Zweites Blatt
M. 3(
163. Jahrgang
Erscheint töyttch mit Ausnahme des Sonntags.
Delbrück, v. Ion -
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Abg. Koertteu (soz.)
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Beethovens handbibiiothek.
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daß der Herr nicht Müller geheißen hat. (Beifall.)
Die Beratung des Reichsveesichcrungsamts beginnt einer längeren Rede des
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ang 8 Uhl jriaen, Imie e haben Zutritt-- gelaßen, auheiio
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Am Tische des Bundesrats:
Es hnrrben die Väter gepriesen Als mutige Löwen im Streit,
Donnerstag, 6. Februar WZ
Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universiläts • Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Ludwig XIV. soll bei der Erftanffüh>rung der Dichtung die betreffende Stelle durch Kopfnicken besonders gebilligt haben. Auch aus einem Gedichte Ernst Moritz Arndts wurden die Verse herbei-
tralisrertc Armenpflege.
Abg. Becker-Arnsberg (Zentr.'):
Unsere Arbeiterversicherung verdient nicht ein so abfälliges Urteil ww e6 Ire Vorredner hier gefällt hat. Von der Vollmacht des § 547 der Reichsversicherungsordnung, die U n f a l l v e r i i ch ; r u n g auf b t. st i m m t e gewerbliche Berufskrankheiten auszudehnen. sollte möglichst bald nach Inkraftreten des dritten Buch-s der R. B. O. Gebrauch gemachi werden. Wir fordern insbesondere, daß das Augen- zrttern der Bergarbeiter (Nystagmus) als gewerb- liebe Berufskrankheit der Unfallversicherung unterstellt wird. Nicht minder notwendig ist das auch für die Lungen krankheiten der S t e ! n a r b e t t e r. Wir haben eine entsprechende Resolution nngebracht, ote von allen bürgerlichen Parteien unterstützt ist.
Tie „chirtzevek Famillenblättrr" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreist; krtt ffl: den Kreis Siehe»" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erfchemen monatlich zweimal.
Die Weichlinge nannten sie Riesen: .Ihr Schwerthieb schlug tief und schlug breit, Ihr Speer fuhr durch Rost und durch Reiter, Durch Panzer und Schild, wie der Blitz.
Sie fürchteten Gott und nichts weiter, / . Und hielten nur Tugend für Witz.
— W ä r m e u n d T e n l a r b e i t. Tie Leistung der Zellen menschlichen Körper steigt mit der Erhülmng der normalen Temperatur. Auch für das Gehirn gilt dieses Gesetz. Darum tann man durch künstliche Erwärmung des Gelfirns die Denkätigkeit anregen. Ti es en Umstand haben viele der berühmten Dichter und Denker aller Zeiten ausgenützt, um ihren Tenkapparat anzuspornen. Wie im! Januarheft der populär-medizinischen Monatsschrift „frijg" (Verlag Volksmedizin, München) geschildert wird, vergruben Milton, der Dichter des „Verlorenen Paradieses" und ebenso ^'Descartes, der Philosoph des ,Hch denke, folglich bin ich," ihren Kopf in Sofakissen, um das Gehirn zu erwärmen. Ter Schriftsteller und Verfasser leidenschaftlicher Reden, Bossuet, zog sich in ein kaltes Zirniner «zurück, nachdem er den Kopf mit warmen Tüchern umwickelt hatte. Der Lebensreformator Rousseau ordnete seine
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.
$RebaÜion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Gedanken, indem er in der twisten Mittagssonne unbedeckten Hauptes spazieren ging. Schiller hatte ein eigentümliches Verfahren, einen heihen Kopf zu erzeugen. Er steckte nämlich seine Füße in ein Schaff voll kalten Wassers, was ihm nebenbei langwierige Katarrhe eintrug. Von Goethe ist bekannt, das; er besonders gerne im Alter dem Weine zusprach. Tenn der Alkohol, soivie Tee, Kaffee, starke Gerüche, alles das sind Mittel, welche einen heißen Kopf machen und deshalb von zahlreick-en Geistesarbeitern, und nicht nur von diesen, zur Anregung benützt werden. Beginnende Gehirnkrankheiten, welche mit Entzündung verbunden sind, verleihen durch die damit verbundene Erwärmung dem Betreffenden aus dem gleichen Grunde oft eine erstaunliche geistige Regsamkeit. Wem fällt da nicht die Leidensgeschichte des Dichtcr- philosovhen Nietzsche ein. Nach den Daten, uxW Lombrose gesammelt hat, erhält die übcrrasckfende Geistestätigkeit vieler Genies (eine große Anzahl hat ja int Jrrenhause geendet) seine eigenartige Erklärung. „ , . J
— Kurze Nachrichten aus Kunst und W l l s e n - schäft. In Basel ist der frühere a. o. Professor der PMk an der dortigen Universität, enterit. Gymnasialdirektor Dr. Fritz Bur ck Hardt im 83. Lebensjahre gestorben.
