Ausgabe 
4.12.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 285

Zweites Blatt

165. Jahrgang

Erschein! ttqUch mtt Ausnahme bei Eomuagt.

Tte jeetllenHatler werten dem

,8n4eiaet* Biennal rocxbcnilid) beiqeteoL b<K Kreirtlatt fir bee Kreis Ließen" jtpemtal wödiemhd). Tietantzoicllchaftttche, irib iraqte edttitmtii iiwnaihdj *ioemiaL

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Glmhefjen

Donnerstag, 4. Dezember 915

Sto»ano»#bnitf unb Vertag bet tfrüsilrtjee Untoenität* Vurv» nnb 6tembmdertu 9L Lange. Gießen.

Sebafiian, 6rr<b^ion unb Tmcferei: Mui* frroBt 7. ÖTpebuuu und tknafl: fcWN -'l* «rt.rtt . iue*B 112. XeL-2ibrj .'liiieiaenÄieoew

Die Urfafren der Ehescheidung.

Nach einer Zusammenstellung der kaustischen .floi respondenz ist in den EhefcheiDungspro-eis.n ui Preußen im Jahre 1912 - von der Geisteskrankheil abgelebt n, bet Der eine Erörterung der Sdiulbfrtige gemäß 8 15<4 des B. 0' B nicht statlsindel -- der M a n n in 6040, die Zrau dagegen nur in 2684 Zöllen für d?n allein schuldigen Teil erklärt morden, während in 1820 Zöllen beide Teile die Schuld an der Scheidung trugen: außerdem wurde noch bei acht wegen (Geisteskrankheit geschiedenen Ehen der andere Teil für schul dig erkannt. Am meisten, nämlich bei '>342 Scheidungen. tarn Ehebruch 8 156.) des B. Et B. aU Scheidungsgrund vor, unb zwar mürben hierbei der Mann allein 2422mal, die Zrau allein 2139 mal unb beide Teile 781 mal für schuldig erklärt Am ,weuhäusigsten. bet 4809 Scher düngen, fanden die dehnbaren (Gründe des 8 1568 schwere Verletzung der ehelichen Pflichten, ehrloses oder unsittliches Verhalten, grobe Mißhandlung Anwendung, wobei der Mann 3620 mal, die Zrau 659 mal unb beibe Teile 530 mal die Schuld trugen Turrf) bösliche Verfassung 8 1567 hatte der Mann in 684. die Zrau in 460 Zöllen die Scheidung verursacht, Lebcnsnochstellutig -8 1566- endlich gab insgesamt für 25 Ehen die Veranlassung zur Scheidung, wobei der Mann in 18, die Zrau in 6 unb beibe Teile in einem Zolle schuldig waren. Bemerkenswert häufig .401 mal' traf unter den Scheidungsgründen Ehebruch der Zrau mit pslicktver letzendem, ehrlosem ober unsittlichem Verhallen des Mannes zusammen, dagegen nur 157 mal Ehebruch des Mannes mit Pflichtverletzung ufro. der Zrau.

Bei den 10 797 Ehescheidungen wurden insgesamt 12885 Scheidungsgründe aufgvführl Im einzelnen entfie1 len davon.

Olli

in ben Städten

aui dem

Männern

Lande bei

Frauen

überhaupt

bei

Männern

bei mrauen

bei Männern

grauen

$ IMS B.G.«.

2 769

2 433

434

437

3 203

2 920

< 1W»6

1b

4

4

3

19

7

§ IM"

52.»

