Ausgabe 
6.10.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ycer un- Flotte.

Aeaderungen in der Marineorganifation Frankreichs-

Paris, 4. Btt. Der Mini st er rat ermächtigte den M a r.inr m'i n i ffer., .bie von der Admiralität Vvrgeschla- genen SLe n b e rum-g-en in der Z u s a.m rnensetz^ung!>er S e e st r e it k r L f t.e durchzusühren. Die Veränderungen er» folgen im wesentlichen nach zwei Gesichtspunkten:

Zustrnmrensttzllng von Geichwadern ans acht Linienschiffen und Grlwhung der beiden ersten Geschwader hinsichtlich ihrer Cadces und BeÄnngen ans Kriegsstärke. Das enste Geschwader besteht demnach ans den neuen haben Panzerschiffen /r3ean Bart" und (Sourbet" und sechs Schiffen der Dantonk.asse, während das zweite Geschwader fünf Panzerschiffe vom Typ Patrie und vorläufig eine Division aus drei Panzerschiffen von Typ St. Louis, die früher zum dritten Geschwader gehörte, umfaßt. Diese Division, bte für die Hebungen und Manöver dem Kommandeur des zweiten Geschwaders unterstellt ist, bildet im .Kriegsfälle eine Ergänzungs­division. Mitte 1914 wird diese Division höchstwahrscheinlich auf­gelöst, wenn die Kriegsflotte durch zwei neue Einhctten vom Typ Jean Bart und durch die PanzerschiffeFrance" undParis" vervollständigt sein wird. Alsdann wird die Zusammensetzung der Flotte noch einmal eine Aenderung erfaßen. Vizeadmiral Marin-Darbel wurde zum Kommandanten des zweiten Geschwaders der ersten Kriegsflotte und Kontreadmiral Tracou zum Kom­mandanten der zweiten Division des zweiten Geschwaders der ersten Kriegsflotte ernannt. Kontreadmiral Darrien erhielt das Kommando der Schulschiffdivision im Mittelmeer und .Kontre­admiral Le Eannelier das Kommando der Schulschiffdivfflon int Atlanttschen Ozean.

lürcbc uttö Schule.

Eine Romreise deutscher Bischöfe.

Aus München wird gemeldet: Der Erzbischof von München, die Bischöfe von Passau und Augsburg sowie Speyer begeben sich am 13. November nach Rom.

27. Hauptversammlung

de§ Allgemeinen deutschen Krauenvereinr.

bt. Gießen, 5. Oktober.

Mit Fug und Recht verdient die gute, alte Stadt Gießen bc& Lob, das mau ihr von jeher überall anstandslos w gebilligt das Lob, Gießen sei eine höfliche Stadt gegen das Geschlecht, von dem man sagt, es sei das bessere. Das .bewiesen in den letzten Tagen Gießens Bürger, indem .sie ihre .Häuser mit einem bunten, fröhlichen Fahnenschmuck versahen, den vielen Damen zum Gruße, die von nah und fern herbeieilten zur 27. Hauptversammlung des All­gemeinen Deutschen Frauenvereins; und das bewiesen noch .mehr die wenigen Auserkorenen, denen es vergönnt war, die Fremdlinge am Sonntag abend im Hause des Gesell- fchaftsvereins von ganzem Herzen willkommen zu .heißen.

Etwa zweihundert Damen aus ganz Deutschland hatten sich eingefunden und verstanden es gar schnell, sich über das Zeremoniell der ersten Bekanntmachung hinwegzusetzen und bald ungezwungen nach links und rechts zu plaudern, als -wären sie daheim im Kreise ihrer Lieben. Sie fühlten sich eben nach den eigenen Worten einer Teilnehmeringanz wie zu .Haufe" ein rühmliches Zeugnis von Gießens Gast­freundschaft.

Die erste Zusammenkunft der Tagung war selbstver­ständlich allein dem Willkommengruß und der Freude des Wiedersehens gewidmet. In diesem Sinne überbrachte Frau Oberstleutnant Minna Nun mann den Gruß der Ortsgruppe Gießen des Allg. Deutschen Frauenvereins als deren Vorsitzende. Sie verheimlichte nicht die Sorge mancher, die Damen auch recht aufzunahmen, damit es ihnen an nichts fehle, doch diese Angst sei nun, so meinte sie, von der Freude verscheucht, so viele liebe Gäste bei sich bewirten zu dürfen. In dieser Freude wolle man nun auch an die Arbeit gehen, wobei sie alle mit ganzer Kraft helfen woll­ten, damit die Ziele und Aufgaben der Frauenbewegung in absehbarer Zeit in Erfüllung gehen. Der heutige Abend solle jedoch der Freude allein gewidmet sein. Willkommen bei uns!

