Erster Blatt
165. Jahrgang
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Großhcrzoq zu bringen, welche sie sich gegen das Benehmen der Staatsdiener auszustellen bewogen fühlen könnten".
Im übrigen wird, so hoffen mir, das kleine parlamentarische Intermezzo bei der im kommenden Herbst bevorstehenden Kammerberatung über die Revision der landständischen Geschäftsordnung mit Veranlassung dazu geben, da st auch in diesem Punkte, wie hinsichtlich der Disziplinär- befugnisse des Kammerpräsidenten recht genaue und klare Bestimmungen getroffen werden.
Absicht, ihn auf die Unzulässigkeit dieser Redewendung hin- zuweisen. Bevor dieses aber geschah, erhob der Minister Widerspruch dagegen, dast er vom Präsidenten in feiner •hebe unterbrochen werde und bestritt diesem namens der Regierung jedes Recht dazu. Ter Präsident erklärte dann spater, er habe das Verhalten des Ministers nicht rügen, Indern sich nur informieren und feststellen wollen, was der Minister gesagt habe. Er halte sich als Präsident jur berechtigt, auch den Regierungsvertreter jederzeit zu unterbrechen. In der landständischen Geschäftsordnung nun )inb die näheren Bestimmungen über die Kammerberatun- gen in dem Art. 39 u. ff. zusammengefaßt und da heißt es rm Art. 41, daß der Präsident berechtigt ist, „die Redner aus den Gegenstand der Verhandlung zurückzuweiseu und zur Ordnung zu rufen". Es wird nun aber in den Art. 39 bis 42 ausschließlich nur von den Rednern gesprochen, die Kammermitglieder sind und es wäre ja auch einfach absurd, annehmen zu wollen, daß dem Präsidenten auch das Recht zugesprochen werden sollte, den namens der Regierung auftretenden Redner zurückzuweiseu oder zur Ordnung zu rufen. Bon den „Mitgliedern des Ministeriums" ist überhaupt erst im Art. 43 die Rede, und da wird weiter nichts gesagt, als dast sie „während der Beratung, zu jeder Zeit, jedoch olsne Unterbrechung eines andern Redners, das Wort verlangen können" usw. Es ist also in der Geschäftsordnung nicht verboten, aber auch nicht erlaubt, den Regierungsvertreter in feiner Rede zu unterbrechen, und wir glauben, daß der Minister sich mit Recht darauf berufen tonnte, daß es nicht der Auffassung des deutschen Parlamentarismus entspreche, den Regierungsvertreter in der hier geschehenen Weise zu unterbrechen. Wirtlich erlaubt ist das unseres Wissens nur in Württemberg. Aber die Bestimmungen der dortigen landständischen Geschäftsordnung stehen auch im Gegensatz zur Reichsverfasfung (Art 9) und der preußischen Verfassung (Art. 60) nach denen der Minister oder Regierungskommissar „jederzeit gehört werden muß".
Es wäre zudem auch ein etwas eigenartiges Beginnen, wenn der Präsident jedesmal, falls er den Redner nicht verstanden hat oder über dessen Worte im Zweifel ist, den Redner unterbrechen und um Auslünft ersuchen wollte. Dazu ist doch das in wenig Minuten übertragene amtliche Stenogramm eine viel einfachere Auskunftsstelle.
Bei dieser Gelegenheit mag hier an einen kleinen parlamentarischen Vorfall bei der vorjährigen Etatsberatung in der Zweiten Kammer erinnert sein. Damals hatte bei Abg. Ulrich wieder einmal sein altes Steckenpferd nach Einführung einer starken Progression der Steuer für die großen Einkommen und Vermögen geritten. Der Regierungsvertreter, öef). Rat Dr. Becker, antwortete dem Abgeordneten auf dessen Angriffe ebenfalls mit mehreren scharfen Ausdrücken. Da nahm nach Schluß der Rede Präsident Köhler das Wort und sagte, daß er diese und jene Bezeichnung in seiner Rede beanstanden würde, wenn sie von einem Mitgliede des Hauses gebraucht worden wäre.
Dar Einwand, der vielleicht erhoben werden "könnte, daß sich ja unter Umständen die Kammer beleidigende Aeußerungen eines Regierungskommissars gefallen lassen müßte, ist nicht zutreffend. Denn einmal hat die Kammer jederzeit das Recht, Protestbeschlüffe zu fassen oder Mißtrauensvoten zu beschließen, und andererseits ist den Landständen auch in der hessischen Verfassungsurlunde ausdrück- lich das Recht gewahrt, „diejenigen Beschwerden an den
Tageskalcnder aus dem Jahre 1813.
