Nr. ry Erstes Blatt 165. Jahrgang Samstag, 5. April (91?
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MW General-Anzeiger für Sberhesten MW
M di^T^esnummtt RotationsdruS und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftratze r. für Stadt und bis vormittags 9 Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhosstratze 16a. Auzeigent'eil: H." Beck.
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Die heutige Nummer umfaßt 22 Seiten.
„Tast" zieht ein Sachkundiger, Hauptmann a. D. Dr. Hilde
politische Wochenschau.
Gietzen, 5. April.
Z 4 hat gestern mittag die Heimreise auf dem Luftweg angetreten, und alle Deutschen atmen auf darüber, daß die befürchteten Schwierigkeiten, die unsere westlichen Nachvarn hätten machen können, unterblieben sind. Trotzdem die französischen Behörden bei der Landung des 3 4 eine sehr loyale Haltung einnahmen, ist das Ereignis von allen Gesichtspunkten aus lebhaft zu bedauern. Vor allem ist die Befürchtung! nicht von der Hand Ku weisen, daß die Franzosen hinter die Geheimnisse unserer stolzen Luftriesen kommen könnten, und wenn ihnen auch dre Konstruktionszeichnungen fehlen, so waren doch geschulte Fachleute anwesend, oder sie wurden aus Paris an die Landungsstelle beordert, so daß der Vorfall sehr zu denken gibt. Zuverlässige Nachrichten darüber fehlen noch, und vielleicht ist die Pariser Presse, die mit Wohlbehagen feststellte, der anwesende französische General habe mit seinen Offizieren drei Stunden lang das Luftschiff einer peinlichen Besichtigung unterzogen, mutiger gewesen, als die Lokalb'ehörden in Lunevillc. Aus einiger Entfernung schimpft und höhnt es sich immer desser, als Auge in Auge beim Gegner. Wie die Stimmung in Frankreich Deutschland gegenüber aussieht, das haben unsere Luftfahrer zur Genüge erfahren. Steinwürfe und Schimpsworte, Besudelung und Beschädigung des Luftschiffes durch d eit Pöbel sind nur mit Mühe ab gewehrt worden. 3 4 ist „ba$ beste und schnellste Luftschiff der Welt", so versichert ein fachmännischer Mitarbeiter des „Berliner Lokalanzeigers", und cs trug auf seinem Rücken eine Plattform, von der aus die Schießversuche mit einem Maschinengewehr unternontmen worden waren. Mindestens diese Neuerung wird man jenseits der Vogesen genau betrachtet und ausgezeichnet haben. Und da Frankreich wohl bisher schon unvermerkt sein Augenmerk ans die „Zeppeline" gerichtet haben wird, so werden sie jetzt leider Ergänzungen ihrer Kenntnisse davongetragen Haben.
So erhebt sich bei uns die Schuldfrage und die Sorge, loie in Zukunft so unliebsame Zwischenfälle vermieden werden können. In den allerletzten Tagen hat die amtliche „Nordd. Jkllgem. Ztg." der deutschen Presse vorgehalten, daß sie häufig mit militärischen Geheimnissen, mit der Kenntnis vvn nützlichen Verbesserungen oder neuen Erfindungen allzu sorglos umgegangen sei. Wir dürfen heute diese Warnung an die amtlichen Kreise zurückgebdn. Es ist ungleich wichtiger, daß der größte Stolz der deutschen Technik nicht durch Unvorsichtigkeit oder Fahrlässigkeit unseren Feinden preisgegebrn werde. Zwar wird geltend gemacht, 3 4 sei noch nicht in den Besitz der Heeresverwaltung übergegangen gewesen, und der Führer des Luftschiffes, Kapitän Gluud, war in der Tat nur ein Angestellter der 3eppelinbau-Gesellschaft. Aber diese ganze Fahrt stand doch zu sehr unter der amtlichen Direktive, als daß man so leicht darüber Weggehen sollte. War es unbedenklich, das Luftschiff diesen Höhenflug so nähe bei der Grenze ausführen zu lassen? Und wie kam es, daß die Luftschiffcr von Sturm und Nebel so üb er ras cht werden konnten — wenige Stunden nach der Abfahrt von Friedrichshafen? Im \
brandt, bereits das Fazit aus diesen Erwägungen: er befürwortet die Einrichtung von Lu ft warten, die mit Drachen und Ballonen ständig die höheren Schichten der Atmosphäre erforschen sollen. Diese Observatorien sollen auch mit FunkensiMionen verbunden werden, damit die Luftschiffe jederzeit über die Wetterlage orientiert werden können.