331

159

129

684

460

tz IbtW

3 247

937

901

2,2 j

4 1 >0

1 189

§ 1569

61

124

22

46

81

170

inSgefaiiii

6617

3 82'J

15» 3

917

8 139

4 716

Tie Männer wurden somit auf Eirund der 88 1565 bis 1568 des B Ei -B mit 8056 Scheidungsgründen an* nähernd doppelt so oft wie die Zrauen (mit 4576 Wrünbenl für schuldig erklärt. Anderseits findet man Geisteskrankheit gemäß 8 1569 al* Scheidungsgrund bei den Zrauen mehr als doppelt so häufig wie bei den Männern. Im einzelnen fiel den männlichen Geschiedenen schwere Pflichtverletzung, ehr loies oder unsittliches Verhalteii 8 1568) brcieinbalbmal und Lebensnachstellnng (§ 1566) - mit insgesamt nur 26 Fäl len saft dreimal so oft wie den weiblichen zur Last: bei der böslichen Verfassung (8 1567) war die Schuldzisser der Männer um rund die Hoffte größer, während beim Ehebruch <tz 1565) die Zrauen mit der Zahl der Gründe dem anderen Geschlecht ziemlich nahe kommen. Betrachtet man die mann lullen und die weiblichen (Mcfnebenen je für sich, so waren erstere als Schuldige am stärksten mit mehr als der Hälfte aller Zölle» an den Gründen des 8 1568 des B.G.*B, am -weilhäufigsten mit fast zwei Zünfteln am Ehebruch beteiligt Bei den Zrauen dagegen entfielen über drei Zünftef aller Gründe auf den Ehebruch, auf den § 1568 jedoch nur knapp ein Viertel.

Tte ländlichen Zahlen der Scheidungsgründe un verscheiden sich wesentlich von den allgemeinen sowie von den städtischen Ter Ehebruch spielt nämlich in den Landgemeiii den als Scheiduugsursache eine viel geringere Rolle als in den Städten: auf ihn entfielen in jenen noch nicht 2 Fünftel,

ui Diesen dagegen fast die Hälfte der Gründe. ?lnbew . sind abweichend vcm Stadtgebiete auf dem flachen Lande d. Frauen häufiger als die Männer auf Grund DeS Ehebruch- paragravlien für den schuldigen Teil erklärt worden. Bei allen übrigen Schuldzifserii waren, wie überhaupt und in den Städten, auch aui Dem Lande Die Männer, bei der Gei st es'ran kh it als Scheidungsurfache hingegen die Frauen stör ler beteiligt.___________________________________________________________

politifebe Cagcifdiiin.

Zünf Reichstags Ersatzwahl.n.

Ter Reichstag ha die beiden teichstogsmandate b?> Sozialdemofroten Hai *i t für Jerichow unb de) Zentrums abfl ft uef hoff für ku.n-i'anb entsprechend brn Vorschln gen der VahlprüsungSlonimrision für ungültig erf.ar! In Erwartung des gleichen Schicksals hat der nationa liberale Abg M ö I f cf) vor einigen Tagen fein Man bat für Cffenburg Mehl niedergelegt. Noch dem Tode des Zentrums- abg. m l o f c für Leob,chütz unb des sreikonservativen Al' ', Zürn für Rosenberg-Löbau sind also gegenwärtig fünf neue Reicl stags^-rsatzwohlen erforderlich

Ta» Ergebnis der Ersatzwahl in Levbschütz im voraus sicher In diesem ,.Rioi.era"-DahlkreiS des Zentrums war nod) nie eine Stichwahl nötig

Zn dem zwischen Polen und T-cutfchen heftig umstrille- nen westpreutzi den Wohllreis Rosenberg-Löben fdr*- nen die Teunch-.üoniervotivcii nicht übel Lust zu haben, einem Erfolg der Polen vorzuorbeiten durch Aufdrängung einer ertreinogrorischeii Manbibatur

Roch ungewisser ist daS Ergebnis der drei anderen Reichstogserfatzwohlen.

Zn »e 1) l * E f f en b ur g hat 1912 der nationalliberal? Kaufmann u öl sch doS seit 1888 im Besitz des Zentrums be* fiiidliche Reichstagsmoiidot nur erlangt, in dem er seinen klerikalen Ltichwahlgänger um 8 Stimmen überflügelte

In Köln-Land behauptete b:r Zentrumsabg. fluef- hosf das Zentrumsmandat zwar im ersten Dahlgang, aber mit nur 33331 gegen 33 267 gegnerische Stimmen, von denen 24 303 für die Lozialdemolralie und 8500 für die National* liberalen abgegeben wurden.

