Ausgabe 
5.4.1913 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Illi

'*'« Saale

Stadt

tag

Sprache.

In;

oriaj«

-Hanau.

e Manner und ndl. eingeladen.

Vereins.

Äs*

seit 7. April' iWÄ.Ubr. >denvs b.... x bllWfl50 h tici- Turnhalle u" ^ittciL

jU**w . uctebt.i' JigäsS ;w*5»l siSS

leeweeem

!«B Lie gute und billige J ehinni

so neben Sie in den

«bokitratze 48 g Nirckrnplatz " -Icphon 938 ing frei ins hW. ch.Wim; ilifl um' Io Hiß 9 ÄbisäRtLioe

<

,.w^?S4fc z. bi» Äll.!$- ÄS: pi-Sala!« ÄiederveK'ner m billige Preise. 9

R. flase. v

osen

S.S«.

EronS' 'crncI Löblumcni ' stierte Kopf SU*"*

cniPÜ^11 terci ®djnfiöer'

Zweites Blatt

Nr. 79

163. Zahrgang

Gießener Anzeiger

ErßchMt tkgllch mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Sberhejsen

DieGietzener Familienblatier" werden dem ^Anzeiger* * viermal wöchentlich beigelegt, das UCreisMatt fllr den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» tragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 5. April W3

Rotationsdruck und -6erlag der Brühl'sehen Universitäts - Buch- und Steindrnckerei. *

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:S^ll2. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Aus den Reichstagraurschüfsen.

:: Berlin, 4. April.

Die Veteranenbeihulfen im Budgctausschuß.

Zn Beginn seiner heutigen Sitzung verhandelte der B ud g et- au s s ck u ß zunächst über die V c t c r a n e n b e i h i l f e und ihre eventuelle Erhöhung. Mit ungeteilte« Einmütigkeit forderten alle Parteien eine bessere Versorgung ber_ Veteranen und eine weniger bureautratische Behandlung der Gesuche um die Beihilfe. Wenn nun auch feststehe, daß aus dem Petr oleum Monopol die von der Regierung erwarteten Summen nicht eingehen, so möge die Regierung ohne Rücksicht hierauf mit einem beson­deren Gesetz vorgehen. Schatzsekretär Kühn erklärte, daß die Besserstellung der Veteranen auch ein dringender Wunsch der Regierung sei. Es sei aber eine Uebcrtreibung, wenn es immer wieder heiße, es geschehe nichts für die Veteranen. Von 1910 bis 1913 sei die Zahl der Bezieher der Beihilfe gestiegen von 183 000 über 195 000 und 232 000 auf 245 000. Trotzdem aber sei eine Verbesserung durch Gesetz beabsichtigt, ohne Rücksicht mtf die Ergebnisse des P etrolenMmo no Pols, von dem allerdings auch er besondere Reich seinnahmen nicht mehr erwarte. Er beabsichtige, den verbündeten Re­gierungen einen besonderen Gesetzentwurf vorzulegcn. lieber den "Inhalt könne er noch keine Mitteilungen machen, auch nicht über die Höhe der Bezüge. Es werde auch die Frage ge» prüft 'werden müssen, ob eine Staffelung der ^Bezüge nach der Bedürftigkeit zweckmäßig sei.

Vom Ausschuß wird dringend gewünscht, daß das in Aussicht gestellte Gesetz gleichzeitig mit den Wehr Vorlagen erledigt werde.

Erklärungen über die Lage im fernen Osten.

Nach Erledigung der Veteranenfrage setzte der Budgetausschuß die Beratung des Voranschlags des Auswärtigen A m t e s fort. Im Mittelpunkt des Interesses stand heute die Lage im fernen Osten, insbesondere dicEntwickelungdesChinc-^ fischen Reiches. Ter Berichterstatter Bassermann wies auf das Vordringen Rußlands in Nord-China im Zusammenhang mit den: Vertrag mit dem Hutuchtu! .timt Urga hin und fragte nach der Stellungnahme der Reichsregierung gegen­über diesen Vorgängen von gewaltiger Tragweite. Hierzu kommen neuerdings Meldungen von einem Vordringen Frankreichs von Tonking aus in die südchinesi­schen Provinzen. Er mache ferner aufmerksam auf die Absicht der Vereinigten Staaten, am 8. April d i e chinesische Republik anzuerkennen, offenbar in einem einseitigen Akt ohne Beteiligung der anderen Staaten. Betrachte man noch den Vertrag des Hutuchtu. mit dem Dalai Lama in Tibet, so erkenne man, daß im fernen Osten große Veränderungen im Gange seien, von denen hoffentlich Deutschland nicht überrascht werde.. Er erbitte ferner Auskunft über die weitere Entwickelung der chinesischen A n l e i h e f r a g e. Es sollte in höherem Mäße das deutsche Schulwesen gefördert werden, auch die Ausbreitung der deutschen Sprache in den chinesischen Schulen.

