Ausgabe 
6.5.1913 Zweites Blatt
 
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Erschein täglich nett Ausnahme des Sonntags.

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erhob

Gießener Strafkammer.

Gießen, den 2. Mai. Schwerer NücksallSdieb stahl.

Ter erst 19 Jahre alte Taglöhner W. W. von Bernsfeld steht unter der Anklage des schweren Nückiallsdiobstahls. Er hatte in Mainzlar, als er wegen Faulheit seine Arbeit verloren hatte, am Tage seiner Abreise seinem Logiswirt eine Reihe von Kleidunqs- und Wäschestücken gestohlen, darunter einige aus einem Schranke, den er mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen, nicht zur ordnungsmäßigen Eröffnung bestimmten Werkzeuge geöffnet hatte. Ein Teil der gestohlenen Gegenstände wurde in seinem an der Bahn beschlagnahmten Koffer vorgeiunden. Die Kammer erkannte aus eme Gesängnisurale von 1 Jahr, die geringst zuläsüge Strafe bei schwerem Rüctsallsdiebstahle, und rechnete außerdem 6 Wochen Untersuchnngshast mit die Strafe an. Bon der Anschuldigung eines weiteren Diebstahls, begangen in Rieder-Rosbach, wurde der 'Jln- äeklagte ireigesprochen, weil er zwar dringend verdächtig, aber nicht ausreichend überführt sei.

Erneut sreigesprochen wurden die Eheleute G. N. von Butzbach, die daS Schöffengericht Butzbach für nichtschuldig der Psandvcräußcrung befunden halte.

DieKehener Kamilienblötter" werden dem .Anzeiger" Biennal wöchentlich beigelegt, das Lreirblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen 3eit- frages" erscheinen monatlich zweimal.

Viertes Deutsches ttmserpreis-Wettsingen.

§ Frankfurt a. M., 5. Mai.

Mit mächtigen Akkorden hat heilte der 4. Wettstreit deutscher Mannergesangvereine um den von Kaiser Wilhelm II. gestifteten Kaiserpreis in der Bank- und Handelsmetropole am Main be­gonnen, nachdem bereits am gestrigen Sonntag eine Hauptprobe zum

Begrüßungskonzert der Frankfurter Sänger ftattgcfunden hatte, mit dem heute das Fest begann. Einschließlich der Zuhörer haben sich etwa 15 000 Sangesfreunde eingcfunden, darunter von 41 deutschen Männergesangvereinen 8486 Mitglieder.

In der Fe st halle erhebt sich zwischen den Säulen, des Eingansrundbaues der kostbare Kaiserpavillon, der dem Soifer und seinem Gefolge während der Pausen zum Aufenthalt dienen wird. Für das Kaiferpaar sind zudem zwei kleine Salons ge­schaffen, die eine wundervolle Inneneinrichtung ausweisen, lieber der Kaiserloge erhebt sich ein Purpurbaldachin, der in einer Krone endigt. Die Kaiserloge selbst bietet einen prachtvollen umfassenden Ausblick auf den gewaltigen Festsaal, der durch Ein- und Umbauten eine wesentlich intimere und für die Akustik günstigere Ausgestaltung erfahren hat. Für die Logen im ersten Rang sind Preise von 3000 Mark erzielt worden. Am Dienstag werden 18, am Mittwoch 17 und am Donnerstag 6 Vereine zum Wettgesang antreten.

Zu Ehren der Sänger ist heute ganz Frankfurt in ein Fkaggen- mecr getaucht. Namentlich der Bahnhofsvorplatz, die zur Fest­halle führende Hohenzollernstraße, die Kaiserstrahe undDie Zeil", haben einen sehr vornehmen und einheitlichen Schmuck erhalten. Zum