InIerichow hing der Dahlaussall im vorigen Jahre von noch viel weniger Stimmen ab: der Sozialdemokrat Haupt verdrängte den konservativen Abg. v. Stiern mit 15 26.3 gegen 15 236 Stimmen, nachdem im ersten Dahlgong 11992 sozialdemokratische, 9870 konservative und 8291 Volks - parteiliche Stimmen abgegeben worden waren. Für die Er­satzwahl hat die Volkspartei, die daS Mandat 1881 bis 1887, 1890 bis 1893 und von 1903 bis 1906 inne gehabt hat, schon vor längerer Zeit den früheren Reichstagsabgeordne­ten Zleifchermeister Svobelt ausgestellt.

Voraussichtlich werden diese Reichstogsersatzwahlen sämtlich im Februar ftattfinben._____________________________

hessische Zweite Kammer.

rb. Darmstadt, 3. Tez.

Am Regierungstische: Staatsminister Tr. v. Ewald, Zinanznnnisttr Tr. Braun. Minister v Hombergs, Staats* im Tr. Becker und Lorbachcr, Ministerialrat Schliep Kake, Geh. Ebern neutral Rohde, Ebcrrcgicrungbrat Stammler, Geh. Legationsrat Dr Neibhardt.

Präsident Köhler eröffnet bic Sitzung um 9* , Uhr unb führt aus: Nach der langen Sommerpause heiße ich Sie zu gemeinsamer parlamentarischer Arbeit herzlich willkommen Seit unserer letzten Tagung hat die stamm er einen schweren Verlust erlitten, .vnr Celonomierot Tr. Heiden reich ist im per ft offenen Sommer gestorben. Er har feit dem Jahre 1893 der Zweiten Ma nun er angehört unb somit 20 Jahre hindurch seine straft unb seine Arb?it den Interessen brr flammrr gewidmet. Tic .8.immer hat ihn wiederholt in verschiedene parlamenianlche Ausschüsse gewählt, in denen er seine reiche Tatkraft unb Er* sahrung entfaltet hat. Er war kein Zreunb von langen rarla­

u.cn.orischen Ttbatfrn. wenn er aber sprach, fehl e es ihm nicht an Anerkennung uf allen 3cum Jbe» Hauses So haben wir einen lieben st stiegen vertor.n, triicn An. enken wir stets in Ehren bähen werden Ich stelle fest, da,; n '.) .v.> Haus tu Ehren des Verstorbenen von den Plätzen erhoben ha:

lieber bie Geschäftslage des Hau'-.- i it der Präsident mit, daß in der nächsten m t brr Berat uni der B e s v 1 * bungSvorlage begonnen werten solle Er hoffe, baß in* uni eben bie Vorlage über bie landstünbifl Gefckä iSordnung ihre namentlich auch bic Urage wegen der Regeluni der ^rhältn.sie im lanbn-ir.'diGlichen Otencficr.'.-*« titoden erledigt w r'ri n* rb. damit bann freier Tifch geschahen nr.rb für bie bevorstehenden* EiatSberatungen

Staatsmini st er T r v e m a 1 b stellt als neue Sicgie* rungsrertretcr Ministerialrat Schliephake unb EberregicrungSrat Stammler vor

Tas Hau» tritt danach in bic Tagesordnung cm unb nimmt ohne Aussprache der RcgicrungSvorlai? m. betr bic summarische llcbcsich! der Einnabmcn und Ausgaben der Staatsfchuldcnver« walt.rng für da- Rcchiiungsiahr 1999, desgleichen die llcberfidit für bas flcchnungSiahr 1910.