Doch nicht nur die hiesige Ortsgruppe, auch tue ganze Stadt nimmt regen Anteil an tan Beratungen des Kon­gresses. Tas bezeugte aus vollem .Herzen Oberbürger- meister Mecum, "der den Willkommengruß der Stadt und Bürgerschaft Gießen zum Ausdruck brachte. Er bat die fremden 'Damen, Nachsicht zu üben, wenn es ihnen viel- 'leicht hier an manchem fehle, was sie in der Großstadt ge­wohnt seien, Gießen stehe erst seit den letzten zwölf Jahren in dem Wettbewerb nm die Errungenschaften der Neuzeit. Noch fehle der Stadt viel, was sich durch die entstehenden Steuerlasten nicht so schnell beschaffen lasse. Doch der Man­gel werde ausgeglichen durch die Herzlichkeit des Empfanges und später hoffentlich durch freudige Erinnerung. Mit diesem Wunsche hieß der Redner den Frauenverein herz­lich willkommen.

Als dritte kam Fräulein Helene Lange, die greise Führerin der deutschen Frauenbewegung, wenn auch noch nicht persönlich, so doch durch Worte der Muse und der Dichtkunst zu Worte.18131913" heißt das herrliche Dichtwerk, das sie dem Deutschen Frauenverein eigens zu seiner 27. Tagung bescherte. Fein geschliffene Verse sind es, in denen die Dichterin das langsame Emporglimmen des Fün.kck>ensFranenfrage" mit packenden Worten schildert. Mit dem WunscheDer Zukunft, Zukunft sollt ihr bauen!" schließt das ^Kdicht, das von Fräulein Strack aus Gießen dank ihres vollen, modulationsfähigen Organs sehr wir-t kungsvoll zum Vortrag gebracht wurde.

Daran schlossen sich Schattenbilder, die das Le­ben des Mädchens und der Frau wundervoll dar stellen. Sie zeugten von dem Fleiße, den die Gießener Jugend-, gruppe des Frauenvereins dazu aufgewendet hat, um den Gästen etwas ganz besonderes zu bieten. Die Jugendgruppe ist bekanntlich im letzten Winter gegründet worden, damit das Bewußtsein für die Stellung der toertauben Frau schon in den Herzen der Mädchen und Jungfrauen geweckt werde. Reizende kleine Gedichtchen, die tarn Gedankengange der Bil­der entsprachen, aus dem Munde von Fräulein Strack, begleiteten die Schattenbilder.

Nach solchen vielerlei Gearüssen des Herzens, Geistes, Ohres und Auges war es eine rechte Erquickung, daß nun auch für des Leibes Wohl in reichem Maße gesorgt wurde. Zwischen die Reihe der Reden und Vorträge trat eine Pause, in; der die Stadt Gießen mit Geschick durch die /fCinttn Hände lieblicher Bürgerstöchter den aufmerksamen Wirt spielte. Ein kaltes Abendessen mit Wein, Bier und Kaffee mundete allen trefflich und die lustigen Weisen der Musiker des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 bildeten hie angenehme Tafelmusik. . .

Aber auch das hatte ein Enta, nicht ohne jedoch ferne L uelnde Wirkung zu verfehlen. Was nun folgte, war nicht mehr feierlich zu nennen, trug vielmehr den >l ausgeprägtesten Frohsinns. Noch einmal schlug Frl.

rt, die Vertreterin des Vereins der Gießener l ernstere Töne an, indem sie Fräulein Helene

gend.

Hessen-Nassau.

h Frankfurt a. M., 5. Okt. In voller geistiger Frische eierte heute Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Heinrich Quincke sein 50jährigeS Doktorjubiläum und zu. gleich sein 30jähriges Jubiläum als Mitglied der deutschen Akademie der Naturforscher in Halle.

SelterausM leim') beivoitt»

lrWinbe

Nach lai «ldrn ist unftr lieber Onkel

Ans Stadt und Land.

Gießen, 6. Oktober 1913.

* * Der neue Fahrplan für das Winterhalbjahr 1913/14 liegt der heutigen Postauflage unserer Zeitung bei.

