5u dem Anschlag auf den Großherzog von Baden.
Karlsruhe, 4. Mai. Amtlicherseits wird erklärt, daß es sich bei dem Tapezierer Jung, der gestern in Mannheim -auf das Trittbrett des Wagens des Großherzogs sprang, um einen geistig minderwertigen Menschen handelt. Darauf deutet auch der Umstand hin, daß Iuirg im Oktober vorigen Jahres vom Mannheimer Be- zirksamt auf seinen Geisteszustand untersucht wurde. Bor bem Borfall hatte der Mann 10 Glas Bier getrunken. Danach dürste auch seiner Behauptung, daß er auf den Vorgang bezügliche Briefe aus Berlin erhalten habe, keine große Bedeutung beizumessen fein. Jedenfalls ergab die Durchsuchung der Jnngschcn Wohnung keinerlei Anhaltspunkte für die Richtigkeit dieser Behauptung.
Der Besuch des Prinzregenten von Sayern in Karlsruhe.
Karlsruhe, 5. Mai. Prinzregent Ludwig bon Bayern und Gemahlin trafen um 4.30 Uhr int Sonderzug auf dem hiesigen Hauptbahnhof ein, wo sich zum Empfange das Groß her zogspaiar und das Prinzenpaar Max von Baden, ferner die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden eingefunden hatten. Erne Abordnung des Vereins der Bayern in Karlsruhe ließ durch drei wei^e kleidete Mädchen der Prinzessin Ludwig einen herrlichen Rosenstrauß überreichen. Auf der Fahrt durch die festlich geschmückten Straßen der Stadt zum Residenzschloß wurden die Fürstlichkeiten von einer überaus zahlreichen Menschenmenge lebhaft begrüßt. Am Schloßportal empfing die Großherzogin Luise von Baden ihr« Gäste.
Trinksprüche.
Bei dem Galadiner im Residenzschlosse brachte der Großherzog Friedrich von Bad en einen Trink- spruch au§, in dem er sagte:
„Eure Kgl. Hol), und Ihre Kgl. Hoh. die Frau Prinzessin, heiße ich zugleich namens der Großherzogin herzlich in meinem Haus und dem Lande willkommen. Es ist uns eine Freude, Eure Kgl. Hoheiten bei uns begrüßen zu dürfen und wir schätzen den Vorzug dieses Besuches besonders mit Rücksicht darauf, daß für Eure Kgl. Hoh.,die Zeit tiefster Trauer noch so nahe liegt. In diesem so willkommenen Besuche Eurer Königlichen Hoheit und Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin erblicke ich ein sichtbares Unterpfand der Fortdauer der guten Beziehungen, die in so erfreulicher Weise schon lange zwischen unseren Häusern Und Ländern bestehen.
Der Prinzregent anttoortete:
Bevor ich Eurer Kgl. Hoh. und Ihrer Kgl. Hoh. der Frcku Großherzogin innigen Dank sage für die gütige Aufnahme, welche die Prinzessin und ich hier gefunden haben, bitte ich bewegten Herzens unseren herzlichsten Glückwunsch aussprechen zu dürfen, daß Eure Kgl. Hoh. der Gefahr glücklich entgangen sind, die gestern deren kostbares Leben bedrohte. Eure Kgl. .Hoh. haben Worte warmer Begrüßung an uns ge- richttt. In diesen Worten hat die Verehrung, mit der Eure Kgl. Hoheit meinem in Gott ruhenden Vater zeitlebens zunetan waren, herzlichen Ausdruck gefunden. Ich danke Eurer Kgl. Hoh. für diese Bekundung des ehrenden Gedächtnisses, das Eure Kgl. Hoheit meinem Vater widmeten und das meine Gedanken an den schweren Tag zurücksührt, an dem die deutschen Bundes- fürften, an ihrer Spitze Seine Majestät der Kaiser dem Prinz- Regenten das letzte Geleit gegeben haben. Daß Eure Kgl. Hoh. damals durch Ihre Anwesenheit mir unb meinem Hause so sichtbar Ihre Anteilnahme an unserer Trauer bezeugt haben, verpflichtet mich zu tiefem Dank. Ich habe vor vier Jahren im Auftrag meines hochseligen Vaters an dieser Stelle den freundschaftlichen Gefühlen Ausdruck verliehen, die ihn mit Eurer Königlichen Hoheit und dem Großherzoglichen Hause verbanden. Die Aufnahme, die ich damals im schönen Badener Lande gefunden lyabc, steht mir noch in lebhafter Erinnerung. Nicht Iminber herzlich toar der Empfang, den Eure K. H. und Midens Hauptstadt mir und der Prinzessin heute bereitet haben. Es ist Mir daher eine ganz besondere Freude, zu Betonen, daß die herzlichen lEmpsindungen, die ich int Namen meines Vaters ttussprechen durste, aud\ die Meinen sind, daß ich von dem mtp richtigen Wunsch beseelt bin, die innigen und sreundnachbar- lichen Beziehungen hoch zu halten, die unsere Häuser und Länder verbinden. Diese Beziehungen haben ihre feste Stütze in der Treue, in der wir, gleich unseren Heimgegangenen Vätern zum Reich stehen. Ich weiß mich Utit Eurer K. Hoh. einig in der Aufrichtigkeit, in der wir entschlossen sind, an der Wohlfahrt des deutschen Reiches mitzuarbeiten und wenn es gilt, seinen Ruhm und seine Ehre zu verteidtgeu. Von diesen Empfindungen ist mein innigster Wunsch getragen. Gottes reichster Segen möge alle Zeit über Eurer K. Hoh., über bem' Großherzoglichen Hause und über dem ganzen Lande Baden walten!