Unterstaatssekretär Zimmermann führte aus:

Bei dem Mongolei vertrage, den Rußland im No­vember vorigen Jahres mit dem Hutuchtu von Urga abgeschlossen hat, wird in Frage gezogen, ob der Hutuchtu legitimiert war, für die ganze Mongolei vertragschließend aufzutreten. Besonders für die innere Mongolei werde diese Legitimation bestritten, in der äußeren Mongolei habe sich wohl die Mehrzahl der Fürsten dem Urgmwrtrag angeschlossen. Der Vertrag gebe Ruß­land eine bevorzugte Stellung in der ganzen Mongolei. Bekanntlich habe China schon 1881 den Russey eine Reihe von Rechten in der Mongolei eingeräumt, u. a. Zoll­freiheit und Konsulate in zehn Orten. Nach unserem Vertrage Mit China von 1861 könnten wir nach dem Grundsatz der Mei st - b eg ün/ti g u ng dieselben Rechte in der Mongolei beanspruchen. Bisher sei dies nicht geschehen, da deutsche Interessen dort kaum bestanden. Neuerdings hätten die deutschen Kaufleute in Charbin und Tientsin angefangen,, sich des Handels nach der Mongolei anzunehmen. Das Land sei ziemlich arm, wir hätten aber das Interesse, es dem Handel aller Nationen offen zu halten und wir hätten, den Wunsch, daß die Verhandlungen zwischen Rußland und China zu demselben Ergebnis führen mögen. Zwischen dem Hutuchtu und dem Talai Lama von Tibet scheine, ein Vertrag abgeschlossen worden zu sein, der nähere Inhalt entziehe sich der diesseitigen Kenntnis.

In der Frage der Anerkennung der chinesischen Republik sei durch den Entschluß des amerikanischen Präsidenten am Tage nach der Präsidentenwahl eine neue La g e geschaffen worden. Bisher habe unter den Mächten die Absicht bestanden, in dieser Sache gemeinsam worzugehen. Wie sich die anderen Mächte nach dem Vorgehen der Amerikaner zu stellen gedächten, sei noch nicht sestgestelli. >

_ Der Unterstaatssekretär gab sodann eine Darlegung über die Geschichte der Anleiheverhandlungen. Amerika sei, wie bekannt, von dem Mächtetönzern zurückgetreten. Die deutsche Re­gierung wünsche nach Ivie vor das Zustandekommen der Anleihe im wohlverstandenen Interesse Chinas, das ohne die Anleihe nur Fu leicht Konzessionsgegnern in die Hände fallen könnte und, anstatt auf dem Wege ernster Reformen sich zu konsolidieren, aus den finanziellen Schwierigkeiten nickt herauskäme.

Die Auflösung der deutschen Vereinigung in Peking, von der übrigens hier nichts befmint geworden sei, wäre sehr zu bedauern. Auch die deutsche Regierung habe den Wunsch, daß die deutschen Kaufleute in China mehr als bisher die chinesische Sprache erlernen und möglichst in ihren Kaufhäusern junge Chinesen, die deutsch sprechen, beschäftigen. Die ä u ß e r st wich­tige Schul frage würde mit Eifer gefördert. In diesem Jähre würden für diese Zwecke 30 000 Mark mehr erbeten. Es sei beab­sichtigt, der Gesandtschaft in Peking einen Schulbeirat bei­zugeben. Es entspreche durchaus dem Wunsche der Regierung, zur weiteren Entwickelung des deutschen Schulwesens mehr Mittel zu verwenden und sie werde den entsprechenden Anregungen der Kommission gern nachkommen. Die obligatorische Eim - I) r it n g der deutschen Sprache in den chinesischen Schulen würde betrieben. Jetzt sei bereits für gewisse Studien­zweige pharmazeutische, medizinische, Forstwissenschaft das Deutsche vorgeschrieben. Im weiteren Ausbau des Konsulats­wesens diene die Forderung für Schanscha. Weiter sei für Mn- nanfu ein Konsulat geplant.

