Ausgabe 
6.10.1913 Erstes Blatt
 
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geschüttelt haben. Kamen doch die bremischen Parlamentarier die breite Treppe der Börse herab, nachdem sie den Beschluß gefaßt hatten: vom Jahre 1914 ab soll der altberühmte Bremer Freimarkt nicht mehr im Innern der Stadt abgehalten werden! Schon seit Jahren haben Neuerer versucht, dem Freimarkt, der auf ein Alter von fast 1000 Jahren zurückblicken kann, das Wasser abzugraben. Das waren die Verkchrsfanatiker, die Feinde der engen, malerischen Gassen, die Freunde des schnellen Verkehrs, die Bremens Wohl bedroht sahen durch die Zeltstadt im Innern der, alten Handels- metropolc. Aber die Neuerer drangen damit nicht so ohne weiteres durch. Denn noch hatten die Alteingesessenen in der bremischen Bürgerschaft die Mehrheit. Und zu diesenDagenbaren" so nennt man die in Bremen geborenen Bürger gehörte auch der Präsident einer der größten Verkehrsgesellschasten, Konsul Fri» Achelis, der Vorsitzende des Aufsichtsrates des Norddeutschen Lloyd. Konsul Achelis, trat jedesmal mit großer Wärme für die Bei­behaltung des Freimarktes in seiner alten Form ein. Und er drang damit auch regelmäßig durch. Bis auf die letzte Sitzung des bremischen Parlamentes, in der die Neuerer in der Mehrzahl luaren Nicht nur in Bremen selbst, sondern auch in der weiten Umgebung, befürchtet man, daß diese Maßnahme den langsamen Tod des Marktes bedeuten wird. Der Bremer Freimarkt hat nämlich genau so gut seine Traditionen, wie der Hamburger Dom, die Dresdener Vogelwiese, das Münchener Oktobersest, das .Hannoversche Schützen­fest und das Lübecker Volksfest. An den 10 Tagen des Freimarktes wirft der sonst so ehrsame Bremer Bürger und die noch sitt­samere Bremer Maid das Tugendkleid der übrigen 355 Tage ab und amiisiert sich! In tollem Wirbel folgt ein Tag dem anderen: sind aber die lustigen Markttage vorbei, dann schreitet jeder genau soetepetete" durch Bremens Straßen, wie er es vordem getan hat. Nun soll der Markt hinter den Hauptbahnhof dicht an den Bürgerpark gelegt werden. Für die liebebedürftigcn Mägdele^i mag die Nähe des Parkes ganz angenehm sein, und auch die Rowdies werden sich über das schützende Dunkel des Waldes freuen die Bremer aber werden die sonst so liebgewordenen Besuche des . Marktes einstellen. Und damit wird der schöne, historische Bremer Freimarkt seinem Ende entgegen gehen.

Kurze Nachrichten aus Kunst uno Wissen- schäft. Im König!. Schauspielhause zu Berlin erlebte das drei- aktige Komödienspiel von Alexander Zi nnDie drei Bru.0 or von Damaskus" seine erste Aufführung und errang entert starken unbestrittenen Erfolg. Der anwesende Dichter wuv« dem zweiten und dritten Akt lebhaft gerufen-

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

den Dardanellen abgegangen.

Belgrad, 5. Okt. Ministerpräsident P a s ch i t s ch ist

Die Nachrichten aus P r i s r e n und den benachbarten Stellungen bestätigen, daß die A l b a n c r z u r ü ck g c s ch l a - g e n worden sind. Die Verfolgung ist ausgenommen worden.