Arrs ßcWeti«
DaZ laudw. Genossenschaftswesen und eine Anfrage des Abg. D. Winkler.
rb. D a r m st a d t, 5. Mai. Im Hinblick auf die gegenwärtige Krisis im landwirtschaftlichen Genosse n s ch a f t s was en Hessens hat Abg. Dr. Winkler- Oppenheim folgende dringliche Anfrage an die Regierung gerichtet:
1. Ist Großh. Staatsregierung gewillt, die neugegrünbete Zentralkasse hessischer landwirtschaftlicher Genossenschaften unter Staatsaufsicht zu stellen? 2. Ist Großh. Staatsregierung gewillt, dieser Zentralkasse zur Erleichterung ihrer Ausgaben ein Darlehen in ausreichender Höhe zu mäßigem Zinsfuß dauernd oder vorübergehend zu gernähren? Oder 3. welche Maßregeln gedenkt die Großh. Regierung sonst zu ergreifen, um dem hessischen Genossenschaftswesen die Ueberwindung der gegeu- wättigen SdmnerigEeiten zu erleichtern und das Vertrauen zu ihm neu zu festigen.
Karl 5chrader f.
Eisenbahndirektor Karl Schrader ist am Sonrttag abend in Berlin nach einer schweren Lungenentzündung g est o r ben.
In Wotfenbüttel hatte seine Wiege gestanden. Zehn Jahre lang war er Mitglied der Braunschweigischen Generaldirektum der Eisenbahnen. Dann trat er 1872 zur Direktion der Berlin- Anhaltischen Eisenbahn über, der er bis 1883 angehört hat. 1881 wurde Schrader Mitglied des Reichstags für Braunschweig Blankenburg, imd als Rickert 1884 doppelt gewählt war — in Brandenbw'g-Westhavelland und Danzig —, wurde Karl Schrader sein Nachfolger in der Berttetung des Reichstagsmandats für Danzig, das er auch 1887 im schweren Septemtatskampf be- haupten konnte. 1890 gelang es ihm, den heintatlichen Wahlkreis Helmstedt-Wolfenbüttel zu erobern. Als er 1893 hier durch den Sozialdemokraten ans her Stichwahl verdrängt worden war, mußte er zunächst der parlantenrarischen Arena fernbleibeit, aber nur für eine Legislaturperiode: 1898 wurde er für Landsberg-Saldin in den Reichstag gewählt, aber 1903 abermals durch die Sozialdemokratie aus der Stichtoahl gedrängt. Dock) erlangte er, noch ehe der Reicktstag zusammengetteten mar, wieder ein Reichstagsmandat: er wurde itach dem allzufrühen Tode von Richard Rösicke in der Ersatzwahl ht Dessau Zerbst gewählt. Nur ungern hat ihn sein Wahlkreis, Hot ihn der ganze Reichstag im iwrigen Jahre scheiden sehen. Wer er blieb gegenüber allen Bitten der Freunde fest bei seinem Verzicht aus eine neue Kandidatur: Meine Wiederwahl würde mtr bald eine Ersatzwahl er* sovderlich machen.