Abg. Sachse (Soz.):
Daß cS möglick 'st. in Jndustriebezirken Landkrankenkasien zu errichten, ist die Schul? des Zentrums. Warum hat das Zentrum f.einerqeit n.chr uiiseren Anträgen, die das verhindern wollen, zugestimmt.
Ministericildirektor Dr. Caspar:
Die Entscheidung über Diz Frage der Errichtung von Land- kranlentapen in Jndustriebezirken, liegt nicht beim Reichsversicherungsamt. Tas ist Sache der Landesbehörden.
Tic Resolution Becker wird angenommen.
Beim „Kanalamt" tritt
Abg. Hoss Wv.)'
für eine Vermehrung des L o t s e n p e r s o n a l S ein. Das ist bei dem steigenden Verkehr im Kaiser-Wilhelm-Kanal uncr- läßlich. Tic Haitpflichtverhaltnisfe der Lotsen sind recht ver- bcfierungSbedürftig Tie gegenwärtigen Verhältnisic entsprechen weder den Interessen der Lotsen noch der Reeder. Tie Löhne der Maschinenanwärtcr sind in der letzten Zeit überhaupt nicht gestiegen.
Er appelliert an die Verbündeten Regierungen, nicht Drängen Der Berufsgcnosfcnschaften zu folgen, Dtc auf gleiche Behandlung der gewerblichen Vergiftungen mit den Vetriebs-- unfäHen gerichteten BundcsratSvcrordnungen zurückzuziehen; im Gegenteil, hieraus ist noch mebr Wert zu legen. Der Redner wendet sich gegen die Strenge und immer größere Zurückhaltung bei der Entschädigung von Unfällen. Da heißt es jetzt: die Unfälle kommen nicht mehr so vor; o ja, aber die Renten nicht. Leistenbrüchc seien natürliche Anlage, heißt cs jetzt; bricht der Mann bei der Arbeit zusammen, so sei cs die Wirkung, nicht die Ursache, und d'c Wirkung wird nicht entschädigt. Die kleinen Renten werden überhaupt nicht mehr gezahlt. Das Reichsversicherungsamt s ch a b l o n i c r i schon seit längerer Zeit. Insbesondere operiert man immer mit dem Begriff der „Gewöhnung". Man gibt bei Ablehnung von Anträgen heute gar keine Begründung mehr; inan verweilt einfach auf die und die Nummer der früheren Entscheidungen. Wehe aber dem Unglücklichen, der mit dem Bersichcrungsaint in Streit gerät! Die Witwen - und Waiscnversicherung ist nichts weiter als eine zcn-
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Mb. Deutscher Reichstag.
'(KM. S itzung, Ai i t t w o ch. den 5. Februar.)
iaitl i»lß bitten
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Abg. Dr. Waldstein (Vv.):
Auch die Anstellungsverhältnisse der Lotsen find reformbedürftig. Unerträglich ist der Ausschluß der fiskalischen Haftung für Lotsen und Schifisfübrer auf dem Kanal für Beschädigungen fremder Schiffe. Ter ReichsfiSkuS solle für alle Fälle bk .Haftung übernehmen, auf Grund deren er die Reedereien entschädigt, und er mag sich selbst rückversichern. Fetzt geht es noch io lange gut, bis es mal nicht mehr geht und ein Skandal entsteht.