* * Stadttheater. Auf die morgige erste Wieder­holung des neuen Lusffpiels von Stein und Heller,M a - j olika", kann ganz besonders hingewiesen werden, da die flotte Ausführung bei der Erstaufführung einen großen Hei­terkeitserfolg errungen hat.

* Obermusikmeister Wilhelm ßö6er beim In­fanterie-Regiment Nr. 116 in Gießen feiert am 6. Oktober d. I. sein 25jähriges Die n st j u b i l äu m. Geboren aml7.Jan. 1870, trat er beim Infanterie-Regiment Nr. 120 ein, ging am 1. Oktober 1892 zum Grenadier-Regiment 110, am 1. Oktober 1894 zum Jägerbataillon Nr. 11 und am 1. August 1901 zum Infanterie-Regiment Nr. 72 über und wurde am 7. Dezember 1902 zum Musikmeister und am 8. Dezember 1907 zum Obermusikmeister befördert.

* * Schieß üb ungen preußischer Gendarmen. Heute vormittag trafen 11 Gendarmen aus der preußischen Umgebung hier ein, um auf dem Schießplätze des Regi­ments Schießübungen abzuhalten.

* Der falsche Kriminalbeamte. In letzter Zeit wurden abends, besonders in den Anlagen, Personen von einem angeblichen Kriminalbeamten angehalten und belästigt. In verflossener Nacht gelang es Schutzleuten in Zivil, den Menschen bei seiner Tätigkeit in den Friedhofsanlagen abzufasscn und dingfest zu machen. Der mit Gummischläger bewaffnete angebliche Kriminalist entpuppte sich als ein hie­siger Fabrikarbeiter.

** In der Hauptversammlung ber hessischen Anwal tskammer, die am Samstag in Mainz stattfand, wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Justtzrat (Saufe» Mainz, Justizrat Dr. Schmidt-Mainz, Justtzrat Grüne­wald Gießen und Geh. Juftizrat Metz-Gießen einstimmig wie­dergewählt, während für Geh. Justizrat Gallus-Darmstadt, der zurückgetreten ist, Justtzrat Dr. Bender-Darmstadt neugewählt wurde. Rechtsanwalt Dr. Oppenheimer -Darmstadt erstattete einen Bericht über die Verhandlungen des deutschen Auwaltstags in Breslau.