Ms Schruder in das Parlament eintrat, sckckoß er sich der Lib-ers^ozr Nereinigung, bet? natronaUibcratcn Sezessio
nisten, an, die sich 1884 mit der Fortschrittspartei zur Teutsch- sreisinnigen Partei vereinigte. Ms 1893 die Trennung erfolgte, war Schrader neben Rickert und Dr. Barth ein Führer der Freisinnigen Vereinigung. Mit besonderer Fretide hat er 1910 den Zusammenschluß der drei lintsliberalen Parteien zur Fvttschritt- lichen Volkspartei begrüßt. Der Berliner kirckstiche Liberalismus verehrte in Schrader, so lesen wir in der ,.Voss. ZtgG, sein Oberhaupt: nackt dem Tode des mannhaften Kammergericktsrats Schröder ginn die Leitung der.Partei in seine Hände über, er hat dem kirchlichen Fortschritt sein Herz gefdtenft! Alle seine reichen Gaben stellte er Mit jugendlichem Idealismus in den Dienst der kirchlichen Fr eiheitskämp i c. Schrader l»at . den Deutschen Protestantenverein, dessen Präsident er war, aus seiner akademischen Reserve ins Licht der Gegenwart gerückt, und an den praktisckjen Problemen des Tages beteiligt. Er hat mit Rat und Tat seine Zeitschriften zu heben gewußt, bat an den umfassenden literarischen Btwöffentlichnngen des Vereins wesentlich mitgewirkt, die besonders seit Jahresfrist einen neuen mächtigen Aufschwung nahmen. Unb wie trat er für die von der Orthodoxie bedrohten liberalen Pfarrer ein: mtin nenne die Namen Weingatt, Max Fischer, Jatho, Traub. Traub wurde durch Schraders weitschauende Orgauisatton in seiner kritischen Stunde Direktor des neugegründeteu Protestantenbundes, wie anläßlich Iat'hos Amtsent- setzung die Jathospende ins Leben trat. Am 8. August 1910 durste Schrader den durch seine Opfersteudigkeit ermöglichten Internationalen Berliner Religionslongreß mit Bewegung eröffnen: feine Präsidentenrede zeigte ihn auf der vollen Höhe seines Wirkens. In seiner Heimatstadt Wolfenbüttel wird die Asche des Entschlafenen beigesetzt werden.
England? Besorgungen vor Uebersällen zur Lust.
London, 5. Mai. Im! Manfion House fand heute nachmittag Aue große Versammlung unter .dem Vorsitz des Lordmayors statt. Die Versammlung, die nicht von einer bestimmten Partei einberufen war, gab dem Wunsche Ausdruck, Maßnahmen zu ergreifen, um vollständige Sicherheit gegen Angriffe anS der Luft zu erlangen. Au der Ver- santmlung nahmen eine große Anzahl von Peers und Mitglieder des Unterhauses, Bankiers und Finanzlettte teil. Der Herzog von Argyll beantragte, England solle Vorkehmmgen treffen, um sich so bald als Möglich ein „ausgesprochenes Uebergewicht in der Lust" durch Anschaffung von Luftschiffen und Flugzeugen zu verschaffen, ebenso wie m'an es gegenüber der nächst- stärksten Macht zur See tun müsse. Sir «Edward Beanchamp, der Präsident der Lloydgesellschaft, stellte den Auttag, einen Verein für die nationale Verteidigung in der Lust zu gründen. Mle Anträge mürben einstimmig angenommen.
Arss sradt urrH CÄirH*
Gießen, 6. Mai 1913.
* * Lehrerpe rsonalien. Dem Schulamtsaspiranten Hch. Carl aus Ortenberg wurde die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu. Eckartsborn übertragen.
* * Forst Pers onalien. Der Großh erzo g hat den Forstassistenten Adolf Keil zu Grünberg zum Oberförster der Oberförsterei Ulrichstein und den Forstassessor Wilh. Reitz zu Beerfelden zum Forstafsistcnten ernannt.