P r e i s ch o r ist, wie schon mitgeteilt, die Dichtung1813" des schweizerischen Germanisten Professor Adolf Frey (Zürich) in der Vertonung seines Landsmannes Friedrich H e g a r, gewählt worden. Dieser sogenannteZehnwochenchor", der den beteiligten Vereinen erst 10 Wochen vor Beginn des Wettsingens zugestellt wurde, wird in den nächsten Tagen von allen beteiligten Vereinen der Reihe nach gesungen werden. Daneben haben alle Vereine noch einen oder zwei selbstgewählte Chöre vorzutragen. Am Donnerstag wird dann nach dem Sck)luß der Einzelvorträge eine Auswahl unter den 16 besten Vereinen vorgenommen werden, die sich hierauf am engeren Wettstreit in dem sogenannten

S t u n d e n ch o r" beteiligen. Dieser wird ihnen erst eine Stunde vor dem Wett­streit ausgehändigt, und sein Vortrag entscheidet über die Ver­leihung der Kaiserkette sowie über die Verteilung der übrigen 21 für die Veranstaltung von den verschiedensten Seiten ge­stifteten Ehrenpreise.

Nachdem im Lause dos heutigen Montags die Mehrzahl der beteiligten Vereine, teilweise in Cxtrazügen, in Frankfurt eingetvofsen war, begann um 8 Uhr abeirds in der großen Festhalle

das Begrüßnngskonzert.

Neben dem auf "132 Musiker verstärkten Orchester des Frank­furter Opernhauses nahmen daran alle dem Sängerbund Frank­furt a. M. angeschlossenen hiesigen Gesangvereine mit über 8000 Mitgliedern unter Leitung von Prof. Maximilian Fleisch teil. Der Kaiser traf in Begleitung des Landgrafen von Hessen, des Intendanten der Königlichen Schauspiele Grafen v. Hülsen- Häseler und großem Gefolge im Autontobil von Wiesbaden kom­mend, in der Feststadt ein. Nach einer Begrüßung durch den

Deutsches Kei^.

Volksparteilich-nationalliberales Wahlabkommen in Baden.

Zwischen der nationalliberalen Partei und der Fort­schrittlichen Vollspartei ist für die bevorstehenden Äind- tagswahlen Badens in sämtlichen Wahlkreisen mit Aus­nahme der Stadt M a n n h e i m ein Abkommen getroffen worden. Darin wird die gegenseitige Unterstützung der auszustellenden Kandidaten zuge­sichert. Das Abkommen wurde von den beiderseitigen Ver­tretungen genehmigt.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e^> 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGleßen.

Preussisches Herrenhaus.

. Berlin, 5. Mai.

Heule stand zur Beratung die Vorlage, durch die der Re- gierung nach dem Beschluß des Llbgeordnetenhauses 25 Millionen zur Vorbereitung des elektrischen Betriebes auf den Berliner ötaot- und Ringbahnen zur Verfügung gestellt werden. Ter Ausichug des Herrenhauses beantragt, der Vorlage in dieser tfanung unverändert zuzustimmen, ebenso auch den vom Ab­geordnetenhause beschlossenen (Sriierrungen. Ein Widerstand gegen die Vorlage erhob sich nicht. Sollten hier und da noch Bedenken obgewaltet haben, so dürfte es der großzügigen, von zwingender Logik getragenen Rede des Berliner Oberbürgermeisters Wermuth gelungen sein, sie zu zerstreuen. Herr Wermuth beschäftigte sich u. a. mich mit den mißgünstigen Behauptungen, die vornehmlich von den Konservativen des Llbgeordneterthauses in die Welt gesetzt wurden, Paß Berlin eigentlich viel zu viel erhalte. Er wies darauf hin, daß im Jahre 1912 das Staatseinkommensteuersoll iür den gesamten Staat 329,5 Millionen Mark betrug, davon entfielen aus die Stadt Berlin 44,1 Millionen, das sind 13,4 Proz., ans Groß-Berlin aber entfielen 81,4 Millionen Mark, das sind 24,7 Proz. oder bei Mitberechtmng der Zuschläge noch etwas mehr. Also Groß-Berlin trägt zu dem Staatseinkommensteuersoll ein volles Viertel bei.

