Zweiter Blatt
Nr. M
165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
(trjdjetrti tt»-Itch rnn Ausnahme deS ConntagS.
General-Anzeiger für Oberhejfen
Die „Gleheaer Zamilienblätter" werden dem r91njeigev' viermal wöchentlich beigelegt, daS „KreisblüU für ötn Kreis Sictzen" zweimal wöchentlich. Ti» „Lanüwirtichaitlichen Leit- frage»" erscheinen monatlich zweimal.
Dienstag. 5. August 1915
Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universität- - Buch- und Cteindruckerel.
R. Lange, (Bicueu.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Berlag: 31.
Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzagerEieve»
Oie Urupp-Affäre vor Sem Kriegsgerid)t.
4. Berhandtungstag.
Berlin, 4. August.
Vor Eintritt in die Verhandlung legt der Zeuge Brandt <nn seine £nni betreffendes ärztliches Attest vor, welches besagt, das; Frau Brandt sich in einem vernehmungsfähigen Zunandi fc^inbe, daß sie aber wegen ihrer starken Nervosität nur in geschlossenem Automobil erscheinen könne. Ttc Be Nutzung der Eisenbahn sei ausgcscAossen, da fte sich tortwahrend beobachtet suhlt. Ter (Gerichtshof beschließt das unverzügliche Erscheinen der Frau Brandt.
ES kommt die Lieferung einer Kornwalze, die Material au 4 dem Artillcrieprüfungsausschuk enthält, zur Besprechung. Sachverständiger Hauptmann Ellert: Ich halte sofort deri Verdacht, daß der Ser toter nicht lange Zeit zur Einsicht gehabt hat für daS Aktenmaterial, sonst wäre der Bericht genauer n.i leführt worden. Tic Kormvalze machte den Eindruck eines sehr - liich'igen Einblicks. Kriegsgertchtsrat Tr. Welz: Trc ganze -igelegenheit ging auf ein industrielles Duell Livischen Krupp und Ehrhardt hinaus, das für Krupp nicht besonders günstig stand .(trupp Hane ein lebhaftes Interesse, das abschließende Urteil des Ausschusses über die bezügliche Lieferung mögliclO bald zu er fahren .hätte Krupp einen Verräter beim Arttllerieprüfungs- ausschuß geliabt, so wäre er wesentlich früher in den Besitz des BenclrtS gekommen? Sachverständiger: Tas glaube ick. Recktsamvolt Barnau: Tic Zeitangaben des Berichts und der (tornwalze stimmen nicht überein. Trotzdem halte ich meine Ansicht aufrecht. Ter Bericht geht doch auch durch die Hände der Offiziere und Unteroffiziere? Sachverständiger: Gewiß. Er wird von Unteroffizieren unter Aufsicht eines alten Wadft- Meisters geschrieben.
Sachverständiger Masvr Schoos: Ich hatte von Anfang an die Vermutung, daß die Kornwalze im Kriegsministerium entstanden sei. Zlriegsgerichtsrat Tr. Welz: War es nicht möglich, das; der vergeßliche Brandt diesen Fehler nicht von sich aus gemacht hat, als er auf Grund einer mündlichen Unterhaltung später die Niederschrift machte? Sa chv e r stä n d i g e r: Es spricht vieles dafür, das; die Kornwalze von einem Beamten aus dem Kriegs- Ministerium gemacht worden ist.
Es gelangen nun zwei Kornwalzen zur Sprache, denen A u s- züge u den Vorarbeiten des Etats zugrunde liegen. Ta einer der militärischen Sachverständigen erklärt, daß im Interesse der Landesverteidigung nicht öffentlich verhandelt werden Tann, wird für die Tauer dieser Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen.