Einem fortschrittlichen Abgeordneten gegenüber wies der Unter­staatssekretär die Anjicht zurück, daß Deutschland in der Frage der Berater für die chinesische Regierung zurück- gedrängt worden sei. Es handele sich hier uM völlig haltlose Preß- meldungeii. Die vom Unterstaaatssekretär vorgetragenen Tat­sachen erweisen, daß von einer Bevorzugung anderer Mächte zuM Schaden Deutschlands keine Rede sein kann.

Zur Frage der Entsendung eines zweiten H a n d e l s s ach- verständigen nach Nordchina, die von einem' fortschritt­lichen Mgeordneten zur Sprache gebracht wurde, teilten die Ver­treter des Auswärtigen Mutes mit. daß zwar die Berichte des Generalkonsuls nnö des ianfmännischeu Handelssachverständigen in Shanghai sich gegen Die Entsendung eines zweiten Sachver­ständigen aussprächen, die Angelegenheit aber noch weiterer Prüfung unterliege.

Seine früheren Ausführungen über die angebliche Behauptung, Kiautschon sei ein Unterschlupf reaktionärer Elemente, ergänzte der Vertreter des Reichsmarineamts durch die ausdrückliche Fest­stellung, daß das Gouvernemänt und die Verwaltung des Pacht­gebietes während aller Phasen der Revolution -und auch nach dem Eintreten ruhiger Zustände strengste Neutralität gewahrt habe. Ständig sei mit Nachdruck darauf hingewirkt worden, daß. keine regierungsfeindlichen Strömungen sich gel­tend Mächten. Zurzeit seien etwa zehn höhere Beamte des alten Regimes in Tsingtau ansässig, ihnen sei jedoch die politische Be­tätigung untersagt und der Gouverneur habe strengste Anweisung, für die Befolgung dieses Verbots zu sorgen.

Besonders scharfe Angriffe wurden von sozialdemokra­tischer Seite erhoben. Die deutsche Politik im Fernen Osten sei in zu großer Abhängigkeit zu Rußland.

Der Berichter st atter bespricht sodann die Frage der Reorganisation des diplomatischen Dienstes.

Es liegen hierzu Anträge Bassermann, Heck scher und des Zentrums vor, die beide eine Auswahl des diplomatischen Nachwuchses ohne Rücksicht auf große persönliche Vermögen ermöglichen wollen. Man könne aus die sehr günstigen Ergebnisse in anderen Ländern, wie Frankreich, die Vereinigten Staaten, verweisen, die die Bewerber aus allen Volks­schichten nehmen. Soweit das Bürgertum Zutritt zur Diplomatie habe, sei dock ein großes Vermögen Vorbedingung: dadurch werden zahlreiche tüchtige Männer ausgeschlossen. Schon im letzten Jahre habe der Reichstag die Bereitwilligkeit ausgestirochen, eventuell die Gehälter des diplomatischen Personals zu erhöhen. Bedauerlich sei auch der rasche Wechsel der Diplomaten, der das

Einarbeiten in die fremden Verhältnisse außerordentlich erschwert. Das deutsche Nachrichtenwesen im Auslande scheine auch dem ent­sprechenden Organisationen der anderen Länder nicht voll gewachsen zu sein. Besserung sei bezüglich Amerika und Ostasien eingetreten. Eventuell müßten auch größere Geldmittel bereitgestellt werden.

Staatssekretär von Jagow erklärt an sich die Be­reitwilligkeit, für die jüngeren Diplomaten höhere Gehälter aus-- zusetzen, wie das ja für jeden Ressortchef nur selbstverständlich sei. Er möchte aber doch auch auf die Schwierigkeiten Hinweisen: man könnte sich nicht darauf beschränken, nur den jüngeren Diplomaten höhere Gehälter zu geben, da auch bei den heutigen Verhältnissen die älteren Diplomaten ohne Heranziehung ihres Vermögens nur mit ihrem, Gehalt haushalten können. Das Leben in den fremden Städten sei sehr teuer geworden, es müßten also sehr große Summen aufgewendet werden. Er gebe aber die Versicherung, daß^sihmdurchausunshmpathischsej-einePluto- kratie in der Diplomatie herauszubilden. Nun stehe er aber erst seit kurzer Zeit an der Spitze des Amtes und möchte bitten, ihm noch Zeit zu gewähren, die Frage zu prüfen. Die Verschmelzung des diplomatischen und Konsulatdicnstes sei in keinem Lande der Fall. Kiän anderes Land habe übrigens soviel Männer aus dem Konsulatsdi,enst in die Diplomatie übernommen, wie gerade Deutschland. Zur Zeit sei das der Fall bei vierzehn Missionschefs und drei Sekretären. Den häufigen Wechsel in der Besetzung der diplomatischen Posten beklage auch er. Bei den jungen Leuten halte er es zwar für wünschenswert, wenn sie die Welt sehen und etwas lernen. Dagegen sollten die Missions­chefs möglichst "länger auf ihrem Posten bleiben. Der Staatssekre-e tär macht weiter vertrauliche Ausführungen über die Arbeiten des deutschen Nachrichtenbureaus.

