Ausgabe 
5.7.1913 Erstes Blatt
 
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der Deputierten war unbeschreiblich. Alles klatschte Beifall und rief: Es lebe der König, die Armee, die Nation und Vemselos!

Eine Schlacht bei Kotscharta.

Belgrad, 4. Juli. Die Stellung der Bu.lg>aren bei Raj>o-evo b rd-a, twrdllck) von Kotschana, die mit hundert Geschützen besetzt ist, ist von den serbischen Truppen eingenommen und dadurch die Schlucht gewonnen worden. Die Bulgaren fliehen in der Richtung nach Kotschana.

Serbische Behauptungen.

DemSerbischen Pressebureau" zufolge befindet sich Unter den von den serbischen Truppen beschlagnahm­ten bulgarischen Schriftstücken das Original dirrer Ord-er des Kommandeurs der vierten Division (Preslaw) unter dem 16. Juni, worin es heißt: .Morgen beginnen die militärischen Operationen gegen die Serben und Griechen. Gegenüber der Front der bulgarischen Brigade halten die'Serben die User des Zlatowoflusses fest. Die Armee wirk die kriegerischen Operationen morgen fiüh um 3 Uhr beginnen und den Feind angreifen. Die Brigade, in zwei Abteilungen geteilt, soll um drei Uhr früh an den Zlatvnwfluh kommen und sich geräuschlos nähern, die die feindlichen Vorposten überwältigen und dann die ihnen zugewiesene Stellung einnehmen. 'Der Feind muß: überrascht werden." Wenn man dem Umstand Rechnung, trägt, wie­viel Zeit dazu gehört, einen derartigen Angriffsplan aus- zustellen, vorher die Truppen dementsprechend zu grup­pieren, die notwendigen Anordnungen auszuarbeiten, sie im einzelnen zu erklären und selbst den kleinsten Einheiten mitzuteilen, muß man leicht zu dem Schluß- kommen, daß die Vorbereitungen dieses Angriffes mindestens vor dem 15. Juni gemacht worden sind, das heißt, in dem Augen­blick, in dem die Bulgaren angeblich bereit waren, die friedliche Lösung dos Konfliktes anzunehmen.

Belgrad, 4. Juli. (Prefsebureau.) Serbi sch eInfa n - t e r i e und Artillerie operierten, obwohl sie bei Kara Hodzcn in der Nähe des Dorfes Patrik sehr exponierte Stellungen em- genonunen hatten, mit Erfolg gegen drei bulgarische Regimenter. Am 18. Juni 1. Juli) nachmittags ergriffen die serbischen Truppen die Offensive, fliegen 2 Uhr erschienen zwei lmlgarische Offiziere als Parlamentäre: der serbische Kom­mandant erklärte, er werde das Feuer einstellcn lassen, wenn die Bulgaren fich von dem serbischen Gebiete zurückziehen wür­den. Zwei 'Stünden vergingen ohne eine Antwort. Plötzlich be­gannen die Bulgaren von beherrschenden Stellungen aus zu feuern. Diese Stellungen hatten sie nur durch die hinterlistige Benutzung des Zeitraumes einnehmen können, in welchem bic Serben aus eine Antwort warteten. In der Nacht warfen die Serben die Bulgaren ans ihren Stellungen bei Patrik hinaus, wo sie sich unter Mißbrauch des serbischen Vertrauens verschanzt hatten.

Niederlage der Serben?

Wien, 4. Juli. DieReichspost" meldet aus Sofia: Die so r bi s ch e Armee hat auf dem O v c e p o l j e eine vernichtende Niederlage erlitten. Die Vulgarer: sollen bereits den Vormarsch gegen Kumanowo sowie die serbische Grenze angetreten haben.

Eine neue bulgarische Siegesbchauptung.

Sofia, 4. Juli. (Meldung der Agence Bulgare.) Bis gestern mittag sind 2 5 Offiziere und 3000 Soldaten der serbischen T i m o k d i v i sio n mit sechs Feldge­schützen und zwei G e b i r g s g e s ch ü tz en getan gen ge - -no m m en w-vrdcn. Tie von den Serben unternommene Ofsennve »um Zwecke, dieser Division zn Hilfe ?,u kommen, sowie die uni 2 Uhr nachts unternommenen Angriffe gegen daS bmgariw Zentrum sind mit großen Verlusten der Serben zurückge- 1 ch l a g e n worden. Infolge des bisher- unternommenen Angriffs, - trobei die Serben beträchtliche Verluste erlitten hatten, ist die serbische Armee außer stände, irgend eine Aktion gegen die bul­garische Armee erfolgreich ju unternehmen.