In den Berichten und Aussagen der an der Fahrt des 3 4 und seiner Landung Beteiligten sind noch manche Widersprüche aufzuklären. Nach Meldungen aus französischen Ortschaften ist das Luftschiff während seiner Fahrt nach Westen von der Erde aus deutlich gesehen worden. Und die Insassen wollen gleichwohl so völlig die Orientierung verloren und erst ganz kurz vor der Landung bemerkt haben, daß sie auf französischem Gebiet seren" Da wäre also die aridere, heute als irrig erwiesene Annahme, daß ein Motordefelt die Schuld trage, doch leichter und Hilflosigkeit der Lenker verursacht habe, doch leichter und nachsichtsvvller hinzunehmen, llnd darf der Vorwand, Beuzimn angel habe den Zwischenfall verschuldet, ernsthaft genannt werden? Warum hat man dann nicht einen genügenden Vorrat mitgenommen, den man doch wohl für die Reise zu berechnen vermocht hat?
Das alles harrt der Aufllärung. In diesem Punkte darf nichts verheimlicht werden, denn der Spott der Franzosen über das „neueste, beste und schnellste Luftschiff der Welt" wäre schwer zu ertragen. Unsere Luftschifstechnik braucht heute mehr denn je Vertrauen und Glauben; wird dem Reichstag doch in den neuen Vorlagen für die Jahre 1913 bis 1915 eine einmalige Ausgabe für das Luftsahrwesen von .79 Millionen Mark vorgeschlagen! Wozu noch die Beträge für Instandhaltung kommen, die man immer reichlicher wird bemessen müssen. Noch ist wahrlich kein Mißtrauen und kein Verzagen berechtigt, denn Deutschland marschiert im Luftschiffbau unstreitig au der Spitze der Völker. Die Franzosen, die der Erfindung Zeppelins von Anfang an so wenig Zutrauen entgegengebracht haben, mußten sich von Jahr zu Jahr eines Besseren belehren lassen. Sorgen wir, daß das neueste Mißgeschick durch neue große Erfolge und die Sicherung gegen ähnliche Zwischenfälle bald in Vergessenheit gerät!
Noch ein anderer Zwischenfall ist dieser Tage in seinen unangenehmen Folgen unter dem Beifall aller kaiserlich gesinnten Kreise endgültig aus der Welt geschafft worden, der Fall Sohst. Der Kaiser hat seinem Pächter eine größere Abfindungssumme auszahlen und — den Kronenorden vierter Klasse aushändigen lassen! Herr Sohst erhielt ein Kabinettsschreiben, in den: sein loyales Verhalten anerkannt wird. Aber der Fall verdient doch noch eine genauere Betrachtung! Die „Elbinger Zeitung^ liefert dazu die Unterlage. Sie teilt mit, Herr v. Oldenburg, bei bekannte Agrarier-Führer, habe gleich nach der Rede dec Kaisers im Landwirtschaftsrat mit dein Geheimrat v. Etz- dorf von der Cadiner Verwaltung und mit dem Kabinettschef v. Balentini verhandelt. Herr v. Valentini hab dabei fcstgestellt, die Berichterstattung an den Kaiser fei in seiner, des Kabiuettschefs Gegenwart in korrekter Weise erfolgt, und die kaiserliche Bemerkung über den Cadiner Pächter sei als Ausdruck eister Augenblickslaune
aufzufassen. Zum Schluß der Darstellung in der „Elbinger Zeitung" heißt es denn auch: „Es erfolgt in den Stellen, die an der Verwaltung des kaiserlichen Gutes Cadinen beteiligt sind, weder ein P e r s on al wachset, noch sonst eine Acndcrung."