Tie Beratung über ben Initiativantrag der Abg stöhlcr und Genossen betr den Entwurf einer landständifchen ÄeschäftSord* nung. wird vorläufig »urückgestellt.

Neber die Vorstellung des Landesverbandes b e n t scher M ilitäranwärter für Hessen, betr die Vermcdrung der den Militäronwärtcrn Vorbehalten, n Stellen bat berAusschußbericht* erftatter. Abg Raab, einen auSfübrllchcii s<1r itlick ?n Bench! er* itattet und b.antragi. bie stamm er wolle beschließen. 1 brr Regie* rung gegenüber ;u crllarcn. baß per Stridi ber Steniftr.itordelle bei der Hosbibliotbel als eine ben Milnäramiürtern Vorbehalt nc Stelle nicht nötig war: 2 die Regierung zu ersuchen, beit Mititaranwär* fern die besseren Stellen ber mittleren Bcamtnilaiifbahii ,m Staats* dien': zu eröffnen, wenn bic nötige Alliemeinbilbuiig unb die prak* tische Vorbildung nachgewiesen ist, auch ohne daß besondere Schul* »cugnisse beigebracht werden: 3. bie Regierung zu ersuchen, im Bundesrat bahm zu nnrkeir, daß bie Militärverwaltung den Mil,* idrannänern die mittlere Beanucnlausbadn un Militärdienst er* öffnet, ohne die Anwartschaft von der Drivr ngung von Sckulzeug* Nissen abhängig tu machen und weiter dahin ;u wirken, daß den Müirärannä'iern, die in einem freien Berns eintreten, eine höhere Prämie (Beihilfe, zur Ablösung des ZivilvcrforgungSscheuts gc* wahn wirb: 4 die Vorstellung des Landesverbandes für erledigt zu ciliaren.

Abg Tr. Cf nun (natl.) tritt in längeren Ausführungen für die Wünsche ber Militäranw.irter ein Er begrüßt nut Zrenben ber .'iuSichußantrag, der du milUidie Lage der Mititäranwarter in ver­bessern strebt. In Preußen hätten bie Anforderungen ber Militär* aiiiudrtcr eine viel weitgehendere Beachtung gefunden. Es sei für viele dieser Männer mifllidi. daß sie verschiedene Prüfungen nicht oblegen konnten, die für gewisse Stellen vorgeschrieben seien. Ta\X knmme auch der große Andrang,. burdt ben ihre Lage noch ber* schlechter, werde. Ter Redner empfiehlt bie Annahme deS Ausschuß* antrages.

Abg. 11 r st a d t geht aus bic einzelnen Punkte des Ausschuß* antrages naher ein und begrüßt besonders Pos. 1 nnb 3 desAntra - trags: besonderes Gewicht müsse auch auf Pof 2 gelegt werden unb weiter sei eine Anrechnung der ganzen pensionsfähigen Dienstzeit erforderlich.

Geh.Legationsrat Tr. Neidhort führt aus, daß bic An* stellungSverhältnissc der Militäranwärter Gegenstand besonderer Fürsorge der Regierung fern Es nrü'>e aber nigcgeben werden, bau auch gewisse Stellen eine wisfenscha'lliche Vorbildung erfordern und daher nicht nut einem Militäranwärter besetzt werben konnten. Ter dritte Punkt des Antrags sei übrigens bereits erfüllt worden.

Abg Buiold lSoi ,pricht sich gegen die Vermehrung der Stellen für Militäranwärter aus Es fei doch in den meisten De* rufen eine Ausbildung von Grund auf notwendig: audV bie Hal* tung ivr M11 it iranroärter d--n feine freundliche und könne die Vermehrung der Stellen nicht bt* fürroorten.

Abg. Wiegand Ztr führt aus, baß er im Gegensatz zu dem Vorredner mit den Militäranwartern bic besten Erfahrungen gemacht habe. Sie hätten auch eine außerordentlid) gute Schule beim Militär durd,gemacht und sich auch flenntniffe erworbeo, die bei manchem Zivilanwärter sehr vermißt würden.