6. Juni. Die preußische Landwehr wird $u 70 000 Mann neu organisiert.
D. 150
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Lin parlamentarischer „Zwischenfall".
Aus Darmstadt wird uns geschrieben:
der letzten Sitzung der hessischen Zweiten Kammer am Mittwoch tarn es zwischen dem Finanzminister Dr. Braun und dem ersten Vizepräsidenten Korell zu einem ^cn toir in unserem Kammerbericht über ine Mtttwochssitzung Ausführliches mitgeteilt haben Der -ganze parlamentarisch^? „Zwi scheu fall", wenn man das an sich wenig belangreiche Vorkommnis so bezeichnen will, ist zwar nach der beiderseitigen Beruhigung der Gemüter schließlich in befriedigender Weise beigelegt und vom >iam- merpräsidenten auch ausdrücklich als „erledigt" erklärt worden. Die Sache hat aber doch in gewisser Hinsicht auch <nne prinzipielle Bedeutung, auf die wir hier etwas näher «entgehen möchten.
Der Parlamentarismus in unserem Hessenlande krankt bekanntlich noch an mancherlei liebeln und nicht zum wenig- fcten an dem einer unzureichenden, völlig veralteten Geschäftsordnung, die bei uns als Landesgesetz feit 1874 besteht und darnach auch nur auf gesetzlichem Wege abgeändert und verbessert werden kann. Die schon vor einem halben Menschenalter allgemein als notwendig anerkannte Revision dieser Geschäftsordnung ist. ja nun von dem jetzigen Kam- merpräsidenten, Dbcrbürgermeifter Köhler, endgültig in die Wege, geleitet worden und wird hoffentlich auch in der nächsten Herbsttagung der Zweiten Kamnier zu einem befriedigenden Abschluß gebracht werden. Diese Geschäftsordnung, die gleichzeitig für beide Ständekammern Geltung hat, besitzt die wenig schmeichelhafte Eigenschaft, fast in allen den Punkten, in denen es bei dem rasch pulsierenden mob-ernen Parlamentsleben darauf ankommt, bestimmt'- grundlegende Vorschriften zur Hand zu haben, vollständig zu versagen. Das trat besonders scharf und fühlbar vor mehreren Jahren zutage, als der Reih-e nach verschieden- extreme Abgeordnete wiederholt eine Art Sport daraus machtm, nicht nur die Minister direkt und absichtlich) in empfindlichster Weise persönlich zu verletzen, sondern auch außerhalb stehende Beamte und Privatpersonen, die sich ja m der Kammer nicht verteidigen können, unter dem ^chntzmantel der parlamentarischen Immunität anzurempeln oder zu verdächtigen. Und auch diesmal suchen die beiden Streitenden vergeblich nach einem Schutz in der landständischen Geschäftsordnung. Der Kernpunlt der Sache ist die Frage: Hat der Mammerpräfibent das Recht, einen Regierungsvertreter in seiner Rede zu unterbrechen, nachdem ihm vorher ordnungsmäßig das Wort erteilt worden ist? Wie erinnerlich,- hatte der Finanzminiftar in feiner Verteidigung der Regierungshaltung in Sachen der Rebenbahnbauten im Odenwald von dem Abg. Mergelt gesagt, daß dieser nach dem alten parlamentarischen Manöver „man glaubt", Dinge erzählt habe, die er, der Minister, als.Spinnstubengeschichten bezeichnen müsse. Daraufhin unterbrach der Präsident den Minister, vermutlich in der
ein zwangloses Beisammensein statt. Um 12 Uhr kehrte der Sonderzug nach <>cna zurück.