Herr Wermuth hatte infolgedessen wohl nicht so unrecht, wenn er folgerte, daß bei einer Gegenüberstellimg der Leistungen des Staates für Berlin und der Steuerleistung Berlins für den Staat sich ergeben könnte, daß auch Berlin ein Recht hätte, sich in den großen Chor derjenigen zu stellen, welche sich nicht ge­nügend berücksichtigt glauben. Die Vorlage wurde in der Gesamt- ab)timmung einstimmig angenommen.

Es folgte der Gesetzentwurf, betreffend die Verbesserung der Oderwasserstraße unterhalb Breslaus. Die Vorlage fordert für den Ausbau der Strecke BreslauLebus 181/» Millionen und ;ur Anlage eines Staubeckens cm der Glatzer Neiße bei Ott- machau 2P/2 Millionen, zusammen 40 Millionen Mark.

Gegen dieses Staubecken erhob Oberpräsident a. D. Graf v. Zedlitz und Trützschler, u. a. ans persönlichen Gründen, weil sein Familienfideikommißbesitz dadurch so gut wie vernichtet würde, tmfte Bedenken, die zu längeren Erörterungen Anlaß gaben. Das Gesetz wurde mit großer Mehrheit angenommen. Das Haus ging sodann in die Pfingstferien.

bei Posen, über das VI. Armeekorps am 29. August bei Breslau abnehmen. In Posen wird der Kaiser mehrere Tage in der neuen Kaiserpfalz, residieren. Die Armeekorps werden nach den Paraden ihre Brigade und Divisions­manöver abhalten und an deren Schluß in die Bereit­stellungsräume für das Kaisermanöver einrücken. Dieses beginnt am 8. und endigt am 10. September. Die Ver- wendung z a h l r e i ch e r F l i e g e r - A 0 t e i l u n g e n wird den großen Fortschritt vor Augen sichren, die die Luft­fahrt im letzten Jahre gemacht hat. Lieber die Teilnahme don L e n k l u f t s ch i f f e n ist noch nichts näheres bekannt. Die höheren Stäbe werden wiederum mit den neuesten technischen Nachrichtenmitteln ausgestattet. Da die Ma­növer in wesentlich l lern er em Rahmen wie 19 12 angelegt sind, so wird in diesem Jahre die tak­tische S ch u l u n g d e r Unterführer und Truppe be­sonders zur Geltung kommen. Der Aufentlpiltsort des Kaiserlichen Hauptquartiers und der Manöverleitung steht noch nicht fest. Bestimmungen hierüber werden möglichst lange geheim gehalten, um die Parteiführer in der kriegs­mäßigen Lösung ihrer Aufgaben nicht zu beeinflussen.

Heil Kaiser, König, Vaterland!

sich die ganze Festversammlung und brachte dem Kaiser eine abermalige jubelnde Ovation dar, der darauf die Festhalle verließ, um nach Wiesbaden zurückzukehren.

Festausschuß am Portal der Halle betrat der Kaiser unter dem stürmischen Jvbel aller Anwesenden die große Kaiserloge. Das Konzert wurde durch dieKaiserhymne" Richard Wagners ein­geleitet, in einer Instrumentation von Rrcdolf Weinwurm und mit einem Text von Leopold Vahlsen.

Darauf sang der Frankfurter Sängerbund SchubertsNacht" und denGondelfahrer" mit Orchester begleitung. Einen gewal­tigen Eindruck machte GriegsLanderkennung" für Solo, Chor und Orchester. Die Baritonpartie fang Adolf Müller vom Frankfurter Opernhaus. Auf die Bedeutung des Sängerfestes als Kundgebung für das deutsche Volkslied wiesen die drei fol­genden Borträge der Frankfurter SängerTreue Liebe",Reiters Morgenlied" undDer gute Kamerad" bin. Daraus trug das Orchester die von Karl Bleyle ^München) aus Anlaß der Jahrhundertfeier der Schlacht bei Leipzig komponierteSieges- Ouvertüre" vor, welche die lieberfeitung zu drei 'vaterländischen Chören der Frankfurter Sänger bildete, und zwarGebet vor der Schlacht", dasSchwertlied" undLützows wilde, verwegene Jagd" von Theodor Körner, alle drei in der Komposition voy Karl Maria v. Weber.