S t c a t o m i n i ft c r T r. v. Ewald erklärt, er sei nicht bet

wa; Küinj von Ludwig II. erzähltk.

Da- einzigartige Verhältnis des romantifdien Bayernkönigs zu dem großen Sdiaui'vieler erfährt eine neue Beleuchtung durd bic in diesen Tagen un Verlage von Zclir Lehmann in Berlin erscheinenden Erinnerungen von Felis Philipp, Ter Bet süsser, der ein uttinier Freund von Ioief stainz war, hat die Ent stedung. den Höhepunkt und bas schnelle Ende dieser seltsamen Zreunbscha'i aus nächster Nähe mit erlebt und alle Einzelheiten aus des stünstlerS Munde selbst gehört flainz, der in München als Hoffchauft',.'.er engagiert war, stürzte eines Tages im ?>rüdiahi 1881 zu ihm unb erzählte in feiner übcrauellenben. babimtflrmcn ben Redewetfe. er solle vor dem stonig spulen,in einem sdient, liehen Schmarren": cd war HugosMarion Ttlorme". Ten näd' ft en Tag sauste er wieder herein ..Ich sehe ihn noch vor mir ft eben die knabenhafte Gestalt, den iinbändigen Lockcnwald, bic blitzenden Augen, bie flatternden Hände, und ,ch höre noch bic Worte im Prcitifsimo von seinen Lwv.'n ström n ?laeh frtem Ak» habe ihm bei Aönigfür Die wiindcrvoltc Taritellung banjen lassen", nnc babei fuchtelte er nur immer mit einem enormen Savbirruig unter die Nase,den ihm ber Äömg noch nachts ui seine Wohnung

geschickt habe". ....

Ein paar Wochen später erhielt stainz eine Einladung ncdi Schloß Linderhos. umbc.n .Illergnädigsten etwas vorji.fvrechen Ihm wir oabcigar ne. rech tra Jt befärd^ete. .'au er in b m ihm völlig ungewohnten Berl'hr mit 'o großen Herren,, in 'eircr totalen llnlenntiu- alles Zeremoniellen grobe Verstöße begeben wirte, dis er dann endlich mit den fich selbst trournbri Worten 91110 Servus beicmanb'. mehr als bin-Vrtdit' kann i ncl wern", Eie vier Treppen binunter'a.ist.- Ter n.:r re Eindruck war mnatt bei beiden kein gün'tiier staun be;ei*i?tc ihn als ..natürlich.br interessant, aber wunderlich und äußerst be'rcmbl'ch." Ter n.nna war zunächst recht kühl unb sogar ungnädig, aber nadi wenigen Tagen gab er feine Zurückhaltung au,', und Der E'-uame er-ckste- sich qani dem fungen C n,e. das ihm hier gegenubertra: ... d sonnte sagen, was id) wollte, was mir fo gerade Durd) den flov' schwirrte ' erzählte 8ainz später Pbilivvi.er horchte immer aut: wenn ich' mit ihm sprach, da schien wir's immer, als ob eine , rinde, bie ihn um ranzen hatte, plötzlich autta:n- L.idwiq u.- r schüttete ben flunstier mit Autmcrkiamkeiten unb -.en und bot ihm sogar bas brüderlicheTu" an.Tas war 8ain.. nnc er mir erzählte verdammt unangenehm Es war ihm oerteuclt ve;n- tjch ben flönig zu duzen, und erst nach mehreren -tav:t. rarr :b beren er sich immer um bic direkte Anrede herumg brückt hatf. erwiderte er den ihm gebotenen Ir.undcsgruß. flainz erzählte mir bomaf» Vor dem oberbaio des Lmdcrho's gtl v r. n B rrtauie Pürschling habe der flönig itim plötzlich die Hand a r bie r: ::r gelegt und mit zitternder Stimme getagt: ..Nil. wahr. ur.

kann doch nichts trennen?" Bei den Sorten, fügte Jiatwbunu, fei es ihm eiskalt über den Rücken gelaßen; denn tte worien ein orelles Licht ui das einsame Seelenleben des unglücklichen Mannes,

den schon wieder die Angst packte, den, den er soeben erst gefunden, jcrlieren zu müffen."