Herr 3

'".Lebcv Die

Bezirksvereins in Gemeinschaft mit dem Kreisrinderzucht­verein, deren Vorsitzender der Scheidende war, voraus. Aach Erstattung des Rechenschaftsberichts des rerflossenen Screinsi öftrer durch den Rechner wurde der Voranschlag für das nächste Vercuis- jahr beraten und zur Erörterung gestellt. Hierbei sei erwähnt, daß Kulturtechniker Kunz bedauerte, daß die hiesige Jungviehmeide so wenig aus den umliegenden größeren Orten Jungvieh be­schickt werde. Er stellte den Anrrag, die in den Voranschlag ein­gestellten 600 Mark für Unterstützung von Gemeinden zur An­schaffung von Gemeindebullen der Jungviehweide zu überweisen, weil durch die gehobenen Viehpreise beim Verkauf untauglich gewordener Zuchtbullen den Gemeinden die Anschaffungskosten neuer Bullen größtenteils gedeckt würden. Bürgermeister Greb- Eichenrod bedauerte ebenfalls die schwache Beschickung der Jung­viehweide, ist jedoch gegen die Bewilligung der beantragten Unter­stützung an diese. Sie solle den Gemeinden zugute komme: , weil man beim Ankauf reinrassiger Zuchtbullen aus der Schweiz immer noch hohe Preise bezahlen müsse. Bürgermeister I o st - Bermuihs- hain erläutert mir Beispielen, daß die Beschickung ix-r Jung- Viehweiden bezüglich der Kosten (für ein Stück 40 Mark pro V2 Jahr) gegenüber den Futterkasten und Wartung zu Hause außerordentlich billig sei. Er ist ebenfalls für Bewilligung eines Bettags an die Jungviehweide. Es wurden hierauf 300 Mk. für diese eingestellt, während 300 Mark zur Unterstützung beim Ankauf von Gemeindebullen verwendet werden sollen. Dem hie- sigen Geflügelzuchtverein wurden aus Anlaß der hier stattfinbew den Pwvinzial-Geftügelausstellung 40 Mk. bewilligt. An Stelle des Kreisrats v. Bechtold wurde dessen Nachfolger, Großh. Kreis­rat v. W e r n e r zum Vorsitzenden, und Bürgermeister Robemer, Angersbach, als dessen Stellvertteter des landwirtschaftlichen Be­zirksvereins gewählt. Auf Vorschlag wurden diesem auch die Geschäfte des Vorsitzenden des Kreisrinderzuchtvereins übertragen. An dem darauf folgenden Ab sch i e ds e s se n beteiligten sich etwa 130 Personen. .Kreisamtmanu Dr. Heß rief namens der Beamten des Kreisamts dem Scheidenden anerremtenbe Watte nach und bedauerte dessen Weggang. Bürgermeister <otöpler- Lauterbach sprach im Namen der Bevölkerung. Bürgermeister Kresses erwähnte die Verdienste des Kreisrates während seiner 9jährigen Wirkung als Verwalttlngsbeamter. Forsttat Eulc- feld sprach namens der Freiherrlich Riedeselschcn Verwaltung seinen Dank für das gute Einvernehmen aus. Es sprachen ntxb als Vertreter der Kreisschulkommission Schulrat A n d r e 0: des Land­wirtschaftskammerausschusses Bürgermeister Jost-Bermuthshain: des Kriegervereins Rechnungsrat Frieß, des Dekanats Lauter­bach Dekan Müller: der Lehrer des Kreises, Haupilehrer Kinkel, hier; des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, Oekono rat Backhaus. Professor Förmes feierte die Gattin bv* Scheidenden als eifrige Mitwirkende auf musikalischem Gebiete, als Helferin der Säuglingsfütt'orge und Förderin des innige» gründeten Alicefrauenvereins. Mit bewegten Wotten dankte Kreis­rat v. Bechtold für die ihm entgegengebrachte Ehrung, aber des Lobes sei es zu viel gewesen, da er nur seine Pflicht als Verwalttlngsbeamter getan habe. Er wünschte, daß die guten Beziehungen auch auf seinen Nachfolger übertragen werden. Mit einem herzlichen Lebewohl und einem Hoch auf den Kreis Lauter­bach erklang seine Abschiedsrede.

Maar, 5. Oki. Der zum Gemeinderat gewähltr Heinrich Schwing IV. steht, wie er uns mitteilt, in keinerlei Beziehung zur sozialdemokratischen Partei, und verwahrt ftch entschieden dagegen, daß er als Sozialdemokrat bezeichnet werde.

Der 5

München, wfifrent Freiherr L 1i;lb aal' ferne ,.,'nzler fuhr n n-k" Abends ui räin in den i

(fine Erin

Herlin, destagc des duiSta halt Dem Ehreirmon Tine stattliche F vcrmer Mit.« Erziehung fcm! kramten der t Waisenhauses Weiblichkeit de

Sport.

Fußball. Am gestrigen Sonntag fand auf dem Sportplatz an der Hardt ein interessantes L i g a s v i e l zwischen den ersten Mannschaften des Kasseler F n ß b a l l v c r e i n SGin« tracht", e. V. und deS V. s. B. G i e ß e n statt, das die Gießener Bewegungsspielcr durch besseres Zusammenspiel und größeren Eifer nut 31 gewinnen konnten. Der Sieg i't nm so hoher zu werten, da Eintracht z. Zt. als die stärkste hessische Ligamannschaft angesehen werden darf. ___________________________________

<5crid>t»?aaL

Amberg (Oberpfalz», 5. Okt. DaS Schwurgericht verurteilte nach zweitägiger Verhandlung heute morgen nm 3 Uhr den ver­heirateten Tapezierer Joseph Karl aus Regensburg zu in Tode. Der Verurteilte Übersiel am 18. Juli 191 die ledige 35jährige Privatiere Helene Hinter in Regensburg in ihrer Wohnung und hatte sie mit einer Schere getötet und beraubt.