Auch die Konservativen und die Sozialdemokraten sprechen sich für den im Antrag des Zentrums der Antrag Bassermann-Heckscher wurde zu dessen Gunsten zurückgezogen enthaltenen Grundgedanken aus.

Staatssekretär v. Jagow tritt der Auffassung entgegen, als ob für die Aufnahme in den diplomatischen Dienst Konnek- tunen notwendig seien:Empfehlungen" allerdings, denn ohne Erkundigung über einen Bewerber könne eine Aufnakune nicht erfolgen. Der große Wechsel werde zum Teil auch durch das Klima verursacht. Eine Verschmelzung des diplomatischen und des Kon­sultatsdienstes sei nicht durchführbar, doch werde für beide Dienste auf geeignete Ausbildung in handelspolitischen Beziehung gesehen. Eine Erhöhung des Nachrichtenfonds .sei zu begrüßen. Er fege großen Wert auf gute Be­ziehungen seines Amtes zu den Jvurnalisten- kr ei seit. Ein volksparteiliches Mitglied .führt aus, der Fehler in der Pressezentrale liege darin, daß sie sowohl für das Inland wie für das Ausland arbeiten solle. Es werden an dieser Frage die Staatssekretäre immer wieder Schwierigkeiten finden.

Der Zentrums antrag, der den Reickfskanzler um Maß­nahmen ersucht, durch die der Zugang zum bvl p - loma t i s chen Dienst den Befähig st en, ohne Rücksicht auf ihre Bermögensverhältnisse ermög­licht wird, wird angenommen und das Gehakt des Staats­sekretärs bewilligt.

Bei den Einzelpositionen des Etats des Auswärtigen wird von nationalliberaler Seite bemängelt, daß gerade über die jetzigen unruhigen Zeiten der Gesandte in Mexiko auf Reisen sei. Der Staatssekretär erwidert sedvch, daß diese bedauerliche Abwesenheit durch schwere Krankheit verursacht sei.

Angenommen wird auch eine 'Zentrumsentschließung, die den Reichskanzler für den nächstjährigen Reichshaushalt 'um eine Denkschrift über den Ausbau des Orieutaltsdien Semi­nars zu einer deutschen Auslandshochschule er­sucht. Von nationalliberaler Seite wird die Untere stellung des Seminars unter Reichsaufsicht angeregt.

Ter Voranschlag des Auswärtigen Amts wird erledigt. 'Es hat dazu nur dreier Tage bedurft. Am Dienstag beginnt im Budgetausschuß die Beratung des Mitb tärvoranschlags.

_ Vie Klotten-Demonstration.

Die WienerNene Freie Presse" meldet ans Cattckro : In der Richtung gegen An t i v a r i sieht man die K ri e gs- schiffe der De m o n st rat io n s f lo t t e. Es sind 12 große Einheiten, davon in erster Reihe sechs öster­reichische Kriegsschiffe, keilförmig ausgestellt und

Geldbriefträger und Sprachverein.

Von. einem1 dem Großkaufmannsstande angehörigen Mitgliede des Deutschen Sprachvereins war der Vereinsleitung mitgeteilt worden, bei dcr deutschen Postverwaltung bestehe die Bestimmung, daß Postanweisungen, die nach der Wohnung des Hauswirts, des Mietherrn usw. gerichtet seien, nur dann . an diesen ausge- liesert werden dürften, wenn sie die Aufschriftper Adresse trügen. Selbst die einfache BezeichnungAdresse genüge nicht. Der Vorsitzende des Sprachvereins hat diese Beschwerde an das Kaiserliche Reichspostamt weitergege'öen und darauf vom Staats- sekvedär des Reichspostamts eine Antwort erhalten, in der es heißt:

In der Fassung vom 20. März 1900 enthält die Post­ordnung in § 41 die Vorschrift, daß in der Aufschrift der Emp­fänger und der Bestimmungsort deutlich und so bestimmt be­zeichnet fein müssen, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Es steht daher nichts im Wege, Postsendungen z. B. mit der Aufschrift zu versehen:An Ä. abzugeben an B." Daß, wie Ihnen ein Mitglied des Sprachvereins schreibt, Postanweisungen, die nach der Wohnung des Hauswirts, des Mietherrn usw. ge­richtet sind, nur dann an diesen ausgehändigt würden, wenn sie die Aufichriftper Adresse tragen, dürfte auf einem Mißver­ständnis beruhen. Eine solche Vorschrift besteht nicht. Tie Aus­händigung der Postsendungen regelt § 39 der Postordnung, wo unter VIII bestimmt ist, an wen, je nach der Fassung der Auf­schrift, Einschreibsendungen, Sendungen mit Wertangabe, Post­anweisungen und gewöhnliche Pakete zu bestellen sind. Wenn a. a. O., und zwar an letzter Stelle hinter reindeutschen Aus­drücken, auch die Aufichrift:An A. unter (per) Adresse des B." aufgeführt ist, so ist dies lediglich deshalb geschehen, umi jeden Zweifel darüber fernzuhalten, welche Wirkung die Posttierwaltung dieser häufig vor kommenden Fassung der Aufichrift beilegt. Ob es bei einer Neubearbeitung der Postordnung möglich sein wird, auch ohne Anführung dieser Aufschriftform' auszukommen, wird s. Z. geprüft werden."

Der in vorstehendem Schreiben angezogene § 39 enthält unter VIII folgende Bestimmung:

. . . lautet bei Einschreibesendungen, Sendungen mit Wert­angabe, Postanweisungen und gewöhnlichen Paketen die Auf­schrift . . .:

an A. zu Händen des B.",

an A. abzugeben an B.",

an A. für B.",

an A. unter (per) Adresse des B.",

so darf die Bestellung sowohl an den zuerst genannten Emp­

fänger CA.), als auch an den zuletzt genannten fB.), deren Be­vollmächtigten oder den sonstigen Empfangsberechtigten erfolgen."

Hiernach hat der Beschwerdeführer der Kaiserlichen Postver­waltung Unrecht getan: die Auswahl unter - den deutschen Auf­schriften ist in der Tat groß genug. Allerdings soll nicht ver­schwiegen werden, daß bei einigen Stichproben, die wir bei Geld­briefträgern angestellt haben, diese ihrer Sache nicht sicher waren und auf die bestimmte Frage, wie in solchen Fällen die Aufschrift lauten müsse, übereinstimmend denguten Rat" gaben: am besten und sichersten sei es, ..per Adresse zu schreiben. Der Geld­briefträger ist aber in solchem Falle die wichtigste, weilent­scheidende" Stelle, weshalb weiteste Verbreitung dieses Hinweises auf die vorstehenden Bestimmungen sehr erwünscht ist.

*

Karl L a m p recht über die modernen Uni- v e r s i t ä t s g r n n d a n g e n. Der berühmte Leipziger Kultur- Historiker Prof. Lamprecht nimmt den Plan der Gründung einer zweiten sächsischen Landesuniversität neben Leipzig in Dresden zum Anlaß, sich in bemerkenswerte Weise über den Charakter der Bestrebungen der deutschen Großstädte überhaupt, Sitz einer modernen Universität zu werden, in denLeipz. Reuest. Rachr." zu äußern. Er führte n. a. aus, daß es für die Geschichte der deutschen Universitäten bezeichnend sei, daß sie, wenn neue soziale oder wirtschaftliche Anliegen die Nation beträfen, gleichsam in Schwärmen entstanden seien, und daß der jüngste dieser auf- steigenden Schwärme der der städtischen Universitäten sei. Denn mit 9ftankfurt a. M., Hamburg und Dresden werde es schwerlich sein Bewenden hoben, andere Großstädte, wie z. B. allein schon am Niediwrhein Köln und Düsseldorf, würden folgen. Tie neuen Gründungen seien nun zwar sicherlich auch alle von der Absicht getragen, der zunehmenden Frequenz deutscher Studieren­der Unterkunft zu verschaffen: insofern seien sie alle wirtschaftlich- wissenschaftkiche Unternehmungen. Allen diesen GründuugSplänen sei bann aber noch als bezeichnendes Merkmal gemeinsam, daß sie keineswegs nach den fortschreitenden Bedürsw'.ssen der Wissen­schaft an sich, sondern viel zu sehr nach nächsten Nützlichkeits- pmikten gerichtet seien. Indem Lamprecht als Beweis dafür die koloniale Fakultät Hamburgs, die in Dresden geplante Ver­einigung: Tierärztliche Hochschule Technische Hochschule einige Universitätsfakultäten, und als besonders charakteristisch die allen geplanten neuen Universitäten fehlende theolo­gische Fakultät anführt, erklärt er die Anschauung, daß die praktifchen Mssenschaften das Zentrum oder das Hauptmotiv einer Umversitätsgründung Ijergeben müßten, für so merkwürdig, daß diese Anschauung vielleicht als der bezeichnendste Exzeß eines fast nur noch ökonomisch denkenden Zeit­alters angesehen werden könne. Dazu komme obendrein, daß