— Denkmal für Strindberg. Tic Stimmen mehren jidj ni Schweden, die es nickt bei dem einfachen Kreuz aus ^trindbergs jchntucklo,em Grabe bewenden lassen walten, das NÄ der -richter selbit als Gedenk.zcichen gewünscht Hal Ter Errichtung einer prächtigen Grabzier und der Ueberführung der Ucberreitc an einen mehr hcrvorttctenden Crt als der Friedhof iKnf^rtnfrVar,tr! ■ftuf Strindberg den letzten Schlummer Matt, ltehcn allerdings die bestimmten Weisungen des Ber, ltorbenm entgegen. Der Lieblirrgsplan der Striiidberg-Gemeinde ihn neben einem anderen großen Sohn der schwedischen Erde' neben Bcllman, bcizusetzen, hat deshalb auch wenig An-rsicktt
^ogen *0£brent toten Dichter aus öffentlichen Mitteln ein Monumentaldentmal, zu dem der junge, begabte Bild- bauer Knut Iern jchon zu Lebzeiten Strindbcrgs die Skizzen entworfen hat, cmd,:et werden. Es zeigt einen nackten, herkulischen ^ungling, der mit, mutigem Schritt über einen mitten durchgebrochenen Felien steigt. Das ^lntlitz trägt Strinbbergs Züge 'r ausgejuhrl rind 20 Meter hach, soll es auf einer Klippt
oberbalb des Stockholmer an oer Einfahrt zur Stadt sich erheben, weithin jichtbar. Als Strindberg den «Ersllingseittwutt des für ihn bechmmten Denkmals durch Zufall vor einigen Jahren Su feben befanT, wurde der für stine Person gründ bescheidene Dichter Itt hi r* '‘RI n r t a , < - ■ Ä 2 ____11brock immer wieder
rn die Worte auv: „Wa^, wurden meine Kinder dazu sagen'"
— Bon der S ch r ö de r - S t r a n tz - H i l ss e r p c di - tron Entgegen tum unrontrvlli.wbarcn Zeitungsgerüchten lies vom Lcitlw der Schroder-Strantz-Hilssexpedition, Starrud, fol- ÄmÄÄ D°m 1 -uni aus Spitzbergen bei rnnh"®biACnÄCr^n der Mmmtbay über Sassenbah-Hinter- lanb via Postgleticher Svansberg, F.old-51hxbenibcrg nach
Machsorsckungen Schröder-Strantz Nord- wtland Teilnehmer unb: Daniel Rois, Ellingsen, Johann Rors, ,Hilmar Nielsen, 16 Hunde, drei Schlitten Hab^n mit ”aomföCe Btiorgt” $CUt,"d,C ©»in^egento^nad,
i n n t e r n a t io n a l e r Kongreß für Reu- t) ck i a t n e und Psychologie wird von bei a neurosogijcheil^ Aejellschast. einem -Austrag des .Eongrejses 190/ entsprechend, vom 7.-12. September 1914 tn Bern veranstaltet werden
, ~ “r»£ Nachrichten aus Kun st und Wissen-
r /'-'n X.er .Vorhalle des Ävnzer'sa-^ es der Königlichen Hochschule für Munk in Berlin sand nm Donnerstag die Enthüllung des I o sep h-I o a ch rm-2 e n t ma l s statt. Als Bettreter des Kaisers war Prins August Wilhelm erschienen.
schlie,stich der Aq u a r cl le. Umsangreick.'r als gewöhnlich reprä- i)ic d l a sti k, der man den weilen Raum des BeMbuls Tür eine größere Anzahl monumentaler Arbeiten ein- geräumt bat, rvährcnd die kleineren Werte in den verschiedenen <2alen verteilt sind: doch ist darunter nichts gerade Ueberwältigen- des vorhanden. In der reizvollen Gruppierung der ausgestellten Kunstwerke und im intimen Arrangement der Räume mit Be- wnung des nationalen Gepräges fönnen wir Deutschen diesmal viel vom Ausland lernen, hauptsächlich von der Schweiz, von Dänemark, Holland und Belgien. Im deutschen Flüge! überwiegt an Zahl die M ü n ck c n e r K ü n st 1 e r g e n o s s e n s ch a s t, während man der ebenfalls reichhaltigen Münchener S e z e s - Hon anerkennen must, daß sie im ganzen bedeutend.r ausgefallen ist, ohne jedoch irgend etwas Auftcizendes oder zu Kunst- debaticn Herauswrderndes zu enthalten. Die Zeiten, wo stür- miicke Aencrer solch: Kämpfe heroorriefen, sind hier längst vor- bci. Man bewegt sich auch in der Sezession heikle in rubigerm Bahnen und meidet ckrtravaganzen. Die gleiche Bemerkung kann man auch bei den Sondergruppen Bayern und Luitpold- gruppe machen. * Huns Begc.