Ministerialdirektor Dr. b". Joncam^reS bemerkt dem Avgeordneten Hoff gegenüber, daß eine Aufbesserung der Maschinenwärter wie aller Monatslöhner in den letzten Fahren sogar zweimal erfolgt fei. Tie Anregung Waldsteins ist schon letzt im Gange, es schweben über die Uebernahme der ganzen Haftpflicht Erwägungen; wir wollen sie noch erweitern. Beim „Aufsichtsamt für Privatversicherung- bekämpft
Abg. Taiibadcl (Soz.) die Abonnentenverficherungen. Sowohl bei den fog. beau'iichtigten wie bei den unbeaufsichtigten Versicherungen werden die Versicherten in den meisten Fällen im Unttaren uver ote Bestimmungen gelassen. Es liegt im Jnterepe der Arbeiter und Handwerker, ioenn diesem Unfug der Abonnentenveriicherung endlich einmal cm Ende gemacht wird. Ich borrc, daß der Denkschrift über diese Materie bald ein Gesetz folgt.
Abg. Marcour (Zentr.-:
Das Aufsichtsamt für Privatversicheruug zeigt ein c auf. fallende Zurückhaltung in der eaefje bet Ubonnuit^i. Versicherungen. Der politischen Preße wird der Vorwurr gemachtz bafe fte Siibtraucn gegen di-k Verfiche-nng-n erregt Me. ®S ist doch die Pflicht der ernsten und gewiffenharten Presse. auf Mißstände im öffentlichen Leben, hinzuweisen. Und bien? Verpcherun. gen haben sich als ein Mißstand erwiesen .Meme politischen Freunde sind daher nach wie vor der Ansicht daß solche. Verpchc- rungen unzulässig sind und nur Schaden für das Publikum brin- gen ober bringen können. Zum minbesten ist eine wirksame Beaufsichtigung notwendig.
Wenn baß Reichsgericht gegen eine solche Beaufsichtigung entschieden hat, dann muß hier eben die Gesetzgebung geändert werden. Aber auch bei den beaufsichtigten Versicherungen haben die Versicherten nick die nötige Garantie, daß sie im Falle eines Unfalls ?u ihrem Recht kommen Noch ist es Zeit, hier einzugreifen, denn bei den rund 10 000 Zeitungen in Deutschland haben im ganzen etwa 300 Zeitungen eine Abon- nentenversichcrung. Dabei sind dies nicht einmal b . c e r st - klässigen Blätter. Ick möchte Sie auf eine Ausstellung dieser Zeitungen hier im Reichstagsgebäude Hinweisen; da werden Sie eine Reihe von Namen finden, die Sie wahrscheinlich m Ihrem ganzen Leben noch nicht gehört haben. (Beifall.).
Abg. Dr. Junck (Natlib.)k
Im Gegensatz zu den Vorrednern nehme ich eine freund- kichere Stellung zur Abonnentenversicherung ein. Die Redner des Zentrums und bei Sozialdemokratie fordern ein Ausnahmegesetz, ein völliges Verbot dieser Versicherungen. Di- Herren sind auffallend scharf gewesen. Auf diese Weise wird man dieser interessanten und nickt unbedeutenden Er»
der Beginn von Othellos großem Monolog vor der Ermordung Tesdemonas, Sätze über Erziehung in „Ende gut alles gut" und die berühmte Stelle über die Musik im Schlußakt des Kaufmanns von Venedig.