Nach IVsftiinbiflcr Unterbrechung wird kurz nach 11 Uhr die Oeffentlichkeit wieder hergestellt. Es wird zunächst Landrickuer Wetze Id vernommen, der die Voruntersuchung im großen und ganzen gsführt Hut. Der Zeuge bekundet: Ich wurde am 7. Februar mit der Angelegenheit betraut und fuhr in derselben Nacht noch mit dem Nackttzuge nach Essen. Ich kam am Vormittag des 8. in Essen an und setzte mich dort sofort mit der politischen Polizei in Verbindung und mar dann gegen 11 Uhr bei der Firma K^rupp. Ich erschien bei Herrn v o n D e w i tz und hatte den Eiitdruck, daß man den Zweck meines Kommens anfänglich nicht begriff. 9lnfänglich glaubte Herr von Dewitz, daß es fick imeber um eine Spionage-Affäre handelte, bei der die Firma Krupp nur die Rolle des beteiligten Zeugen spielte. I ch ließ dann den Geheimschrank öffnen und habe dann alles in Betracht kommende Material in Besitz genommen und versiegelt. Ich habe dann mit .Herrn Direktor EeciuS verhandelt, fuhr dann lvieder nach Berlin zurück, wo inzwischen der Herr Landrichter Metzer die Untersuchung geführt hatte In Berlin begann ich bann mit ber cingt'bcnbcn Vernehmung deSjetzigen ZeugenBrandt.
Berhanblungsführer: Ist Ihnen, um mich so auszu- brucken, ber UebcrfalT in Essen vollständig gelungen. hatte die Firma Krupp keine Ahnung?
Zeuge; Ich hatte den bestimmten Eindruck, daß mein Kommen überraschend nrar. Verhandtungsführer: Glauben
Sie daS ganze in Betracht kommende Material in Besitz genommen zu haben? Zeuge: Ich mackte kein Hehl daraus, daß hier eine schwere Anschuldigung gegen einen Angestellten ber Kruppschen Firma, Branbt, vorliege und baß gewissermaßen biefem Manne Gelegenheit gegeben werden müßte, stck von dem schweren Verdachte zu reinigen. Der Zeuge gibt darauf eine Darstellung, wie er bei der Firma Krupp die Vernehmung geführt bat.
Verhandlung Sfübrcr. Haben Sie alles Material gefunden? Zeuge: Ich micberbole, daß ich den Eindruck hatte, daß alles herausgeben würde, was in Betracht kam. Verband lungsführer: Sie glauben auch nicht, daß die Firma Krupp von Ihrem Kommen Wind bekommen hatte? Zeuge: Ick glaube mit Bestimmtheit nickt, mein Kommen war völlig überraschend. Verbandln ngssührer: Wie hat sich Brandt Ihnen gegen über verhalten? Was für einen Eindruck Haden Sie von feiner Glaubwürdigkeit bekommen? Zeuge: Ich hatte den Eindruck, daß er in umfaßender Weise die Wahrheit gesagt habe, zumal er eingestehen mußte, daß es besser sei, wenn er alles zugab angc sichts des vorliegenden urkundlichen Materials. Ich habe ihn ausführlich vernommen, dabei ihm hinsichtlich seiner Essenspausen das größte Entgegenkommen gezeigt, ich hatte nickt den Eindruck, daß er ^schöpft sei ober nickt folgen könne. Auch war ick er staunt, A ick von seiner Gedächtnisschwäche lad, die ihn be fallen haben soll unb der Gehirnerschütterung, bie er erlitten hat. Ob bavon etwas in den Akten steht, weiß ich bei deut rie ff gen Umfang, den das Material hat, nicht.
Verhandlungsführer: Ist Brandt immer derselbe geblieben bei den Vernehmungen? Zeuge: Durchweg derselbe. Ick hatte den Eindruck, daß er die Wahrheit sagte, daß er lediglich ein umfassendes Geständnis ablege. Ich hatte von ihm den Ein druck, er sei ein guter, wahrheitsliebender Mensch, der gefehlt bat und jetzt alles sagen will, was er auf dem Gewissen habe. Berhanblungsführer: Haben Sie jemals einen Anlwlls punkt bafür gehabt, daß er einen nicht Genannten oder Unbekannten retten wollte? Und daß er zu diesem Zwecke einen Unschuldigen nenne:
Zeuge: Nein. Mir schien, daß er wohl sage, ick bin ber Hauptschuldige, ich nehme alles auf mich, waS ick getan habe: ich vermutete nicht, daß er mit dem großen Unbekannten hinter dem "Berg hielt. Ohne Ansehen eines Unbeteiligte* habe ich alles zu ermitteln versucht.