Ein von dem Mitglied des Preisrichter-Kollegiums, General­musikdirektor v. Schuch, in Musik gesetztesWeihelied" für Bariton-Solo, Männerchor und Orchester schloß 'die Reihe der Vorträge. Der Text desWeiheliedes", der den Dresdener Schrift­steller Franz Koppel-Elberfeld zum Verfasser hat, enthält eine Verherrlichung des deutschen Männergesangs. Bei den Worten des Schlußchores:

Heil deutsches Lied ! In hellen Chören Soll Männersang wie Orgelklang Dem Vaterlande Trene schwören!

Ausland.

Rassische Spione in Schweden.

Aus Stockholm wird gemeldet: Zwei russische Sche­renschleifer wurden heute von der Polizei bei Gustavsburg außerhalb von Stockholm unter dem Verdacht der Spio­nage v e r b a f t e t. Bei der Durchsuchung sand man bei ihnen eine Anzahl Generalstabskarten über die See-Einfahrt nach Stock­holm und mehrere Gegenden in Oester-Götland und Vermland. Die Verhafteten bestreiten, Spione zu sein.

Die französischen Kämpfe in Marokko.

Aus Rabat wird gemeldet: Die Kolonne Mangin lagerte am, 27. und 29. April in Ali Berahim im llmerebiatale und zerstreute den auf den benachbarten Höhen stehenden Feind. Ein erbitterter feindlicher Gegenangriff am 28. April wurde abends zurückgeschlagen. Mangin lockte am 29. April den Feind durch einen vorgetäuschten Rückzug nach sich und schlug ihn in die Flucht, wobei der Feind viele Tote znrückließ. Die Franzosen verloren 15 Tote, darunter einen Offi­zier, und hatten 2 5 Verwundet e. Der Feind zog sich ent­mutigt in das Atlasgebirge zurück.

Ue bars all eines Eisenbahn zu ges in Mexiko.

Wie demMackin" aus Mexiko gemeldet wird, über- ftcklen 1500 Anhänger Zapackas in Nepantla, einem 80 Kilo­meter von Mexiko gelegenen iOrt, einen von Cuatla cin- gMroffenen Eisenbahnzug. Die militärische Be - g l e i t u n g it n b alle Reis enden des Z u >g e s seien nieder gemacht worden. Di2 Zahl der Opfer batraga über 15 0.

Der Kat!er in Wiesbaden.

Wi«s baden, 5. Mai. Der Kaiser sprach gestern 'Cbenb im Theater den Dramaturgen des Stuttgarter Hof- cheaters, Schriftsteller Dr. B l 0 e m, welcher unlängst zu seinem Geburtstage mit einem Orden ausgezeichnet worden Ivar. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts Wirklichen Geh. Rates v. Valentiui imb empfing später das Präsidium der Deutschen Gesell­schaft für Kaufmannserholun gsheim e mit dem Kommerzienrat Josef Baum an der Spitze zur Ueber- fiabe eines Modells des jüngst eröffneten Kaiser-Wilhelm- Keims bei Wiesbaden (Chausseehaus). Das Frühstück rahm der Kaiser mit Gefolge bei dem Regierungspräsi­denten Dr. v. Meister ein. Geladen waren daselbst außer­dem der Ober-Präsident Hengstenberg, Oberbürgermeister Glässing von Wiesbaden, Oberst Freiherr v. Buttlar-Bran- densels, Landeshauptmann v. Krekel, Intendant v. Mutzen­becher, Polizeipräsident Schenck, Landrat v. Heimburg, Major a. D. Josef Laufs, Mitglied des Herrenhauses Walter vom Rath und Oberve.gierungsrat Dr. v. Gizycki.

Wehrvorla?,e und Mittellandkanal.

