs .vergeht säst kein Tag, an dem er nicht von irgendeinem Verleger leine Aufforderung bekommt, über irgendeinen Gegenstand zu schreiben, den man seiner Vielseitigkeit zutraut. An den Wanden Uieht der Besucher ein paar Bilder, die wahrscheinlich aus den

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entdeckte man, daß gewisse Bilder, die früher in dem Museum wareir, sich nicht mehr darin befanden. Bei dieser Entdeckung blieb es, wenigstens für die weitere Oeffentlichkeit. Im Ge­heimen aber scheint man sich damit nicht begnügt zu haben, denn jetzt erfährt man, daß eines der versckMundenen Gemälde wieder in dem Museum zu sehen ist, und daß die Rückkehr anderer mit Bestimmtbeit erwartet werden darf. Die näheren Umstände aber werden sorgfältig verschwiegen, und die Leitung des. Museums von Bergnes sagt nur sehr mysteriös:Tie Bedingungen der Rückgabe erlauben uns nicht, mit den Vorfall naher einzugehen." Wenn man hoffen könnte, die Manna Lisa unter solchen Be­dingungen auch wiederzusehen, könnte man sich wohl zufrieden erklären, aber damit hat es gute Wege. Uebrigens wurde das rätselhafte Verschwinden der Monna Lisa neulich in der Depu­tiertenkammer crnxif/nt, wo ein Deputierter mit der Miene des um ein tiefes Geheimnis Wissender behauptete, die Monna Lisa habe den Louvre überhaupt niemals ver­lassen. Weiter sagte .der Mann nichts, aber vermutlich ist das nur eine Bestätigung der schon lange ausgesprock)enen An sicht, daß das Bild nicht gestohlen, sondern von den Beamten des Louvres verdorben und total zugrunde gerickstet worden ist eine Version, die schließlich noch schlimmer ist, als der Diebstahl, der uns doch wenigstens die leise Hoffnung ließ, das Bild könne eines Tages wieder auftauchen und der Oeffentlichkeit zugute kommen, einerlei, ob in Frankreich, oder anderswo.

kf. Neue siamesische Zwillinge. Ein Einwohner von Holvoke in Massachusetts, namens John R. Gibbs, ist kürz­lich der- Vater eines Zwillingspaares geworden, das den berühmten siamesischen Zwillingen verblüffend ähnlich ist. Die Zwillinge sind an den Hüften verwachsen, sonst aber in jeder Beziehung durckwus normal und gutentwickelt. Wo sie zusanunengewachsen sind, scheint eine große Menge von Sehnen von bem^einen Körper in den anderen himiberzuführen. Tie Aerzte haben beschossen, die lieiden Zwillinge nicht zu trennen, da sie befürchten, daß Komplikationen" ein treten könnten. Die meisten der medizinischen Sachverständigen, welche das Zivillingspaar besichtigt haben, er klären, daß eine Trennung überhaupt erst vom sechsten Lelwns- jahre an möglich, aber auch dann noch immer von äußerst zweifelhaftem Erfolge sein würde. Ihren Eltern aber machen die beiden viel zu sckiasfen, denn sie sind gar verschieden geartet. Wenn der ehte zu schlafen wünscht, liegt der andere mit offenen Augen da und ist spiellustiger deini je. ?luch pflegen sie ityre Mahlzeiten zu verschiedenen Sttniden abzuhalten. Fast immer schreit der eine Zwilling nach der Flasche, während der andere sie ^voll Abscljen zunückweist".