Darnach würde also von „Ohrenbläserei" und falscher Information des Kaisers keine Rede mehr sein können. Es handelte sich nur um einen Irrtum, eine „AugenblieL- laune" des Kaisers selbst, der freilich sein Unrecht jetzt wieder gut gemacht hat. Wenn aber nun in verschiedenen Blättern der Rechten behauptet wird, die Kritik in der Presse habe dem Ausgleichsverfahren nichi' genützt, sondern eher geschadet, so muß dem doch entgegengetreten werden. Es war Pflicht der Presse, auf den Irrtum des Kaisers hinzuweisen, und ihr Ziel war nicht in erster Linie, zu bewirken, daß Herr Sohst als Schmerzensgeld den Kronenorden erhielt. Viel wichtiger war es, baß biese, von vornherein öffentliche Angelegenheit auch ganz offen behandelt wurde. Wir wollen doch im Volke keinen untertänigen Byzantinismus großziehen, sondern Freimut, wenn man will auch „Männerstolz vor Königsthrones? Das Beispiel der Mitglieder des Landwirtschaftsrates, die zuerst Beifall klatschten und zustimmend lachten, um hinter-- her, doch vielleicht ein wenig unter dem Druck der öffentlichen Meinung und besserer Ueberlegung, im gegenteiligen Sinne zu handeln, ist nicht zu rühmen. Wenn irgend jemand eine Kritik treffen muß, dann kommen gerade diese Kreise in Frage, die durch ihr Gebühren dem Kaiser gegenüber allgemeinen Widerspruch und Unwillen erweckt haben.
Die Rückkehr des 5. 4.
Metz, 4. April. Von den Offizieren der Besatzung; des 3 4 sind heute abend 6,16 Uhr von Lunevilte über Deuffch-Avricourt kommend, Hauptmann George, Oberleutnant Brantzeis und Kapitän Gluud sowie Ingenieur Sieges hier eingetroffen und im Hotel Royal abgestiegen.
Die Erlaubnis zur Rückfahrt
des Luftschiffes traf im Laufe des Vormittags in Lunck- ville ein und wurde heute mittag von dem Unterpräfekten und dem General Lescot dem Führer des Luftschiffes, Kapitän Gluud, übermittelt. Um 11 Uhr 45 Minuten trieb ein W i n d st o ß b e n Ba l lon in die H ö h e, m i t i h m dreißig Soldaten, die ihn hielten. Es war ein angstvoller Augenblick. Alles rief: „Loslassen!", worauf sich die Soldaten zur Erde fallen ließen. Dann senkte sich die Spitze des Luftschiffes und näherte sich bis auf zwei Meter dem Boden. Um bas Gleichgewicht wieber herzustellen, begab sich bie Mannschaft durch d e n La u fg an g i n b i e hintereGond e l. Um 12 Uhr >0 Mi n. würbe der Befehl zum Aufstieg gegeben. DaS Schiff hob sich sofort, s ch w e b t e aber noch über e in e Stun d e über dem Platze in b er Luft, da es gegen heftigen Wind zu kämpfen Hütte, der es na ch Norden ab treib e n wollte. Aus dem Luftschiffe befand sich nur bie eigene Mannschaft, .nährend der Bürgermeister die deutschen Offiziere, die von besonderen Beamten begleitet wurden, in seinem Automobil nach Avricourt brachte. Der äbmontierte Motor wurde auf einem Wagen zum Bahn-
Die Srteöberger Chroniken.
Von Ferdinand Dreher.
Noch vor 10 Jähren kannte bie Literatur zur Geschichte von Friedberg länglich die Nainen Diefienbach, Schäfer, Windstaus, Grein. Goldmann und Adamy. Was diese Männer für die Erschließung der Vergangenheit von Friedberg geleistet haben, ist nicht stoch genug anzuschlagen. Fast 50 Jahre jedoch gingen seit bem1 Erscheinen von Joh. PH. DieffenbachS „Geschichte der Stadt und Burg Friedberg" (1857) ins Land, bis 1904 Dr. W. Foltz rm Auftrage der „Historischen Kommission für Hessen und Waldeck" Band I des ,,11 rlundengesetzes der Stadt Friedberg, 1216—1410" (698 Seiten: Preis 16 Mk.) sterausgab. Ein grundlegendes Werk für die ersten zweihundert Jahre^ der Reichsstadt Friedberg. Aber auch der Ansporn zu erneuter Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten der Geschichte von Friedberg. Denn in beit nächstfolgenden Jahren erschien eine stattliche Reihe selbständiger Verösfentliclmnqcn über Friedberg int Buchhandel (Dreher, Prof. Dr. Joh. PH. Dicffcnbach. 1786—1860. Sein Leben und Wirken. Friedberg 1911. 8. 