Als Dokument seiner lebenslangen Beschäftigung mit Goethe, den er am meisten verehrte, steht in der Handbibliothek der zahlreiche Gebrauchsspuren auswcisende W e st ö st l i ch e ,T i v a n , in dem die Schlußworte des Buches der Liebe „Liebende sich wiederfindend" mit zwei Frage- und drei Ausrufungszeichen versehen sind. *
— E i n berühmtes Wort Bismarcks. Das berühmte Wort Bismarcks „Wir Tentsche fürchten Gott, aber sonst nichts auf der Welt" ist vor einem Vierteljahrhundert, am «». Februar 1888, von ihm int Deutschen Reichstage gesprochen worden. Nach der am 8. Dezember dem Reichstage übergebenen Vorlage sollte die Dienstpflicht der Ersatzrescrvc erhöht, eine Landwehr zweiten Aufgebots gebildet und der Landstttrm so organisiert werden, daß ihm künftig alle Wehrpslichttgen vom 17. bis zum 45. Lcbens- jafrrc, die nicht gedient haben, angehörten. Zur Besckwkfung des für diese Riesenarmee notwendigen Kriegsbedarfs wurde die Genehmigung einer Anleihe von 278 Millionen nachgcsucht. Bei der ersten Beratung des Anleihegesetzes, zugleich der zweiten des Wehrgcsetzes, hielt der Kanzler eine zweistündige Rede über Deutschlands Freunde und Feinde, in der er gegen den Schluß jene Worte, die schnell geflügelt wurden, sagte. Tor ganze Schluß jener Rede lautete: „Jedes Land ist auf die Dauer doch für die Fenster, die seine Presse einschlägt, irgendeinmal verantwortlich: die Rechnung wird an irgendeinem Tage präsentiert in der Verstimmung des anderen Landes. Wir lönnen durch Liebe und Wohlwollen leicht bestochen werden — vielleicht zu leicht — aber durch Drohungen ganz gewiß nicht. Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts auf der Welt (lebhaftes Bravo), und die Gottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden lieben und pflegen läßt. Wer ihn aber trotzdem bricht, der wird sich überzeugen, daß die kampsesfreudige Vaterlandsliebe, welche 1813 die gesinnte Bevölkerung des damals schlvachen, kleinen und ausge- sogenen Preußen unter die Fahnen rief, heutzutage ein Gemeingut der ganzen deutschen Nation geworden ist, und wer diese irgendwie angreist, sic einheitlich gewaffnet finden wird, und jeden Wehrmann mit dem festen Glauben im Herzen: Gott wird mit uns sein!" — Natürlich konnte es nicht felsten, daß sich vor 25 Jahren sofort an das neue geflügelte Wort die Philologen hefteten, die dann herausfanden, daß das Bisstiarcksche Wort — französischen Ursprungs und etwa 200 Jahre alt sei. Racine ließ in seiner „Athalie" in der ersten Szene des ersten Aktes den Hohenpriester Joas jum Feldhauptmann Abner also sprechen: „Je crains Dien, eher Abner, et n’ai point d’antre crainteM
Abg. Hepp
Die landwirtschaftlichen Bcrufsgenossen- schäften sollten mit den Beslraiungen langsamer Vorgehen. Für sie Leute auf dem Lande ist die Wirkung immer recht betrüblich. Auch die Rentenentscheibungen der Berufsgenossenschaften geben zu großen Bedenken Anlaß. Mir find namentlich viel Klagen darüber von Bergleuten zugekommen. Der Beruf des Bergmanns ist trotz aller Fürsorge der Grubenverwaltungen äußerst schwer. Hier muß vor allem für ausreichende Krankenhilfe gesorgt werden. Ten Wunsch, die Witwen- und Waiserversicherung weiter auszugeftalten, unterstützen wir. (Beifall b. d. Natl.)
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Beethoven war ein genialer Autodidakt, der unter einer Mangelhaften Allgemeinbildung sein Leben lang gelitten hat: doch icar er ein eifriger Leser, und nachdem er von Tagesanbruch bis z um beginnenden Nachmittag sich seinem Schaffen gewidmet lsatte, xthörte dann der Abend der Erholung, die zumeist in der Lektüre nuster Bücher bestand, und zwar las er nicht vielerlei, sondern dieselben ihm wert gewordenen Bücher wieder und immer wieder. ; Sin hochinteressantes Abbild dieses seines geistigen Verkehrs mit 1 d-m Dickstem gewährt die Heine Handbibliothek, von der ein Rest mit dein Nachlaß seines treuen letzten Amanucnsis Schindler .t in die Berliner Königliche Bibliothek gekommen ist.
Pros. Albert Leitzmann berichtet in einem Aufsatz „Beet- :* kwens literarische Bildung" in der Deutschen Rundschau Näheres i. iwrüber. Die noch vork>andenen Bücher sind: ein lateinisckzes, ein i siianzösisches und italienisches Wörterbuch, zwei Bände von Esckfen- bargs Shakcsxeare-V.ebersetzung, Homers Odyssee in der Ueber- lv_. setzung von Voß, Goethes westöstlick)cr Divan und die „Betrach- | hungen über die Werke Gottes im Reiche der Natur und der ■* Vorsehung", ein theologisches Werk des Rattonalisten Sturm. 'Ale diese Bücher enthalten höchst charakteristisck^e Lese- und Ge-
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Abg Behrens (W'rti"ck> fZlna.)?