• • N.Nhestandsversetzung. Der Großherzog hat den Ministerialkanzlisten bei bem Ministerium der Finanzen, Hch. Delp zu Darmstadt, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Nuhe- stand versetzt nnb ihm den Charakter als „Kanzleiratt verliehen
* • Stempelabgabe für Versicherungen. In weiten Kreisen herrscht noch vielfach eine irrige Ansicht über die durch Ministcrialerlaß vom 17. Juli 1912 in Hessen gesetzlich eingefübrte Stempelabgabe auf Versicherungen aller 91 rt. Der Stempel ist von den Versicherten zu tragen und tuirb von den Versicherungsvertretern gleichzeitig mit der Prämie erhoben. Die Betrüge werden dann von den Gesellschaften an die Hauptstaatskasse in Darmstadt abgeführt. Versicherungen, besonders die der Feuerbranche, unter 3000 Mk., sind stempelfrei. Wird dieser Betrag überschritten, so ist für jedes angefangene Tausend der Gesamtsumme 20 Psg. Stempel zu zahlen. Die Abgabe betrügt demnach bei einer Gesamtsumme von Mk. 3000 bis 4000 — Mk. 0,80, Mk. 4000 bis 5000 --- Mk. 1,—, Mk. 5000 bis 6000 = Mk. 1,20, Mk. 6000 bis 7000 — Mk. 1,40 usw. Bei Versicherungen mit Vorauszahlungen für die Gesauftversicherungsdauer ist auch der Stempel für diese ganze Zeit im Voraus zu entrichten.
* * Gastfpiel im Stabt tbc ater. Für Gießen steht in nächster Zeit ein interessantes künstlerisches Ereignis bevor. Die bekannten und gefeierten Tanzkünstlerinnen Geschwister Wiesenthal werden am Dienstag, 27. Akai, ein einmaliges Gastspiel im Stadttheater absolvieren.
" Die O b erhes st s ch e Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (Naturwissenschaftliche Abteilung) hält eine wissenschaftliche Sitzung cnn Mittwoch abenb im Hörsaale des Mineralogischen Instituts ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag des Prioatdozenten Dr. Bogel von Falckenstein: Einige Faktoren der Bodenfruchtbarkeit mineral ft ofsarmer Waldböden (Bnntsandftein). 2. Professur Kaiser: Vorlage von neuen Mineralsendungen aus Deutsch- Süd weIa frika (Diamant, Beryll u. a.) Gäste "willkommen.
** Die Völkerkundliche Ausstellung aus den Gebieten der Baseler Vtiffion, die voM 6. bis 23. dlpril in der alten Klinik stattfand, hat einen alle Erwartungen übertreffenden "Erfolg gehabt. Sie wurde in diesen 18 Tagen von insgesamt 16 506 Personen besucht. Der Hauptanteil davon fällt auf Schulen und Vereine, die in einer Gesamtzahl von 10 723 Personen tarnen. Einzelbesucher waren es 5783. Besonders stark war der Besuch aus der näheren und weiteren Umgegend. )llus so entfernten Gemeinden, wie Groß-Felda, Stumpertenrod, Ober-Breidenbach usw., erschienen die Sd'ukn. Auch die benachbarten preußischen Landesteile beteiligten sich sehr lebhaft. So kamen, außer aus vielen Landgemeinden, die Volksschulen und die höheren Schulen aus Wetzlar. Die tTinnahmen beliefen sich auf nahezu 5000 Mk., die Kosten freilich aud) auf fast 3000 Mk. Bvn diesen Ausgaben fiel der weitaus größte Teil auf unsere Stadt, der ja auch der starke Zustrom von Menschen zugute kam. Sehr viel höher ist freilich der ideale Gewinn zu bewerten, den die Ausstellung unferer Stadt gebracht bat. Der Leiter der Baseler Missions- gesellschast, Herr Direktor D. Oehler, hat in einem längeren Schreiben feiner lebhaften Beftiedigung über das schöne Gelingen der Ausstellung imb über das große Entgegenkomnren, das sie in allen Vereinen geftmden habe, Ausvruck gegeben und spttcht dafür seinen herzlichen Dank aus. Besonders- gedenkt er aber der kostenlosen Ueberlasfnng der alten Klinik seitens der Stadt, der gastfreien Llusilahme der Ittsstomire in unseren Famllien und der bei der Vorbertttung, Führung und ^lnssicht beteiligten Damen und Herren. Sein Wimsch, daß die Ausstellung eine Anregung gegeben haben Möge, sich eingelyeitber, als bisher, mit der Mission zu beiduftigen, nrirb hofferttlich in Erfulbmg gehen.
* • Der Ehrenpreis, den der hiesige Verein für Luftfahrt für den Prinz Heinrich-Flug gestiftet hat, ist im Schaufenster des Goldwarengeschäfts Karl Brück, Kreuzplatz, au§- gestellt. Der Ehrenpreis besteht aus einer silbernen Bowle auf silbernem Untersatz.