Zweibrücken, 5. Okt. Das Pfälzische Schwur­gericht verurteilte gestern den Tagner Karl Spohn aus Merzalben, der int Frühjahr dieses Jahres ein Mädchen in Rimschweiler ermordete, zum Tode. Ter Riärder fyrtte sein Opfer am frühen Morgen in der Scheune erwartet imb, als es seine wiederholten Lietaswerbungen abwies,

'^Unn7uiei1 Sa? failn

R|

qrttvati

2.11 * .1

tc ht der dne nia cl Alagader"

von $C1

Erfe.mo

Picid ntiUt ivorDCiL d Wirkend C1 M Geschwind

Lauge in poetischer Form feierte und durch einen prächtigen Blumenstrauß ehrte. Doch als dann Frl. Helene Lange lächelnd das Wort ergriff, um für alle die Ehrungen unib Willkommens grüße zu danken, zog heller Jubel ein in den festlich geschmückten Saal. Die alte, ewig junge Vorkämp­ferin und langjährige Vorsitzende des 2H(gemeinen Deutschen Frauenvereins ist eine Meisterin der Reta wie der Schrift, sie weiß mit wenigen schlichten Worten den Hörer in ihren Bann zu ziehen. Sie führte etwa folgendes aus:

Durch den mir soeben vom Lehrerimrenvereiu überreichten Sttauß mußte ich unwillkürlich an frühere Aufsatzthemata denken und an eines besonders, das ich nie vergesse:Tas Leben eine Reise". Damals erlebte man auf der üblichen, recht langsamen Fahrt in wenigen Tagen weit mehr als heute auf einer Reise um die Welt. Daher rührt noch jetzt meine Vorliebe für langsame Beförderung, wenn auch nicht in dem Maße, wie die meiner Freundin Luise Otto, die von Meißen nach Leipzig nur im Bummelzuge reiste. Reisen heißt erleben und ba5 Leben ist eine Reise. Noch eine Vorliebe habe ich, in klein eren Stationen, auf denen ich auf der Reise durch­komme, Halt zu machen, und freue mich stets, wenn wir einmal in einer Heineren Stadt unsere Tagung abhalten, wo uns rvahre Herzlichkeit empfängt. Auch hier in Gießen fand ich das warme Gefühl, das vor allen Dingen sich offenbart in den 9Ren)eben Wir sind keine Vereinsskelette, sondern freuen uns über Mensch­lichkeit und über einen herzlichen Empfang. Dank der Stadt, die uns so herzlich aufnahm! Und wenn es am Montag ans Schlagen geht, denn werden wir als freundliches Unter­pfand auf den unblutigen Feldzug dieses Gefühl behalten. Stimmen Sie mit mir ein in einen Toast lauf die Stadt Gießen Und auf unsere Ortsgruppe!

Stürmischen Beifall erweckten diese mit Humor vor- gebrächten Worte, der sich erst legte, als zwölf junge Mäd­chen, Mitglieder der Jugendgruppe, paarweise als hessische Bauernburschen und Bäuerinnen zum Bauerntanze an­traten. Besonders die prallen Burschen sahen ganz allerliebst aus. Der Tanz, der von Frau Goll vom Stadttheater mit Liebe einstudiert worden war, klappte vorzüglich und wurde so beifällig ausgenommen, daß er wiederholt werden mußte. Damit hatte die Begrüßungsfeier ihr Ende erreicht. Nach herzlichem Abschiede ging man auseinander mit dem Wun­sche:Auf Wiedersehen am ersten Tage ernster Arbeit für unsere Sache!"

Kreis Büdingen.

2. Geiß-Nidda, 4. Okt. Bei der heutigen Ge­meinderatswahl wurden neugewählt: Karl Meisinger mit 54, Gustav Lind mit 53, Rudolf Lehmer mit 48, August Lind mit 45 Stimmen. Sehr hohe Stimnwnzahlen erzielten außerdem: Otto Lind 38, Otto Wörner 37, Karl Walther 31, Wilhelm Printern: 30, Wilhelm Philippi 29 Stimmen. Es kamen im ganzen 12 ernsthafte Kandi­daturen in Betracht, während sich die Stimmen auf 30 Per­sonen verteilten. Bon 158 Wahlberechtigten stimmten 121 ab 80 Proz. Die Wahlbewegung war sehr rege und man war deshalb sehr gespannt auf das Resultat, da die Ausscheidenden aus dein Gemeindevorstand wegen- hohen Alters eine Wiederwahl meist ablehnten.

(r) S10 ck h e i m, 4. Okt. Die Vermutung, daß der seit einigen Tagen verschwundene Landwirt Frank Selbst­mord begangen habe, hat sich bestätigt. Am Donnerstag ist in F e ch c n h e i m am Main eine Leiche geländet worden, die später als die Leiche des Frank fcstgestellt wurde. Zer­rüttete Familienverhältnisse sollen den schon bejahrten Mann, der sich des besten Ansehens erfreute, in den Tod getrieben haben.