48 Seiten. Preis 1,50 Mk.): Ich nenne nur Helmke, Seidenberger, Lejenne, Waas, Müller, Lang, Hieronimus, Menz, Schmidt, Zimmermann, Dreher, Back, Schnelle und Ritsert. Dazu traten dann noch zahlreiche Abhandlungen int „Archiv für Hess. Geschichte", den „Beiträgen zur Hess. Kirchengeschichte", den „Quartalblättern", den „Friedberger Geschichtsblättern" (1909—1971» und der „Hessischen Chronik' (1912 ff.). Wenn es aber trohdew bis heute noch unmöglich war, eine übersichtliche Geschichte von Friedberg zu schreiben, so liegt das daran, daß. die Friedberger des 19. Jahrhunderts keinen Sinn hatten für die kostbaren Altertümer und Archivalien ihrer Stadt. Man ließ alles verderben und kümmerte sich nicht darum, wenn Einheimische ober Fremde sich aneigueten, was ihnen gerade zusagte. So gelangten die meisten Stadtfriedberger Altertümer und Archivalien in fre/nbe Museen (London, Mainz, Darmstadt, Frankfurt, Nürnberg u. v. a. m.) und Archive ober in Privatbesitz, für Friedberg ein Verlust von vielen Hunderttausend Mark. Heute denkt man anders. „Tie gute alte Zeit" ist abgetan, und cs stehen außer einer Anzahl von Dissertationen auf Grund des 1907 neu errichteten Friedberger Stadtarchivs drei weitere große Veröffentlichungen bevor: 1. „Kastell Friedberg", herausgegcben von der Reichs-Limeskommission. _ 2. Band II vom „Urkundenbuch der Stadt Friedberg, 1410 ff.", hcrausgegeben von der „Historischen Kommission für Hessen und Waldeck". 3. „Die Friedberger Chroniken, 1369 - 1887", hcrausgegeben von der „Historischen Kommission für das Großherzoguim Hessen".
Den reichen Stoff der „Friedberger Chroniken" hat Prof. Dr. Ehr. Waas (Mainz) in jahrelanger Tätigkeit verarbeitet. Es sind Tagebuchauszeichnungcn führender Friedberger Persönlichkeiten, bisher völlig uubelaimte Gesthichisgueilen von ganz besonderem Werl, nicht nur für Friedberg. Vvn den Cstronikeir gehört bic|
des .Kraft von Rockenberg dem 14. Jahrhundert an, während uns Molther, Thomäs, Henrici, Grunelius, Mohr, Arnold, Bechstadt und May mit den Ereignissen in Friedberg während des 17. Jahrhunderts bekannt machen. Die Chronik öoit Haas entstand um die Wende des 17./18. Jahrhunderts, die von Preußer und Reitz setzen 1758 beziehungsweise 1768 ein. Besoirdere Beachtung ver bienen auch bie von Fr. W. Reuß, 1843 begonnenen Chronik- auszcichnungcn.
Wegen der außerordentlich hohen Kosten kann sich weder ein Verein noch ein Verlag auf eigene Faust an die Dnrcklegung der „Friedberger Chronilen" wagen. Deshalb soll bei der „Historischen Kommission für das (Hroßherzägtum Hessen" beantragt werden, bie „Friedberger Chroniken" in Druck zu nehmen. Wohl der beste Beweis, daß wir es hier mit einem Stoff von besonderer Güte zu tun haben. Die „Friedberger Chroniken." werden dem Fachmann und beut Laien reiche Belehrung und.Anregung geben. Sie sinb eine unerschöpfliche kulturgeschichtliche Quelle ersten sstauges, bie weithin Aussehen erregen und zeigen wird, wie recht Friedberg daran tut, baß es beute wieder all bas zu erwerben sucht, was Zeugnis ablegt von seiner iroch kaum erschlossenen rnhm- und leidensreichen Vergangenheit.
Unser neues Museirm, Archiv und Bibliothek werben eine Sehenswürbigkeit, wie sie außer Mainz unb Worms keine Stadt des Großherzogtums aufzuweisen hat. Denn hier ist nichts an den Haaren mühsam von auswärts herbeigezerrt, sondern alles bem altehrwürdigen Boden der Stadt, ihren Gebäuden, Behörden s unb alteingesessenen Familien entnommen, dank der freubigen Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Bürgerschaft. Es be^ darf freilich noch mancher Opfer an Geld und Gut. Und zwar rechnet bie Stadt dabei auch auf bie Mitwirkung von solchen Friedbergern, die inzwischen anderwärts eine neue Heimat fanden, aber das Bild der alten Tage noch im Herzen tragen. In wenigen Wochen siedeln Museum, Archiv Und Bibliothek in den ansehnlichen unb geräumigen Neubau über. Jedoch wird die'Neuordnung noch Monate in Anspruch nehmen. Die. Erösfirnng dieser- ^Sammlungen soll mit der Feier des 700jährigen Bestehens der Stadt Friedberg verbunden werden, unb die „Friedberger Chroniken" sind als Festschrift gedacht.