Es werden jetzt die neuert Krankenkassen eingerichtet. Da ist es merhvürbifl, wie dahin gearbeitet wird, in großen Industriestädten Landkrankenkassen einqurichten. Tas ist doch höchst unzweckmäßig. Es ist auch nickt zu verstehen, wie die Landwirt- schastskaminer für landwirtschaftliche Belriebskrankenkassen ein- treten können. Ta fällt die iwnzc Last den kleinen und mittleren Bauern zu. Ter Resolution Becker stimmen wir zu.
Abg. Tanbndel (Sn*.):
Tie Bewilligung von Invalidenrenten ist bedauerlich zurück- gegangen, während die Zahl der Versicherten ständig zugenoniinen hat. rigoroser Weife werden schon bewilligte Renten wieder entzogen. Tie Renten sind viel zu niedrig. Aber selbst diese Renten werden nicht einmal gezahlt. Tie Anstellungs- Verhältnisse bei den Berufsgenossensckaften bedürfen der schärfsten Nachprüfung durch das Reichsversicherunasamt.
Abg Koßnmnn (Zentr.):
Tie For'ckungei'. über die i'oa:nannten Berufskrankheiten müßen eifrig fortgejetzt werden. Tie fi eigen de Unzufriedenheit mit unterer sozialen Gesetzgebung beruht nicht auf dem Wesen dieser Gesetze, sondern auf die Art und Weise, wie sie in der Praxis angewandt werde. Tie Interessen der Unternehmer dürften nicht ausschlaggebend sein. Wer in Ausübung seines Berufs seine Gesundheit eingebüßt hat. kann eine gerechte Berücksichtigung seiner Interessen beanspruchen. Hiersiir sind aber dic ärztlichen Gutachten maßgebend; diese werden von den Vertrauensärzten ausgestellt, die häusig das Amt nur im Nebenamtc betreiben und schon durch ihre sonstige Praxis voll in Anspruch genommen sind. Tie Aerztekommissionen und diä Vertrauensmänner der Berufsgenossenichaften sind überlastet. Daher sind ihre Gutachten minderwertig.
Ministerialdirektor Caspar
teilt mit. daß die Reichsverwaltung im Einvernehmen mit ben Landesministerien Verbandlungen über die Einreihung dieser Krankheiten — Augenzittern der Bergarbeiter und Lungenkrank- heilen der Steinarbeiter — gepflogen habe. Tie Klagen über Renten entzieh nngen und Rückgang der Bewilligung der Renten sind nicht nur eine unbillige oder härtere Auffassung der Bersicherungsbehörden zoriickzurühren. Tie Untersuchungen haben ergeben, daß in den verschiedenen Bezirken des Reiches die Ren- tenbeivilligung nach lebe verschiedenen Grundsätzen erfolgte, und hierin ist nack Möglichkeit, ohne Unbilligkeit, eine Aenderung getroffen worden. Daß das in den einzelnen Fällen nicht zu Unrecht und mit zu großer Härte geschieht, dafür bietet der Rechtsweg die Gewähr, an dessen Instanzenwege die Versicherten selbst mitbeteiligt sind.
Abg. Silberschmidt (Soz.)
spricht über die Frage der Bauunfällc und betont die Notwendigkeit der Zuziehung von Arbeitern zu den Beratungen der Versicherungsbehörden über Unfallverhütungsvorschriften bei den Bauten. Auch die Arbeitgeber ständen bereits vielfach auf diesem Standpunkte.
Abg. Giesberls (ßenir.)?
Die Arbeiter int Westen beschweren sich vielfach über ihre unangebrachte .Hereinzicbung in Lau b-I r ankcnkassen , die von den Landräten und Kreisausschüfsen entgegen dem Willen der Bürgermeister verfügt wird. Sogar in der Stadt Essen ist das geschehen. Tic Tendenz ist gant- klar. Die großen Betriebskrankenkassen sollen mit den landwirtschaftlichen und den Landkrankenkasien zufamm-n eine solche Macht gewinnen, daß sie die Versicherungsbehörden in ihrer Ricktung beeinflussen können. Die Landkrankenkasien eignen sich nickt für städtische Arbeiter, sondern nur für ländliche, eingewohntc Verhältnisi-. Was die Arzt- srage bei der Invalidenversicherung betrifft fo ist das, was not tut, die Schulung der Arbeitervertretcr bet der Versicherung.