Int Budgetausschuß des Reichstags haben, wie erinner­lich, die Abg. Ba s s e r m a n n und Schiffer zur Beratung der Wehrvorlage eine Entschließung vorgeschlagen, die Re­gierung möge im Zusammenhänge mit der Wehrvorlage dem Projekt des Mittellandkanals wieder nahe­treten. Durch ben Zusammenhang, in den der Mittelland­kanal hier gestellt wird, ergeben sich ganz neue interessante Gesichtspunkte, die früher gelegentlich wohl gestreift sein Mögen, z. B. von den: früheren Eisen'bähnminister Budde, aber nun doch tzu einer weiteren Erörterung sichren werden, und zwar, wie zu erwarten ist, auch von militär-technischer Seite. Es kann, -so sagt dazu dieMagdeb. Ztg", aus die Berkehrsnot und den Wagenmangel in den Jndustrie- bezirken des Westens hingewiesen werden, die es wünschbar machmr, daß für den Fall einer Mobilmachung nicht nur für die Transporte von Truppen und Kriegsmaterial jeder Art andere Wege, wie B. der Wasserweg neben der Eisenbahn geöffnet werden, sondern daß der Wasserweg die Beförderung bei der Mobilmachung auch schon da­durch erleichtern kann, daß er einen Teil der Jn- dustrietransporte vom Schienenweg weg an sich zieht. Tie Eisenbahickartcn, die von einer Mobilmachung einen Be­griff geben und die in den vertraulichen Sitzungen des Budgetausschusses den Abgeordneten Vorgelegen haben, zeigen, daß wir im Möbilmachungsfalle sonst in der Tat leicht in Schwierigkeiten geraten können, weil dem' außer­ordentlich entwickelten Eisenbahnnetz des Westens kein ent­sprechend entwickeltes im Osten gegenübersteht. Hier also durch Eröffirung eines großen Wasserweges vom Osten nach dem Westen Abhilfe zu schaffen, muß als eine min­destens sehr erwägenswerte Frage erscheinen.

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Für die Schaffung eines preußischen Jrrcngesetzes fütb im Ministerium des Innern die Vorarbeiten eingeleitet worden. Zunächst werden von einer Reihe von bedeutenden Irrenärzten, Leitern von Irrenanstalten und von den Pro­vinzialbehörden Gutachten eingefordert werden, um die Grenzen für ein Eingreifen des Staates auf diesem Ge­biete festzulegen. Es handelt sich um die Regeli'.ng schwie­riger Fragen, hauptsächlich darum, ob der Maat die Be- lmndlung geisteskranker Verbrecher übernehmen soll und die Kommunen entlastet werden sollen. Die Regierung, geht mit der Absicht um, diese Fürsorge den Provinz^ aufzubürden. In welck)er Weise dies m geschehen hat, wird im Laufe der Verhandlungen sestzustellen sein. Ob der Ent­wurf dem Landtage bereits in der nächsten Session zugehen wird, ist noch ungewiß.

Tagungen sozialer vereine.

Verein zur Beschäftigung Arbeitsloser in Hessen und Hessen-Nassau.

Frankfurt, 4. Mai. Unter dem Vorsitz von Provin­zialdirektor Geheimerat Dr. Breider t (Mainz) trat am Sams­tag derVerein für Hessen und Hessen-Nassau zur Beschäftigung Arbeitsloser" hier zu seiner Mitgliederversammlung zusammen. Der Tätigkeitsbericht für 1912 beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung der Arbeiterkolonie Neu-Ulrich st ein, die als durchaus befriedigend angesehen werden kann, obwohl die Zahl der Kolonisten such verringert hat. Die Bettiebskosten der Anstalt stellten sich 1912 auf 29 054 Mk. In diesem Jahr wird der Kolonie eine SchmiÄ>e- und Schreinerwerkstätte an­gegliedert. Auf absehbare Zeit ist die Kolonie genügend be­schäftigt. Als nächste Aufgabe sieht der Verein die Schaffung eines Arbeitsheims und die Fürsorge für jugend- l ich e Wanderer vor. Entsprechende Vorlagen werden dem­nächst in Bearbeitung kommen. Pfarrer F r a n ck e (Kassel) regt bei Arbeitsmangel an, den Verkauf der ^Kolonie ins (Auge zu fassen und an anderer Stelle eine neue zu gründen. Landes­hauptmann Kreke (Wiesbaden) warnt, wenn an den Verkauf gedacht wird, vor Neichauten, gleicher Ansicht ist Geheimerat Best. Der Hausha-ltsplan des Vereins für 1913 wurde mit 51400 Mk. Einnahmen und Ausgaben festgesetzt, der der Arbeiterkolonie mit 40 023 Mk. und jener der Wirt- schaftsvcrwaltung mit 67 208 Mk. An SteUe ausgeschiej«ner Mitglieder wurden neu in den V0 rstand gewählt: Regierungs­assessor Welter (Wiesbaden), Reg.-Baumeister ©arbemann (Mar­burg), Oberbürgermeister Scholz (Kassel), Landrat Tuerke (Roten­burg), Dekan Jaudt (Planig). Zum Stellvertteter des erkrankten Rechners Gerhardt (Mainz) bestimmte man Stadtsekretär Meckel (Mamzst Schließlich wurde der Antrag angenommen, die Aufent­haltsfrist der Wanderer in Neu-Ulrichstein von fünf Wochen auf drei Monate zu verlängern.^