** Dor Bezir kstag des Verbandes mittlerer Reichs Po st- und Telegraphenbeamten fand am Sonntag im Einhorn statt. Zu der Versamm
lung waren über 100 Personen gekommen, galt es doch, die endliche befriedigende Lösung der für sie so sehr ungünsttgen Gehaltsreform von 1909 zu feiern. Tie Reichstagsabgeordneten Landgerichtsrat Strack und Dr. Werner waren der Einladung gefolgt und tmterzogen sich der Mühe, einige UnNarhetten und Befürchtungen zu berichtigen und zu zerstreuen. Sie fanden dankbare Zilhörer.
** In Bakoss Kammer-Lichtspielen erscheint eben als Hauptanziehungspunkt das neue Filnrdrama „Der Tod in Sevilla^ von Urban Gad mit Afta Nielsen in der Hauptrolle. Die Handlung, deren Höhepunkt ein Stiergefecht darftelll. ist von der deutschen Biograph-Gesellschaft autgenourmen und bringt u. a. außerordentlich reizvolle Landschaftsbilder und Straßenansichten mit malettschen Winkeln und üppigen Götten, z. T. hock, über den Dächern Sevillas, und mit der Aussicht auf die schöne Stadt. Inmitten dieser entzückenden Umgebung spielt sich das Drama ab, das die Liebesmychichte einer armen Spanierin darstellt, die an einem Torero Rache nimmt, der sie ihrem Liebsten gestohlen und in die Berge geschleppt hat. — Auch die übrigen Vorführungen sind recht unterhaltend; Bilder von prächtigen Reizen bietet eine Naturaufnahme auS den ftanzösi- schen Alpen. '
** Die Obstbaumanlage auf dem MärbetEengelänbc, die vor einigen Jahren gepflanzt wurde — es sind etwa 100 Apfelbäume —, steht in diesem Jahre das erstemal in voller Blüte und wird jedenfalls den ersten (Ertrag liefern. Leider hat man die Anpflanzung von Obstbäumen auf dem Gelände nicht fortgesetzt. Der Anfang zu einem Vogelschutzgehölz ist am Damm der Kläranlage gemacht. Trotzdem steht noch unbenutztes Land zur Verfügung, das sich für Obstbäume sehr gut 'eignet. <
** Welchen Nutzen bringt das Bieberlieschen unserer Kaufmannschaft. Diese Frage beschäftigt zurzeit die Handelskammer. Mitglieder der Kammer halten in der Stadt Umfrage, um den Betrag möglichst genau festMstellen. Daß bie Biebertalbahn, trofcbem sie das denkbar Mangellmfteste Verkehrsmittel ist, unserem Erwerbsleben Vottell bangt, liegt auf der Hand, diesen Vorteil aber in einem Zahlenbild darzustellen, ist/ wie die befragten Kaufleute erklären, unmöglich. Darüber aber ist man sich einig, daß bei Elektrisierung der Strecke der Nutzen der Bahri für Gießen erheblich größer sein mürbe. . Angeblich soll die Stadt beabsichtigen, das Bähnchen zu erwerben. Allerdings müßte es recht billig sein, da das gantze Schiienen-- und rollend« Material nicht mehr viel Wett hat. .1
Eisenbahner und Kleintierzucht. Zur Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse der unteren Beamten und Arbeiter, besonders der auf dem Lande wohnenden, sind die Eisenbahndirektionen angewiesen ivorden, außer der Bienenzucht aud) die Zieg en- und Kaninchenzucht zu fördern. Mit Aufwendung von rund 19 600 Mark sind im letzten Bettieds-, fahr 346 Bedienstete bei Anschaffung von Bienen, mit 16 500 Mari 432 Angestellte bei Anschaffung von Kaninchen und Ziegen unter« stützt worden.
*' Papier, Früchte, Ob st re sie und sonstige Abfülle sollte man nicht auf Bürgersteige und Straßen werfen. Hierdlirch werden die Straßen verunreinigt und Gefahren füi die Passanten hervorgerufen, die durch Jlllsgleitcn auf Obst- re sie n und dergleichen zu Falle kommen und sich erheblich verletzen können. (Siehe amtliche Bekanntmachung).
Kreis Büdingen.
-k. Michelnau, 4. Mai. Unser Bürgermeister Konr. Diehl mann bekleidet sein Amt schon über 26 Jahre, erkrankte aber im vorigen Jahre bei der Ueberreichung einer Auszeichnung <ntf Großherzogs Geburtstag rn Büdingen und n>ar zum Bedauern aller Ortsernwohner wegen Krankheit kürzlich um seine Dienstentlassung eingekommen. Die Behörde hat unter Anerkennung der treuen und gewissenhaften Dienstführung des Gesuchstellers dem Gesuch entsprochen und die Wahl eines neuen Bürgermeisters auf den 3. Juni festgesetzt. Beigeordneter Hofmann, der schon 5 Monate die Bürgermeisterei hier versehen hat, würde zweifellos als Bürgermeister gewühlt werden, imll aber die Wahl nicht annehmen. Deshalb wird nun der Schwieger^ sohn unseres'bisherigen IBürgermeisters, Landwirt Hch. Bach, als Wahlkandidat genannt.