siebziger Jahren stammen, also aus der Zeit, wo Wallace ziemlich eifrig für den Spiritismus eintrat. Es sind Photographien von Zeichnungen, mit denen es eine ganz besondere Bewandnis hat. Die eine davon ist, wie Wallace erklärend sagt, derRaphael- Karton". Er stammt, ebenso wie zwei andere der Bilder, von einem jungen französischen Eisenarbeiter, der durch einen Bild- l-auer auf den Spiritismus hingelenkt wurde und sich als ganz merkwürdiges Medium erwies. Der Arbeiter, der sich nie künst­lerisch betätigt hatte, zeichnete im Trance ganz genaue Kopien von zwei Bildern aus dem Louvre und ein Bild, das man ohne weiteres für eine Zeichnung nach Raphael zu halten ge­neigt ist. Diese merkwürdige-^Zeichnung hat derGeist Raphaels ° durch die Hand des Mediums zeichnen lassen. Wallace hat übrigens den Spiritismus nicht vollkommen fallen gelassen, wie er denn überhaupt ein paar Eigentümlichkeiten hat, die man bei einem so hervorragenden Gelehrten kaum vermutet. Freilich, wenn man dann hört, wie er sich darüber äußert, kann man ihm wohl beipflichten. So hat Wallace jüngst einem Landsmanne, der ihn besuchte, erklärt, er fei überzeugter Vegetarianer, jedoch würde er gewölinlich gründlich mißverstanden. Wallace, der Vege­tarier, verlangt durchaus nicht, daß sich alle Welt plötzlich dem Vegetarismus zuwende, sondern meint, es müsse ein durch Gene­rationen hindurchgehender llebergangszustand geschaffen werden, damit die Menschen allmählich lernen, daß es auch andere Nähr­stoffe gäbe, als Fleisch.

Am lebhaftesten beschäftigt sich Wallace mit ökonomischen und sozialen Fragen und auf diesen und verwandten Gebieten ist er schriftstellerisch noch am meisten tätig. Bei gutem Wetter ist der alte Wallace sehr viel im Freien. Sein großer Garten und seine Treibhäuser nehmen viel Zeit in Anspruch. Wer das Glück bat, von ihm in dem sonst unübersichtlichen Garten hcrum- gesührt zu werden, sieht mit Verwunderung, daß Wallace über 200 subtropische Pflanzen erfolgreich angebaut hat, von denen die meisten aus ?lustralien und Neuseeland stammen. Andere freilich haben sich nicht affiimatifiert und seine Orchideen und seine Gebirgspflanzen von Ceylon irnd aus dein Himalaya, sowie Pflanzen ans dem regenarmen südafrikanischen Veldt hält er sorglich unter Glas.

Zweites Blatt 163. Jahrgang

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Wieder ein eSchiffskata st rop Hein Frankreich.

Ans Paris wird berichtet: Der PanzerMas­sen a" hatte mit zwei Kreuzern des dritten Geschwaders sich zur Fahrt nach Biserta gerüstet. Kaurn chatte er den Hafen Toulon verlassen, als das D a m p f r e s e r v o i r d e r Hauptmaschine explodierte. Die Feuerwache wurde durch den Dampf furchtbar verbrüht. Acht Tote, darunter ein Quartiermeister, drei Ingenieure und vier Heizer, lagen auf dem Boden des Maschinenraums. Der Kommandant des Schiffes befahl, sofort zurückzukehren und ließ vor dem Hospital Saint Mandrier Anker werfen, um die Opfer des Unglücks auszuschiffen. Er bat durch Funkenspruch vom Hafen Toulon um Hilfe, von wo aus mehrere Schlepper entsendet wurden.

Die P a n a in a st r e i t f r a g e.

In seiner Rede auf dem Diner des internationalen Friedensforums in New Port führte Präsident Taft aus: Es bestehe kein Zweifel, daß er im gegebenen Zeitpunkt die Panamakanalfrage vor ein unparteiisches Schieds­gericht bringen werde. Er sei gewillt, die Llngelegen- heit mit Großbritannien schiedsgerichtlich auszutragen, so­bald man zu dem springenden Punkt gekommen sei. Gerade jetzt sei er für schiedsgerichtliche Erledigung. Der Augen­

Befoliningsreform und Steuerzahler.