Verband der V erpflegun gs st atro new irnb Wanderarbeitsstätten.

Frankfurt, 4. Mai. Am Samstag hielt derVerband der Verpflegungsstationen und Wanderarbeitsstätten Aessen und Hessen-Nassau" seine gutbesuchte Hauptversammlung ab. Dem: vom Vorsitzenden, Oberregierungsrat Springer um (Wies­baden), erstatteten Verwaltungsbericht war zu entnehmen, daß der Verband auf ein erfolg- und arbeitsreiches Jahr zurück- blickeic kann. Die Annahme des Warrderarbeitsstättengesetzes war für Hessen-Nassau von entscheidender Bedeutung und hat die maßgebenden Behörden Hessens und Hessen-Nassaus ermutigt, den Plan für 'eine gemeinsame Wanderordnung und einen gemein­samen Paß aufzustellen, lieber die reicl)sgesetzliche Regelung der Wandererfnrsorge berichtete Provinzialdirekwr Geheimerat Dr. Breidert (Mainz).^ Pfarrer Lic. Francke (Kassel) legte den von ihm entworfenen und nach den Vorschlägen des Dr. Schlotter (Frankfurt) geändert en . Wanderpaß vor. Er ist als Kontrollpavier für die Landesteile gedacht, die das Wander­wesen neu regelten. Es wurde beschlossen, den Paß und die neue Wanderordnung zur Annahme zu empfehlen. Der von Francke (Kassel) und Dr. Schlotter (Frankfutt) vorgelegte Entwurf einer Wanderarbeitsstättenkarte für Deutschland wurde dem fNitteldeutschen Arbeitsnachweis- Verbünde zur weiteren Behandlung übergeben. Im Mittelpunkt der Tagung stand der Anttag auf Verschm elz ung des Sta­tionsverbandes mit dem Mitteldeutschen Arbeits­nachweisverband. Oberregierungsrat Springorum gab dazu eine ausführliche Begründung. Nach der gesetzlickien Rege­lung der Wandererfürsorge hat der Verband seine eigenUiche Aufgabe erfüllt; sein Aufgehen in den Mitteldeutschen Arbeits- nachlveisverband sei darum zu empfehlen. Das Vermögen des Verbandes soll zwar dem Arbeitsnachweisveichand zusaUen, aber als solches erhalten bleiben. Nachdem Geheimerat Dr. Brei­dert den Antrag dringend befürwortet hatte, fand er ein­stimmig Atmahme. Ministerialrat Best (Darmstadt) dankte Ober- rcgieningSrat Springorum für die Leitung des Verbandes, der 25 Jahre segensreich gewirkt hat und mm in den ^Arbeits­bereich des Arbeitsnachweisverbandes übergeht.

Heer mtö Flotte.

Das d-iesjä hrige Kaisermanöver Wüschen dem V. und VI. Armeekorps wird aus dem für Preußen geschichtlich sv denckivürdigeu Boden der Provinz Schlesien siattfinden. Vor denr Kaisermanöver wird der Kaiser die große Pgrade Mer das V. Armeekorps am 26. ,Augstst

Dienstag, 6. Mai W

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen

'g Universiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.