Verhandlungsführer: Brandt hat Pfeiffer früher schwer belastet, da er sagte, vom Kriegsministerium habe ihm niemand mehr Material gegeben als Pfeiffer. Tiefer stellt es nun so dar, alS ob Brandt einen andern schone unb ihn in perfibester Weise beschulbigen wolle. Zeuge: Es fiel mir auf ber außerorbcntliche Widerspruch zwischen ben Branbt sehr schwer belaftcnben Angaben unb ben jetzigen Beschuldigungen Pfeiffers, der bei seiner Vernehmung sich auf das Exposä bezog. Branbt ist berfelbc geblieben und behauptet nach wie vor, die reine Wahrheit gesagt zu haben.
Verhandlungsführer: Brandt war wohl etwas gebrochen, er fühlte fich als Vertreter (Trupps und wurde plötzlich verhaftet, hat er je von Gedächtnisschwäche gesprockten? Zeuge: Dessen kann ich mick nicht entsinnen; wohl äußerte er einmal Selbstmordgedanken; feine Stimmung dürfte auch em- mal im Protokoll zum ?lüsdruck gekommen fein. Es war nicht angebracht, einen Arzt oder Psychiater seinetwegen zu befragen, sonst hätte ich es getan. Ich war erstaunt, als ich jetzt beispielsweise von dem Schlag mit der Motorkurbel in der Zeitung las. Auch rückschauend konnte mir dieser Gedanke nicht kommen, natürlich war er niedergeschlagen. Er ist ein gebildeter Mann, der aus fernen Kreisen herausgerisfen wurde; dieses Unglück trifft jeden schwer. Ich habe ihm zugereoet, er solle sich kräftigen, und habe ihm alle Vergünstigungen, die zulässig sind, zuteil werden lassen.
Verl'andlungsführer: War er sehr nervös? Zeuge: Er war wohl etwas hastig beim Sprechen und in seinen Bewegungen. Tic Besuche seiner Frau habe ick mit meinem Kollegen stets überwacht. Dreimal war ich inzwischen verreist, einmal nach Essen, ein ander Mal in Sachen Brüning; sonst glaube ich mich zu entsinnen, daß Frau Brandt etwa zweimal kam. Tas beide etwas Unerlaubtes gesprochen haben, glaube ich nicht, zumal | ich Brandt ermahnt hatte, bei der Sprecherlaubnis und bei dem
brieflichen Verkehr außerordentlich vorsichtig zu sein. AuS feiner Persönlichkeit und der der Frau Brandt glaubte ich eine gewisse Garantie zu haben, daß sie nichts Unerlaubtes täten. Was sollte auch noch bei dem Material korrigiert werden? Tic Haftentlassung Brandts erschien uns nach langen Verhandlungen, zumal nock mehrere Monate bis zur Verhandlung hinweggelren würden, schließlich unbedenklich. Der OberStaatsaniralt harte nichts dagegen cinzuwcitden, gegen eine Kaution Brandt zu entlassen, mit dem Himveis, daß er bei dem geringsten Vorkommni- wieder verhastet werben ivürde, namentlich, wenn er seine Frau bazu bcmitzte, um im Interesse ber Saclze einen nicht zulässigen Verkehr zu pflegen. Ein Fluchtverbacht lag nicht vor, er nxir bei ber Firma Krupp angestcllt unb hatte ein Einkommen von 13 000 Mark.