Sofia, 4. Juli. Nachdem die serbischen Truppen die Posten an der bulgarischen Grenze bei Patarica angegriffen und zehn -Kilometer ins Innere des Departements Köstendck emgebrungen waren, unternahmen heute früh 'zwei bulgarische Bataillone einen Angriff gegen die serbischen Bataillon.', welche bis dahin vorgedrungen waren, schlugen sie vollständig in die Flucht und verfolgten sie bis K i s s e l i c a , nördlich von Egr: Palanka. Sodann nahmen die Bulgaren di: Höhen bei Kisseltca, wobei fünf Offiziere und gegen 200 Soldaten gefangen genommen wurden. Außerdem wurden drei Schnellfeuerfeldgeschütze, ein Ge­birgsgeschütz, drei Maschinengewehre, 26 Pferde sowie eine Menge Munition, Tornister und Zelte erbeutet.

DieNeue Freie Presse" meldet aus Sofia: Die, erste serbische Drinadivision, die als südlicher Flügel der serbischen Hauptarmee bei Köprülü stand, ist unter schweren Verlusten gegen Uesküb zurückgeworfen worden. Damit ist die Umklam­merung der serbischen Hauptarmee vollzogen worden.

Bulgarien protestiert nochmals auch gegen Serbien.

Sofia, 4. Juli. (Agence Bulgare.) Da die serbischen Truppen, nachdem sie ihre Operationen zum Schein etn- gestellt hatten, eine bulgarische Abteilung bei Kotschan ui dem Augenblick angriffen, wo bulgarische Truppen, ob­wohl provoziert, die Operationen eingestellt hatten, hat die bulgarische Regierung ihren Gesandten in Belgrad be­auftragt, gegen das hinterlistige Vorgehen zu protestieren, welches 'neuerlich Hie vorbedachten aggrei- siven Absichten - Serbiens beweise, wofür die bulgarische Regierung die volle Verantwortung der serbischen Regie­rung zuschiebe.

Tas neue bulgarische Kabinett.

Wien, 4. Juli. TieReichspost" meldet aus Sofia: 'Das Kabinett Dr. Danew hat demissioniert. Es soll durch ein Konzentrationskabinett mit General Petrow an der- Spitze und dem Generalissimus Sawow als Kriegsminister abgelöst werden. Katko Dimitri ew soll den Oberbefehl über die Armee übernehm-.m.

Rumänische Kundgebungen gegen Oesterreich.

Bukarest, 4. Juli. Wegen der gestrigen Straßenknnd- gebunqcn, die teilweise gegen Oesterreich Ungarn gerichtet waren, teilte der Ministerpräsident dem öfteri-tidz. .cti ungarischen Gesandten > A. der Regierung mit, sie werde ältliche Kundgebungen n i ch t w i e d e r d u l d e n. Diese seien ursprünglich bestimmt gewesen, dem König die Mobilisierung abzuzwingen: a(R befannt wurde, daß sie fdron erfolgt war, hätten sie sich allgemein in patriotische Kundgebungen verwandelt. Die Polizei hatte in der allgemeinen Erregung offenbar nicht den Mut, die Fahnen mit Aufschriften gegen Oesterreich-Ungarn und die Flug­blätter ähnlichen Inhalts zu verbieten.

Die .Haltung der Türkei.

Konstantinopel,4 Juli. Die iungtürkische Presse meint, bnf; die Türken aus dem Mhticge der Bnlkanverbündeten Nutzen ziehen könnten.Tanin" rät, die Regierungen der Verbündeten auszmsordem, formell binnen kurzer Frist zu erklären, daß sie auf eine Kriegsentschädigung verzichten, widrigen­falls sich die Türkei freie Hand vorbehielte.

Verkehrsverein Sieben.