Ueber das Denkmal dreier hervorragen­der Deutsch-Amerikaner. Karl Schurz, Preetorius und Taenzer. das in St Louis errich.et werden soll und dem deut­schen Bildhauer Wilhelm W a n d s ch n e i d e r zur Ausführung übertragen wurde, werden in der Kunstchronik interessante Ein­zelheiten berichtet. Es war ein internationaler Wertbetverb ausge­schrieben worden, und Wandschneider, der sich als einziger reichs­deutscher Bildhauer beteiligt hatte, erhielt den eriten Preis. Dre Hauptfigur des Werkes aber, die die nackte Gestalt der Wahr­heit darstcllt, erregte heftigen Anstoß, und es kam zu einem erbitterten Kampf zwischen Prüderie und K u n st. Dem Künstler, der selbst nach Amerika fuhr, erklärte man, an eine Ausführung sei nicht zu denken. Da die Mittel durch private Sammlungen aufgebracht waren und viele der Stifter, vor allem der Großbauer Ädolphus Busch, sich dagegen erklärten, wurde das Preisgericht noch einmal zusammenberusen; doch gab es wieder einstimmig Wandschneider den Preis, und so wird denn das Werk im nächsten Sommer im Reservoir-Park von St. Louis aufgestellt werden, lieber einen Stufenbau zeigt es vor einer drei- gcteilten feingliederigen Steinwand die sitzende Gestalt der Wahr­heit, deren weitausgreisende Arme vor den Seitenfeldern zwei große Fackeln halten. Rundmedaillons und Inschriften bilden den wei­teren Schmuck. Die imposante Architektur wird in Missouri- Granit ausgeführt, die doppelt lebensgroße Frauenfigur ist in Bronze gegossen.

db. Der wandelnde Bremer Frei markt. Aus Bremen wird uns geschrieben: Roland, der Ries' am Rathaus zu Bremen, wird dieser Tage bedenklich sein ehrwürdiges Haupt

berauschende Getränke genossen wurden. Die Musik wurde auf flötenartigen Instrumenten gespielt.

Die Hauptbeschäftigung der Indianer am Jhana ist die Her- ßiellung von Kurare-Gift, das mit Blaserohren gegen den Feind geschossen wird. Eigenartig ist auch der Gebrauch von Caapi-Wein, der eine ähnliche Wirkung erzeugt, wie Haschisch oder Opium. Er wird bei den Tänzen getrunken. Er erzeugt zuerst eine Leichenblässe, dann folgt Uebelkeit und Schwindel und schließlich eine wilde, bacchantische Raserei. Wenn das Jndividium, das von ihm ge­trunken hat, nicht in Schläf fällt, der ungefähr 2 bis 3 Tage bauert, so sind keine nachteiligen Folgen vorhanden. Alle diese Indianer huldigen der Vielweiberei. Erst die Eingeborenen der Uaupegebiete sind Mouogamisden. Es gibt unter ihnen richtige Bravi", die überaus gefährlich sind. Dr. Rice hat eine große Sammlung interessanter Gebrauchsgcgenstände mitgebracht.

Durch unbekannte Gebiete am Amazonenstrom.

Ter amerikanische Forschungsreisende Dr. Hamilton Riee ist soeben von einer anderthalbjährigen Entdeckungsreise in den un­bekannten Gebieten am Oberläufe des Amazonas und leinen < Seitenströmen zurückgekehrt und veröffentlicht imStandard j cinige interessante Schilderungen, betten wir folgende- entnehmen.

Das Auffälligste am Rio Ynirida, einem rechten Seitenflusse des Guaviare, war die Zahmh.nt der wilden Tiere Es wimmelte von Jaguaren und Tapiren. Aber namentlich die letzteren waren so zabm und so neugierig, daß sie bis ans Kanoe herankamen, es I gemütlich umschwammen und die Reisenden beschnupperten In ?inem Jaguar wurde ein Tapir gesunden. 50 Tage lang trieb die feine Expedition den Pnirida hinab, ohne eine Spur von rnensch- icker Kultur zu entdecken. In der Nacht lagerte sie am Hier, wurde aber beständig von Jaguaren und Tapiren au|geweckt Die erste menschl che Niederlassung war ein indianisches ^pcherdorf helfen Bewohner noch ohne jede Verbindung Mit der Kuttur standen. Si^ aebörten nicht dem großen Stamme der Tupi-Guarani, der stck den ganzen Amazonenstrom entlang ausdehn an, sondern den Lariben V Venezuela, Guyana und die nordöstlichen Gebiete von Braiilttn bevölkern Tie größte E.genart dmer sehr niedrig stchen- 5?. iff die aroße Vorherrschaft der Frau. Sie sind die

^n^ia<v,CMtnnhHrr ihrer Niederlassungen, während die Männer

Stf Nack« 3 tftellung könnt- also di-

Mkod Äs-l und Richard Spree, d-ch es

-Häuptling von Attred J richtige Frauendörser gebe,

am Oberlauf- d-s Amazon«'ggoem diesem ©ebiete 5 fh.biertc traten die Manner sehr zurück- auch unter streifte und fhiMttte, rra Qm oI)ercn $?ana wohnen. Viele den Papanaua-^ndianern, bagegen 20 bis 30 Frauen.