Rechtsanwalt Tr. Wirth; Ist bem Zeugen ausgefallen, baß Brandt in der Zeit vom März bis zu seiner am li. Juni erfolgten Entlastung eine Aenderung in feiner den Angeklagten Tilian betreffenben Aussage hat cintrctcn lassen? Zeuge: Ich kann barüber keine bestimmte Antwort geben. Jedenfalls hatte ich ben Einbruck, baß Branbt vollständig geständig «vor. Uebrigcns hatte ich in der Angelegenheit mehr in Esten a!8 in Berlin zu tun.
Vertreter ber Anklage: Mir ist aufgcfallen, baß da-, was in dieser Prozeßangelcgenheit nach und nach mir in die Hände kam, durch die AuSwgen Brandts in geradezu In-itbc- matisckrer Sidwrfcrit bestätigt wurde. Zeuge: Brandt war immer sehr schnell und richtig orientiert unb fanb sich schnell zurecht. Ich hatte ben Einbruck, einen außerordentlich fähigen und klugen Kaps vor mir zu haben Ich möchte dem ÖkridTt van einem Briese Kenntnis geben, der mir beute yigegangni ist. Ter Brief- fdjrnbcr behauptet, er vermöge Beweifc für die Unschuld der Angeklagten zu erbringen, die Angaben der Angeklagten seien nicht ein Ausfluß eigener Gedanken, sondern auf jesuitischen Einfluß zurückzu führen. Unter großer allgemeiner Heiterkeit geht das Gericht über diesen Brief zur Tagesordnung über.
Der nächste Zeuge Landrichter Tr. Metzle r, der ebenfalls in der Voruntersuchung tätig war, bekundet, er habe eine- Tage- ben Auftrag bekommen, Branbt zu vernehmen, habe aber erst aus bem Dienstzettel ersehen, um was es fick honbele. Brandt antwortete sehr zögernd unb überlegte off, und ick mußte ihm sozusagen „die Würmer aus der Nase ziehen". Ich redete ihm gut zu, unb er legte schließlich meinem Empfmven nach ein Geständnis ab, auch hatte ich ihm vorher nock gesagt, daß er bei völliger Offenheit Anspruch auf die Milde des Gerichtes hätte. Brandl hat mir dabei ganz genaue Angaben gemacht und fämtlidy* Personen genannt, mit denen er in Verbindung gestanden bat.
Anklagevertreter: Die Beteiligung des Angeklagten Pfeiffer interessierte Pns besonders. Hat Brandt von seinen Be- Ziehungen zu Pfeiffer gesprochen? Zeuge: Ich kann mich heute nicht bestimmt mehr befinnen, ich glaube aber, daß der Name Pfeiffer im Protokoll vorkvmmt. Verhandln ngSführer: In dem Protokoll bekundet Brandt, er habe von Pfeiffer einen Spezial- auszug aus dem Militäretat erhalten. Das muß er doch aus sich selbst gesagt haben? Zeuge: Ganz bestimmt. 3d) wußte ja vor ber Vernehmung noch gamicht, um was es sich hanbcltc. Er war zuerst zurückhaltenb, bann aber nannte er bie Summe, bie er zur Erlangung seiner Informationen ausgegeben Hatte unb sprach auch von einer größeren Information. Ich Hatte, wie gesagt, ben Einbruck, baß Branbt ein Gestänbnis oblegen unb fein Gewissen erleichtern wollte. Auf meine Frage, ob er ein Gestänbnis ab- legen wolle, antwortete Branbt. Ich weiß nicht, ob ich mich schuldig bekannt habe Ein direktes Geständnis bat er allerdings nicht abgelegt. Verhandlungsführer: Hat Brandt die Namen aus sich selbst heraus genannt? Zeuge: Gewiß. Ich hätte ihn gamicht daraus bringen können, da ich von der ganzen Angelegenheit noch feine genaue Kenntnis hatte. Alle Namensnennungen und alle Angaben über Informationen entsprachen seiner eigenen Initiative. Brandt war sehr geknickt, doch sonst flar. Ich hatte den Eindruck, daß er die Wahrheit lagen wollte.