Bald darauf trat dann ber Schauspieler mit bem Monarchen ine Reife nach dem Vierwaldstättersee an, wo Ludwig besonder.- oie naifiidrn «statten her Tettsagc besuchen wollte, denn er siebte üc hegende von dem Schweizer Nationalhelben ebenso wie Schil lert.'Drama. Qaiiu, ber hier für ben Mclchthal Studien madicn sollte, mußte ihn überall bin begleiten, unb zwar traten Die fVreunbc bcs Nachts, wenn bas grelle Licht unb bic neugierigen urremden ben königlichen Melancholiker nicht störten, ihre Landerungen ar. 3m Mondesschein mußte der Schauspieler dem Herrscher stets die- eiben Stellen aus Teil nnb Ton Earlos vordeklamierenErfreue mich durch Gedanken," so etwa sagte Ludwig nach ÜainzenS Er­zählung,bie niemand bemäkelt unb niemand beeinflußt; das Meuicbengcwimmcl mit feinem EogismuS und feiner flitrzfichtig- [cit schlaft. welche Beruhigung!" Tas ewige Rezitieren der­selben Stellen wurde aber Lain; allmählich langweilig: er suchte andere Rollen einzuschmuggeln, doch der Mänia bestand auf dem alten Repertoire. Zudem war der lunge flünnlcr auch ber ganzen Situation nicht gewachsen, verletzte den launenhaften Herrscher durch manch unüberlegtes i2ort, und fo entstand eine Verstimmung, bi bann zum Bruch führte Eines Nachts bestiegen bie beiden bei wundervollem Mondschein das Rülli: unb dort wünschte Ludwig gegen 3 Uhr morgens den Vortrag ber Mclchthalszene. Äainz ct- tlärte, er fei müde, Ludwig bat dringlicher, flam; warf ''ich mürrisch

immer heftiger. Tic Ungnade des flöntgs war da. Am nächsten läge verließ er, als flamz noch schlief, mit seinen SekrMarcn unb flurier n, Ttcn rn und Wochen bic Villa, wo fie zusammen gehäuft, und der Künstler erhielt durch einen von einem Lakaien geschriebenen Brief die Scnung, baßEuer Bohlgeboren beute Abend in Ebikon einzutrefjen bitten, um von ba bie Rückreise anzutreten/ In Luzern fand bann noch eine oberflächliche Der« söbnung statt, doch Der kurze Zrcundschafterg^m war aus.

Tas Ende des Londoner Opernhauses. Aus London wirb benditet: Tas Schicksal der seinerzeit von Hammcr> ftein erbauten Londoner En*r bat fich nun vollendet: nn* !afo- ni'che Mitteilung der Dircvion benachrichtigt die Lefsentllchk.it. das: Cas Institutwegen Mangel art Unterstützung durch di? Ccnenttitfcfeil" bis aui wrtv'res feine Pionen schließe flun unb wenig ruhmvoll irar bic Gcichichrc dieses Bühnendau'c-. das von neuem dir alte Erfahrung bestätigke, nach der die 5 Millionen Stadt- London außerstande ist, eine ständig.- Lver ;u erhalten ?-m Sep ember 1910 kam Hammen:ein n^ch London, vackittte im Lkwber für eine Grundrente von 97 500 Mark einen L8iuplatz, im Te-cmber begann der Bau und am 13 November 1911 öffnete das .London Lvera Hou e' feine Pforten Hammerstcin harte erklärt:Es wird natürlich ein Riefen »folg, auf dem Gebiete Der Euer bin ich, glaube ich, unfehlbar." Ader nach sieben Monaten