Man schreibt uns:

Das verflossene Jahr hat uns in Hessen zwei Vorlagen gebracht, durch welche nach langjährigen Kämpfen und Erwägungen nun die Besoldung der Beamten und der Lehrerschaft endgültig geregelt werden soll. Die erste Vor- lage vom März v. I. war aufgebaut auf der alten Be- svldungsordnung-vom Jahre 1898 unter Gewährung von prozentualen Zuschlägen auf die derzeitigen Gehalte, wäh- reno die zweite vom Dezember v. I. als organisch ver­änderte und in sich abgeschlossene Vorlage erscheint unter Berücksichtigung der seit Jahren hervorgetretenen Härten und Unstimmigkeiten bei einzelnen Beanttengruppen. Schon bevor die erste Vorlage aus dem geheimnisvollen Dunkel des Regieruugsschoßes herausgekommeu war. haben sich verschiedene Beamtenorganisaffonen an Regierung und Ständekammern gewandt, um die günstigere Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse den maßgebenden Stellen zur beson­deren Berücksichtigung zu empfehlen. Die erste Bo.läge war sedoch nicht geeignet, die Beamt.'ngruppen zu einem solchen Vorgehen zu ermuntern, da sich ja die prozentualen Zulagen nach dem Endgehalt richteten und deshalb die Beamten, die nach ihrer' Ansicht im Eirdgehalt zu schlecht standen, chöhere Aufbesserungen erhalten hätten, als sie erhalten würden, wenn sie in ihrem Höchstbezng verbessert würden. .Anders bei der jetzt vorgelegten Besoldungsordnung, bei «der es angesichts des umfangreichen statistischen und Ver- Dleichsmat'erials jeder Beamtengruppe ohne weiteres frei» Lteht, Vergleiche mit den Kategorien anzustellen und dem entsprechend ihre Wünsche geltend zu machen. Es ist des­halb begreiflich, daß die in Betracht kommenden Kreise jetzt in besonderer Weise tätig werden; fast täglich bringt die Presse Auslassungen von Beamtenvereinigungen, die sich über angeblich ungerechte Einrangierungen beschweren. Daß die Beurteilung der neuen Vorlage ja uach dem Stand­punkt der einzelnen Jnteressentengruppen sehr verschied n- artig ist, liegt auf der 5>and, und es kommt daher nicht jetten vor, daß von dem speziellen Standpunkt aus die ganze Vorlage als unannehmbar erklärt oder gar das Angebot" der Regierung als ungeheuerlich verworfen wird.

Es wird dabei aber gar häufig ein Hauptpunkt ganz außer Acht gelassen, nämlich die Frage, ob und in wie weit idenn der Staat, oder richtiger der Steuerzahler, über­haupt in der Lage ist, die bisweilen recht großzügigen I-Mehranforderungen hinsichtlich der Gehaltsverbesserungen auch ohne neue schwere Belastungen zu bewältigen. In dem ganzen langen Streit der Meinungen und öffentlichen »Erörterungen sind bisher die Nichtbeamten, also das Gros !der Steuerzahler, so gut wie gar nicht zum Worte ge- jkommen, dar doch aber infolge der bedeutenden Mehr- -batastung des Staatshaushalts auch ein recht erhebliches .Interesse an der endgültigen Regelung der Beamten- und Lehrerbesoldung haben muß. Bei einer Einwohnerzahl von Hl 200 000 Personen kommen bei dieser Neuordnung der Dinge im ganzen etwa 3650 Beamte und 2035 Lehrer in ^Betracht. Und wenn man hierzu noch die Staatsdienst­anwärter, die Schulverwalter und zum ileineren Teil auch die Altpensionäre und die Beamtenwitwen die durch das in der neuen Vorlage beliebte Verfahren des Almosen- gedens doch zum größten Teil gar keine Verbesserungen erhalten rechnet, so nehmen unter Einrechnung der Fa­milien etwa 3% der 'Gefamtbevöll'erung unseresGi o ßherzog- tums an dieser Aufbesserung Teil. Sollten die übrigen Ä7-Proz. der Einwohner nicht auch ein Recht haben, ge­hört zu werden? Sowohl das weitgehende Interesse des Steuerzahlers, wie das allgemeine Staatsinteresse, ver­langt gebieterisch, daß man bei der Lösung dieser schwierigen Staatsaufgabe zunächst auch einmal die Deckungsfrage eingehend erörtert und untersucht, in welcher Weise das große Reformwerk verwirklicht werden kann, ohne daß der hessische Steuerzahler eine neue, empfindliche Mehrbelastung erfährt. Und eine solche würde nicht erst im Jahre 1915, sondern zweifellos jetzt schon notwendig werden, wenn nur

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