— Das 4 8. Deutsche To n kü n st l e r f e st, das in Verbindung mit der Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Mustlvercins vom 3. bis 7. Juni in Jena stattfindet, hat am Dienstag abend mit einem Orchesterkonzert im Großen Saale des Bolls hau> es begonnen. Das Konzert, dem etwa 1500 Personen beiwohnten, wurde durch die Anwesenheit der Protettottn, der Großherzogin Feodora von Sacksen, ausgezeichnet. Ain das Orchenerkonzert schloß sich eine B.'grüstungsversammlung im Theatcrwal. Ansprackren lnelten Gckzeimer Meoizinalrat Professor Dr^ ^-tnitzing nameits der Akademischen Konzertkommission und Erster Bürgermeister Geheimrat Dr. Fuchs immens der Stadt ^ena. Generalmusikdirektor Dr. Mar Schillings, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Michikvcreins, dankte für die De- grüßrnlgen. Das außerordentlich stark besuchte Fest wurde am Mittwoch mittag durch ein Kammerkonzert im akademischen Roiensaale wttgesetzt. Durch die Länge des Programms und die hocknommerlichc Hitze fiel das Konzert, obwohl es im einzelnen Protze Höhepunkte hatte, ab. Abends brachte ein Sonderzug die Teilnehmer nach Weimar zur Festvorstellung im Hostheater. Es wurde „Lanval", Minnelied in zwei Elften und vier Bildern nach der altfranzösischen Dichtung von Maurice de Franec, Tert von M. Mauttce, deutsch von Hans von Gumppenberg und Musik von Pierre de Maurice, gegeben. Der Mend wurde mit Liszts Festgesäiigcn eingeleitet. Die musikalische Leitung hatte Hof- kapellmeister Peter Haase: die Inszenierung des Minneliedes Generalintendant v. Schlierbach fand vielen Beifall. Die Aufführung befriedigte allgemein. Im Künstlerhause fand hierauf
Per Spionagefan Redl im österreichischen Abgeordneteuhanse.
Wien, 5. 3uni. Im Ülbgeordnetenhause beantwortete der Landesverteidig nngsmini ster Freiherr von Georgi zn Beginn der Sitzung die Interpellation betreffend den Spionägesall Redl. Der Wtmister führte aus:
Ichinöchte am liebsten einen undnrchdringlichenSchleier über die Angelegenheit breiten. Redl hat sich selbst gerichtet, doch ber Tod ist feine Sühne für die Ungeheuerlichkeit seiner Schiild. Alls Grund der bisherigen Ergebnisse der nülitärgcrtd)t- lichen Untersuchung stellte der Minister ausführlich den Sachverhalt dar, wobei er die Behauptling widerlegte, die Militärbehörden hatten die Absicht, die Aiigelegenheit zu vertuschen. Ter Minister stellte weiter fest, daß Redl in der vorgefaßten Absicht, Selbstnwrd z»l begehen, nach Wien gcfommcn fei. Er teilte seinem langjährigen Frennde, dem Generaladvokatcn seine Absicht mit der Begrüildnng mit, daß er sich gegen die Moral und die Standeschre vergangen habe. Tie Militärkonunission traf um 12.30 Uhr nachts im Absteige- qiitirticr Redls ein, wo Redl mit den Vorbereitungen zum Selbslinord beschäftigt war und die Schuld etngcflani) und zugab, daß er ;edoch erst in jüngster Zeit, veranlaßt durch eine unheilvolle Leidenschaft, Spionage getrieben habe. Auf das entschiedenste verneinte er, daß er Mitschuldige habe. Nachdem ihn die Koininission verlassen balle, verübte er Selbstmord. Die Dnrcl.snchuiig der Prager Wohnnng, lieferte den Beweis, daß Redl mehrere sich auf d i e Dl o b i l i f i e r u n g beziehende Instrnk tion en allgenicincn Inhalts an ?lgcnten einer fremdeuMacht verkauft hat. Tie ersten Spuren von Redls Verbrechen gehen bis Alärz 1912 zurück. So schwer diese Tatsache auch wiegt, kann doch festgestellt werben, daß konkrete Kriegsvorbcreit ungen ans letzter Zeit nicht verraten werden konnten, weil sie Redl i'ibcrhaupt nicht zugänglich waren. Bisher sind keine Dlitschnldigen festgestellt worden, denn dem verhafteten Leutnant, der zn Redl in homosexuellen Beziehungen gestanden haben soll, konnte bisher keine Spionage nachgewiesen werden. Die Gerüchte, daß höhere Ofsizicre und eine Dame kompromittiert seien, sind falsch. Redls Verbindung nut dem russischen Konsul in Prag ist durch nichts erwiesen: auch bestehe fein Zusammenhang mit anderen Spionagefcillen in der letzten Zeit. Tie Gerüchte, daß Redl Geheimnisse der deutschen Armee verraten habe, sind falsch, ebenso die in der Presse aufgetauchte Behauptung, daß Redl zn Verhandlungen mit deni preußischen Generalstabe entsendet worden sei. Die glorreiche Armee sei hatt getroffen worden, aber die Schmach eines einzelnen könne nicht der Allgemeinheit zur Last fallen.