Dörfer enthielten nur zwei . n 9 (*öt)crcn Kulturstufe. Sie Die Papanaua-^ndiastersh , ^gend eine sinnreich kon-

haben z. B. durch eine^große ssumMge technischen Schwie-

sbruierte Straße angelegt, di Entsetzliche Regengüsse hinderten rigfeiten ü-baut konnte- an traten über die Ufer, so daß

die Rei,e. Die Flusse schwoll ^en richtigen Weg verloren,

die Indianer, die die Kanves l lt j^ia nische Niederlassung

Nach langen Irrfahrten kamen I n hatten als einzige

von zwei Männin undW« 20 örau^ Reisenden bereit- Nohrung geräuchertes Aftenst sty, große Jndiancrfcstlich-

mtlio anboten. Am nnt-rm Iran? Moen n unb am

leiten statt. Die Frauen ML- oon «s-ni°hn-n und Silber- Ücpfe bemalt, trugen b°lsbande > aroszen Kopfschmuck

iriangdn währeuchdem d-° Mann«n«l° bei denen

ausgeputzt waren. Sie TUijnen

Deutsches Reich.

Der Reichskanzler in München.

Der Reichskanzler und Untcrstaatssekretär Wahn­schaffe sind Sonntag vormittag von Berlin kommend in München eingctroffen. Der Reichskanzler begab sich nach dem preuß. Gesandtschaftspalais, wo er Wohnung nimmt. Sonntag abend folgte der Reichskanzler einer Einladung des Ministerpräsidenten Frhrn. v. H e r t l i n g zum Dmer, früh­stückt am Montag beim Staatsminister Frhrn. v. Soden und speist am Montag abend in der preußischen Gesandtschaft. Am Dienstag vormittag begibt er sich auf Einladung des Prmz- regenteu nach dem Schloß Lindenhof, wo er einige Tage der Hochgebirgsjagd obliegt.

Verband für internationale Verständigung.

In Nürnberg begann am Samstag der zweite Kongreß des Verbandes für internationale Verständigung, zu dem etwa 350 Teilnehmer aller Länder sich gemeldet hatten. Die Stadt gab einen Begrüßungsabend.

Tier Reichstagsabg. Florian Klosse (Zentrum), Vertreter des Wahlkreises Leobschütz, ist, wie dieSchlesische Zeitung meldet, am Samstag früh gestorben.

Ausland.

Eine internationale Eisen bahn Konferenz.

Wie verlautet, wird .demnächst in Paris eine internationale Konserenz zusammentreten, welche die Frage neuer Eisen­bahn t a r i f e für die Beförderung von Reisenden und Waren von Rußland nach Deutschland, Oesterreich-llngarn, Frankreich unt Belgien und insbesondere die Frage eines Tartses für die Verbin­dung PetersburgMoskauKiewWienParis prüfen soll.

Auslandsreise

desösterreichischenThronfolgers.

Von unterrichteter Seite wird aus Wien mit geteilt: Der Thronfolger wird Anfang November in Begleitung seiner Gemahlin, einer Einladung des Königs von England Folge leistend, sich 'zum Besuche des Königspaares von England nach Windsor begeben. Bei dieser Gelegenheit finden Jagdausflüge statt Danach werden der Thronfolger und seine Gemahlin einer Einladung des Herzvgpaares von Portland zum Besuche des Schlosses Welbag nachkommen. Von einer Teilnahme des Thron­folgers und seiner Gemahlin an den Jagden des deutschen Kaisers ist nichts bekannt.

Ein Jubiläum des Erzherzogs Franz Ferdinand.-

Am gestrigen Sonntag fand in Salzburg aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums der Zugehörigkeit des Erzherzogs Franz Ferdinand hur deutschen Armee eine Beglück­wünschung durch eine preußische Offiziersabordnung statt. Der Führer dieser Deputaiion, Regimentskommandeur Oberstleutnant Gras Wengers ky überreichte dem Erzherzog Thronfolger das ihm vom deutschen Kaiser verliehene Tienstauszeickmungskreuz mit einem Handschreiben und drückte ihm die Glückwünsche des aller­höchsten Kriegsherrn ans. Erzherzog Franz Ferdinand dankte mit herzlichen Worten für die ihm zuteil gewordene Aufmerksamkeit. Mittags fand in der kaiserlichen Residenz ein Diner zu Ehren der deutschen Gäste statt.