Als Geschäftsführer des Verkehrsvereius ersucht uns Herr Stadtverordneter Helm um ungetÜT&te Aufnahme des folgenden Schreibens: ,

In Nr. 147 des Gießener Anzeigers findet man eine Be- trachttmg über den Jahresbericht des Verkehrsvereins für das Geschäftsjahr 1912. Der Artikel gibt die reichhaltige Tätigkeil des Vereins wieder an Hand des Jahresberichts, meint aber trotzdem, daß nach dem Bericht in der Hauptsache die Vereiustätig- Icit darin bestes, durch den Automaten am Bahnhof Führer für 10 Pfg. zu verkaufen. Man darf auf den Artikel selbst verweisen um darzutun, wie unveranlaßt und unberechtigt eine derartige geringschätzige Aeußerung ist. Tas ist sicherlich auch jedem ob- lektiv-eu Leser jenes Attikels ohne weiteres ausgefallen. Nach Wiedergabe der Tätigkeit des Vereins hat der Artikelschrrtber geglaubt, einige kttttsche Bemerkungen folgen lassen zu müllen. Ter Bericht sei mager, der Vorstand nxtebe scheinbar eifersüchtig darüber, daß ihm niemand in seine Geschäfte rede und man dürfe sich schließlich nicht ivunbem, wenn die Bürger fein tieferes Interesse für den Verein an den Tag legten. Etwas fonfcqnenter hätte der Artikelschreiber sein dürfen.. Wollte er seiner Kritik den Bericht zu Grunde legen, der ihm schriftlich zuging, so mußte er die umfassende, stille und hingebende Tätigkeit, die in dem Bericht des Vorstandes niedergelegt ist, anerkennen. Wollte er aber Kritik an der Tätigkeit des Vorstandes üben, soweit sie in jenem Bericht nicht erwähnt war, so wäre es nötig gewesen, daß er sich in der Hauptversammlung über den Umfang und Inhalt dieser Tätigkeit besser informiert hätte, dann hätte er eingesehen, daß der Vorstand stets bemüht war, die Mitglieder zur Arbeit heranzuziehen und daß ihm jebe Anregung und jeder Vorschlag, sei es von Mitgliedern, sei es von Dtttten, willkommen war und ist. Man sieht daraus, daß der Artikelschreiber recht ungründlich gearbeitet und einen Vorwurf erhoben hat, der aus,mangelhafter Information beruht. Der Vorstand des Vereins hofft, daß er den Berichterstatter in seiner demnächstigen Versammlung und durch Einsichtnahme des reichhaltigen Materials und Bearbeitung des­selben zum Frommen der Vaterstadt eines besseren belehren kann. Das aber sei ihm empfohlen, künftige Kritiken, zu benen er sich berufen suhlt, vorsichtiger abzufassen, damit er nicht in ben; Verdacht kommt, seine Aeußerungen seien persönlicher und ge­hässiger Natur.

*

In einer Unterredung auf unserer Redaktion hatten wir Herrn Helm, der als Vertreter des Verkehrsvereins vor­stellig geworden war, wiederholt daraus aufmerksam ge­macht, daß die Betrachtungen über den Jahresbericht des Verkehrsvereins keineswegs persönlicher oder gelftissiger Natur seien. Wir hätten ihm aber anheimgestellt, in einer sachlichen Erwiderung die Beanstandungen unseres Mit­arbeiters richtigzustellen, da wir die Form der Notiz nicht für glücklich hielten, obwohl sie, wie aus dem Jahresbericht hervorging, inhaltlich nicht von der Hand zu weisen war. Ta die obige Entgegnung aber keine sachliche Richtigstel­lung ist, sondern aus eine Verunglimpfung unseres Mit­arbeiters hinausläuft, müssen wir selbst das Wort in dieser Angelegenheit ergreifen.

Tie Ausstellungen richteten sich lediglich gegen den Vorstand des Verkehrsvereins, der in dem Jahresbericht selbst nicht sehr günstig weggekommen ist.