man an der Schwelle einer emporkommenden Zeit stände, die in dem nonvel esprit Frankreichs schon deutlicher entwickelt vor uns stehe, einer idealistischen Zeit innerlicher Kraft hnb sittlicher Hoheit, nicht bloß mechanischer Kraftbetätigung und kapftalistischer Gewinne.

Aufführung der Kai serin-Friedri ch-S ti f - tungzuMainz. AM 2. und 3. ,Juni T. I. finden im Konzert­hause zu Mainz zwei von dem VereinRäainzer Liedertafel und Damengesangverein" veranstaltete Aufführungen der Kaiserin- Zriedricl>-Stiftung statt. In dem ersten von Kapellmeister O. Nau­mann geleiteten Konzerte gelangt HändelsIsrael in Egypten^ in der Chrhsanderschen Neugestaltung zur Aufführung. Das Programm des zweiten unter Leitung von Professor Siegfried Ocks-Berlin stehenden Konzertes bilden Kantaten von Johann Sebastian Bach.

Kurze Nachrichten au£ Kunst und Wissen­schaft. Der Kaiser hat dem Dichter Rudolf Herzog auf der Oberen Burg in Rheinbreitenbach den Roten Adler-Orden 3. Klasse mit der .Krone verliehen. Dr. Mbert von Le Coq aus 'Darmstadt, dem der Professortitel verliehen wurde, hat eine zweite Forschungsreise zwecks Ausgrabungen irach Chinesisch- Turkestan an getreten, deren Ausdehnung bis jetzt noch nicht bekannt ist. Bei der Preisbewerbung für Entwürfe zum Bau einer Brücke über die Saar in Saarbrücken' .erhielt Professor Paul M eihner-Da rMstad t den erften Preis (5000 Mk i Pros Dr. Ernst V e 11 erl ein-Darmsta dt wurde ein Preis von 1500 Mk. zuerkannt. Das Internationale Komitee für Atom­gewichte hat, wie aus dem' jetit erschieneirLN (Jahresberichte hervor- geht, den 83 aufgeführten Giernenten ein neneschinzugefügt, das Holmium, toetn Atomgewickst beträgt 163,5. Ein Spiel- und Jugendpflege-Kursus für das weibliche Ge­schlecht in .Hannover wird voM 12. bis 18. Mai d I vom Zentralausschuß für Volks- und Jugendspiele neranftaltet. Die Anzahl der Teilnehmerinnen ist auf 100 beschränkt. Ernannt wurde vom 1. Oktober d. I. ab der o. Professor Dr. vbil. fet med. Oswald l p e in Bonn zuw' ordentl. Professor der Philosophie an ber Universität München als Nachfolger von Prof. Ph. Lipps. Das pshchologische Seminar der Universität München wird in ein Pshchologisches Institut imvgetoanbelt und die Leitung Pros. Külpe übertragen werden. Der Geheime Sanitätsrat Professor Dr. med. Alexander Spieß in Frankfurt a. M. begeht am 6. April seinen 80. Geburtstag. Zum ärztlichen Direktor der städtischen Krankenanstalten in Düsseldorf ist der General­oberarzt Dr. med. Willielm Classen, Divisionsarzt der 30. Di­vision und, Chefarzt des Garnisonlazaretts I in Straßburg berufen. Direktor (Staffen ist aM 28. .Juni 1861 zu Mainz geboren.