— Herrnhaag, 5. Mai. Der Pfarrer unseres Kirchspiels, zu dem die Otte Vonhauscn, Diebach und Lorbach zählen, wohnte von seher in Büdingen, nur vorübergehend einmal im 17. und 19. Jahrhundert in Vonhauscn, in der Mitte des 18. Jahrhundctts in Lorbach. Nachdem schon in früheren Jahren Verhandlungen gepflogen worden waren, einigte man sich jetzt dahin, im kommenden Jahre ein neues Pf arrhauS auf dem Haag in der Nähe der ehemaligen Herrnhutersiedelung zu errichten. ES wird voraussichtlich auf die Lorbacher Seite 31t stehen kommen.
Kreis Alsfeld.
Ok. Alsfeld, 5. Mai. Gestern fand im „Deutschen Hause^' eine von 60 Mitgliedern besuchte Hwrptversarnmlung der Oberhessischen K 0 r n h aus g e n 0 s s e n s ch a f t, e. G. m. b. H, statt. Es wurde erllätt, daß die ungünstige Witterung der Jahre 1911 und 1912 eine sehr ungünstige Wirkung auf die Geschäftsführung ausgeübt habe. Das hat auch Einfluß auf die Bilanz ausgeübt, denn sie schließt mit 5419 Mk. Fehlbettag ab. Wie Direktor Schlabach erklärte, ist diese Unterbilanz durch beit Mchteingang von Außenständen früherer Jahre entstanden. Der Stand der Genossenschaft ist, lvie Landtagsabg. Lutz erklärt^ nicht gefährdet, da der reelle Wett der Gebäude und Maschinell größer ist, als ihr Wert durch Abschreibungen eingesetzt ist. Der Verlust soll aus dem Reservefonds ersetzt werden. Ein Antrag des Abg. Lutz, nach dem vom 1. Juli ab Nichtmitglieder bar bezahlen müssen, fand einftimmige Annahme. — Nach Pfingsten soll mit der Wiederherstellung der Walpurgiskirche begonnen werden. Der Okcktesdieust findet während dieser Zeit in der Dreifaltigkeitskirche statt.
Kreis Lauterbachs
-r. Lauterbach, 5. Mai. Gegenwärtig find ftarfe Leutetrupps beschäftigt, die Nachwirtttugen des ttockenen Jahres 1911 tu unseren Wäldern Ku veseittgen, in der Hauptsache durch Nachpflanz-ungen von jungen Fichten. Die Pflanzen, die zur Verwendung kommen, sind im Wachstum bereits vorgeschritten, um ein Zurückbleiben gegenüber den alten Beftänden zu vermeiden. Datnrrch entst^en mancher Gemeinde nicht unbedeutende Kosten.
-r. Angersbach, 5. Mai. Die Spar- und Dar- lehnskasse hielt gestern ihre ordentliche Hauptversamm« lung ab. Äe Einnahmen betrugen im abgelaufenen Geschäftsjahr 123.104 Mk., die Ausgaben 120.832 Mk. Der Mttvbestand der Kasse belÄust sich auf 283.059 Mk., die Passiven auf 282.391 Mk. Der Bericht des Vorstandes bezeichnet das abgelaufene Geschäftsjahr als gut; die Mit- glieder^ahl blieb annähernd auf der gleickun Höhe des Vorjahres, nämlich etwa 220. Auf die Geschäftsanteile mürben 4 Prozent Dividende verteilt. Die satzungsmäßig ausschekdenden VorstmtdSmitglieder wurden wiedergewählt.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 4. Mai. Heute vormittag fand in bet Aula der Augustinerschule dahier eine Gedächtnisfeier für Richard Wagner statt, dec am 22. Mai 1813 geboren wurde. Die Festrede hielt Prof. Gebhard von» Gymnasium. Lieder WagnerS, vorgelragen von der Sängerin ^eyersbach, verfchönetten die Feier. — Prof. D. Dr 'Diehl hielt heute seine Antrittsprcdigt in der Stadtkirche.