In Jahresberichten pflegt gewöhnlich der Kassenbericht als wichtiger Punkt ausführlich erwähnt zu werden zur besseren Unterrichtung der Mitglieder über die Tätigkeit des Vereins und die Verwendung seines Geldes. Da er gänzlich fehlt, kann -man füglich von einem mageren Bericht sprechen. Die gewissenhafteste Arbeit in dem Verkehrs- bureau, die auch von uns anertännt wird, .deckt doch noch nicht die Aufgaben des Verkehrs v e r e i n s.Die um­fassende, stille und hingebende Tätigkeit" des Vorstand.'s müßte man im Laufe der Zeit auch spüren. Gießen hat in den letzten Jahren in jeder Beziehung außerordent­lich gewonnen, freilich nicht durch die Tätigkeit des Ver­kehrsvereins. Aber dieser hätte auf den neuen Verhält­nissen eine schwungvolle und ersprießliche Tätigkeit auf­bauen fömten. Daß der Verein Preise für den Blumen­schmuck der Häuser ausgeworfen hat, eine Tätigkeit, die zwar an sich sehr dankenswert ist, aber eigentlich dock) wohl dem Verschönerungsverein zukäme, will doch nicht viel be­deuten. Ein Vertehrsvereiu muß in aller Oeffentlichkeit wirtschasten und arbeiten, und dazu bedars er in erster Linie der Presse, denn durch nichts anderes ist ihm Gelegen­heit geboten, sich an die weiteste Oeffentlichkeit zu wenden. Der Verkehrsverein hat es bis heute noch nicht versucht, mit oer Presse Hand in Hand zu arbeiten, wie das in anderen Städten geschieht. Der Verkehrsverein von Bad-Nauheim z. B. faßt seine Sache ganz anders an. Wir haben weit vor Bestehen des Verkehrsvereins für Gießen gewirkt, soweit c* uns möglich war, und können und tun es noch in ver­stärktem Maße, seitdem Gießen sich trotz mancher Fehl­griffe zu einer Stadt entwickelt hat, die reinlich ist, mehr und mehr bietet, in der es sich, kuxz gesagt, gut wohnen läßt. Dem Verkehrsverein liegt aber nickst nur ob, mit der Treffe innig Fühlung zu ncfymen, sondern auch mit den ähn­liche Zwecke verfolgenden touristischen Vereinen, Verschöne- rungsverein usw. Das einzige Mal, wo der Gießener Ver- kelrrsverein durch die Presse zu wirken suchte, war bei der verausgabe der Hessennummer der Leipziger Illustrierten Zeitung, in der er für hohe Platzgebühr einen sehr nn- volllommenen Aufsatz über Gießen veröffentlichte, der die Vorrüge Gießens recht kläglich pries. Weiterhin ist der Verkehrsverein bei Beginn seines Wirkens durch ein Plakat an die Oeffentlichkeit getreten. Nun ist aber das Plakat derart ausgefallen, daß es kaum den Blick zu fesseln ver­mag. Als seinerzeit geraten wurde, ein künstlerisch e s Plakat zu wählen, ging man über diesen Rat sck/wftg nd hin­weg. Die Erfahrilng lehrte aber doch, daß tatsächlich nur tiinstlerische Plakate wirten, und auf die Wirkung kommt alles an weil sie nicht nur erfreuen, sondern sich auch fest dem Gedächtnis einprägen. Deshalb gehen weit­schauende Stadtverwaltungen oder Vereine, die durch ein Plata, auf ihren Ort die Aufmerksamkeit Fernstehender lernen wollen, bei der Schaffung eines solchen Reklame­mittels mit dec größten Sorgfalt vor durch Entwursaus- schreiben und dergleichen. Wenn bei dem Verein z. B. nicht genügend Mittel vorhanden sind, wartet man oder wendet sich an die Stadtverwaltung, die für solche sie engberüh- rende Zwecke gewiß flkeld zur Verfügung stellt. Wir gehen aus diesen Punkt eingehender ein, weil wir darin ein gutes Merkmal dafür erblicken, ob ein Verkehrsverein feine Aus­gaben richtig erfaßt und zu lösen weiß.

Diese kurzen Angaben dürften vorläufig wohl genügen, auch den Vorstand des Verkehrsvereins davon zu überzeugen, daß feine Tätigkeit einer Aenderung bedarf, um bei der Allgemeinheit das Interesse zur Mitarbeit zu wecken zum Wohle der Gesanttl-eit.______________________________________

Aus Stadt und fatsör

Gießen, 5. Juli 1913.

Biograph-Lichtspiele: Täglich Bornellung.

Bakoss Kammer-Lichtsviele: Täglich Vorslelltliig. Lichtspielhaus: Täglich Vorstellung.

Oberhessischer K », n st v e r e l n. Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand. Geöffnet täglich (mit Ausnahme von

Samstag) von 111 Uhr, Sonntags von 113 Uhr, Mittwoch nachmittag von 35 Uhr.

Oberbesfisches Museum und Gail'sche Eamm- lunaen. Geöffnet Sonntag vormittags 111 Uhr unentgeltlich

Museum für Völkerkunde. Geöffnet an Sonntagen vormittags von 111 Uhr unentgeltlich.