Ter Verhandlungsführer gibt darauf Kenntnis von einigen Verfügungen, die das Untcrperfonal verpflichten, unter keinen Umständen während oder nach der Tienstzeit von der Heeresverwaltung bewilligte oder bezahlte Preise zu nennen, und
Münchener Musiheftspielc.
München, Anfang August.
Die Mozart-Festspiele haben begonnen. '»Ibenb für o£bCnb füllt das Rcsidenzthcatcr cm erlesenes Publikum aus aller Herren Ländern, um des unsterblichen Wolfgang Ama deus göttlichen Tönen M lauschen. Denn es Herrickl — wohl mit Reckt — in allen Landen die Uebcrzcugung, das; man in München bie stilechtcstcn Mozartaufführungen genießt, ^chon burd) ben wundervollen äußeren Rahmen der BülmcnbUbcr wird eine timität geschaffen, die dem E(ang und ^>piel am der Buhne inn= fiiljlig crüqcgcnfommt. Mozarts imrft aut die ful’urubcr-
Üittigen Hörer wie ein kühler errrnchmber 4JunF aus flam: Duette und entzückt und hingeriisen nhmit und horcht jeber in die - sonnige, liebenswürdige Welt, die fick vor ihm aurtut, möge chm Mozart" Kunst non) so lange bekannt unb geläufig fern, -.er
der biesiährig«, Festspiele berechttgt ^.«nemfrohm Optimismus. Oian.; prachttg ist „Figaros HvÄzett , die den Ailffakc bilbetc, verlaufen. Bruno Walter, dreier tnn ftoniqc ameroret aUarticfc« Musik. fciiirte mit mnem »um Icr- Orckcster Ausgezeichnetes. Von den ^aruellern waren Lvcin ha(Ä tonqcmaitigcr Alinaviva, jjrau BosetNs reizende^ K aminerkä tzche n Susanne, ^räulrin gleickcu, nickt zu vergeben Fräulein Tordeck^ sam^er Everii bin Nicktt ganz aus jener Höhe, wie man >ie gexnigUd) unb bar üclicrifd) von einer Festtpielausfübrnng verlangen ban, ttand der Figaw de^ Hernn Rudow, der erst feitJurKm dem Verbinde ber9 voftbcatcr als Mitglied angchört. Honentlich gelingt cs ihm, mff der Zeit unter Bruno Walters Füllung vor
nehmen Stil des Ensembles einzufügen; am Mittwoch ffri. er Idbcr au* deni Rahmen ber übrigen Leistungen. ~ Abend folgte - als einzige im grötzeren Hof- und National- idealer gegebene Oper des Zvllus — dre ub errlot
hcr zuerst in der vergangenen Spielzeit errolgren Neuins^niäung, die mit Glück und Geschick altagnpii'chen Boden, arff den Goethe vor J19 Iadton^die Zauoerstorc uellkr oerlicK unb bie Szenen des Spiels nach Babplon und Pers«'.!>-> legt Drmm) Valttr bat aud) dies. Derk der großttn SE fair einstudiert, unb ihm folgten ganger und rckeuer. .^ocki *,„1 S bei ‘bei* ersten Taften in die eigene Mozart^-nm- uns . vei 'unb Fräulein Perard Petzl als
m“n9 S ’haten mit Saraftro- Gillmann, Bro-
bTr°ien bunb irrau Kühn Brunnrr als ^nig-irhattoirteS ««mmX mbrbaft fcBIi<Kn CknuR. - mrrten
mit der „Entführung auä bem eerait und „wn
®“V““l"^0nsert»erein Mranitaltet unter Ferdinand ÄS'
Trat ra-Ä n unb am 15. August ihren Sntimg netoen.. sie werden ?trm Äv'Mgen Vorigem ’ftÄÄ" »id>
diese Vcraiistaltung wahrscheinlich nidit der Schwanengesang der für das Münchener Musikleben so bedeutungsvollen Vereinigung sein, beim bie zur Sanierung der VerhälMissc des Konzertvcrcms in München während der letzten Wochen geschehenen Schritte ver sprechen von Erfolg gefrönt zu werden. Es ist heute mit ziem lieber Sicherheit a nm nehmen, daß der Konzertverein auch nach dem 1. September, dem kürzlich angedrohken Liamdalionstermin, weiter- bestchen und uns dauernd erhalten bleiben wird.