Die Skandale von Nancy vor Gericht.

Nach einer Blättermeldung aus Nancy hat der Untersuchungs-» richtet Pages die im Frühjahr in Nancy insultierten Deutschen, welche gegen unbekannte Täter Schadenersatzansprüche angestrengt! haben, 24 Zeugen, darunter mehreren Sttidenten, gegenübergestellt. Diese Gegenüberstellung habe jedoch keinerlei Ergebnis gehabt.

Der Verzicht auf den Verzicht.

Offiziösen sind wieder an der Arbeit, um die Be- unruhigung, welche durch die mancherlei Alarmnachrichten über den Kamp f um den Braunschweigischen Thron in der öffentlichen Meinung hervorgerufen worden ist, nach Kräften zu dämpfen, aber es dürfte sich bei dieser Arbeit um verlorene Liebesmüh handeln. Wenn beispiels­weise ein Offiziosus versichert, daß in der Lösung der Welfenfrage eine Verzögerung noch nicht eingetreten fei, so muß dem gegenüber darauf hingewiesen werden, daß tn Braunschweig alle Vorbereitungen zu dem für den 1. November vorgesehenen Einzug des Prinzen Ernst August und der deutschen Kaisertochter getroffen worden waren und jetzt wieder in aller Stille abgesagt worden sind. §at doch der Bundesrat seine erste Sitzung nach den Ferien abgehalten, ohne daß, obwohl die Offiziösen dies seit Monaten angekündigt hatten, vom Thema, näm­lich von Braunschweig, gesprochen wurde. Man braucht ge­wiß nicht alle Sensationsnachrichten, die aus welfischer Quelle über die Tifferenzen zwischen Hohenzollern und Cumberland verbreitet werden, für bare Münze zu nehmen, aber bie Tatsache ist nicht mehr zu leugnen, daß er n stli che Meinungsverschiedenheiten über die Lösung der braunschweigischen Frage bestehen. Muß es doch auffallen, daß der Prinz von Cumberland bereits seit mehr als acht Tagen in Gmunden weilt, angeblich um dort die Entschei­dung des Bundesrats abzuwarten, während andererseits der schon vor längerer Zeit angekündigte Besuch des Deut­schen Kaisers in Gmunden ad ealendas graecas ver­tagt worden ist.

Es ist alles anders gekommen. Als die Verlobung des Prinzen von Cumberland mit der deutschen Kaisertochter veröffentlicht wurde, herrschte überall in Deutschland Be­friedigung darüber, daß der -alte Zwist zwischen dem Hohen- zollernhause und den Welfen, der freilich längst der Ge­schichte angehört, und über den die politische Entwickelung, die nicht stillsteht, zur Tagesordnung übergegangen ist, auf dem Wege einer Heirat begraben werden sollte, die ebenso dem Zug des Herzens wie'der Staatsraison zu entsprechen schien. Man hegte keinen Zweifel daran, daß Mittel und Wege gefunden worden feien, um den Bundesratsbeschlnssen vorn 7. Juni 1885 und vom 28. Februar 1907 zu ihrem Recht zu verhelfen, wonach kein Mitglied des Welfenhauses den braunschweigischen Thron besteigen könne, solange irgend ein Mitglied dieses Hauses sich in einem der Ver­fassung und dem inneren Frieden widerstreitenden Verhält­nis zu Preußen befinde.

Aber auch hier bewahrheitete sich das alte Wort: es lommt immer anders. Nach jenem Bundesratsbeschluß hätte

von allen Mitgliedern des Hauses Cumberland ein aus- dr ücklicher Verzicht auf die hannoverschen Ansprüche ver­langt werden müssen, allein man erfuhr bald, daß der 5) e r z o g ErnstAu g u st, da er sich durch ein seinem Vater nnt Sterbelager gegebenes Versprechen gebunden fühle, einen solchen Verzicht rundweg abgelehnt habe. Man war bereit, sich auch damit abzufinden angesichts der Tatsache, daß der Cumberlander an der Schwelle des biblischen Alters steht, und angesichts der Versicherung der Offiziösen, daß er seine Thronanspräche an seinen Sohn abgetreten habe, obwohl hierunter anscheinend nur die braunschweigischen, nicht die sogenannten hannoverschen zu verstehen sind. In erster Reihe, so schlußfolgerte man, kommt es doch auf den ---, ... .