Vorausbestellungen, Geldspenden unb sonstige Schenkungen werden öffentlich bescheinigt.
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— Dr. Hans Richter erhielt anläßlich seines 70. Geburtstages (4. April) eine außerordentliche Zahl persönlicher Glückwünsche von der Familie Richard Wagner, deren Freunden, sowie den Verehrern in ganz Europa. Insbesondere ließen die Stadt Wien durch ihren Bürgermeister, die Wiener Hofoper und der Wiener Singverein, an dessen Spitze Richter seit mehr als zehn Jahren stand, durch Vertreter ihre herzlichsten Glückwünsche aussprechcn. Auch bie Bevölkerung nimmt an dem Gedenktag herzlich teil.
— Die diesjährige Burgensahrt der Vereinigung zur Erhaltung dnitscher Burgen wird nach Bapern gehen. Die Fahrt soll in Kulmbach ihren Anfang nehmen und Über Nürnberg, Regensburg, Landshut nach Reichenhall führen, und in Rosenheim hinter München endigen. Die Reihe der zu besuchenden Burgen ist sehr groß: es sind die Plassenburg bei Kulmbach, einst die Hauptresidenz der fränkischen Hohenzollern, Wernstein, Turnau, Nürnberg, Cadolzburg, gleichfalls eine alte Hohenzollern- sche Burg, Willibalos^Burg, Traußni., das herrliche^ Renaissanee-- schlos, Burglunisen, Tittmoning, Staufsenegg und Hohenaschau. Für die Fahrt sind 5 Tage in Aussicht genommen.
— Der Bibliothekar des Khedive. Aus Kairo wird gemeldet: Zum Direktor der Bibliothek des Khedive in Kairo ist der Bibltoihekar Dr, Hartmaitn als Nachfolger von Professor Dr. Moritz ernannt worden. Um diesen Posten, der im englisch französischen Kolonialabkommen von 1904 einem Deutschen Vorbehalten wurde, entspann siäi in den letzten zwei Jahren eine heftige Auseinandersetzung zwischen der deutschen und der ägpplischen Regierung, da diese den Posten unterdrücken wollte.
— „D a s m u ß ein großer Ochse f ein!" Eine Erfahrung, die ich (|’o schreibt jemand dem „Erfurter Mlg. Anzeiger") neulich machen mußte, erinnert mich an eine kleine Geschichte, die der bekannte Kunsthistoriker Hermann Grimm in seinen Vorlesungen zu erzählen pflegte. Grimm machce einst mit einem anderen Kunstgelehrten zusammen eine Studienreise durch Süddeutschland. Dabei wurden sie eines Tages in die Villa eines reich geworbenen Brauers verschlagen. Man nahm sie sehr gut auf und bewirtete sie aufs beste. Als der Haushmr hörte, daß seine Gäste Kunst- wissenselmstler seien, führte er sie vor ein großes Gemälde das er für einen Rubens hielt. Der alte Grimm betrachtete das Bild längere Zeit unb sagte bann in seiner besä^idenen Art • , So weit ick Rubens kenne, ist dies lein Rubens!" In Wahrlnit war es eine völlig wertlose Kopie. Da wurde der frühere Braum puterrot und rief: „Das Muß ein großer Ochse sein, der nicht gleich lieht, daß das ein echter Rubens ist!" Die. beiden Kunsthistoriker itanden da wie die begossenen Pudel. Hermann Grimm pflegtr leine Erzählung mit folgenden Worten zu beschließen: „Meine Herren! Man gilt nur so lange etwas.bei Künstlern und Kunstfreunden, wie man ihnen schmeichelt. Widerspricht man ihnen ober tadelt man sie, so ift man ein Ignorant und Dummkopf. Das ist eine Erfahrung, die Sie alle einmal machen werden, beionders biejenigcn unter Ihnen, die sich als Kunstkritiker betätigen wollen. Mein, meine Herren, daraus darf man sich nichts Machen!"
Kurze Nachrichten aus Kunst unb Wissen- fchaf t. Der Zirk n s S ch u m a n n ist durch Kauf in den Besitz hon M a x R e i n h a r d t übergegangen. Ter Zirkus soll bis zum Herbst zu einem großen Theater imigebaut werden.