HansBege. ♦
— Zum 70. Geburtstag Roseggers wird noch mit geteilt, daß unter den zahllosen Glückwunschtelegrammen sich aud) fold« vorn deutschen Kronprinzen und Dom deutschen Reichskanzler befanden. Das Telegramm des deutschen Kronprinzen lautet: „Seine Kaiserliche Hoheit beauftragen mich. Euer Hochwohlgeboren zum 70. Geburtstag höchstsrine mir richtigsten und herzlichsten Glückwünsche auszusprechem. Gras Dis marck-Bohlcnhof, Hof mar schal l."
— DasOpernlibretto einst und fetzt. Die Academie Fran<?aifc hat auf das Jahr 1915 einen Ruf von 1500 Franken für das beste Opernlibreno in Prosa ober in Versen ausgeschrieben Sic hat bereits bedeutenbe französische Komponisten unb Schrift steiler zu Schiedsrichtern beftimmt. Tie Frage des Opernlibrettos ist dadurch lvieder akut geworden; ffe ist seit alters her der wunde Punkt der Opern gewesen. Schöne Musik allein hat nie genügt, um eine gute Oper zu schassen, unb oft hat bas Libretto die Musik in erfolgreicher Weise unterstützt Im 17. Iahrhunben begnügte man fick noch mit einfachen pathetischen Mitteln. Eine streng butdigrführtr Handlung ober gar Eharaklcrentwicklung wirb man vergebens suchen. Tie Hauptsache waren bie Schäfer unb Schäferinnen, bie Nnmphen, bie Trnaben unb natürlich die unzähligen Tänzer und Tänzerinnen. Tiefer verlotterten Herrlich- hrit hat dann Gluck ein Ende gemadx, indem er seinen Opern sters eine regelrechte dramatische Handlung zugrunde gelegt hat. Er hat mit Vorliebe frmuöni’dx Terte benützt, bie er oft selbst nach eigenem Gutbünkcn veränberi hat Er scheute sich nicht, ben Versen Quinaults. noch eigene, burckaus nicht scAecknerc, beiprfügen. Er war also in birier Beziehung ein Vorläufer Wagners, ber ja stets nur eigene Texte verarbeitet hat. Das Beispiel Wagners bat namentlich in Frankreich viel Nachahmung gefunben. Tic irmbemcn framönfehert Komponisten gebrauchen mit Vorliebe eigene Texte, tote ?. B Vincent b'Indv, Gustave Charpentier, Alberio Magnarb unb Camille Saint-Saens, der unter anderem auch am Libretto der „Tejanrre" von Louis Galle: mit gearbeitet bat.