hatte er 900 000 Mark zugesetzt. Er wollte im November 1912 eine neue Saison eröffnen, ;og eS aber schließlich vor, in Wett» Bork Gründungsversuchc zu einer neuen Epcr zu mackuu und verpack tete das neue EpernhauZ London- für 240000 Mark Iahresmiete an einen llnternehni r, ber EprreUen, Schaustücke, Lichtbilder unb DarlCt^szenen Porhihrtc Am 28. Mai wurde das Haus Hammcrstein abgekauft unb seitd m gab man eine AuSstat* tungüKtue, der ein Zirkus folgen sollte. Nach Neuiahr, so hieß es,ollte dann emc englische Eperniaifon folgen Aber aus diesem vlaionischen Versprechen sollte nicktrs mehr werben, aucki die Um­wandlung der Londoner Euer zu einem Variete, AusstattungS* tHeater und flinematographcn konnte den Zusannstcnbruch nicht aushalten, unb nun steht bas prächtige moderne Bühnenhaus leer bis ein neuer Unternehmer fein Glück versuchen will.

ff. Ter Golfstrom ber Luft. Neuere wissenschaftliche ^orfckmngen sollen nach einer Mitteilung von Tr. L Eaze in der PanierRevue" ergeben haben, daß es einen Golfstrom ber Luft gibt, ber im engsten Zusammenhänge mit dem altbekannten Golistrvm des atlantischen Weltmeers steht unb was wohl besonders interessant ist auch auf bic großen Wüsten der alten Welt seinen Einslun ausübt Ter Golsttrom deS Meeres fließt aus dem Menlanifchen Meerbusen mit einer Stunbengeschwinbig* feil von h flilomrtern in das W.lcm'-r. Seine Brite beträgt etwa CO ft dornet er, feine Tiefe 400 Meter und bie $Bärm em engen, bie er in kühlere Meeresgcgenben bringt, > ihlen nach Milliarden von flolorien Tic'e Wärmemenge nun »oll cs sein, auf ber daS Vorhandensein ber Wüsten in der alten Welt beruht Tic Luft­massen über ber mannen Meeresströmung behalten nämlich ihre im Vergleich mit der Nachbarschaft höhere Temperatur bei unb bilden so den ^'wlfftrom b-r Luft, ber bem des Meeres überge- lagert ist. Wöhr end der Golfstrom im Wasser aber seinen Lauf durch die Äästen t*r Zestländer begrenzt ficht, findet der Luft­strom nicht solchen Wiberitanb Er bem it sich über Europa hin* weg unb verliert dabei zunächst b:n Wasscrdampf, den er mirsährt. In Gestalt mächtiger Regenmai'sen cmäbrt er die Sc n Schwe­dens, Zinnlands unb Nordruslands Turth die Erbdrehung wird der Golnrtom der Luft dann erst ostwärts, bann südwärts ab-gclenh, und fo entstehen die falten Luftmaf'-m, bie den ruffi* fd.cn Steppen ihren Charakter in metcorologiich'r Hinsicht ver­leiben. Bei der Wicderannöherung an den Aeauator erwärmen fich die stießenben Lumnassen von neuem, aber sie nnb letzt voll­ständig trocken: der jetzt wieder warme, trockene Golf'rrom ber Lust tritt in den Gegenden, die er jetzt bestreicht, als Heiner, regen­loser Wind auf, um in inci r Gestalt streicht er über oic Wüsten in Turkestan, m Arabien unb Die Sahara '?, di' er auf dem Rückwege er ist roico r nor:wirts umie'ogen beftreibt Aus ^em Wege um die Erd: herum soll dieser Golntrom ber Lust, dessen Beschrebung in dem Pariser Matte nicht ganz klar ist. wieder seinen Ausgangsounst erreichen, sich um eine geschlossene

Luftströmung handelte.