Tie A n l a g e m n s i k findet Dienstag nachmittag 5 Uhr in der Süd-Anlage statt (nur bei guter Witterung). Sprrlplan: I. Nimmer zurück, Marsch von H. Blankenburg. 2. Ouvertüre zur Oper ^Oberoick, von (S. M. v. Weber. 3. Fantaste aus der Operette »Ter Vogelhändler", von E. Zeller. 4. Hohenzollern- Ruhm! Marsch von C. Unrath.

** Gewerbeausstellung. Die Vorarbeiten für dieGewerbeausstellung Gießen 1914 für Ob er Hessen und angrenzende Gebiete (MaiAugust)" sind soweit gediehen, daß in diesen Tagen die Versendung des Ausstellungs- Plans und der Au s ste llung s b edin gu n gen er­folgen kann. Die Ausstellung soll, wie die 5Bcbiuguugent sagen, die mustergültigen Erzeugnisse der Neuzeit auf den verschiedensten Gebieten zur Darstellung bringen. Es soll hierbei auf eine systematische f>lu.sstellungscrrt vom Rohstoffe bis zum fertigen Produkte besonderer Wert gelegt werden. Tie Ausstellung wirb in 3 Hauptgruppen: Arbeit, 2cben, Geistespflege, zerfallen. Die erste Gruppe, Arbeit", soll 6 Abteilungen mit zusammen 112 Klassen, die zweite,Leben", 5 Abteilungen mit 43 Klassen und die dritte,Geistespflege", 3 Gruppen mit 14 Klassen um­fassen. Tie Geschäftsstelle, die gern jede Aus tun ft erteilt, befindet sich Wilhelmstraße 39 (Telephon 826; Telegr.-Adr.: Gewerbeausstellung).

Lehrerpersonalien. Ile bertra gen wurde dein Schulanüsaspiranten Max Gärtner auSReichenbrand (König­reich Sachsen) die erledigte Lehrerstelle zu Breungeshain. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Ge- ineindefchule zu Monsheim ^tfbolf Lotz auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner mehr als fünfzigjährigen treuen Dienste; ferner der Lehrer an der Gemeindefchule zu Zwingen­berg Friedrich Gerold und der Lehrer an der Volksschule zu Gießen Karl Müller, beide auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste.

Ste u erpers onalien. Der Großherzog hat dem Steueraufseher Richard Hillert zu Mainz auS Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehren­zeichen mit der Inschrift »Für langjährige treue Dienste' ver­liehen.

** Konsulat. Der zum ©eneralfonful der Republik El Salvador für das Deutsche Reich mit dem Amtssitze in Hamburg ernannte Dr. Rafael Victor Castro, dem das Reichsexequatur erteilt wurde, ist zur Ausübung konsularischer Funktionen im Großherzogtum zugelassen worden.

** Gottesdienst für Ta.ub ftummc. ©onntng, 13. Juli, findet hier ein Gottesdienst für Taubstumme statt und zwar nachmittags 2 Uhr im Konfirmandensaal der Lukasgemeinde. Zwecks Erlangung eines Ausweises zur Fahrpreisermäßigung muß man sich an Pfarrer Bechtols- Heimer, Liebigstraße, wenden.

** Zirkus Alt Hofs. Man schreibt uns: Ein Riescn- Zirkusunternehinen wird demnächst in Gießen seinen Einzug halten. Tas Althoffsck)e Unternehmen erfreut sich einer besonderen Be- liebtheü, hält wortgetreu alles, was in seiner Reklame angekündigt wird, und steht in jeder Beziehung auf der höchsten Stufe der Voll­endung. Althoff verfügt über einen MarstaU edelster Vollblut­pferde, sowie einen nicht imbedeutenden Park fremder. Tiere, nxroon jedes einzelne dressiert ist. Außer einer Schar bedeutender Künstler hat das Unternehmen eine Ballettrrrpve und lurrlnngs volle Sensationsnummern,. Direktor Althofi selbst wird sich als deutsck^er M ei sterschastsdre s s cur vor stell en, ausgezeicbntt von hoben und allerhöchsten Herrschaften auf Grund seiner epochemachenden Originaldressuren.