— Der neuefte fRoman von Gorki. Ein Mitarbeiter ber „Tribuna" teilt mit, baß Maxim Gvrff soeben einen Roman vollendet habe, u: dem bie Geschiße unb die Natur von Capri, denen berrliches Klima er mehrere Jahre genossen hat, dargestelli wird. Ter Roman spielt aber nicht in dem Capri der großen Hotels, ber Fremdenwelt und der Blasiertheit, sondern in dem allen, überaus eigenartigen Teil des alten Capri, unter der niederen Bevölkerung, die dem Fthchsang und oem Weinbau er-jeben ist. ES greifen auch einige Russen, die auf der Insel des Tibertus in stiller Zurnckgesogenheit leben und arbäten, in dieses Milieu
ein. In diesem kleinen rusflsd-en Zricis läßt Oforft einen wichtigen Teil des Romans sich enttrich.-ln. Die Geschichte soll überaus zart und fein sein, voll von glühender Liebe, von Heimweh und Traurigkeit. Llder sie soll einen wundervollen Hvmnus auf daS herrliche Kleinod der Insel, auf seine Bewohner und deren Sitten und Gebräuche darstellen. Gorki enthüllt also in dem neuen Roman eine neue Seite feiner Kunst. - '
— Heilung von Schwerhörigkeit Der Braunschweiger Arzt Dr. Hamm hat her ,,Umschau" zufolge zur Heilung vieler Fälle von Schwerhörigkeit, die als Folge von Mittelöhr Erkranfungen Zurückbleiben, und bishcr als.unheilbar galten, ein von ihm gefundenes neues Mittel mit Erfolg angewendet. Es besteht in einer Durchhikung des Ohres mittels elektrisch erzeugtet Wärmestrahlung Das hierbei benutzte Instrument wird „Otvtherm" genannt.
— Aus der Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins. Heber die Rechtschreibung der Ortsnamen gibt es leider noch keine allgemein gültigen Reg In, fo daß wir die Uniuträglidifeiten, die sich aus der Verschiedetk^it ihrer Schreibweise ergeben, vorläufig in den Kauf nehmen nrüfrn. Wo die Verschiedenheit dagegen, die Vornamen betrifft, find die Unbeauemlick feiten so groß, daß ernstlich eine Dereinhfftlichung der Schreibung angestrebt werden muß C, PH und Th gebraucht man nach der amtlichen neuen Schreibung nur m solchen Wörtern, deren iremdfpradvger Ursprung noch heute erkennbar ist, und fo sollte es auch bei den Borna men sein Taher Karl nicht Corl , Alfons nicht ?llvhons, Adolf nicht Adolph, und Rudolf nicht Rudolph, Walter und Günter (nicht Walther und Günther; baut auch bei Werner, eigentlich Dernhcr, ist ja bas anlaui-mbe h bes zweiten Teiles weggefallen — Turck btefc Einb-its- fdnribung wirb z. B. bie Ausstellung von Personenver^ichnissen Mrcßbüchern ufw. unb daS Nackschlagen in biefen ungemein erleichtert, unb ba berartige Verzeidmifse besonbers im geschäftlichen Leben alltäglich benutzt werden rnüffen, so sollten vor ollem bie Kaufleute bie an hei klicke Rechttckreibung in ben T* am am en als Zeitersparnis willkommen frifen. In Preußen find bie Stanvesämrer schon feit ( nigen Jahren anqariefen, tnri' Neue» rung burckzuführen: recht lief-. Sckwicngka:en haben sich dabei nicht ergeben. Bor allem aber hat der Allgemeine TcuHche Sprachverein diesen Battebungen wesentlicke Tienste geleistet durch Herausgabe eines „Vornawenverzacknisses nach der neuen Recht- fckreibung", das für 20 Pfg in allen Buchhandlungen zu haben ist und von dem binnen zwei Jahren 25 000 Stück ah<wsetzt worden sind: in-besondere haben Preußen und Baden die sämtlichen Standesämter damit versehen Iahen. Möchten die anderen deutschen Staaten diesem Beispiele bald folgen, damit überall dem Wirrwarr allmählich ein Ende gemacht werde
— Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissenschaft. Aus Kiel teilt man uns mit: Ter Lehrer ber Architektur an ber Kunstgewerba'ckule zu Frankfurt a. M. Archi- teft Caspar Lenna rtz ist vom 1 Oktober b. I. zum Tirektor ber Kunstgewerbe- unb Handwerkcrfckule in Kiel als Nachfolger von Tr. Heyn berufen worben Lennartz erhielt feine Ausbildung an den Technischen Hochschulen zu Aachen und Tarmftnbt.