Der Minister erfinde, er sei überzeugt, daß der Armee wegen dieses einen Unglücksfalles das ihr so kostbare Vertrauen der Be- völfernng und die Hochachtnng der fremden Armeen nicht geschmälert werden könne; das erstere werde sic stets rechtfertigen und zu verdienen trachten, die letztere, wenn es gelte, vom Gegner zu erzwingen iviffen. Ter Minister versicherte schließlich, dav die Militärverwaltung die aufgefmibeneii Spuren mit aller Zähigkeit verfolgen, unb wo nur ber geringste Verbacht rege wirb, mit brako- nÜcker Strenge eingretfen imb jeben Schübling wie mit alühenbein E'sen beseitigen werbe. Ter Antrag des tschechischen Sozialisten 91611160, die Aussprache über die Anfrage zu eröffnen, ivnrde abgelegne
Elfte internationale Uunftaussteilung in München.
Unser guter alter GlaSpalast, der nach eiter kürzlich vor- gciioinmcricn Erneuerung seinem Zwecke viel besser dient, als die hauslg laut lverdenden Wunsche nach einem neuen Münchener KunitamsstellungSgebäude vermuten lassen, bringt uns zwar jeden Sommer nun fdjion feit einer Reihe von Dezennien eine große Kunslsckxru, eine internationale jedoch nur alle vier Jahre. Etn solches Jahr ist 1913, daS auch die. umfangreichste Ausstellung bringt, die Mmrchen jemals gehabt hat. Man hat deshalb, um mehr Wandfläche zu gewinnen, nicht nur einige der größten Säle durch Einbav.tcn um eine Anzahl von Einzel räumen vermehrt, fonbern auch durch einen Anbau den Glas Palast um drei neue große Säle bereichert. Dadurch ist erreickst worben, daß die Riesen fülle der Kunstwerke — der Katalog zählt 3587 Nummern — in einer geschmackvollen Anordnung und Writräumigkeit unter« gebracht werden könnte. 3dion die erste Durchwanderung ber nahezu hundert Säle und Kabinette gibt dem Beschauer die Ueberzeugung, daß der Ostslügel, der der deutschen Kunst eingeräumt ist, nicht etwa nur durch seine größere Fülle an Emzelw-erlen der 9ülSlandsAusstellung überlegen, sondern dieser auch mindestens ebenbürtig ist. Interessanter aber ist zweisel- los der Wcstflügel, der Gelegenheit gibt, Vergleiche zwischen dem heutigen Stand der bildenden Künste fast aller Länder Europas zu ziehen; leider fehlt indessen das britische Reick vollständig. Bon den Ballcrnvölkern, die augenblicklich mit andern Dingen als den .Künsten und Wissenschaften des Friedens besänftigt sind, ist lediglich die Türkei mit einer kleinen, aber gewählten Aus- fteUung vertreten. Bei den Schweizern fällt vor allem ber starke H od l ersehe Einfluß auf den jüngeren Nachwuchs auf, der allerdings nicht immer zum Glück ist, sondern nur zu oft den Stempel mißverstandener Auffassung trägt. Bei den Spaniern fesselt in erster Linie Zuloaga, — Frankreich s großer Saal ttitt diesmal einige lÄittäuschung iTcrtror: es ist nichts darin zu finden, was den guten Durchschnitt übersteigt. Belgien schnei- dtt unbedingt bei den: internationalen Wettbewerb besser ab. Auch I t a l i e n , Rußt an d und Schweden bieten viel Gutes, wobei namentlich die kräftige Hervorkehrnng nationaler Eigcnatt bäckst wertvolle Anregung gibt. Vortrefflich ü errieten ist Deutsch-Oesterreich, während die weit davon getrennt aus- slellenden Ungarn wenig Bemerkenswertes aufzuweisen haben.
In allen Mteilimgen, sowohl der beutiefjen _wic der ausländischen, überwiegt natürlich wie immer die Staffeleifunft, wo- b.'i die Technik der Oelmale^rci noch immer bevorzugt wird, -lock ist auch die Zahl der Temperagemälde keineswegs gering, lind gerade bei diesen begegnet man vielen äußerst tüchtigen Stiftungen. Zn eingeix-nben Studien verlockt die in der Aus- uellung ziemlich rctchlid) vertretene graphische Kunst ein-
§reitaa, 6. Zuni 19(5
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. .. . General-Anzeiger für Gberhefsen WBS
Xnnabme vcn Anzeigen , „ . _ v ' ^Gerichtsfaal": K.Neu-
für die Tagesnummer vrarionsorncr vns Verlag oer oruyl fchen Unkv.-Vuch- UN- Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: §chulftrake 7. Kn!f): iur .Stabt und bs «-mi-w,, - vüdlnge«: Jernipkecher Nr. 269 Eejch-istrstrll- bahnhosüratze 16a.