** Der Bund Deutscher Architekten (Orts­gruppe Hessen), dem die künstlerisch schaffenden Architekten des Landes angeboren, tagte gestern unter dem Vorsitz von Prof. Wicnkoop-Darmstadt in Offenbach. Die Tagesordnung be­schäftigte sich in Punkt 1 damit, Wege zu finden, das bauende Publikum auszuklären über die bestehenden erheblichen Mißstände im Baugewerbe, die dadurch hervorgerufen sind, daß die Stande^- bezeichnungArchitekt" vogelfrei ist. Dann wurde betont, daß die seither wirksame Bezeichnung B. D. A. neuerdings dem Publikum gegenüber in gewissem Sinne illusorisch ist, weil das Führen ähnlich lautender Zeichen zu Verwechselung^ Anlaß gibt. Weiterhin wird die hessische Ortsgruppe des B. D. _ A. e§ sich angelegen sein lassen, Hand in Hand mit dem Deutschen Werk­bund die künstlerisch schaffenden Kräfte Hessens (Architekten, Bild­hauer, Maler) mehr als bisher zu ernstlichem Vorgehen m Kunst­fragen zusammenzuführen. Der Vertrauensmann des Werkbundes «Bezirk Mitielrhein), Prof. Hugo Eberhardt, glaubt, daß der HLssischc Werkbund, dem auch die Herren der Künstlerkolonw ^gehören und der mit dem B. D. A. zusammen beinahe bte gesamte auf dem angewandten Kunstgebiete schaffende heisihche Künstlerschast umfaßt, sich mit großer Freude zu einem gemein­samen Vorgehen verstehen würde. Die wenigen noch außerhalb der beiden Bereinigungen stehenden Herren sollen zu gemeinsamer Arbeit gewonnen werden. Es ist beabsichtigt, diesem Gedanken durch allmonatliche gffdtigc Abende in Darmstadt die Wege zu ebnen. Wie in Vavern, Württemberg, Baden und den preußstchen Provinzen, so sollen künftighin auch in Hessen die Künstler und in erster Linie die Behörden, Städte und Gemeinden beein­flußt werden, ihr Interesse der Entwicklung der charakteristischen Landeskunst zuzuwenden. Der Tagung schloß sich unter Führung von Proi. Eberhardt eine Besichtigung des Neubaues der Teck- nisckxni Lehranstalten und des Geschäfts- und Lagerhawes bet Firma I. Mayer u. Sohn an.

** Besitzwechsel. Otto Rat, chlag verkaufte fern auf dem Hintergeläude des Selterswegs liegendes Lager­haus an Metzgermeister Schreiner für 8000 Mark.

** Städtische Freibäder an der Lahn. Das Frei- bad für Männer, welches in diesem Jahre am 8. Mai eröffnet wurde, erfreute sich in diesem Monat einer Benutzung durch 3247 Badegäste (gegen 923 in 16 Babetagen des gleichen Monats mt Vorfahrt. Im Juni badeten 4100 Personen (gegen 5493). Das Frauenbad wurde eröffnet 17. Mai d. I und hatte Ijeucr 9o4 Badende (482 Gäste vom 15. Mai 1912 ab). Im Ium badeten 3207 Frauen und Mädchen fliegen 2424 im gleichen Monat des Vorjahres. Tas ungünstige Wetter vnt Juni hat dem Badebetrieb im offenen Wasser sehr geschadet.

** Bon den Wandernden. In der Herberge zur Hei­mat kehrten im Juni ein 287 Gaste, die Logis gegen Arbeite- (ciftung an nahm en (229 im gleichen Monat 1912), sowie 758 Per­sonen gegen Bezahlung r844). Tic Gesamtzahl der Herbergsgaste betrug also im Juni 1045 (gegen 1075 i. V.). Im Arbeitsnachweis waren angemeldet 149 offene Stellen, von denen 143 besetzt werden konnten und zwar mit 60 Handwerkern und 83 ungelernten Ar- beitem. Gesucht werden Schreiner und tüchtige landwirt­schaftliche Arbeiter.

Landkreis Gießen.

k. Grunberg, 4. Juli. Einbruchsdiebstähle wur­den in Stangenrod und Reinhardshain verübt. Bei Wirt Weißm- see in Reinhardshain raubten sie die Ladcnkasse, bei Wirt Schäfer in Stangenrod fielen ihnen mir zwei Kistchen Zigarren in die Hände.

Hungen, 4. Juli. Zu unserem Bericht über die Spar-- und Leihtasse wird uns mitgereilt: Es ist unrichtig, daß der Jahresüberschuß der Kasse einen Betrag von 15 225 TOT. für 1912 ergibt. Laut Bilanzveröffentlichung setzt sich dieser Betrag