Abg. Dr. Hargy (Elsässer)
bringt Beschwerden aus der elsässischen Industrie zur Sprache, die sich gegen die Art mancher Unfallverhütungsvorfckriften wenden, sie seien vielfach fo lästig, daß der Nutzen für dic Arbeiter völlig ausgewogen wird. Tie Altersgrenze sollte herabgesetzt, die Invalidenrente erhöht werden. Tie französischen Leistungen, die viel größer sind — Altersgrenze von 60 Jahren und Renten von 320 bis 600 Francs — erregen eine ungünstige Stimmung bei den Arbeitern in Elsaß-Lothringen.
Abg. Astor (Zentr.)
begrüßt die Gründung von Lagerei-Berussgenossenschafien.
C q u i e r e
Präsident Tr Kaemvf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.
Der Ua! ses Heidisomte öes Znrreren.
z (Dreizehnter Tag.)
Dic Beratung wird fortgesetzt beim Reichsversicherung s a m t.
Zuvor gibt Ministerialdirektor Tr. t>. JoncqnicreS eine Erklärung ab. Bei der Erörterung der Frage der Seeunrälle in der vorigen Woche [jattc der Ministerialdirektor in Beantwortung einer Beschwerde des sozialdemokratischen Redners, des Setters des Transportarbeiterverbandes Schumann mitgeteilt, daß auf der zur Vorbereitung der internationalen Seeunfallkonferenz im Oktober v. I. veranstalteten Hamburger Konferenz der deutschen Beteiligten auch bic noch der Versicherungsgesetzgebung zuständigen Bertteter der Seeleute zngczogen waren; er hatte mit einer Wendung zu den Sozialdemokraten hinzugesügt. daß auch der Vorsitzende des SeemannSverbandes, Herr Müller, dabei gewesen sei. Inzwischen hat nun der sozialdemokratische Redner. Abg. Schumann, feftgeücöt, daß das nicht Herr Müller, sondern ein anderes Vorstandsmitglied des Seemannsverbandes mit Namen Hofsmann gewesen sei. Abg. Schumann bezeichnete diese Verwechslung in einer öffentlichen Erklärung als einen vermutlichen Trick. Ter Ministerialdirektor bittet deshalb um Entschuldigung,
Manchsspurcn in Form von Eselsohren, turnen an den. Raub Ji n. bis Piscbriedenen Bemcrttingen und besonders vielen Strichen, Ki:euz<m, iebtu^n 1* |B 'Su^eid;nuttgcii und Fragezeichen, deren Form, Größe und Anzahl inet)U, • j b-ietfadi die Stimmung wiederspiegelt, in der sich der Le,cndc (l||| i! mit seinen leideuschastlichen Temperament bet einer befttmmtcn in'1- Stelle befand. Die Wörterbücher bestätigen die Tatsache, die man II (ud) sonst über seine Sprachkennttiisse weiß. Tas Griechisch U irnr ihm zu seinem größten Bedauern gänzlich verschlossen: La- MII tEinisch verstand er etwas; das Italienisch war ihm am geläufigsten : französisch — und übrigens auch englisch, tonnte ö ei sich nur mit großer Mühe ausdrllcken. Seine mit den Jahren fÜckig zunehmende Liebe und Begeisterung für die antike, besonders iir dic grieckstscbe Literatur sand ihren höchsten Ausdruck in J fsner Verehruiig des Homer. Ein unerfüllter Lieblingswunsch :! V-on ihm war es, eine Oper „Odysseus Heimkehr" zu fontpoiuercn. . - Sein Exemplar des Homer enthält viele Striche am Rande, «au häufigsten bei den allgemeinen Sentenzen und bei Schil- y b trungen einfachster Naivität: die an manck-cn Stellen bcige- . . schriebeneii Kürzen- nnd Limgenzcichen scheinen auf Absichten zur , .Wrnipasitioii hinzudeuten, wosür auch in Skizzenbüchern Belege r«vorhanden sind. Neben Horner liebte er von allen außerdeutschen [ g Tickstern Shakespeare am meisten, und zwar zog er der meister- , । Wten ilebcrtragung Schlegels Efchcnbnrgs steise und gezwuiigcnc . d i-iosaisck>e Uckersc^ing vor, an dic er sich von Jugend aus ge-
[W " E»nt l>atie. In den noch vorhandenen zwei Bänden sind eine
«eihc von Stellen am1 Rande durch Striche bezeichnet, -. B.