(r) Ortenberg, 4. Okt. Ein bedauerlicher Un­glücks fall ereignete sich in dem benachbarten Berg­heim. Der Landwirt Emrich wollte einen mit Kartoffeln beladenen Wagen nach Hause fahren. Als er auf einem etwas abfallcnldetl Wego hemmen wollte, fiel der Wagen plötzlich um und begrub unter sich den Fuhrmann. Außer einem Rippenbruch trug Emrich noch innere Ver­letzungen davon, doch ist Hoffnung vorhanden, daß er am Leben bleibt. Merkwürdigerweise blieb ein auf dem Wa­gen sitzendes Kind, das beim Umfallen des Wagens unten die Kartoffclsäcke zu liegen kam, ohne jegliche Verletzungen.

(r) Ortenberg, 4. Okt. Die Gemeindcrats- wahl für Ortcnberg ist auf den 11. Oktober anberaumt worden. Vier Gcmeinderatsmitglieder sind neu zu wählen.

Kreis Lauterbach.

~ Lauterbach, 4. Okt. Im Saalbau zum Johannesberg fand heute für den nach Alzey verfetzt-en Großh. Kreisrat v. Be ch- t 0 l d eine A b s ch i e d s f e i e r statt. Die große Zahl der Teil­nehm er bewies, daß sich der Sdteitanbe wahrend seiner neunjährigen Tätigkeit als Berwaltungsbcamter des Üreifes Lauterbach unter der Bevölkerung große Sympathie erworben hatte. Der Abschieds­feier ging die Hauptversammlung des landwirtschaftlichen

Kreis Friedberg.

v. Bad-Nauheim, 5. Okt. Staute vormittag trafen mit Sonderzug, von Frankfurt kommend, 110 Teilnehmer am Bundestag des Bundes Deutscher Architekten hier ein. Um 12 Uhr sand im großen Spersesaal des >ttrrhauscs ein von der Bade- und Kurverwaltung gegebenes Frühstück statt, nach dessen Beendigung Herr Regierungsbaumeffter Berk einen Vortrag über die Heilquellen, Neubauten und maschi­nellen Anlagen Bad-Nauheims hielt. Unter Führm^r der Herren Regierungsbaumeister Berk und Lorenz und Re gierungsassessor Dr. Winkelmann wurde dan^ ein Rund gang durch unser Bad abgetreten. Gegen 4 Uhr sand ein Ausflug nach Friedberg statt, wo Oberlehrer Dr. Dreher durch die Altertümer der Stadt führte. Den Schlus des Bad-Nauhrtmer Besuchs machte ein Festessen im Kur­haus. Um lOi/i Uhr fuhren die Gäste mit Sonderzug nach Frankfurt zurück. Unsere Kirchweihe war vom schönsiei' Wetter begünsttgt und führte einen Massenbesuch aus bei Umgebung herbei. Im Bericht über die letzte Skadtver« ordnetensitzung in Nr. 233 unserer Zeitung hat sich eit Druckfehler eingeschlichen. Es muß heißen Trennsystem Regen- und Schmutzwasserkanäle gesondert, nicht Tonnen system.

h. Vilbel, 5. Okt. Der im Juni zum Bürgermeister gewählte Stadtsekretär A. Berg hat noch keine Bestätigung gesunden. Er hätte sein Amt bereits am 1. September an» treten müssen. Infolgedessen versieht der bisherige Bürger­meister Mühlschwein die Amtsgeschäste noch weiter.

Starkenburg und Rheinhessen.

w. Diarmstadt, 4. Okt. Prinz Heinrich von P r e u ß e n ist gestern abend und Prinzessin Heinrich von Preußen heute vormittag zum Besuch des Groß­herzoglichen Hofes im Jagdschloß Wolfsgarten ein ge­troffen.

w. Mainz, 4. Okt. Im Stadtteil Mombach siel ein achtjähriges Mädchen vom zweiten Stockwerk aus dem Fenster auf das St r a ß en p s la st e r. Die bei dem Sturz erlittenen Verletzungen lvaren derart schwer, daß das Kind nach einer halben Stunde starb. Als die Mutter, in deren Abwesenheit sich das Unglück ereignet hatte, davon hörte verfiel sie in Herzkrämpfe. Ihr Zustand ist besorgniserrv'