Prinzen Ernst August selbst an, und dieser hatte ja'gestern aus Wien hier eingetrofsen.

Nr. 254 Erstes Blatt 165. Jahrgang Montag, 6. Oktober M3

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in feinem Schreiben an den Reichskanzler vorn 20. April betont, daß in feinem dem Kaiser und König ge­leisteten Treueide das Versprechen liege,daß ich nichts tun und nichts unterstützen werde, was darauf gerichtet ist, den derzeitigen Besitzstand Preußens zu verändern." Man war fast allgemein aeneigt, diese Erklärung als hinreichend an­zusehen, obwohl der Treueid nur für die Zeit der Zugehörig^- keit zum preußischen Heere gilt. Tann aber kam die Aus­legung von welfischer'Seite, welche sich zu den amtlichen Auslegungen jener Erklärung in schroffsten Widerspruch stellte. Hat doch der welfische Reichstagsabgeord- neteColshorn neuerdings am Geburtstage des Herzogs von Cumberland in Diepholz einen Kommentar zu dem Schreiben des Prinzen abgegeben, in dem es heißt:

Wir wissen, daß er n i e ver zich t e t hat und nie verzichten wird . . . Wenn ich es nicht gewußt hätte, dann habe ich, gs erfahren ans dem Munde des Herzogs in Gmunden, daß weder der Herzog noch die preußische Regierung ihn als einen Verzicht angesehen haben. Wir brauchen weiter nickfts als das klare Faktum, daß kein Verzicht vorliegt. Wir haben den Kampf 47 Jähre geführt, und wir werden noch weitere 47 Jahre weiter ar­beiten."

Tas ist eine klare Sprache, ist eine Erklärung, über die man nicht z'ur Tagesordnung übergehen kann, umsomehr, da der Prinz in seinem Schreiben an den Kanzler sich von den welfischen Bestrebungen in keiner Weise losgesagt hat. Tie öffentliche Meinung hatte die Regelung der braun­schweigischen Thronsvlgefrage mit Befriedigung begrüßt, weil sie sich davon die endgültige Niederschlagung der wel- süschen Agitation versprach. Jetzt besteht die Gefahr, daß diese Agitation dadurch vielmehr neuen Boden gewinnt, und deshalb würde es die öffentliche Meinung nicht begreifen und der für die Politik des deutschen Reiches verantwort­liche Kan z ler würde der Volksvertretung gegenüber einen schweren Stand haben, wenn der Bundesrat glatt um­fiele und auf den heißumstrittenen Verzicht verzichten wollte, den er selbst für eine Garantie gegen die welfischen Umi triebe erklärt hat.

Die neuen Zchwierigkeiten auf dem Volkan.

DieNorddeutsche Allg. Ztg." schreibt in ihrer Wochen­rundschau:

Die letzte Woche brachte für die weitere Behandlung der alba­nisch-serbischen und der griechisch-türkischen Schwierigkeiten einige Erleichterungen. Ten Großmächten wurde von Serbien in amtlicher Form die bestimmte Erklärung abgegeben, daß der aus den Londoner ^Beschlüssen gegründete Be­sitzstand des unabhängigen Albanien nicht angetastct werden soll. Die persönliche Aussprache zwischen dem Leiter der answärttgen Politik Oesterreich-Ungarns und dem serbischen Ministerpräsi­denten nahm nach dem, was über die von dem Grafen B e r ch t o l d und dem Ministerpräsidenten P a s ch i t s ch empfangenen Ein­drücke beiderseits verlautet, einen befriedigenden Verlau : und eröffnete für die Zukunft die Aussicht auf eine Verständigung, besonders in wirtschaftlichen Fragen.

Auch für die Verhandlungen zwischen der Türkei und Griechenland, die Anfang dieser Wock)e in Athen von neuem aufgenvmmen werden, stehen die Vorzeichen nicht ungünstig, wenn auch eine Einigung in einzelnen Punkten noch eingehende Be­ratungen erfordert. Tie Gefahr, die dieser Friedensarbeit durch ein vorzeitiges Aufrollen der Jnselfrage drohen könnte, scheim beschworen zu sein. Mit der militärischen Abrüstung in Thrazien soll begonnen werden.

Wien, 4. Okt. DieNeue Freie Presse" meldet aus Konstantinopel: Ein türkisches Geschwader, aus drei großen Einheiten und mehreren Torpedobooten be­stehend, ist nach Einnahme von Kohlen und Munition nach